Scena II.

[43] Hans Pfriem. Magdalena.


HANS PFRIEM.

Nvn gleub ich gentzlich, zweiffels ohn,

Meine Alte, Must sie die sucht bestohn,

Die wird schon wissen, wie mirs geht,

Vnd wies vmb alle meine sachen steht,

Drumb hat sie, Sey ein Bösewicht,

Das Weib auff mich nun abgericht,

Sie kans nicht lassen, das sie sich,

Nicht sol bekümmern stets vmb mich.

MARIA MAGDALENA.

Ein guten tag, Mein Bruder werdt,

Euch anzusprechen ich begert.

HANS PFRIEM.

Was ist der handel? sol ichs wissen?

Darumb jhr mein so seid beulissn,

MARIA MAGDALENA.

Vors aller erste, Ich freundlich bitt,

Wolt mich im argen verdencken nit,

Als ob ich etwan mein geniess,

Bey euch zu suchen mich beuliess,

Dann vns wil nicht gebüren traun,

Das wir auff etwas anders schaun,

Hie in des Himmels seligkeit,

Ohn auff die liebe einfaltigkeit,

Nichts anders dencken, thun, noch trachten,[43]

Denn was vor heilig ist zuachten,

Was züchtig, keusch ist, vnde rein,

Auff niemands nicht argwenig sein.

HANS PFRIEM.

Der eingang trifft mir zu gar eben,

Was ist dann, das jhr mir wolt geben?

Last ewer geschwetz, Ich weis geschwindt,

Das jhr viel waschens treiben kündt.

MARIA MAGDALENA.

Ich hab euch nicht gar viel zugeben,

Ewer bestes hie in diesem leben,

Vnd ewige wolfart noch zur zeit,

Bin ich zusuchen stets bereit,

Wo es euch nicht beschwerlich wer,

Zugeben mir ein klein gehör.

HANS PFRIEM.

Ich kan wol hören, ich kansen sach,

Sage nur bald her, kein vmbschweiff mach.

MARIA MAGDALENA.

Dieweil jhr vnlangst kamt herein,

Dazu Gott geb den segen sein.

HANS PFRIEM.

Danck hab.

MARIA MAGDALENA.

Wiewol ich höre viel,

Das man hierumb euch tadeln will.

HANS PFRIEM.

Wiestehme das?

MARIA MAGDALENA.

So, Bruder mein,

Das nicht sol recht zugangen sein,

Weils hinder wissen sey geschehn,

Der Heiligen, denen hie auff zusehen

Befohlen ist.

HANS PFRIEM.

Was Heiligen viel?

Der Heiligen ich nichts achten will.

MARIA MAGDALENA.

Warumb nicht? Hertzer Bruder mein,

HANS PFRIEM.

Was solten sie vor Heiligen sein?

Die armen Leute vnd Erdenklos,

Jhr hülff beger ich mir nicht gros,

MARIA MAGDALENA.

Wie so nicht? Das euch Gott bewar,

Es spricht der Herr jo selber klar,

Das sie vns helffen, vnd hierauff

In d' ewige Hütten nemen auff.

HANS PFRIEM.

Wer euch hie auff genommen hat,

Das fecht ich nicht, ich fechtsen satt,

Ich halt mich an mein Herren Christ,

Der mich auffnimpt zu aller frist.

MARIA MAGDALENA.

Doch müst jhr, ist gewislich war,

Der Heiligen zeugnis bringen dar,[44]

Das könt jhr nicht entpehren traun,

Wo jhr den Himmel recht wolt bawn.

HANS PFRIEM.

Was? solt ein Kaelkopff voller neid,

Mich treiben aus? Nicht, nicht ein meid.

Ich hab von andern Heiligen viel,

Gut zeugnis, drauff ich bleiben wil.

MARIA MAGDALENA.

Je hertzer trauter Bruder mein,

Von was für Heiligen mag das sein?

HANS PFRIEM.

Von was für Heiligen? wils euch san,

Von armen Betlern, siech vnd lahm,

Denen ich in all jhrm elend blos,

In hunger vnd in kummer gros,

Mein hülffe beweiset allzeit habe,

Vnd schlag es auch noch keim nicht abe,

Das sind die lieben Gezeugen mein,

Auff die ich mich hab gwagt herein,

Die nemen mich auff von hertzen gern,

Ich weis, sie meiner nicht entpern.

MARIA MAGDALENA.

In Gottes Namen, es bleib dabey,

Halt' mirs zugut, zart Bruder trew,

Vnd last mich drauff nun wider kommen,

Das ich zu reden hatte vorgenommen,

Dieweil jhr vnlangst kamt herein,

Das nicht wol kan gros wunder sein,

Ob jhr was hett versehen alhier,

Das vns an dem ort nicht gebür,

Das bitt ich euch hie in der stilln,

Durch Christi, vmb ewer seligkeit willn,

Vnd bitt euch jo mit threnen fast,

Vmb Gottes willn, habt nicht rast,

Noch ruhe, bis das jhrs habt erkent,

Vnd wider euch mit Gott versünt.

