1801

[168] 15/4339.

An Elisa Gore

[Concept.]

Nach einer schrecklichen Krise der Natur, in welcher sich das Individuum zu verlieren schien und welche etwa zehen Tage mag gedauert haben, befinde ich mich wieder ganz leidlich und ich könnte sagen wohl, wenn nicht der Geschwulst des linken Auges mich noch an die Gewalt des vergangenen Übels erinnerte. Doch behaupten die Chirurgen, daß auch das Auge sich bald wieder in seinem natürlichen Zustande befinden werde. Ich empfehle mich der verehrten Gorischen Familie und dem vielgeliebten Prinzen August von Gotha zu fernerer freundschaftlicher Theilnahme.

Weimar am 17. Jan. 1801.


15/4340.

An die Herzogin Louise

[Concept.]

Vergönnen Ew. Durchl. mir das Glück daß das erste was ich wieder schreibe an Höchstdieselben gerichtet sey mit dem lebhaftesten Danke für die gnädige Theilnahme an meinem bisher so zweifelhaften Schicksal.

Nun kehren meine Kräfte wieder zurück und ich kann die Freude ganz fühlen diesen Tag abermals erlebt zu haben, der mir immer ein Festtag ist an dem ich meine täglichen Wünsche für Ew. Durchl.

[169] Wohl verdopple. Möge er mit immer wachsendem Glück für Ew. Durchl. und die hohen Ihrigen zurückkehren.

Nehmen Höchstdieselben eine Zeichnung gnädig auf welche ich im Nahmen der Schloßbau Commission überreiche und die wohl werth war in Ew. Durchl. Nähe zu bleiben. Der Rahmen wird nach einem allgemeinen Muster verändert werden.

Bald hoffe ich Ew. Durchl. selbst wieder aufzuwarten und mündlich zu wiederholen wie sehr ich lebenslänglich sey pp.

Weimar am 29. Jan. 1801.


15/4341.

An Johann Friedrich Cotta

Das neue Jahrhundert hat sich nicht gut gegen mich erwiesen, denn ich bin in den ersten Tagen von einer sehr heftigen, obgleich nicht ganz unvorhergesehenen Krankheit überfallen worden, welche neun Tage lang, indessen ich wenig von mir selbst wußte, die Fortdauer meiner Existenz sehr zweifelhaft machte. Indessen habe ich mich in der letzten Hälfte dieses Monats wieder so ziemlich erholt und fange an, die Lebensfäden wieder anzuknüpfen.

Den Gautier habe ich in den ersten Tagen meiner Genesung erhalten und sogleich flüchtig durchgesehen. Sie haben mir durch die Anschaffung dieses Buchs einen besondern Dienst erzeigt, so wie ich Ihnen für [170] die gefällige Übersendung des so brauchbaren Plouquetischen Werks vielen Dank sage.

Ich wünsche daß Sie bald den Preis des Virgils erfahren mögen, damit unsere kleine Rechnung abgeschlossen werde und ich auch mit hiesiger fürstl. Bibliothek in Ordnung komme.

Wie der gute Vermehren dazu kommt mich als einen bedeutenden Theilnehmer an seinem Almanach anzugeben, begreife ich nicht. Ich erinnere mich wohl daß ich, als er mir von diesem Vorsatz sprach, ihn nicht ohne Hoffnung eines Beytrags für die Zukunft ließ; allein für dieses Jahr ist, besonders unter den gegenwärtigen Umständen, gar nicht daran zu denken. Ich werde mich hüten die Musen früher zu versuchen bis ich mich wieder bey Kräften fühle; ich wünsche nur daß ich Ihnen etwas zum Damenkalender liefern kann.

Übrigens ist es recht schade daß wir so weit auseinander wohnen; in der Nähe könnte man manche Gelegenheit, und wäre es nur zu artigen Kleinigkeiten, nutzen. Das kleine Drama, das jetzt in dem Seckendorfischen Taschenbuche steht, nebst einer englischen Übersetzung desselben, von Herrn Mellish, und dem Kupfer, welches mit der Zeitung für elegante Welt ausgegeben wird, hätte, in eins gefaßt, und splendid gedruckt und mit einigen Scherzen und Galanterien noch verziert, einen artigen Artikel gegeben; allein über so was läßt sich nicht correspondiren, [171] weil alles vom Augenblick abhängt, und so muß man es denn zerstreut hinfahren lassen.

Herr Bitaubé hat nunmehr meine Antwort erhalten, wie mir ein Brief aus Paris sagt.

Ich habe in meinen Notaminibus noch einige ältere französische Bücher gefunden, welche ich bisher noch nicht auftreiben konnte, vielleicht sind Sie damit so glücklich wie mit Gautier, in meinem nächsten Briefe zeige ich die Titel an.

Leben Sie recht wohl und erndten bald in Frieden die Früchte Ihrer Thätigkeit.

Weimar am 29. Januar 1801.

Goethe.


15/4342.

An Friedrich Schiller

Mögen Sie heute Abend, nach der Probe, die doch vor 8 Uhr geendigt seyn wird, mit uns eine kleine Abendmahlzeit einnehmen; so sollen Sie uns herzlich willkommen seyn. Götze kann im Theater auf Ihre Befehle warten und wenn der Fünfte Act angegangen ist, Ihnen den Wagen holen. Wollen Sie auch hineinfahren, so geben Sie ihm deßhalb Ordre.

Mit mir geht es ganz leidlich, ich habe heute früh die Rolle mit der Caspers durchgegangen und bin mit dem guten Kinde recht wohl zufrieden.

Leben Sie recht wohl.

Weimar am 29. Jan. 1801.

G.


[172] 15/4343.

An Franz Kirms

[Januar.]

Ich bin Ihnen für diese Behandlung der Sache sehr dankbar. Es war der ganz rechte Weg. Nächstens mehr über dieses Verhältniß und ähnliche.

G.


15/4344.

An Katharina Elisabeth Goethe

Diesmal, liebe Mutter, schreibe ich Ihnen mit eigner Hand, damit Sie Sich überzeugen daß es wieder ganz leidlich mit mir geht.

Das Übel hat mich freylich nicht ganz ungewarnt überfallen, denn schon einige Zeit war es nicht völlig mit mir wie es seyn sollte. Hätte ich im vorigen Jahre ein Bad gebraucht wie ich in früheren Zeiten gethan; so wäre ich vielleicht leidlicher davon gekommen; doch da ich nichts eigentliches zu klagen hatte; so wußten auch die geschicktesten Ärzte nicht was sie mir eigentlich rathen sollten und ich lies mich von einer Reise nach Pyrmont, zu der man mich bewegen wollte, durch Bequemlichkeit, Geschäfte, und Oekonomie abhalten, und so blieb denn die Entscheidung einer Crise dem Zufall überlassen.

Endlich, nach verschiednen katharralischen Anzeigen, zu Ende des vorigen Jahrs, brach das Übel [173] aus, und ich erinnere mich wenig von den gefährlichen neun Tagen und Nächten, von denen Sie schon Nachricht erhalten haben.

Sobald ich mich wieder selbst fand ging die Sache sehr schnell besser, ich befinde mich schon ziemlich bey körperlichen Kräften und mit den geistigen scheint es auch bald wieder beym alten zu seyn.

Merckwürdig ist daß eine ähnliche Kranckheit sich theils in unsrer Nähe, theils in ziemlicher Entfernung in diesem Monate gezeigt hat.

Wie gut, sorgfältig und liebevoll sich meine liebe Kleine bey dieser Gelegenheit erwiesen werden Sie Sich dencken, ich kann ihre unermüdete Thätigkeit nicht genug rühmen. August hat sich ebenfalls sehr brav gehalten und beyde machen mir, bey meinem Wiedereintritt in das Leben viel Freude.

Auch war mir der Antheil sehr tröstlich, den Durchl. der Herzog, die fürstliche Familie, Stadt und Nachbarschaft bey meinem Unfalle bezeigten. Wenigstens darf ich mir schmeicheln daß man mir einige Neigung gönnt und meiner Existenz einige Bedeutung zuschreibt.

So wollen wir denn auch hieraus das Beste nehmen und sehen wie wir nach und nach die Lebensfäden wieder anknüpfen.

Ich wünsche daß Sie diesen Winter recht gesund und munter zubringen mögen und da ich weder gehindert bin Gesellschaft zu sehen noch mich zu beschäftigen; [174] so dencke ich die Paar traurigen Monate nicht ohne Nutzen und Vergnügen zuzubringen.

Hier die Affiche des Tancred. Kurz vor meiner Kranckheit war ich damit fertig geworden. Grüßen Sie alle Freunde.

Weimar d. 1. Febr. 1801.

G.


15/4345.

An Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling

Ich danke Ihnen herzlich für den Antheil an meiner Genesung, möge es sich doch recht bald schicken, daß ich das Vergnügen habe, Sie auf einige Tage wieder zu sehen; denn leider war, als wir Abschied nahmen, die Krankheit schon mit ziemlicher Gewalt eingetreten und ich verlor bald darauf das Bewußtsein meines Zustandes. Auch fühlte ich schon sehr während Ihres Hierseins, daß mir der völlige Gebrauch meiner Geisteskräfte abgehe.

Nach den Versuchen, die ich in diesen Tagen gemacht habe, scheint sich so ziemlich alles in seine alte Ordnung hergestellt zu haben. Doch wird sich das erst in der Folge zeigen. Meine körperlichen Übelnehmen täglich ab und meine Kräfte zu, und so wollen wir, wie weit wir mit der Pflege Geistes und Leibes nach und nachgelangen.

Schreiben Sie mir ja von Zeit zu Zeit und nur gerade von dem, was Sie eben interessirt. Es werden [175] auch dadurch in mir immer mehr Berührungspuncte erzeugt.

Ihren Anhang zu dem Eschenmayerischen Aufsatz habe ich mit vielem Vergnügen gelesen. Wenn ich ein Gleichnis brauchen darf, so gieng es mir wie einem, der in der Dämmerung auf bekannte Wege kommt und sich ganz gut zu rechte findet, ohne gerade jeden Gegenstand, an dem er vorbeigeht, deutlich zu erkennen.

Auch hat mich die Fichtische Ankündigung in der allgemeinen Zeitung beschäftigt und unterhalten.

Um wenigstens etwas zu thun, so habe ich in diesen Tagen angefangen, das Büchlein Theophrasts von den Farben zu übersetzen. Es ist eine wunderliche und schwierige Aufgabe, welche aber aufgelöst zu haben nicht ohne Nutzen sein wird.

Leben Sie recht wohl und sagen Sie mir bald wieder ein Wort.

Weimar am 1. Februar 1801.

Goethe.


15/4346.

An Johann Friedrich Reichardt

Nicht Jedermann zieht von seinen Reisen solchen Vortheil, als ich von meiner kleinen Abwesenheit.

Da ich von der nahfernen Grenze des Todtenreichs zurückkehrte, begegneten mir gleich so viele Theilnehmende, [176] welche mir die schmeichelhafte Überzeugung gaben, daß ich sonst nicht allein für mich, sondern auch für Andere gelebt hatte. Freunde und Bekannte nicht allein, sondern auch Fremde und Entfremdete, bezeigten mir ihr Wohlwollen und, wie Kinder ohne Haß geboren werden, wie das Glück der ersten Jahre darin besteht, daß in ihnen mehr die Neigung als die Abneigung herrscht; so sollte ich auch bey meinem Wiedereintritt ins Leben dieses Glücks theilhaft werden, mit aufgehobenem Widerwillen eine neue Bahn anzutreten.

Wie angenehm Ihr Brief mir, in diesem Sinne, war, sagen Sie sich selbst, mit der Herzlichkeit, mit der er geschrieben ist. Ein altes gegründetes Verhältniß wie das unsrige konnte nur, wie Blutsfreundschaften, durch unnatürliche Ereignisse gestört werden. Um so erfreulicher ist es, wenn Natur und Überzeugung es wieder herstellt.

Von dem was ich gelitten habe weiß ich wenig zu sagen. Nicht ganz ohne vorhergehende Warnung überfiel mich, kurz nach dem neuen Jahre, die Krankheit und bekämpfte meine Natur, unter so vielerley seltsamen Formen, daß meine Genesung, selbst den erfahrensten Ärzten, auf einige Zeit, zweifelhaft werden mußte. Neun Tage und neun Nächte dauerte dieser Zustand, aus dem ich mich wenig erinnere. Das glücklichste war, daß in dem Augenblicke, als die Besinnung eintrat, ich mich selbst ganz wieder fand.

[177] Man erzählt von Hallern daß, als er einmal eine Treppe herunter und auf den Kopf gefallen war, er sogleich, nachdem er aufgestanden, sich die Nahmen der chinesischen Kaiser nach der Reihe hergesagt, um zu versuchen, ob sein Gedächtniß gelitten habe.

Mir ist nicht zu verdenken, wenn ich ähnliche Proben anstellte. Auch hatte ich Zeit und Gelegenheit in den vergangnen vierzehn Tagen mir manche von den Fäden zu vergegenwärtigen, die mich ans Leben, an Geschäfte, an Wissenschaft und Kunst knüpfen. Keiner ist abgerissen wie es scheint, die Combination geht wie vor Alters fort, und die Production scheint auch in einem Winkel zu lauren, um mich vielleicht bald durch ihre Wirkungen zu erfreuen.

Doch wollen wir uns indeß als Genesende behandeln und, zufrieden mit einer so baldigen Wiederherstellung, nach einem so großen Übel, in geschäftigem Müßiggang dem Frühjahr entgegenschlendern.

Das erste höhere Bedürfniß, was ich nach meiner Krankheit empfand, war nach Musik, das man denn auch, so gut es die Umstände erlaubten, zu befriedigen suchte. Senden Sie mir doch ja Ihre neusten Compositionen, ich will mir und einigen Freunden damit einen Festabend machen.

Empfehlen Sie mich dankbar bekannten und unbekannten Wohlwollenden und Theilnehmenden in Berlin.

[178] Ich wünsche nichts mehr, als so vielen Freunden, die auf meine Existenz einen Werth setzen, auch künftig zur Freude und zum Nutzen zu leben.

Nehmen Sie wiederholten Dank für Ihre Annäherung in diesem Zeitpunct und genießen einer dauerhaften Gesundheit.

Weimar am 5. Februar 1801.

Goethe.


15/4347.

