Dritter Akt

[72] CHRISTIAN WACH sitzt im Lehnstuhl hinter dem Mitteltisch, den Unterkörper in schwarze Decken gehüllt. Vor ihm liegen Geschäftspapiere, in denen er blättert und Zahlen nachrechnet, in der linken Hand einen Bleistift haltend. Man sieht, sein rechter Arm ist gelähmt, hängt in einer schwarzen Binde. Seine Stimme klingt untergraben. – – Also noch knappe neun Millionen – Den Bleistift hinlegend. es geht zu Ende, Christian Wach. – Sich mühsam nach dem Porträt umwendend. Deine Schatzgrube ist bald leer, alter Drachen! – Hand aufs Herz legend, schwer vor sich hin. Und die Mördergrube wird immer voller – –

DIE ALTE ANNE tritt in die Tür, ein winziges, aber sorgsam geschmücktes Weihnachtsbäumchen auftragend. So, Herr Christian, damit Sie doch merken, daß uns heute der Heiland geboren ist – Vor ihn hintretend. der Erlöser, lieber Herr Christian! – Das Bäumchen auf den Tisch stellend. Gelt, ich darf es heut Abend uns anzünden; zu Heilig-Abend ist das keine Verschwendung.

CHRISTIAN. Das hast du doch früher nicht getan. Lächelnd. Du denkst wohl, jetzt bin ich hilflos genug, daß du mir neue Lichter aufstecken kannst?

ANNE. Ja, ich hätt mir schon eher ein Herz fassen solln. Wir sind allesamt hilflos genug.[73]

CHRISTIAN. Besonders wenn wir's uns einreden lassen. Ich halle mich lieber an das Sprichwort: hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Das ist auch für die Gottlosen brauchbar.

ANNE. Es gibt noch ein ander Sprichwort, Herr Christian: Gott verläßt die Seinen nicht. Und mancher ist sein, der's nicht wahr haben will.

CHRISTIAN. Wenn ich nicht wüßte, wie gut du's meinst, könnt ich glauben, du dankst deinem Gott im stillen, daß er mich damals nach meiner Freisprechung Auf seinen rechten Arm deutend. mit dem Schlaganfall begnadet hat.

ANNE. Seine Wege sind nicht die unsern.

CHRISTIAN. Schon recht, schon recht; ich kenn deine Standreden. Auf den Stuhl zu seiner Linken weisend. Komm, setz dich lieber, ich muß dir was sagen. Aber stell erst das Bäumchen einstweilen beiseite, sonst vergeht mir bis Abend die Freude daran. Während Anne es auf den Bücherbord trägt. Ich habe gestern mit dem Notar mein Testament ins Reine gebracht Er berührt die Papiere, schüttelt sich unwillkürlich. – aber leg noch bitte etwas Holz aufs Feuer. Und wenn nachher der Minister kommt, legst du nochmals ein bißchen nach. Hat er nicht m-melden lassen, worum sich's handelt?[74]

ANNE ein paar Scheite in den Kamin legend. Es wird halt wegen der neuen Stiftung sein; die Grundsteinlegung der Radioklinik.

CHRISTIAN. Nein, das hab ich mir schon verbeten, daß sie auf meinen Namen getauft wird. Also komm jetzt, wir wollen uns aussprechen.

ANNE sich setzend, ihm in die Augen blickend. Ja, wenn Sie das wollten, Herr Christian –

CHRISTIAN. Willst du mich wieder aufregen, Anne? Das kannst du dem Justus überlassen! – Er hat sich wohl jetzt mit dir verschworen, meine werte S- Seele zu retten? Seitdem er hier mit im Hause wohnt, wird er von Tag zu Tag christlicher.

ANNE. Auch der Herr Justus meint's gut auf seine Weise.

CHRISTIAN. Gewiß, versteht sich; und ich lohn's ihm auf meine. Das eben will ich mit dir besprechen.

ANNE. Wenn Sie's aber doch aufregt! grad immer das! Immer wieder diese unselige Erbschaft, diese Sorge um den morgigen Tag. Und grad zum Christfest; es hat doch Zeit.[75]

CHRISTIAN. Nein, Anne, mit meiner Zeit ist's bald aus; kannst ruhig darüber reden mit mir. Meinst du, ich furchte mich vor dem T-Tod? Was tut's denn, ein bißchen früher zu sterben als es ohne die Sorge vielleicht geschähe. Was heißt denn sterben? keine Sorgen mehr haben! Kann man sich davor furchten im Leben? Kann man das überhaupt begreifen? Ich kann meinen Tod mir nicht vorstellen.

ANNE. Ja: sie will nit sterben, die ewige Seel –

CHRISTIAN. Kommst du schon wieder mit deiner Gottesfurcht? Versteh doch, ich habe andere Sorgen!