HANS PFRIEM.

Was, Teuffel, gibts zu schaffen dir?

Du Treusche, das dichs Wetter rhür.

MARIA MAGDALENA.

Es wil mir traun aus lieb vnd trew,

Vnd wegen der verbüntnis new,

Die wir in der Gesellschafft hie,

Kegn ander haben je vnd je,

Nicht anders nicht gebüren, denn,[45]

Das ich eim jeden Menschen günn,

Was ich guts hab, vnd theils jhm mit,

Das ist der brauch vnd Himmels sitt.

HANS PFRIEM.

Zum Teuffel, mit dem sitt vnd brauch,

Vnd mit der Bubengeselschafft auch,

Weil du ein solcher Schlapsack bist,

So wolstu gern zu aller frist,

Das jederman ein solcher wer,

Ja gleich, als auch ein nützliche Lehr,

Könt kommen, mit eim guten Tittel,

Von solchem vnuerschemten Kittel.

MARIA MAGDALENA.

Haw, nicht, mein trawter Bruder zart,

Rede besser wort, Sey nicht so hart.

HANS PFRIEM.

Ists denn nicht war, vnd ist sen seid?

Das du ein solche warst vor zeit.

MARIA MAGDALENA.

Was wir vorzeiten gwesen sein,

Das wolln wir hie nicht mengen ein,

Viel mehr, vnd was wir sind jetzund,

Last vns betrachten in der stund.

HANS PFRIEM.

Heia, hui hoi, seht alle daher,

Der Hödel wil nicht hören mehr,

Was sie vorzeiten hatt gethan,

Ausrichten nur mich armen Man.

MARIA MAGDALENA.

Nein traun, vorwar, Christ helff mir nicht,

Wo ich zum argen euch ausricht.

HANS PFRIEM.

Jhr werfft mir jo mein gebrechen für.

MARIA MAGDALENA.

Vorwar vorwar nein, gleubt doch mir.

HANS PFRIEM.

Je das dich denn, du loser Sack,

Das ich nur mit dir zancken mag,

Du schreist mich freilich aus vorn Leuten,

Verunglimpffest mich zu allen seiten,

Du ausgeeckter Puffkarnier,

Ich gleube nicht, das jetz mehr in dir,

Die sieben Teuffel böse regiern,

Denen du vorzeiten thetst hofiern,

Sondern derselben noch wol mehr,

Als siebenzig mal sieben wer,

Vnd da ein jeder zu der frist,

Noch siebenzig mal erger ist,[46]

Das gleub ich gentzlich, zweiffels ohn,

Das die dich nun besessen hon,

Vnd lassen dir kein frieden nicht,

Bis du mich hast so zugericht.

MARIA MAGDALENA.

Mein hertzer Bruder, böser wort

Hab ich meine tage nie mehr gehort,

Jedoch so nahe bringt jhr mirs nicht,

Das ich darumb herwider ficht,

Denn das ist war, vnd mus bekenne,

Was man für schande kan genennen,

Vnzucht vnd alle Büberey,

Hab ich getrieben ohne schew,

Des hab ich gar kein leugnen nicht,

Vnd habs auch nie geleugnet icht,

Wils auch nicht leugnen nimermehr,

Sondern mit threnen vnd weinen sehr,

Bekennen, Als ich hab gethan,

Zu jener zeit, darumb ich han,

Vorgebung vnd vorzeihung viel

Bekommen. Das ich wündschen will,

Euch auch, traut hertzer Bruder mein,

Wolts euch kein schertz nicht lassen sein,

Alleine nempt meine warnung an,

Vnd was jhr habt zu viel gethan,

Bekennets nur, vnd bittet vmb gnad,

So wird der sachen aller rath,

Sonst werdt jhr hie die lenge nicht dauren,

Das du im Hellgrund must versauren.

HANS PFRIEM.

Du schantgeheiter Schlapsack du,

Du ausgeschütte, dreyfach dazu,

MARIA MAGDALENA.

Ich arbte vergeblich, sehe ich wol,

Niemand kein Mohr weisbaden sol,

Ist alls vmbsonst, vnd lauter nichts,

Doch weil jhr mich so gar gerichts,

Jetzund verachten thut, wolan,

So wolt jhr doch gedencken dran,

Zu seiner zeit, was ich euch han,

Jetz vor erinnerung gethan.


Quelle:
Martin Hayneccius: Hans Pfriem oder Meister Kecks. Halle a.d.S. 1882, S. 43-47.
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