[Stücktext]


[11] Eberhard Hornich, ein angesehener Handelsmann zu B., hatte drey Töchter: die älteste hieß Caroline, die zweyte Henriette, und die dritte Luise. Carl Dorenburg, der sich lange Zeit in Italien und England aufgehalten hatte, und zurück nach London wollte, wo ein vortheilhaftes Etablissement auf ihn wartete, sah Carolinen, und ward von ihr gefesselt. Er war ein sanfter und herzlicher Mann, der die feinern Vergnügen mit Einfalt liebte, einen reinen und festen Geschmack hatte, und sich nie an etwas hieng, als mit innigem Gefühl und aus wahrer aufrichtiger Neigung. Das Mädchen nahm ihn gern, und der Alte willigte mit Freuden in die Heyrath mit einem Manne, der ein so vortreflicher Kaufmann und von so grossem[11] Vermögen war. Vater und Tochtermann traten miteinander in Gesellschaft.

Dorenburgs vertrautester Freund war Biederthal, ein junger Rechtsgelehrter. Die Aehnlichkeit ihrer Neigungen, der Eifer, den sie gegenseitig in sich erweckten, die Hülfe, die sie einander leisteten, brachte jene geistige Gemeinschaft der Güter unter ihnen zuwege, welche den Neid unmöglich und das Leben so süß macht. So war ihr Verständniß zwey Jahre hindurch immer vollkommener und enger geworden. Damals kam Luise, eben siebenzehn Jahr alt, aus dem Kloster zurück, und entzündete in Biederthalen eine unüberwindliche Leidenschaft. Er wollte sie erst unterdrücken, hernach verbergen; aber es war Liebe. Daß ihm der alte Hornich das Mädchen geben würde, daran war nicht zu denken; er hatte geschworen, daß keine seiner Töchter einen Gelehrten[12] heyrathen sollte, und dazu besaß Biederthal nur ein sehr geringes Vermögen. Dorenburg, dem das Geheimniß seines Freundes nicht lange verborgen blieb, genoß keine frohe Stunde mehr. Da er bey seinem Schwiegervater, dessen Handlung durch ihn ungemein war erweitert worden, in großem Ansehn stand, so hatte er sich anfangs geschmeichelt, dieser würde, aus Ergebenheit gegen ihn, sich ein einzigmahl in seinem Leben großmüthig stellen, und auf sein Bitten den wackern Biederthal glücklich machen: aber der Alte wußte von keinem Edelsinn, als daß er das Nichts der Ehre und alles brodlose Wesen verachtete, weder durch Sache noch Grund sich bethören, und in seiner Ueberzeugung durch nichts sich irre machen ließ; er hatte nur die Tugenden der Kargheit, oder richtiger, einer polizeymäßigen Gewinnsucht. Da alles vergeblich gewesen war, so erklärte ihm Dorenburg, in sechs Monathen[13] laufe der Societäts-Contract mit ihm zu Ende, er sey gesonnen alsdann auszuscheiden. Der Alte gab die besten Worte, that die vortheilhaftesten Vorschläge; Dorenburg war nicht zu bewegen. Endlich wurden sie einig, Biederthal sollte sich der Handlung widmen, und dann das Mädchen nehmen. Voll Entzücken gab dieser eine ansehnliche Bedienung auf, worauf er Anwartschaft hatte, und ergriff das Gewerbe seines Freundes. Luise fühlte das im Innersten der Seele. Kein Brautpaar ist jemahls glücklicher gewesen. Nach einem halben Jahre ward die Heyrath vollzogen; und die beiden Freunde hatten sich nun zu Gefährten in all ihrem Thun. Ihre Wohnungen waren die angenehmsten in der Stadt, aber sowohl der Lage als der inneren Einrichtung nach ganz von einander verschieden. Eben so auch ihre Landhäuser. Jeder dieser Oerter hatte andre Reitze, war zu andern[14] Ergötzungen geschickt; in jedem mangelte etwas; aber dies war beym Bruder. Das glückliche Leben dieses doppelten Paars ist etwas, das sich nicht abbilden läßt. Wer aber ein liebes Weib hat, und einen Freund auch mit einem lieben Weibe, und dabey soviel Geist und Thätigkeit, um sein Herz mit unschuldiger Leidenschaft zu füllen, der versteht mich, wenn ich sage, daß in diesem Kreise das Wehen der Liebe nie sich legte.

Eine Hauptstütze dieser schönen Verfassung war die noch unverheyrathete, mittlere Tochter, Henriette. Die drey Schwestern waren von Kindheit an in jener reinen Vertraulichkeit miteinander geblieben, welche nur mit Unschuld bestehen kann, und die Reinheit der Seele am sichersten bewahrt. Herzen, die immer offen gewesen, in denen der Friede eines guten Gewissens nie unterbrochen worden, erstarren[15] vor dem bloßen Schimmer einer Versuchung, fangen im Gegentheil, wie Zunder, alles Edle und Schöne, und können eine Festigkeit im Guten beweisen, die oft allen Glauben übersteigt. Caroline und Luise hatten neben ihren übrigen Vorzügen auch eine schöne Bildung: Henriette war nicht das, was man schön nennt, vielmehr hatte sie etwas an sich, das von ihr zurückhielt, besonders im Gesicht jene Wachsamkeit und Klarheit, der wir so übel wollen und so gern einen bösen Nahmen machen; aber eben darinn lagen Züge, welche denjenigen, der sie erkannte, mit tiefem Gefühl und eigener Kraft des Geistes überraschten. Ihr Blick war rein und eindringend, und gieng von Seele zu Seele. Ihr Vater hieng an ihr wie bezaubert, und er scheute das Mädchen: einer eigentlichen Achtung sind Leute von seiner Art nicht fähig. In Dorenburgs und Biederthals Hause wurde sie angebetet. Die jungen[16] Weiber setzten in ihr gleichsam noch ihr jungfräuliches Leben fort; sie stellte ihnen ein so süßes Bild der Vergangenheit dar, erinnerte sie an alles so lebhaft, daß es ihnen kaum einfiel, daß ihnen etwas verschwunden sey; nie war die Schwester ihnen so theuer gewesen. Henriette auf ihrer Seite kostete in ihren Schwestern die Wonne der Gattinn, der Mutter, der Vorsteherinn einer frölichen Schaar von Genossen; und welcher Wonne hält diese nicht die Wage? Wer ist glücklicher, als ein munteres Weib, das mit zärtlicher Sorge an seinem Manne, mit heißer Liebe an seinen Kindern hängt? – Geist und Herz in ihm bleiben in immerwährendem Triebe; seine süßen Leidenschaften erneuern sich mit jedem Augenblick, und werden in jedem Augenblick befriedigt. So ward auch Henriettens Seele durch Mitgefühl in beständiger Bebung erhalten; und Mitgefühl schwingt sich, in hundert Fällen, höher als[17] eigenes. Mann, Weib und Kinder, jedes in beyden Häusern, wollte Henriettens Freude seyn; sie sollte jede Lust, nie eine Beschwerde theilen; aber Henriette wußte sich schon hinzuzudrängen, wo es Beystand galt, und ihr Beystand war voll geheimer Kräfte; ihre Gegenwart machte jede Arbeit zum Fest; und waren's Widerwärtigkeiten, so verschlang die Liebe, die Dankbarkeit, die sie einflößte, die Hälfte des Kummers.

In ihres Vaters Hause hatte sie freye Hand. Der Alte war nicht sowohl geizig, als nur gierig; und da Henriette verschiedene Heyrathsvorschläge abgewiesen und dabey geäußert hatte, sie wolle bey ihrem Vater aushalten, so glaubte er für eine so treue Verpflegerinn nie zuviel thun zu können. Es giebt wenig Menschen, in denen nicht durch Langmuth und Huld einiger Geschmack an liebenswürdigen Neigungen[18] erregt, und nachher diese Neigungen allmählich verstärkt und vermehrt werden könnten. Der alte Hornich erfuhr eine solche Verwandlung, ohne daß er weiter etwas davon merkte, als daß seine Henriette so gut mit ihm umzugehen wisse, daß er nun erst des Lebens froh werde. Meine Bekannten, sagte er zuweilen, wünschen ihre Jugend zurück; mir ist mein Alter lieber: wie sauer hab' ich es nicht sonst gehabt, und wie gut hab' ich es jetzt? Sein ganzes Hauswesen hatte sich nach und nach verändert. Vormals glaubte er auf jede unschuldige Lustbarkeit, die er doch zugab, wenigstens schmälen zu müssen, und würklich schien ihm jede Freude verdächtig, so wie jeder Nothleidende – und wie alles Schöne. Nun wollte er, daß seine Wohnung an Annehmlichkeiten die Wohnungen seiner Schwiegersöhne überträfe; in nichts durfte seine Henriette zurück bleiben; auch gelang es ihm, daß die Familie nirgends aufgeräumter[19] war, als in seinem Hause: aber vergnügter als vorhin war man überall durch vermehrte Eintracht und Offenheit. Der Ueberfluß, der sich in Hornichs Hause zeigte, lockte Bedürftige hinzu, und das liebe Mädchen hatte den Triumph, das graue Haupt ihres Vaters noch mit Seegen und Ehre zu bekränzen.

