Achte Scene.

[49] BAUER starrt noch immer vor sich hin. Madel –

BREITE unschlüssig. Was bist'n asu biese, Vater?

BAUER regungslos.

BREITE. Wenn De asu biese bist, getrau ich mich doch nee uffa zu reda! – Was bist'n au asu biese?

BAUER. Hahaha –

BREITE. Ich sa' Dirsch ju, Vater, – was dar Junge sa'te –

BAUER. Madel! – Madel! – Ock überlä' Dirsch – und sprich wuhr.

BREITE. Ich wihl mit Schindler Josepha –

BAUER. Mit wan?

BREITE. Ich sa's ruhig noch amol, Vater! Schindler Joseph –

BAUER. Madel! Kumm amol har!

BREITE. Ich wiß ju längst, Vater, da 's eim Durfe dam nee paßt und dam nee paßt. Daß wiß ich ju, – daß sich au de Mutter ei'bildt, ich mößte wer wiß was heirata!

BAUER. Nu freilich, freilich! Werd die sichre grißta Rosin' eibilda! Nu do! hahaha –! Wu werd'n die an Menscha leida kinn', dar ihrem Muttersihnla a wing uf de Finger sitt! Nee nee, das kan ma' nee verlanga![49]

BREITE. Nu ebens, Vater, Du wißt's doch salber, daß Joseph a zuverlässiger Man is!

BAUER. Du! – Sprich nee zuviel! Breitla! Sprich nee zuviel. – Ma' kan sich täuscha. – A Pauersuhn is a fester. 's is a Arbeiter – d'r Joseph –! 's is a Leichtfuß, wenn's uf de Madel giht. 's is Mutterblut! Und wenn'r zahn Mol arbeita kan! Du sa'st zuverlässig – das is asu gesa't!

BREITE. Aber Vater –

BAUER lacht vor sich hin. Hahahaha! – Also Du willst heirata?

BREITE. Ich wihl Schindler Joseph heirata.

BAUER. Heirat Du! Immer heirat Du!

BREITE. An Man wihl ich ha'n. Die Pauerjunga mag ich eemol nee. Ich ha' bis jitze kenn' gefunda, dar mir a wing warm macha kinnte – als Josepha –

BAUER. Also das hätt'st Du D'r schun alles asu weit iberlä't?

BREITE. 's is iberhaupt wetter gar nischt meh' zu iberlä'n!

BAUER. Du hust's wull noch vo' niemanda gehurt, was de Sperlinge vo' a Dächern pfeifa, daß die ahle Schindlern ock a Joseph asu am Wege ufgelasa hot, wer wiß vo wam? An feine Gesellschaft war das grade nee.

BREITE erregt. Vater – wegen dam Kinderuflasa – das sein Tummheeta. Das sa' ich Dir geradezu! Was kinn' de Binder derfire, wenn sich die Eltern amol asu vergassa ha'n. Und das sa' ich Dir. Was ich bihn – das bihn ich. Und ich bihn keene vo' heute uf[50] morne! Und wenn alle Frauvölker im Durfe dächta, heute dar und morne a andrer. Ich bihn keene vo' heute uf morne. Hie heeßt's, was is, das is. Das werd nee geändert vo' heute uf morne. Ich spreche: ich wihl ees und kee zweetes – ich nahm das und behal' das. Andersch is nee und andersch werd's nee. Und wenn sich's ganze Durf ei'bildte, 's mößte was d'rwider ha'n!

BAUER simulierend. Also das Harfagesindel söllt ins immermeh' eis Haus kriecha! Madel! – Madel! Bist De verruckt gewor'n? Ephraims Wertschoft söllt amol ei Schindler Josephs Hände kumma!

BREITE zornweinend. Das is ebens! daß 'r nee a Pauersihnla is. Aber arbeita kan'r. Das mußt Du doch am besta wissa, was Joseph arbeita kan –. Ich mecht ock iberhaupt amol hiern, was Du mit dar grußa Wertschoft hättst anfanga wulln – wenn Joseph nee hie war – mecht ich ock wissa?

BAUER. Nu ju, ju. – Kanst Recht ha'n! Ich bihn alt und dar denkt, warum sollt ich denn nee ei Ephraims Wertschoft kumma! – Madel! – Gih m'r aus a Auga!

BREITE. Ich wihl ju zuga'n, Vater, daß nee grade schien is, was de Leute vo' dar ahlen Schindlern reda. Aber 's betrifft doch blußig senne Mutter.

BAUER zornig. 's betrifft doch blußig senne Mutter!'s betrifft doch blußig senne Mutter! Gih aus menn' Auga, suste derschla' ich Dich!

BREITE bleich aber ruhig. Ich fercht mich nee, Vater. Du kennst mich. Ich fercht mich nee. Ja' mich naus, Vater. 's kimmt wie's kimmt. Ich wer'sch[51] ertra'n. Arbeita ha'n mir gelernt. Ich war mei Brut schun finda.

BAUER zornbebend. Gih aus menn' Auga! Gih aus menn' Auga!

BREITE ruhig. Was kan's d'n au nutza, Vater Sa' m'r ock, wenn mir ins hie au ufspiel'n wie Biese – Was? Und wenn ich Dir – Sie zögert. Wenn ich Dir – Ich muß Dir doch iberhaupt Zögert. Schun wegen a Leuta allen –. Ich muß Dir doch iberhaupt noch was sa'n – daß –

BAUER stöhnend. Madel? Was denn? Leise. Giht's nimmeh' zu verberga? Er hat sie am Handgelenk beiderseits erfaßt. Giht's nimmeh' – zu verberga?

BREITE weinend. 's giht nimmeh' lange zu verberga. Vater – Aufklagend. Vater! Du druckst m'r ju de Hände a'zwee!

BAUER wie benommen. Giht's nimmeh zu verberga? Giht's nimmeh' – zu verberga –?

BREITE ängstlich. Vater – Laut aufklagend. Du druckst mir ju de Hände a'zwee!

WIRTIN kommt hereingeeilt. Gotlieb – Gotlieb –

BAUER läßt Breite los. Nach einer Weile tonlos. Was?

WIRTIN. Ich denke, 's is was lus hie! Ich bihn ju des Todes derschrucka. Eine Weile Stille.

BAUER stumpf vor sich hin. Kumm, Madel!

WIRTIN schüchtern. Kumm gut heem, Gotlieb. Sie leuchtet ihnen hinaus.


Vorhang fällt.


Quelle:
Carl Hauptmann: Ephraims Breite. Berlin 1900, S. 49-52.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Wieland, Christoph Martin

Musarion. Ein Gedicht in drei Buechern

Musarion. Ein Gedicht in drei Buechern

Nachdem Musarion sich mit ihrem Freund Phanias gestrittet hat, flüchtet sich dieser in sinnenfeindliche Meditation und hängt zwei radikalen philosophischen Lehrern an. Musarion provoziert eine Diskussion zwischen den Philosophen, die in einer Prügelei mündet und Phanias erkennen lässt, dass die beiden »nicht ganz so weise als ihr System sind.«

52 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon