Siebenter Auftritt.

[17] DER KAPUZINER JOACHIM HASPINGER tritt heraus. Gelobt sei Jesus Christ!

DIE ANDERN. In Ewigkeit und Amen.

HASPINGER. Die heil'gen Landspatronen segnen euch!

SPECKBACHER. Ei Vater, du siehst traurig aus und bleich.

HASPINGER.

Ich bin aus meinen Fugen, meinem Stand,

Der mir befiehlt, das Meßbuch umzublättern,

Und nicht im blut'gen Buch des Kriegs zu wühlen.

So eignes Los, so seltsame Verfassung

Macht keinen fröhlich. – Dazu nimm: sechs Tage

Bin ich durch alle Berg und Täler, wie

Ein Pfeil hindurch geschwirrt. Kein Schlaf! Und dann

Die Anstrengung von Laditsch und von Prutz!

Da ward die Wange weiß, gleich diesem Stecken,

Der meinen wunden Füßen wandern half.

SPECKBACHER. Ei Vater, bleibe frisch!

HASPINGER. Sorg' nicht für mich.

SPECKBACHER. Bist du mit mir zum Äußersten entschlossen?

HASPINGER.

Schieß nieder mich, siehst du mich je verdrossen!

Sie haben Notzucht in Kapellen, haben

Unfläterei in Sakristein verübt,

Und aus dem Kelch des Nachtmahls sich besoffen.

Ich will mein Haupt nicht scheren, nicht den Staub

Von meinen Füßen auf die Erde schütten,

Bis ich die Feinde unsrer heil'gen Kirche,

Die Flucher, Schwörer, Zaubrer, Blasphemanten

Vom Boden weggetilgt.

SPECKBACHER.

Dein Ton stimmt rein

Zu meinem Ton! Ich hasse sie, ich weiß

Nicht recht, warum? Doch hass' ich sie, und bis[17]

Ich diesen Haß im roten Born gelöscht,

Sterb' ich vor Durst.

HASPINGER. Woll'n wir zu Andre?

SPECKBACHER. Ist er da?

HASPINGER.

Ja wohl!

Mit hellen Haufen über'n Jaufen, lagert

Kaum einen Büchsenschuß von hier am Schönberg.

SPECKBACHER.

So ist der Knoten fertig und geschürzt!

Nun, Freunde, auf!

Der muntre Krieg hängt seine Feuerfahne

Von höchster Alpenfirste bis zum Grund.

Jetzt gilt's, zwei Leben haben.


Zu Fallern und Mayer.


Geht! Sie soll'n

Rechts, links der Straße sich zum Isel ziehn.

Die Straß' gemieden! Daß der Herzog nicht

Zu früh es merke!


Fallern und Mayer ab.


Auf dem Weg zum Schönberg

Sag' ich von wegen Hofers dir etwas.

HASPINGER. Ich glaub', ich weiß es schon.

SPECKBACHER.

Ein Haupt tut not.

Willst du es sein?

HASPINGER.

Bewahr mich Gott vor Hochmut!

Ich sehe alles schwarz, wie könnt' ich führen?

SPECKBACHER.

Und meine listigen Gedanken sind

Denn auch so weit nicht her! – Der Alt' ist anders

Als du und ich. Ich lachte oftmals sein

Im Still'n, und in demselben Augenblick

Erzittert' ich vor Ehrfurcht.

HASPINGER. Gut! Er sei es!


Beide gehen ab.


Quelle:
Karl Immermann: Andreas Hofer der Sandwirt von Passeier. Bielefeld und Leipzig 1912, S. 17-18.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Hoffmann, E. T. A.

Die Serapionsbrüder

Die Serapionsbrüder

Als Hoffmanns Verleger Reimer ihn 1818 zu einem dritten Erzählzyklus - nach den Fantasie- und den Nachtstücken - animiert, entscheidet sich der Autor, die Sammlung in eine Rahmenhandlung zu kleiden, die seiner Lebenswelt entlehnt ist. In den Jahren von 1814 bis 1818 traf sich E.T.A. Hoffmann regelmäßig mit literarischen Freunden, zu denen u.a. Fouqué und Chamisso gehörten, zu sogenannten Seraphinen-Abenden. Daraus entwickelt er die Serapionsbrüder, die sich gegenseitig als vermeintliche Autoren ihre Erzählungen vortragen und dabei dem serapiontischen Prinzip folgen, jede Form von Nachahmungspoetik und jeden sogenannten Realismus zu unterlassen, sondern allein das im Inneren des Künstlers geschaute Bild durch die Kunst der Poesie der Außenwelt zu zeigen. Der Zyklus enthält unter anderen diese Erzählungen: Rat Krespel, Die Fermate, Der Dichter und der Komponist, Ein Fragment aus dem Leben dreier Freunde, Der Artushof, Die Bergwerke zu Falun, Nußknacker und Mausekönig, Der Kampf der Sänger, Die Automate, Doge und Dogaresse, Meister Martin der Küfner und seine Gesellen, Das fremde Kind, Der unheimliche Gast, Das Fräulein von Scuderi, Spieler-Glück, Der Baron von B., Signor Formica

746 Seiten, 24.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Frühromantik

Große Erzählungen der Frühromantik

1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.

396 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon