Das XXVII Capitel.
Wie Gargantuwal die zeit anlegt, wann sich Regenwetter regt.

[270] Begab sichs dann, daß das Wetter nicht getemperiert, unfrisch, trüb unnd tropffig war, so bracht man die vormittagig[270] zeit nach obgedachtem ordenlichen brauch zu: On daß er weiter ein schön hell Feuer anmachen ließ, die betrübung, nibelung, unnd feule des luffts zuenderen und zuleuteren, wie man etwann gantze Weckholterwäld, die Pestilentzische Lufft zuvertreiben anzünt, und den gantzen Birneischen Rontzefall des Bergwercks halben, auff Phaetontisch Gold drauß zuschmeltzen, und wie jener Töringisch Jungherr die Scheur von wegen der grossen Mäuß ansteckt.

Aber nach dem Mittagmal pflegen sie an statt ihrer gewonlichen Heuschrecklichen feldübung und Graßverrammelung, Spinnen und Schneckenmäsig zu Hauß zubleiben, oder inn der Statt unnd nähe herumb zufahren. Und auff Apotherapische gesundheitpflegige manier in der Scheuren, Tennen, und dem vor und Hinderschopff etwas leibswäferung halben zuthun zusuchen: da banden sie Garben, schütteten und warffen Korn, wanneten das getreschte, trug einer zwey Malter oder viertheyl Frucht auff beiden Achsseln, und zwey zwischen beiden Armen, halfen ein weil dem Vulcano schmiden, wie der Hörnen Seifrid, der den Ampoß trey Klaffter inn die Erd schlug, rührten Mörtel, trugen und waltzten stein, strigelten die Pferd, haueten Holtz, trescheten, und anders. Dann sie waren nicht des Reigergeschlechts und Mönchischen glaubens jenes Malers, der nur wans regnet spacieren gieng, damit ihn niemand auff der Gassen irrt. Was soll diß Saugeschlecht, die Regenwürm? Sonder Fürstenmäsig, thaten wie die grosse Potentaten unnd Regenten, welche auff der Bärenhaut nicht zu verschimmelen, unnd daß Armbrost ernstlicher anspannung bißweiln nachzulassen, gemeinlich wann ihnen das jagen erleidet, ein Handwerck oder sonst Geschäfft herfür suchen, Da haspelt der Sardanapal, Vespasian flechtet Baderhütlin, Augustus trehet Spindelböltz, der ander glaset Aengster, Carolus V. dichtet lebendige Urwerck, einer schleifft Scheren, jener schmirt Stifel, diser fegt Kisten, etlich stricken Netzgarn, Domitian zimmert Prettspil, oder lehrt dantzen, die Egyptischen König bauen Pyramidische Todenbeinheußlein. Scipio Muckenheußlin auß Schneckenheusern. Der Schultheyß ladet Mist für kurtzweil, daß man ihn fragen muß, wer der Schultheiß sey, Der Burgemeyster spitzt Federn und meßt auß, Jener Algäuisch Vogt bricht Hanff oder[271] spinnt, Curius delbt Ruben, andere weben, etlich machen fingerbrillen, viel erdencken weite Seckel und eng Kasten, mancher Registriert das Mettenbuch, Demetrius König inn Asien spilt mit gulden würffeln, die ihm der König Perses schicket, der darnach an den Römern gantz Asien inn einer schantz verspilt: der gut theil saufft mit Alexandro Magno: viel blendet die Schrifft, darumb lesen und studieren sie des weniger, sie möchten sonst Schreiber und Pfaffen werden, etlich tretten den Einsidlern die Schuh auß unnd flechten Körb, jener Spartanisch König sticht den Zeußlin die augen auß, Cyrus schneutzt die Bäum, Attalus giesset Puppendocken, Severus hetzt Rephüner zusamm: Agesilaus reut mit den Kindern auff dem Stecken herumb, der Görtzisch Graff schleifft mit den Buben auff dem Eiß: Keiser Varius suchet alle Spinnwepp inn der gantzen Statt Rom ab, und laßt sie bei 10000 Pfunden wiegen: Keyser Henrich fangt Fincken, König Deiotarus schlägt den Pferden ein, oder bind den Geyssen den hinckenden Elenbogen. König