An Friedrich Schiller

Ein durchreisender Schauspieler soll heute Abend nach der Probe in einigen Scenen sein Talent zeigen, da man ihm keine Gastrolle zugestehen mag.

Wollten Sie wohl diesen Versuch mit ansehen so schickte ich gegen 6 Uhr meinen Wagen, der alsdann dort warten und Sie zu mir bringen kann.

Weimar am 6. Febr. 1801.

Goethe.


15/4348.

An Friedrich Schiller

Halten Sie sich ja, daß dieser Sturm vorübergehe, freylich hätte ich gehofft Sie heute Abend in meiner Einsamkeit zu sehen. Arbeiten möcht' und könnte ich wohl, besonders auch Ihnen zur Freude, wenn nicht mein zerrißner Zustand mir fast alle Hoffnung und zugleich den Muth benähme.

[179] Die Motive die Sie mir gestern erzählten habe ich weiter durchgedacht, und es scheint wohl daß ich sie auch nach meiner Art zu denken sämmtlich billigen werde, ich wünsche nun die Anlage des Stücks auch von vorn herein zu kennen.

Weimar am 9. Febr. 1801.

G.


15/4349.

An Friedrich Schiller

Ich nehme die Lectüre mit vielem Vergnügen an, um so mehr als ich Sie selbst ersuchen wollte mir wenigstens den Plan von vorn herein zu erzählen. Nur kann ich heute nicht ausfahren, weil Starke heute früh eine etwas schmerzliche, ich hoffe aber die letzte Operation am Auge vorgenommen und mir das Ausgehen wegen der Kälte verboten hat. Ich schicke Ihnen daher um halb Sechs den Wagen und so können Sie auch nach Tische nach Hause fahren. Ich verspreche mir viel Gutes von dieser Lectüre sowohl für Ihr Fortschreiten als für eigne Production.

Weimar am 11. Febr. 1801.

G.


15/4350.

An Christian Heinrich Ramann

Indem ich Ihnen, werthester Herr Ramann, hiebey den Betrag der mir zuletzt übersendeten Ohme [180] Erlauer, mit 9 Karol. überschicke, wobey mir 12 gr. zu Gute bleiben, ersuche ich Sie, wenn Sie gegenwärtig recht guten Erlauer haben, mir eine Probe davon in ein Paar Bouteillen zu schicken. Zugleich wünschte ich ein Paar Flaschen Würzburger, wie ich solchen bey Herrn Hofrath Loder getrunken und ein Paar Flaschen vorzüglich guten Steinwein zur Probe, nebst den Preisen. Diese 6 Flaschen in einem Kistchen wären wohl für Kälte zu bewahren.

Der ich recht wohl zu leben wünsche.

Weimar am 11. Febr. 1801.

Goethe.


15/4351.

An Johann Friedrich Cotta

Hierbey übersende ich den Titel des Werkes, welches ich durch Ihre Bemühung gleichfalls zu erhalten wünsche.

Observations sur l'histoire naturelle, sur la physique, et sur la peinture, avec des planches imprimées en couleur, par Mr. Gautier. Tome I. Partie 1-18. Année 1752-1755 à Paris, iisd. annis. Voll. III.

Wenn Herr Decker sich noch nicht wegen des Virgils erklärt hat; so haben Sie ja wohl die Güte unsere Rechnung für diesmal zu schließen und meine Schuld für den Virgil fürs künftige zu notiren.

Man ersucht mich so eben beyliegenden Brief postfrey nach Paris zu bringen. Verzeihen Sie wenn ich[181] Sie bitte, ihn einzuschlagen und dessen richtige Besorgung zu empfehlen. Da der Brief den Umweg macht, so wäre zu wünschen daß er bald abginge.

Mit meinem Befinden geht es recht gut und ich suche mich nach und nach wieder in Thätigkeit zu setzen.

Leben Sie recht wohl und gedenken Sie mein.

Weimar am 16. Febr. 1801.

Goethe.


15/4352.

An Franz Kirms

Nachdem Dem. Matizek angezeigt, daß sie ein anderweitiges Engagement eingegangen und von dem hiesigen Theater abzugehen entschlossen sey; so hat man ihr beiliegende Berechnung ihrer Rückstände vorgelegt, worauf sie erklärt: daß sie bei ihrem Abgange darauf etwas zu bezahlen nicht im Stande sey, jedoch wolle sie sich von der an dem Ort ihrer neuen Bestimmung zu erhaltenden Gage vierteljährig zwanzig Thaler abziehen lassen; auch habe sie nichts einzuwenden, wenn man deshalb die Garantie der Hamburger Direktion wolle ausstellen lassen; doch müsse sie bemerken, daß sie daselbst nur auf ein Jahr Kontrakt habe. Und ist von ihr auf wiederholte Vorstellung keine andere Erklärung zu erlangen gewesen.

Weimar am 19. Febr. 1801.

G.


[182] 15/4353.

An Friedrich Schiller

Heute Abend um 5 Uhr werde ich Probe vom Tancred halten, ich will Ihnen aber nicht zumuthen dabey zu erscheinen. Nach derselben aber, etwa gegen 8 Uhr, komm ich, wenn es Ihnen recht ist, Sie abzuholen zu dem gewöhnlichen frugalen Abendessen.

Am 20. Febr. 1801.

G.


15/4354.

An Immanuel Reimann

[Concept.]

Wegen der Pachtbedingungen nach denen Sie sich, werther Herr Reimann, erkundigen melde ich kürzlich folgendes:

Die Hauptbedingungen waren bisher:

1) 350 rthlr baar in Lbthlrn à 1 rh. 14 gr. in vierteljährigen Terminen.

2) Victualien nach beyliegendem Verzeichniß.

3) Die auf dem Gut haftenden Onera, welche sich gegen 30 rh. belaufen können. 4) 500 rh. Kaution zu 3 p. C.

Hiezu würde bey gegenwärtiger Veränderung noch hinzugefügt werden:

5) Noch fernere 500 rh. Kaution, weil zu bemerken gewesen daß bey der bisherigen der Gutsherr nicht genug gedeckt sey.

[183] 6) Renunciation auf den Ersatz alles Schadens, welcher vielleicht bey der neuen Wegeanlage verursacht werden könnte.

Die übrigen Bedingungen verstehen sich theils von selbst, theils sind sie nicht von Wichtigkeit. Nur muß ich bemerken, zu Verkürzung des Geschäfts, daß von vorstehenden Hauptbedingungen keine nachgelassen werden kann.

Das Inventarium an Vieh liegt hier abschriftlich bey; der Termin kann auf sechs Jahre gesetzt werden.

Der ich recht wohl zu leben wünsche.

Weimar am 20. Febr. 1801.


15/4355.

An Amalie von Imhoff

[Concept.]

Ein Gedicht wie das von dem die Rede ist, zu verbessern, oder auch nur Verbesserungen vorzuschlagen ist nicht eine Sache zerstreuter Augenblicke. Vergebens hab ich gesucht ihm etwas abzugewinnen, und meine Strichelchen und Häkchen, im dritten Gesang, den ich zufällig vornahm, wollen nichts heißen.

Mögen Sie morgen Abend um 6 Uhr, etwa mit Frau von Wolzogen, bey mir einen Thee nehmen; so könnte besprochen werden was zu thun sey und vielleicht könnte man auch einen Anfang machen [184] der Correctur, um wenigstens einen Theil fortzuschicken.

Ein kleines Wort von Ihnen soll die Einrichtung meines Tags bestimmen.

W. d. 26. Febr. 1801.


15/4356.

An Friedrich Schiller

Nehmen Sie es freundlich auf, wenn ich, eingedenck Ihrer gefälligen Teilnahme an den Propyläen, einen Theil eines so eben angekommenen Weintransports zusende. In der Hofnung daß Sie die übrigen Sorten bey mir versuchen und genießen mögen.

W. d. 28. Febr. 1801.

G.


15/4357.

An Carl Friedrich Moritz PaulGraf von Brühl

[ 28. Februar.]

Ihrer freundschaftlichen Theilnahme, bey dem Unfall, der mich betroffen hat, war ich gewiß und danke Ihnen für den Ausdruck derselben. Das Übel war sehr gewaltsam, doch finde ich mich geschwinder wieder hergestellt als ich hoffen durfte.

Die Zeichnung des Monuments erhalten Sie zurück mit einem Gutachten von Meyer, dem ich beytrete. Nur kann ich mich nicht enthalten hinzu zu fügen:[185] daß ich es für sündlich halte ein Kunstwerk, das gut und schön werden soll, in ein barbarisches Land, unter freyen Himmel zu relegiren, besonders in der jetzigen Zeit wo man nicht weiß wem Grund und Boden im nächsten Jahre gehören wird.

Wenn es einmal ein Kenotaph seyn soll, wenn es erlaubt ist mit seinen Schmerzen zu spielen; so würde ich rathen Geld und Kunst nicht für Badegäste und Pfaffen, sondern für den Kreis der Familie und der Freunde wirken zu lassen, ich würde rathen ein Paar Urnen, in der Größe wie man sie in ein Zimmer stellen kann, mit allem Aufwand von Material, Gedanke, Kunst und Technik zu besorgen und sie zu einem wehmütigen Genuß und zu einer bedeutenden Zierde eigner Wohnung aufzustellen.

Die eine Urne müßte mir das Lobenswürdige und Hoffnungsvolle der Verschiednen, die Lieblingsbeschäftigung ihres Lebens darstellen, die andere den Zustand der Nachgelaßnen.

Ein solcher Gedanke mußte mir um so eher einfallen als ein so geschickter Mann, wie Professor Schadow, um so billige Bedingungen, wie der Anschlag zeigt, für Sie zu arbeiten geneigt ist und wir in unsern Häusern und Besitzungen keineswegs an Kunst so reich sind, daß wir das Gebildete auf die Kreuzwege hinaus drängen müßten.

Verzeihen Sie dieser aufrichtigen Äußerung! Ein jeder hat freylich seine eigne Art die Dinge dieser[186] Welt anzusehen. Sie werden thun, was Sie nach Ihren eignen Gesinnungen fürs beste halten.

Sollte mir etwas lyrisches gelingen, das für Sie brauchbar wäre, so schicke ich es bey Zeiten. Vorräthig ist gar nichts und also hängt es vom Zufall ab, ob ich Ihnen mit etwas dienen kann.

Ich freue mich daß Sie meinem Festspiel einigen Beyfall gönnen. Der Effect bey der Aufführung hat mich selbst überrascht. Ich wünschte wohl einmal etwas ähnliches, mit mehr Personen, für ein größeres Theater zu bearbeiten.

Die theatralische Preisaufgabe haben wir deswegen im Allgemeinen gelassen, damit mehr Spielraum bliebe. Auch finden wir dadurch vielleicht am ersten Gelegenheit von der Erfindung bis zur Ausführung mehrere Stufen zu beobachten und zu schätzen.

Was Sie von den Vorzügen des französischen Theaters sagen kenne ich recht gut; allein es ist eine solche wunderliche Wendung überhaupt in die Deutschen gekommen, daß es schwerer als jemals seyn wird sie gewisse Eigenschaften schätzen zu lehren die sie nicht besitzen. Es ist in diesem Volke ein eignes Gemisch von Originalität und Nachahmerey.

So weit für dießmal. Leben Sie recht wohl, grüßen Ihre werthe Gattin, lassen Sie manchmal von sich hören und kommen Sie bald wieder zu uns.

G.


[187] 15/4358.

An L. G. H. Burdach

[Concept.]

Die Gedichte, deren Verdienst ich nicht verkenne, kommen hier zurück. Fremde Arbeiten ins Publikum einzuführen ist ein Geschäft welches zu unternehmen ich stets Bedenken getragen habe, indem es ein ganz anderes Verhältniß zur Litteratur voraussetzt, als das in dem ich mich befinde.

Vielleicht mögen Sie mit Herrn Vermehren in Jena, der für das nächste Jahr einen Musenalmanach herausgiebt, in Verbindung treten, und ihn durch Beyträge erfreuen.

Ich wünsche, daß Sie immer recht wohl leben und sich des Umgangs der Musen lang erfreuen mögen.

Weimar am 2. März 1801.


15/4359.

An Gottlieb Hufeland

Indem ich Ew. Wohlgeb. mit Dank das ausgelegte Geld zuschicke und um Quittirung beygelegter Rechnung bitte, so folgt auch das neue Loos, welches zurück zu schicken bitte. Man kann wohl zum Scherz einmal in einem Glückspiele den Zufall versuchen, aber es darf daraus keine Gewohnheit werden.

Der ich recht wohl zu leben wünsche.

Weimar am 6. März 1801.

Goethe.


[188] 15/4360.

An Friedrich Schiller

Da es schon spät ist und ich keine Hoffnung mehr habe heute von Ihnen etwas zu hören, so will ich hiermit das Neuste vermelden.

Herr Hartmann von Stuttgard ist angekommen, wenn ich ihn und sein Gemählde gesehen habe sollen Sie ein näheres vernehmen.

Über die Preisfrage habe ich wieder nachgedacht und finde vorläufig daß ihr von dem Standpuncte der empirischen Psychologie, wo wir Poeten doch eigentlich zu Hause sind, recht gut beyzukommen ist. Man steht zwischen dem Philosophen und Historiker und befindet sich auf dem Gebiete des eigentlichen Gehalts, wenn jener die Form und dieser den Stoff bringt.

Der, durch alle Zeiten und Orte, durchgehende, unveränderliche Naturstand scheint mir die Base zu seyn, worauf das ganze Gebäude aufgeführt werden muß, doch dies dient mehr zur Beantwortung als zur Aufstellung der Frage.

Mich verlangt sehr zu erfahren, wie Ihnen die Veränderung zuschlägt und wünsche das Beste.

Leben Sie wohl und lassen bald von sich hören.

Weimar am 7. März 1801.

G.


[189] 15/4361.

An Johann Wilhelm Ritter

[Concept.]

Indem ich das Gilbertische Journal mit Dank zurückschicke, füge ich einige Bemerkungen hinzu:

Wie unzulänglich, ja wie hinderlich die Newtonische Theorie, ich will nicht sagen zur Erklärung, sondern nur zur Auf- und Darstellung der Phänomene sey, ist in diesem Falle einem jeden wieder recht einleuchtend, der sich eines bessern belehrt hat.

