557. Vogtland

[382] Es geht die allgemeine Sage vom Schlosse Voigtsberg bei Ölsnitz, daß der Römerfeldherr Drusus Germanicus dasselbe erbaut habe. An der Wand[382] eines Zimmers in diesem Schlosse, welches später zur Amtsstube diente, stand ein lateinisches Distichon:


Castra locus Drusus hic praetoria nomina monti

Fecit: posteritas servat et ipsa sibi.


Das haben die Alten in diesen Reimen wiedergegeben:


Druse, der edle römisch Voit,

Bauet diesen Berg in Not,

Da er Kriegs in Deutschland pflag,

Voigtsberg heißt es auf diesen Tag.


Weiter wurde noch davon gedichtet:


Vom Voigtsberg das ganz umliegend Land

Ward allenthalben das Voigtland genannt.

Die Burg, die stund viel manche Jahr,

In der Herrn von Plauen Hand ohn Gefahr.


Im Jahre 1356 kam Voigtsberg mit einem guten Teil des Vogtlandes an Friedrich und Wilhelm, die Markgrafen von Meißen.

Auf mehrere kleine Städte des Vogtlandes und des angrenzenden Orlagaues trägt sich das Volk mit einem Spottreim, wie die Altmärker einen ähnlichen haben; derselbe Reim lautet:


Durch Adams Fall ist Tripts verderbt,

Und Auma liegt daneben,

In Weida ist kein Heller Geld,

Und Neustadt kann nichts geben.

In Ziegenrück ist große Not,

In Ranis ist kein Bissen Brot,

Und Pausa ist die Schwester.

Sind das nicht leere Nester? –


Die Sage geht, Pausa liege im Mittelpunkt der Welt. Dahin zu gelangen, fährt man mit der Sächs.-Bayr. Eisenbahn nach Mehltheuer. Von dort geht eine Post nach Schleiz. Wenn zu dieser sich mehr als sechs Personen melden, so heißt es: Die Post nach Schleiz ist voll, aber Sie können noch mit dem andern Wagen nach Pausa fahren. Nun fährt man nach Pausa und sieht dort zu, wie man nach Schleiz gelangt. Das nennt man pausieren.

Quelle:
Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersburg und Leipzig 1930, S. 382-383.
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