Wie dem Mädchen sowohl zu Muthe gewesen seyn mag! Ohne Tumult der Leidenschaft, und doch alle Fibern seines Herzens rege. So ganz frey und heiter, mit dem ungetrübten Sinn, mit der reinen Phantasie einer Jungfrau, dennoch so ganz befangen – blos aus himmlischer Liebe!

Henriette hatte auch eine Freundinn, die ebenfals noch Mädchen war, und von der sie mit einer Art von Leidenschaft geliebt wurde. Diese Freundinn war früh ihrer Eltern beraubt[20] worden, die ihr ein ansehnliches Vermögen hinterlassen und Hornichen darüber zum Vormund gesetzt hatten. Noch größerer Reichthum fiel ihr nach dem Tode zweyer Tanten anheim, bey welchen sie sich gegenwärtig aufhielt. An all den Reichthum dachte sie nie, eben so wenig als an ihre Schönheit, und war ärgerlich auf die jungen Herren, weil sie ihr allein und keiner von ihnen Henrietten die Aufwartung machte. Das liebe Mädchen hieß Allwina Clarenau.

Biederthal, ein weitläuftiger Anverwandter von den Clarenaus, hatte in ihrem Hause, das einem Pallaste gleich war, ein Gemach inne gehabt. Nach seiner Heyrath bleiben diese Zimmer für seinen jüngern Bruder offen, mit Nahmen Woldemar, welchem die Anwartschaft, die der ältere zurückgegeben hatte, war bewilliget worden.[21]

Woldemar hatte seit vier Jahren unter dem nehmlichen Fürsten eine andre Stelle zu G** bekleidet, und mußte daselbst bleiben, bis die Bedienung zu B. erlediget wurde. Zwey Jahre verstrichen darüber; nun ereignete sich der Fall, und er sollte ankommen.

Biederthal, der sich unaussprechlich gesehnt hatte, seinen Bruder wieder zu sehen, war vor Freuden außer sich; er konnte von nichts anderm reden, als von Woldemaren – »Sie wissen, daß nun ehestens mein Bruder kommen wird?« – Jeder, den er so begrüßen konnte, war ihm willkommen; und jeder, den er schon so begrüßt hatte, und bey dem er es nicht gerade zu wiederholen durfte, machte ihn verlegen. Seine Frau, seine Schwägerinnen und Dorenburg schienen ihm itzt mehr als jemahls die beste Gesellschaft: sie theilten so aufrichtig seine Freude; sie waren für sich selbst, mit ihm,[22] so voll Erwartung; sie neigten mit so herzlicher Aufmerksamkeit sich ihm entgegen; hörten so gerne noch einmahl, was er schon oft, aber noch nie mit dem Interesse, mit dem Leben von Umständen, erzählt hatte – die ganze Geschichte, wie Woldemar und er mit einander aufgewachsen; wie sehr sie schon als Kinder sich einander zugethan gewesen; wie treu sie sich geblieben; was sie alles für einander gethan; was sie alles für einander gelitten ... Wahrhaftig! brach Biederthal einmahl in seiner Entzückung aus, es ist doch keine rechte Freundschaft, als nur unter zween solchen Brüdern! – Dorenburg, der gerade gegen ihm über saß, blickte lächelnd nieder. Das stieß Biederthalen an; er flog auf und hieng seinem Freund am Halse. Dorenburg drückte ihn an die Brust, ergriff dann seine beyden Hände.... Lieber! sagte er, und lachte ihm offener ins Angesicht – Lieber![23] indem er ihn treuherzig schüttelte – gehe und erzähl uns weiter. Biederthal küßte Dorenburgen noch einmahl und gieng. Henriette haschte bey'm Vorübergehn ihm die Hand, und küßte ihn. Er umarmte Carolinen; herzte sein Weib; setzte sich dann und erzählte weiter. –

Endlich kam die Nachricht, daß Woldemar würklich abgereiset sey. Sein Brief war aus R., wo er eines wichtigen Geschäfts wegen einige Tage verweilen mußte. – »Die Hälfte des Weges ist zurückgelegt, schrieb Woldemar. Es war mir lieb, daß die Post nach B. erst heute abgieng, denn ich hätte schwerlich vermocht eher an Dich zu schreiben. Mein Herz ist in einem wunderbaren Zustande. Als ich von G * abreiste, war ich wie ausser mir. Ich saß in meinem Wagen und[24] hörte das Rasseln über das Pflaster hin, und wußte kaum was es war.

Wir erreichten die Landstraße. Knall auf Knall des Schwagers Peitsche, und die Pferde im Flug. Ich schlug die Augen auf, sah Hecke, Baum und Land an mir vorbeyschwinden – an mir vorbey zurück. Ich streckte maschienenmäßig den Kopf hinaus, dem allen nach. Die Sonne war am aufgehen. – G * war schon fern, aber noch deutlich genug zu unterscheiden; auch erreichte noch das Geläute von seinen Thürmen mein Ohr, und zuweilen kam's mit einem Windstoß schnell im hellerem Klange – und wieder weg, wie der Laut eines tiefen Seufzers. Dazwischen wirbelten oben die Lerchen, und klirrten die Ketten am Pferde-Geschirr; und hallte das Treiben des Postknechts...[25]

Unversehens gieng's um eine Hecke, eine Anhöhe hinunter. Alles, was da war, nur auf einmahl entrückt!

Ich stürzte zurück in den Wagen, preßte mein Gesicht aus allen Kräften zwischen die Lehnküssen, und meynte das Herz würde mir die Brust entzwey schlagen... Weg! so immer weg – einst weg von allem! – so scholl's dumpf in meinem Innern. Endlich brachen die Thränen los – und du, Lieber! – Du standest vor meiner Seele. Ich fühlte das: hin zu ihm, zu meinem Biederthal! – Aber ich weinte doch noch lange – weine noch heut.... Bedenk, Lieber, ich war nun sechs Jahre zu G *; stand dort in manchem süßen Verhältnisse; glaubte einst, ich wurde wohl immer dort bleiben. Nun reiste ich weg, ich sah das alles vor mir untergehen. Ach! So bin ich: etwas [26] vergehen zu sehen, wär' es noch so geringe; zu fühlen, es ist damit zu Ende – es ist aus: bis zur Ohnmacht kann's mich bringen.

Nun geh' ich nach B., da werd ich bleiben! – Sieh, davor schaudert mich wieder! – Ich bin erst neun und zwanzig Jahr alt, und mag nur so weniges noch vom Leben. Was ich nun erhalte, ist die Erfüllung meiner Wünsche! – Ich werde glücklich seyn; endlich zufrieden; – aber das muß ich nun auch seyn, muß, oder... Lieber! – Bester, Einziger, verzeih! Du wirst mich ja nicht mißverstehen. Wie könntest du? Ist es doch Fülle der Wonne was mich ängstiget! –

Es war recht gut, daß ich mich hier einige Tage aufzuhalten hatte; weniger, um[27] mich von meinem Abschiede zu G ** zu erholen, als auf Dein Wiedersehen mich vorzubereiten. Als ich die hiesige Gegend erreichte, diese Stadt erblickte, wo wir in verschiedenen Zeitpunkten so viele Tage mit einander zugebracht hatten: – es ist nicht auszusprechen wie mir ward! Beym Eintritt in die Krone kam mir der eine Kellner, der gute Johann, der von früh an auf mich gelauert hatte, mit Deinem Brief entgegen. Er war noch der alte; und so alles im Hause noch beym alten. Die Leute hatten eine gewaltige Herrlichkeit mich wiederzusehen. Das Geräusch ihrer Freude stillte auf eine angenehme Weise meine Phantasie. Es dauerte an eine Stunde bis ich in mein Zimmer kam und allein blieb. Da erbrach ich Deinen Brief. Aber mein Herz gerieth gleich bey den ersten Zeilen in so starke Bewegung, daß ich ihn wieder einstecken mußte. Ich gieng hinaus unter[28] die Eichen. Es war Wetter wie im May. Vor sieben Jahren hatten wir eben so schöne Februar-Tage; und du warst mit mir hier. Weißt Du, wie wir über die Höhe giengen; an der Seite weit her, den Fluß schlängeln sahen, so schön blau zwischen den sonnigten Ufern! Wir schlugen einen Weg ein, den wir nicht kannten, der uns an einen waldigten Hügel leitete. Erinnere Dich, wie wir hinanstiegen; bey jeder sich öfnenden Aussicht weilten, aber ungeduldig; dann mit schnellerem Gange strebten die herrliche Gegend immer weiter vor uns auszudehnen; athemlos endlich hinaufkamen, da standen – auf der nackten Felsen-Glätte.... Damals dacht' ich weiter nichts dabey; jetzt bey der Wiedererinnerung fiel mir's auf. Wir blieben eine Weile oben, im Genuß der erstrebten Ferne; merkten voll Entzücken nicht auf die öde Stelle, die ihn uns verlieh. Doch räumten[29] wir bald den Platz. Schnell hinab gieng's den steilen Pfad, und wir suchten über Aecker und Wiesen den Weg zum Thal unserer lieben Eichen. Wir fanden ihn. Es war am Kreuz bey Hildern. Da setzten wir uns hin und ruhten aus. Ich wüßte nicht, daß ich einen Frühling so empfunden hätte. Von seinem lieblichen Hauch schien die Erde sichtbar sich zu öfnen, schien zu beben vor Wonne, daß sie das erste Grün hervorgebracht. Hecken und Bäume – noch ohne Blat; aber wie herrlich überglänzt vom Durchschein ihrer Fülle, alle Zweige mit hochgeschwellten Knospen bedeckt. Da wünscht' ich mir nur so lange zu leben, bis die Knospen aufbrachen, bis der Seegen sich löste – nur bis zum nahen May. Ich sagte Dir das, und es drang in Dich; uns wurde so wohl...[30]

Diese Unbefangenheit, diese heiligen Gefühle suchte ich jetzt wieder; und fand sie im Eichenthal. Ich lagerte mich in die Tiefe, und las nun Deinen Brief. .... Wie mir dabey geschah – wenn ich das sagen könnte, so wär's des Sagens nicht werth. – Bey einem sonderbaren Schauer, der mich durchfuhr, war's mir, es sey ein Kuß von Dir, den mir vielleicht Dein Engel brächte. – Ich flehte zu dem meinigen, daß er Dir auch einen Kuß von mir bringen möchte. Du schlummerst wohl noch in dieser Frühstunde! o, daß er Dir erschiene!...