Dem wackeren Herschel ist das Absurde der Enunciation selbst aufgefallen ( pag. 138) und freylich ist es absurd das reine, sich immer selbst gleiche Licht, aus so widersprechenden Theilen zusammen zu setzen, da es doch eigentlich nur durch äußere Bedingungen in den Fall gesetzt wird, ohne die mindeste Veränderung seiner selbst, jene bekannten Erscheinungen hervor zu bringen.

Höchst merkwürdig bleibt es wie, auch diesmal wieder, ein so scharfsichtiger und scharfsinniger Mann diesen Gegenstand vornimmt, ohne die unauflöslichen Widersprüche zu fühlen, in welche die Hypothese verwickelt. Wenn er sich pag. 142 die verschiednen Stufen der Erleuchtung seiner farbigen Lichter vorzählt; so findet er das einzige Gelb und das nächste Grün eigentlich erleuchtend, (beydes aber gewiß nicht so gut als das ungefärbte Licht) die übrigen Farben [190] leisten immer weniger, so daß man eher von der verdunkelnden, als der erleuchtenden Kraft des gefärbten Lichtes sprechen könnte, und aus diesen Finsternissen soll das Licht zusammengesetzt seyn!

Wenn Herschel durch farbige Gläser die Sonne betrachtet und sie zuletzt gar mit solchen die mit Rauch angelaufen sind in Parallele stellt, so fällt ihm nicht ein, daß doch wohl die Farbe durchaus gegen das Licht als ein Minus anzusehen seyn müsse, sondern immerfort soll das Helle aus Dunkeln zusammengesetzt seyn. Es wäre kein Wunder wenn man den Ruß zuletzt auch unter die integranten Theile des Lichts zählte.

Auch an der Kupfer Tafel sieht man daß, nach dem alten Schlendrian, die Öffnung, durch die man das Licht einließ, so niedrig als möglich gemacht worden. Die spitzen Winkel der punctirten Linien, welche die Divergenz der Farbenerscheinung vorstellen sollen, stehen auf der Mitte des Prismas, eben als wenn hier nur ein untheilbarer Sonnenstrahl hereinkäme und gebrochen würde. Woraus man sieht daß Herschel, so gut als tausend andere, das Spectrum und die daraus abgeleitete Hypothese auf Treu und Glauben angenommen.

Vielleicht wäre es Zeit, da doch jetzt alle Physiker um diese Versuche zu wiederholen das Prisma zur Hand nehmen müssen, die Streitfragen wieder in Anregung zu bringen.

[191] Ich trage die Herschelischen Erfahrungen, bezüglich auf beyliegende Tafel, nach unserer Weise kürzlich vor und füge einige Fragen und Vorschläge hinzu.

Das Sonnenlicht a fällt in eine dunkle Kammer. Man messe die Wärme des Raums a. b. durch ein Thermometer 1.

Das Licht wird durch das Prisma c gebrochen und geht nur an den Rändern gefärbt heraus. Man messe die Wärme des farblosen Raums hinter dem Prisma durch ein Thermometer 2.

Es fragt sich: hat das Sonnenlicht durch die Brechung an Wärme gewonnen oder verloren?

Das im spitzen Winkel, oben und unten, auf den Rändern des Prismas, aufstehende Phänomen verbreitet sich und zeigt die beyden einfachen Farben Gelb und Blau, nach innen, mit ihren Steigerungen ins Rothe nach außen, deutlich.

Endlich treffen die inneren Farben, Blau und Gelb, zusammen und bilden das Grün.

Auf dieser Stufe, des nunmehr völlig farbigen Spectri, hat Herschel seine Versuche unternommen, welche aber, auf unsere Weise dargestellt, ein anderes Ansehen gewinnen.

Er vergleicht die Wärme seines gefärbten Lichtes nur mit der Wärme der dunklen Kammer, wir hingegen nahmen das Phänomen früher und untersuchten die Wärme des gebrochnen, nicht gefärbten Lichtes.

[192] Nun fragen wir: wird das Thermometer 3 aus der + Seite der Farben-Erscheinung gegen das Thermometer 2 steigen oder fallen? Ich vermuthe das letzte. Die Erfahrung mag den Ausspruch thun.

Man führe alsdann das Thermometer ins Grüne bey No 8 und endlich ins Violette bey No 4, so wird nach Herschelischen Erfahrungen das Thermometer immer weiter herabsinken und sich dem Thermometer 7 in der dunkeln Kammer nähern.

Nun wäre noch die sich über die Grenzen des Roths hinaus erstreckende Wärme auf das Thermometer 6 zu untersuchen, wobey ich vor allen Dingen rathen wollte zu erforschen: ob nicht etwa der erleuchtete und erwärmte Raum a. b. nach der Seite zu auf das Thermometer 5 einige Wärme verbreitet? so daß solches höher stünde als eines in 7 oder sonst einem Orte der dunklen Kammer.

Was die Art die Versuche anzustellen betrifft bemerke ich folgendes:

Beyliegende Zeichnung ist als ein Grundriß anzusehen. Anstatt nämlich daß Herschel die Axe des Prisma horizontal stellt, stelle man sie vertikal und werfe das lichte Bild nach der Seite, wodurch man den Vortheil hat, daß man die Thermometer von oben herein, ganz frey, in den farblosen Raum sowohl als in die farbigen Räume bringen kann, wozu der Apparat nicht schwer seyn wird.

Ich rathe zu dieser Anstalt weil die Nähe der [193] Holztafel, bey dem Herschelschen Versuche, mir verdächtig ist, indem dieselbe, von dem rothgefärbten Lichte erwärmt, die Wärme wohl weiter verbreiten kann, als sie der gefärbte Lichtrand selbst nicht verbreiten würde.

Fängt man das gefärbte Bild hinten mit einer Tafel auf, so kann man am Schatten der Thermometerkugel sehen ob man sich in der rechten Farbe befindet.

Auf beyliegender Tafel habe ich auch, in der dritten Figur, die Erscheinung nach der Schattenseite gezeichnet.

Es wäre wohl interessant auch die Wärme des Purpurs zu untersuchen; allein die Vorrichtung dazu würde einige Schwierigkeiten haben. Davon mündlich mehr.

Damit die Tafel auch zur deutlichen Darstellung der Controvers mit den Newtonianern dienen könne, habe ich die falsche Darstellung nach der Hypothese zugleich mit aufgezeichnet, umsomehr als man den Sinn, in welchem Herschel versucht hat, mit dem unsrigen dadurch am leichtesten vergleichen kann.

So manches noch hinzuzufügen ist, schließe ich doch gegenwärtig und erwarte die Resultate Ihrer Untersuchungen.

Der ich recht wohl zu leben wünsche.

Weimar am 7. März 1801.


[194] 15/4362.

An den Herzog Carl August

Möge dieser Brief, bester Fürst, Sie ganz hergestellt antreffen, damit Sie das an mancher Unterhaltung reiche Berlin recht genießen können.

Die Gentzischen Zeichnungen, welche Graf Brühl überbracht hat, hebe ich auf bis zur Ankunft des Conducteurs Rabe. Den Quadratoren haben wir einstweilen in der obern Etage, nach dem Regelthore zu, einige Decken und Gesimse in Arbeit gegeben, wozu uns Wolff die Zeichnungen geliefert hat. Auch sind die Stuccatoren beschäftigt, so daß keine Zeit versäumt wird.

Die Nachricht, daß Professor Gentz ein halb Jahr bei uns bleiben wird, war mir sehr willkommen; denn auf solche Weise wird ganz allein eine sichere und schnelle Ausführung möglich, wenn die täglich vorkommenden Räthsel von dem Meister selbst gelöst werden.

Was mich betrifft, suche ich mich einer völligen Genesung immer mehr zu nähern und es scheint zu gelingen; das eintretende Frühjahr giebt die beste Hoffnung. Geschwulst und Mißfarbe des untern Augenlids haben sich noch nicht ganz verloren.

Hartmann von Stuttgart ist angekommen. Sowohl sein früheres, in Rom verfertigtes großes Bild, als einige spätere Zeichnungen, zeugen von dem vorzüglichen Talent dieses jungen Mannes.

[195] Frau von Grothausen werde ich nächstens schreiben und danken. Meinen Brief schließe ich, wie ich ihn anfing, mit Wünschen für Ihr vollkommenes Wohl.

Weimar den 9. März 1801.

Goethe.


15/4363.

An Wilhelm von Wolzogen

Graf Brühl hat mir die verschiedenen Zeichnungen wohl überbracht, wir werden uns jedoch nicht an die Ausführung wagen, bis Ew. Hochwohlgeb. zurückkommen und den Conducteur Rabe mitbringen. Nach Zeichnungen von Wolff beschäftigen wir indessen die Quadratoren in der zweyten Etage nach dem Kegelthore zu.

Die Nachricht, daß Herr Prof. Gentz, an den ich den besten Gruß auszurichten bitte, ein halbes Jahr bey uns bleiben kann, ist mir höchst erfreulich. Nur die Gegenwart des Meisters kann ein solches Werk fördern.

Für so mancherley Unbequemlichkeiten, welche Sie in dem Strudel der Gesellschaft auszustehen haben, werden Sie sich durch Anschauung manches guten Kunstwerks und durch das Theater zu entschädigen suchen, und ich hoffe daß Sie uns bey Ihrer Zurückkunft manches mittheilen werden was durch Erzählung zu überliefern ist.

Wir gehen in dem beschränkten Kreise unseres[196] kleinen Zirkels so sachte hin, und, da wir nichts wichtiges zu behandeln haben; so verwandeln wir gelegentlich Kleinigkeiten in Wichtigkeiten, wodurch denn doch auch der Zweck erreicht wird, daß die Zeit mit einigem Interesse vergeht.

Leben Sie recht wohl und kommen Sie gesund zurück.

Weimar am 9. März 1801.

Goethe.


15/4364.

An Friedrich Schiller

Meine Hoffnung, daß Sie, in diesen schönen Tagen, recht weit vorgerückt seyn würden, benimmt mir Ihr Brief. Vielleicht kommt es auf einmal, wie es mir auch sonst, in ähnlichen Fällen, gegangen ist.

Hartmann von Stuttgard ist hier und es thut mir recht leid daß Sie ihn nicht kennen lernen. Ein großer, derber junger Mann von 28 Jahren, den man eher für einen Musikus als für einen Mahler halten würde. Sein Wesen und Betragen ist naiv, in Absicht auf Kunstgesinnung ist er auf dem rechten Felde, nur nicht immer auf dem rechten Wege. Sein großes Bild ist sehenswerth. Der Gegenstand nicht zu schelten, aber doch nicht ganz glücklich.

Es ist recht angenehm mit ihm zu conversiren, ich habe mich an die bedeutendsten Puncte gehalten,[197] damit man, mit so einem schönen Talent, mit so einem guten Menschen, in eine wahre Verbindung kommt und auch in der Ferne ein Verhältniß unterhalten kann. Das Beste ist, daß er nichts verliert, wenn das Wahre wahr ist, da so viele sich nur dem ächten deßhalb widersetzen, weil sie zu Grunde gehen würden wenn sie es anerkennten.

Mit meinem Faust geht es sachte fort. Wenn ich auch täglich nur wenig mache, so suche ich mir doch den Sinn und den Antheil daran zu erhalten.

Wegen der Preisfrage sind wir ganz einig. Man könnte verlangen

Eine gedrängte, lichtvolle Darstellung des Bestehenden im Menschen, mit Entwicklung der Phänomene der Cultur aus demselben. Man betrachte sie nun als ein Ganzes der Gegenwart oder der Succession oder als beydes zugleich.

Wie Sie bin ich überzeugt daß man auf diesem Wege am ersten zum Zweck gelangen und, bey dem unendlichen Stoff, eine faßliche Darstellung erwarten könne.

In Stuttgard ist, wie ich durch Meyern höre, dem es Hartmann erzählt hat, große Bewegung und Unzufriedenheit über unsere Kunsturtheile. Wenn man das Detail vernimmt, so sieht man freylich in welcher jämmerlichen Denkweise sie gefangen sind. Ihren Aufsatz haben sie für eine Arbeit von Böttiger erklärt. Wenn sie sich auf den Styl der bildenden [198] Kunst nicht besser verstehen, als den Styl des Schreibens, so sieht es freylich windig aus. Man macht sich immer eine Illusion über die Menschen, besonders über seine Zeit. Die Confusion, die durch so viele Individuen entsteht, deren jeder ein anderes Interesse hat dieses oder jenes gelten zu machen, ist unendlich.

Sie erhalten zugleich ein Trauerspiel, in welchem Sie mit Schrecken abermals, wie mich dünkt, aus einem sehr hohlen Fasse, den Nachklang des Wallensteins hören werden.

Ich schließe mit dem Wunsch für schönes Wetter und productive Stunden.

Weimar am 11. März 1801.


15/4365.

An Friedrich Schiller

Zuvörderst wünsche von Herzen Glück, daß die Arbeit gut von statten geht, ich habe an Faust auch einiges gethan und so rückt man denn immer, obgleich langsam, weiter.

Hartmanns Aufenthalt ist vielleicht für uns nützlicher als für denselben, indem wir eine, nicht ganz ausgebildete, Denkweise eines vorzüglichen Menschen kennen lernen. Übrigens fällt es mir manchmal ein daß man auf die Kunst eigentlich eine geheime Gesellschaft fundiren sollte, wobey das Lustige wäre, daß [199] sehr viele Künstler in die höhern Grade gar nicht kommen könnten, auch müßte man sie selbst dem Fähigsten nicht geben, sondern wenn er endlich dahin gelangte ihm nur erklären daß er sie erreicht habe. Sprechen, schreiben, drucken wird etwas nützen aber nicht viel, indessen wollen wir uns auch dieses nicht reuen lassen.

Hartmannen haben wir gleich veranlaßt hier etwas zu componiren und zwar einen etwas widerstrebenden Gegenstand: den Admet wie er, ungeachtet der Leiche im Hause, den Herkules aufnimmt und ihn bewirthet. Wie wir hierauf gekommen sind sollen Sie künftig hören, zum schreiben ist es zu umständlich.

Leben Sie recht wohl, in der Einsamkeit sowohl als in der akademischen Societät, und gedenken an uns.

Weimar am 14. März 1801.

G.


15/4366.

An Friedrich Schiller

Obgleich Florentin als ein Erdgeborner auftritt, so ließe sich doch recht gut seine Stammtafel machen, es können durch diese Filiationen noch wunderliche Geschöpfe entstehen.

