1816

[206] 26/7259.

An den Großherzog Carl August

[Concept.]

[1. Januar 1816.]

Ew. Königlichen Hoheit

meine treusten Wünsche an diesem Tage darzubringen, giebt mir ein feyerliches Gefühl als jemals. Denn ich bedenke, daß, so lange Jahre her, jeder aufrichtige heiße Wunsch nur als ein leerer Schall gegolten, indem wir die höchsten Personen, denen wir soviel schuldig sind, von einem bösen Geschick anhaltend und wiederholt gedruckt sahen, so daß alle Hoffnung verschwand, sie jemals belohnt zu sehen, für soviel Gutes, das sie andern erzeigten.

Nun aber ist es wirklich seit vielen Jahren das erste Mal daß die Erfüllung dem Wunsche vorausgeht, und wir Ew. Königl. Hoheit erhabnes Haus auf eine Weise beglückt wissen, die zwar nicht dem Verdienste gleich gehalten, aber doch als eine Anerkennung von Seiten der himmlischen Wesen betrachtet werden darf.


[207] 26/7260.

An Carl Joseph Hieronymus Windischmann

Ew. Wohlgeb.

angenehmen Aufenthalt habe vorigen Sommer leider einmal rechts und dann auch links liegen lassen, ohne Dieselben begrüßen zu können. Bey meiner Rückkehr fand ich einen Kasten Mineralien, welche nach allen Kennzeichen diejenigen sind, die Sie mir zugedacht hatten. Sie waren sämmtlich sorgfältig numerirt, allein kein Catalog dabey.

Nun ist mir in der großen Zerstreuung einer viermonatlichen Reise entfallen, ob Sie mir diesen Catalog vorausgeschickt; eine Ankündigung dieser Sendung wenigstens hatte ich erhalten, auch wollten Sie mir eine illuminirte Karte zu geognostischen Verständniß übersenden. Haben Sie die Güte mich darüber mit einem Wort aufzuklären, damit ich der vorzüglich schönen Steinarten mich desto mehr erfreuen könne.

Eine Frage, über einen ganz verschiedenen Gegenstand, erlauben Sie mir hinzuzufügen: ich habe nämlich gehört, daß bey einer in Aschaffenburg spielenden Theatergesellschaft ein junges Frauenzimmer sich befinde, Dlle Bervisson, von einer Mutter oder Pflegemutter begleitet. Möchten Sie mir wohl von ihrer Gestalt, Stimme und Talenten einige Nachricht geben, da das Theater überhaupt und so auch unseres mancherley Wechsel unterworfen ist. Zugleich wünsche zu [208] vernehmen, wie Sie Sich mit den lieben Ihrigen befinden, womit Sie Sich gegenwärtig beschäftigen. Auch ich bin im Fall Dieselben bald um freundliche Theilnahme an einer vorhabenden Arbeit zu bitten.

Mich schönstens und angelegentlichst empfehlend

ergebenst

Weimar d. 2. Jan. 1816.

Goethe.


26/7261.

An Carl Cäsar von Leonhard

Ew. Hochwohlgeb.

verdanke eine sehr angenehme und werthe Bekanntschaft in der Person des Herrn Ober-Baurath Coudray. Ich wünsche, daß dieser vorzügliche Mann nächstens zu den Unsrigen gehören möge.

Zu der Versetzung nach München wünsche von Herzen Glück, ob ich gleich Sie und Ihre Thätigkeit höchst ungern am Rhein und Mayn vermisse. Jener Wink, den ich neulich gab, deutete auf einen Wunsch und Plan, den ich deshalb hegte; daß es sich aber zu Ihren Gunsten im Osten entschieden hat, ist desto besser, weil jenes weit aussehend und ungewiß war. Lassen Sie mich auch in Ihren neuen Verhältnissen Ihres Andenkens genießen und bleiben von meiner fortdauernden Theilnahme vollkommen überzeugt.

gehorsamst

Weimar d. 2. Jan. 1816.

Goethe.


[209] 26/7262.

An Carl Ludwig von Knebel

Nur in Eile kann ich heut für das neuliche sehr schöne orientalische Gedicht und für die Weiß-Pfefferkuchen danken. Letztere hat sich meine Frau schon zugeeignet. Ich bin lange nicht vor die Thüre gekommen, aber von allerley Geschäftstreiben und vielem Fremdartigen, was man sich nach und nach auflädt, sieht es um mich her immer turbulent aus, so daß ich deine Paradieses-Ruhe oft beneide. Doch wird manches fertig, was dir früher oder später Freude machen soll. Nun lebe wohl, mit den lieben Deinigen, und gedenke mein.

Der Deine

W. d. 3. Jan. 1816.

G.


26/7263.

An August Claus von Preen

Ew. Hochwohlgeboren

habe die Ehre, abermals die Lage des bewußten Geschäfts zu melden. Es ist nämlich, nach einer zwischen dem Herrn Director Schadow und mir getroffenen Übereinkunft, ein zweytes Modell gefertigt worden, welches jedoch beschädigt zu mir gekommen, woran ich aber, so wie aus den brieflichen Äußerungen des Herrn Directors genugsam erkannt, daß unsere Überzeugungen [210] nunmehr vollkommen übereinstimmen. Um jedoch einer endlichen Entscheidung baldigst näher zu gelangen, hat sich Herr Director Schadow entschlossen, ein drittes Modell zu fertigen, und solches Ende Januars nach Weimar zu bringen, damit man sich schließlich darüber vernehmen könne. Ich beeile mich daher dieses Ew. Hochwohlgeb. anzuzeigen, Denenselben zugleich überlassend, was etwa zu weiterer Leitung und vorläufiger Förderung des Geschäfts dortigen Orts zu thun wäre, damit, wenn man über dieses dritte Modell einig geworden, die Arbeit bald verdungen werden könne. Ist dieses geschehen, so wird erst ein größeres Modell, worauf der Künstler wenigstens zwey Monate verwenden muß, verfertigt und auch darüber berathschlagt, da man alsdann erst an die schwierige Aufgabe der Ausführung schreitet, wobey es auch nicht an gemeinsamer Wirkung fehlen soll. Freylich wäre es schön, wenn der würdige Greis die Aufstellung selbst noch erlebte. Mit geziemender Bitte, mich Ihren verehrten Herrn Committenten angelgentlichst zu empfehlen und mir selbst ein geneigtes Andenken zu erhalten

ganz gehorsamst

Weimar d. 4. Jan. 1816.

J. W. v. Goethe.


[211] 26/7264.

An die Großherzogin Maria Paulowna

[Concept.]

[8. Januar 1816.]

Ew. Kayserl. Hoheit sind von meiner aufrichtigen Anhänglichkeit dergestalt überzeugt, daß ich meine treuen Wünsche bey dem eingetretenen Jahreswechsel nicht schriftlich ausdrücken würde, wenn ich mich nicht in dem Fall befände Ew. Hoheit eine angenehme Aussicht mitzutheilen, von welcher wir uns sämmtlich manche Zufriedenheit versprechen können.

Der Ober-Baurath Coudray, welcher früher in Fuld-Dranischen Diensten gestanden und nachher die sämmtlichen interragna jenes Landes mit durchlebt hat, wird in hiesige Dienste treten und, soviel ich diesen Mann habe kennen lernen, gewiß nützliche Dienste leisten und Ew. Hoheit Vertrauen sich verdienen. Ja ich wünsche nichts sehnlicher, als daß wir das Glück hätten Ew. Hoheit schon gegenwärtig hier zu besitzen und gedachter Mann wäre schon in seiner neuen Stelle. Doch die Aussicht daß auch diese Wünsche sich bald erfüllen werden, tröstet mich über manches Bisherige in diesem Fache und ist mir besonders erfreulich wegen des für Ew. Kayserl. Hoheit eingeleiteten Baues, dessen Betrieb durch mancherley Zufälligkeiten bisher verhindert worden. Doch gestehe ich aufrichtig, daß es mir höchst angenehm ist, die Sache noch nicht weiter vorgeschritten zu sehen. Ich wünsche nichts mehr als [212] daß Ew. Kayserl. Hoheit dieselbige an sich fassen und sich über das Bisherige beruhigen möchten. Nur in Ew. Hoheit Gegenwart und unter Anleitung eines Mannes, der die Sache übersieht und genugsames Ansehen hat, um dasjenige, was beschlossen worden auszuführen, kann ein Geschäft und besonders dieses gedeihen, wo so manche Bedenklichkeit hervortritt die zu lösen niemand sich ermächtigen mag.

Der Hauptpunct, vor welchem wir gegenwärtig stehen, ist die Nothwendigkeit, den Zimmern und Sälen, jedem eine seiner Breite und Länge angemessene Höhe zu geben, da wo es nöthig ist Decken einzuziehen und also das eigentliche Grundgerippe des Baues zu vollenden. Weil aber in der Proportion gedachter Maaße des Baumeisters vorzüglichste Kunst sich äußert, indem ja alle nachherige Verzierung von der Grundgestalt des Gefäßes abhängt, so wünschte, daß gedachter Mann darin sein Probstück ablegte und, was dieses bedeutende Erforderniß betrifft, nichts geschehe, was künftighin zu bedauern oder umzuändern ist. Da nun ohnehin die Jahrszeit nur langsame Fortschritte des Baues erlaubt, so würde nichts verloren seyn, wenn man die Entscheidung dieser Fragen bis zum Eintritt gedachten Mannes verschöbe, weil ich, von dem großen Schloßbau her, die traurige Erfahrung habe, daß ein Baumeister nicht leicht dasjenige unverrückt läßt, was ein anderer vor ihm angefangen und eingerichtet hat. Höchst wichtig ist es, daß nunmehr [213] alles gleichen Schritt gehe, da die an mehreren Stellen höchst nöthige Beleuchtung von oben neue Schwierigkeiten sowohl in Absicht auf Construction als Decoration nach sich zieht.

So sind denn auch in der Gegenwart des Oberbauraths jene Bedenklichkeiten abermals zur Sprache gekommen, welche bisher der Fernstererhöhung im Wege gestanden und schon mehrmals beredet worden, wie ich sie denn hier im Einzelnen vorzutragen mir die Freyheit nehme. Wenn man das neue Angebäude nicht als ein ganz besonderes ansehen und decoriren, sondern als eine Fortsetzung des Schlosses betrachten wolle, so wäre in der Fensterhöhe nicht wohl eine Veränderung zu machen. Die Breite derselben wäre um 6 Zoll zu erweitern, die Fenster sehen nicht wirklich so klein, als sie gegenwärtig von außen und innen erscheinen. Von außen, weil ihnen alle Verzierungen abgehen, von innen, weil die disproportionirte Höhe der kleinen Zimmer eigentlich den Mißstand manche und gegenwärtig die wüste Unfarbe der Wände nur kümmerlich erleuchtet erscheine. Licht würden sie genugsam geben, weil die Wände nicht dick sind und also nicht wie in dem Schlosse die starken Mauern die Verbreitung des Tageslichts hinderten. Die schickliche Erniedrigung der Zimmer und eine muntere Behandlung der Decoration würden das Ihrige beytragen, so wie das Oberlicht bey den größern Gemächern.

[214] Ferner sey eine gewisse Höhe zwischen den Fenstern und der Decke sogar wünschenswerth, weil in der neuern Zeit sehr viel Pracht und Zierde auf die Drapirungen der Vorhänge gewendet werden, deren Herabhängen gewöhnlich einen Theil hoher Fenster verdecke, welches bey dem neuen Ameublement gar füglich vermieden werden könne.

Diese Bedenklichkeiten sind es, weshalb bis jetzt die Fenster in ihrem vorigen Zustand geblieben, indem ein Untergeordneter hierin zu entscheiden sich nicht ermächtigen darf.

Möchten Ew. Kaiserl. Hoheit alles Vorgetragene mit gnädigen Augen ansehen um darin die Absicht wahrzunehmen, Höchstderoselben Befehle und Wünsche nach Maaßgabe der vorliegenden Umstände immer schuldigst vor Augen zu haben.

So tritt denn auch bey Betrachtung des Obengesagten der Umstand ein, daß so lange die Höhe der Zimmer nicht genau bestimmt ist, an eine Vorarbeit zu Verzierung der Wände, Decke und Fußboden kaum geschritten werden kann, weil die Hauptbestimmungen noch allzu vag und unentschieden daliegen. Ja ich darf wohl gestehen, daß dieses ganze Geschäft mir höchst unerfreulich erscheinen würde, wenn wir nicht an der Spitze unseres ganzen Bauwesens bald einen Mann zu sehen hoffen könnten, mit welchem zu arbeiten eine Lust wäre. Ich müßte mich aber sehr irren, wenn man nicht bey Ihro Kaisel. Hoheit persönlicher[215] Gegenwart durch die Gewandtheit eines solchen Mannes in wenig Wochen weiter vorschritte, als es jetzt in Monaten geschehen kann. Erlauben Höchstdieselben, daß ich mich auf jene Epoche im voraus freue, indessen aber als Zuschauer wenigstens auf das zu merken suche, was zu den schon vorhandenen Hindernissen neue herbeyführte.

Möge das Gegenwärtige Höchstdieselben bey guter Gesundheit und frohem Muthe antreffen, wie ich mich denn dem Höchsten Paare noch schließlich zu Huld und Gnade angelegentlich empfehle.

Weimar den 3. Jan. 1816.


26/7265.

An Johann Friedrich Cotta

Ew. Wohlgeboren

erhalten durch den Postwagen den Sechsten Band meiner Werke. Hinzugefügt ist: Was wir bringen in reinlicher corrigirter Abschrift, zum fünften Band gehörig. Ferner liegt etwas bey für den Damen-Calender; Ew. Wohlgeb. werden jedoch verzeihen, wenn ich fortfahre, die Erzählerin der Tausend und Einen Nacht nachzuahmen und die Neugierde auf's neue zu erregen statt zu befriedigen.

Ferner habe ich die Absicht, Ihnen Proben aus meinem Divan gleichfalls für den Damen-Calender zu übersenden. Sie hätten ja wohl die Gefälligkeit, [216] diese, wenn sie etwas zu spät kommen sollten, mit römischen Zahlen paginirt an die Spitze des kleinen Bandes zu setzen. Für das Morgenblatt theil ich alsdann eine kleine Notiz mit, worin ich von meinem Orientalismus vorläufige Rechenschaft ablege.

Einige Aufsätze über bildende Kunst sende gleichfalls für's Morgenblatt, sobald ich nur einigermaßen Luft habe.