Corvinus bind Reben, Keyser Antonius Pius eget: Diocletianus hällt den Pflug. König Agamemnon setzt Maßholderbäum. Keyser Vespasian tauscht Maulesel, Martius schmidt Harnisch. Affricanus setzt Oelbäum. Hercules setzt Eychen, und pflästert die Häfen, Ptolomeus Auletes Pfeifft, Maximilian steigt nach Gemsen: Nero schlegt auff der Cythar, Epaminondas singt darzu: dann was die Fürsten geigen, das müssen die Unterthanen dantzen. König Wilhelm Vischart inn Normandy bindet und windet die Segelseyl, Europus bauet Laternen. Die Schwedisch König giessen Kannen und pletzen Pfannen, die Portugalischen König schütteln nicht wie Keyser Pertinax den Pfeffer Sack: sondern laden gantz Pfefferschiff auß, die Parthische König spitzen Nadeln. Der jung Dionys legt ein, Demetrius wird ein Schwerdfeger, wie auch gemeinlich die alte Teutsche König: Daher heissen sie so gern Kündegen, Degenbrecht, Degenhart, Degenward, und Reckdendegen: und die Castilischen Spanier, der Schwaben Bastart, Diego. Unnd hierumb ist auch jener unschuldig Poet zuentschuldigen, der des Keysers Maximilians, Hochlöblichster gedechtnuß, Demut auß seiner Rhetorick nicht anders zuloben wußt, als daß er setzt, Er hab seinen Pantzer geflickt unnd den[272] Harnisch gefegt: Hats villeicht bey dem Homero gelehrnt, der lobt seinen Ulyssem, daß er sein Schiff bletz. Ja es lehrt die Frau wol das Netz bletzen, wann der Meister nicht zu Hauß ist.

Nun disen angleichungen hoher Leut, folgt auch unser Discipel Gargantzumal, wan ihm das Regenwetter den Paß auff dem Feld verlegt: doch mit gutem Raht seins Preceptors übet er sich inn wolgegründeten zierlichen Künsten, als mit malen, schnitzen, schnetzeln, Wachsbossieren, schindelgebeuvisieren, Papirenschiff formiren, eingraben, Kupfferstechen, etzen, formenschneiden, entwerffen, abreissen, Land unnd Stätt inn grund legen, Festungen stellen und auffreissen, Bildhauen, außstreichen, illuminieren. Oder bracht die alt weiß mit dem Schach und Prettspiel auff die ban, wie Leonicus davon geschriben, und unser gut freund hat Lascaris getriben: Und solches nicht on nutz, dann unter dem spielen kamen ihnen zu sinn die alte Scribenten, die davon meldung gethan, unnd Gleichnussen darauß zu nutz gezogen haben.

Oder sie giengen auß, oder fuhren herumb etliche künstliche Werck und fünd zubeschauen, wie man die Metall extrahirt und solvirt, scheidet und auß ziehet: die Alchemisten, wie sie calcinieren, reverberiren, cimentiren, sublimiren, fixiren, putreficirn, circulirn, ascrudirn, laviren, imbibiren, cohobiren, coaguliren, tingiren, transmutiren, laminiren, stratificiren, den König suchen, den Geist, den lapidem philosophorum, den Mann beim Weib, den entloffenen Mercurium, und per omnes species gradiren, es seien Metall, gemmæ, Mineralien, kräuter, säfft, olea, salia, liquores, oder anders: Item wie man falsche Perlein, Edelgestein und Corallen mach: dann auß dem mißbrauch lehrt man den rechten brauch: der mißbrauch ist aller guter bräuch rost, der sich stets an hängt: also dz auch einer schreibet, Superstitiones seien Religionis Rubigines. Item sie besuchten die Müntzbräger, die neuen Thalertrucker, die Jubilierer, Gesteinbalierer, Steinmetzen, Goldschmid, Goldarbeiter, Steingruben, Guckesbergwerck, fuhren ein in die Gäng, schecht, stollen, und geschick, sahen schürffen, weschen, rösten, quetschen, zermalmen, räden, schroten, Marscheiden, Wünschelruten, Masen, Bauchen, Bauchstempffeln, Durchwerffen, Durchschlagen, Durchlassen,[273] Troffteren, Stampffen, Graubstreichen, Stempffen, Seiffen, Radschlagen, Spleissen, Schlackenschlagen, Steinabziehen, Dörren, Dornziehen. Auch