Ich habe ohngefähr hundert Seiten gelesen und conformire mich mit Ihrem Urtheil. Einige Situationen sind gut angelegt, ich bin neugierig ob sie die [200] Verfasserin in der Folge zu nutzen weiß. Was sich aber ein Student freuen muß, wenn er einen solchen Helden gewahr wird! Denn so ohngefähr möchten sie doch gern alle aussehen.

Dagegen sende ich Ihnen eine andere Erscheinung, die, wie sie sagt, vom Himmel kommt; allein, wie mich dünkt, gar zu viel von dieser altfränkischen Erde an sich hat. Der Verfasser dieses Werkleins scheint mir sich wie im Fegefeuer zwischen der Empirie und Abstraction, in einem sehr unbehaglichen Mittelstande zu befinden, indeß, ist weder an Inhalt noch an Form etwas über das sonst gewohnte.

Ich wünsche daß Schlegel von diesem Kampf einigen Vortheil ziehen möge, denn freylich habe ich seine Gabe als Docent, auch von seinen besten Freun den, nicht rühmen hören.

Ob wir gleich Ihre Abwesenheit hier sehr fühlen: so wünsche ich doch daß Sie so lange als möglich drüben bleiben. Wenigstens ist mir die letzte Zeit immer in der Einsamkeit die günstigste gewesen, welches ich Ihnen auch von Herzen wünschen will.

Keinen eigentlichen Stillstand an Faust habe ich noch nicht gemacht, aber mitunter nur schwache Fortschritte. Da die Philosophen auf diese Arbeit neugierig sind, habe ich mich freylich zusammen zu nehmen.

Hartmanns erster Entwurf von dem angezeigten Bilde hat schon vieles zur Sprache gebracht. Wenn er[201] das prosaisch reelle durch das poetisch symbolische erheben lernt, so kann es was erfreuliches werden.

Übrigens sagte ich neulich zu Meyern: wir stehen gegen die neuere Kunst wie Julian gegen das Christenthum, nur daß wir ein bischen klärer sind als wie er. Es ist recht sonderbar wie gewisse Denkweisen allgemein werden und sich lange Zeit erhalten können und so lange wirklich als ein Bestehendes der menschlichen Natur angesehen werden können. Es ist dieß einer von den Hauptpuncten auf den zu reflectiren ist, wenn die Preisfrage zur Sprache kommt.

Leben Sie recht wohl und genießen das akademische Wesen nach Herzenslust.

Weimar am 18. März 1801.

G.


15/4367.

An Friedrich Schiller

Ich vermuthete, daß ich Ihnen durch die Rittergeschichte einiges Vergnügen machen würde, sie ist sehr artig und unterhaltend und dabey ein rechtes Muster von modernem Auffassen und Behandeln älterer Zustände.

Mit Hartmann werden wir, ob er gleich schon zwey Zeichnungen gemacht hat, über den Admet nicht einig werden, weil er in einem Bilde, das ganz symbolisch seyn müßte, die Begebenheit natürlich darstellt.

Es ist hier eine Kluft befestigt, die nur durch Offenbarung [202] zu überspringen ist. Wir glaubten uns so deutlich darüber gegen ihn ausgedruckt zu haben, allein aus seiner Production sieht man daß er nicht weiß was wir wollen. Es gehört freylich eine völlige Sinnesänderung dazu, und wer weiß ob er bey seinem schönen Talente unter die Berufenen gehört. Prof. Meyer hat mir versprochen, wenn Hartmann fort ist, eine Zeichnung in unserm Sinne zu machen, aber nur für unsern stillen Gebrauch.

Ich denke bey gutem und schlimmen Wetter an Sie. Hätte ich voraussehen können daß der Herzog so lange außen bleibt (er kommt erst den 27.), so hätte ich Sie auf einige Tage besucht, mit nächstem Boten schicke ich wieder einiges zu lesen.

Den üblen Eindruck, welchen das Greifenpaar auf Sie machen würde, habe ich vorausgesehen. Das allegorische Drama habe ich diesen Morgen wieder gelesen, was mir besonders auffiel ist die Bitterkeit und die Trauer in Einem Product. Ich möchte nicht in der Haut des Verfassers stecken.

Zu Ihren Arbeiten wünsche ich viel Glück und freue mich auf die Zeiten wenn wir wieder zusammen seyn werden. Faust hat noch keinen völligen Stillstand erlitten.

Weimar am 21. März 1801.

G.


[203] 15/4368.

An Friedrich Schiller

Eben bin ich im Begriff auf acht Tage nach Roßla zu gehen nach deren Verlauf wir uns denn wohl wieder treffen werden, worauf ich mich sehr freue.

Wenn Ihr Aufenthalt in Jena nicht ganz so fruchtbar wird wie Sie es hofften, so ist das das gewöhnliche Schicksal poetischer Vorsätze, indessen muß man auch das wenigere mit Dank empfangen.

Ich schicke Ihnen eine portugiesische Reisebeschreibung, welche unterhaltend und lehrreich ist und den Wunsch dieses Land zu besuchen wohl schwerlich rege machen wird.

Beim Nachdenken über's Beharrende im Menschen, worauf sich die Phänomene der Cultur beziehen ließen, habe ich bis jetzt nur vier Grundzustände gefunden:

des Genießens

des Strebens

der Resignation

der Gewohnheit.

Überhaupt geht es bey einer solchen Betrachtung sonderbar, daß nämlich die Differenzen unter den Fällen verschwinden, doch eine gewisse Einheit ist ja was man bezwecken will.

Leben Sie recht wohl. Es hat sich inzwischen manches zugetragen, was Stoff zur Unterhaltung geben wird.

Weimar am 25. März 1801.

G.


[204] 15/4369.

An Carl Daniel Langerhans

[Concept.]

[ 27. März.]

Dem. Matizek welche vom hiesigen Theater zu dem Hamburger abgeht, brauche ich Ihnen, werthester Herr Director, nicht zu empfehlen; das Vertrauen, das man ihr, durch dieses Engagement, bewiesen, bürgt ihr für eine gute Aufnahme. Da wir sie ungern verlieren, so wünsche ich um so mehr, daß es ihr, an ihrer neuen Stelle, wohl gehen möge.

Erinnern Sie sich, bey diesen wenigen Zeilen, Ihrer vorjährigen Reise, so wie der Stunden, in denen ich das Vergnügen hatte Ihre Bekanntschaft zu machen. Empfehlen Sie mich Ihrer werthen Gattin und leben recht wohl.


15/4370.

An Christian Gottlob Voigt

[Concept.]

[ 27. März]

Ew. Wohlgeb.

verzeihen wenn ich, in Erinnerung der guten Stunden, welche wir zusammen in Weimar zugebracht, gegenwärtiges der Dem. Matizek, welche von hier nach Hamburg reist, mitgebe. Sie hat, als Sängerin und Schauspielerin, sieben Jahre bey dem hiesigen Theater gestanden und durch gutes Betragen ihrem [205] Talent noch mehrern Werth gegeben. Sie geht, aus dem engen, stillen Weimar, in das weite, geräuschvolle Hamburg, wo sie denn gelegentlich sowohl eines guten Rathes, als eines nachdrücklichen Schutzes bedürfen mögte. Dürfte ich Ew. Wohlgeb. ersuchen: sie, nach Dero Einsicht und Einfluß, bey vorkommenden Fällen zu begünstigen, und sich zugleich desjenigen zu erinnern, der sich mit aufrichtiger Hochachtung unterzeichnet: pp.


15/4371.

An Sara von Grotthus, verw. Wulff

Weimar, den 28. März 1801.

Durch die glückliche Ankunft Durchl. des Herzogs werde ich auf's Neue an den Dank erinnert, den ich Ihnen für Ihren freundschaftlichen Brief und für die angenehme Gabe noch schuldig bin. Sie haben mir durch Beides eine recht große Freude gemacht, und mir einen schätzbaren Beweis Ihres Andenkens gegeben.

Da ich kein fleißiger Correspondent bin, und meine alte Untugend, des Schweigens gegen Abwesende, mit den Jahren immer zuzunehmen scheint; so bleibt mir nichts übrig, als desto fleißiger an einigen Arbeiten zu sein, welche, früher oder später, denen, die mir wohlwollen, einiges Vergnügen machen können.

[206] Erhalten Sie mir Ihren Antheil an meinem Dasein, das sich wieder befestigt, und an meinen Productionen, durch die ich am eigentlichsten mit der Weltzusammenhänge. Leben Sie recht wohl und glücklich und gedenken mein unter den Ihrigen.

Goethe.


15/4372.

An Friedrich Bury

[Concept.]

[ 28. März.]

Ich war überzeugt daß Sie an dem Unfall, der mich betroffen hatte, einen herzlichen freundschaftlichen Antheil nehmen würden. Es war freylich ein harter Stand und ich kann wohl sagen, daß ich in schlimmen Augenblicken an Sie gedacht habe. Im ganzen bin ich noch so ziemlich glücklich entkommen und gedenke mich, die gute Jahrszeit über, etwa durch eine Reise nach einem Bad, noch besser herzustellen.

Durchl. der Herzog sind glücklich wieder zurückgekommen, und es sollte mir lieb seyn wenn jemand von der Suite etwa das Portrait von Hirt gesehen hätte, damit ich etwas näheres darüber hörte.

In einem Brief, an Durchl. die Herzogin Mutter, äußern Sie einen Gedanken, der Ihrer ganz werth ist, nur bedenken Sie nicht daß die vier Personen, welche Sie nennen, zwar wohl in der Welt von einiger Bedeutung seyn mögen; bey einem Fürstl. Beylager derselben wohl aber schwerlich zu erwähnen seyn möchte.

[207] Übrigens wünschte ich, wie ich auch schon bey Ihrem Hierseyn äußerte, etwas von Ihrer Hand im Schlosse. Wenn die Decoration im Ganzen näher bestimmt ist; so frage ich darüber nochmals bey Ihnen an.

Leben Sie recht wohl, genießen Sie des guten was eine große Stadt darbietet, grüßen Sie Herrn Hofrath Hirt und gedenken mein.


15/4373.

An Johann Friedrich Rochlitz

Die Aufführung des kleinen Stücks ward von Zeit zu Zeit, wie es bey Theatern zu gehen pflegt, aufgeschoben; desto angenehmer ist mirs daß ich gegenwärtig von einer sehr guten Aufnahme desselben sprechen kann, ohngeachtet ich mit der Darstellung nicht ganz zufrieden war. Daß ich den Verfasser verschwieg erregte von einer Seite Neugierde und ließ von der andern den Eindruck desto unbefangner. Das nächstemal soll es noch besser werden, indessen hat doch schon eine Liebhabergesellschaft, die sich hier befindet, sich das Stück ausgebeten, welches denn auch ein gutes Zeichen ist.

Das Original sende ich mit Dank zurück. Die wenigen Veränderungen die ich gemacht habe, betreffen einige harte Worte, welche man unter Personen einer gewissen Art, besonders unter Soldaten, mit Recht[208] vermeidet, sodann einige Scherze welche sich auf Philosophie beziehen, die ich im doppelten Sinne nicht billigen kann, weil man entweder dadurch keine Wirkung hervorbringt, oder weil man die Menge veranlaßt über etwas zu lachen das sie nicht versteht und das sie wenigstens verehren sollte.

Verzeihen Sie diese Pedanterie; man weiß aber nicht eher als nach einem längern Lebenslauf was ächte Maximen, die uns über das Gemeine heben, für einen hohen Werth haben, der so selten anerkannt wird.

Darf ich Sie nun mit einigen Aufträgen beschweren?

Ich wünschte Nachricht von einem Manne, welcher sich Johann Leonhardt Hoffmann nennt, und einen Versuch einer Geschichte der Farbenharmonie 1786, in Hendels Verlag, zu Halle, herausgegeben. Die Dedication an Herrn Gottfried Winkler, in welcher sich der Verfasser einen Franken nennt, ist von Leipzig aus datirt, wo er sich eine Zeit lang aufgehalten und mit Oeser Umgang gehabt haben mag. Vielleicht haben Sie Gelegenheit etwas näheres über diesen Mann zu erfahren, der mir von gewissen Seiten interessant geworden ist.

Alsdann hätten Sie wohl die Güte mir ein gebundnes Exemplar, von dem im Oktober 1800 geschlossnen Jahrgang der musikalische Zeitung zu verschaffen. Den ersten bis zum Oktober 1799 besitze [209] ich. Die Auslage werde ich mit Dank sogleich erstatten.

Sollte Ihnen nicht ein Liedchen bekannt geworden seyn, das von Capellmeister Himmel componirt ist, es drückt die Unruhe eines verliebten Mädchens aus, das sich seinen Zustand nicht erklären kann, jeder Vers endigt sich mit einer Partikel z.B. Ich weiß nicht woher, wohin, warum. Es ist ein Scherz, den man in einer Gesellschaft wohl gern einmal anhören mag.

Die Fragen wegen Wilhelm Meisters möchte ich am liebsten einmal mündlich beantworten. Bey solchen Werken mag der Künstler sich vornehmen was er will, so giebt es immer eine Art von Confession und zwar auf eine Weise von der er sich kaum selbst Rechenschaft zu geben versteht. Die Form behält immer etwas unreines und man kann Gott danken, wenn man im Stand war so viel Gehalt hinein zu legen, daß fühlende und denkende Menschen sich beschäftigen mögen, ihn wieder daraus zu entwickeln.

Die Recension in der allgemeinen Litteraturzeitung ist freylich sehr unzulänglich, für jeden, der selbst über das Werk gedacht hat; doch ist sie nicht ohne Verdienst, wenn man sie als die Meinung eines einzelnen ansieht, der seine Gedanken darüber äußert. Freylich hat man Ursache von einer Recension mehr zu verlangen, besonders von einer so späten.

Ich wünsche, daß Ihre Gesundheit wieder hergestellt [210] seyn möge, so wie ich mich auch von den Übeln, die mich betroffen haben, nach und nach wieder erhole.

Darf ich bitten mich unserm verehrten Weiße bestens zu empfehlen.

Weimar d. 29. März 1801.

Goethe.


15/4374.

An Anna Elisabeth von Türckheim

geb. Schönemann.