Das kleine Werk über die Rhein- und Mayngegenden, ist bis zum achten Druckbogen gediehen. Mit dem zwölften werde ich schließlich und ein zweytes Heft ankündigen. Da es broschirt ausgegeben wird, so lasse jetzt eine hübsche Decke in Kupfer stehen.

Auch wird der Umriß eines bedeutenden niederrheinischen Bildes als Umriß gegeben.

Soviel für diesmal und noch eine Bemerkung zur Rechnung. Auf dem mir abermals mitgetheilten Blat fehlen abermals die drey schon erwähnten Posten.

1815.

Jan. 16.

an Stimmel150rh.

an Gebr. Felix100

an Cammer C. Stötzer50

rh.300


Welche Ihnen zu Gute kämen.

Wollten Sie diese Differenz aufzuklären suchen?

Mich zum schönsten empfehlend

ergebenst

W. d. 10. Jan. 1816.

Goethe.


[217] 26/7266.

An Franz Kirms

Da wir die schöne Stimme des Herrn Eduard Genast noch in Reserve haben: so sollten wir die Blätter nicht nur beybehalten, sondern dem Priester-Liebe mehr Extension geben.

d. 11. Januar 1816.

G.


26/7267.

An Johann Georg Lenz

Ew. Wohlgeboren

sende hiebey eine Sömmerringsche Abhandlung. Sehen Sie doch nach, ob vielleicht unter denen hierin angeführten und beschriebenen Versteinerungen sich auch das problematische Exemplar befindet, welches in schwarzem Schiefer die seltsamen Pfoten enthält, die man für Kinderhändchen gehalten hat, und gegenwärtig in unserm Museum aufbewahrt ist. Sollte dasselbe in der Sömmerringschen Schrift nicht erwähnt seyn; so geben Sie mir nähere Kenntniß davon, damit ich solche dem würdigen Verfasser zuschicken kann. Auch folgen die Briefe hierbey. Ich wünsche zu den schönen Acquisitionen Glück und hoffe auch Ihnen bald etwas Erfreuliches melden zu können.

ergebenst

Weimar d. 11. Jan. 1816.

J. W. v. Goethe.


[218] 26/7268.

An Luise von Knebel

Mit vielem Dank für das angenehme Gesendete und Gemeldete überschicke ich mit wenigen Worten einige sehr seltsame Gedichte des wunderlichen Luck. Es ist doch eine ganz eigene Originalität in dem Manne.

Meine Frau wird sie gegenwärtig überbringen, nehmen Sie sie freundlich auf.

Das schönste Lebewohl.

Weimar d. 12. Jan. 1816.

G.


26/7269.

An Johann August Sack

Ew. Hochwohlgeboren

zutrauliches, für mich so ehrenvolles Schreiben hat mir die angenehme Empfindung gegeben, daß meine Versäumniß, Hochdenenselben vorigen Herbst nicht aufgewartet zu haben, hierdurch zum Theil wenigstens ausgeglichen wird. So wie denn auch des Herrn Staats-Minister von Stein Excellenz, durch Empfehlung meiner vorhabenden Arbeit, zu so vielem Guten, das ich diesem trefflichen Manne schuldig geworden, noch ein neues und so vorzügliches hinzuthun.

Da die Sache von großer Wichtigkeit ist, und eine Erklärung über dieselbe viele Schwierigkeiten hat; so sey es erlaubt mich aphoristisch auszudrücken, vorher [219] aber die Entstehung jener Druckschrift, deren Ausgabe leider verspätet worden, mit Wenigem anzugeben.

Bey meinem zweymaligen Aufenthalt am Mayn und Rhein, in beyden vergangenen Sommern, war mir angelegen, nachdem ich meine vaterländische Gegend so lange nicht gesehen, zu erfahren, was nach so vielem Mißgeschick sich daselbst, bezüglich auf Kunst, Alterthum und Wissenschaft befinde? wie man es zu erhalten, zu vermehren, zu ordnen, zu beleben und zu benutzen gedenke?

Ich besah die Gegenstände, vernahm die Wünsche, die Hoffnungen, die Vorsätze der Einzelnen, so wie ganzer Gesellschaften, und da ich meine Gedanken dagegen eröffnete, forderte man mich auf, das Besprochene niederzuschreiben, um vielleicht eine öffentliche Übersicht des Ganzen zu geben und zu Privatunterhandlungen gleichsam einen Text zu liefern. Da ich aber auf gedachter Fahrt Ihro Königl. Majestät Staaten nur im Fluge berührte; so ist leicht zu ermessen daß dieser Theil des Aufsatzes der magerste und unzulänglichste seyn werde, wenn dasjenige, was über andere Ortschaften und Gegenden gesagt wird, vielleicht befriedigender ausfallen möchte.

Bey allem konnte ich jedoch nur darauf ausgehen zu bemerken, was vorhanden und was für das Vorhandene allenfalls zu wünschen sey; das Wie hingegen habe ich von meinen Betrachtungen ausgeschlossen, weil dieses nur von denjenigen beurtheilt werden[220] kann, welchen die Ausführung der Sachen, unter gegebenen Bedingungen der Zeit und Umstände, anvertraut ist.

Die Rhein- und Mayngegenden, im breitesten Sinne genommen, zeigen, so wie das übrige Deutschland, ausgesäte größere und kleinere Lichtpuncte.

Die Natur der nebeneinander gelagerten Staaten bringt mit sich, daß wir niemals zu denen Vortheilen gelangen können, deren sich die Pariser, zwar mit Unrecht, aber doch zu eigenem und zum Vortheil der übrigen gebildeten Welt erfreuten. Alles Denkbare, was der mannigfaltig Thätige zu seinen Zwecken bedürfen mag, fand sich beysammen, so daß Männer wie Humboldt und Gall, wenn sie sich selber nicht verkürzen wollten, einen solchen Aufenthalt nicht verlassen durften.

Dieser Körper ist auseinandergefallen, und wenn der deutsche Freund der Kunst und Wissenschaft sich umsieht, wo er irgend ähnliche Vortheile finden könnte; so wird er sich als einen Reisenden betrachten müssen, da er denn freylich die größten Schätze von Wissenschaft und Kunst nach und nach wird aufsuchen und benutzen können.

Die Hauptrichtung meines kleinen Aufsatzes geht deshalb dahin, einem jeden Orte das Seinige zu lassen und zu gönnen, das Vorhandene hingegen allgemeiner bekannt zu machen, damit man leichter beurtheile, wie [221] es erhalten und belebt und von Einheimischen und Fremden benutzt werden könne.

Wenn nun aber das Vorgesagte hauptsächlich von demjenigen gilt, was wirklich schon besteht, so findet bey dem, was erst eingerichtet werden soll, eine neue Betrachtung statt.

Die Bildung nämlich unserer Zeit steht so hoch, daß weder die Wissenschaft der Kunst, noch diese jener entbehren kann. Seit Winckelmanns und seiner Nachfolger Bemühungen ist Philologie ohne Kunstbegriff nur einäugig. Alle mehr oder weniger gebildeten Völker hatten eine zweyte Natur durch Künste um sich erschaffen, die aus Überlieferung, Nationalcharakter und klimatischem Einfluß hervorwuchs, deswegen uns alle alterthümlichen Reste, von Götterstatuen bis zu Scherben und Ziegeln herab, respectabel und belehrend bleiben.

Und so fördern die verschiedenen Zweige der Wissenschaften einander, wie denn auch die verschiedenen Zweige der Kunst einander fördern. Mit dem Bildhauer sinkt der Medailleur, der Kupferstecher mit dem Zeichner. Ein Kenner und Liebhaber der Naturgeschichte kann das glücklich nachahmende Talent sorgfältiger Künstler nicht entbehren, und so geht es durch alles durch, bis Wissenschaft und Kunst endlich Technik und Handwerk zu Hülfe rufen und auch diese veredeln.

Wer sich ein solches Ganze lebendig denkt, wird es an Einen großen Ort, wo alle Glieder sich unmittelbar [222] berühren, hinwünschen: denn gerade diese Berührung ist es, woraus das wechselseitige Leben und eine Förderniß entspringt, welche sonst auf keine Weise denkbar ist.

In diesem Sinne also mußte der Wunsch, diese Totalität in Cöln zu sehen, einem Fremden nicht tadelnswerth erscheinen, wenn er auch gleich, bey Unkenntniß der besondern Umstände, denselben nur problematisch auszusprechen wagte. In demselben Fall befinde ich mich und so habe ich mich auch in meiner Druckschrift gehalten und die Frage zwischen Bonn und Cöln schweben lassen.

Eine neue, mir bisher unbekannt gebliebene Eintheilung der Provinzen aber scheint die Vertheilung der verschiedenen Anstalten räthlicher zu machen. Ew. Hochwohlgeb. haben sich hierüber deutlich ausgedrückt und ich glaube auch die hierzu veranlassenden Gründe einigermaßen einzusehen. Wie sollte auch derjenige nicht seine Gründe wohl überdacht haben, der an Ort und Stelle schon längst vorläufig wirksam, einer von ihm einzuleitenden neuen Einrichtung den besten Fortgang zu sichern wünscht.

Es sey mir um der beliebten Kürze willen ein Gleichniß erlaubt: Man hat in dem Raume zwischen Mars und Jupiter längst einen großen, allenfalls mit Satelliten umgebenen Planeten gesucht, und hat endlich an der Stelle vier kleine gefunden. So werden nun auch nach gedachten Vorschlägen die getheilten [223] Anstalten sich um die Centralsonne des wissenschaftlichen Vereins bewegen. Alles an einem Orte vereinet würde durch Realität und Lebenskraft der Oberaufsicht sowohl das Überschauen als das Einwirken erleichtern, anstatt daß sie, in dem gegenwärtigen Falle, ein ideeller Punct wird, der sich mit mächtigen Attractions- und Repulsionskräften zu waffnen hat, wenn er die sämmtlichen Bahnen um sich her und unter ihnen selbst in regelmäßiger Bewegung erhalten will.

Ich sage dieß nicht, um gegen die vorgeschlagene Einrichtung zu argumentiren, sondern nur auszusprechen, was gewiß schon bedacht ist, daß nämlich jeder von diesen Fällen von obenherein eine andere Behandlung bedürfe.

Eine Besorgniß jedoch muß ich noch ausprechen, daß Deutschland, so groß es ist, kaum so viele mobile Individuen liefern werde, welche sich qualificiren eine große Gesammt-Anstalt am Rhein wahrhaft zu beleben, wobey doch mancher in verschiedene Fächer eingreifen und durch ein mehrfaches Talent nützen könne. Zu vertheilen Anstalten aber ist ein weit größeres Personal, das zugleich mehr Fähigkeit, Tüchtigkeit und guten Willen hat, erforderlich. Anderer ernsteren und anhaltenden Bemühungen der Vorgesetzten nicht zu gedenken, welche nöthig seyn werden, um die schon an und für sich getrennten und nun auch durch Ortsentfernung geschiedenen Elemente in einer wechselseitigen, wohlwollend verbundenen Thätigkeit zu erhalten.

[224] Daß dieses kräftigen, energischen, erfahrenen und geprüften und mit hinlänglicher Autorität versehenen Männern, die sich zum Mittelpunct constituiren, zu leisten möglich sey, will ich nicht in Zweifel ziehen; auch spreche ich hier nur als einer der sich einen Augenblick anmaßt, über das Wie seine Bedenkliechkeiten zu eröffnen.

Sobald mein Aufsatz oder wenigstens dessen erstes Heft gedruckt ist, nehme mir die Freyheit solches zu übersenden. Es kann nichts die königlichen Provinzen Betreffendes enthalten, was Ew. Hochwohlgeboren nicht schon bekannt wäre. Wie man aber die Städte weiter aufwärts zu einem Verein einladen und sie dafür interessiren könne, hierüber werden vielleicht einige brauchbare Notizen hervorgehen.

Der ich, mit nochmaliger aufrichtiger Anerkennung des Werthes eines so schätzbaren Zutrauens, um Verzeihung bitte der flüchtig geäußerten Gedanken. Dero Schreiben ist mir erst am zwölften Tage zugekommen, deshalb ich gegenwärtiges beeile. Sollte mir etwas Weiteres beygehen, das ich der Mittheilung werth achten dürfte, so wird mir die Erlaubniß solches nachzubringen gefällig gestattet seyn. Wie ich denn mit vollkommenster Hochachtung die Ehre habe mich fortdauerndem Zutrauen angelegentlichst zu empfehlen

Ew. Hochwohlgeb.

gehorsamster Diener

Weimar den 15. Januar 1816.

J. W. v. Goethe.


[225] 26/7270.

An Auguste Düring

[Concept.]

[17. Januar 1816.]

Daß nach Ihrem früheren so entschiedenen Schreiben eine verzögerte und zuletzt verneidende Antwort kein angenehmes Gefühl erregen konnte, ermessen Sie selbst, um so mehr als Sie von meinem Wunsche überzeugt sind, den ich hegte Ihnen gefällig und nützlich zu seyn. In dieser Lage werden Sie mir nicht verargen, wenn ich Ihre Erscheinung auf dem Weimarischen Theater ablehne, indem es für uns beyderseits kein zutrauliches und fröhliches Zusammentreffen werden könnte.

Möge Ihnen auf Ihrem Lebenswege alles Gute begegnen und in der Folge sich Verhältnisse und Empfindungen herstellen, die mir vergönnten mit Vergnügen auf eine oder die andere Weise Ihr schönes Talent kennen zu lernen.

Das Beste wünschend.

Weimar d. 12. Jan. 1816.


26/7271.

An den Großherzog Carl August

Ew. Königliche Hoheit

geruhen auf Nachstehendes gnädigst zu reflectiren:

1) Die Harzer Tischplatte wird durch Kronrath sorgfältig gepackt. Eine Zeichnung des Vorkommens[226] dieses merkwürdigen Gesteins ist in der Arbeit, auch ein Aufsatz deshalb.

2) Ein Sömmerringsches Heft liegt bey. Wahrscheinlich ist das Jenaische im Jahr 1789 zu Riegelsdorf gefundene problematische Stück auch ein ähnlicher Crocodilsrest. Ich will Sömmerring davon Notiz geben, auch Herrn von Schreibers auf diese Abhandlung aufmerksam machen.

3) Das Canova Freude an jenen köstlichen Werken macht ihm Ehre; um so mehr als seine Kunst von jener durch eine große Kluft der Zeit und der Gesinnungen getrennt ist. Der Brief ist an Bertuch zurück.

4) Haben Höchstdieselben wegen dem Nilpferdschädel etwas an Treitlingern gelangen lassen? Oder soll ich es thun?

