138. An Otto Bassermann

[87] 138. An Otto Bassermann


Wiedensahl 10 Sept. 72


Mein lieber Baßermann!

Gestern Abend bin ich zurück gekehrt, nachdem ich Dresden und Umgegend zu Fuß und zu Wagen und zu voller Befriedigung bei einer ganz abscheulichen Hitze durchstöbert, wobei mich zuweilen der trostreiche Gedanke überlief, daß ich zur selben Zeit nicht bei der Dreikaiserzusammenkunft in Berlin zu sein brauchte.

Bei Rämmler & Jonas habe ich Abdrücke mit Originalen verglichen. Sie kommen ohne Retouche ganz genau, so daß in dieser Beziehung nichts zu wünschen bliebe. Auch das Drucken würde äußerst schnell gehen. Aber nun kommt Dein Bedenken, ob sich Bogenweis auf beiden Seiten drucken läßt. Die Auskunft, die ich erhielt, war unbestimmt; es hieß: ja, wenn das Papier recht stark wäre, so ginge es am Ende wol. Das wäre so gut wie: Nein! Es fragte sich demnach, ob dein Bedenken so schwer in Wagschale fiele, daß man den Gedanken, auf die Weise ein Buch zu machen, ganz fallen laßen müßte.

Den alten Richter besuchte ich hoch oben in Loschwitz. Er war äußerlich wenig verändert; doch sagte er mir, daß er seiner Augen wegen rein gar[87] Nichts mehr arbeiten könne. – Den jungen Richter hätte ich natürlich Spaßes halber auch gern mal wieder gesehen; traf ihn aber nicht zu Hause.

Deinen letzten Brief mit Einlage erhielt ich Freitag in Wolfenbüttel.

Hier in Wiedensahl fand ich den umgeänderten Probeabzug von Müller vor. Er ist jetzt wenigstens im Ausdruck einigermaßen genügend, was Du ihm wohl mittheilst.

Von Ettling ist der Rest eingelaufen und recht gut.

Ost u. Obermann sind noch rückständig. Was ich also bis jetzt gesehen, kannst du zum Clichiren geben.

Viele herzliche Grüße von

Deinem alten

Willem.

Quelle:
Busch, Wilhelm: Sämtliche Briefe. Band I: Briefe 1841 bis 1892, Hannover 1968, S. 87-88.
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