229. An Otto Bassermann

229. An Otto Bassermann


Wiedensahl Sonnabend [9. Mai 1874]


Mein lieber Otto!

Ich war gestern selbst mit nach Bückeburg, um mich persönlich u. direkt so zu instruiren. Wie ich schon erwähnte, kam es besonders auf das Wann? an. Die Fragliche hatte große Lust, die Stelle anzunehmen, kann sich aber nicht so bald von ihrer Lehrverpflichtung gegen etwa 30 Kinder frei machen, als es für deine Absichten nöthig ist. Der nächste Herbst wäre doch zu spät gewesen. – Damit war es also Nichts, und ich beschloß die Zweitgewünschte zu fragen, wobei ich jedoch für gut hielt, zu verschweigen, daß bereits eine Erste gefragt sei. – Das that ich heute Morgen. Meine Base ist bereit, in etwa 4 Wochen zu kommen, doch hat die Mutter noch das entscheidende Wort zu sprechen, was ich Morgen früh erfahre und dann Morgen Nachmittag berichten werde. – Es sind mir noch zwei Fragen aufgestoßen: Wie ist es mit den Reisekosten? und hat sie für ihre Wäsche selber zu zahlen? – Ich wiederhole, daß ich nach Allem, was ich weiß, fest überzeugt bin, ihr werdet sie fleißig, zuverläßig und geschickt finden; bescheiden in ihren Ansprüchen, willig in dem, was ihr gesagt wird; aber natürlich alles unter der Voraussetzung, daß niemals der sogenannte Dienstbotenton angeschlagen wird. Doch das brauche ich dir ja nicht zu sagen; du wirst ja selber gleich heraus fühlen, was paßend und – vortheilhaft ist.

Solltest du noch einmal hierher telegraphiren, so bitte ich dich, die Notiz in meinem vorigen Briefe zu beachten und nicht per express sondern per post dem Telegramm hinzu zu fügen. Wird es zeitig am Morgen in Heidelberg aufgegeben, so kann es um 10 Uhr in Stadthagen sein, wird in die Post aufgenommen, und Mittags um 12 Uhr habe ich es hier. Der Expreße dagegen kostet Geld und klopft möglicherweise nicht allein mich, sondern auch alle meine Hausgenoßen aus dem Bette.

Herzlichen Gruß

Willem

Quelle:
Busch, Wilhelm: Sämtliche Briefe. Band I: Briefe 1841 bis 1892, Hannover 1968, S. 124.
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