5) Das perpetuum mobile sende an Färber, welcher es im Zimmer der naturforschenden Gesellschaft aufhebt. Den Hofrath Voigt ersuche unter Assistenz des Otteny um Aufstellung.

6) Die Wolkenerscheinungen werden stark studirt und Musterbilder der verschiedenen Fälle aufgesucht. Nächstens hoffe den Cirrus in der größten Vollkommenheit vorzustellen.

7) Verzeihen Ew. Hoheit, daß ich noch immer, wie der fabelhafte Vogel Simerup im Felsenneste verharre. Vielleicht befehlen Sie nächste Woche, daß ich einen Abend aufwarte und von den frisch ausgebrüteten asiatischen Paradiesvögeln einige vorzeige.

[227] 8) Die Aufführung des Epimenides zum 30. Januar wird, hoffe ich, gelingen und nicht unangenehm seyn. Capellmeister Weber kommt einige Tage früher.

9) Mit ihm Director Schadow wegen der Blücherschen Statue für Rostock. Möchten doch günstige Nachrichten aus dortigen Gegenden unsre Besorgnisse wegen der theuren Erbgroßherzogin von Mecklenburg einigermaßen lindern.

Mich zu Gnaden und Hulden empfehlend

unterthänigst

Weimar den 17. Januar 1816.

Goethe.


26/7272.

An Thomas Johann Seebeck

[Concept.]

[21. Januar 1816.]

Ew. Wohlgeb.

beyde belehrende Briefe habe bey rechter Zeit zu meinem größten Vergnügen erhalten. Ich überzeuge mich immer mehr, daß die von Ihnen entdeckten und so sorgsam verfolgten entoptischen Farben den prismatischen Erscheinungen zum Grunde liegen und daß wir diesen wunderlichen und geheimnißvollen Gespenstern von dieser Seite endlich beykommen werden. Lassen Sie mich ja von Ihren Fortschritten jederzeit erfahren. Ich will suchen einen von meinen Doppelspäthen nach Ihrer Angabe schleifen zu lassen, denn ich bin gar neugierig das Phänomen selbst zu sehen.

[228] Dürfte ich mich nach einer Weise darüber ausdrücken so würde ich Folgendes sagen: Es ist eine Art von physisch-chemischer Belebung, welche in jenen Körpern entsteht, in dem Stein bey seiner Crystallisirung; im Glase, Gummi u.s.w. bey Erwärmung, Erkältung, Halberstarrung und wie bey andern Körpern diese Bedingungen heißen mögen, und so erscheint mir das Phänomen als ein allgemeines überall verborgen liegendes, unter gewissen Umständen hervortretendes, wie denn bey den prismatischen Versuchen ein reines lichtes Bild die Erscheinung an die dunklen Ränder drängt. In dem prismatischen Bilde sehe ich Ihre epoptischen Pfauenaugen nur auf eine andere Weise manifestirt, und ich gehe im Stillen damit um, meine Abtheilung von physischen Farben nächstens umzuschreiben und wenn es auch nur zu unserer Unterhaltung wäre.

Wäre die Natur nicht so consequent liebenswürdig, gäbe es nicht Freunde, die sich redlich zu ihr halten, nicht treue Bekenner, welche zusammenstehen, so würde man gewiß einmal, von bösem Humor ergriffen, alle Vorarbeiten in's Feuer werfen, die Sache aufgeben und sich sonst einen guten Tag machen.


[229] 26/7273.

An Franz Ludwig von Treitlinger

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeb.

Gegenwärtiges zu addressiren und mit Denenselben in einige Verbindungen zu kommen verdanke dem Auftrag meines gnädigsten Herrn des Großherzogs. Es hat derselbe nämlich durch Herrn von Schreibers von Wien vernommen, daß zu Paris in dem Magazin des vorzüglichsten Mineralienhändlers Allizeau et Compagnie, Quai Malaquai No. 15, sich ein sehr gut präparirter Hippopotamusschädel befindet, welcher für 150 Franken vielleicht auch für 120 zu erhalten wäre. Wollen Ew. Hochwohlgeb. zu soviel anderen Gefälligkeiten auch diese hinzuthun und für Rechnung Serenissimi gedachtes Stück anschaffen, so würden wir bey Besuchung des Jenaischen Museums uns auch künftig Ihrer Geneigtheit zu erinnern haben. Der ich mir die Erlaubniß erbitte in andern Fällen mich an Dieselben wenden zu dürfen und die Ehre habe mich mit ausgezeichneter Hochachtung zu unterschreiben.

Weimar d. 25. Jänner 1816.


26/7274.

An den Großherzog Carl August

[25. Januar 1816.]

Ew. Königl. Hoheit

Gedanken, unserer freyen Zeichenschule eine Vorschule auf dem Gymnasio, so wie auch andern hiesigen Schulanstalten [230] zu geben, habe sogleich mit Meyer und Peucer besprochen. Ersterer wird darüber etwas aufsetzen, letzterer wird zur Ausführung sowohl als seine Collegen sehr gern die Hand bieten, um so mehr, als das Ober-Consistorium schon aus eigner Bewegung den Versuch gemacht hat in Buttstedt eine Zeichenschule zu gründen, der recht gut gelungen ist. Vorschläge zur Einrichtung des Ganzen werden, sobald sie einigermaßen reif sind, unterthänigst vorgelegt werden.

Den 1. Band Wielandischer Briefe lese schon mit großem Interesse. Sehr angenehm ist es, die Natur, die man im Alter gekannt, in der Jugenderscheinung zu sehen. Sehr merkwürdig ist die klare Selbstkenntniß in so jungen Jahren. Die heitere Nachgiebigkeit und zähe Hartnäckigkeit zwischen denen sein Wesen sich bis in die spätesten Jahre bewegte ist auch hier schon ausgesprochen.

Auf den nach Wien gesendeten Aufsatz, die Achtermannshöhe betreffend, werfen Ew. Königl. Hoheit wohl einen Blick.

An Treilinger ist wegen des Hippopotamusschädel geschrieben, durch dessen Acquisition einer meiner ältern osteologischen Wünsche erfüllt wird.

Indem hier von naturhistorischen Dingen die Rede ist, lege ein paar Federn bey, welche in Webicht den erlegten Todfeinden der allerliebsten Fasanen ausgerupft habe, an welchen schon der durch Bergrath Voigt zur Sprache gebrachte Unterschied zu sehen ist, welcher [231] durch Einwirkung von Licht auf diese zarten und leicht zu metamorphosirenden organischen Theile hervorgebracht wird. Die schmälere zu beyden Seiten ziemlich gleiche und gleichmäßig gefärbte Feder ist eine von den obern Schwanzfedern, welche durchaus dem Lichte ausgesetzt war. Die andere, wo die eine Seite breiter und wenig entschieden gefärbt ist, war von einer überliegenden Feder bedeckt, wie man die Gränze deutlich wahrnehmen kann. Ich werde mir den nächstgeschossenen Raubvogel erbitten um die bey Bildung und Färbung der Feder obwaltende Naturgesetze in Beyspielen vorzulegen.

In wie hohem Credit unsere mineralogische Gesellschaft auswärts steht ist aus dem zu Siegen geführten beyliegenden Protokolle zu ersehen. Wegen Dauer und Befestigung dieser schönen Anstalt habe manchen Gedanken.

Kupferstecher Müller wird Brief und Zeichnung von Weinbrenner vorlegen. Ew. Königl. Hoheit Ermahnungen haben den Architekten [zu einem Plane] genöthigt der nicht verwerflich scheint. Jagemann wird einer ziemlichen Masse Farben bedürfen um ein solches Tuch zu bedecken.

Goethe.


Die übersendeten schönen Fossilien bestehen:

1) Zwey Rhinoceros-Zähne in der Kinnlade

2) Ein Fragment eines Pferde-Zahns

[232] 3) Backen-Zähne aus der unteren Kinnlade eines Hirschen

4) Ein Knochen-Fragment in Kalk-Tuff.

Von den anderen beyden Mineralkörpern ist der eine schörlartiger Beryll aus dem Zwitterstock von Altenberg, das andere Kalkspath-Crystalle auf schwarzem Marmor.

Pelzen wird deshalb die geognostische Tortur zuerkannt. Nicht unmöglich wäre es jedoch daß ein Schalk ihm diese [Dinge in seine] Räume geschoben. Wenigstens haben wir in unsrer Jugend uns dergleichen Possen erlaubt um nachfahrende Geognosten irre zu machen.

Alles zusammen wird, sorgfältig eingepackt, nach Jena transportirt werden. Wie denn überhaupt ein kurzer Aufsatz über das merkwürdige Vorkommen dieser Fossilien nächstens ausgefertigt werden kann.

Goethe.


26/7275.

An Carl Friedrich Ernst Frommann

Ew. Wohlgeb.

habe leider seit langer Zeit weder gesehen noch auch schriftliches etwas von Denselben gehört. Ich ergreife daher die Gelegenheit, Sie wieder einmal freundlichst zu begrüßen, indem ich unseres kleinen Geschäft mit Wenigem gedenke.

[233] Ich sende hier abermals etwas Manuscript und bitte um möglichst genaue Nachricht, wie weit wir, dieses mit eingerechnet, in der Bogenzahl gelangen können. Da wir den Umschlag, welcher nunmehro fertig ist, wohl am besten hier in der Nähe des Künstlers und unter dessen Aufsicht und Nachhülfe drucken lassen, so wollte anfragen, was für eine Art Papier wir dazu nehmen sollen und ob Sie mir davon ein Muster schicken können. Es müßte stark genug seyn, daß man nicht nöthig hätte, die Decke zu füttern. Geheftet wünscht ich sodann das Heftchen recht sauber, damit es die Leser eine Weile benutzen könnten eh es auseinander fiele, auch hätten Sie die Gefälligkeit mir anzuzeigen wie viel Abdrücke nöthig sind.

Noch sey ich die Bemerkung hinzu, daß wir ein freundliches nicht allzu dunkles Papier nehmen und auf einigen bessern Exemplaren die Lichter aufhöhen wollen.

Haben Sie sonst noch etwas zu bemerken, so bitte mir es mitzutheilen, damit ich mich darnach richten und das Nöthige einleiten kann.

Mich Denenselben und den lieben Ihrigen angelegentlich empfehlend

Weimar d. [27. Januar] 1816.

Goethe.


Einige Berliner Nova lege bey zu gefälliger Betrachtung.


[234] 26/7276.

An Carl Ludwig von Knebel

Weimar d. 27. Jan. 1816.

Hier, mein werther Freund, sende dir Berolinensia, die dir, wenn du sie nicht kennst, einiges Vergnügen machen werden. Sie stehen dir erb- und eigenthümlich zu Diensten. Auch sende ich dir einen Probedruck des Deckels zum kleinen Reiseheft, der ein ganz munteres Ansehn hat. Für dießmal aber muß ich gleich Abschied nehmen. Director Schadow und Cappellmeister Weber sind hier. Die Proben vom Epimenides gehen rasch und gut, doch wird uns die Trauer um die Aufführung des Mittwochs verkümmern. Und so lebe denn schönstens wohl.

G.


26/7277.

An Arthur Schopenhauer

Wie oft habe ich Sie, mein Werthester, in diesen Winterabenden hergewünscht, da in dem vorliegenden Falle schriftlich keine Auskunft zu hoffen ist. Ich setze die Farbenlehre zwischen uns in die Mitte als Gegenstand der Unterhaltung und die braucht ja nicht immer einstimmig zu seyn. Doch um Sie nicht ganz, bey so schönem Bemühen, ohne ausgesprochene Theilnahme zu lassen, beschäftigte ich mich zwey Tage in Jena, um soviel als möglich wäre, nachzusehen, [235] was denn seit den letzten acht Jahren im In- und Auslande über die Farben zur Sprache gekommen. Ich wollte darauf meine fernere Unterhaltung mit Ihnen gründen. Dieser löbliche Vorsatz aber brachte die entgegengesetzte Wirkung hervor; denn ich sah nur allzu deutlich, wie die Menschen zwar über die Gegenstände und ihre Erscheinung vollkommen einig seyn können, daß sie aber über Ansicht, Ableitung, Erklärung niemals übereinkommen werden, selbst diejenigen nicht, welche in Principien einig sind, denn die Anwendung entzweyt sie sogleich wieder. Und so sah ich denn auch nur allzu deutlich, daß es ein vergebens Bemühen wäre, uns wechselseitig verständigen zu wollen. Idee und Erfahrung werden in der Mitte nie zusammentreffen, zu vereinigen sind sie nur durch Kunst und That. Mit Ihrem Manuscript und Briefen habe ich mich beschäftigt, die letzten sogar mit eigenen Fingern eingeheftet, weil alles beysammen bleiben muß. Gern hätt ich mir einen Auszug daraus machen lassen, weil dieses aber nur durch einen Sachkundigen geschehen konnte, so hätt ich dadurch das Geheimniß verletzt. Mögen Sie es selbst thun, so würden Sie mir Freude machen, ja ich wünschte die Darstellung Ihrer Ansichten so in's Kurze gezogen, daß ich solche dereinst in die Farbenlehre inseriren könnte.

Lassen Sie mich von Zeit zu Zeit wissen, womit Sie sich beschäftigen und Sie werden mich immer theilnehmend finden, denn ob ich gleich zu alt bin, mir [236] die Ansichten anderer anzueignen, so mag ich doch sehr gern, insofern es nur immer möglich ist, mich geschichtlich unterrichten, wie sie gedacht haben und wie sie denken.

Lassen Sie mich bald erfahren, daß diese Sendung Ihnen zu Handen gekommen ist.

Mit den aufrichtigsten Wünschen

Weimar den 28. Jänner 1816.

Goethe.


26/7278.

An Sulpiz und Melchior Boisserée

Ihre herrliche Sendung, meine lieben Freunde, hätte mich erschreckt und beschämt, wär es mir nicht gerade zu Muthe gewesen, als brächten Sie mir diese liebliche Gabe in das Zimmer der Frau Amtmannin, denn ich komme seit 14 Tagen nicht aus Ihrer Nähe, und wallfahrte vom Schlosse zur Eyckischen Capelle und so immer ab und auf. Haben Sie tausend Dank für die Freude die Sie mir gemacht haben, für die geistreichen und so wohl ausgeführten Bilder, für die glücklichen Erinnerungen und Anregungen und für alles liebende Wohlmeinen was Sie sich selbst bewußt sind hineingelegt zu haben. Danken Sie allen Theilnehmenden, Herrn Wilken und Köster. Warum kann ich nicht ein halb Jahr in Heidelberg seyn! ich wollte im Neßkh und Talik hoffentlich meinen Dank zierlich schreiben lernen. Denn ob es gleich um mich her [237] auf alle Weise saust und braust und ich in diesen Tagen wenig zu Ruhe komme, so wird doch immer des Orients lesend, schreibend und dichtend gedacht.