den Hauerzeug und sonst Instrument, Aertztröge, Bergtrög, Wasserseyg, Häspel, Spillscheiben, Kampffreder, Gebell, Schwengreder, das Heintzenseyl, den höltzen Heine, den Heintzen, die Roßkunst mit der BremScheib, das KehrRad, die Pauchtrög, Säckschleiffen, Saumhund, Sauseck, Schlaffkarren, Pompenzög, Mangelrad mit wasserkannen, Haspelpompen, Wasserwerck zur kunst, Schemelpompen, Jochergebeu, Ventilpompen, Scherpompen, Hundzeug, Kimpompen, Schauffelpompen, underlegt Pompen, Troghespel, viel gerinnpompen, Klammerpompen, Taschenpompen, Taschenhespel, Trettpompen, Hengsitzerpomp, Windfeng, Wettergezeug, Windfaß, Flügelfeng, Windschecht, Windstangen, Balgfeng, Haspelfeng, Windschöpffen, Leilachfochtern, Probiröfen, Malmülen, Bereitstuben, Lautertrög, Schlemmgräben, Bauchgräben, Sigertrög, Goldschlichen, Schmeltzöfen, Windöfen, Kupfferbrechen, Eisenziegel, Dörröfen, Deßgleichen ferrner die Saltzbornen, Salpetersud, Alaunsud, Kupfferwasserscheid, das Geschütz giessen, die Zeugheuser, die Antiquiteten, die Friburgisch Cristallenmül, die Hamer oder Eisenschmidt, die Büchssenschmid, dz Arckenal, die Festungen, Wassergebeu, neu Mülwerck von Gewichtmülen, Wagenmülen, Eselsmülen, Wurtzmülen, Urwerck, den Schatz zu Sanct Dionyß, die Englische Docken an Bären und Bollen üben, Schiffzimmern, Rüstkammer, Thuchferber, Seidenstricker, Sammatwepp, Organisten, Lautenmacher, Pfeiffentreher, Musirer, Damascanirer, Weinbrennen, Birbrauen, Weinfeuren, Bronnkammern, Seyffensieden, Steinbrechen, Eisenschmid, Täppichwircker, Schüßgraben, Schützenmatten, Seiden machen, Brotsparkunst, Weinsparkunst, aber nicht Wasser Sparkunst, es sey dann auff Brisach, Dantzigische Fürnißsieder, Farbensieden: Goldschlagent gemalen Gold: Inn Leymen farbenbrennen, springende Bronnen, Quellen, Saltzpfannen, Glaßhütten, Schreiner eingelegt arbeit, Contrafeiten, Steingraben, Rotschmid, frembde Pferd Kuppeln, Schmeltzhütten, Ofenkunst, Holtzsparkunst, Bibliothecken, Klöster, Spitäl, Feldsichenhauß, Bäder, Paliermülen, Möntzstempffel Mülen, Seidenmülen, Roßmülen,[274] Pulvermülen, Zehenrädermülen, die Mülartzt, Truckereien, Kupffertrucken, Schrifftgiesser, Urenmacher, und etcetera die gantz Künstlerzunfft, zogen von einer zu der andern, schenckten Trinckgelt und etlich maß Wein, da war man williger dann willig: da forscheten, ergründeten, unnd ersinnten sie eines jeden Kunstfertigkeit, fund unnd grund: und gerauet sie keine zeit, die sie damit zubrachten, wie Sant Augustin, da er einer Spinn ein halbe stund hett zugesehen.

Ferner giengen sie publicas Lectiones zuhören, die Solen Actus mit ihrer gegenwart zuehren, zu den Doctormalen, Magistrirungen, Promotionen, Gradationen, Degradationen, Disputationen, Quotlibeten, Comödien, Anatomien, außfahrten, Hochzeiten, Däntzen, Kirchweihen, auff die Bürst, aufs Rahthauß, fürs Gericht, zur Audientz die Bescheid ablesen zuhören, unterm freyen Himmel inn die Acht thun sehen, zur Curia Rotæ, zu Parlementen, unnd den gantzen Proceß zu sampt des Knausten Gerichtlichem Feurzeug zuüben: auch die Predigt, die Vesper, Complet, die gemeyne Herbergen, Zünfft, Gaffel, Stuben, Thürn, Dummhöff, die Rot Kammer, die brennend Kammer, inn die Senisch Academy à l'intronato, Fronleichnamsproceß, Fastenbuß, Cellenfahrten, Refenterschlampen, und wa kurtzumb etwas zusehen stund.

