Erstes Kapitel.

[144] M. Hartley war Capitain einer englischen Fregatte, die an der afrikanischen Küste kreuzte. Er hatte sich genöthigt gesehen, eines verlornen Mastes halber in Cadix einzulaufen, und brachte, während daran gearbeitet wurde, seine meiste Zeit am Lande zu.

Eines Tages war er mit Mr. Thomsen, Compagnon eines großen englischen Handelshauses, in eine Messe gegangen, wo die Ladies of easy access am sichersten zu finden sind. Sie standen neben einander, und ließen die frommen Schönen die Musterung passiren, als Capitain Hartley auf einmal wie begeistert ausrief: Bless me! Ein himmlisches Gesicht!

Wo? fragte Mr. Thomsen mit Wärme.

H. Dort am zweiten Pfeiler, in dem goldgestickten Schleier; sie kniet auf einem rothen Kissen.[144]

Th. Sie haben Recht, sie ist zum Entzücken schön!

H. Wissen Sie nicht, wer sie ist?

Th. Sie müssen sie ja kennen, sehen Sie sie nur recht an.

H. Ich? – Sie spassen! Ich bin ja kaum acht Tage hier.

Th. Aber Sie haben ja eine Adresse an den Mann!

H. Was? Don Ramon Ungalde? Ist das seine Frau?

Th. Niemand anders. Hat der alte Schächer nicht einen guten Geschmack?

H. God dam! Aber ich hab' sie noch mit keinem Auge gesehen.

Th. Das will ich glauben! Er bewachte sie wie ein Drache. Sehen Sie das alte einäugigte Weib? Es ist ihre Duenna, eine Taubstumme, und dennoch läßt er sie kaum in die Messe gehen.

H. Rasca! Man sieht's ihr auch an. Armes Weibchen, was sie für einen melancholischen Augen-Aufschlag hat!

Th. Gelt Capitain Hartley! Das wäre eine gute Priese?

H. Bless me! Ich muß Jagd darauf machen.

Th. Wenn der Alte nicht wäre, ich glaube sie striche.[145]

H. Hol' ihn –! Ich attakire ohne Umstände.

Quelle:
Christian Althing: Dosenstücke, Rom; Paris; London [o.J.], S. 144-146.
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