Eben las ich Deinen Brief noch einmahl. Die Stelle ist mir tief in die Seele gegangen, wo du sagst: Ich fühlte mich bisher, in meinem schönen Familienkreise so glücklich, und glaubte bey dem immerwährenden Verlangen Dich hier zu sehen hauptsächlich[31] nur den Wunsch zu haben, daß es Dir eben so gut werden möchte als mir. Welche Täuschung! jetzt empfind' ich klar, daß es vielmehr nur die Aussicht war, Dich hier an mich zu ketten, warum ich meine Lage so beneidenswürdig fand. Ich habe deß keinen Hehl, habe es Dorenburgen und meinen andern Lieben offenbaret, und sie tadeln mich nicht. Nach allem was ich ihnen von Dir erzählt; nach allen Deinen Briefen... Aber was mach' ich, daß ich dies hier abschreibe? – O du Bester, o ihr theuren, treflichen alle – um Gotteswillen! hoft doch nicht soviel von mir! Ach, ich bin der Mensch nicht, auf den man ein Glück bauen kann – ich, den das Schicksal mit eisernem Arm regiert, den es so von Kindesbeinen an umher trieb ... Hast Du das denn ganz vergessen, Biederthal? Vergessen den Gram, den Kummer, die Noth, worum ich Dich so häufig[32] setzte? und wie ich mehrmals Deinen zarten, treuen, edlen Busen verließ, um mein Herz an Felsen zu zermalmen – seine Wärme Dir entzog, um damit über Basilisken zu brüten? – Ich liebte Dich immer von Grund der Seele, das ist wahr, und wenn Du mich brauchtest, war ich nicht fern, war Dir immer daheim; besann mich auch nie, wenn von Aufopferung die Rede war; fragte nie, was es gälte, nichts oder alles; – aber was ist das – was ist alle mein Thun für Dich, gegen das, was Du für mich gelitten, gegen Dein Schonen, Dein Dulden? Du hast doch kein einzigmahl über mich gemurret; nie einen Augenblick Dich von mir abgewendet; – hieltest standhaft Deinen Blick auf mein besseres Selbst geheftet; dachtest nie von ferne nur, daß ich die Bruder-Treue verletzen, den Bund unserer Freundschaft brechen könne – Engel! – Und so muß es gehen,[33] wenn Liebe zu Freundschaft empor kommen soll. Lieben – bis zur Leidenschaft, kann man jemand in der ersten Stunde, da man ihn kennen lernt, aber Eines Freund werden – das ist ein ander Ding. Da muß man erst oft und lang in dringende Angelegenheiten miteinander verwickelt seyn, sich vielfältig aneinander erproben, bis gegenseitig Wesen und Thaten zu einem unauflöslichen Gewebe sich in einander schlingen, und jene Anhänglichkeit an den ganzen Menschen entsteht, die nach nichts mehr fragt, und von sich nicht weiß – weder woher noch wohin.

Du wirst mich verändert finden, lieber Biederthal. Soviel ich konnte hab' ich Dir von allem, was mit mir vorgegangen, Rechenschaft gegeben; aber was ist's mit dem Schreiben? Ich habe während der sechs Jahre, die wir von einander sind, viele Erfahrungen[34] gemacht. Von Eitelkeit wirst du wenig Spuren mehr an mir finden. Ueberhaupt werd' ich Dir etwas kälter vorkommen. Ich denke anders, ich bin anders gesinnt über verschiedene Dinge. Ueber den Menschen insbesondere haben sich meine Ideen ziemlich festgesetzt, und ich habe theils einen viel höhern, theils einen viel geringern Begriff von seiner Natur als ehemals. Es kann nichts so Schönes, so Großes gedichtet werden, das nicht in ihm läge, das man auch nicht hie und da Himmelrein aus ihm hervorgehen sähe; nur ist er in all seinem Thun – ach! so beschränkt, so endlich, so wandelbar. Und dann ist wieder sein Vermögen dennoch zu groß, seine Spähre zu ausgebreitet, als daß er alle seine Kräfte zugleich gegenwärtig haben, und alles, was er vermag, auf einmahl lebendig in sich darstellen könnte: darum nichts Ganzes, nichts durchaus Bleibendes...[35] Seitdem ich dies anschauend erkenne, bin ich viel gelassener, viel stiller; ich hoffe weniger, und suche mehr zu genießen. Da wäre ja wohl Gewinn! – Aber ich kann es hierinn noch nicht weit genug mit mir bringen. Da bey mir alles tiefer einzugehen und länger zu haften scheint, als bey andern, so muß mein Herz auch mehr ahnden – und da kömmt dann unversehens wieder ein Wunsch – eine Hofnung zum Vorschein – die unterdrückt werden muß... So wandle ich immer weiter ins Leben hinein; betroffen, immer stiller und leiser, und lächle beym wiegenden Tritte mich an.

Mein Brief ist lang geworden. Ich mußte wohl schreiben! – Vor künftigem Freytag kann ich nicht hier weg. Den 8ten März bin ich bey Dir; also in zehn Tagen. – Wie ich mich nach Deinem Anblick sehne,[36] nach Deiner Rede, nach Deinem Kuß! Und doch zittr' ich vor dem Moment, da mein Auge Dich erreichen wird. O daß ich gleich in Deinen Armen wäre, säh' und hörte schon nicht mehr! – Leb' wohl Lieber! Ich schwebe in Deiner Gegenwart. – Leb' wohl.«

Woldemar.


Da Biederthal diesen Brief hatte, stellte er ein Fest an. Er gab es auf dem Lande; dort sollten seine Freunde mit ihm die ersten Verheißungen eines neuen Frühlings empfangen. Es war aber schon mehr als Verheißung da. Sie giengen zu Fuße hinaus. Die Sonne kam so warm und doch so sanft hernieder, daß man nicht anders konnte, man mußte gen Himmel schauen und sagen: o die liebe Sonne! Nach dem Thore, wo ihr Weg hinausgieng, schwingt eine fruchtbare Ebene sich allmählich[37] hinab, und weit umher. Sie sahen da die frischgepflügte Erde vom höchsten Braun bis zum falbesten Gelb mannichfaltig schattiert, und Felder wie Smaragd, die sie durchstreiften; ein Gemische von Farben und Lichtern, so süß, so zauberisch, daß ihnen die ganze Seele im entzückten Auge schwamm. Nur wie im Traume wurden sie das lustige Zwitschern der Vögel gewähr – und daß schon der Buchfink schlug – und das Wirbeln der Lerche den blauen Himmel hinan.

Biederthal fühlte alle Augenblicke an seinen Brief in der Tasche, aber er zog ihn erst hervor, nachdem sie auf seinem Gut angelangt waren, und sich ausgeruht hatten. Niemand war von dieser Vorlesung so gerührt, wie Henriette. Sie hatte Woldemars geheimstes Wesen aus diesem Briefe wunderbar geahndet. Lieber Armer! seufzte sie innerlich;[38]komm nur, du sollst Pflege finden – sollst finden, woran du verzweifelst – ein ganzes Herz, und das nichts verlangt, als nur dem deinigen Ruhe zu geben. Die Thränen, die ihr zuweilen aus den Augen flossen, ihre Farbe die sich öfter veränderte, und die Blässe, die endlich auf ihrem Angesichte ruhen blieb, machte nach und nach jedweden aufmerksam auf sie. Sie ward es inne; aber es machte sie im mindesten nicht verlegen: O, sagte sie, indem sie von ihrem Sitz aufstand, mich verlangt sehr nach diesem Woldemar. Biederthal gieng auf sie zu, schloß sie in die Arme: »Liebe Henriette! wenn sie noch einmahl, wenn sie zum zweytenmahl meine Schwester würden!« – Das nicht, erwiederte Henriette, – wie Sie es verstehen, nicht; aber meiner Clarenau gönnte ich den Mann, und nur diesem Mann meine Clarenau[39] – an mir soll er eine Schwester finden; und glauben Sie mir, Biederthal, darum ist ihm mehr Noth, als um eine Geliebte.

Woldemar traf am bestimmten Tage ein.