Oder unser Cyrogargantua besucht die Fechtschulen unnd Fechtböden, da that er sein Schulrecht, hub auff, gieng ein mit Dusacken, darinn Blei gegossen war, im Bogen, im geschlossenen unnd einfachen sturtz, legert sich inn die Bastei, erzeygt sich inn allen Ritterlichen Wehren, wie sie vor Augen lagen, im Schwerd, Messer, Spieß, Stangen, Stänglin, Tolchen, Hallenbart, Rapier, Paratschwerd, Lederen Tusacken zum Platzmachen, Sträußt sich wider die Marxbrüder, die Franckfortische Meyster des langen Schwerdts, schrib mit Dinten, so sicht wie Blut, die Feder mußt ihm oben schweben, und solt es kosten sein junges Leben, er wagts inn Gotts Macht, schlug drauff daß der Beltz kracht, focht umb die höchst Blutrur, umb das Kräntzlin, umb die Schul, ein Glaß mit Wein, wie es der Gesell an ihn begert, trocken oder naß, scharff oder stumpff, nackend oder bloß, braucht vor dem Man Hildenbrantsstreich, siben klaffter inn die Erd, braucht[275] des Ecken eckhau, des Laurins Zwerckzug, Fasolts blindhau, den ober und unterhau, mittel und flügelhau, im tritt, mit kurtzer unnd langer schneid, knopf, ort, einlauff, gemächstoß, beinbruch, armbrüch, fingerbrüch, gesellenstöß, mordstöß, Gesichtstich, waren alle erlaubt, denen die sie brauchen konten: dann Dolus an Virtus etc. den Zornhau, krumhau, schillerhau, scheitelerhau, wunder versatzung, nachreisen, überlauff, durchwechssel, hengen, anbinden, stich im winden abschneiden, schlug sie auß den vier Legern erstes eingangs, auß alber, tag, Ochs und Pflug, het sein Gemerck auff die vier blöse, schwäche und stercke, abnemmen unnd außnemmen, verweisen, durchhauen, verfürhau, den Türckischen zug, treiben, rad, etc. ohn den Vatterstreich, welchen der Schmidlein inn seinen Fechtschulpredigten weißt, unnd des Bauren Speichelhau.

Item an statt des umbmeyens im Garten, pflegten sie heimzubesuchen die Specereiläden, Wurtzkräm, Balbierstuben, des Geßners Gärten, die Wasserbrenner, Krautnirer, Pulverkremer, Simplicisten, Kälberärtzt, Bader, Platerscherer, Steinschneider, Wundärtzt, Apotecker: besah, beroch, betastet, versuchet, schmacket, rib, und betrachtet ihr materien, Frucht, Wurtzeln, Pletter, Gummi, Samen, Safft, Salben und Schmer, so eigentlich als wern sie von Gwalter Reiffen von Straßburg, und Meister Lisset Benancio darzu bestelt: unnd namen war mit was betrug unnd beschiß dise Elementsbetheurer, Saffranirer, Chrisostometäflin, Latwergen, vergülder, Wurtzelbeytzer, unnd Tranckferber, umbgehn: wie nach ihrer Quidproquockitet, Merdapromuscitet und Pfeffersecklichkeit sie alles was inn Menschlichen leib kommen soll, verketzern, verehbrechen, verstümpeln, vergrümpeln unnd verhümpelen, Landkremerei mit Spanischen Pfeffer treiben, Gerbelirpfeffer under guten Pfeffer mischen, Rumpff under Moscatnuß, Weingebeitzt Schwertwurtzel under Galange, gedörrt Weißbrot under Speißwurtz, Fusci und gedörrt Holtz under Saffran, Leimen under Imber, Gummi under Zuckerkandel: abgangen, verlegen, vermischmescht, verrochen, versaurt spänen unnd Spinnenwerck, gedrüß unnd gemüß, gehackt Stro unnd staub inn gemalten Büchssen und Laden für Arabische unnd Indische wehrschafft haben (darumb[276] gab disen Quinquo brockern auch Eulenspiegel zu Möllen ihr Gespick treuwlich wider, den kat für den wust) ein Gurgelwasser unnd Recept von dreyen gemeinen wurtzel Epfich, Fenchel unnd Wegwart für ein gulden, was sie von Unschlit, Seiff, Wachs, Zucker, Honig, öl, Ertz unnd Metal bey kauffmansgewicht einkauffen, bey Medicischem gewicht, da vier untzen ein pfund thun, außwigen: mit ihren totus Modus regitur in minis, unnd Luminariis ins grab leuchten: die freigabe der Natur, Erd und Wasser theur verkaufen, einer Teuffelsgerittenen wurtzeltelberin, Segensprecherin, unnd abgeribenen Krautgraserin Authentischen glauben, wie den Sibyllen geben: halten ding die sich minder als der Welsch wein über jar halten lassen, darumb muß es verfaulen, das die Gläser zerspringen: nemmen Recept anzumachen, deren materien sie nicht halb