1639. An Franz von Lenbach

1639. An Franz von Lenbach


Wiedensahl 14 Dec. 83.


Lieber Lenbach!

Ich weiß nicht, in welcher Stube des Gehirns, wo man ja die Erscheinungen dieser sogenannten Wirklichkeit ordentlicher Weise anzusammeln pflegt, ich augenblicklich Dein Bildniß aufzuhängen habe; in der kühlen nördlichen oder der warmen nach Süden. Haben thu ich's noch, wohlerhalten und geschätzt, wie ehedem. Meins hängt noch immer aufgenagelt am alten Platz, nicht ganz ungemüthlich auf die bescheidene Welt herablächelnd, die es umgiebt. –

Der Winter hat sich mal wieder herangefröstelt. Unaufhaltsam schiebt die Zeit den Karren den Berg hinab.

Gehab Dich wohl, lieber Freund! Und schön wär's von Dir, wenn Du bald mich wieder orientirtest.

Dein alter

Wilh. Busch.

Quelle:
Busch, Wilhelm: Sämtliche Briefe. Band I: Briefe 1841 bis 1892, Hannover 1968.
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