Der 8. und 9. Bogen des Heftes war eben in der Revision. Der Umschlag ist auch schon gestochen, worauf das Meiste gelungen, einiges mißlungen ist. Beydes wird Ihnen Spaß machen. Was ich bis jetzt von Ihrer Sammlung gesagt habe ist ein wunderbarer Text zu einem ewigen Commentar, wovon ich selbst einige Apprehension habe. Mit welcher Frömmigkeit jedoch und Aufmerksamkeit ich dabey zu Werke gehe, ersehen Sie daraus, daß die 14 Foliohefte des d'Agincourt mir nicht aus den Augen kommen, ein Werk das ich schätze, weil es mich höchlich belehrt und das ich verwünsche, weil es mir die Einbildungskraft verdirbt.

Soviel für dießmal, damit das Blatt nicht liegen bleibe. Der Steinmetzen Brüderschaft geht nächstens ab, die Diss. de Artificibus Palatinis mit mehrern ähnlichen Schriften folgt auch. Über Ihre vorigen Briefe hätte ich manches zu sagen. Was Canova bey seinem Zug durch Deutschland gesprochen, davon hab ich manches gehört und begreife es nicht recht. Die Künstler kommen mir oft vor wie Väter und Mütter, welche recht hübsche Kinder zeugen ohne zu wissen wie es zugeht.

Tausend Grüße

Weimar den 29. Jan. 1816.

G.


[238] 26/7279.

An Christian Friedrich Gottfried Teuscher

[Concept.]

[29. Januar 1816.]

Ob es mir gleich öfters begegnet, daß mir von jungen Männern, die sich versuchen mochten, vollendete dramatische Arbeiten mitgetheilt werden; so setzt es mich doch immer in einige Verlegenheit: denn um mein Urtheil über ein solches Stück zu begründen, müßte ich erst jedesmal meine Grundsätze und Überzeugungen aussprechen, ja die Ursache angeben, warum ich nicht eben mit der Praktik der neuern Zeit ganz einig bin, und auch da würde man vielleicht nur die Meinung des Einzelnen und nicht ein allgemein geltendes Gesetz, wornach man sich zu richten hätte, erkennen. Dem Verfasser des gegenwärtigen Stücks muß man Theaterkenntniß zugestehen, besonders indem sie sich auf Eindrücke der neueren Zeit gründet. So ist auch die Wahl des Gegenstandes demjenigen Interesse ganz angemessen, welches ähnliche Stücke hervorbringen, auch herrscht durchaus ein Zartgefühl und reine schöne Gesinnungen.

Weiter darf ich nicht gehen, weil ich mich in Erörterungen einlassen müßte, die, nach dem Obgesagten, immer schwierig bleiben. Das beste Urtheil ist dasjenige, das man nach einigen Jahren selbst über seine Productionen fällt, wenn man sich durch weitere Ausbildung über selbige erhoben hat. Da ich nun überdieß die Aufführung auf unserm Theater nicht [239] räthlich finde, so halte mich um destomehr in dieser Gränze, weil ich aus langer Erfahrung weiß, daß man nur durch die Aufführung mit dem Stück und dem Verfasser in ein wahres Verhältniß kommt. Vielleicht kann ich in der Folge durch Rath und Unterhaltung nützlicher seyn.

Das Beste wünschend.

Weimar d. 28. Jänner 1816.


26/7280.

An den Großherzog Carl August

Ew. Königlichen Hoheit

überreiche ungern das Schreiben unseres guten Hofrath Voigt, welches die verunglückte Ankunft und also auch die mißlungenen Versuche mit dem Perpetuum mobile verkündigt. Nach der Relation haben sich die Auspackenden bey dem Geschäfte gut und sorgfältig benommen. Der Voigtische Brief ist in manchem Sinne belehrend, auch führt sehr oft ein mißglückter Versuch auf neue Entdeckungen. Mit Höchstderodelben gnädigsten Genehmigung will ich vorläufig alles billigen, was derselbe mit Zuziehung Ottenys zur Wiederherstellung und Erhaltung der Maschine vernehmen wird.

Gestern als den 27. verfügte mich in den Pelzischen Steinbruch und belehrte mich genau über die mir wieder ganz aus dem Sinne gekommene Folge der Lagen und Schichten.

[240] Befragt über den Ort wo die problematischen Steine vorkommen, bezeichnete der Mann an der Stirn eines freystehenden Felsens eine Stelle, wo ein ziemlich tiefes nicht gar fußweites Loch meist horizontal hereingegangen, welches man mit dem Schaufelstiel habe untersuchen können. Diese Vertiefung sey bey einem in der Nähe angelegten Schuß mit herunter gekommen und er habe diese Stufen darin entdeckt und sie selbst noch vom Felsen losgemacht.

Daß die Stufen wirklich in dieser Höhlung gefunden worden, will ich nicht in Zweifel ziehen, er mag sie auch etwas von Sand und Unreinigkeiten gesäubert haben, mit dem Gesteine aber waren sie nicht verbunden, denn es sind völlig fremde Mineralien, die ein Arbeiter vielleicht irgendwo hier aufgerissen und in diese Höhlung versteckt hat.

Von den beyden ersten Stücken denke ich noch wie vorher: No. 1 ist ganz entschieden aus dem Zwitterstock von Altenberg. Dieses Mineral ist deswegen merkwürdig, weil es in der uns bekannten übrigen Welt nicht wieder vorkommt. Ich lege ein frisches von mir bey meinen letzten Besuche dort erhaltenes Stück bey, welches bey Vergleichung als identisch wird gefunden werden. Die später eingereichten Stücke sind gehackte Kalkspathe oder Kalkspathe in sehr feinen Tafeln. Der auf demselben aufsitzende Bleyglanz deutet nach dem Harz, ob ich es gleich nicht behaupten will. Ich habe die Stücke numerirt und sogleich an Lenz [241] gesendet, ohne ihm den geringsten Fingerzeig zu geben worauf es eigentlich ankommt. Sein Responsum lege sogleich vor. Ew. Königl. Hoheit verzeihen, daß ich unsere geognostische Ehre gegen diesen wunderbaren Zufall so hartnäckig vertheidige. Die eigenthümlichen wahren Merkwürdigkeiten jener Lagen sollen nächstens so genau als möglich auseinandergesetzt werden.

W. d. 29. Jan. 1816.

Goethe.


26/7281.

An Christian Gottlob Voigt

Ew. Excellenz

erhalten hiebey einige Expedienda:

1) Votum wegen eines unterthänigen Vortrags, den Ausbau des Jenaischen Schlosses zu Gunsten der Museen betr.

2) Bemerkungen über den Holzverbrauch bey der Zeichenschule, gefälligst zu benutzen bey den Etats, auch lege die darauf sich beziehenden Acten bey.

3) Ein Schreiben an Herrn von Treitlinger zu geneigter Beförderung.

4) Ingleichen die Vorschläge zu der neuen Einrichtung des freyen Zeichen-Instituts.

gehorsamst

Weimar d. 29. Jänner 1816.

Goethe.


[242] 26/7282.

An Christian Gottlob Voigt

Ew. Excellenz

auch für meinen Theil für die gestrigen schönen und ehrenvollen Stunden höchlich dankbar, übersende die wenigen von mir gesprochenen Worte. Leider konnt ich sie, da mir die Veranlassung so spät gegeben wurde, vor der Feyerlichkeit nicht vorlegen. Gegewärtig geschieht es auf Veranlassung des Canzlers Müller und Bertuchs; eine Relation der Feyerlichkeit sowie des Gesprochenen soll, wie sie sagen, gedruckt werden. Ob sich meine Worte dazu qualificiren, überlasse Ihrer Beurtheilung. Darf ich mir dagegen das von Ew. Excellenz Gesprochene und das Gedicht, von welchem wir nur den Schluß gehört, gehorsamst ausbitten.

Weimar, den 31. Januar 1816.

G.


26/7283.

An Christian Gottlob Voigt

Der Prolog ist allerliebst, rein und gut wie alles was aus Ew. Excell. Gesinnung kommt und folgt. Nun hab ich aber die Bitte mir ihn zu überlassen. Diese bedeutende Erscheinung nach Außen will ich zu regeln suchen. Meine Rede, sie sey was sie sey, geb ich nicht her, als wenn man mir die Redacktion und Revision der Druckschrift überläßt. Der Moment ist [243] zu wichtig als daß man den Zufälligkeiten der Industrie überließe.

Von Herzen angeeignet

W. d. 31. Jan. 1816.

Goethe.


26/7284.

An den Großherzog Carl August

Ew. Königl. Hoheit

lege abermals eine Angelegenheit vor, welche, gleich so manchen andern, lange Zeit geruht und nunmehr bey wieder eintretender Glückswitterung wieder aufthaut:

Der Hofmedicus Stark nämlich hat den Catalog der Präparate seines Vaters wieder eingereicht mit einer kurzen Übersicht des Inhaltes desselben.

Gleich nach dem Tode des Geheime Hofrath Stark kam die Sache zur Sprache und Ew. Königl. Hoheit erlaubten 600 rh. darauf zu bieten, weil freylich auf einmal dadurch unser anatomisches Kabinett sich bedeutend bereichert hätte. Man war auch beynah einig, als die dazwischentretenden Kriegsvorfälle in allen Negotiationen dieser Art eine große Pause machten. Auch jetzo, glaube ich, würde man diese Sammlung für 600 rh. erhalten. Die Acquisition wäre immer wünschenswerth, denn ob wir gleich manches Ähnliche besitzen, so kann man von solchen Dingen kaum sagen, daß es Doubletten seyen.

Freylich stehen zu völliger Einrichtung der Jenaischen Anstalten noch wichtige Ausgaben hervor:

[244] 1) die Placirung und Begünstigung Döbereiners, weshalb ich wegen des bezeichneten Gartens sogleich nachgefragt,

2) die Versetzung Körners,

3) obengedachten Kabinettes Anschaffung, wobey ich mich nicht enthalten kann auf einen Beytrag von Seiten der Landschaft zu rechnen und wäre es auch nur, um die Interessen der aufzunehmenden Capitale zu decken und einen Amortisations-Fond zu gründen.

Man kann indessen obgedachtes Geschäft sachte angehen lassen, da ohnehin vor Ostern an keine Translocation zu denken ist.

Weimar den 31. Jänner 1816.

Goethe.


26/7285.

An Friedrich Justin Bertuch

Ew. Wohlgeb.

verzeihen, wenn ich ohne ausdrückliche Anordnung Serenissimi und Veranlassung von Seiten seines Staatsraths Bedenken trage, meine Rede zum Druck zu übergeben, denn mir scheint daß die Publication von den Umständen einer so bedeutenden Handlung eigentlich von Großherzoglicher Canzley ausgehen solle, damit der Einzelne nicht verantwortlich werde. Ja ich würde mir sodann die Communication der sämmtlichen Piècen erbitten, so wie die Erlaubniß, zu dem ganzen Drama, in welchem ich eine Rolle mitspiele, meine Gedanken zu sagen.

[245] Ich wünsche, daß Ew. Wohlgeb. mich bald hierüber beruhigen mögen

ergebenst

Weimar den 1. Febr. 1816.

Goethe.


26/7286.

An Friedrich Bury

[Concept.]

Indem ich Ihrem kunstreichen Bruder für die mannigfaltigen Zierden danke, womit er uns in diesen Tagen ausgestattet hat, darf ich nicht unterlassen, auch mich des Andenkens zu erfreuen, das Sie mir noch immer beybehalten.

Es war freylich nicht ganz löblich von mir, daß ich den großen Augenblick versäume, wo die herrlichen Kunstwerke in Paris noch beysammen waren und daß ich nicht auch sodann die Niederlande und Holland durchflog mich zu belehren und zu ergötzen. Doch haben meine Freunde an solchen Orten und in dergleichen Fällen an mich gedacht und mich zu sich gewünscht, welches ich durch meine Liebe zur Kunst und zu den Künstlern gar wohl verdient. So oft ich mich nach Ihnen erkundigte, hörte ich mit Vergnügen, daß es Ihnen wohl gehe und daß Sie in bessern Zeiten der Gunst und des Glücks genießen, die Sie in den schlimmsten festzuhalten mußten. Empfehlen Sie mich höchsten Orts auf's angelegentlichste und bleiben meiner eingedenk.

Weimar d. 1. Febr. 1816.


[246] 26/7287.

An Heinrich Friedrich von Diez

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeb.

haben durch Ihr treffliches Werk mir und meinen Freunden die Winterabende sehr verkürzt. Wir lasen es von Anfang bis zu Ende durch und sind jetzt daran, es theilweise zu wiederholen. Die daraus gewonnene Belehrung ist uns unschätzbar und so konnt ich auch früher Ew. Hochwohlgeb. Arbeiten als die Basis ansehen, worauf sich meine Kenntnisse des Orients gründeten, indem Genauigkeit und Sicherheit die köstlichen Eigenschaften Ihrer Werke sind. Vom Einzelnen darf ich dießmal nicht reden, jedoch mit wenig Worten mein Bedauern ausdrücken, hier abermals ein Beyspiel gesehen zu haben, wie die Gildemeister, anstatt der guten Sache förderlich zu seyn, das Verdienst zu hindern und zu verdrängen suchen.

Doch will es zu unserer Zeit nicht recht mehr gelingen, indem das Echte und Tüchtige doch zuletzt seinen Platz behauptet.

Mich zu geneigtem Andenken auf das angelegentlichste empfehlend.

Weimar d. 1. Febr. 1816.


[247] 26/7288.

An Pauline Servière

[Concept.]