haben, darumb müsen sie quid pro quisieren und Merda promuscisiren, Teuffelsmilch für Reubarbar reichen, böß Granaten für Malorum Granatorum, Clistir von heisser Suppenbrü, Gallöpffel für Myrobalan, succum titbymalli für Diagrodium, Kirsengommi für Arabischen gummi, Kerigmus für Alckermes, änis und Mäußtreck für Garamantischen Pfeffer, gebrant Hundszän, unnd weiß Kiselstein für Elephantenzän und Spodium, gestossen Glaß für Electuari de gemmis, Wild rauten für Zigerkraut: und anders unzalichs, welches Gargantua alles erfaren wolt: auch wie sie distilieren, daß es nach siben Brüdern schmackt, ziecht der Acht voran: wie sie die Flüß des Seckels an sich ziehen, wie die Sonn das Wasser: wie sie Capaunen essen, unnd geben den Krancken die Brü: wie sie, die Kunst zuverbergen, alles bey nacht, oder im Hinderhauß bereyten: Unnd als dann sagen, pereat qui pereat, der Tod kein zorn nit hat. Hey wie frü ihr liebe Sirupmänlin, ihr Clisterisisten, Sackpfeiffer unnd Atham verkauffer, wie habt ihr so schöne geschwollen Backen. Ach daß ihr euwer lebenlang müßten Diebsaugen für oculorum populi essen, unnd die Käfer ohn flügel, daß euchs hertz abstoß, so gibts euch auch ein krafft. O ihr Leuß und Leutfresser, ihr Saffranirer, Pulveristen unnd Zuckeristen, ihr verzuckerte Honigmäuler, wer wird euch von euwerem alten Adam bringen, gewiß noch die Pulvermül. Ihr Proquokisten seit nach Lissets meinung nicht werd,[277] daß ihr Kolen umbtraget, noch gebletzt Schuh und abgetragene Schulümmel außschreyet, oder geferbt Hütlin und gebrochen Gläser außruffet. Aber Kundlob von Hohen Rhumsteig sagt, es wer schad umb euwer künstliche hand, welche so herrlich im Klingelstein Metten unnd Wetterleuten kan: es seyen noch etlich feine Mörselstempffel under euch, welchen das Faßbinderisch punperlepump wol von Hand gehet: auch feine scharpffe Scharnützel köpfflin, welche die Gordische knöpfflin mächtig sauber an die wurtzbrieff und Sambenitenhüt schrauben: auch es so meisterlich mit dem Maul, sampt dem Weberknoff einbinden und winden, daß es wenig Fadem kostet. Derhalben meint er, wann euch schon Silvi und Champier verjagten, weren ihr zu eim Pasteten oder Pestenbeck dannoch nit verdorben. Dan graben mag ich nicht, betteln schäm ich mich.

Warlich diser Bettelschamischer Mammonischer Schaffner, ist ein warer Sam der Welschen Practic, de tri unnd Wechsselrechenung der vortheyligen spitzigen griflin, der hat die Kauffmännische Beutelzauser unnd Geltmauser, die Genuesische, Florentzische unnd Venedisch Buchhaltung gelehret, unnd wie man die Handtwerck soll vertrucken: Fretten unnd spötten, an, vor unnd hinderkauffen: Blutwucheren, underm Wucherhütlein spilen, die Müntz verwechsselen, umbschlagen: außlesen: beschneiden: befeyhelen: mehr nemmen dann geben: Drey Leiptziger Märck und ein Franckforter Meß jeden fünff vom hundert gibt auch 20. O Neschehbeisser, Tarbit, Diebraht, Koirtmeister auß Hellenengelland: O Regenspurgischer Mosche, der sagt, wo ich wone, daselbst sind die Hirten nicht theur, O Ribbis: Usurupinæ, Corrosuren: Wachenwucherer: Zeitverkäuffer, Zeitfinantzer: die theurer verborgen dann umb bereit Gelt geben: Geitzaugen, im Sack verkauffen, Schade Loth, Waarbefeuchtiger, Wollnetzer, Ingwerbeschwerer: Farbenänderer: oben das hüpsch, unden das ärgst: Ja oben unnd unden hüpsch, unnd inn der mitten der ärgst, da heißts nicht in medio consistit Virtus, wie der Teuffel zwischen zweyen alten Weibern: Item verfinsterer unnd verhencker der Gewälb und Gäden zum augen verblenden: dise wird Bodinus gewißlich auch under die Zaubergeschlecht rechnen, weil er der Augenblender unnd Vergauckler keyn[278] gnad will haben: Item Elenzucker, meßschürtzer, da uns des messen theurer als bey den Pfaffen ankommet, also heißts, auß dem befürtzen kommen ins bescheissen: Zahlverwerffer: Gewichtfälscher: Eisern werden: Bubenfreiheitsucher: da billicher vor dem Thor das Galgengericht ihr Freithoff unnd Kirchoff were: Ja laß mich ledig des dritten Pfennings, so zahl