Es geschah, was in dergleichen Fällen gewöhnlich zu geschehen pflegt; jeder fand ihn anders als er sich ihn vorgestellet hatte; aber, was nicht so gewöhnlich ist, alle waren nur desto mehr von seiner Gegenwart entzückt. Es war in der That fast unmöglich, Woldemarn in seinen glücklichen Augenblicken zu sehen, ohne bis zur Schwärmerey für ihn eingenommen zu werden. Seine Gesichtsbildung, seine Gestalt, seine Geberden, sein ganzes Wesen, alles an ihm würkte melodisch in einander, und stimmte zu einem außerordentlichen Eindruck zusammen. Sein Ansehn hatte etwas sehr hohes, aber hinterher auch etwas so gutes[40] und liebliches, etwas so entgegenkommendes, daß wer vor ihm stand bald voll Sehnsucht wurde, ihn umarmen zu dürfen. Nach seinem Anstande hätte man die feinste Hofsitte von ihm erwartet; aber er that damit so schlechtweg, als wär's die Zeit der Patriarchen. Die Eigenschaften eines liebenswürdigen Gesellschafters besaß er in einem hohen Grade.

Diesen Vorzug zu erwerben, hatte ihn in der frühesten Jugend seine Eitelkeit angespornt, und mehrmal eine gewisse ärgerliche Heftigkeit gegen allen Widerstand: er wollte überall hin können; und da ihm seine Geburt den freyen Eintritt in die große Welt versagte, so war er bemüht, ihn durch Zaubermittel zu erhalten. Alle Thüren giengen ihm bald auf, und er brachte es so weit, daß man sich um ihn riß. Nun floh er, und nahm einen tiefen Ekel an allem Flitterwesen zur Beute mit sich[41] davon. Von den Eigenschaften, die er damahls erworben, waren ihm nur diejenigen geblieben, die sich in ganz einfache Natur hatten umsetzen lassen. Da er jetzt nie etwas zum Schein war, so würkten seine Aeußerungen desto unwiderstehlicher; sein ganzes Wesen war voll Bedeutung und überall erweckend.

Woldemar wurde die Seele der liebenswürdigen Familie, die ihn in ihre Arme gezogen hatte.

Einen so glücklichen Zustand als derjenige, worinn er dieselbe angetroffen, durch seinen Beytrag noch zu erhöhen, mußte ihm die süßeste Zufriedenheit geben; nur war ihm das peinlich dabey, daß er spürte, er verminderte die Unabhängigkeit dieser würdigen Menschen, indem er ihnen zu unentbehrlich werde, und er fürchtete, bald in die Verlegenheit[42] zu gerathen, entweder sie öfters zu kränken, oder seine eigene Freyheit aufopfern zu müssen. Aber Freyheit läßt sich nicht aufopfern: es ist eine Sache, die nur im freyesten Tausch gewechselt werden kann. Das wußte er, und darum war es seiner Zärtlichkeit unausstehlich, wenn sich jemand um vieles mehr und stärker an ihn hieng, als er selber gegenseitig thun konnte. Seine ganze, volle Liebe..... Ach! seufzte er wohl einmahl in der Stille, ach! ich fange Küße aus allem was ich seh' in der Natur, sie füllen meine Lippen, man muß sie darauf schweben, zittern sehn... aber wohin damit?

So sorgfältig er war, allen falschen Erwartungen von sich vorzubeugen, so konnte er es doch nicht genug seyn. Sein Character war zu sehr außer der gemeinen Ordnung, die Leute mußten häufig an ihm irre werden.[43] – »Ich habe Ihnen ja von Anfang gesagt, daß ich so bin, und daß kein Bessern an mir ist« war seine gewöhnliche Antwort auf die Vorwürfe, die man ihm machte; – »aber, erwiederte man ihm, warum sind Sie so? wie mögen Sie nur so seyn? – es läßt sich ja auf keine Weise reimen!« – – hierauf pflegte er weiter nichts als ein freundliches, Nachsichtflehendes Achselzucken zu geben. Sein Hauptverbrechen war, daß er zu sehr für sich lebte, und hierinn seinem Sinne auf eine Weise folgte, welche die Zärtlichkeit seines Herzens verdächtig machte.

An einem Abend, da man ihn früh erwartet hatte, nachdem er seit vielen Tagen nur ein paarmahl auf Augenblicke sichtbar geworden, und nun wieder spät noch nicht angekommen war, wurden seine Freunde einer nach dem andern verdrießlich, und es entstand ein allgemeines[44] Murren. Henriette, welche nie in die Klagen über Woldemar einstimmte, sondern ihn immer vertheidigte, wurde traurig: – »Wir werden so lange machen, sagte sie (mit einer Bewegung und in einem Ton, welche man nicht an ihr gewohnt war) bis Woldemar unserer müde wird. Sein Witz, seine zauberische Laune, sein vortrefliches Herz machen ihn uns werth, aber soll er darum allein für uns leben? Und dennoch lebt er ja fast allein für uns – Er gewiß vielmehr für uns, als wie für ihn! Oder vermag wohl einer hier, vermögen wir alle zusammen soviel für sein Glück, als er für das unsrige? Und wie liebt er uns nicht? Sagt, hat wohl einer von uns soviel wahre, ächte Freundschaft für den andern, als Woldemar für jedweden von uns beweist? Freylich hangen wir an ihm mehr, als er an uns hangen kann – aber ist dies seine Schuld? sind wir nicht eben drum weit[45] besser dran als er? – Wo hat er – nur seines Gleichen, nur einen andern Woldemar; geschweige jemand, der ihm wäre, was Woldemar uns ist? So gönnt ihm doch wenigstens, daß er in sich selbst, daß er im All der Schöpfung suche, was wir ihm nicht zu geben im Stande sind.« – Indem trat Woldemar mit freudiger, Liebevoller Eile ins Zimmer. Die Gesichter waren noch nicht in ihrer natürlichen Lage. Henriette sprang auf, trat vor Woldemar, legte ihre beyden Hände auf seine Schultern: – Ach! Woldemar, sagte sie, Sie sind so gut, so lieb; – fühlen Sie das doch, wie lieb Sie sind – und haben Sie Geduld.

Henriette war öfter mit Woldemar als die übrigen der Familie, wegen ihres vertrauten Umganges mit Allwina. Woldemar fand großes Behagen in der Gesellschaft dieser Allwina[46] – und ihrer Tanten, welche beyde Personen von Verstande und sehr vorzüglichen Eigenschaften waren; besonders hatte die jüngere (noch keine funfzig Jahr alt) eine Lebhaftigkeit, eine Schnelligkeit des Geistes, die zu Woldemars Laune ausnehmend stimmte. Da fand ihn denn Henriette oft bey ihnen sitzen; und weil Henriette kam, lief Woldemar eben nicht weg. Manchmahl blieb er dann unvermerkt ganze Nachmittage und bis in die Nacht, schwazte, las vor, machte Musik mit den beyden Mädchen, zeichnete mit ihnen, ließ sich so hingehen, in immer wärmerer Neigung, zu allerhand Mittheilungen; und ihm war sehr wohl dabey; den Mädchen, sicher, nicht weniger. Wenn es ihm aber einfiel, sie unversehens zu verlassen, so war darüber auch weiter keine Frage. Dies begegnete ihm wohl mitten im feurigsten Anschlage, oder wenn sie würklich schon im besten Wesen drinnen waren. –[47] »Da läuft er nun fort!« – Dies war das ärgste, was je die lieben Geschöpfe sagten; und sie sahen dabey so von Grund der Seele gut und freundlich aus, daß Woldemar es sich schwer aus dem Sinne schlagen konnte, und manchmahl, wenn er kaum auf seinem Zimmer war, wieder herunter zu ihnen mußte; aber dann litt Henriette schlechterdings nicht, daß er angenommen wurde. – »Er solle nicht so wankelmüthig seyn, sagte sie zu ihm, das zieme keinem Manne; sie – oder Allwina, oder die Tanten – sie hätten jetzt etwas vorgenommen, daß sie um nichts fahren ließen, und wobey seine Gegenwart sie störe;« – und damit die Thür auf, und fort mit Woldemar! zuweilen that er hartnäckig: das half zu nichts; er mußte abziehen. – War es aber daß sie merkte, er habe würklich seinen Sinn geändert, und es sey ihm frey darum zu thun, wieder zugelassen zu werden, so wußte sie den Streit so[48] zu lenken, daß er zuletzt die Oberhand behielt. Er mußte gestehen, daß er ein Kindskopf sey, und dann kriegte er seinen Willen.

