ÖRNULFS KLAGE

[124] Sinn den schwermut stachelt

Misset Bragas freuden

Sorgenvoller sänger

Leidet · singt er ein lied.


Skaldegott schenkte

Kraft mir zu singen

Klingen lass meine klage

Für meinen verlust meinen schweren.


Neidvolle norne verheerte hart

All meine weltenwege

Trieb alles glück von mir

Zerstörte Örnulfs eigen.[124]


Der söhne sieben wurden

Örnulf von den göttern gegeben

Nun geht einsam der greis

Söhnelos durchs leben.


Der söhne sieben so herrliche

Erzogen zwischen schwertern

Schirmten wikings weisses haar

Wie die mächtigste mauer.


Nun ist die mauer gesunken

Meine söhne sind getötet

Freudlos steht nun der greis da

Und sein haus ist verödet.


Thorolf du mein jüngster

Kühnster unter den kühnen

Wenig würd ich wehklagen

Hätte ich dich behalten.


Frisch warst du wie der frühling

Gegen den vater voll liebe

Zu einem helden herrlich

Wärst du geartet im alter.[125]


Todeswunde unselig

– Welches weh ist schlimmer –

Hat meine alte brust

Geklemmt wie zwischen eisen.


Boshafte norne neidisch

Verweigerte all mir mein eigen

Goss aus des schmerzes fülle

Über Örnulfs wegen.


All meine kraft ist gewichen.

Bekäme ich göttliche kraft nun

Eines blieb meine aufgab

Der norne tun zu rächen.


Eines blieb mein streben

Norne's sturz zu versuchen

Sie die alles mir raubte

Alles und nun das lezte.


Hat sie mir alles geraubt?

Nein das hat sie nicht

Zeitig bekam ja Örnulf

Suttungs meth zu trinken.[126]


Meine söhne nahm sie

Aber sie gab mir gewaltge

Kraft um in liedern

Meine sorge auszusingen.


Auf meinen mund legte sie

Des sanges holde gabe

Laut lass sie erklingen

Selbst bei der söhne grabe!


Heil euch wackre söhne!

Dort seh ich euch reiten!

Gottes gabe heilet

Welten weh und leiden!

Quelle:
George, Stefan: Schlussband, Gesamt-Ausgabe der Werke, Band 18, Berlin 1934, S. 124-127.
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