Das XXVIII. Capitel.

Von Argwohn und Einbildung.

[341] Baßianus der Keyser heirathete seine Stieffmutter die Juliam / demnach sich der schendliche Balck ihm zur Lust entblösete / und ihre nackte Haut ihn anzu reitzen sehen ließ / da bildete er ihm so balden ein / ihre Schneeweise Haut müste ihm zu Theil werden und nahm sie. M. Majus in Pad. Christi.

Anno Christi 1650. begibt es sich in Böhmen / in der Stadt Caden / den 14. May / daß ein Jüd aus Mähren bey einem andern Jüden über Nacht geblieben /sich etwas berauschet hat / der sihet vor deß Jüden Hauß etliche Christen Kiader mit einander spielen /der ergrimmet hierüber aus Neid gegen das Christenthumb / und bildete ihm ein / er könte nichts bessers stifften / als wenn er es aus dem Weg räumete / läuffet derwegen aus dem Hauß herauß / und sticht ein fünff jähriges Kind mit einem Messer in Bauch /[341] laufft also das Kind / das Messer im Leib steckent zur Mutter /die Mutter erschrickt / klagts / der Jüd wird eingefangen / hat noch die aller leichtfertigsten Wort geben /und weiln das Kind in zweyen Stunden gestorben / ist ihm die rechte Hand abgehauen / die Zung wegen Gottes lästerung ausgeschnitten und die Brüst mit glüenden Zangen abgezwicket / auch von unten auff gerädert worden. Tempora ne culpes, cum sis tibi causa doloris. R.

Cardanus gedenckt eines aus dem Aristotele so ihm eingebildet gehabt / als wenn er stets sein Bildnüß gleichsam in einem Spiegel vor sich sehen thät. Qvi facilis credit, facilis qvoqve fallitur idem. Mathesius.

Alexander ab Alexandro erwehnet von sich selbst / daß er zu Rom an einer schweren Kranckheit darnieder gelegen / da hat er stets ein Weibsbild vor seinem Bett stehen sehen. M. Stolterfoth. pag. 183.

Wenn iemand vom Geschlecht der Herren von Rosenberg verstirbt / sagen sie / daß sich ein Weib sehen lasse / mit einem grosen Böhmischen Schläyer. Schauplatz. pag. 23.

Vom Pisandro Alexandrino Historico wird gemeldet / daß er in solche einbildung gerathen / daß er sich auch für seinen eigenen Schatten gefürchtet habe / auch nicht anders gemeint / als wenn seine Seel schon aus dem Leib gefahren wär. Stolterf. pagina 183.[342]

Lambertus Rusthius so ein Phreneticus und Wahnwitziger Mensch worden / ist also durch ein Philtrum im Gehirn verwirret worden / daß er vermeinet hat /alles was auff dem Tisch lieg / Schüsseln / Teller /Löffel / Brot / das lebete / ja / als wenn es mit ihm als lebendige Creaturen geredet hätte. M. Stolterfoth. pag. 183.

Valeriola schreibt von seinem Vettern Ludovico Serrano Medico daß derselbe zu Mompelier unter Spanischen und Frantzösischen Studenten / habe beym Tag einem Fechten heygewohnet / darauff er hernach im Schlaff auffgestanden / den Degen von der Wand gerissen / die Thür in der Kammer auffgelauffen / sich rauffen und schlagen wollen / da doch niemand zu handen gewesen / so ihm hätt was thun wollen. lib. 2. Observat. D. Conr. Diet. im Traum-Discurs. pag. 24.

Ein solcher Wahnsinniger Mensch / stieg einsten im Hospital Haine in Hessenland (in der Sonnen sich was zu er lüfftigen) auff das Gewölb der Kirchen /von demselbigen Gewölb durchs Dachfenster / auff daß Dach hernach mit Schiefer gedeckt / ist endlich auff der Spitz zu höchst hinauff geklettert / sich auff das steinerne Creutz im Kirch Dach gesetzet / herab geschrien / weiln er unser Herr Gott sey / so solte man ihn anbeten / männiglich hat gedacht / er würde herunter stürtzen / und den Halß brechen / aber er ist gemachsam daß Dach wieder herab gekrochen und ohne[343] versehrung zum Dachfenster hinein geschlupffet /welches denn nur eine Phantasey und Einbildung gewesen ist. D. Horst. von noct ambulonibus. Item D. Conr. pag. 84.

Es kam auff eine Zeit ein frembder Pfarrherr in eine Kirch / da er gern gewesen wäre / fragte die Bauern /was sie vor einen Lehrer hätten und was er könte / sie sagten / es wäre gar ein frommer Mann / ja sagte der Pfarrherr / es ist noch nicht gnug / er muß auch zur Zeit der Moth von Gott können in der Hitz einen Regen erbitten / die Bauern nehmens zu Ohren /schaffen den alten ab / und nehmen diesen an / als nun eine Dürr einfällt / erinnern sie ihn seiner geschehenen Zusag / ja sagt er / last sie im Dorff alle zusammen kommen / wo ihr eines Sinnes seyd / so soll es geschehen / denn ich bin euer aller Diener / aber eines theils / wolten die Scheun zudecken / die musten schön Wetter haben / der andere sagt / die Frau hätte gewaschen / müste schön Wetter haben / war also allen nicht gelegen. Fabrorum vita o focos nugasa calentes. Strig. pag. 179. M. Julius. Math.