ANNE seine Linke streichelnd. Nicht Furcht, nicht Furcht: Gott will Vertrauen. Furchtbar ist blos die menschliche Selbstsucht.

CHRISTIAN lächelnd. Dann sei also selbstlos und hör mir zu. Ein Schriftstück aus den Papieren nehmend. Hier ist mein Vermögen drin verzeichnet. Es sind, nach Abzug aller Unterhaltsgelder für die bestehenden Stiftungen, noch etwa neun Millionen Mark. Davon habe ich drei dem Justus vermacht; den Rest, wenn du nichts dagegen hast, Dir.

ANNE. Aber –[76]

CHRISTIAN. Laß mich erst ausreden, bitte. Du kannst damit machen, was du willst; kannst den Plunder verschenken, an wen du willst, meinethalben an den verkommensten Strolch. Nur die eine Bedingung ist dir gestellt: keinen Pfennig mehr darfst du für irgend eine dieser öffentlichen A-Anstalten stiften, die unter der Maske des Samariterdienstes eine Gesellschaft von Pharisäern züchten. Denn daß du's nur weißt, liebe alte Anne: ich will dich nicht in Versuchung führen, ob deine Barmherzigkeit auch am Ende in die allgemeine Herzlosigkeit umschlägt, die sich M-Menschenfreundlichkeit nennt. Selbst das größte Gefühl wird klein, wenn es sich aufputzt mit großen Begriffen; ein bißchen Güte von Mensch zu Mensch ist besser als alle Liebe zur Menschheit.

ANNE. Das sagen Sie blos wieder, um sich zu quälen. Der gute Wille ist allzeit heilig.

CHRISTIAN. Wenn du also einverstanden bist, dann liegt es auch in deiner Hand, das Vermächtnis an Justus größer zu machen. Ich möchte mit ihm nicht darüber sprechen, und ich bitte auch dich inständig, es nicht vor meinem T-Tode zu tun; er denkt sonst, ich wolle ihn bestechen, und das würde die Versöhnung erschweren, die ich noch von ihm zu erlangen hoffe. Also nicht wahr, du schweigst darüber!

ANNE. Ja gewiß, Herr Christian, gern.[77]

CHRISTIAN. Du kannst dir ja immer überlegen, ob es vielleicht ein christliches Werk ist, ihm mehr als die drei Millionen zu geben, die er vor Jahren von mir verlangt hat; meinethalben das Doppelte.

ANNE. Was ist da groß zu überlegen? Was braucht ein einzelner Mensch soviel Geld? Es lädt ihm blos Ängste auf die Seele. Sie, Herr Christian, hätten's auch leichter gehabt, war nit die große Erbschaft gewesen.

CHRISTIAN lächelnd. Du fühlst dich wohl nicht als »einzelner Mensch«?

ANNE lachend. O, ich leichte Person! bei mir bleibt's nit lang! Hier in der Näh gibts 'ne ganze Straße, da könnt man in einer Nacht die Millionen los werden, damit das geschminkte Elend mal ein rechtschaffen Christfest feiern kann.

CHRISTIAN. Du hast's ja gut vor; gib nur Acht, daß dir die Lichter nicht den Baum verbrennen. Glaub mir: was der Mensch auch tun mag aus Mitleid, es ist nie genug und immer zuviel. Du wirst vielleicht noch zufrieden sein, daß du dem Justus die Sorge aufpacken kannst, wie man das Geld am besten los wird.[78]

ANNE. Davor ist mir nit bang, dafür sorgt unser Herrgott; ist eitel Dunst um jegliche Guttat, die seine Welt verbessern will. Was würd denn der stolze Herr Justus sagen, wollt ich vor ihn hintreten und ihm was schenken? Nein, das geht nit; dem kann ich das nicht antun.

CHRISTIAN langsam nach ihrer Hand tastend. Verzeih mir, Anne – ich hab dich zu spät erkannt – –

ANNE. Und wenn's noch Zeit war, Herr Christian – die andere Sorge auch los zu werden –?

CHRISTIAN sich aufraffend, rauh. Was soll das! L-laß das! Ich sagte: zu spät!

ANNE seine Linke mit beiden Händen ergreifend. Ich hab geschwiegen so viele Jahr lang, ich werd schweigen darüber bis ans Grab: sprechen Sie aus, was Ihnen das Herz abdrückt!

CHRISTIAN. Sei vernünftig, Anne, reg mich nicht auf! Lächelnd. Du weißt, das verträgt der Geheimrat nicht.

ANNE. Ich bitt Sie, Herr Christian, liebster Herr: spotten Sie nicht, ich fleh Sie an! Zu ihm hinknieend. Ich hab noch nie[79] vor einem Menschen gekniet – ich beschwör Sie bei Ihrer Qual – Mit beiden Händen nach dein Porträt weisend. bei den Augen, die Sie verfolgen –: nehmen Sie nicht das Geheimnis mit hinüber!