ich das überig: O Quinquernellisten: Wahrvermenger, Blindenkauffgeber: Stulreuber, die darnach die Strauchdieb unnd Strassenräuber müssen strecken, damit der Schelm den dieb straffe. O Campsortes Banquarii, Müntzwescher, Müntzwelsche, Müntzfelscher, Müntzschmeltzer, ihr werd des Contrabantz nicht Reicher, der Teuffel hol dann den letzten. Etwann feurt man die Heyligen, unnd verbrannt die, so die gemein Müntz entheyligten, jetzund Feurt man die gemeynes Nutzes entheyliger, unnd tregt sie schier auff den Henden, unnd verbrennt dargegen die Heyligen. O Müntzringerer, Müntz schwecher, Müntzabgieser, müntzaufzieher, müntz Contrafeiter, O wie wird man euch für zerschrickte Ziesalien oder Pagament im Höllchimischen SchmeltzDigel granuliern, als wann man euch über Bäsem reiß schüß: Ja diesen Diebischen grempel wissen auch wol die, so Sperber auff der Hand tragen, damit sie nur des Sebastians Francken Adler war machen, das krumbschnäbel müssen geraubt haben. Ach wo bleiben die Thurnierarticul? mancher schilt heut einen ein Pfeffer Sack, der eben an dem bein hinckt, manchem wehrts nur das Posse, das Velle wer genug da. Ihr köndt das dienst oder Gnadengelt zu der gelihenen Hauptsumm schlagen: Aber was gwint ihr mit euwern einreuten unnd leisten, Fürsten bleiben Fürsten, wann ihr schon die Kachelöfen einschlegt, und den Pferden Zuckererbes inn den Roßbaren schütt: die Witwen unnd Weisen, die ihr verderbt, werden genug Raach über euch schreien, alsdann nemm euch der Teuffel zum Giselpfand: Der möcht euch auff kein Rad Malen, und an die Kacken hefften, sonder euch gar auffs Rad den Rechten einsatz und das widergelt geben, auff eitel Longins Judenspiessen: da hütet euch ihr Herrn, welche gelbberingelte unnd ungberingelte Juden den Underthanen zuschaden ziehet. Leut die man im Ellend solt behalten, den hülfft man zu Reichthumb von aller heyden Hemdath der[279] Goym, müssen als die Herrn dienen, unnd solche dieb müsig ziehen, als wann ein Haußvatter ein pockechte Hur im Hauß ziecht, die ihm sein Sön und gesind vergifftet. Ja versprech mir mein wahr, daß deiner des theurer ohn werdest: Verkauff mir die Frucht auff auffschlag: Ley mir auff die saat: deins abwesserens und abreissens bedarff der Müller Herrgot: Ich leih den Leuten drumb kein gelt, das sie bey mir malen solln, Ey thu ihm ein vererung, so laßt er dir das Gelt lenger: Ich laß mich nicht ehe zahlen, die Müntz ändere sich dann: die loß Müntz muß man eim studenten, oder Landsknecht, oder eim der hinweg ziecht anhencken: ich muß mein dienst deß höher anschlagen: O Schadewacht, Leg mir lieber schloffen: Ist dann dein gelt Hasenart, welche zugleich geberen, andere jünger auffziehen, unnd sich wider belauffen, so hetz dich der Lucifer. Auß diesem sind viel andere gute Bößlin entstanden, als daß man Fremde Pracht leichtfertigkeit hat eingeführt, und wie Cæsar sagt mit der Wahr auch die gefar der Laster gar, die Seidenspinnwep, die zufuhr dem Feind Wehr und Wafen, das Möntzgerberliren, das Post-Papir wigen, steigern, auffnemmen, anlösen: weinjudentzen, kornratten, mit den Protmäusen mählgrempelen. Ja, ich behalt mein Frucht biß Sanct Gregor auff eim Falben Hengst daher Reut: Hui Teuffel schlag dem Faß den Boden auß, unnd schliff inns Korn unnd fahr zum Tachfenster auß: O ihr getauffte Juden, unnd elementsbodenlose ertzhertzen unnd Landratzioner, gelt der Reimenweiß Euspiegel kan euch Schimpffsweiß im lxx. Capitel fein treffen, mit den steinenen Stulräubern: Darumb prechen euch auch die Stül, weil ihr so gar schwer steinen seit, wann schon euwer Häuser, vom Plutschweiß gemörtelte starcke Pfeyler haben: Was achts er, wann ihr schon Gelt auff lehen leihet, daß ihr Jungherrn seyet: Unnd die Seel inn die Kist pfrengen, unnd das gewissen über die Oberthür an Nagel hengen, unnd nit glaubet daß ein Kerleß im andern steck: Ihr werd mir kein Katz im Sack verkauffen, wann ihr schon zu Linsen und Bonen seyt gewesen: Scheisset all inn Prei, sagt Glockengieserhänßlein zu Nörnberg.