Allwina hatte nie vorher das Leben so schön gefunden, und sie sagte gerad heraus, daß nach Henrietten Woldemar ihr lieber als Alles sey. Es war ihr ganz neu und von ungemeinem Behagen, mit einem Mann umzugehen, der sie lebhaft intereßierte, ohne sie in irgend eine Art von Verlegenheit zu setzen. – Ja, sagte er, wenn aber auch Woldemar so albern gegen einen thäte, wie die andern Herren, so merkte man gleich, daß er einen nur zum Besten hätte, und man könnte ihn nicht ausstehen. Auf Ansprüche an ihn dachte sie so wenig, daß er vielmehr durch den Vorzug, den er gleich von Anfang Henrietten gegeben, bey ihr hauptsächlich in Ansehen gekommen[49] war. – »Du mußt den lieben Menschen heyrathen, sagte sie zu ihrer Freundinn; ich schenk' ihm mein halbes Vermögen, sobald ich Meister darüber bin, und wohne bey euch; das übrige kriegen eure Kinder, denn ich heyrathe gewiß nie.« – Henriette lächelte: – »Du guter Narr!« – und küßte den Engel: – »Laß mich nur gehen; ich habe etwas anders vor; aber beysammen wollen wir dennoch bleiben.«

Henriette hatte nicht jene funkelnde, sprühende Empfindsamkeit, jene röstende Wärme, wobey das Herz so schwer in Friede bleiben kann, und die nur ein sehr zweydeutiges Merkmahl von seiner Vortreflichkeit ist. Das ihrige war so glücklich gebildet, daß es die Unterstützungen der Sinne und Einbildung gewissermaßen entbehren – das es seine Verrichtungen[50] allein bestehen konnte, und genug hatte an seinen eigenen lautersten Gefühlen. Wenige Menschen wissen, was das für eine Stille und Stetigkeit in die Seele bringt, wenn man vor allen andern die eigentlichen Gefühle des Herzens zu schärfen weiß; wie sehr das allein schon heitert, wenn kräftigere Regungen den Meutereyen der Eitelkeit ein Ende machen. Henriette konnte das wissen, und das machte das Mädchen so milde, und ließ ihren muntern Geist so hell, so wunderbar fassend werden. Woldemar der nach und nach sie erforschte, fühlte mit Entzücken, was ihm das Schicksal in ihr darbot. Ihr Einverständniß wurde von Tag zu Tage leiser und inniger. Henriette, die zu ihrem eigensten Daseyn bisher nicht hatte gelangen können, erhielt es in dem Anschauen eines Mannes, der durchaus selbstständig war, und ihren besten Ideen und Empfindungen – den einsamen, verschlossenen – Ausflucht,[51] lebendige Kraft und unüberwindliche Gewißheit ertheilte.

Wessen Seele je mit himmlischer Liebe befruchtet gewesen, und der gefühlt hat in seinem Inwendigen das unsägliche Weben, das mit dem Aufkeimen des herrlichen Saamens beginnt, und zunimmt mit seinem Gedeyen zu Freundschaft, der wird von der Wonne, welche Henriette und Woldemar in diesem Zeitpunkt erfuhren, keine Beschreibung erwarten.

Freund und Freundinn kamen nie zusammen, daß sie nicht an irgend einem Ereigniß sich noch genauer erkannten, irgend eine Erwartung, die sie von einander geschöpft, sich erfüllen sahen, und dann Empfindung die Stätte einnahm, welche Ahndung bereitet hatte. Daß die Begebenheiten oft, an sich, zu[52] den unerheblichsten gehörten, benahm ihrem Eindrucke nichts. So waren sie einst mit ihren Geschwistern auf ein nahe gelegenes Jagdhaus gefahren, wo ein künstliches Reiten von Engelländern zu sehen war. Das schöne Wetter hatte eine Menge Leute hinausgelockt. Die meisten von denen, welche in Wagen gekommen waren, wollten den Rückweg lieber zu Fuße machen. Woldemar, der seine Freundinn führte, sah, als sie zwischen die Thore kamen, ohngefähr dreyßig Schritte vor ihnen ein kleines Mädchen mit einem Gemüß-Korbe auf dem Kopf, das einem Phaeton ausweichen wollte, und darüber seine Bürde fallen ließ. Er und Henriette hemmten zugleich den Schritt. Unterdessen das arme Ding seine Sachen wieder in den Korb packte, kam ein kleiner Bube mit einem schweren Bündel Holz beladen, der vermuthlich ihr Bruder war. Sie rief ihn an, daß er ihr hülfe. Der Bube warf auf die[53] Mauer vom Glacis zürnend sein Bündel ab und griff den Korb an. Da er aber noch kleiner als das Mädchen war, und beyde zu wenig Stärke hatten, so schwankte ihnen der Korb auf die Seite, und alles was drin war lag von neuem auf dem Boden. Von den vorübergehenden lachten die Geringen über den Spas, und die Vornehmen lächelten oder schielten gravitätisch hin und wieder weg. Woldemar ließ Henriettens Arm. – »Machen Sie sich so lange zu Dorenburg,« sagte er, und sprang hinzu. Aber Henriette sprang mit. Sie packten gemeinschaftlich das Gemüs wieder in den Korb, und wollten ihn eben dem Mädchen aufsetzen, als zwey Soldaten von der Wache herbey gelaufen waren, die es ihnen gar freundlich wehreten. – »Das freut mich, sagte Henriette beym Weggehn, und indem sie noch einmahl umguckte, daß die Soldaten uns gesehn haben; wenn nun einmahl wieder ein armer[54] Tropf da in Noth kömmt, so lassen sie ihn schwerlich so lange zappeln.« – Und erzählen auch ihren Cameraden wohl noch die Geschichte, fügte Woldemar hinzu ... Indessen ... Aber haben Sie bemerkt, was da gleich für ein Trupp Menschen um uns stand? – »Ich gab nicht Achtung, erwiederte Henriette. Die glaubten wohl, es gäbe da ein großes sehenswürdiges Unglück zum Besten!« – Nichts anders, antwortete Woldemar. Wenn ich so denke, fuhr er fort, – es ist doch wunderbar, wie die Leute in ihrem Fratzenwesen sich so verlieren können, daß sie zu nichts natürlichem mehr den Weg finden, und ihnen immer am verkehrtesten dünkt, was es am wenigsten ist. Da war doch keiner, der sich nicht für Schande gefürchtet hätte, wenn er durch eine Handreichung dem Gequäle der armen Kinder ein Ende gemacht hätte, und nun, da wir es drauf wagten, nun werden sie es[55] uns zur Eitelkeit auslegen. – »Zur Eitelkeit?« stutzte Henriette. – Ja, sagte Woldemar, sie werden es für Liebe des Sonderbaren halten, für Hochmuth – was weiß ich? – allemahl für Fratze. – »Eben fällt mir ein, unterbrach ihn Henriette, daß Sie zu mir sagten: machen Sie sich so lange zu Dorenburg! – Wie, wenn ich's gethan hätte?« – Es wäre nie mir eingefallen, Sie deswegen zu tadeln, antwortete Woldemar, Sie sind ein Mädchen, Sie haben gerad einen Putz an, der Sie vorzüglich ins Auge stellt; ich hatte Ihre Hülfe nicht nöthig, und also konnten Sie umhin, sich dem Begaffen auszusetzen und die Sache abentheuerlicher zu machen. – »Und also tadeln Sie mich, daß ich mit gieng? – Sie haben Recht! Schwerlich hätte ich es auch gethan, wenn ich mich erst besonnen hätte; aber ich hieng so an Ihrem Arm, sah nur auf das Mädchen und den[56] Buben, und dachte nur darauf, was Woldemar thun würde: und wie der gieng, gieng's eben hinten drein mit mir, ich weiß nicht wie; – und was solls denn auch?« – Engel! sagte Woldemar, und wendete sich auf Henriettens rechte Seite, und drückte ihren Arm fest an sein Herz; – Engel! und er bebte davon wie er's leiser noch einmahl aussprach, und sein Angesicht schwand. – »Woldemar! sagte Henriette; Woldemar! was ist? was bewegt Sie so seltsam?« – und doch war sie selbst bis zu Thränen gerührt. – Was mich bewegt? erwiederte Woldemar. Beste! – es ist nicht von heute, nicht eben von itzt: es ist, Gott Lob! schon von lange: aber bey jedem neuen Vorfalle durchdringt's mich gewaltiger, und alles wieder, und alles auf einmahl! – Liebe! – das: daß du da bist – würklich da – daß ich Dich endlich habe – ein Wesen, dessen Herz, wie das meinige,[57] sich von jedem Moment der Schöpfung ganz erfüllen läßt – daß sich nicht scheut allein zu thun, was unter tausenden keins möchte und auch keins dürfte – das eine That, die in tausend Fällen nicht schön und nicht gut wäre, in dem Einzigen, wo sie schön und gut ist, schnell dafür erkennt und da muthig sie ausübt – das immer nur seinen eigensten Willen thut, und doch, mit hellem Blick gen Himmel, sagen darf: »Vater, deinen Willen!« – – O du Eine! Du Meine!

Es dauerte keine zwey Jahre, da waren beyde Seelen so ganz von einander durchwittert, waren miteinander in so geheime durchgängige Befassung gerathen, daß sie nie in etwas sich mißverstanden. Woldemar erlaubte sich nun gegen seine Freundinn nicht die kleinste Zurückhaltung mehr; er wollte nicht höher[58] bey ihr gelten als seinen innerlichen Werth; und da sie ihn so gut zu fassen im Stande war, als er nur selber mochte; so sah er keinen Grund ihr irgend etwas zu verheelen. Sie durfte so leise in sein Zimmer treten als sie Lust hatte, und bey jedem Geschäfte ihm über die Achsel gucken. Wenn er verreist war, erbrach sie alle Briefe, ohne Ausnahme, die an ihn kamen, und beantwortete viele davon, auch die von dem vertrautesten Inhalt, an ihres Freundes Statt.