Nach so langer Zeit einen Brief von Ihrer Hand, verehrte Freundin, zu erhalten, war mir eine sehr angenehme Erscheinung. Schon vor einigen Jahren versicherte mich Frau von Egloffstein, daß Sie meiner während Ihres Aufenthalts in Deutschland manchmal gedacht hätten, ich freute mich herzlich darüber in Erinnerung früherer Verhältnisse.

Sie haben in den vergangenen Jahren viel ausgestanden und dabey, wie ich weiß, einen entschlossenen Muth bewiesen, der Ihnen Ehre macht.

Wie sehr verdienen Sie das Glück, daß die Ihrigen gerettet sind und Ihre Kinder alle so gutartig vor Ihnen heranwachsen.

Nun möcht' ich auch gerne etwas zu Ihrer Zufriedenheit beytragen, indem ich den Wunsch des Herrn Kochers begünstigte: sein bey mir eingelaufenes Schreiben soll zwar bestens empfohlen werden, allein[211] ich befürchte, theils daß man die Stelle eine zeitlang offen läßt, bis die neue Gestalt der deutschen Angelegenheiten zu mehrerer Bestimmtheit und Festigkeit gelangt, theils daß einige unter den mehreren Competenten durch nähere Verhältnisse einer Art von Anwartschaft darauf sich getrösten können. Dem ohngeachtet will ich nicht verfehlen, das, was unter den gegebenen Verhältnissen möglich seyn sollte, zu bewirken.

Leben Sie recht wohl und gedenken meiner auch künftig. Genießen Sie mit den Ihrigen, nach so viel Stürmen, der Früchte des Friedens und einer neuen Ordnung der Dinge.

Weimar, den 30. März 1801.


15/4375.

An Thomas (?) Holcroft

[Concept.]

[Oberroßla, 2. April.]

Ein Schreiben von einem Manne zu erhalten, dessen Verdienste sowohl um die Litteratur seiner Nation, als um fremde Litteraturen, mir schon längst wohl bekannt seyn mußten, war mir um so angenehmer als ich daraus den Antheil ersah, welchen derselbe an meinen Productionen zu nehmen geneigt ist. Hermann und Dorothea auch durch Sie übersetzt zu sehen, kann mir nicht anders als schmeichelhaft seyn und Sie würden mir ein besonderes Vergnügen [212] machen wenn Sie mir Ihre Arbeit, entweder im Manuscript, oder sobald sie die Presse verlassen hat, zusenden wollen.

Die Verwandtschaft der englischen Sprache mit der deutschen begünstigt auch eine metrische Übersetzung, und wenn Sie an einigen Stellen von dem Original abgewichen sind, so werde ich wahrscheinlich die Ursachen billigen müssen welche Sie dazu bewogen haben. Sehr gern werde ich, sobald ich mit Ihrer Arbeit bekannt geworden, hierüber meine Gedanken eröffnen.

Wenn Sie mir das Paquet durch die Fahrende Post schicken wollen so wird dasselbe mir bald und sicher zukommen.

Der ich mich Ihrem fernern Andenken empfehle und recht wohl zu leben wünsche.


15/4376.

An Friedrich Schiller

Ich wünsche Glück zu Ihrer Zurückkunft nach Weimar und hoffe Sie bald wieder zu sehen, entweder daß Sie mich besuchen, oder daß ich mich auch wieder nach der Stadt verfüge.

Mein hiesiger Aufenthalt bekommt mir sehr gut, theils weil ich den ganzen Tag mich in freyer Luft bewege, theils weil ich durch die gemeinen Gegenstände des Lebens depotentiirt werde, wodurch eine [213] gewisse Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit in meinen Zustand kommt, die ich lange nicht mehr kannte.

Was die Fragen betrifft die Ihr letzter Brief enthält, bin ich nicht allein Ihrer Meynung, sondern ich gehe noch weiter. Ich glaube daß alles was das Genie, als Genie, thut, unbewußt geschehe. Der Mensch von Genie kann auch verständig handeln, nach gepflogener Überlegung, aus Überzeugung; das geschieht aber alles nur so nebenher. Kein Werk des Genies kann durch Reflexion und ihre nächste Folgen verbessert, von seinen Fehlern befreyt werden; aber das Genie kann sich durch Reflexion und That nach und nach dergestalt hinaufheben, daß es endlich musterhafte Werke hervorbringt. Jemehr das Jahrhundert selbst Genie hat, desto mehr ist das Einzelne gefördert.

Was die großen Anforderungen betrifft die man jetzt an den Dichter macht, so glaube ich auch daß sie nicht leicht einen Dichter hervorbringen werden. Die Dichtkunst verlangt im Subject, das sie ausüben soll, eine gewisse gutmüthige, ins Reale verliebte Beschränktheit, hinter welcher das Absolute verborgen liegt. Die Forderungen von oben herein zerstören jenen unschuldigen productiven Zustand und setzen, für lauter Poesie, an die Stelle der Poesie, etwas das nun ein für allemal nicht Poesie ist. Wie wir in unsern Tagen leider gewahr werden, und so verhält es sich mit den verwandten Künsten, ja mit der Kunst im weitsten Sinne.

[214] Dieß ist mein Glaubensbekenntniß, welches übrigens keine weitere Ansprüche macht.

Von Ihrer neusten Arbeit hoffe ich sehr viel Gutes. Das Werk ist gut aufgefaßt und wenn Sie sich genug Muße geben, so wird es sich von selbst ründen. An Faust ist in der Zeit auch etwas geschehen. Ich hoffe daß bald in der großen Lücke nur der Disputationsactus fehlen soll, welcher denn freylich als ein eigenes Werk anzusehen ist und aus dem Stegreife nicht entstehen wird.

Die famose Preisfrage habe ich diese Zeit auch nicht aus der Acht gelassen. Ich habe, um eine empirische Unterlage zu meinen Betrachtungen zu gewinnen, angefangen mir ein Anschauen der Europäischen Nationen zu bilden. Nach der Linkischen Reise habe ich noch manches über Portugal gelesen und werde nun nach Spanien übergehen. Wie sehr sich alles ins Enge ziehe, wenn man solche Betrachtungen recht von innen heraus nimmt, werde ich täglich mehr überzeugt. Ritter besuchte mich einen Augenblick und hat meine Gedanken auch auf die Farbenlehre geleitet. Die neuen Entdeckungen Herschels, welche durch unsern jungen Naturforscher weiter fortgesetzt und ausgedehnt worden, schließen sich gar schön an jene Erfahrung an, von der ich Ihnen mehrmals gesagt habe: daß die bononischen Leuchtsteine an der gelbrothen Seite des Spectrums kein Licht empfangen, wohl aber an [215] der blaurothen. Die physischen Farben identificiren sich hierdurch mit den chemischen. Mein Fleiß, den ich in dieser Sache nicht gespart habe, setzt mich bey Beurtheilung der neuen Erfahrungen in die größte Avantage, wie ich denn auch gleich neue, die Sache weiter auszuführende Versuche ausgesonnen habe. Ich sehe vor mir, daß ich dieses Jahr wenigstens wieder ein paar Capitel der Farbenlehre schreiben werde. Ich wünsche Ihnen das neuste bald vorzutragen.

Möchten Sie mich wohl Donnerstags mit Professor Meyer besuchen? Bereden Sie es doch mit diesem, dem ich das Nähere geschrieben habe.

Leben Sie indeß recht wohl.

Oberrosla [3. oder 4. April.]

G.


15/4377.

An Christian Gottlob Voigt d. J.

[Concept.]

Ew. Wohlgeb.

bin ich für die Nachricht, daß sich Ihr Herr Vater besser befinde, von Herzen verbunden; der Ruf von dem gefährlichen Unfall, den er erlitten, hatte mich äußerst erschreckt. Kaum selbst dem Tod entronnen, sollte ich einen Freund verlieren, dessen Theilnahme und Mitwirkung mir unschätzbar sind. Wie angenehm ist mir daher die Botschaft seiner eintretenden Genesung.

Empfehlen Sie mich ihm, unter den besten Wünschen, [216] so wie Ihrer verehrten Frau Mutter, geben Sie mir gelegentlich weitere hoffentlich immer bessere Nachrichten und erhalten mir ein geneigtes Andenken.

Oberroßla am 5. April 1801.


15/4378.

An Friedrich Schiller

Auch ich freue mich recht sehr wieder in Ihrer Nähe zu seyn und besonders an diesem Tage anzukommen der eine solche Epoche macht.

Heute Abend um 7 Uhr finden Sie mich zu Hause. Will Niethammer zum Abendessen auch von den unsern seyn, so heiße ich ihn willkommen.

Viele Grüße an Ihre liebe Frau der ich noch einen Dank für ihren freundlichen Brief schuldig bin.

Viel Glück zur Vollendung Ihres Werkes.

Weimar am 15. Apr. 1801.

G.


15/4379.

An Friedrich Schiller

Nehmen Sie mit Danck das Stück wieder. Es ist so brav, gut und schön daß ich ihm nichts zu vergleichen weiß.

Lassen Sie uns gegen Abend zusammen spazieren und zusammen bleiben.

Morgen geh ich wieder aufs Land.

W. d. 20. Apr. 1801.

G.


[217] 15/4380.

An Friedrich Maximilian Klinger

[Concept.]

Wenn Sie, verehrter alter Freund, nach so langer Zeit einige Zeilen von mir erhalten; so werden Sie den Überbringer, Herrn Hofrath Voigt, den Sohn eines würdigen Freundes und Collegen, einen verdienten jungen Mann, gefällig aufnehmen und geneigt seyn ihm bey seinem Aufenthalt in Petersburg nach Ihren Einsichten und Verhältnissen zu nutzen.

Mögen Sie von meinen gegenwärtigen Zuständen etwas erfahren; so wird er Ihnen davon die beste Nachricht geben können, so wie ich hoffe bey seiner Rückkehr von den Ihrigen unterrichtet zu werden.

Leben Sie recht wohl und erhalten mir ein freundliches Andenken.

Weimar am 23. Apr. 1801.


15/4381.

An Henriette von Wolfskeel

[Concept.]

Wie sehr wünschte ich daß Sie morgen Freytag den 24. den guten Gedanken ausführten und mich mit Freund oder Freundin zu Roß oder zu Wagen unter meinem alten Schieferdach besuchten. Sie sollten in einer Gesellschaft speisen die Sie wohl kaum beysammen gesehen haben und die wenn sie sich gleich [218] ein wenig zur Carricatur neigt doch wie ich hoffe nicht ins Abgeschmackte fallen soll.

Wie angenehm wird mirs seyn Sie gesund und vergnügt im freyen und halbgrünen zu sehen und mich völlig von dem Schrecken zu erholen der mich noch immer ergreift wenn ich mich des Augenblicks erinnere in welchem ich kaum genesen Sie fröhlich zu begrüßen hoffte und Sie selbst gefährlich krank antraf.

Die verschiedenen Wahrzeichen von Oberroßla, die schöne Quelle, die neue Parkanlage und die Gänschen die durchs Gitter fressen, werden Ihnen nicht geringe Unterhaltung gewähren. Leben Sie wohl und erfreuen mich durch Überbringern mit dem berühmten zweylettrigen Wort, das so erfreulich aus einem schönen Munde klingt und empfehlen Sie mich, wenn Sie Urlaub nehmen, unserer verehrten Fürstin zu Gnaden.

Oberroßla am 23. Apr. 1801.


15/4382.

An Franz Kirms

Ungern versäum' ich Herrn Gern als Sarastro; wenn mir's möglich ist komme ich zum »Tarare«. Ich bin nur eben mit meinen Guts-Angelegenheiten in einer Epoche, wo ich sorgen muß, wenn es mir künftig keine Sorge machen soll.

[219] Könnten Sie wohl uns für den erwarteten Prof. Gentz mit etwas Meublen aushelfen? – der Bau-Inspektor, der gegenwärtiges überbringt, wird die näheren Bedürfnisse anzeigen.

Leben Sie recht wohl und sagen mir doch ein Wort von der heutigen Aufführung der »Zauberflöte«.

Oberroßla am 25. April 1801.

G.


15/4383.

An Georg Christoph Steffany

Die Fischern hat gestern Abend schon wieder einiges aus dem Gute gebracht, wahrscheinlich um hiesige Gläubiger zu befriedigen. Da es nun heißt, morgen werde der Mann nebst Bremen hierher kommen, um das Übrige abzuholen; so frage ich durch gegenwärtiges an, ob der Vergleich völlig zu Stande gekommen? und der Mann die Einwilligung zur Enunciation seiner Frau gegeben? Auch wünschte ich zu wissen ob die Quittung über die Caution, welche ich unter dem 2. Juni 1798 ausgestellt, wieder in unsern Händen ist? welche denn wohl vor allen Dingen beyzuschaffen wäre. Auch lege ich die zurückgebliebenen Privatacten bey und wünschte, durch den zurückkehrenden Boten, Ihre und des Herrn Amts-Commissarii Meynung über die gegenwärtige Lage der Sache zu erfahren.

Oberroßla am 26. Apr. 1801.

Goethe.


[220] 15/4384.

An Joseph Friedrich von Retzer

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeb.

empfangen geneigt meinen verspäteten Dank für Ihren gütigen Brief und erlauben daß ich in der Angelegenheit eines jungen Mannes mich an dieselben wende. Ein P. M. liegt hier bey, es enthält seine Wünsche und übrigens die lautere Wahrheit. Er ist von guter Gestalt, sein Betragen ist anständig, seine Recitation richtig, seine Aussprache rein und ich würde ihn sehr gern bey hiesigem Theater anstellen, wenn nicht die in dem Promemoria angegebenen Familienumstände den Schritt gewissermaßen bedenklich machten. Könnte er deshalb bey dem Wiener Nationaltheater, durch Ihre Verwendung, aufgenommen werden, so würde man an demselben ein brauchbares Mitglied finden, um so mehr als er auch im Gesang etwas zu leisten verspricht.

Dürfte ich um baldige gefällige Entscheidung in dieser Angelegenheit, so wie um die Abgabe beyliegender Briefe gehorsamst bitten, wobey ich mich zu geneigtem Andenken bestens empfehle.

Weimar am 27. Apr. 1801.


[221] 15/4385.

