Erster Auftritt.

[155] Sekretär. Hofrath.


SEKRETÄR trägt einen Lehnstuhl vor, setzt ein Tischchen mit Schreibzeug an die Seite desselben. Im Hintergrunde ist ein reiches Bett mit einer Gallerie vor demselben.

HOFRATH tritt ein. Guten Morgen, Alter!

SEKRETÄR. Bringen Sie mir eine frische Prise Spaniol?

HOFRATH. Ich habe es nicht vergessen.


Reicht ihm eine kleine blecherne Büchse.


SEKRETÄR riecht daran. Kostbar – erquickend! wahrem Balsam![155]

HOFRATH. Wie hat der Onkel geschlafen?

SEKRETÄR. Gut! Nimmt eine Prise. Ach je – da – da ist ja Gold darin –

HOFRATH drückt ihm die Hand. Der gute Tobak muß ja eine bessere Dose haben.

SEKRETÄR. Gar zu gnädig! Will die Hand küssen.

HOFRATH. Ei, Papa! wo denken Sie hin? Er umarmt ihn.

SEKRETÄR. Ich kann wohl sagen, daß ich Sie wie einen Sohn liebe; Sie. – Den Herrn Baron Fritz hingegen habe ich mein Tage nicht leiden können.

HOFRATH. Er taugt auch nichts.

SEKRETÄR. Mir hat er von Kindesbeinen an alle ersinnliche Possen gespielt – und bei dem alten Geheimenrath – ich sage Ihnen, wenn er nicht in Ungnade gefallen wäre – hätte er mich noch um mein Stückchen Brot gebracht.

HOFRATH. In Ungnade gefallen? Der Onkel wird sich doch früh oder spät seiner wieder annehmen.

SEKRETÄR. Gott bewahre! Wir kennen und veneriren alle den gewissen einzigen Erben. Mit einer Verbeugung.

HOFRATH. Da Wallenfeld doch einmal enterbt ist, so glaube ich selbst, daß ich es sein werde.

SEKRETÄR. Betreiben Sie nur die Heirath mit der Comtesse Bildau. Denn daran liegt ihm alles, wegen der vornehmen Verwandtschaft mit ihrem Onkel, dem General.


Quelle:
August Wilhelm Iffland: Theater. Band 3, Wien 1843, S. 155-156.
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