Woldemar fühlte sich wie neugebohren; alle Menschen waren ihm lieber, und er war es allen Menschen und sich selbst. Es konnte nicht fehlen, nachdem er einmahl in Ein Geschöpf ein unumschränktes Vertrauen gesetzt hatte, daß die ganze Gattung dabey gewinnen mußte. Wie viel mehr seine näheren Bekannten und Freunde! Jedermann prieß die Veränderung[59] die man an ihm wahrnahm; daß er so merklich offener, mittheilender, duldsamer, gleichmüthiger und geselliger geworden sey; daß man itzt so viel mehr als sonst von ihm habe. – Es war ihm eben durch und durch wohl; und der Zufriedene – wie leicht dem nicht jedes Opfer? – er hat soviel zu missen!

Unterdessen aber hatte man auch allgemach in der Familie gelernt Woldemaren besser zu verstehen; und das war größtentheils Henriettens Werk. Sie wußte so einnehmend zu erzählen, wie bey den Clarenaus mit Woldemar umgegangen wurde, daß dadurch unvermerkt bey den Zuhörern den Reiz zur Nachahmung entstand, und die Grillen des Menschen ein Ansehen von Liebenswürdigkeit, manchmahl gar von Erhabenheit bekamen. Es läßt sich nicht sagen was für einen leichten, nachläßigen und muntern Ton sie dabey hatte;[60] den hatte sie aber vorzüglich, wenn sie auf besondre Entwicklungen von Woldemars Character kam, oder seine Vortreflichkeit darstellte; das immer nur von ohngefähr, oder doch – wie von ohngefähr geschah; man war im höchsten Enthusiasmus, und wußte es nicht; wenigstens konnte man Henrietten nicht Schuld geben, daß sie einen angesteckt habe; so frey, so unbefangen schien sie dabey, und so rein und schlecht gab sie's hin. Die Unarten ihres Freundes war sie geständig, und sie neckte ihn bey jeder Gelegenheit damit. Dies mochte sie mit dem schärfesten Witz thun, Woldemar wurde nie böse, sondern er hatte eine wahre, herzliche Freude darüber; nur zuweilen wenn sie ihn an einer Seite traf, die er selbst noch nie so recht wahrgenommen hatte, wurde er ernsthaft und brach dann auf die herbeste Weise und manchmahl mit ungemeiner Hitze wider sich selber aus; aber ihre Laune wußte dieses Feuer[61] noch geschwinder zu löschen, als sie es angefacht hatte. Auch in jedem andern Fall, wenn Woldemars Enthusiasmus in Schwärmerey ausarten wollte, war sie gleich da, um ihn beym Ermel zu zupfen. Sie konnte seinen Ideen und Empfindungen in ihrem höchsten Schwunge nach; und Er war nicht weniger aufgelegt, ihre feinsten Bemerkungen und scharfsinnigsten Raisonnements in ihrem ganzen Umfange zu erwägen, und sie für das was sie waren, bey sich gelten zu lassen. Daher die herzlichste Gattung von Uebereinstimmung unter ihnen, jenes Gleichgewicht – jenes Zusammenfließen in Glauben – oder in Zweifel – jenes – wo man die Gegenwart des Freundes so lebhaft fühlt, und mit einer Rührung ihn umschlingt, die nichts anders so erwecken kann.[62]

Biederthal hatte das Verlangen nie los werden können, seinen Bruder mit Henrietten vermählt zu sehen. Er sprach oft davon mit seiner Luise und mit Dorenburg; aber sie sahen mit einander keine Möglichkeit dazu, weil der alte Hornich Woldemaren bis zum Abscheu haßte. Aus Scheu vor seiner Tochter, die ihm öfter darüber Vorstellungen gethan, mäßigte er sich zwar: aber seine Gesinnungen blieben darum nicht weniger wie sie waren, und das offenbar genug. Nun begab es sich, daß der Alte, der lange mit der Wassersucht bedrohet gewesen, sichtbar sich seinem Ende nahete, und nun konnte der gute Biederthal sich nicht länger halten. An einem Abend, da sie bey Dorenburgen sehr vergnügt zusammen bey Tische saßen, und Henriette unversehens ihres Vaters wegen abgerufen wurde, brach Biederthal, so wie sie zur Thür hinaus war, los: »Bald lieber Woldemar, bald, wird deine Noth ein[63] Ende haben! Du glaubst nicht, wie mirs beständig nachgeht; meine Frau, Dorenburg und Caroline könnens bezeugen.« – Woldemar verstand nicht gleich; – »Was für eine Noth?« – Biederthal lächelte, Luise, Dorenburg und Caroline mit. – »Nein, in Wahrheit! – Ich, in Noth?« – Doch mußte er anfangen und mitlächeln – – Endlich begriff er, fuhr zusammen und fieng laut zu lachen an: »Meine Noth!« rief er, und konnte kaum für Lachen, – warf die Serviette hin, sprang vom Stuhl auf und lief zu Biederthalen, dem er um den Hals fiel: – »meine Noth! du guter Biederthal, meine Noth!« und küßte und lachte; und lachte endlich so herzlich in einem fort, daß sie alle mechanisch einfallen, und lange warten mußten, bis sie erfuhren, warum das Gelächter. – »Bester! sagte Woldemar endlich zu Biederthalen, deut mir das nicht unrecht, daß ich deiner zärtlichen,[64] brüderlichen Aufwallung so ungereimt begegnete; du kamst mir zu unerwartet; gleich verstand ich dich nicht, und da ich dich verstand, machte der Ausdruck, dessen du dich bedient hattest, mir den Contrast meines würklichen Zustandes mit dem deiner Einbildung so auffallend, und stellte mir die Sache in ein so comisches Licht, daß ich durchaus mir Luft schaffen mußte. – – Sieh, Lieber, fuhr er sehr ernsthaft fort, ich bin mir nicht bewußt, je nur inne geworden zu seyn, daß Henriette zu dem andern Geschlecht gehört, geschweige daß ich eine Leidenschaft für sie empfunden hätte, oder noch empfände. Dies hab' ich auch genug zu erkennen gegeben, und daher kam mir der Einfall, Henrietten manchmahl Bruder Heinrich zu nennen, wie ihr tausendmahl gehört habt.« – Aber, sagte Dorenburg, Sie waren doch so aufmerksam auf Henriettens Gestalt; und das, auf eine so[65] eigene Art. Was andere daran auszusetzen fanden, das konnten Sie nicht sehen, ja Sie wußten es als Schönheiten auszulegen, und behaupteten die Sache, wenn man ihrem Gefühl widersprach, mit einem Eifer, mit einer Begeistrung... »Das will alles nichts bedeuten, unterbrach ihn Woldemar, wenigstens in Beziehung auf mich, dessen Auge für Schönheiten so offen, und für Mängel neben ihnen – so blind ist. Gestalt heißt überhaupt sehr viel bey mir, und was die von Henrietten vortrefliches ausdrückt, mußte, seiner eigenen Natur nach, eine Würkung auf mich machen, welche so leicht nicht verringert, wohl aber sehr erhöhet werden konnte; Leidenschaft aber, ich wiederhol' es, hat sie keinen Augenblick in mir erregt.« – Nun! fiel Biederthal lachend ein, Du auf einmahl so platonisch, was Dir sonst beynah ein Gräuel war! Du, Woldemar, Du, Du! – und das mir vor[66] Angesicht? – »Ich bitte Dich! sagte Woldemar, laß uns abbrechen!... Wo ist hier von platonischer Liebe die Rede? – Was bey uns diesen Nahmen führt, verhöhn' ich, wie immer. Auch bin ich mir sehr wohl bewußt, daß Klosterheiligkeit nie meine Sache war; Cynismus aber, oder Faunische Ausgelassenheit – noch viel weniger: und allemahl blieben diese Lippen doch nur der Freundschaft und Liebe geweiht, kein schnöder Kuß hat sie jemahls befleckt, und nie hat dies Herz an einem feilen Busen geschlagen. Mit ehrbaren Weibern und Mädchen muthwillig Liebeshändel anzuspinnen, oder viel mit ihnen zu tändeln, war auch nicht meine Art. Just weil meine Sinne äußerst reizbar sind, und ich mich schwer zu mäßigen weiß, fühlte ich geschwinde das unbehagliche, zerstreuende, schwächende, verwüstende, das mit dergleichen verknüpft ist, und da bemühte ich mich meiner[67] Einbildungskraft Meister zu werden, und kam bald so weit, daß ich mit den schönsten Weibern vertraut umgehen konnte, ohne im mindesten dabey meine Ruhe zu verlieren. In Wahrheit mein Freund, das ist nicht so schwer als verdorbene Menschen uns überreden wollen; denn selbst derjenige mächtige Reitz der Schönheit, welcher Leidenschaft erweckt, kann bey einer reinen Einbildung die Seele wie lang entzücken, ehe sich Begierden merken lassen.« – »Einen Augenblick! rief Biederthal – alles zugegeben; wenn aber dies letzte nun gerade dein Fall wäre?« – Um Gottes willen, erwiederte Woldemar, ich bin doch kein Knabe mehr! ich habe ja alle Kasereyen der Liebe bestanden; und ich sollte nun selbst nicht wissen, ob ich eine Leidenschaft im Busen trage? Wäre je der Wunsch in meine Seele gekommen, Henrietten zu besitzen, ich hätte sicher[68] nicht darauf geharret, daß unser guter Hornich wassersüchtig würde: soviel kennt ihr mich doch alle? – »Freylich, antwortete Biederthal – aber du bist ein so wunderbarer Mann; du hast dich schon oft so unbegreiflich getäuscht... wenn du abermahl dich hintergiengest, dich verwickeltest – wenn ich dich wieder unglücklich sehen müßte! – Woldemar! –« Ein tiefer Seufzer brach ihm das Wort im Munde, und er saß da – das rührendste Bild zärtlicher Sorge und ächter Lieb und Treue. Ueber Woldemaren hatte sich mit Biederthals Rede eine Fluth von Ideen und Empfindungen ergossen, so daß ihn der Anblick seines Bruders mit zehnfacher Gewalt erschütterte. Er wollte sprechen, seine Lippen öfneten sich – aber ihre Bewegung war nicht zu Worten. Auf einmahl traten ihm die Thränen in die Augen. Er beugte sich über den Tisch, und reichte Biederthalen die Hand –[69] und auf den Arm sank sein nasses Gesicht. – Alles war stumm und still. –

Nun sahen die Brüder sich einander wieder an – nun öfneten sich wider ihre Lippen – aber nicht zu Worten – nur zum Hauch der Liebe.