An Carl Anton Gruber von Grubenfels

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeb.

an mich erlaßnes gewogenes Schreiben kam eben zur Zeit an, als ich, von einer gefährlichen Krankheit angegriffen, allem Antheil auf Geschäfte und Liebhaberey entsagen mußte. Nur später kann ich daher für das gefällige Anerbieten danken mir ein alphabetisches Verzeichniß der Wiener Künstler überschicken zu wollen; wobey ich denn freylich den Wunsch nicht bergen kann, das Jahr und den Ort der Geburt, die Schule in welcher sie gelernt, die Umstände ihrer fernern Ausbildung und das Genre dessen sie befleißigen bemerkt zu finden.

Von dem mir übersendeten Trauerspiel werde ich wohl kaum auf dem hiesigen Theater Gebrauch machen können, den Abdruck einer Stelle aber aus demselben, in einem oder dem andern Journal, werde nächstens besorgen. Der ich mich mit besonderer Hochachtung zu unterzeichnen die Ehre habe pp.

Weimar am 27. Apr. 1801.


15/4386.

An Marianne von Eybenberg

[Concept.]

Nach einer bösen Prüfung gehöre ich wieder zu den Lebendigen und hätte wohl gewünscht auch wieder[222] einmal ein Blättchen von Ihnen zu sehen. Nehmen Sie deßhalb diesen laconischen Gruß als ein Lebenszeichen eines beynahe verlornen Freundes günstig auf und lassen mir wissen wie Sie sich befinden und ob Sie noch geneigt sind in diesem Jahr unsere Gegend zu besuchen.

Leben Sie recht wohl und gedenken mein.

Weimar am 27. Apr. 1801.


15/4387.

An Friedrich Schiller

Indessen Sie allerley außerordentliche theatralische Ergetzlichkeiten genießen, muß ich auf dem Lande verweilen und mich mit allerley gerichtlichen und außergerichtlichen Händeln, Besuchen in der Nachbarschaft und sonstigen realistischen Späßen unterhalten. Kann ich es möglich machen so komme ich Sonnabends. Sagen Sie mir doch ein Wort wie es mit Nathan geht, und ob die tapfere Jungfrau sich weiters producirt hat. Von mir kann ich weiter nichts sagen als daß mir der hiesige Aufenthalt physisch nicht übel bekommt und daß ich wohl damit zufrieden seyn kann, da ich von meinem reconvalescirenden Zustand ohnehin keine Wunder erwarten darf. Leben Sie recht wohl und erfreuen mich bald mit einigen Zeilen.

Oberroßla am 27. April 1801.

G.


[223] 15/4388.

An Friedrich Schiller

Ich habe diese Tage gerade das Gegentheil von Gesang und Tanzkunst erlebt, indem ich mit der rohen Natur und über das eckelhafteste Mein und Dein im Streite lag. Heute bin ich meinen alten Pachter erst los geworden und nun giebt es so manches zu besorgen und zu bedenken, da der neue erst Johannis anzieht. Ich glaube daher kaum daß ich Sonnabends kommen werde. Nehmen Sie sich doch einer Leseprobe vom Nathan einstweilen an, bis ich eintreffe, denn ohne Leitung würden sich die Leute gar nicht zu helfen wissen, es ist ein sehr undankbares Geschäft, doch kann man es nicht ganz los werden.

Einer Vorstellung Ihrer Jungfrau möchte ich nicht ganz entsagen. Sie hat zwar große Schwierigkeiten, doch haben wir schon große genug überwunden, aber freylich wird durch theatralische Erfahrungen Glauben, Liebe und Hoffnung nicht vermehrt. Daß Sie persönlich etwas besseres thun können als sich einer solchen Didaskalie zu unterziehen bin ich selbst überzeugt, es käme darauf an ob ich bey meiner jetzigen Halbthätigkeit dazu nicht am besten taugte. Doch davon wird sich reden lassen wenn wir wieder zusammen kommen.

Ich habe der Versuchung nicht widerstehen können mir einen Spaziergang hier anzulegen, da man vorher keinen Schritt im Trocknen thun konnte bey [224] feuchtem Wetter und keinen im Schatten bey Sonnenschein. Nun hat mich das etwas weiter geführt als billig, und ich muß hier bleiben bis die Anlage fertig ist, weil sie mir sonst zuletzt noch verpfuscht werden könnte. Leben Sie indessen wohl in einer bessern Welt und sinnen Sie auf neue Schöpfungen zu unserer Freude.

Oberroßla am 28. Apr. 1801.

G.


15/4389.

An Georg Christoph Steffany

Durch den rückkehrenden Expressen sende ich

1. den Gentzischen Brief zurück, was er in demselben wünscht werden Sie leicht besorgen können.

2. Folgen die mir neulich mitgetheilten Papiere, ich habe davon zu meinen Acten Abschrift genommen.

Die Cautionsquittung war schon gestern Abend in meinen Händen und heute ist die Fischern abgezogen, nachdem ihr der Actuarius alles in gehöriger Form überantwortet hatte, und so wären wir für dießmal diese Unannehmlichkeiten los.

3. Liegt ein Brief nach Wien bey, den ich auf die Post zu geben bitte, er wird mir notirt.

4. Ein Brief an Dem. Vulpius.

5. Ein Paquet an Herrn Hofkammerrath Kirms.

6. Ein Brief an Herrn Hofrath Schiller.

[225] Welches ich sämmtlich, nebst einem Compliment an Herrn Rabe, der nächstens von mir hören wird, gefällig zu besorgen bitte.

Oberroßla am 28. Apr. 1801.

G.


[74] 15/4389a.

An den Herzog Carl August

[Concept.]

P.P.

Ew. p haben zu meiner unverlöschlichen Dankbarkeit mir so manche Gnadenbezeigung wiederfahren lassen, daß ich in der stärksten Überzeugung dieser huldvollen Gesinnungen es wagen darf, Höchstdero Menschenliebe in einem besonderen Falle ehrfurchtsvoll anzurufen. Ich habe einen natürlichen Sohn, August, dessen Wohlfarth ich auch in Ansehung seiner bürgerlichen Existenz auf die Zukunft gern sichern möchte. In dieser Betrachtung halte ich mich sogar verpflichtet, Ew. p hierdurch unterthänigst zu bitten, denselben propter natales mit einem Legitimations-Decret zu begnadigen. Höchstdieselben werden dadurch eines jungen Menschen Glück auf die Zukunft bestätigen, und die tiefste DankErkenntlichkeit von neuem beleben, in welcher ich mich ehrerbietigst unterschreibe

Weimar den April 1801.

Ew. pp


[225] 15/4390.

An Johann Friedrich von Meyer

[Concept.]

[Anfang Mai]

Ew. Hochwohlgeb.

war ich noch Dank für das mir übersendete Gedicht schuldig, als ich erfuhr daß die Bemerkungen über die Hartmannische Zeichnung sich gleichfalls von Ihnen herschrieben. Eine schwere Krankheit unterbrach meine Geschäfte, die ich nur nach und nach wieder aufnehme und nun auch, da ich meine Gedanken zu den Propyläen wende, dringend aufgefordert werde meine doppelte Schuld zu bezahlen.

Die von Ew. Hochwohlgeb. eingesendeten, nach unserer Einsicht, völlig sachgemäßen Bemerkungen communicirte ich Herrn Hartmann, um denselben dadurch zu einer neuen Bearbeitung seiner Preisrechnung zu veranlassen. Er ließ sich auch in so weit willig finden daß er einen kleinen veränderten Entwurf einsandte und zugleich, in einem Briefe, seine Gedanken über die ihm mitgetheilten Bemerkungen äußerte. Beyde liegen zu Ihrer Einsicht hierbey.

[226] Die Absicht, welche wir bey diesem Versuche hegten, war jedoch nicht ganz gelungen. Wir gedachten nämlich Ihre Bemerkungen, den Hartmannischen Entwurf und seine Äußerungen in den Propyläen bekannt zu machen, auch unsere Meynung hinzu zu fügen, um, auf diesem Wege, vor den Augen des Publikums eine so gut entsprungene Arbeit, als die Preiszeichnung war, nachreisen zu lassen; allein sowohl der neue Versuch des Herrn Hartmanns, als auch besonders dessen schriftliche Äußerungen, schienen, wie Sie selbst beurtheilen werden, mehr auf eine Controvers als auf eine Vereinigung zu führen. Deshalb beschlossen wir die Sache auf sich beruhen zu lassen und mit dem ersten Einsender, wenn er uns bekannt geworden, hierüber zu communiciren und demselben für seine Theilnehmung zu danken. Welches denn auch gegenwärtig ob gleich leider sehr spät geschieht.

Wir haben indessen Herrn Hartmann persönlich kennen lernen und an ihm einen sehr talentvollen, denkenden Künstler gefunden, auch dabey aufs neue die Erfahrung gemacht, daß man sich bey differenten Meynungen in solchen Fächern besser mündlich als schriftlich verstehen und vereinigen kann.

Meinem Dank für die geschehene Mittheilung füge ich die Bitte hinzu: daß Ew. Hochwohlgeb. gefällig seyn möge, Bemerkungen und Desideria, an welchen es bey Durchlesung der sechs ersten Stücke der Propyläen nicht fehlen konnte, zu künftigem Gebrauche[227] gefällig mitzutheilen und sich der besondern Hochachtung versichert zu halten mit der ich mich unterzeichne.


15/4391.

An N.N.

[Concept.]

Ein reicher Privatmann hat Endesunterzeichnetem die Summe von 50 Karolin eingehändigt, als Preis der besten Auflösung einer, die verschiedenen Stufen der Cultur betreffenden Frage.

Es sollen nämlich die Phänomene menschlicher Ausbildung, so wie die dabey fördernden und hindernden Ursachen, auf allgemeine Ideen zurückgeführt werden.

Da schon so manches, in mancherley Sinn, über diesen Gegenstand geschrieben worden, so hätte man freylich jetzt die Frage zeitgemäß zu stellen, allein hier finden sich gleich zu Anfang große Schwierigkeiten, indem die Aufgabe unendlich ist und kaum in einiger Begränzung aussprechbar scheint. Damit aber doch etwas geschehe thue ich nachstehenden Vorschlag:

Man verlange eine gedrängte, lichtvolle Darstellung des Bestehenden im Menschen, worauf sich die Hauptphänomene der vorschreitenden, stillstehenden und zurückschreitenden Cultur beziehen lassen.

Je tiefer die Auflösung dieser Aufgabe aus der menschlichen Natur geschöpft wäre, desto willkommner [228] sollte sie seyn; allein man wünscht, um der Gemeinnützlichkeit willen, sie im Felde der rationellen Empirie behandelt zu sehen, so auch daß der Aufsatz gut geschrieben sey.

In wie fern ich eine dergleichen Auflösung für möglich halte gebe ich ein Beyspiel, das nur dazu dienen soll um den Freunden, deren Rath ich mir in dieser Sache erbitte, im Kurzen verständlicher zu seyn.

Man nehme die beyden Enden menschlicher Thätigkeit Genuß und Streben, mit den dazwischen liegenden Zuständen Gewohnheit und Resignation, als empirische Data für einmal an, man lege diesen Maßstab, oder einen ähnlichen, der sich durch strengere Ableitung mehr empfiehlt, an die Völkergeschichte der verschiedensten Länder und Zeiten, ja, an die Lebens und Tagesgeschichte eines einzelnen Menschen; so wird man finden wie manches durch eine solche Operation sich entwickeln, wie manches verschieden scheinende sich unter einerley Rubrik bringen läßt.

Sollte man nicht zur Erleichterung der Sache einen solchen Maßstab, dessen nähere Bestimmung ich meinen philosophischen Freunden überlasse, als Text aufstellen? und den Preis auf die beste Auslegung, Ausführung, Bearbeitung eines solchen Textes setzen. Wenigstens bestimmte man dadurch in dem ungeheuern Felde einen Punct, von dem man auszugehen hätte, und sowohl Stoff als Form wären den Concurrenten [229] gewissermaßen schon vorbereitet. Wobey man jedoch alle Freyheit sich selbst einen Text aufzugeben, und den Gegenstand von einer beliebigen Seite zu fassen, zugestehen müßte.

Dürfte ich mir hierüber ein gefälliges Gutachten erbitten.

Weimar am 1. Mai 1801.


15/4392.

An Johann Friedrich Cotta

Die Sammlung von Münzabgüssen in Schwefel, welche der Bürger Mionet in Paris besorgt, ist bekannt genug, der darüber ausgegebene Catalog beläuft sich auf 1473 Nummern, diese wünscht man sämmtlich zu besitzen. Die Schwierigkeit sie anzuschaffen besteht nur darinne, daß man sie nicht wohl anders als gegen baares Geld erhalten kann. Herr Cotta wird daher ersucht diesen Ankauf gefällig besorgen und den Transport auf die wohlfeilste Weise einleiten zu lassen.

Am Ende des Vorberichts heißt es in dem gedruckten Catalog: Le prix de cent empreintes, prises à Paris, est de 30 francs. On fera une remise à ceux qui prendront la collection complete. Nun sind zusammen 1473 Nummern. Ich zweifle daher gar nicht, daß man in Paris selbst argent comptant bey Mionet die ganze Sammlung für 420 Franken oder Livres [230] erhalten wird, wo die 73 Nummern als Remise gelten würden.

Weimar am 11. Mai 1801.

J. W. v. Goethe.


[75] 15/4392a.

An Rabe?

Wollten Ew. Wohlgeb. wohl die Gefälligkeit haben und beyliegendes Buch an den Buchbinder Sachse gelangen lassen, mit dem Ersuchen es so geschmackvoll als möglich einzubinden.

Wir erwarten den Herrn Professor Genz jede Stunde, so bald er angekommen schicken wir eine Fuhre zum Transport der Camine und es wird alsdann von Ew. Wohlgeb. abhangen wenn Sie selbst zu uns herüber kommen, Sich berechnen und wegen weiterer Arbeiten Rücksprache nehmen wollen. Der ich recht wohl zu leben wünsche. W. den 11. May 1801.

Goethe.


[230] 15/4393.

An Friedrich Schiller

Mögen Sie heute halb Zwölf zu mir kommen, die bewußten Versuche sehen und sodann eine Stunde mit mir spazieren fahren so wird es mir eine Freude seyn.

d. 12. May 1801.

G.


15/4394.

An Charlotte von Stein

Mit Vergnügen werde ich, diesen Nachmittag um vier Uhr, Ihnen und Frau v. Seckendorf aufwarten.

d. 12. May 1801.