Folgends gieng er auch hin, die Lugenpriviligirte wortbeutelige Landfarer, alte weiber Clistirer: Coloquintenpurgatzer:[280] wurmsamenkrämer: Triackerslapper: Schlangenbeschwerer: Starenstecher: Zanprecher: knabsack unnd Marcktlötschen mit dem Englischen verstand für die langweil zuhören, wie schön ihnen der schwatz anstehet, wie ungelacht unnd ohn zungenstölpern sie die grobsten lügen außstossen, daß sie den Teuffel solten lachen machen: wie ab geführt sie die Leut übertölpelen, besefelen, und ihnen das Pludermuß und wurmsamenkat auff Zigeinerisch eingauckelen und den Seckelsamen außgauckelen: fůrnemlich gefulen ihm die auß dem Quatland: Dan von Erbsündiger natur sind sie neben ihrem quacksalben, herliche gute Bossenreisser: Kuntzenjäger: Miesterhämerlin und Roßtreckgauckeler: gute Selärtzt, die mit Scamoni unnd Nießwurtz eim die Seel außpurgieren, Hola herbey, zu unserem Prey: Kaufft in der noht: so habt ihrs im tod, ein wurtzel inn dem mund: so ist er gesund: hie rauch Bibergeil unnd Frauwenkut für den Krampff gut: diß Kirsenmuß mit Teriacs vermengt ist gut mithridat: stileoswurtz fürs Podagram: ein pfund Victrill für würm, gepraten Speck für Ratten, hie disen Zucker von Himmel gebracht: O gut Cristier mit Birckengerten für Weiber: Für den Sot Johans Prot: Für den Schweiß, Harn von einer Geiß: den Glockenklang, und was heur der Guckgauch sang, das Plo vom Himmel, unnd deß bösen gelts schimmel, von der Prucken das getümmel, das gelb von einer besengten Mor, der Affenschwantz unnd Sneckenor, unnd das Hirn von der Mucken, gut zum Schlaff, die Schläff damit getrucknet. Ja Hamelshoden, der euch kunden mit Flachßadern unnd Hanffringen den halß ein kleins virtheil Stündlein rib, was gelts wa es euch den Krampff an Fingern nicht vertreib: Und wer als dann die Diebsdaumen abschnitt, der hett gewiß gluckhafft Würffel. Es solt einer auch zu ihnen sagen, wie dort der Fuchß zum Froschartzet: wilt besehen eins andern Seich, wie sichstu dann ums maul so pleich, es gibt dein Plo Maul, dz dir ist Lung unnd Leber faul, man sicht am Quacken unnd der Gosch, das du bist ein Frosch: Aber eben so mehr erstickt als erfroren, wann es jhe muß gehenckt sein.

Nach dem sie nun lang also der Welt Läuff zuerfaren, umbgezogen waren, fügeten sie sich heim zu dem nachtessen, unnd demnach es schwer wetter, assen sie vil mässiger als[281] zur andern zeit, speiß die abtrocknet, ringert unnd extenuirt: auff daß die feuchte betrübung des Luffts, welche von wegen notwendiger nähe mit dem Leib gemeinschafft suchet, hie durch also verbessert würde, unnd ihnen nit zu unstatten käm, weil sie kein übung, wie zu ander malen, vorgehabt hetten.