Von Ihnen, liebe Freundin, hätte ich mich lange wieder einmal ein Briefchen erwartet, denn Ihre gründliche Logik sollte Sie überzeugen, daß man Nachrichten von seinen Theuern nicht gerne lang entbehren mag. Nun will ich aber vermelden, daß ich von meiner Seite nicht verfehlt habe Mayn und Rhein in Gedanken öfters zu besuchen und da ist mir denn auch das Gelübde wieder in den Sinn gekommen, welches im Winkel feyerlich gethan worden und auf die Verehrung des heiligen Rochus hinzielt. Die erste Kunstfrucht des wiedererworbenen Friedens ist daher eine sehr wohlgerathne Zeichnung von einem vorzüglichen Meister, welche im Großen ausführen ein geschickter junger Künstler bereit ist, welchem ich die Arbeit für 12 Carolin verdingen könnte. Wollen Sie nun, werthe Freundin, fromme Seelen um gefällige Beyträge ansprechen, so würde von meiner Seite sorgen, daß der Künstler, wenn er die Zeichnung gefertigt, honorirt würde, ferner würde ich alles Übrige besorgen und dem ausführenden Künstler mancherley Vortheile verschaffen, damit er für obgemeldeten Preis etwas Gutes liefere. Das Bild könnte Anfangs July in Frankfurt eintreffen und in der Mitte Augusts an Ort und Stelle den Wallfahrenden in die Augen[248] leuchten. Den Rahmen anzuschaffen überließe man der Binger Gemeinde. Möge mein frommer Vorschlag Beyfall finden, übrigens wollen wir sehen, ob wir nicht etwas Wunderthätiges in das Bild mit hineinmahlen können; am schönsten wäre es aber denn doch, wenn wir es an der frohen Feyer in loco zusammen verehrten und im Winkel die glücklichen Folgen unserer gesegneten Wanderung zusammen genössen.

Tausend Grüße den lieben Freunden.

Weimar, den 1. Febr. 1816.


26/7289.

An Friedrich Ludwig Seidel

[Concept.]

Ew. Wohlgeb.

würde auf die ersten Briefe sogleich geantwortet haben, wenn ich im Stande wäre, Ihre Wünsche zu erfüllen. Das Stück, wie es gegenwärtig vorliegt, ist vor vielen Jahren aus dem Stegreife geschrieben, um von einer eben vorhandenen Gesellschaft von Liebhabern ohne große Umstände aufgeführt zu werden. Wenn es aber gegenwärtig auf einem großen Theater erscheinen und Effect machen sollte, so müßte man das Personal gleichfalls kennen und das Stück darnach umarbeiten. Um dieses zu thun fehlt es mir an Zeit, und an Stimmung: denn das Theater hat, nachdem dieses Stück geschrieben worden, zwey ähnliche Opern erhalten, [249] nämlich Nina und neuerlich die Schweizerfamilie. Beyde sind auch psychische Curen eines durch Liebesverlust zerrütteten Gemühts, und diese zu überbieten gehörte großer Aufwand an Erfindung und Ausführung. Es thut mir leid, daß ich Ew. Wohlgeb. in dieser Angelegenheit, wie ich sonst so gerne thue, nicht gefällig seyn kann.

W. d. 3. Febr. 1816.


26/7290.

An Carl Ludwig von Knebel

Es freut mich gar sehr daß es dem guten Karl nach Soldatenweise ganz wohl geht.

Mit den besten Wünschen

d. 5. Febr. 1816.

G.


26/7291.

An Friedrich Wilhelm Riemer

Mit dem Wunsche diesen Abend mit Ihnen die Blätter durchzugehen

Weimar d. 5. Febr. 1816.

G.


26/7292.

An Johann Gottfried Schadow

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey ein Schreiben, wie solches abzusenden gedenke. Ich habe nicht abgeschlossen um nachbringen [250] zu können, was Ew. Wohlgeb. allenfalls zu bemerken hätten. In Hoffnung baldigen Wiedersehen und mündlicher Beredung.

Weimar d. 5. Febr. 1816.

Goethe.


26/7293.

An Friedrich Wilhelm Riemer

Da ich heute früh nach Hofe gerufen bin und nicht weiß wann ich entlassen werde, so wünsch ich, mein Werthester, daß Sie zum Essen kommen oder doch wenigstens gleich nach Tische, weil Herr Director Schadow auch kommen wird.

Weimar d. 6. Febr. 16.

G.


26/7294.

An Sulpiz Boisserée

Die gegenwärtige Sendung begleite nur mit einigen freundlichen Grüßen. Heute Abend wird Epimenides aufgeführt, es ist daher ein sehr unruhiger Tag. Das Heftlein nahet seinem Ende und hat ein wunderliches Ansehn. Meine hiesigen Freunde sind damit zufrieden, ich hoffe auch die auswärtigen die es näher angeht.

Mein bestes Lebewohl.

W. d. 8. Febr. 16.

G.


[251] 26/7295.

An Carl Ludwig Woltmann

Weimar, den 8. Februar 1816.

Ew. Hochwohlgeboren

begrüßendes Schreiben traf mich eben bey Lesung Ihrer Geschichte Böhmens, welche mir zur angenehmen Unterhaltung mit Ihnen in der Ferne diente. Ich habe diesen Sommer freylich zu lange auswärts gezaudert, wodurch ich denn genöthigt bin, manches nachzuholen, welches um so schwieriger wird, als bey den neuen Acquisitionen unseres gnädigsten Fürsten manche Veränderungen und Anregung vorkommt, welche sich aber denn doch übertragen lassen, weil es angenehme Dinge sind.

Obgleich manche Reize und Lockungen mich nach dem Rheine ziehen, so wünschte ich doch das gute alte Böhmen wieder zu sehn, das mir durch Ihre Darstellung, so wie durch die Sagen wieder auf's neue interessant geworden ist.

Vor der Einbildungskraft und der Erinnerung steigt Böhmen wirklich als der Gegensatz von den Rheingegenden hervor, und ich glaube recht nach Beschreibung und Abbildung an die eminente Majestät von Prag. Von meinen Reisebemerkungen erhalten Sie nächstens ein Heft. Es stellt einen wundersamen Zustand dar, einen ausgesäten unzusammenhängenden Reichthum.

[252] Den beyden Herrn, welche von Prag nach meiner Abreise an den Rhein gekommen, nicht begegnet zu haben, thut mir sehr leid. Bey meinen Freunden stehen sie in gesegnetem Andenken.

Die Anzeige einer neuen Ausgabe meiner Schriften wird auch zu Ihnen gelangen. Die beyden ersten Bände besonders empfehle ich meinen Freunden; sie werden darin manches finden, welches sie überzeugt, daß ich in Scherz und Ernst diese Jahre her mich immer heimlich mit Verständigen unterhalten habe.

Übrigens will die Klugheit und die Liebe zum Frieden, daß ich ein Bändchen Paralipomena und so manches andre vor der Hand secretire, welches alles, nach meinen seligen Hintritt, Ihnen empfohlen seyn soll. Möge der gute Genius uns diesen Sommer mit soviel Kraft und Lebenslust zusammenführen, als den Umständen nach wünschenswerth seyn kann.

Empfehlen Sie mich allen Wohlwollenden.

Gehorsamst

Goethe.


26/7296.

An Carl Friedrich Moritz PaulGraf von Brühl

Sie haben, mein Werthester, durch Beurlaubung des Herrn Capell-Meister Weber uns so eine besondere Gefälligkeit erzeigt und Anlaß zu so manchem Guten gegeben, daß ich ihn nothwendig als Friedensboten an Sie entlassen muß.

[253] Es ist ein großer Unterschied ob man von Freunden oder Fremden verletzt wird, jenen ist man während einer Lebensreihe so manchen Dank schuldig geworden, daß man wohl auch einmal über einen Schaden den sie uns zufügen hinwegsehen kann.

Herr Capell-Meister Weber wird von unsern hiesigen Zuständen und Exhibitionen Rechenschaft geben. Sowohl er als Director Schadow haben uns sehr angenehme und lehrreiche Stunden verschafft.

Herr Professor Levezow haben Sie die Güte für das Übersendete und Gemeldete schönstens zu danken, nur verzeihen Sie beyde, wenn ich, mannigfaltig beschäftigt und bedrängt, nichts weiter hinzufüge als die wärmsten Grüße an die verehrten Ihrigen und den Wunsch, bey Ihnen immer in freundlichem Andenken zu stehen.

Weimar d. 10. Febr. 1816.

Goethe.


26/7297.

An Georg Carl Wilhelm Philipp von Donop

[Concept.]

[11. Februar 1816.]

Ew. Hochwohlgeb.

haben durch die gefällige Sendung der Anzeige des zum Verkauf angebotenen vortrefflichen Münzkabinetts mich an eine frühere Geneigtheit erinnert mit der sie mir den Catalog selbst zum Geschenk übersendet. Es [254] sollte mir sehr angenehm seyn wenn in dieser Angelegenheit zu Ihren Wünschen und Absichten beytragen könnte. Sollt ich irgend einen Liebhaber zur Acquisition dieses Schatzes gewahr werden, so nehme mir die Freyheit nach dem Preise zu fragen. Indessen sey mir vergönnt, mich mit vorzüglicher Hochachtung zu unterzeichnen.

Weimar d. 8. Febr. 1816.


26/7298.

An Johann Jakob Dominikus

[Concept.]

[11. Februar 1816.]

Ew. Hochwürden

verbindliches Schreiben würde mir noch mehr Vergnügen gemacht haben, wenn ich mich nicht außer Stand befände demselben Folge zu leisten. Meine Gesundheit erlaubt mir nicht in dieser Jahrszeit eine solche Fahrt zu unternehmen, welches ich gar sehr bedauere, weil ich schon längst sehr viel Gutes von Ihren Anstalten und Einrichtungen gehört habe. Ich muß mich aber auch dießmal begnügen von den hiesigen Brüdern zu vernehmen wie wohl es Ihnen ergangen. Damit ich aber doch nicht allen Antheil abzulehnen scheine, nehme mir die Freyheit in dem Schreiber dieses, meinem Sohn, einen Stellvertreter zu senden, welchem ich eine günstige Aufnahme von [255] den verehrten Brüdern wünsche, denen ich mich so wie Ew. Hochwürden angelegentlich empfehle.

Weimar d. 10. Febr. 1816.


26/7299.

An Arthur Schopenhauer

Außer denen Schriften, welche Sie, mein Werthester, schon genannt haben, finde ich nur Nachstehendes bemerkt:

1. Parrot, Grundriß der theoret. Physik 2. Thl. Dorpat und Riga 1811, Vorrede p XX bis XXIV.

2. Benzenberg's Reise in die Schweiz. 2. Thl.

3. Recension der Farbenlehre Nr. XX January 1814 Quarterly Review.

Leider habe ich das erstere vollständige Verzeichniß von Seebeck nicht bey der Hand, es stand in einem Briefe und ist deswegen nicht zu meinen chromatischen Acten gekommen. Ich suche und schreibe darnach. Möge ich es Ihnen zur rechten Zeit noch senden können.

Wundershalber lege ich einen englischen Aufsatz bey, den ich mir bald zurück erbitte. Die wunderlichen Folgerungen aus einem wohlgesehenen Phänomen können wohl zur Verzweiflung bringen.

Die entoptischen Farben gewinnen immer mehr Gewicht. Seebeck erhält wegen dieser Entdeckung von[256] den Franzosen die Hälfte des Preises, Brewster die andere wegen andern Dingen; und ich gehe darauf aus, den Vortrag, die dioptrischen Farben der zweyten Classe betreffend, umzuschreiben, welches doch sobald nicht geschehen möchte. Kommt die Arbeit zu Stande, so bringt vielleicht die daraus entspringende Aufklärung auch uns beyde näher.

Ebenfalls wird ein Werkchen des Bergrath Voigt, über die Farben organischer Naturen, der guten Sache förderlich seyn.

Ihren nochmals durchgearbeiteten Aufsatz erwarte mit Vergnügen im Druck.

Der ich recht wohl zu leben wünsche.

Weimar d. 11. Febr. 1816.

Goethe.


26/7300.

An Friedrich Wilhelm Riemer

Mögen Sie wohl, mein Werthester, diese Schlußblätter gefällig durchsehen und mir Ihre Gedanken darüber eröffnen. Einer Unterhaltung mit Herrn Frommann zu Folge möchte dieß gerade zum 12. Bogen hinreichen. Vielleicht kämen Sie gegen Abend, wo wir auch den 10. Bogen abthun könnten.

W. d. 11. Febr. [1816].

G.


[257] 26/7301.

An Franz Kirms

Da es mir aus mehrern Ursachen wünschenswerth scheint, daß wir mit den Wolffischen Eheleuten in gutem Vernehmen scheiden, so ersuche Ew. Wohlgeboren um eine genaue und ausführliche Darstellung, wie es denn eigentlich mit den Kleidern beschaffen, wegen welcher noch eine Differenz obwaltet. Bis jetzt habe ich in der Sache nicht in's Klare kommen können.

Weimar d. 12. Febr. 16.

G.


26/7302.

An Sulpiz Boisserée

Weimar d. 12. Febr. 1816.

Schon vor einiger Zeit erhielt ich mit der reitenden Post ein Blättchen, worin gemeldet wird, daß den 17. Januar ein Päckchen an mich abgegangen, bezeichnet W. v. G., Inhalt: Zeichnungen und geschriebene Sachen, welches also wohl die mir angekündigten Domrisse sind. Wie nun aber dieses versiegelte Blatt auf die reitende Post gekommen, indeß das Päckchen gewiß auf die fahrende gegeben worden, konnte ich nicht entziffern, habe auch bis jetzt vergebens darauf gewartet. Da mir nun wahrscheinlich ist, daß das Päckchen in Ermanglung des Briefes und seiner [258] Addresse irgendwo liegen geblieben, so gebe ich hievon Notiz um darnach gefällige Nachfrage zu thun.

Das Beste wünschend

Goethe.


26/7303.

An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Ew. Wohlgeboren

würde nicht einmal rathen, wenn das zurückkommende Blättchen auch einen Fremden beträfe, solches aufzunehmen, weil es durchaus unschicklich ist, geschweige da es mich so nah betrifft. Daß doch die lieben kostbaren Deutschen nicht lernen etwas mit Manier zu sagen! Ich danke übrigens für die Mittheilung recht sehr und werde in ähnlichen und andern Fällen immer gern meine aufrichtige Meinung äußern. Was ich zu Ihrer Zufriedenheit beytragen kann, werde jederzeit mit Vergnügen thun.

Ergebenst

Weimar den 12. Februar 1816.

Goethe.


26/7304.

An August Claus von Preen

Ew. Hochwohlgeboren

vermelde mit Vergnügen, daß Herr Director Schadow sich entschlossen, anher zu reisen. Dieser würdige Mann und treffliche Künstler langte den 25. Januar [259] hier an, und wir haben die bis heute verstrichene Zeit dazu angewendet, ein mitgebrachtes wohlgerathenes Modell, das Piedestal nebst Basreliefs und Inschriften zu betrachten und zu besprechen. Über alles, was gethan werden soll, sind wir vollkommen einig. Die Vorarbeiten sind sorgfältig und gewissenhaft geschehen und es kommt nur darauf an, ob die verehrten Herrn Unternehmer die Vorschläge genehmigen und besonders, wie sie ausgeführt werden sollen, entscheiden.