Goethe.


15/4395.

An Georg Christoph Steffany

Hierbey folgt das reine Concept des neuen Pachtcontractes zugleich mit dem ersten Entwurfe, zu näherer Einsicht dessen was ich noch in demselben verändert und hinzugesetzt. Nun wünschte ich, daß die Angelegenheit dergestalt gefördert würde, daß ich zu Ende Mai, vor meiner Abreise, das mundum [231] unterschreiben könnte, indem die Übergabe zu Johannis in meiner Abwesenheit geschehen muß.

Weimar am 13. Mai 1801.

G.


15/4396.

An Carl Friedrich Zelter

Sie haben durch das Denkmal, das Sie Faschen errichtet, ein sehr verdienstliches Werk vollendet und auch mir dadurch viel Vergnügen gemacht.

Das Andenken an ein vergangenes Menschenleben zieht sich so sehr ins Enge zusammen, daß die Neigung erst wieder die Asche palingenesiren und den verklärten Phönix unserm Auge darstellen muß. Jeder Biedermann darf wünschen auf diese Weise von dem Freunde, dem Schüler, dem Kunstgenossen dereinst geschildert zu werden.

Wie übel nehmen sich gegen ein so liebevoll wieder auferwecktes Individuum jene Nekrologen aus, die, indem sie das was Gutes und Böses, durch das Leben eines bedeutenden Menschen, von der Menge gewähnt und geklatscht worden, gleich nach seinem Verscheiden, emsig gegen einander stellen, seine sogenannten Tugenden und Fehler mit heuchlerischer Gerechtigkeit aufstutzen und dadurch, weit schlimmer als der Tod, eine Personalität zerstören, die nur in der lebendigen Vereinigung solcher entgegengesetzten Eigenschaften gedacht werden kann.

[232] Die Entstehung der sechszehenstimmigen Messe und der daraus hervorwachsenden Singgesellschaft hat mich besonders ergötzt. Wie sehr habe ich dem guten Fasch gegönnt daß er so glücklich war eine solche Idee zuletzt noch realisirt zu sehen.

In einem frühern Briefe, auf den ich Ihnen leider die Antwort schuldig geblieben, fragen Sie an, ob nicht etwas das einer Oper ähnlich sieht sich unter meinen Papieren befinde?

Von einem zweyten Theil der Zauberflöte werden Sie die ersten Scenen in dem nächsten Wilmannischen Taschenbuche finden, zu einem ernsthaften Singstücke, die Danaiden, worin, nach Art der älteren griechischen Tragödie, der Chor als Hauptgegenstand erscheinen sollte, hatte ich vor einigen Jahren den Entwurf gemacht; aber keins von beyden Stücken werde ich wohl jemals ausführen. Man müßte mit dem Componisten zusammenleben und für ein bestimmtes Theater arbeiten, sonst kann nicht leicht aus einer solchen Unternehmung etwas werden.

Senden Sie mir doch von Zeit zu Zeit etwas von Ihren Compositionen, die mir viel Vergnügen machen. Übrigens lebe ich in keiner musikalischen Sphäre, wir reproduciren das ganze Jahr bald diese bald jene Musik, aber wo keine Production ist kann eine Kunst nicht lebendig empfunden werden.

Leben Sie recht wohl und gedenken mein.

Weimar am 29. Mai 1801.

Goethe.


[233] 15/4397.

An Thomas (?) Holcroft

[Concept.]

Indem ich die mir mitgetheilte Übersetzung von Hermann und Dorothea mit Danck zurücksende erlauben Sie mir, wertgeschätzter Herr, einige Betrachtungen.

Man kann wie es mir scheint, nach zweyerley Maximen übersetzen, einmal wenn man seiner Nation den reinen Begriff eines fremden Autors überliefern, fremde Zustände derselben anschaulich machen will, wobey man sich denn genau an das Original bindet; man kann aber auch ein solches fremdes Werk als eine Art Stoff behandeln, indem man es, nach eignen Empfindungen und Überzeugungen, dergestalt verändert, daß es unserer Nation näher gebracht und von ihr gleichsam als ein Originalwerk aufgenommen werden könne.

In dem letzten Falle scheinen Sie sich zu befinden. Sie haben zwar im Ganzen den Gang meines Gedichtes beybehalten, aber durchaus, so viel ich beurtheilen kann, die Dramatisch charakteristischen, läßlichen Äußerungen meiner Personen strenger, auffallender, didacktischer überliefert, und die gemächliche Epische Bewegung in einen ernsteren gemeßnern Schritt verwandelt.

Nach meiner wenigen Einsicht in die englische Litteratur darf ich schließen daß Sie hierbey den [234] Charakter Ihrer Nation vor Augen gehabt, und es ist mir um so angenehmer eine völlige Aufklärung hierüber in der Vorrede und den Noten, welche Sie Ihrer Arbeit beyzufügen gedenken, nächstens zu erhalten.

Übrigens kann ich die meisten Abweichungen vom Original aus meinem gefaßten Standpuncte ziemlich beurtheilen, nur vermag ich nicht einzusehen warum Sie die Stelle, vom 126. Vers Ihrer Übersetzung an, bis zum 142., auf den ehemaligen Brand des Städtchens gedeutet, da, im Original, dieser längst vergangenen Begebenheit nur im Vorbeygehen erwähnt und eigentlich die Beschreibung des Zuges der Ausgewanderten durch diese Stelle fortgesetzt wird. Doch erhalte ich wohl auch hierüber einige Belehrung und ergreife vielleicht irgend eine Gelegenheit über die vier, nunmehr vor mir liegenden, Übersetzungen meines Gedichtes öffentlich meine Gedanken zu sagen.

Der ich recht wohl zu leben wünsche und mich zu geneigtem Andenken empfehle.

Jena am 29. Mai 1801.


15/4398.

An Heinrich Steffens

[Concept.]

Jedes Zutrauen das Sie mir unter vier Augen bewiesen hätten würde mich erfreut haben, um so mehr dasjenige womit Sie mich öffentlich beehren, ich danke Ihnen aufs beste, daß Sie mich dadurch [235] als Ihren Mitarbeiter anerkennen. Ich werde Ihr Werk fleißig lesen und wenn Zeit und Umstände es erlauben einige Bemerkungen dazu aufsetzen.

Daß uns die Betrachtung der Natur zum Denken auffordert, daß uns ihre Fülle mancherley Methoden abnöthigt, um sie nur einigermaßen handhaben zu können, darüber ist man überhaupt wohl einig; daß aber beym Anschauen der Natur Ideen geweckt werden, denen wir eine gleiche Gewißheit als ihr selbst, ja eine größere zuschreiben, von denen wir uns dürfen leiten lassen, sowohl wenn wir suchen, als wenn wir das Gefundne ordnen, darüber scheint man nur in einem kleinern Zirkel sich zu verstehen.

Zur Zeit da ich den für mich einzig möglichen Weg die Natur zu studiren einschlug fand ich mich in der weiten Welt ganz allein, um desto angenehmer muß ich mich nun in spätern Jahren belohnt fühlen, wenn ich an jüngern Männern Gesellschaft finde, die sich in eben diesen Gegenden mit lebhaften Schritten bewegen und zu deren Übereinstimmung mit mir ich ein desto reineres Zutrauen haben darf, als sie aus ganz fremden Regionen, mit unerwarteten Schätzen bereichert, herankommen und mit mir ohne Verabredung zusammentreffen.

Lassen Sie mich von Zeit zu Zeit Nachricht haben von Ihren Fortschritten und bleiben Sie meines lebhaften aufrichtigen Antheils gewiß.

Jena am 29. Mai 1801.


[236] 15/4399.

An Carl Ludwig von Knebel

Ehe ich nach Pyrmont abgehe, wohin mich die Ärzte treiben, mache ich dir noch ein Paquet Bücher von dem verschiedensten Inhalte zusammen. Vielleicht hast du einiges davon noch nicht gesehen und erfreuest dich daran.

Mit meiner Gesundheit geht es ganz leidlich und ich habe die Zeit bisher so gut als möglich genutzt, in mancherley Dingen geht es jetzt sehr rasch, besonders im Ausbilden der Ideen die auf die Natur Bezug haben, nur Schade daß wir einander nicht etwas näher sind, daß ich kein expediter Correspondent und kein mobiler Reiter bin, sonst sollte man sich regelmäßiger mittheilen, welches besonders, da du, wie ich höre, deine Arbeit am Lucrez getreulich fortsetzest, manches Gute hervorbringen müßte.

Lebe indessen recht wohl, wenn ich zurückkomme hörest du wieder von mir.

Weimar d. 2. Juni 1801.

G.


15/4400.

An Johann Christian Stark

Ew. Wohlgeb.

haben die Gefälligkeit beyliegendes Gedicht Ihrer Dem. Tochter in meinem Namen zuzustellen. Möge sie, [237] wenn es ihr einiges Vergnügen macht, sich dabey manchmal des Verfassers erinnern der ihrem Vater so viel Dank schuldig bleibt.

Weimar am 3. Juni 1801.

Goethe.


15/4401.

An Christiane Vulpius

[Göttingen, 6. Juni.]

Da wir glücklich angekommen sind wollte ich mit August, weil es noch heller Tag war um die Stadt gehen. Die Promenade hat uns viel Vergnügen gemacht. Geist hat indeß unsre Reise beschrieben und ich habe nichts hinzuzusetzen als daß das Kind sehr gut und artig ist und daß wir oft vom Mutterchen sprechen und uns freuen dich wieder zu sehen. Lebe wohl, die Reise bis hierher ist mir sehr wohl bekommen. Lebe recht wohl.

G.


15/4402.

An Friedrich Schiller

Ehe ich von Göttingen scheide muß ich Ihnen doch ein Lebenszeichen geben. Es ist mir bisher sehr wohl gegangen, ich habe die merkwürdigsten Anstalten gesehen und den größten Theil der Professoren kennen lernen, man begegnet mir mit viel Neigung und gutem [238] Willen und ich gestehe, daß ich mich lange nicht so wohl und heiter befunden habe.

Die Anstalten sind höchst respectabel, doch werden Sie darüber, so wie über die Menschen erst mündlich von mir hören. Leider scheinen meine Acten auf dieser Reise nicht so anzuschwellen, wie auf der letzten nach der Schweiz. Damals war ich freylich im Falle meine Kräfte an der Welt zu versuchen, jetzt will ich zufrieden seyn wenn ich sie an ihr wieder herstelle. Kann ich indessen nur zum Anschauen der Totalität des Göttingischen Zustands gelangen, so wird mir diese Reise von außerordentlichem Nutzen seyn. Schon jetzt fühl ich, wie sich mein Geist bey Betrachtung dieser Zustände aufheitert.

Mein Reisegefährte August, welcher Carln schönstens grüßen läßt, ist auch Schuld an meinem mindern Fleiß, indem er mich zerstreut und manche Betrachtung ableitet, doch ist er sehr glücklich, er gewinnt in manchem Sinne und auch mein Verhältniß gegen die Menschen wird durch ihn gelinder und heiterer, als es vielleicht außerdem hätte seyn können. Leben Sie recht wohl, grüßen Sie Ihre liebe Frau und erfreuen Sie mich, wenn ich wieder komme, mit Früchten Ihres Fleißes.

Göttingen am 11. Juni 1801.

G.


[239] 15/4403.

An Theodor Kestner

26. Juni 1801.

Schreiben Sie, werther Herr Doctor, Ihrer verehrten Frau Mutter: daß ich leider für dieses Jahr die Hoffnung aufgeben muß sie zu sehen. Der Rückweg über Hannover würde mich zu mancherley Excursionen in die Nachbarschaft verführen, welche ich gegenwärtig vermeiden muß.

Sollte ich hingegen, wie es meine Absicht ist, übers Jahr wieder hierher kommen, so wird mein Plan eigends darauf gerichtet seyn Ihre Frau Mutter, nach so langer Zeit, wiederzusehen. Empfehlen Sie mich ihr bestens zu freundschaftlichem Andenken und leben recht wohl.

Pyrmont am 26. Juni 1801.

Goethe.


15/4404.

An Christiane Vulpius

Da eine Depesche an Herrn Hofkammerrath Kirms, in theatralischen Angelegenheiten, abgeht, so will ich auch ein Blättchen für dich beylegen.

Die Kur wird mir hoffentlich gut bekommen, ob sie mir gleich beym Gebrauch unbequem ist, indem sie mir den Kopf einnimmt und mich nicht das mindeste arbeiten läßt.

[240] August ist sehr glücklich. Das lange schlafen, spazieren gehen, ein wenig Wasser trinken, Kirschen und Erdbeeren essen, baden u.s.w. bekommt ihm fürtrefflich.

Gestern waren wir auf einem Hügel 5/4 Stunden von hier, wo Versteinerungen und Krystallisationen angetroffen werden, deren Suchen und Auffinden das größte Fest war.

Das Wetter ist seit ohngefähr 8 Tagen sehr schön und der Aufenthalt deswegen recht angenehm, da sehr viele und schattenreiche Alleen sich ganz nahe hier mitten in dem Ort befinden.

Wegen der Leinwand habe ich meine Gedanken geändert, da in den letzten Tagen sehr schöne gedruckte Mouseline und Batiste angekommen sind, unter welchen ich dir wohl ein Kleid aussuchen werde. Man hat mir gerathen noch damit zu warten, weil noch einige Kaufleute fehlen, die noch vielleicht etwas neueres und geschmackvolleres mitbringen. Übrigens denken wir sehr oft an dich, und August trinkt täglich deine Gesundheit.

Unsere Lebensart ist sehr einfach. Früh um 6 Uhr wird aufgestanden, bis 8 Uhr Brunnen getrunken, um 9 Uhr gefrühstückt, bis 11 Uhr herumgeschlichen und diskurirt, dann über den andern Tag bis gegen 12 Uhr gebadet, um 1 Uhr zu Hause gegessen, ein Paar Stunden nach Tische zugebracht wie es gehen will, und des Abends in der Gegend bald da bald dorthin spazieren gegangen.

[241] Die Lage um Pyrmont ist sehr angenehm und in der Nähe giebt es allerley Merkwürdigkeiten, Mineralien, Ruinen und was dergl. seyn mag.

Morgen bin ich nun schon 14 Tage hier und du sollst von Zeit zu Zeit hören wie es mir geht und was ich vorhabe, damit du dich darnach einrichten kannst. Lebe wohl und gedenke unser.

