Zwölfter Auftritt.

[48] Fikfak. Greif in der Bude.


FIKFAK. Zu wirthschaften? Ja, wie bisher. Eine schöne Wirthschaft! – Was kümmert's mich? Ich schmiede das Eisen, weil's glüht. Aber – aber der Krug geht zu Wasser, bis er bricht. – Immerhin. Bricht er, so bricht er. Ein Soldat muß sich in alles finden. In der Garnison ist's auch fein. Da sitzen wir auf den Wällen und schmauchen, und singen Gassenhauer. Will trällernd ab.

GREIF nachdem er vergebens durch allerley Geräusch sich bemerken zu machen gesuchthat, ruft nach. Um Vergebung, Herr Fikfak. Auf ein Wort!

FIKFAK sich umdrehend. Bonus dies, Herr Greif.

GREIF. Um Vergebung. Haben Sie die französischen Deserteurs schon gesehen, die sich auf dem Jahrmarkt aufhalten sollen?

FIKFAK. Deserteurs? Französische? Das ist mir lieb zu hören.[48]

GREIF. Es geht auch ein Tyroler mit wollenen Decken herum, der sein gestrichenes Maaß haben mag.

FIKFAK. Danke für die Nachricht, Herr Greif.

GREIF. Das Leipziger Lenchen ist auch hier.

FIKFAK. Immer besser! Danke! danke! Will fort.

GREIF ihm stärker nachrufend. Schon gehen? so rund vorbey? Einen alten Kunden mit Verachtung strafen?

FIKFAK. Ein andermal. Ich bin eilig. Trällert wieder im Abgehen, steht still. Halt! war das nicht die Melodie vom Rekrutenliede? – Das könnt' ich just brauchen, um meinen Mann fidel zu machen – Wie geht's doch? Trällert. Falsch! – Ey, es fällt mir wohl im Gehen ein. Will ab kömmt wieder. Ich hab's, ich hab's.


Auf ewig, o Kriegsgott, ergeb' ich mich dir.

Hier bin ich! O, mach' einen Helden aus mir![49]

Was heißen Gefahren, Strapazen und Müh?

Mit Ehr' und Vergnügen belohnest du sie.

Wie will ich in meiner Montirung mich blähn!

Will stolz um mich her, wie ein Junkerchen, sehn,

Wenn Bürger und Bauer vor mir sich nun bückt,

Und jegliches Mädchen mir freundlicher nickt.

Der Bürger und Bauer lebt immer so so,

Wird alt, und dabey seines Lebens nicht froh.

Ich lobe mir kurz, aber lustig gelebt,

Und sorge nicht, wann und wo man mich begräbt.


Geht ab;Greif hat sich indessen verdrüßlich wieder in seine Bude zurückgezogen.


Ende des ersten Aufzugs.
[50]

Quelle:
Georg Anton Benda: Der Dorfjahrmarkt. Leipzig 1778, S. 48-51.
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