Auf dreierley Weise ist die Ausführung denkbar. Das projectirte Standbild kann in Kupfer getrieben, aus Marmor gehauen oder in Erz gegossen werden. Über alle drey Arten sind Umschläge beygefügt. Die geschriebene Arbeit hat die Wohlfeile vor sich, gegen sich aber, daß auf diesem Wege niemals ein Kunstwerk entstehen kann, welches das Auge befriedigt, außer allenfalls in großer Höhe oder Ferne gesehen.

Eine Marmorstatue hält den Mittelpreis und ist immer von edlem Ansehn. Bedenkt man aber die Schwierigkeiten, einen solchen Block, wenn er auch in Carrara rein gefunden würde, nach Berlin zu transportiren und von dort bearbeiten nach Rostock zu schaffen, bedenkt man ferner, daß, trotz aller Vorsorge, man niemals sicher ist, nicht auf einen Flecken oder Gebrechen des Steines, selbst bey der letzten Ausarbeitung, zu stoßen, daß ferner in jener Himmelsgegend eine Marmorstatue Winters zugedeckt werden muß, wodurch sie nicht allein ein Theil des Jahres den Augen entzogen [260] wird, sondern auch außerdem durch die bretterne Umgebung ein großer Mißstand entspringt und demohngeachtet, in den übrigen Jahreszeiten, Regen und salzige Seeluft die zarte Oberhaut des Marmors färbt und entstellt; so wird freylich der Kunstfreund, der einer trefflichen und ausführlichen Arbeit zugleich auch die längste Dauer, ferner der Patriot, der großen Thaten ein würdiges Denkmal aufgerichtet wünscht, in Hoffnung leben, daß man das Vollkommenste, obgleich Theuerste wählen werde. Herr Director Schadow ist nun bereit einen Accord einzugehen, weswegen Ew. Hochwohlgeb. ersuche, mit demselben sich gefällig unmittelbar in erneuerte Relation zu setzen, um die dortigen Wünsche, Entschließungen und allenfallsigen Bedingungen mit demselben zu verhandeln, auch wenn es gefällig mir von den Entschlüssen Nachricht zu geben.

Da die bisherigen Unterhaltungen mit diesem vorzüglichen Manne mir sehr nützlich und ermunternd waren, auch meine frühern Verhältnisse zu demselben wieder thätig angeknüpft worden, so benutze gewiß auch in der Folge dieses Geschäft als eine angenehme Gelegenheit mit ihm in Verbindung zu bleiben.

Beehren Ew. Hochwohlgeb. mich abermals mit einem Schreiben so wünschte den Grundriß des Platzes, worauf die Statue zu stehen kommt, mit bezeichneter Himmelsgegend, als Beylage zu finden. Höchst wünschenswerth, ja unerläßlich ist es, daß die Statue den Rücken gegen Norden kehre, wenn auch mit einiger [261] Abweichung nach Osten oder Westen. Auf diese Weise erhält sie den Tag über ein Licht, welches ihre Theile abwechselnd hervorhebt.

Leider deutet die schwarze Einfassung meiner Briefblätter auf einen uns gemeinsamen Trauerfall, der uns, obgleich schon befürchtet, auf das schmerzlichste überraschte. Diese theuere Fürstin empfahl mir angelegentlichst das projectirte Monument, und auch um ihretwillen soll es von meiner Seite an sorgfältiger Mitwirkung nicht fehlen.

Das Modell sowohl als die Zeichnungen und Basreliefs hat Herr Director Schadow mit nach Berlin genommen, um bey weiter fortschreitenden Geschäft auch diese allenfalls vorlegen zu können. Nicht weniger hoffe einige schickliche Inschriften zu geneigter Prüfung vorlegen zu können.

So weit war dieses Schreiben gediehen, als der hiesige Kupferschmied Henniger ein paar nackte männliche Figuren ohngefähr 3 Fuß hoch, halb erhabene Arbeit, die er so eben zu Stande gebracht, producirte und dadurch die Überzeugung gab, daß auch etwas Getriebenes in der Nähe gefällig seyn könnte, so daß die frühere Abneigung des Herrn Directors gegen Arbeiten dieser Art gemildert wurde. Der Kupferschmied, ein junger Mann, ist nicht abgeneigt, mit seinem Bruder, zu Ausführung eines solchen Werks nach Berlin zu gehen. In eine vorläufige Forderung[262] wollte er sich nicht einlassen. Herr Director Schadow hat die Absicht, ihm eine Büste in Arbeit zu geben, da man dann eher seine Kunst beurtheilen und er seine Mühe genauer zu schätzen im Stande seyn wird. Über alles dieß giebt Herr Director Schadow auf gefällige Anfrage weitere Auskunft.

Möge ich Ew. Hochwohlgeb. und Ihren Herrn Committenten bestens empfohlen seyn.

gehorsamst

Weimar d. 12. Febr. 1816.

J. W. v. Goethe.


26/7305.

An Christian Gottlob Voigt

Ew. Excellenz

zu geneigter Beurtheilung übersende ein Promemoria von Dr. Schnauß nebst Beylage. Die meisten Puncte sind erledigt, nur bey dem dritten waltet einiges Bedenken ab. Der Frau Verkäuferin könnte man zu Ostern 1500 rh. zahlen, so wie auch den Betrag der 50 Ducaten Schlüsselgeld, für welche Summe ich wohl Sorge tragen wollte. Was den Überrest anbetrifft, so ist dabey zu bemerken, daß wir das Vorderhaus wieder verkaufen wollen, wodurch wir in den Fall kämen, wenn wir den Wunsch der Frau Verkäuferin erfüllen, die 5000 rh. in ungetrennter Summe ihr schuldig zu bleiben, zugleich Creditoren und Debitoren zu werden. Ew. Excellenz übersehen diese Geldsachen [263] mehr im Ganzen und im Zusammenhang, deshalb Dero Dijudicatur das Fernere überlasse.

Was endlich Ofen und Wandschrank betrifft, könnte man Dr. Schnaußens Einsicht diesen Nebenumstand anheim geben.

Weimar d. 12. Febr. 1816.

Goethe.


26/7306.

An Johann Friedrich Cotta

Ew. Wohlgebornen

Brief vom 22. Januar meldet nichts von der Ankunft meiner Sendung vom 8. ej., welche außer dem 6. Band meiner Werke noch einiges Andere enthielt. Der Rest der Sendung liegt bereit. Ich will nur noch den Epimenides, wie er hier gespielt worden, hinzufügen.

Wegen den Rechnungsposten hat es seine Richtigkeit, wie ich auch auf nachstehendem Blatte verzeichne.

Für's Morgenblatt lege ich eine Notiz bey. Im Allgemeinen war mir ein Verhältniß zu den Gebrüdern Boisserée bekannt, nicht das Besondere das Sie mir melden. Da meine Absicht ist, mein erstes Heft solle dem Herausgeber wie dem Verleger nutzen, so wird das zweyte nicht ermangeln beyden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Die Anzeige für's Morgenblatt folgt nächstens.

Geschieht es mit Ihrer Beystimmung, so kann Aus meinem Leben zweyte Abtheilung erster Band [264] unter den vorigen Bedingungen sogleich in Druck genommen werden.

Die Anzeige des ersten Hefts von Kunst und Alterthum folgt nächstens.

in großer

Zerstreuung

ergebenst

Weimar d. 13. Febr. 1816.

Goethe.


26/7307.

An Franz Kirms

Man fordert von Wolffs zwey Kleider, man giebt die Umstände an unter welchen Madam Wolff solche erhalten habe.

Wolff behauptet: daß sie von dem Theater keines mehr in Händen habe. Diesen entschiedenen Widerspruch aufzuklären, thue folgende Fragen:

1) Hat Madam Wolff bezeichnete Kleider aus den Händen Großherzoglicher Theater-Commission erhalten?

2) Wenn sie dieses läugnet, wie kann man es ihr beweisen?

3) Hat man es ihr ohne Quittung abgegeben, so sieht es gar wie ein Geschenk aus.

4) Hat sie aber solche von der Großfürstin unmittelbar erhalten, so haben wir gar keine Ansprüche darauf.

Weimar, den 13. Februar 1816.

G.


[265] 26/7308.

An Pius Alexander Wolff

[14. Februar 1816?]

Von Kleidern, welche Madam Wolff unmittelbar von Ihrer Kaiserlichen Hoheit erhalten, ist nicht die Rede, sondern von 2 reichen Kleidern, welche J. K. H. an Großherzogliche Commission gegeben, und welche Madam Wolff, Eines von ihrer Reise nach Leipzig und Berlin, das andere zur Zenobia auf dem Hof-Amte aus den Händen des Herrn Geheimen Hofrath Kirms selbst erhalten.


26/7309.

An den Großherzog Carl August

Aus Inliegendem ist zu ersehen, wie ich versucht die bewußte unangenehme Sache aufzuklären. Möge sie dadurch ihrer Erledigung näher kommen!

Weimar, den 16. Februar 1816.

G.


26/7310.

An die Hoftheater-Commission

Einer Groß-Herzoglichen Theater-Commission ist gewiß noch erinnerlich, daß, eh unser Theater auf dem hohen Grade der Bildung stand wie gegenwärtig, Schauspieler sich manchmal erdreisteten über aufzuführende oder aufgeführte Stücke mißbilligend zu sprechen und dadurch die wohlgesinnten Glieder der[266] Gesellschaft, ja das Publicum irre zu machen. Durch diensame Bemerkung ward endlich dieses Übel völlig getilgt, so daß mir wenigstens keine Spur mehr davon vorgekommen ist.

Nun aber scheint sich diese Roheit im Orchester einzufinden, indem ich, von vielen Seiten, hören muß, daß Glieder der Capelle, im höchsten Grad der Unverschämtheit, gegen des Epimenides Erwachen und dessen Musik leidenschaftlich auftreten, so daß man nicht weiß, ob man über Gemeinheit oder Dünkel sich mehr verwundern solle. Läßt man ein solches Verfahren ungeahndet, so hängt es in der Zukunft von solchen sinnlosen Menschen ab, ein, mit so vielem Bedacht, Sorgfalt, Mühe und Kosten zu Stande gebrauchtes Werk zu verschreyen und dessen Wiederholung zu verhindern.

Die Sache betrifft mich so nah, daß ich Großherzoglicher Commission die Maaßregeln deshalb völlig überlassen muß, nur das erkläre ich, daß keine auf meinen Text neucomponirte Oper hier am Orte jemals aufgeführt werden kann, damit mir dieser schöne und wichtige Theil unserer theatralischen Darstellungen nicht noch mehr Verdruß errege, als bisher schon geschehen ist.

Großherzoglicher Commission, wie obgedacht, die deshalb räthlichen Verfügungen nach Überzeugung, auch ohne meine Concurrenz, zu geneigter Ausfertigung überlassend.

Weimar den 18. Febr. 1816.

Goethe.


[267] 26/7311.

An Sulpiz Boisserée

Briefe, Nachrichten und nun auch die Domrisse alles ist in gehöriger Folge und glücklich angekommen, alles sind erwünschte Ereignisse, welche Gutes bringen und versprechen. Den Heidelbergern Glück zu den Manuscripten: wer hätte solche Zeiten erwarten sollen, daß die auf dem vaticanischen Gletscher zusammengefrorenen Eisschollen wieder würden rheinabwärs treiben.

Eulen mag ich nicht nach Athen tragen, deswegen ich zum voraus billige, was Sie zu Ihrem eignen Besten thun. Dagegen kann ich nicht läugnen, daß ich nicht recht einsehe wie man Sie, gleichsam interimistisch, mit aller Ihrer Habe nach Berlin einladen kann. Als wenn ein Mädchen, das uns provisorisch eine Liebschaft anträgt, uns zugleich ganz naiv zum Altar führte.

Hier ein Abdruck des schweren, aber wie mich dünkt wohlgerathenen Wagnisses, von Ihrer Veronica Rechenschaft zu geben. Die Platte wird sorgfältig abgedruckt, so auch der Umschlag. Das Heftchen beträgt dreyzehn Bogen. Anfang März, hoff ich, soll es erscheinen. Möge die Wirkung Ihren Wünschen und Hoffnungen gemäß werden, mich aber mögen Sie immer durch allerley tröstliche und freundliche Zureden im Glauben stärken.

[268] Auf die schönen Blätter ist schon einiges geschrieben, was für talismanisch gelten mag, dagegen anderes, was sich zu den Abraxas hinneigt. Musterstücke, die ich nächstens sende, werden Zeugniß geben.

Die Domrisse sollen, sobald sie von hiesigen Freunden genugsam beschaut worden, sogleich nach Berlin.

Zu der gelahrten Würde gratulire schönstens, es ist die erste Stufe zu höherer Glanzvollkommenheit.

Soviel für dießmal mit den besten Wünschen und Grüßen

Weimar d. 21. Febr. 1816.

G.


26/7312.

An Christian Gottlob Voigt

Heideloff wird sich mit einem wieder auferstandenen Heiligen melden, welchen anzuschauen bitte. Hiezu gehört noch eine fromme Dame, welche gleichfalls fertig ist und so ist auch der Grund, worauf sie zu stehen kommen, die eine Flügelthüre nämlich, restaurirt und in Ordnung. Mit Ew. Excellenz Genehmigung könnten die fertigen Stücke nach und nach auf die Bibliothek geschafft, dort verwahrt und, bis alles beysammen, die Restaurationskosten einstweilen aus der Bibliothekscasse bezahlt werden. Wenn nach meinen Wunsche diese schätzbaren Dinge einst auf die Wartburg kommen, so ersetzt uns die Eisenachsche Cammer wohl die Auslagen.

gehorsamst

d. 21. Febr. 1816.

Goethe.


[269] 26/7313.

An die Großherzogin Maria Paulowna

[Concept.]

Ew. Kaiserl. Hoheit gnädigstes Schreiben hat mich sehr glücklich gemacht, indem ich daraus ersehe, daß Höchstdieselben meiner noch immer mit Gunst gedenken und dem guten Willen einigen Werth beylegen, welcher freylich bisher alles ist was ich in Ihro Angelegenheiten habe darlegen können.

