5. Heinrich von Zütphen
(1524. Dez. 11.)

[191] De Wächter reep. Ganz Möldorp slöppt, de Ręgen pallscht in Ström'.

Vunt Kloster glinstert noch en Licht gęl dœr de Ipernböm.


Ant Finster treckt der Schatten lank, un Stimm' un Schritt ward lud:

De Dœr störtt op – in bloten Kopp en Mann inn Ręgen rut.


Se hebbt em knęwelt as en Oss, he geit op blote Föt;

En Tropp vun Minschen folgt em na in Mantels, Röck un Höd.[192]


Se treckt em langs den Klosterhof un langs de düstre Strat,

De Wächter steit vœr Schrecken still, as se vœrœwergat.


Sin Hornlüch gev en bleken Schin den Minschen int Gesich;

De Wächter stunn un nül de Kopp un stœhn: Herr Heinerich!


De gung so still in Düstern fort, un weer so bleek un natt;

Stumm folg de ganze Minschentropp un stött em dœr de Stadt.


En Ketzer finnt keen Nad un Hölp! se stöt em ut den Ort,

Un denn mit Larm un mit Getös' den Weg na Heide fort.


Se stöt em langs de depen Węg', se slat em, wenn he fallt:

De Nordermöller hört mit Angst, wa't ut den Moorweg schallt.


Keen Hölp! se jagt em dœr de Nacht, inn Ręgen dat dat strömt:

In Möldorp slöppt doch menni Hart, dat vun Herr Heinri drömt.


In Möldorp wakt doch menni Seel, un dankt em fromm un stumm,

Un denkt an sin gewalti Wort vunt Evangelium.


Un he mutt barfot dœr den Frost, un wenn he fallt un będ,

So flucht se em un schellt se em un stöt em vunne Stęd.


Int Swinmoor is ni Weg noch Steg, dar geit dat wild hendœr,

Bi Hemmingstęd liggt he as dot, se binnt em achtern Pęrd.


Bi Braken slępt se em vœrbi, an Hogenheid, nat Norn:

De Dag de graut, do seht se bleek den Heider Karkenthorn.


Keen Nad?! Herr Boje hett doch rędt mit all sin Macht un Kunst!

Keen Hölp! Sogar en rike Fru bo' Geld und Gold umsunst![193]


Bi düstre Nacht, as Schelm un Dev, so heeln de Bösen Rath;

As Möldorp wak de anner Dag, do weer dat All to lat! –


De Tropp heel still int Morgengrau to Süden anne Weid.

Denn brok he op to Osten um, dweer œwern Lüttjenheid.


De dar al wak, de seeg mit Schreck den Schinner op en Pęrd,

En Mann de blött un kum noch lęv fastknęwelt achtern Steert.


En Tropp in natte Mantels stött em vœrwarts, wenn he sunk:

Dar wag toletz en ole Fru, broch em sin letzten Drunk.


To Norn de Heid dar weer en Platz, dar legen Steen un Schutt,

Dar harrn se hoch ut Holt un Törf en Sünderhupen bu't.


Dar lepen Minschen bald tohop un brochen Spön un Stroh:

Gar menni meen en gude Dat, un dę sin Deel darto.


En Geestbur fahr vœrbi na Marsch, de broch sin Bündel Heid;

Herr Heinri bę: Vergęv em Gott, he weet ni, wat he deit!


Herr Heinri bę: Vergęv se Gott, se weet ni, wat se do't!

Do schin op Heid un op de Geest dat helle Morgenroth.


De Klot de qualm, de Regen ström, de Himmel weer as Für.

Herr Heinri bę in Damp un Qualm: O Herr vergib auch mir!


In Qualm un Ręgen lur dat Volk: Gott wull ni, dat dat brenn.

Do keem en Smid, un mit en Slag harr alle Qual en Enn'.


In Möldorp ween Herr Boje lud, bet Sachsen weenn se Thran,

Doch Docter Martin sä: »das Wort sie sollen lassen stan!«

Quelle:
Klaus Groth: Quickborn. Volksleben in plattdeutschen Gedichten, Berlin 1968, S. 191-194.
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