CHRISTIAN. Steh auf! du beschämst mich! ich d- dulde das nicht! Der Justus hat dich ganz wirr gemacht! Steh auf, sag ich dir, du machst mich zuschanden! Willst du mir noch einen Schlaganfall einjagen?

ANNE. Ich will Ihrer armen Seele beistehn! Die macht's ja nur, daß der Körper büßt!

CHRISTIAN wild seine Linke gen Himmel spreizend. Ist denn selbst die Barmherzigkeit eine Furie?! – Die Hand auf Annens Kopf senkend, sanft. Was Weißt du Von meiner Buße, du Engel. Steh auf, du überhebst dich vor Demut. Die Hand an seine Stirn legend. In dies Geheimfach dringt nur der Tod. Draußen elektrisches Klingelzeichen, während Anne sich erhebt. – Geh, öffne; Matt ihre Hand ergreifend. du hast mir wohlgetan –

ANNE küßt seine Stirn, dann mit traumhaftem Ausdruck. Denn uns ist heute der Heiland erschienen – Legt beglückt ihre Hände vor die Brust und geht so leise nickend hinaus. – –

CHRISTIAN wendet sich langsam nach dem Porträt um. Verfolgst du mich wirklich noch?! – Wendet sich langsam[80] zurück, schließt die Augen; dann mit verklärtem Gesicht. Bald nicht mehr – – Die Tür geht auf, Anne läßt den Minister und den Oberbürgermeister eintreten. – –

DER MINISTER mit einer Verbeugung, der sich der Bürgermeister anschließt, während Anne Holz in den Kamin legt. Guten Tag, Herr Geheimer Rat; es tut mir leid, Sie stören zu müssen.

CHRISTIAN WACH. Nicht im geringsten, Euer Excellenz. Wollen Sie nur entschuldigen, daß mein Zustand mir nicht erlaubt, den Herren geziemend entgegenzukommen. Darf ich bitten, Platz zu nehmen.

MINISTER während Anne hinausgeht. Die Ehrerbietung erfordert zunächst, meinen Auftrag stehend zu erstatten. Auf Befehl seiner Königlichen Hoheit, unsers gnädigsten Landesherrn, habe ich Ihnen, Herr Geheimer Rat, die persönliche Eröffnung zu machen: So sehr die Gesinnung zu würdigen ist, aus der Sie Ihre Namensverknüpfung mit dem von Ihnen gestifteten radioklinischen Institut ablehnen, kann doch des guten Beispiels wegen ein solches Geschenk nicht angenommen werden, ohne es durch ein rühmliches Zeichen der allgemeinen Erkenntlichkeit zu erwidern. Seine Königliche Hoheit haben daher geruht, in der Annahme, daß es Ihnen eine Weihnachtsfreude bereiten wird, Sie in den Adelsstand zu erheben; die Urkunde folgt heute Nachmittag. Sich auf den Stuhl links des Tisches setzend, mit lächelnder Unamtlichkeit. Ich erlaube[81] mir, Herr von Wach, Ihnen ohne Phrase zu sagen, daß ich Ihren Dank richtig ausrichten werde.

CHRISTIAN VON WACH. Es liegt meinem Selbstgefühl fern, Excellenz, mich gegen ein gütiges Wort zu wehren. Sie reichen einander unwillkürlich die Hand.

DER BÜRGERMEISTER ist stehen geblieben, räuspert sich. Ich bin nicht blos erschienen, Herr Geheimrat von Wach, um Ihnen meinen aufrichtigen Glückwunsch zu der soeben vernommenen hohen Auszeichnung darzubringen; ich stehe hier zugleich in Vertretung der behördlichen Körperschaften unserer Haupt – und – Residenzstadt, die auf mein sachliches Betreiben, trotz der persönlichen Widerstände gewisser starrköpfiger Mitbürger, den weitherzigen Beschluß gefaßt haben, zur dauernden Erinnerung au die gemeinnützige Betätigung Ihrer unentwegten Menschenliebe ein bedeutsames Merkmal zu errichten, sowohl um Ihnen selbst im Gedächtnis künftiger Zeiten und Geschlechter Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, als auch um andere Menschenfreunde zu gleicher Betätigung anzuleiten. In diesem überpersönlichen Sinne, hochzuverehrender Herr Geheimrat, soll Ihr in Öl gemaltes Porträt, und zwar von der Hand des bewährten Direktors unserer Kunstakademie, in unserem Rathause aufgehängt werden; und in Rücksicht auf Ihre so werte Gesundheit, deren baldige Wiederherstellung jeder Wohlgesinnte wünschen muß, bitte ich Sie, ihm mitzuteilen, zu welchen Stunden Sie ihm in der[82] Festwoche die leider aus künstlerischen Gründen unumgänglich erforderlichen Modellsitzungen gewähren wollen.