Pyrmont am 26. Juni 1801.

G.


15/4405.

An Christiane Vulpius

Mein Brief aus Göttingen ist, wie ich von Professor Meyer höre, erst spät angekommen, du wirst indessen einen andern von Pyrmont erhalten haben und ich sage dir durch einen zurückgehenden Boten der mir die Ankunft Durchl. des Herzogs in Pyrmont meldete, nur einige freundliche Worte. Es geht mir und dem Kinde noch immer recht gut, nur bleibe ich bey der Kur zu aller Art von Arbeit untüchtig, welches mir denn doch ein wenig lästig ist.

Durchl. des Herzogs Ankunft wird denn freylich meine Plane einigermaßen verrücken, ich hoffe aber doch daß das Vergnügen das wir uns wegen Cassel ausgedacht, noch Statt finden soll.

Ich freue mich zu hören daß du dich die Zeit über auf verschiedene Weise amüsirt hast. Es wäre hier auch ganz artig, wenn nur nicht wie gesagt der [242] Brunnen einen so gewaltig angriffe. Du hörst bald wieder von mir.

Grüße Herrn Prof. Meyer und gratulire ihm zu der Acquisition des schönen Siegels.

August grüßt, betrübt sich aber daß er nicht ein Paar Zeilen von dir erhalten hat. Er ist sehr vergnügt, führt sich aber auch recht gut auf.

Lebe wohl und gedenke unserer.

Pyrmont am 30. Juni 1801.

G.


15/4406.

An Christian Gottlob Voigt

Ob ich gleich das Detail des Moments nicht weiß, so überzeugt mich doch meine Einsicht in das Ganze daß Sie sich gegenwärtig kaum von Hause entfernen können. Demohngeachtet wünsche ich daß es möglich gewesen wäre Sie hier zu sehen, indem der Ort und die nächste Gegend, durch Natur und Kunst, manches merkwürdige und angenehme hat. Die Gesellschaft ist unterhaltend und mitunter bedeutend, und die Erinnerung an alte merkwürdige Vorfälle, die sich denn doch wohl mögen in der Nachbarschaft ereignet haben, erregt ein ganz eignes Interesse.

Wenn ich Sie auch künftig davon unterhalten kann, so hätte ich es doch lieber im Angesicht der Gegenstände gethan, worauf ich nun Verzicht leisten muß.

[243] In Göttingen haben sich jung und alt sehr artig gegen mich betragen. Es war mir unendlich viel werth ein so wichtiges Institut in der Nähe zu sehen und hoffe bey meiner Rückkehr noch einiges nachzuholen.

Leben Sie recht wohl, empfehlen mich den werthen Ihrigen und erhalten mir ein freundschaftliches Andenken.

Pyrmont am 30. Juni 1801.

G.


15/4407.

An Friedrich Schiller

Zu der Entschließung die Sie gefaßt haben wünsche ich von Herzen Glück, es ist recht schön daß Sie sich nach Norden bewegen, indeß ich im nordwestlichen Deutschland mich umsehe, wir werden alsdann manches einander mittheilen und die Zustände vergleichen können.

Da mich die Kur zu aller Arbeit untüchtig gemacht hat, so habe ich hier wenig Zufriedenheit genossen; doch darf ich manches guten und interessanten Gesprächs nicht vergessen. Der Prediger Schütz aus Bückeburg, Bruder der Frau Griesbach, ist ein sehr unterrichteter und angenehmer Mann, besonders merkwürdig ist es wenn man im Stillen eine Vergleichung zwischen ihm und seinen Geschwistern anstellt. Von andern persönlichen Erscheinungen mündlich.

[244] Wenn ich von einem Resultate reden soll das sich in mir zu bilden scheint, so sieht es aus als wenn ich Lust fühlte immer mehr für mich zu theoretisiren und immer weniger für andere. Die Menschen scherzen und bangen sich an den Lebensräthseln herum, wenige kümmern sich um die auflösenden Worte. Da sie nun sämmtlich sehr recht daran thun; so muß man sie nicht irre machen.

Was auch diese Expedition und Kur auf Geist und Leib für eine Wirkung haben mag, so fühle ich doch daß ich alle Ursache habe mich zu beschränken und nur das nächste und nothwendigste vorzunehmen. Es wird mir also ganz angenehm seyn irgend ein Engagement los zu werden; in ein neues hingegen möchte ich mich nicht gern einlassen; doch das wird sich alles zeigen, wenn wir wieder zusammenkommen und sowohl unser erworbenes als unsere Kräfte berechnen.

Auf Hero und Leander bin ich recht neugierig, ich wünschte Sie hätten mir es mitgeschickt. Was Ihr Schauspiel betrifft, so weiß ich nicht ob Sie von den Malthesern oder von dem untergeschobenen Prinzen sprechen und ich werde also auf doppelte Weise überrascht seyn wenn Sie auch hierinne vorwärts rücken.

Die Totalität des Pyrmonter Zustandes habe ich so ziemlich vor mir. Auf meiner Rückreise hoffe ich auch zu completiren was mir noch an Göttingen fehlt. Cassel werde ich mehr im allgemeinen und [245] nur von der Kunstseite zu fassen suchen, weil die Zeit zu einem weitern nicht hinreicht.

Meine Acten sind übrigens sehr mager geblieben, die Badelisten und Komödienzettel machen den größten Theil davon aus.

Bey dem hiesigen Theater sind mehrere Subjecte die ein recht gutes äußerliches haben und perfectibel scheinen. Die Gesellschaft ist im Ganzen eher gut als schlecht, doch bringt sie eigentlich nichts erfreuliches hervor, weil der Naturalismus, die Pfuscherey, die falsche Richtung der Individualitäten, entweder zum Trocknen oder zum Manierirten, und wie das Unheil alle heißen mag, hier so wie überall webt und wirkt und das Zusammenbrennen des Ganzen verhindert.

Mich verlangt sehr auf die Schilderung die Sie uns vom Berliner Theater machen werden.

Der Herzog wird morgen oder übermorgen erwartet, wenn er sich eingerichtet hat denke ich nach Göttingen zurück zu gehen. Blumenbachs Schädelsammlung hat manche alte Idee wieder aufgeregt und ich hoffe ein oder das andere Resultat sollen bey näherer Betrachtung nicht fehlen. Professor Hoffmann wird mich mit den kryptogamischen Gewächsen näher bekannt machen und dadurch eine starke Lücke in meinen botanischen Kenntnissen ausfüllen. Was ich für meine Farbenlehre auf der Bibliothek zu suchen habe, ist auch schon notirt und wird nun desto schneller [246] zu finden seyn. Ich leugne nicht daß ich wohl ein Vierteljahr in Göttingen zubringen möchte, indem daselbst gar vieles beysammen zu haben ist.

Der Herzog ist nun angekommen und ist im Falle aller Ankommenden: er hofft und amüsirt sich, ich hingegen, als ein Abgehender, finde sehr mäßigen Gewinn und die Weile will alle Tage länger werden. Ich sehe daher mit Sehnsucht meiner Erlösung entgegen, die sich wahrscheinlich Mittwochs den 15. ereignen wird. Von Göttingen schreibe ich noch einmal, wenn ich einigermaßen etwas zu sagen habe.

Leben Sie recht wohl und reisen Sie glücklich. Grüßen Sie die Ihrigen und gedenken mein.

Pyrmont den 12. Juli 1801.

G.


15/4408.

An Christiane Vulpius

Ehe ich von Pyrmont gehe, will ich dir noch ein Paar Worte selbst schreiben, ich habe mich leidlich befunden und hoffe noch gute Folgen von der Cur. Das Beste dabey war die Bewegung und Zerstreuung. Ich habe viele Menschen gesehen, mit vielen gesprochen und kann auf mehr als Eine Weise zufrieden seyn. Nur war das Wetter gar zu schlimm und ist gegenwärtig am aller ärgsten. August hat sich gar artig[247] betragen und hat mir viel Freude gemacht, du wirst dich über ihn verwundern wenn du ihn wiedersiehst.

Die Ausgaben waren mäßig, ich habe mich aber auch durchaus eingeschränckt. Einiges habe ich dir eingekauft. Einiges sollst du dir in Cassel selbst kaufen, wo alles sogut wie hier zu haben ist.

Mittwoch d. 15ten gehe ich nach Göttingen, wo ich noch einige Zeit bleibe und du sollst auf alle Fälle zur rechten Zeit hören wann du mich in Cassel triffst. Ich schreibe dir alles umständlich. Sage nur dem Herrn Professor: daß er sich vorläufig einrichtet um mit dir kommen zu können. Wir freuen uns beyde recht herzlich darauf dich wieder zu sehen. Gustel wünscht nur daß wir in Cassel besser Wetter haben als hier.

Lebe recht wohl, beschäftige dich mit deinen Gärten, wo ich mit dir vergnügt bald herum zu wandlen hoffe.

Pyrmont d. 12. Juli 1801.

G.

Ich will noch ein Paar Worte hinzufügen und dir sagen daß wir beyde dich herzlich lieb haben und oft deine Gesundheit trincken. Ich wünsche nichts mehr als wieder bey dir zu seyn, wir wollen den Rest des Sommers vergnügt zusammen zu bringen. Auf Cassel freue ich mich besonders.

Von Augelchen war wohl manches artige hier, es will aber mit mir nicht recht mehr in den Zug kommen.

[248] Der Herzog ist munter und lustig, dagegen war ich die letzte Zeit recht mißmuthig. Das Wetter zerstörte alles, Cur und Spazierengehen und Geselligkeit, heute stürmts und regnets. Ich habe einheizen lassen.

Mit Freuden werde ich Koppenfelsens Scheungiebel wieder sehen und dich an mein Herz drücken und dir sagen daß ich dich immer fort und immer mehr liebe.

G.


15/4409.

An Christiane Vulpius

Nun bin ich acht Tage hier und befinde mich ganz leidlich. Obgleich Pyrmont mich nicht gänzlich von meinen Übeln befreyt hat; so muß ich doch hoffen daß (wie die Ärzte sagen) die beste Wirckung nachkommt. Ich will mich hier noch einige Zeit in Ruhe halten und im Stillen fleißig seyn, wozu ich auf der Bibliotheck die beste Gelegenheit habe. Indessen, da die Briefe von hier aus manchmal so langsam gehen, will ich dir voraus meinen Plan sagen: Ich wünsche daß du Sonnabend d. 15ten August in Cassel eintreffest, ich werde an demselbigen Tage auch anlangen. Du kehrst im Posthause am Königsplatz, bey Mad. Goullon ein, wer zu erst kommt macht Quartier, so daß wir zwey Zimmer haben, eins für dich und Gustel, eins für mich und den Professor. Mache diesem mein [249] schönstes Kompliment und sage ihm daß er ja sich losmachen und mit dir kommen soll. Indessen sagt niemanden daß ich so lange ausbleibe. Bringe einiges Geld mit, etwa 100 rh. und laß dir von unserm Nachbar Goullon ein Briefchen mitgeben, das du aber erst in den letzten Tagen zu fordern brauchst.

Ich freue mich herzlich dich wieder zu sehen und mit dir in Cassel, unter soviel neuen und schönen Sachen, einige Tage zuzubringen. Ein recht zierliches Unterröckgen und einen großen Schaal, nach der neusten Mode, bring ich dir mit. In Cassel kannst du dir ein Hütchen kaufen und ein Kleid, sie haben die neusten Waaren dort sogut als irgendwo.

August ist gar lieb und gut und macht mit allen Menschen Freundschaft, du wirst dich recht freuen wie er zugenommen hat, wenn du ihn wieder siehst. Lebe wohl, behalte mich lieb und sey überzeugt daß meine Liebe gegen dich unveränderlich ist. Schreibe mir gleich wenn du diesen Brief erhältst, damit ich doch auch weiß wie dirs geht und setze auf die Adresse Bey Herrn Instrumentmacher Krämer, an der Allee.

Göttingen d. 21. Jul. 1801.

G.


15/4410.

An Christiane Vulpius

Da unsere Briefe nun wieder auf einer besseren Poststraße einen geschwindern Weg nehmen; so werde [250] ich dir noch einigemal schreiben, um die Zeit zu verkürzen die wir noch von einander getrennt zubringen. Ich bin hier thätig und fleißig und befinde mich viel besser als im Anfange da ich hierher kam.

August ist sehr glücklich, doch hält es sehr schwer ihn auch nur kurze Zeit an den Schreibtisch zu bringen. Indessen lege ich hier einen Brief an dich und an den Legations Rath Schmidt bey.

Wir haben hier Gewitter und Regengüsse und ich höre aus Briefen von Loders, die hierher geschrieben sind, daß es bey euch auch nicht anders ist.

Ich habe ein artig Quartier, an einer Art von Esplanade und nahe am Walle, auf dem ich alle Tage spazieren gehe. August hat seine Glückseligkeit an Versteinerungen, die er auf einem nahe gelegenen Berge aufsucht. Auch hat er angefangen Schach zu lernen und es geht schon ganz artig damit.

Lebe recht wohl! ich freue mich recht sehr dir in Cassel wieder zu begegnen, ich wünsche uns daselbst nur recht schönes Wetter. Alles bleibt bey der Abrede.

Göttingen am 31. Jul. 1801.

G.


15/4411.

An Johann Heinrich Meyer

Für die Nachricht von Ihren Zuständen danke ich zum schönsten. Von mir kann ich wenigstens gegenwärtig sagen daß es mir recht leidlich geht. Es sey[251] nun daß die Bibliothek und das akademische Wesen, indem sie mich wieder in eine zweckmäßige Thätigkeit, nach meiner Art, versetzten, mir zur besten Kur gediehen, oder daß wie die Ärzte sagen die Wirkung des Brunnens erst eine Zeit lang hinterdrein kommt; denn ich kann wohl sagen daß ich mich in meinem Leben nicht leicht mißmuthiger gefühlt habe als die letzte Zeit in Pyrmont.

Zur Geschichte der Farbenlehre habe ich auf der Bibliothek recht viel und glücklich zusammengearbeitet. Wenn man eine Zeit lang hier bliebe, so würde die historische Behandlung der Wissenschaften für uns, wie für so viel andere, reizend werden. Wenn man nach allen Seiten hin so bequem erfahren kann was geschehen ist, vergißt man fast darüber was ges