Auch gegenwärtig waltet ein böses Geschick, daß ich nicht so schnell als ich wohl wünsche Ihro Hoheit neue Befehle vollziehen und die angeordneten Risse beschleunigen kann. Der Oberbaudirector Coudray nämlich ist nach einem kurzen hiesigen Aufenthalte wieder nach Fulda zurück um seine häuslichen Angelegenheiten in Ordnung zu bringen und dürfte vor Ostern schwerlich zurückkehren. Ich werde jedoch nicht ermangeln ihn gleich bey seiner Ankunft auf dieses wichtige Geschäft aufmerksam zu machen und mich zu demselben durch das mir gnädigst anvertraute Blatt gehörig legitimiren, auch von allem dem was mir sonst von Ew. Hoheit Willen und Absichten bekannt geworden, zweckdienlichen Gebrauch machen. Möge doch alles zusammenstimmen um Ew. Hoheit bey Ihro Rückkunft den Aufenthalt an einem Orte zu verschönern, wo Höchstdieselben so viele glücklich machen, besonders aber den, der sich mit unbegränzter lebenswieriger [270] Verehrung dem Höchsten Paare empfehlend mit aufrichtigster Anhänglichkeit unterzeichnet.

Weimar d. 23. Febr. 1816.


26/7314.

An Traugott Maximilian Eberwein

Nach dem Wenigen, was Sie mir, mein werthester Herr Concertmeister, bey unserer Unterredung mitgetheilt, wie Sie bey Composition der Claudine zu Werke gegangen, mußte mir der Wunsch entstehen mit Ihnen und Ihrer Arbeit näher bekannt zu werden.

Leider hat sich indessen der Fall ereignet, daß bey der Aufführung des Epimenides durch ungeschickte Urtheile und mißwollendes Betragen soviel Verdrießlichkeit entstanden, daß ich ein Gelübde gethan, keine neue Composition auf einen meiner Texte hier sobald aufführen zu lassen, damit nicht etwa abermals die Gastfreundschaft gegen einen fremden Componisten, so wie der mir schuldige Respect verletzt werde. Es thut mir sehr leid, daß ich durch diesen Umstand verhindert bin, durch Theilnahme an Ihrer Arbeit meinen guten Willen so wie die günstige Meinung zu bethätigen, die ich von Ihren Talenten hege.

Mich mit vorzüglicher Hochachtung unterzeichnend

Weimar, den 24. Febr. 1816.

Goethe.


[271] 26/7315.

An Christian Gottlob Voigt

Beyligender Zeddel von Dupont enthält die Arbeiten und Reparaturen an dem großen Schnitzbilde und dessen Flügelschränke, des kleineren Bildes. Übrigens ist also noch zurück die Arbeit an dem Mittelbilde erstgenannter Flügelschränke, ferner das Fußgesims dazu.

Die Ansätze sind sehr billig und Ew. Excellenz werden lächeln über den Werth der einzelnen Reliquien.

W. d. 24. Febr. 16.


26/7316.

An Johann Friedrich Cotta

Weimar d. 26. Febr. 1816.

Da ich noch keine Nachricht erhalten, ob das unter'm 8. Januar von hier abgegangene Packet, den 6. Band meiner Werke und einiges für den Damencalender enthaltend, bey Ihnen angekommen, so hab ich einen Laufzeddel fortgeschickt, um von dieser Ungewißheit befreyt zu werden und halte die gegenwärtige kleine Sendung nicht länger auf, wobey ich noch Folgendes bemerke:

Zu den orientalischen Gedichten lassen in Jena kleine Druckerstöckchen schneiden, welche sehr zierlich von einem dortigen Künstler gefertigt werden, wie Beylage ausweist.

[272] Einiges verfehle nicht zu melden. Schon rühren sich unberufene Rathgeber gegen unsere neue Ausgabe mit der absurden Forderung, daß sie chronologisch solle eingerichtet werden. Wenn Ew. Wohlgeb. auch etwas dergleichen in einem öffentlichen Blatte vorkommt, so haben Sie die Güte, in den Blättern, die von Ihnen abhängen, nichts darüber sagen zu lassen. Ich meditire einen kleinen Aufsatz, worin ich heiter und faßlich dieser Störung begegne.

Auch stehe hier ein Auszug eines Briefes aus Berlin, in welchem man mir meldet, daß die Königlichen Prinzen den Entschluß gefaßt haben, den Faust unter sich aufzuführen und darzustellen in seiner ganzen Ausdehnung. Hierauf schreibt der Freund:

»Bey dieser Gelegenheit will ich doch erinnern, daß der Wiener Nachdruck Ihrer Werke, wegen Mangels, hier anfängt um sich zu greifen. Die Buchhändler verkaufen ihn meines Wissens zwar nicht, aber Bücherjuden und Trödler verbreiten ihn. Der Verleger wird also wohl thun, die neue Ausgabe zu beschleunigen, wenn er nicht Schaden leiden will. Auch die intendirte Aufführung des Faust trägt dazu bey: denn jeder sucht seinen Faust entweder hervor, oder kauft den ersten der ihm angeboten wird. Nach einem mäßigen Überschlag den ich soeben mache, kann der Schaden, den blos diese Gelegenheit hervorbringt, in 500 Exemplaren bestehen.«

Aus der Stelle eines andern Briefs nehm ich die Vermuthung daß die Speculanten den Nachdruck in Masse haben kommen lassen, um die verschiedenen[273] Stücke, je nachdem Nachfrage entsteht, einzeln geheftet zu vertrödeln, denn so kann doch hier nur von 500 Exemplaren von Faust die Rede seyn. Hiebey gewinnen sie an einem einzigen Stück soviel, daß sie die übrigen um ein Spottgeld haufiren tragen und so das Ganze los werden. Auch hievon bitte in Ihren Tagesblättern nichts zu melden.

Für das Morgenblatt sende hiebey erstlich eine Anzeige des Heftes über Kunst und Alterthum, dessen Abdruck ich zu befördern bitte, sodann einen etwas verspäteten Nachtrag zu der Anzeige des Festspiels zu Ifflands Andenken, der jedoch auch gegenwärtig nicht ohne Interesse ist, ferner den Epilog zu Schillers Glocke, der um zwey neuer Stanzen willen wohl abermals die Aufmerksamkeit des Publicums verdienen wird. Soviel für dießmal. Mit den besten Wünschen

Goethe.


26/7317.

An Carl Friedrich von Reinhard

Ihr theures Schreiben, mein verehrter Freund, hat mich an die vielen Tage und Stunden erinnert des vorigen Jahres, wo ich, theils für mich im Stillen, theils mit Freunden durch Localitäten und hundert Reminiscenzen veranlaßt, an Sie in Liebe gedacht und Sie in unsere Mitte gewünscht habe. Beyliegendes Bild zeigt Ihnen den Ort wo ich mit Boisserée einige [274] Zeit gewohnt und über Ihre Schicksale noch manches Besorgniß gehegt habe. Und so wollen wir uns denn vor allen Dingen Glück wünschen, daß Sie den seltsam wildesten Schicksalen entgangen, sich in der Nähe des friedlichen Orts befinden, wo ich so gern gewohnt.

Die jungen Freunde, die Sie mir früher zugewiesen, verdienen immerfort alles Lob, sie sind sich an Thätigkeit, Kunstliebe und klugem Betragen immer gleich geblieben, so daß man mit Vergnügen mitarbeitet um ihre Unternehmungen zu fördern. Sie stehen jetzt auf einem wunderbaren Puncte, wo man in sie bringt sich wegen der Zukunft zu entscheiden. Die Lage ist Ihnen, verehrter Freund, gewiß nicht unbekannt, vermuthlich wird man Zeit zu gewinnen suchen und dieß ist hier das Beste wo nicht das Einzige was man thun kann.

Der Ihrige

Weimar den 26. Febr. 1816.

Goethe.


Ich eilte zu schließen damit ein an Dr. Ehrmann abgehendes Packet auch das für Sie bestimmte Blättchen mitnähme, haben Sie die Güte bey'm Anschaun desselben meiner stets in Freundschaft zu gedenken. Bald hoffe ich mehr zu schicken und zu sagen.


[275] 26/7318.

An Charlotte von Stein

[Weimar, 26. Februar 1816.]

Unser gestriges Gespräch brachte mir das Verlangen der Gräfin Reden in's Gedächtniß. Hier ist ihr Brief und die Aufgabe. Vielleicht möchte unsre liebe Schardt eine Übersetzung versuchen, damit ich einen Zeugen der Schwierigkeit hätte. Auf alle Fälle aber würde jener Wunsch so gefördert werden daß wir darauf, wenigstens vorläufig, einiges erwiedern könnten.

G.


26/7319.

An Christian Gottlob Voigt

Die mir gefällig mitgetheilten Acten habe mit Aufmerksamkeit und Antheil gelesen, wovon Ew. Excellenz gewiß überzeugt sind, da ich den vorzüglichen Mann, von dem die Rede ist, von seiner ersten Ankunft an genau kenne, und ihm von der Weltseele bis zu den Kabiren getreulich gefolgt bin, auch ihm gar manches, was ich mir zueignen konnte, verdanke. Seine Persönlichkeit, Wesen, Eigenthümlichkeit, Charakter, Gesinnungen durchaus zu kennen, will ich mir nicht anmaßen, um so weniger, als ich bis auf die letzten Tage mit ihm in den besten Verhältnissen gestanden habe und stehe. Er hat mit immer die beste Seite gezeigt.

[276] Wie aber vor einiger Zeit die Rede davon war diesen bedeutenden Mann nach Jena zu versetzen, so dachte ich bey mit im Stillen darüber nach und hielt es für einen sehr bedenklichen Schritt. Gewohnt aber mich in meine engen Kreise zu schließen, äußerte ich gegen niemanden, auch nicht gegen Ew. Excellenz, wie Dieselben mir bezeugen können, das Mindeste.

Jetzt aber seh ich aus den mir geneigt mitgetheilten Papieren, wie die Angelegenheit stehe und wie weit sie gediehen sey. Ich erfahre, daß zwey entgegengesetzte Meinungen, die eine gegen, die andere für die Anstellung, obwalten, deren Gründe ich mir beyderseits deutlich zu machen suchte.

Diese Gründe, wie sie vorliegen, gegen einander abzuwägen, möchte ich mich nicht vermessen. Gewohnt an mich selbst zu denken und mich zu prüfen, fühle ich mich von den Banden höheren Alters befangen. Denn nicht allein körperliche Kühnheit will dem Alter selten geziemen, auch geistige Kühnheit steht ihm nicht wohl. Wenn der Jüngere fehlt, so verbindet er sich deshalb zu büßen und, wenn er tüchtig ist, den Fehler wieder gut zu machen; der Ältere fürchtet die Folge seines Irrthums seinen Nachfolgern zu überliefern, deren Vorwürfe er sich, als ein lang Erfahrner, schon selbst articuliren kann.

Verzeihung deshalb, wenn ich, käme mir eine Stimme zu, auf die verneinende Seite träte. Hier sind die Gründe aus der Gegenwart, dem Zustand, [277] der Erfahrung, der Beschränkung genommen, welche doch jederzeit dem Geschäftsmann höchst ehrwürdig seyn sollten, und so sind sie mir aus dem Verstande geschrieben, ebenso wie die der bejahenden Seite aus dem Herzen: denn wir alle hoffen und wünschen ja, daß es anders, besser, vorzüglicher werden solle, und warum sollten wir einen Anlaß nicht ergreifen, hiezu mitzuwirken, wenn wir zu sehen glauben, daß ein Mittel dazu dargereicht werde?

Wie sehr wünscht ich jedoch, daß man in einem so wichtigen Falle sorglich in Bedacht nähme, daß eine Idee, die wir zu realisiren gedenken, sogleich empirisch wird, daß die Akademie Jena etwas Wirkliches und der Mann den wir berufen auch ein wirklicher ist. Wer darf sagen: ich kenne ihn auf den Grad, daß ihn mit Zuverlässigkeit zu dieser hohen Stelle wählen darf; denn wie die Sache steht, so ist er ganz entschieden der Herr der Universität Jena durch die große Begünstigung an Stelle, Rang, Besoldung, Pension, Einfluß in zwey Facultäten, ja in alle. Er erhält das Recht, das große Vertrauen, das man in ihn setzt, fernerhin zu fordern, und dieses um so dringender, als man ihn aus einem Zustande herausruft, der, nach meiner Einsicht, der einzige ist, in welchem er gedeihen kann, und aus dem er nicht herausgehen sollte, wenn er sich selbst und die Welt mehr kennte.

Hätte er mich, als alter Freund, in diesem Falle gefragt, ich würde geantwortet haben: hast du von [278] unserm alten Herrn und Meister Benedict Spinoza nicht soviel gelernt, daß wir unseres Gleichen blos in Stillen gedeihen? Hätte der Kurfürst von der Platz diesem klugen Juden auch völlige Lehrfreiheit in Heidelberg zugesagt, so hätte der Verfasser des Tractatus theologico-politicus geantwortet: Ew. Durchlaucht, das können Sie nicht, denn Lehrfreiheit gegen das Bestehende kann nur dazu führen, daß ich entweder ihren sanctionirten Zustand umwerfe, oder daß ich daraus mit Schimpf und Schande vertrieben werde.

Zöge man Benedicten bey uns zu Rath und legte ihm die Arten vor, so würde er uns das Beyspiel von Fichten anführen, den wir mit ähnlicher Kühnheit, als jetzt obwaltet, eingesetzt, doch zuletzt nicht halten konnten.

Wenn ich auch ohne mein redliches Votum durch besondere Gründe zu motiviren, mich auf die verneinende Seite, blos als stimmgebend, insofern es mir zukäme, gewissenhaft zu werden fortfahre, so sey es mir erlaubt zu sagen, daß diese Kühnheit, wenn man es so nennen will, auf einer vierzigjährigen Praxis ruht und auf einer bis auf die letzten Zeiten fortgesetzten Beobachtung literarisch-moralisch-politischer Zustände. Wollte man die Akademie Jena wahrhaft neu fundiren, so müßte es nicht auf die früher von uns schon einmal versuchte Weise geschehen, sie auf revolutionäre Wege zu stoßen, sondern sie auf die reine Höhe der Kunst und Wissenschaft, auf welche gewiß[279] Europa jetzt gelangt ist, zu stellen, zu erhalten und zu sanctioniren.

Um aber zu dem Gesagten mich noch einigermaßen näher zu legitimiren, bemerke ich nur Folgendes (denn gar manches, was mir bekannt ist, gehört nicht zu den Acten und sind Geheimnisse, die der Einzelne wohl zu verwahren hat, zu eigenem Gebrauch und Berathung).

Also nur einige Fragen: Weiß man denn ob er katholisch ist? Wäre er es und erkläre er es nach eingegangener Verständigung seiner Annahme, könnte man zurücktreten und könnte man einem katholisirenden Philosophen über Religion zu dogmatisiren erlauben? Hätte er seine Stelle angetreten, selbst jetzt noch Protestant und er ging zur katholischen Consession über, was könnte man dann thun, und wenn er, wie alsdann vorauszusehen wäre, Profelyten machte, würde man ihn, wie Kaiser Alexander die Jesuiten, in einer Nacht vertreiben können?