CHRISTIAN VON WACH. Sie dürfen überzeugt sein, Herr Oberbürgermeister, daß ich Ihren »weitherzigen Beschluß« im vollen Umfang zu schätzen weiß, sowohl die überpersönliche Gerechtigkeit wie die persönlichen Widerstände. Ich meinesteils würde zwar am liebsten ebenso starrköpfigen Widerstand leisten; aber da ich nicht mehr kräftig genug zu dieser Absichtlich. Betäterätätigung bin, so bitte ich dem Herrn Akademie-Direktor mit einem verbindlichen Gruß zu bestellen, daß er seine Staffelei wohl bald vor meiner L-Leiche wird aufschlagen können.

BÜRGERMEISTER. Ich hoffe, verehrter Herr Geheimrat, Sie werden damit nicht sagen wollen

CHRISTIAN VON WACH erregt. Ich will damit sagen, verehrter Herr Ober-b-bürgermeister, daß ich nach meinem Tod nicht verhindern kann, der M-Menschheit in Öl serviert zu werden; zu meinen L-Lebzeiten bin ich lalala-leider – Sich zusammennehmend. für diese »sachliche« Behandlung meiner nebensächlichen Person nicht ganz menschenfreundlich genug.

BÜRGERMEISTER sich in die Brust werfend. Ich hätte es kaum für möglich gehalten, daß eine so[83] wohlerwogene Ehrung auf solche Verkennung stoßen würde. Zu meinem tiefsten Bedauern bleibt mir nur übrig, dies der Bürgerschaft zur Kenntnis zu bringen; und wenn ich mich jetzt hier verabschieden muß, so geschieht es mit dem Bewußtsein, mit dem erhebenden Bewußtsein, daß ich des Beifalls der weitesten Kreise in diesem Falle gewiß sein darf. Ich empfehle mich Euer Excellenz – Der Minister steht auf. oder falls Sie mich zu begleiten gedenken

CHRISTIAN VON WACH. Darf ich wohl bitten, Excellenz, noch einen Augenblick zu verweilen?

MINISTER. Gern, Herr Geheimrat. Verzeihung, Herr Oberbürgermeister.

BÜRGERMEISTER. So empfehle ich mich denn wiegesagt – Man verbeugt sich gemessen – er geht gewichtig ab. – –

MINISTER indem er sich wieder setzt. Ich bin zu jeder Vermittlung bereit.

CHRISTIAN VON WACH. Es tut keine mehr not, Lächelnd. ich bin erledigt. Ernsthaft. Ich wollte nur fragen, Excellenz: würden Sie wohl einem Sterbenden eine unumwundene Antwort geben?[84]

MINISTER. Soweit das menschenmöglich ist –

CHRISTIAN VON WACH. Warum häuft man Ehren auf eine Person, die man doch für schändlich hält? Warum p-peinigt man mich mit Gnadenmienen, hinter denen der Abscheu grinst?

MINISTER. Die Ehre gilt niemals der Person, stets nur der Sache, der man dient. Lächelnd. Das entschuldigt auch die Person, die uns soeben verlassen hat.

CHRISTIAN VON WACH. Also wir sind alle dazu verdammt, einander Böses zu tun im Kampf um das Gute?!

MINISTER. Wenn's die Sache verlangt – jeder Sieg kostet Opfer –

CHRISTIAN VON WACH. Wo bleibt dann die Grenze zwischen Tat und Untat, Heldentum und Verbrechertum? Was berechtigt uns, Andre zu opfern?

MINISTER. Wohl was uns verpflichtet, uns selbst zu opfern. Aufstehend. Wem es die innere Stimme sagt, der fragt wohl nicht nach dem Urteil der Welt.

CHRISTIAN VON WACH. Ich danke Euer Excellenz.[85]

MINISTER ihm die Hand hinstreckend. Ich wünsche Ihnen ein frohes Fest!

CHRISTIAN VON WACH. Ihnen noch viele, Excellenz! – – Minister ab, an der Tür sich nochmals verneigend; Christian erwidert den Gruß, schließt dann die Augen und raunt vor sich hin. Wem es die innere Stimme sagt –? – Es klopft, und Justus Wach tritt ein. Nun, Justus, mein Spiegel, bist du schön blank heut?

JUSTUS sich rechts des Tisches setzend. Macht es dir wirklich noch immer Vergnügen, mir das unbedachte Wort nachzutragen, das ich damals in der Erregtheit hinwarf?

CHRISTIAN. Wie sollte es nicht? Du bist doch noch immer bestrebt, mir mein wahres Gesicht zu zeigen. Das macht mir wirklich ein ungemeines Vergnügen; das einzige, das mir die Welt noch bietet. Ich bin dir auch wirklich dankbar dafür.

