Jean Paul (Gemälde von Heinrich Pfenninger, 1798)
Jean Paul (Gemälde von Heinrich Pfenninger, 1798)

Johann Paul Friedrich Richter,

auch: Jean Paul

(1763–1825)

Johann Paul Friedrich Richter wird 1763 als Sohn eines Pfarrers und Lehrers in Wunsiedel geboren. Das in Leipzig begonnene Theologiestudium bricht er 1784 erfolglos ab und versucht sich - ebenso erfolglos - unter kargen wirtschaftlichen Bedingungen als satirischer Dichter. 1790 ereilt ihn eine sogenannte Todesvision, deren emotionale Auswirkung ihn nachhaltig prägt. 1793 veröffentlicht er unter dem fortan stets benutzten Pseudonym »Jean Paul«, dass er aus Verehrung für Jean-Jacques Rousseau wählt, sein erstes größeres Werk: »Die unsichtbare Loge«. Dem Achtungserfolg folgt 1795 der endgültige Durchbruch mit dem Erziehungsroman »Hesperus«. Jean Paul schreibt in rascher Folge weitere große Romane, »Siebenkäs«, »Titan«, und schließlich seinen größten Erfolg, die »Flegeljahre«, die großen Anklang, vor allem beim weiblichen Publikum finden. Königin Luise lädt ihn nach Potsdam ein, er begegnet Fichte, Schleiermacher, Friedrich Schlegel, Tieck und Bernhardi und lebt auf Einladung von Goethe und Schiller zeitweise in Weimar. Er wird Ehrenmitglied des Frankfurter »Museums«, Mitglied der Berlinischen Gesellschaft für deutsche Sprache, Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und die Universität Heidelberg verleiht ihm die Ehrendoktorwürde. 1825 stirbt Jean Paul fast völlig erblindet in Bayreuth. Das Erleben einer - später idylisch verklärten - wirtschaftlich wie geistig beengten Jugend, die unscheinbare Kleinbürgerlichkeit sucht Jean Paul durch zwanghaftes Schreiben zu kompensieren. Den Hungerjahren entflieht er durch Lesewut und das Anlegen umfangreicher Zettelkästen mit Exzerpten, die sein späteres Werk filigran bereichern. Sein Frühwerk nennt er selbst eine »satirische Essigfabrik«, die Absicht seiner späteren Text sieht er in der »Synthese des Dualismus zwischen Poesie und Wirklichkeit«. Oft skurril und witzig steht bittere Satire neben sanftem Humor, neben hartem Realismus verklärte Idylle. Sein Werk ist so widersprüchlich wie der Autor selbst.