2. Szene

[308] Faust – Mephisto.


FAUST.

Ist das nun alles?! Ach, es widert mich!

Hast, Teufel, du nicht mehr zu bieten?

Dies alles, glaub' ich, hätte ich

auch dann, wenn mind're Geister mich berieten.

Seit Jahren nichts, als dies berauschte Dröhnen

und hie und da ein Weiberstöhnen

aus Gier und Sattheit trüber Brunst.

Und wollte dir schon etwas glücken

in eitlen Taschenspielerstücken,

so war das deine höchste Kunst!

Doch das befreiende Genie,

das schafft und findet, sah ich nie!

MEPHISTOPHELES.

Mein Freund, ich glaub', dir liegt's im Magen,

da sieht man vieles kritisch an.

Im übrigen hast du zu fragen,

ich sag dir alles, was ich kann.

Den Teufel hieße es entarten,

wollt' Schöpfung man von ihm erwarten.[308]

FAUST.

So sag' mir eins: Was plagt ihr euch

so sehr, uns Menschen zu erjagen?

MEPHISTOPHELES.

Du fragst gespitzt, das muß ich sagen.

Mein Freund, es tobt im Geisterreich

ein alter Krieg, wie du wohl weißt:

Hie schwarzer Geist – hie lichter Geist.

Des Menschen Seele steht in Mitten

und wird von beiden heiß umstritten,

daß jeder, wenn dies Reich zerfällt,

den größern Teil für sich behält.

FAUST.

Ganz gut. Doch zeigt sich mir noch nicht:

Was nennst du schwarz? Was nennst du licht?

MEPHISTOPHELES.

Dies scheint ein Brauch aus jüngsten Tagen,

den Teufel um das Licht zu fragen.

Das Licht – – Ich kenne seinen Schein!

Wie soll ich es dir nur benennen!?

's ist das verfluchte Obensein,

dies ruhige Haben, sich're Können!

Das Schaffende und nie Verwirrte,

das Klare, lächelnd Unbeirrte,

kurz: Alles, was da zeugt und sprießt,

was Blühen, Kraft und Werden ist

und uns mit stiller starker Hand

den schönsten Teil der Welt entwand.

FAUST.

Und all' dem Aufwärts bist du feind!?

Zog es dich nie nach seinen Spitzen?!

MEPHISTOPHELES.

Nun machst du mich schon wirklich schwitzen!


Stark.


Ja! Einst war ich dem Licht vereint!

Und führte eine steile Bahn

voll Messerspitzen mich hinan,

ich wollte gleich sie barfuß gehen,

um einen Strahl aus jenen Höhen!

Doch weil es ewig mir verwehrt,

hat Ohnmacht alles, was sich sehnt,

in mir zu wildem Haß verkehrt,

den nichts verlöscht und nichts versöhnt.[309]

Weil wir enterbt sind all' des Lichten,

drum soll es unser Neid vernichten!

Denn stets entquoll dem dunklen Born

verscherzter Liebe heißer Zorn.

FAUST.

Wie wird es mir? Mich packt ein Grauen!

Nur eines noch, verworf'ner Geist:

Kann ich, kann ich das Licht noch schauen?

MEPHISTOPHELES.

Ich weiß nicht mehr, als was du weißt.

FAUST.

Sag' nur ein Wort!

MEPHISTOPHELES.

Ich darf es nicht!

FAUST.

Du mußt! Dich hält verbriefte Pflicht!

MEPHISTOPHELES.

Ich kann es nicht!

FAUST.

So sei verflucht! Und alles zwischen uns gebrochen!

MEPHISTOPHELES.

Schreist du?! Hab' ich nach dir gesucht?

Erst wird beschworen und versprochen

und steigt es euch an's Maul hinan,

dann fuchtelt ihr mit Fluch und Bann.

Ich kenn euch Herr'n und halt' euch fest!

Sieh selber, wie sich helfen läßt!


Ab.


Quelle:
Bruno Ertler: Dramatische Werke. Wien 1957, S. 308-310.
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