JUSTUS. Also dazu hast du mich in dein Haus gelockt: dem Herrn Geheimrat als Hofnarr zu dienen. Und ich war einfältig genug, mir von der guten Anne aufschwatzen zu lassen, es sei dir ernstlich um eine Versöhnung zu tun.

CHRISTIAN. Außerordentlich rührend bei deinem Beruf, dies Selbstbekenntnis[86] deiner Einfalt. Seit wann bist du denn so versöhnlich gestimmt?

JUSTUS. Du weißt sehr gut, daß es mich reut, deinen Schlaganfall veranlaßt zu haben; wenn es auch ohne Absicht geschah.

CHRISTIAN. Ja, das hast du mir schon mehrmals gesagt. Aber nicht wahr: mein Tagebuch, das hast du noch immer nicht aufgespürt –

JUSTUS. Hältst du es denn in der Tat für möglich, ich hätte bei einiger Überlegung nur eine Minute lang geglaubt, daß ein solches Geständnis vorhanden sei? Wenn du es je geschrieben hättest, war es doch längst von du? vernichtet.

CHRISTIAN wie zufällig die Hand auf seine Papiere legend. Und wenn es nun doch noch irgendwo läge?

JUSTUS. Ich lasse mich nicht mehr zum Narren halten!

CHRISTIAN. Wenn es mir nun eine Wollust wäre, mit der Entdeckungsgefahr zu spielen? Wenn mich immerfort die L-Lust stachelte, die unersättlich marternde Lust, mein Geheimnis der Welt ins Gesicht zu schreien? und dabei[87] die W-Wonne der Selbstbeherrschung, der Welt nicht den Gefallen zu tun! mich nicht knechten zu lassen von dieser B-Beichtsucht! diesem schamlosen Mitteilungstrieb, der uns alle zu armen Sündern macht! – Hast du dir das noch nie überlegt? –

JUSTUS. Wenn du mich etwa nötigen willst, Weihnachten anderswo zu feiern, dann bitte sage es mir doch offen! Die Anspielungen auf meinen Beruf werden mir nachgerade lästig.

CHRISTIAN. Du kannst dir also garnicht denken, daß ein M-Mörder ein ehrlicher Mensch sein kann?

JUSTUS. Ich denke mir, daß du durch deinen Reichtum, weil du keine andre Beschäftigung hattest, zum Grillenfänger geworden bist. Nun tiftelst du dir aus allerlei Zufallen ein neunmalkluges Verbrechen zusammen, blos um dir nicht einzugestehen, daß dir glücklicherweise der Mut dazu fehlte.

CHRISTIAN. Deine Menschenkenntnis ist fast so gründlich wie deine gute Meinung von mir. In der Tat, Vetter: es ist tief beschämend, so als elender Mitmensch dazusitzen, wo man Teufel und Engel zugleich sein wollte.

JUSTUS. Nun, die Märtyrer-Rolle hat auch ihre Glorie. Sonst hättest du wohl die Selbstquälerei nicht so lange ausgehalten.[88]

CHRISTIAN. Und wenn ich nun all die Jahre lang gegen die Versuchung angekämpft hätte, diese Qual mit eigner Hand abzu-b-brechen? Krampfhaft die Hand aufs Herz drückend. Wenn's mir nun zu erbärmlich gewesen wäre, so vor mir selbst in die B-Binsen zu gehn? Wenn ich lieber die Buße ertragen hätte, vor jedem unbe-bedachten Wörtchen zu beben, als diese B-Babbala – Sich bezwingend, da Justus ihm Hilfe leisten will. laß – ich danke – – Ich wollte sagen: Blamage des Selbstmords.

JUSTUS. Ich muß es wohl aufgeben, Christian, dein Gewissen zu beruhigen.

CHRISTIAN lächelnd. Ja, wir haben beide unsern Beruf verfehlt; du als Mitmensch, und ich als Unmensch.

JUSTUS. Ich will dich wahrhaftig nicht aufregen, aber du zwingst mich ja dazu. Warum bringst du das Unrecht, das ich dir antat, trotz meiner Abbitte immer wieder zur Sprache?

CHRISTIAN. Vielleicht weil es mein »Gewissen beruhigt«, deine Gerechtigkeit wanken zu sehen. Wenn du sicher wüßtest, ich hätte gemordet, würdest du dann wohl noch geneigt sein, mir die Hand zur Versöhnung zu bieten? –[89]

JUSTUS. Es gibt doch Morde, die sogar das Gericht verzeiht.