Bey Wolfarth und bey grossen Glück /

Folgt Fürwitz und viel böser Stück.


Es trug sich auff eine Zeit eine Mordthat zu / da wuste der Richter nicht / wie er doch den rechten Grund und dessen Thaten erforschen möcht / er nahm[344] die berüchtigten zusammen in eine Stuben / ließ dieselbigen entblösen / griff einem ieden an das Hertz /und da er merckte / bey welchen der Pulß am hefftigsten schlüg / wurde der Thäter dadurch roth gemacht /und die That bekennet. Qvom sæpe transit casus, aliqvando invenit. M. Majus. M. Julius.


Argwohn gar offte unbedacht /

Hat manchen in groß Schaden bracht.


Eines von Adels sein Weib hatte ihren Herren sehr Sorg / zur Zeit als er auff die Jagt ritte / versteckete sie sich in einen dicken Busch / wil sehen / wo er hin reite / die Jagt Hunde aber kamen über den Busch /vermeinten es wäre ein Wild / zerrissen solche als es der Mann innen wird / ersticht er sich. M. Zaderus. pag. 118.


Diem, Aqvam, Solem, Lunam, hæc argento non emo.

Cætera qvæ volumus uti, græca mercamur fide.


Es ließ Keyser Theophilus zu Constantinopel auff alle Ding so man verkaufft genau achtung geben / ist vielmals auff den Marck gangen und gefragt wie theuer man dieses oder jenes gebe / und wo er befunden /daß die Regenten nicht recht Hauß gehalten / hat er solche abgesetzt.

Keyser Valentinianus ließ zu Constantinopel auff freyen Marckt einen Scheffel von Ertz und[345] Kupffer gegossen setzen / damit die Maß nicht möchte gerinzert werden / hatt etlichen lassen die Händ abhauen /so die Maß verfälschet und kleiner gemachet hätten /auch neben dem Scheffel etliche auffhängen lassen. Malè ominanti semper est malè. Strigenitius.

Als auff eine Zeit ein Medicus einem andern Fürsten geschicket ward in seiner Schwachheit / aber nicht seiner Religion war / wolt er denselbigen nicht trauen / weiln er kurtz zuvor zu einem Mammelucken worden war / sagte / er hätte nicht Manus Christi, muste also wieder nach hauß kehren. Strig. pag. 923. Suspicionem abiicito.

In der Stadt Basel geht ein Bürger unvermeint in seines Knechts Kammer / findet allda ein baar Hosenbänder die sein sind / verargwohnete darbey den Knecht / als müsse er mit der Frauen zuhalten / als der Sontag kompt / schafft er alles zur Kirchen / biß auff das kleine Kind und Weib / nötigt hernach das Weib solches zu bekennen daß sie es gethan / erwürgt sie sambt dem Kind / macht einen Brieff / schreibt die Vrsach darein / und stürtzt sich aus einem hohen Fenster auff den Marckt / als solches sein Bruder erfehrt /wird er darüber unsinnig / daß man ihn hat an Ketten hängen müssen. Schweitzer Chronic. M. Julius.

Cajus Sulpitius schiede sich von seinem Weib /deßwegen / weiln sie mit unbedeckten Haüpt aus dem[346] Hauß gegangen war / sagte also zu ihr / das Gesetz hat dir meine Augen vorgestellet / welchem deine Gestalt gefallen sol / demselben solst du / nicht aber andern Männern gefällig zu seyn / dich befleißigen. Maxima nam morum semper patientia virtus. Faustus in anatomia stat. Dan. Flitn.

Agnes Hertzog Bertholts von Meran und Andechs Tochter so dem König Philippo in Franckreich vermählet war / ward aus verdacht ins Elend gestossen /die Schwester Gerdrut aber so dem König Andrea in Ungarn vermählet wurd aus Argwohn Ehebruchs gar gerichtet. Tu nihil in vita dices faciesvè Minerva. Faustus. pagina 327.

Diese Gerdrut verließ ein Fräulein Elisabeth so Landgraff Ludewig in Thüringen genommen und hernach canonisirt worden.

Hertzog Ludwig von Bairn ließ Anno Christi 1257. sein Gemahlin tödten / nam hernach Hertzogs von Pohlen Tochter. Chr. Luth.

Ein Hirsch fasset Keyser Basilium auff der Jagt bey seiner Gurgel / trägt ihn davon / sein Diener aber haut die Gurgel von einander / ledigt ihn / darüber läst er ihn tödten. Zonaras.

Quelle:
Hammer, Matthäus: Rosetum Historiarum. Das ist: Historischer Rosengarten [...]. Zwickau 1654, S. 341-347.
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