Also ward Gargantua angezogen unnd Gubernirt, unnd pracht solche weiß durch täglichen geprauch inn ein gute gewonheit, unnd nach seins alters vermöglichkeit zu grossem nutz, wie ihr hört. Welches wiewol es erstlich schwer scheinet, jedoch ward es durch stäte übung so leicht, süß unnd angenem, daß es viel meher ein kurtzweil für ein König, als befleissigung und lehr eines Schulers war. Gleichwol Herrkundlob auff daß er ihm von diser strengen sinn unnd Leibsbemühung zuzeiten eine fristung gebe, gieng er ihm et wann in eim Monat ein schönen Tag auß, an dem sie morgen Frü auffprachen, und entweders gehn Gentili zogen, oder zu Charantonsprucken, oder Sant Claudi, oder Montrouge, aber nit Rotenburg bey Tübingen, dahin die studenten wöchlich umb guten Wein walfarten, Papir zuholen, welchs sie gleich so wolfeil ankompt, als wann die Nörenbergischen Bierbrauwer järlichs höfen in Türingen holen: oder es stattlicher zuvergleichen, als wann man das Pallium zu Rom holet. Unnd daselbs pliben sie als dann den gantzen Tag, unnd machten des besten dings gut geschirr, als man erdencken mag: rammelten, rolleten, luderten, trancken genug, spileten, sungen, jauchtzeten, kögelten, dantzeten, kälberten sich etwann auff einer schönen grünen Wisen, bürtzelten, suchten Vogelnester, namen Spatzen auß, fiengen Wachtelen, triben Federspiel, bestelten ein Lerchenherd, angelten: fiengen Frösch, Krebseten, gruben Schnecken, badeten, fiengen Ael, besahen die Binenkörb, hauten Gerten und Meyen, machten Weidenflöten und Holderpfeiffen, stelten den Kautzen auff den Kloben, führten einander auff dem Schlitten den Berg auff unnd ab, vogelten. Und übten ein jungen Sperwer.

Wiewol nun also derselb Tag ohn Bücher unnd Lectur hingieng, gieng er gleichwol nicht on Frucht ab: Dann sie erinnerten sich inn dieser lustigen Wisen, etlicher schöner Verß oder sprüch vom Feldbau, auß dem Vergilio, Hesiodo,[282] Rustico, Politiano: Clemente Affrico: machten unnd schriben inn ihre Schreibtäflin etliche kurtze lustige Epigrammata zu Latin, unnd übersetzten sie darnach inn Rondeo und Ballade gestalt auff Frantzösisch oder Teutsch, Reimeten umb die wett, dichteten Lieder, auff allerley melodei, erfunden neue bünd, neue däntz, neue sprüng, neue Passa repassa, neue hoppeltäntz, machten neue Wissartische Reimen von gemengten trey hüpffen und zwen schritten.

Wann sie dann bancketierten und underzechten, scheideten sie von dem Wasserigen Wein das Wasser, oder vom Weinhafften Wasser den Wein, wie Cato von der Re Rustica lehret, unnd Plinius mit eim Hebhäubecher weiset: wescheten den Wein inn einem Becken voll Wasser, darnach zogen sie ihn wider ab, unnd schanckten das Wasser von eim Glaß ins ander: erfunden, baueten und zimmerten viel kleine sinnreiche automata, das ist, selbs bewegliche kunstwercklin, neue Pratspißwerck (dern Rob. Stephani sich so sehr zu Franckfort verwundert, als er ihr Meß beschreibet:) Das Fünfft Rad am Karren, Stockfischmülen, darauff man die Stockfisch pläuet, die Popfingisch Narrenschleiffen, da ein grober rauher Burgermeister neulich den Schleiffstein also verderbt hat, daß man ihn wider behauen muß: Neu Trägerzeug, neue Schlösser zu gewelben unnd Kisten, die fürfallen mit einem Schlüssel: Malschlösser mit Buchstaben, Verremßter Sessel, die eim Händ und Füß fiengen, wann einer drein saß, selsam Fußeisen, künstliche Circul und Meßstäb, unerfaulige Deuchel, Lauten die sich selbs richten, unnd Feurzeug, der selbs im Busen ein Feur auffschlegt: Dann sie wußten bessers als Clauß Narr, der sorgt, der Feurzeug, welchen einer inn Busen schob, solt ihn verbrennen.

Quelle:
Johann Fischart: Geschichtklitterung (Gargantua). Düsseldorf 1963, S. 270-283.
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