CHRISTIAN. In der Tat; du bist sehr entgegenkommend. Und die M-Massenmorde fürs Vaterland, oder für Thron und Altar und Kapital, oder für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit oder sonstige große Rosinen: die verherrlicht sogar die W-Weltgeschichte. Blos, das sind alles Morde aus Leidenschaft, aus Eifersucht, Rachsucht, Ehrgefühl, Pflichtgefühl; die freilich entschuldigt man edelmütig.

JUSTUS. Nun, wenn auch nicht grade vor Gericht, aber unter vier Augen betrachtet, ist wohl auch deine Art Menschenliebe eine entschuldbare Leidenschaft.

CHRISTIAN lächelnd. Aber Justus, ich werde irre an dir! Sollte ich endlich dein Herz erweicht haben?

JUSTUS schroff. Wenn du mir keinen Glauben schenkst, beweisen läßt sich dergleichen nicht.

CHRISTIAN die Hand auf seine Papiere legend. Wer weiß; ich könnte mich doch vielleicht »unter vier Augen« überzeugen, wie weit du mein Vertrauen ehrst.[90]

JUSTUS. So? Könntest du das?

CHRISTIAN. Wenn ich wüßte, Justus, wie weit du dir selber trauen darfst? Da Justus Miene macht aufzufahren. Bitte bleib sitzen, ich will dich nicht kränken. An deinen guten Willen glaube ich gern. Ich wollte dich sogar zum Christfest um einen kleinen L-Liebesdienst bitten.

JUSTUS. Wenn es dir wirklich ernst darum ist –?

CHRISTIAN nimmt aus seinen Papieren ein mit fünf roten Siegeln verschlossenes Heft. Ich habe gestern mein Testament neu verfaßt; ich wollte dich bitten, hier das alte – Draußen elektrisches Klingelzeichen. ah, der Sanitätsrat; nun, dann nachher. – Das Heft wieder unter die Schriftstücke schiebend. Ich bin sein besuchtester Patient, seitdem er mich nicht mehr retten kann. Anne läßt den Sanitätsrat eintreten. – Willkommen, mein werter L-Lebensretter!

SANITÄTSRAT während Anne an den Kamin geht und wieder Holz aufs Feuer legt. Danke, danke, mein teuerster Todeskandidat. Zu Justus, der aufgestanden ist. Aber bitte doch Platz zu behalten. Sich gleichfalls setzend, links des Tisches. Und bitte mich nicht mißzuverstehen. Todeskandidaten sind wir ja alle; Sie können mich noch gut Überleben! – Christians linkes Handgelenk nehmend, sich nach Anne umdrehend. Gelt, Schwester: der reine[91] Methusalems-Puls! Sie messen den Blutdruck doch noch regelmäßig?

ANNE. Gewiß, Herr Geheimrat; er ist etwas niedriger.

SANITÄTSRAT während Anne hinausgeht. Natürlich! Blos Aufregung vermeiden! Bei Ihrer zähen Konstitution: wir werden schon wieder Lebensmut fassen! In der letzten Sitzung der Menschenfreunde hat man sogar darauf gewettet, Sie würden doch noch Mitglied werden.

CHRISTIAN. Sehr gütig; aber einstweilen scheint mir, der ehrlichste Menschenfreund ist der T-Tod.

SANITÄTSRAT. Ja, der Mensch bleibt ewig ein Grillenfänger.

CHRISTIAN. Haha-hörst du's, Vetter? Jetzt muß ich's wohl glauben.

JUSTUS lachend. Die Diagnose stellt dir Jeder!

SANITÄTSRAT. »Jeder Wohlgesinnte!« sagt der Herr Bürgermeister. Zu Christian. Aber was hat denn der Biedermann? Begegnete mir bei der neuen Klinik und machte ein Gesicht wie ein Truthahn, als ich Ihren Namen nannte.[92]

CHRISTIAN. Ist Ihnen vielleicht auch der Akademie- D-Direktor bei der neuen Klinik begegnet?

SANITÄTSRAT. Aber Verehrtester, ruhig Blut! Sie werden sich doch nicht einbilden, ich hätte den Kitsch mit ausgeheckt?

CHRISTIAN. Nein; aber jeder P-Pinsel bildet sich ein, er dürfe mich mit Berühmtheit beschmaddern, weil ich das selber schon reichlich besorgt habe.

SANITÄTSRAT. Ja, der Mensch ist von Natur größenwahnsinnig. Aber wiegesagt: nur nichts tragisch nehmen! Zu Justus. Nicht wahr, Herr Leutnant, Sie werden das Ihre tun, uns die Grillen vertreiben zu helfen.

JUSTUS. Ja selbstverständlich! nach Kräften! mein Möglichstes!

SANITÄTSRAT aufstehend. Also dann: gesundes Fest allerseits! Und nicht wahr: wenn das Herzchen doch wieder muckt: sind ja nur drei Schritte zu mir hinüber.