Das alles halte ich vor meine Schuldigkeit auszusprechen, da unter den Vorwürfen, die ich mir mache, die heißesten sind, daß ich zur rechten Zeit nicht ausgesprochen, was ich wußte, und was für Unheil ich voraussah. Nicht alles Übel erfolgt, was man oft hypochondrisch vorzusehen glaubt; ich kenne aber noch ein hübsches Nest von Unheil, das bey dieser Gelegenheit flick werden wird.

Es fällt mir unmöglich, bey so prägnanten Fällen, die nur einzeln zu mir gelangen, das gehörige Maaß[280] zu treffen; mögen Ew. Excellenz von Vorstehendem einsichtigen Gebrauch machen, ohne vielleicht die Blätter mitzutheilen. Sie werden mir gewiß persönlich verzeihen, wenn es mir komisch vorkommt, wenn wir zur dritten Säcularfeyer unseres protestantisch wahrhaft großen Gewinnes das alte überwundene Zeug nun wieder unter einer erneuten mystisch-pantheistischen, abstrus-philosophischen, obgleich im Stillen keineswegs zu verachtenden Form wieder eingeführt sehen sollten.

Weimar den 27. Febr. 1816.

G.


26/7320.

An Friedrich Wilhelm Riemer

[Februar 1816?]

Mögen Sie beykommendes gelegentlich lesen und mit mir besprechen; so können wir es wenn das 1te Heft von K. u. A. gedruckt ist hinübersenden.

G.


26/7321.

An Christian Gottlob Voigt

Ew. Excellenz

erhalten anbey:

1) Einen mit Serenissimo besprochenen Aufsatz an Denon. Sie ließen ihn ja wohl gefälligst durch einen Canzley-Verwandten in's Französische übersetzen, da ich ihn alsdann noch einmal zu sehen wünschte. Ferner sind Serenissimus geneigt, ein Briefchen zu [281] unterschreiben, welches an gedachten Kunstvermittler mit einigem Dank gerichtet wäre.

2) Einen Erlaß an Dr. Schnauß, wegen Nagotiation mit Kirsten, in mundo.

3) Concept und Mundum eines Erlasses an Architekt Steiner. Ich habe die Sache an Ort und Stelle überlegt, es ist so vollkommen räthlich und thulich, aber wir müssen es aussprechen, denn das Jagemannische Gesinde greift schon dergestalt um sich, daß die den für den Diener nothwendig zu reservirenden Raum schon mit alten Gerümpel willkürlich und eigenmächtig angefüllt haben.

Manches andere verspare bis zu nächster Sendung.

Weimar d. 1. März 1816.

Goethe.


26/7322.

An Constanze von Fritsch

Für die schöne und umständliche Beschreibung des orientalischen Einzugs bin zum allerbesten dankbar, obgleich dadurch, wenn ich Ihnen, theuerste Freundin, schon alles Gute gönne, eine Art Neid rege geworden: denn da ich eben im Orient mich gedankenweis herumtreibe, so kann ich eine Anschauung, wie die, deren Sie genossen, nicht entbehren. Was will man aber machen, muß ich Ihnen doch die perspectivischen Straßen gönnen, indessen ich, dem Koppenfelsischen Scheungiebel gegenüber, eines sehr beschränkten Horizonts genieße.

[282] So habe ich denn auch wenig von mir zu erzählen.

Diesen Winter blieb ich meist zu Hause und hätten nicht verschiedene theatralische Übungen mich aus meinem Winkel genöthigt, die Besuche einiger Fremden meine Einsamkeit belebt; so hätte ich für einen indischen Büßenden gar wohl gelten können. Das Frühjahr soll desto willkommener seyn, wenn es unsere Gönner, Freunde und Lieben vom Norden wohlbehalten zurückbringt. Mittlerweile werden die Pensées wieder blühen und alles in gebührender, hergebrachter Ordnung löblich erfolgen.

Der Verlust unserer theueren Prinzeß Caroline, hat uns, obgleich befürchtet, in Leid und Trauer versetzt. Da kann man sich denn nichts Anders sagen, als, daß lange leben soviel heiße als viele überleben. Mögen die Guten und Werthen die uns übrig bleiben gesund und froh lange dauern.

Gelänge es Ihnen, meine schöne Freundin, dem vortrefflichen persischen Botschafter einige Blätter schöner orientalischer Handschriften zu entwenden, so würden Sie mir damit viel Freude machen. So eben verehrt mir Major von Beulwitz die Trümmer eines köstlichen geschriebenen Korans, der sich wahrscheinlich seit Vertreibung der Mauren noch in Spanien verhalten hat, in dem letzten Kriege aber blätterweis in alle Welt zersteut worden.

Sonst bewahren wir auch noch mancherley Artiges, was Sie mehr angeht als die Orakel des Mahomets,[283] womit wir Sie bey Ihrer Rückkunft zu unterhalten und zu begrüßen hoffen.

Leben Sie recht wohl und lassen Sie mich zu Gnaden und Wohlwollen empfohlen seyn.

Der Ihrige

Weimar den 2. März 1816.

Goethe.


26/7323.

An Johann Georg Lenz

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey einige Mineralien, welche zu benennen und, insofern es möglich wäre, die Gegend anzuzeigen bitte, woher dieselben allenfalls seyn könnten und wenn auch nur die Formationsepoche, in welcher diese und ähnliche Mineralien entstanden, bezeichnet wäre.

Die Elegie auf den Tod der Prinzeß bliebe ungedruckt.

Mit den besten Wünschen und in der Hoffnung Sie bald zu besuchen

Weimar d. 2. März 1816.

Goethe.


26/7324.

An Luise Seidler

Mögen Sie mir doch, schöne Freundin, das Maaß der Leinwand schicken, die Sie zu dem versprochenen Bilde anwenden können. Der hübsche Heilige wird[284] wahrscheinlich bald seine Aufwartung machen und sich Ihren liebenswürdigen Händen anvertrauen.

Die schönsten Empfehlungen in der Nachbarschaft.

Weimar d. 2. März 1816.

G.


26/7325.

An Sulpiz Boisserée

Weimar, 5. März 1816.

Schon vor einiger Zeit ist ein Packet an Sie unter Dr. Ehrmanns Addresse nach Frankfurt abgegangen, dem ich Gegenwärtiges nachsende. Die gedruckten Blätter bezeugen daß das Heftlein zum Buchbinder ist, nachdem es länger als billig unterwegs aufgehalten worden. Demohngeachtet ist mir der Abschluß ein Wunder, bedenkend, was alles dazwischen trat. Nur noch ein wenig Geduld und es soll persönlich aufwarten.

Die Blätter der köstlichen Mappe enthalten schon mancherley Talismane, aber auch Abraxas, wie Beylage bezeugt.

Soviel für dießmal, mit dem Heftlein schreib ich mehr.

Die Domrissen sind nach Berlin abgegangen. Was ich über die Negotiation denke, wodurch man Sie nach Norden ziehen will, wissen Sie selbst. Wer unter dem 50. Grade leben kann, verläßt seine Stelle nur leichtsinnig oder aus Noth. Ich wünsche, daß [285] Sie mir einen der Umrisse der Veronica aufziehen und nach dem Gemälde coloriren, auch da, wo es nöthig wäre, verbessern lassen. Ich würde, wenn das Publicum versorgt ist, die Platte sorgfältig revidiren und dergestalt wieder herstellen lassen, daß Abdrücke davon immer ein angenehmes Geschenk wären. Wie leicht könnte man einen Theil coloriren lassen und so wäre es noch artiger.

Auch müssen wir nun, nach Austheilung des 1. Hefts, hören und horchen, denken und bedenken, damit das 2. erst recht wirksam werde. Leben Sie recht wohl, grüßen Sie alles, und schreiben mir bald.

G.


26/7326.

An Luise Seidler

Die Breite der überschickten Leinwand würde hinreichend seyn, zur Länge oder Höhe aber brauchen wir acht Fuß; haben Sie die Güte, selbige baldigst kommen zu lassen; der Heilige ist im Begriff aufzubrechen und läßt sich nicht lange mehr halten. Als Pilger steigt er schon die letzte Stufe seines Palastes herunter. Möge er Sie, meine Theuerste, wenn er ankommt, recht munter und freundlich treffen und mit gesundem Blick von Ihnen begrüßt werden.

Weimar d. 9. März 1816.

Goethe.


[286] 26/7327.

An Johann Wolfgang Döbereiner

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey einige von Serenissimo aufgesetzte Fragen in Original und Abschrift zu gefälliger baldigen Beantwortung;

2) kommt das Schweiggersche Journal zurück;

3) die Namen der auf dem Titelblatte gedachten Chemiker mit einigen literarischen Notizen, mit dem Ersuchen, solche zu vermehren und zu vervollständigen, sodann

4) wird die gute Nachricht schon zu Ihnen gekommen seyn, daß Serenissimus den Kauf des Hellfeldischen Hauses genehmigt haben. Die Absicht ist, Ew. Wohlgeboren und dem Mechanicus Körner darin Quartiren zu geben und in denen anstoßenden schönen freyen Gartenräumen, was sich auf Chemie und chemische Vorbereitung zu mechanischen Arbeiten bezieht, durch zweckliche Baulichkeiten zu begünstigen. Haben Sie die Gefälligkeit das alles auf's genaueste zu überlegen. Wenn ich nicht selbst komme, so wird mein Sohn zu Ende der Woche erscheinen. Es soll mich sehr freuen, wenn wir eine Anstalt gründen können, welche die Zwecke unseres gnädigsten Fürsten erfüllen, der Wissenschaft nützen und Ew. Wohlgeboren Wünschen gemäß seyn kann.

Weimar den 10. März 1816.

Goethe.


[287] Gegenüberstehende Fragen haben Serenissimus aufgesetzt, wie ich denn das Originalblättchen hier beyfüge. Herr Bergrath Döbereiner wird ersucht, baldigst darüber Aufschluß zu geben.

Weimar den 10. März 1816.

G.


26/7328.

An Johann Friedrich Cotta

Indem Ew. Wohlgeboren vermelde, daß heute der 7. und 8. Band meiner Werke mit der fahrenden Post abgeht, wodurch also die 2. Sendung geschlossen ist; schicke zugleich einiges für's Morgenblatt und ersuche den Herrn Redacteur nach der Weise, wie ich angezeigt, gefällig zu verfahren. Für den Damencalender werde passionirte, zärtliche und anmuthige Glieder des Divans aussuchen. Gefällige baldige Nachricht der Ankunft des Packets mir erbittend

Weimar d. 11. März 1816.

Goethe.


26/7329.

An Carl Friedrich Zelter

Du hast wohl recht, mein würdigster Freund, daß es eigentlich keine ununterbrochene Correspondenz giebt, wenn man nicht klatscht, und da das unser Fall nicht ist, so möchte es wohl natürlich seyn, wenn wir eine ganze Weile nichts von einander hören. Die Resultate sind denn auch hinterdrein wieder so bedenklich, daß man sie kaum auszusprechen wagt, da man den [288] Conclusionen ohne Prämissen sehr selten Beyfall versprechen darf.

Die Gegenwart der Herrn Schadow und Weber hat mich mit Berlin in nähern Rapport gesetzt, denn durch persönliche Mittheilung und freundliches Gespräch kann uns auch ein entfernter Zustand näher gebracht werden. Tausendmal hab ich deiner gedacht, wie du in einem solchen Meere auch persönlich schiffest, schwimmest, badest und watest.

Das Heftlein vom Rhein und Mayn, Kunst und Alterthum wird nun auch bald zu euch gelangen. Ich habe bey'm dreyzehnten Bogen abgebrochen, wie Scheherazade. Wenn ich die Bedeutung solcher Blätter früher erkannt hätte; so würde ich das ganze Geschäftlein abgelehnt haben, auch bin ich nur nach und nach hinein verführt worden und so mag es denn auch dahin fließen. Dagegen muß ich dankbar erkennen, daß ich ohne diese dringende Nöthigung niemals weder dem wichtigen Punct der Kunsterhaltung durch die barbarische Zeit hindurch, noch auch den Eigenthümlichkeiten nationeller und provinzieller Wiederherstellung Aufmerksamkeit hätte schenken können. Es ist da viel Zeug unserer geläuterten Sinnlichkeit zuwider, das man nur durch den Begriff zu etwas machen kann, denn das Absurde freut uns auch wenn wir uns darüber aufklären.

Der Divan ist angewachsen und stark. Die Dichtart, die ich ohne weitere Reflexion ergriffen und geübt [289] habe, hat das Eigene, daß sie sonst, wie das Sonett dem Gesang widersteht; auch ist es merkwürdig genug, daß die Orientalen ihre Lieder durch Schreiben, nicht durch Singen verherrlichen. Indessen ist es eine Dichtart, die meinem Alter zusagt, meiner Denkweise, Erfahrung und Umsicht, wobey sie erlaubt, in Liebesangelegenheiten so albern zu seyn, als nur immer die Jugend.

Hierbey ein allenfalls singbares Lied.- – Mit dem besten Lebewohl!

Weimar d. 11. März 1816.

G.


26/7330.

An Christoph Ludwig Friedrich Schultz

Der Antheil, welchen Ew. Wohlgeb. an chromatischen Untersuchungen mit solcher Eigenthümlichkeit und liebevoller Schärfe und Genauigkeit genommen haben, ist mir diese ganze Zeit her nicht aus den Sinn gekommen; denn ich hätte nichts mehr wünschen können, als Sie auf diesen Wegen fortschreiten zu sehen.

Da die Sprache das Organ gewesen, wodurch ich mich während meines Lebens am meisten und liebsten den Mitlebenden mittheilte; so mußte ich darüber, besonders in späteren Zeiten, reflectiren und hierbey hat mir's niemals an trefflichen Freunden gefehlt, die, zu Forschern in diesem Fache berufen, großen und anhaltenden Fleiß darauf verwendeten.

[290] Wenn ich nun gleich nach meiner eingebornen Art und Unart auf Correctheit und Reinlichkeit niemals genugsamen Fleiß zu wenden im Stande war; so habe ich doch auf's deutliche begreifen lernen, daß die Sprache nur ein Surrogat ist, wir mögen nun das was uns innerlich beschäftigt oder das was uns von außen anregt ausdrücken wollen.

Auf meinem Wege bin ich diese Unzulänglichkeit der Sprache nur allzu oft gewahr worden und habe mich dadurch abhalten lassen, das zu sagen was ich hät