Endlich stand Woldemar auf, und nachdem er einigemahl im Zimmer auf und niedergegangen war, trat er zu Biederthalen, faßte ihn herzlich bey der Hand: – »Sey ruhig, Bester! sagte er zu ihm; ich bitte dich, sey ruhig! Ich schwöre dir in diesem feyerlichen Moment, daß ich für Henrietten nichts anders, als die reinste, heiligste Freundschaft empfinde; und alle Kenner des menschlichen Herzens sind darüber einig, daß Freundschaft nie in die Leidenschaft der Liebe ausarten kann. Warum soll ich durchaus Henrietten lieben? und da[70] ich sie nicht liebe, warum sollt' ich mich mit ihr vermählen? Ich verlöre dabey unendlich mehr, als ich gewönne. Das holde trefliche Geschöpf scheint ausdrücklich gebildet zu dem freyen Verhältniß, das jetzt zwischen ihr und mir besteht. Zu ihren Kenntnissen und Talenten hat sie noch alles erworben, was sie brauchte, um ganz meine Gefährtinn zu seyn; und meine Gefährtinn soll sie bleiben, soll nie meine Gattinn werden. Ich zittre vor dem bloßen Gedanken ein so herrliches Verhältniß der Gefahr einer Verwandlung auszusetzen, wär' es auch nur der unbedeutendsten. – Gott! diesen unschätzbaren Besitz – was schon würklich da ist, und über alles ist, freywillig zu zerstören – die höchste Glückseligkeit, die ich mir gedenken kann: – ich verdiente die Hölle! – Und ist es nicht für uns alle besser – am meisten für das liebe Mädchen selbst, daß sie ungefesselt wie bisher unter[71] uns wandle; gleich einer Gottheit, Freude und Seegen allenthalben vertheile?...«

Woldemar wurde gefragt: ob er denn entschlossen sey nie zu heyrathen? – Ob Henriette Willens sey immer ledig zu bleiben? – Nach letzterem hatte er nie geforschet; über das erstere erklärte er sich zweifelhaft. So schieden sie auseinander.

Henriette erfuhr diese Unterredung am folgenden Morgen von ihren Schwestern. Ueber Biederthals Anrede erröthete sie; und daß Woldemar ein so unmäßiges Gelächter aufgeschlagen, machte sie stutzig. Nie war in ihre Seele der Argwohn gekommen, daß über ihre Freundschaft mit Woldemaren ein unrichtiger Gedanke unmöglich sey: – ein Gemische von Unwillen und Schmerz bewegte ihr Inwendiges: – und Woldemar – hatte nur gelacht![72] Doch fand sie dies am Ende ganz natürlich, ganz an seinem Platz, und verwieß sich ihre Befremdung. Aber lebhaft fühlte sie in diesem Augenblick den Unterschied – zwischen Mädchen und Mann.

Ihre Schwestern, denen die kleine Verwirrung, worein Henriette gerathen, nicht entgangen war, machten ihre eigene Auslegungen darüber. Henriette ließ sie nicht lange in Irrthum; sie erklärte einerley mit Woldemar, und that es noch bündiger als er, und durchaus bestimmter. – »Du bist also wohl fest entschlossen nie zu heyrathen,« sagte Caroline. – Man kann nicht fester, erwiederte Henriette. – »Und Woldemar auch wird nie heyrathen?« – Woldemar wird heyrathen, und du sollst sehen, er heyrathet bald. – Ich bitte dich, Henriette, (fiel Luise ein) – aber[73] du mußt nicht ärgerlich werden – als Woldemar erst zu uns gekommen war.... »Schon genug! unterbrach Henriette. – Ich verlange das nicht zu läugnen, daß Woldemar Eindrücke auf mich gemacht hatte, wovon ich damahls glaubte, daß Leidenschaft sie leicht zu Leidenschaft würde beleben können. Woldemar kannte sein Herz besser; und ich – habe seitdem auch das meinige kennen gelernt. Nunmehr, nach der innigen Freundschaft, die unter uns entstanden ist, kann ich mir Woldemaren gar nicht mehr als Liebhaber nur gedenken. Ich bin gewiß, daß ihm in Absicht meiner nicht anders zu Muthe ist. Aber den Fall gesetzt, es wäre möglich, daß Woldemar nun auf einmahl in Liebe gegen mich entflammte – sieh! es würde dies eine Würkung auf mich machen, wovor meine Einbildung sich entsetzt – es wäre das unglücklichste, das abscheulichste, was mir begegnen könnte. Gut, daß[74] ich eher des Himmels Einsturz zu befahren habe!«

An demselbigen Tage, gegen Abend, gieng Woldemar zu Henrietten, um ihr den Auftritt bey Dorenburgen zu erzählen. »Ich weiß schon alles, unterbrach sie ihn, da er anfangen wollte; Sie sollen heyrathen, das steht Ihnen nicht an: aber hör, Brüderchen, du mußt! du mußt, oder es taugt nicht.« – Wenn ich muß; nun in Gottes Namen, Bruder Heinrich! – »Deine Hand drauf!« – Woldemar zuckte. Henriette lächelte: »Nun!« – Henriette! Schwester! muß ich fragen, ob das dein Ernst ist? – »Mein Ernst! Was?« – Ach! rief Woldemar unwillig. – »Sachte, sachte! gab Henriette; ich habe Ihr Wort, und darauf fordre ich Ihre Hand; her, lieber Woldemar, her Ihre Hand – für: Allwina Clarenau!« – Ey! sagte Woldemar,[75] das ist ja abermahl etwas neues! – »Etwas Neues? Nichts weniger! Ich hatte Ihnen meine Freundinn bestimmt, noch ehe Sie bey uns waren. Diese Idee ist mir von Tage zu Tage lieber geworden, und ich hätte sie Ihnen längst entdeckt, wenn nicht die Gewalt, welche Allwinens Vater dem meinigen über das Schicksal des guten Kindes gelassen, der Erfüllung meines Wunsches bisher im Wege gewesen wäre. Auf der ganzen Welt ist so kein Mädchen für Sie wie unsere Clarenau?« – Allwina ist ein liebes herrliches Geschöpf, sagte Woldemar, aber um des Himmels willen, warum soll ich denn durchaus eine Frau haben? – Henriette zuckte mitleidig die Achseln: »Wunderlicher Mensch! – um desto glücklicher zu seyn; auch um mich desto glücklicher zu machen.« – Sie heyrathen dann wohl auch? – »Wie mögen Sie nur so albern thun, Woldemar? Mit mir, mit Ihrer Henriette[76] dergleichen – ja Complimente? Als wenn nicht der Unterschied in die Augen fiele? Mich verlören Sie beynah' ganz, wenn ich meinen Stand änderte; Sie, im Gegentheil, bringen mich um nichts, wenn Allwina Ihre Gattinn wird; vielmehr gewinn ich unendlich: muß ich Ihnen etwa das der Länge nach auseinandersetzen? – Hiezu kömmt noch, daß ich nach meines Vaters Tode, bey Euch am liebsten meine Wohnung aufschlüge. –«