CHRISTIAN lächelnd, die Hand ins Leere schwenkend. Mancher geht auch ohne Schritte hinüber –[93]

SANITÄTSRAT. Ohoh! solche Witze darf ich blos machen. Beiden Herren die Hand schüttelnd. Na wiegesagt: gesegnete Mahlzeit – Geht händereibend eilends ab. – –

CHRISTIAN. Es scheint, die M-Menschenfreunde wollen mich jetzt zum eingebildeten Kranken stempeln.

JUSTUS. Das könnte dir doch nur angenehm sein.

CHRISTIAN. Und wenn es mir nun – entsetzlich wäre?

JUSTUS. Über diese Annahme darf ich wohl lächeln.

CHRISTIAN. Wenn ich dir aber nun eingestände, wie es mich manchmal ekelt und reut, daß ich mich nicht verurteilen ließ? wie es mich damals b-bohrend drängte, öffentlich für die Tat einzutreten, zu der mir, wie du jetzt gütigst meinst, g-glücklicherweise der Mut gefehlt hat?

JUSTUS. Dann müßtest du mir schon erlauben, auch diese Einbildung zu belächeln.

CHRISTIAN. Auch wenn ich w-wirklich gemordet hätte?[94]

JUSTUS. Dann doch erst recht, bei deiner Gemütsart.

CHRISTIAN. Bei meiner Feigheit, willst du wohl sagen.

JUSTUS. Nein, in diesem Falle: bei deiner Verstocktheit.

CHRISTIAN. Sehr schmeichelhaft, daß du die für so stark hältst. Aber die Reue kann ebenso stark sein, selbst im verstocktesten Missetäter. Dein bewunderter Bonaparte zum Beispiel: Ha-ha-Hunderttausende hat er skrupellos auf seinen Schlachtfeldern umgebracht, aber der eine Duc d' Enghien, den er hi-hinterlistig hinrichten ließ, der wurmte ihn noch auf Sankt-Helena, trotz aller staatsklugen Entschuldigungsgründe. Die Vernunft mag noch so zielbewußt über das Gewissen hinwegschreiten, das Gemüt l-läßt sich nicht hintergehen.

JUSTUS. Nun, du merkst wohl, ich sprach dir blos zu Munde. Da es dir Spaß macht, dich selbst zu narren, will ich kein Spielverderber sein.

CHRISTIAN. Also du hältst mich nicht für verstockt?

JUSTUS. Sonst hättest du doch wohl kaum die Absicht, grade mir einen Liebesdienst anzuvertrauen.[95]

CHRISTIAN lächelnd. Sehr freundlich, daß du in ich erinnerst. Das versiegelte Heft wieder vorholend. Aber darf ich dich erst noch bitten, mir mit deiner m-möglichsten Offenheit eine Frage zu beantworten?

JUSTUS. Und –?

CHRISTIAN. Gesetzt, ich hä-hätte den Mut gehabt, den du mir ehrlicherweise absprichst, – gesetzt, ich hatte t-trotzdem die Reue, die du mir anstandshalber nicht zutraust, – Schwer die Hand auf das Heft legend. gesetzt, ich würde es dir beweisen – unter vier Augen, lieber Vetter – nicht vor Zeugen, Herr Ki-Kriminalkommissar –: wärest du dann noch bereit zu dem Liebesdienst?

JUSTUS. Wie kann ich das wissen – ohne Beweis –

CHRISTIAN. Ist mein Anblick dir nicht Beweis genug?! –

JUSTUS. Ich muß wohl verstummen, wenn du so fragst.

CHRISTIAN. Du meinst, ein Verbrecher verdient kein Vertrauen?

JUSTUS. Wenn er bereut, vertraut ihm sogar der Richter.[96]

CHRISTIAN. Und wenn dich nun ein solcher Verbrecher, dem die Reue aus jeder Grimasse stiert, den sie t-tausendfältig härter gestraft hat, als irgend ein Richter strafen kann – wenn dich der nun unter vier Augen bäte: Wieder die Hand auf das Heft legend. hier ist mein Geständnis, vernichte es! du hältst meine Seele in der Hand! du kannst sie aus der Verzweiflung retten! du siehst, es foltert mich stückweis zu T-Tode, daß ich ein einzig Mal unmenschlich war! du gibst mir den Glauben ans L-Leben zurück, ans Ewige Leben, an Gott und die Menschheit, wenn du m-menschlicher handelst als ich

JUSTUS die Hand nach dem Heft ausstreckend. Ich soll es also ins Feuer werfen –

CHRISTIAN überläßt es ihm lächelnd. Ja, Justus – zum Christfest wiegesagt – –

JUSTUS steht auf, macht einige Schritte nach dem Kamin hin, wendet sich plötzlich ruckhaft um. Und du denkst, so lasse ich mich begimpeln? Du bildest dir ein, ich durchschau nicht dein Lächeln? Du glaubst, du kannst mich Nach dem Porträt weisend. beschwatzen wie die da und dann mich auslachen wie noch nie? Du Narr, der Andre zu narren meint! – Den Umschlag von den Heftblättern reißend und ihn vor Christians Füße schleudernd. Hier: so behandle ich dein Geständnis! kraft meines Amtes, du Auswurf der[97] Menschheit! – Hastig die Blätter musternd. Was? – wa – Steht in sprachloser Verblüfftheit da.

