Es ist besser ein alt man vnnd ein jung weib /dann ein alt weib vnd ein junger gesell.

[260] Diß Sprichwort lobt nit fast / daß ein alter man ein junges weib neme. Es sagt aber / es sei eins besser /dann das ander / wiewol sie beyde nicht fast gleich seind / böß ist keins an jhm selbs / es können es aber die vmbstände wol böß machen. Im Ehstand ist freundtschafft vnnd eynigkeyt das nötigste vnnd beste. Freundtschafft aber vnnd eynigkeyt kan nicht bestehen / dann auß gleichheyt des alters der sitten / des gemüts / vnnd gantzen wandels / wie mann sagt: Gleich vnnd gleich gesellt sich gern. Soll aber jung vnnd alt sich mit einander vergleichen / so můß da mehr dann glück sein / ja gewißlich ein sonderlich Gottes gnade. Ein alter man kan mit einem jungen weibe kinder zeugen / wann das geschicht / so gewinnet das weib den man lieb vmb der kinder willen. Zu dem / so kan mann die weiber / ein man sei jung oder alt / nit baß geteuschen / dann so mann jnen alle jar ein kind zůrichtet / damit sie jre zeit vertreiben / mit schmertz tragen sie / vnnd müssen[260] biß inn zehenden Monat in gefahr gehn jres leibs vnd lebens. Wann sie das kind zur welt gebracht / so haben sie tag vnd nacht gnůg zu schaffen / vnd wann sie mit dem růh haben / so kompt ein anders / in dem vergeht jhnen vil geylheyt. Wo aber ein junges weib kein kind hat mit einem alten mann / da helff Gott. Ein junger gesell aber / der ein alt weib nimpt / der hat kein vrsach sie zulieben / seitemal kein hoffnung da ist / einiger kinder. Darumb ists auch gar vngleich / vnd gerath selten wol. Man sagt von dreien kauffmännern / der ein war alt vnd graw / vnnd sein weib wolt jhm kein gůt thůn / sonder sprach:


Ich sag es mit warheyt on spott /

Ich wolt du grawbart werst bei Gott.


Darumb ward er willens ghen Pariß zureiten / einn weisen meyster zufragen vmm rath / wie jn sein weib möcht lieb gewinnen. Da er außzoge / fand er einen seiner gsellen / da der höret / daß er vmb gůten radt ghen Pariß zoge / wolt er jhm gesellschafft leysten /seitemal er auch ein weib hett / das naget jn nacht vnd tag / vnd het kein gůte stund jrs bösen mauls halben /ob jm möcht radt geschaffet werden.

Dise beide ritten fort / kamen in eins reichen kauffmanns hauß. Da diser höret / warumb die zwen ghen Pariß reysen wolten / sprach er: Er wolt mit jhnen /den meyster zufragen / Ob es auch mit ehren möcht zůgehn / daß sein weib all jar ein kindt hette / vnd er käm doch offt in eim gantzen jar kaum ein mal zů jr. Sie kamen gen Pariß / legten jr frag für / Der meyster lachet / vnd sprach zum ersten: Wann er heym käme /solt er das kind / so in seinem hauß were / darumb fragen / das würde jhn berichten / dann es wer jm schwerlich zuhelffen.

Zů dem andern sagt er:


In deinem hauß ein esel stadt /

Den frag / vnd folg auch seinem radt /

Er kan dir sagen sonder list /

Wie dir hierinn zuradten ist.


Zů dem dritten sprach der meyster: Wann du heym kōpst / so wirt dir begegnen ein Hase auff einer wisen / dem werden vil hund nachlauffen / den hasen frage /so wirt er dich deiner frag berichten.


Der erste wol zum hause kam /

Die fraw sahe jn übel an.

Sie sprach: Kompstu ietz von Pareiß?

Noch bistu aber graw vnd greiß.


Er sprach zum kinde / wie jm der meyster befolhen hette.


Das kind sprach: So du fragest mich /

Mit warheyt ich bescheyde dich.

Wann du werst in meiner gestalt /

So werstu weder greiß noch alt.

Dein weib günnt dir kein gůtes nicht.

Dweil sie deinn bart vnd haar ansicht.


Der ander kam auch heym / vnd ward von seiner frawen entpfangen / mit haddern vnnd schelten. Er geht zum Esel nach des meysters[261] befelch / vnn fragt jn vmb rath. Der esel sagt:


Schlügstu dein fraw so wol als mich /

Sie würde demütig / erzürnt nit dich.

So du aber das nit bist thůn /

So můstu zorn / spott / schaden han.


Der dritt sihet den hasen lauffen / schreiet jn an: Hör haß höre: Der haß sagt auff sein frag also:


Der Haß sprach: Das ist gůt zuuerstan /

Wann dein fraw flöhe andre man /

Als ich die hund / wann sie mich jagen /

Sie würd dir nimmer kein kind tragen.


Das schreib ich darumb / dz man sehe / wie sich jung vnd alt übel zusamen schickt / vnnd zubesorgen /wo sie zusamen kommen / also daß ein junges weib einn alten mann vmb des gůts willen nimpt / die freundtschafft vnd eynigkeyt werde sich bald trennen /Sonderlich aber wo ein junger knecht ein alts weib nimmet. Dann was das kind sagt dem alten mann /das lassen wir vil mehr eim alten weib gsagt sein. Seitemal ein alter ehrlicher mann eh zulieben ist / dann ein altes weib. Dann es lassens die alten weiber nit /sie zannen die jungē männer an / vnd haben sorg / sie wenden jhre liebe anderßwohin / Vnnd wo sie ein wenig einen argwon wider sie schöpffen / müssen sie täglich auff dem brot essen / wie sie von jhnen zů ehren vnd gůt seind kommen. Darumb wer freien wil /der neme seines gleichen / so hat keins dem andern nichts fürzuwerffen.

Quelle:
Egenolff, Christian: Sprichwörter / Schöne / Weise Klugredenn. Darinnen Teutscher vnd anderer Spraach-en Höfflichkeit [...] In Etliche Tausent zusamen bracht, Frankfurt/Main 1552. [Nachdruck Berlin 1968], S. 260-262.
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