Woldemar umarmte seine Freundinn. – Aber, sagte er, ich fühle keine Leidenschaft für Allwina; sie – keine für mich, und ich kann nicht begreifen... »Halten Sie inne, Woldemar, sagte Henriette; Sie würden mich zum erstenmahl in Ihrem Leben ungeduldig machen. – Haben Sie nicht hundertmahl gesagt, daß Sie nie aus Leidenschaft heyrathen möchten? – Haben[77] Sie nicht hundertmahl gesagt, Sie würden nie von einem Mädchen Leidenschaft verlangen; man dürfe diese von keinem Mädchen erwarten, das ein ächtes Kind der Natur sey; denn Mutter Natur habe das Weib nur zu Einer Leidenschaft angewiesen – zur Leidenschaft für die Kinder; Mutterherz sey sein wahres, eigentliches Wesen. Wo ein Weib – sagten Sie – die Leidenschaft der Liebe gleich uns Männern zu empfinden scheint, da wird fast immer etwas unlauteres, verkehrtes zum Grunde liegen. Nicht ein herrschender, unmittelbarer Trieb, sondern Leichtsinn, Eitelkeit, schnödes Gelüst reißt es hin. Und darum – fügten Sie hinzu – ist ein ungetreues, buhlerisches Weib mit Recht für das niederträchtigste aller Wesen zu halten«... Also, mein Freund, wäre das, was sie eben vorzubringen gedachten, wohl nur eine Ausflucht gewesen; und[78] was haben Sie Ausflüchte nöthig? Sie sind in Verlegenheit, ich seh' es – das kränkt mich eben. Ueber meinen Antrag zu stutzen, war natürlich, wie sie ihn aber von sich weisen – darinn ist.... »Nicht wahr, sagte Woldemar – darinn ist Verstellung? Liebe Henriette, ich will Ihnen meines Herzens Gedanken sagen: Allwina Clarenau ist allerdings ein sehr reitzendes Geschöpf in meinen Augen; wohl ist mir auch einmahl durch den Kopf geflogen: Das wäre gerade eine Frau für dich! und vielleicht wäre der Gedanke öfter wiedergekommen, und hätte nach und nach mehrern Raum gewonnen, wäre nicht das schöne innige Verhältniß mit Ihnen gewesen. So aber mochte ich mir nicht einfallen lassen zu heyrathen, weil ich mir nicht wollte einfallen lassen, daß Sie heyrathen könnten. Und dann: ich fühlte mich so glücklich in meiner gegenwärtigen Lage, –[79] liebe Henriette, so weit über alle meine Hofnung glücklich, daß ich mich der Sünde fürchtete noch glücklicher werden zu wollen. – Henriette reichte ihm ihre Hand, zog dann die seinige sanft ihren Lippen entgegen, die sie darauf gedruckt hielt, während er fortfuhr: Noch glücklicher? (Er hatte seine linke auf ihren Schoos gelegt und sacht' ihre Wange geküßt,) sag', Liebe, wär es nicht Frevel? – Und Frevel auch von dir, deiner Freundinn einen Mann anzurathen, der doch an dir allein, obgleich nur in Freundschaft, aber doch an dir allein nur mit ganzer Seele hängt? – Nein; laß, laß! – ich bitte dich, Engel, laß! –« Woldemar! – sagte Henriette, indem sie sich aufrichtete und mit dem süßesten Blick ihn faßte – Woldemar! Lieber! – nur ein bischen Besinnung! – Für so gering wollten Sie Ihre Seele geben, daß ihre Kraft[80] an einem einzigen Gefühl erschöpft wäre, das nicht einmahl Leidenschaft ist? Sehen Sie nicht, was für eine Schmach Sie auf unsere Freundschaft legen; was für ein läppisches, ärgerliches Ding Sie daraus machen, sobald dieselbe Sie hindert, daß Sie nicht alles seyn können, wozu Sie von der Natur den eigentlichsten Beruf haben? Sagen Sie nicht, das lasse sich gegen mich selbst zurückwenden. Sie wissen was ich seit Jahren beschlossen hatte, und mit bestem Grunde. Ueberhaupt ist mit einem Mädchen der Fall durchaus anders. In meiner Lage nun gar, die so voll herzlicher Geschäftigkeit, so voll wahres Lebens und Genusses ist, daß ich schwerlich zu weit gehe, wenn ich meine Bestimmung für so schön und gut und vollkommen achte, als irgend Eine. Und dann: so und nicht anders war nun schlechterdings einmahl meine Bestimmung; auf der Bahn, die mir mein[81] Schicksal geöfnet, bin ich gerad und einfältig hingegangen; Ort und Stelle, wo ich mich befinde, sind unfehlbar die rechten; ich kann sie eben so wenig ändern, als ich mag.... Genug hievon – und genug überhaupt; denn wenn Ihre Freundschaft für mich das ist, wofür ich sie immer gehalten (und das muß sie seyn, oder es ist Grillenfängerey damit) so kann niemanden dadurch etwas genommen werden, am mindesten dereinst Ihrer Gattinn, wer sie auch sey. Allwina, die bisher so merklich dabey gewonnen hat; die selber mich bis zur Ausschweifung liebt; wie könnte sie dabey verlieren? Allwina hat von je her ihren eigenen Antheil an Ihrem Herzen gehabt, einen so eigenen vielleicht, als immer ich, und gewiß einen unmittelbareren. Die Lieblichkeit des Mädchens, seine wunderbare Unschuld, aus der es einem so hell entgegen strahlt, daß sie unverführbar[82] ist, wie die Unschuld eines Engels; seine frohe Laune, mehr werth, als aller Witz; seine Arglosigkeit, Genügsamkeit, Eitellosigkeit... Wie waren Sie nicht tausendmahl davon entzückt, und sind es alle Tage noch? – Und, Woldemar – die Schönheit des holden Kindes? – Oder ist Allwina etwa nicht schön – (Woldemar mußte lächeln) – und auch etwa nicht jung? – Doch ist sie sieben Jahre jünger als ich, kaum über neunzehn. Gewiß, lieber Woldemar, es ist kein geringes Wunder, daß Sie neben Allwina Zeit behielten, mich Ihre Freundinn werden zu lassen. Wären Sie nicht der seltsame Mann, mit einem Kopf, der Ihnen wenigstens eben so viel zu schaffen macht, als Ihr Herz, und der mit diesem ganz ähnliche Bedürfnisse hat: es wäre nie geschehen – und desto schlimmer für Allwina. Wie vieles in Woldemar, das ohne mich, nie an Allwina gelangt wäre! – Nicht[83] weiter Henriette! rief Woldemar; ich verstehe, ich fühle alles, aber ich bin betäubt. Wenn der Engel mir bestimmt ist, ich will ihn nicht von mir weisen. Lassen Sie mir Zeit.

Es war im Merz, da diese Unterredung vorfiel. Einige Zeit darauf glaubte der alte Hornich sich von neuem zu erholen, und Henriette bekam Erlaubniß die Clarenaus auf ihren Landsitz zu begleiten. Woldemar gieng auch mit. – Henriette stand in sehr geheimen Verträgen mit der Natur. Hier schien diese ganz mit ihr dazu verschworen, daß das Herz des guten Woldemars von der Liebe beschlichen würde. Wie ihm zu Muthe war, erhellet aus einem ziemlich dithyrambischen Briefe, den er in die Stadt an seinen Biederthal schrieb. Hier ist er.
[84]

Am 28sten April.


»Ich glaube, Bruder, alle Nachtigallen haben sich hieher in unsere Büsche beschieden! Es ist ein Singen, daß man es kaum aushalten kann. All die andern Vögel dazu. Das Heer von Lerchen, die in ununterbrochenem Jubel einem über dem Kopfe schweben. Rund herum die ganze vollständige Symphonie. Und dann – hör! – durch all den Gesang durch – aus allen möglichen Distanzen – die Wechsellieder der Nachtigallen. Man weiß nicht wohin sich kehren und wenden. Und ruht das Ohr nun einen Augenblick, dann fallen all die Bäum- und Hecken-Blüthen über einen – all das neu gewordene Laub... – Und sieh da! die herrliche Ebene; – das vielfarbene Grün dort im Thal! – O,[85] und die Hügel da hinauf! – Seitwärts die darüber ragenden Höhen! – Hier – durch die Oefnung – noch weiter! Alle Gipfel durchsichtig; alles so lüftig, so voll lebendigen Othems, sich einander anhauchend mit Wohlgerüchen, und ausströmend seine beste Kraft in Schönheit und Wohlthun ... – Da auf einmahl laut vom nächsten Zweig der hellste Schlag!! – Es fuhr durch Mark und Bein – Offen allem! – Welt und Himmel! – Meine Begleiterinnen, die zwey lieben Mädchen standen da vor dem Verzückten. – Gott! meine Brust so eng, so fest! ich wankte, taumelte nieder, verbarg mein Gesicht... – Es war Sonnen Untergang. Ich wandelte mit meinen Freundinnen sachte unserer Wohnung zu, sammelnd in mir[86] alle die Töne, die in meiner Seele angeschlagen hatten, daß sie nicht verhalleten, wenigstens nicht so geschwinde verklängen. Ein vieljähriges Gemisch dunkler Empfindungen ordnete sich in Melodie; und diese Melodie wieder in Accorde. In den schwindenden Sonnenglanz traten Sirius und Venus. Vor und nach erschienen die übrigen Sterne. Wir hörten die Music der Sphären.

So weit hatte ich gestern Abend geschrieben. Jetzt komm' ich von einem Spatziergang mit Allwina nach Hause. Henriette hatte zu schreiben. Schon um fünf Uhr waren wir draußen. Als wir einem Wäldchen, auf einem Hügel gelegen und schön wie ein Paradies, vorbeykamen, wünschte ich uns in den Stand der Unschuld. Nun ließen wir's[87] linker Hand liegen, und wandelten nach dem Wasserfalle zu, und setzten uns nächst dem großen Teich, der so hell und schön da stand, daß man sich nur gleich hätte hineinstürzen mögen. – Am Sonnabend schreib ich dir wieder, und wer weiß, vielleicht etwas merkwürdigeres.

Dein Woldemar.«


... Es giebt eine Menge lieblicher Scenen, wo die verborgensten Quellen der Seele sich öfnen, und die sich auf kein Schaugerüst bringen lassen. Sie lassen sich auch nicht malen, weil sie rund um im vollsten Himmelslichte gesehen seyn wollen.

Allwina ruhte an Henriettens Busen. Da empfieng sie Woldemars Gelübde, und es ergab sich ihre Seele dem Edlen.[88]

Quelle:
Friedrich Heinrich Jacobi: Woldemar. Stuttgart 1969, S. 11-89.
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Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

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Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

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