CHRISTIAN. Nun? was sagt dir das leere Papier? –

JUSTUS die Blätter zerfetzend und wegschmeißend. Ah, du Jammergestalt, du schandschnäuzige! Mit geballten Fäusten auf Christian los. Du bist ja die raffinierteste Viper, die je den Erdball begeifert hat! Vor Christians Blick zurückzuckend. Wenn mir nicht graute, dich anzurühren, ich schlüg dir die Zähne aus dem Giftmaul! Die Fäuste in die Hüften stemmend. Ist denn kein Funken Scham in dir, so mein heiligstes Pflichtgefühl zu verhöhnen?

CHRISTIAN endlich gell loslachend. Ha-ha-ha- hei – dein hei – hahahei – Plötzlich krampfhaft nach Luft ringend, lallend. heili – ha-heili – ha- hilf –

hilf!

JUSTUS. Dir –?

CHRISTIAN röchelnd. Hilf, Justus! ich dank dir's! ich sterbe! ich fühl's!

JUSTUS. Dann stirb, Giftmischer![98]

CHRISTIAN mit brechender Stimme, unsäglich lächelnd. Hab Dank, du – M-Mörder! Er sinkt zusammen.

JUSTUS sich an die Brust fassend. Ich –? – Hart, mit abwälzender Handbewegung. Lächerlich! – Er geht erhobenen Hauptes zur Tür; öffnet, ruft. Anne! Schwester Anne! – Sie kommt, er zeigt auf Christian. Sehen Sie ob noch zu helfen ist; ich möchte den Arzt nicht bemühen.

ANNE auf die Papierfetzen deutend. Was ist geschehen? War das die Versöhnung?

JUSTUS. Rasch! helfen Sie lieber! Mir scheint, er regt sich –

ANNE rechts des Tisches sich über Christian beugend, während Justus sich links auf die Stuhllehne stützt. Das Herz, das klopft noch – –

CHRISTIAN traumhaft. Anne, bist Du's –?

ANNE. Ja, Herr Christian, ich; – nur still – nur nit bang –

CHRISTIAN. Sie sollen mich nicht so ansehn alle![99]

ANNE. Nein, Herr Christian, niemand – nur ich! – Sich aufrichtend, mit unabweisbarer Frage. Herr Justus –?

JUSTUS von ihrem Blick bezwungen. Ja, dann ist's meine Pflicht, den Arzt zu rufen – Geht gesenkten Hauptes hinaus. – –

CHRISTIAN. Sind wir allein, Anne?

ANNE. Ganz allein – Sie legt ihren Arm um seine Schultern.

CHRISTIAN. Ich seh noch immer die Augen alle – – nicht M-Menschenaugen –

ANNE. Engelaugen – –

CHRISTIAN. Sie wollen alle, ich soll es s-sagen nur einmal sagen –

ANNE. Dann ist's gesühnt – –

CHRISTIAN. Ich – hörst du, Anne?

ANNE. Gott will es hören – –[100]

CHRISTIAN. Ich – hilf doch, Anne!

ANNE. Nur Gott kann helfen – –

CHRISTIAN. Ich – ich – haha-habe – – Jäh sich aufbäumend, schreiend. Nein, GottSich ans Herz greifend, selig lächelnd. ich nicht! – Er stürzt mit dem Gesicht auf den Tisch. – –

ANNE faßt ihn bang bei der Schulter. Herr Christian – lieber Herr Christian – – Neigt ihr Ohr an seine linke Seite, kniet dann ehrfürchtig neben ihm nieder, faltet die Hände zu stillem Gebet. – –

JUSTUS öffnet horchend die Tür, läßt sie offen, tritt leise ein, nähert sich verhalten dem Tisch, wartet bis Anne sich erhebt; dann mit heiser drängender Stimme. Hat er gebeichtet? was hat er gesagt? – Da Anne zurückweicht, barsch auf sie los. Was hat er gesagt? ich treib Sie zum Zeugeneid!

ANNE noch einen Schritt zurücktretend, hoheitsvoll nach der Tür weisend. Gehen Sie endlich, Sie armer Mensch! – Justus, langsam sich an die Brust fassend, starrt auf den Toten.


Vorhang.
[101]

Quelle:
Richard Dehmel: Die Menschenfreunde. Berlin 1918, S. 72-102.
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