Siebzehnter Auftritt.

[67] Die Vorigen. Wellenschlag. Robert.


ROBERT. Teuerster Vater!

WELLENSCHLAG. Wir sagen nein, und hundertmal nein! Es freut uns, daß das Haus Hochfeld nicht falliert hat, doch die Heirat ist unmöglich, wir geben nie unsre Einwilligung!

KLOTILDE. Ah!

WELLENSCHLAG. Sage selbst, Robert! Würdest du diesen rohen Bauer, der uns insultiert, uns eine Sardelle genannt hat, würdest du den als Onkel anerkennen wollen?

HOCHFELD will vortreten. Herr von Wellenschlag.

SEBASTIAN leise zu Hochfeld. Ich bitt' dich, halt's Maul!

WELLENSCHLAG zu Robert. Antwort will ich!

SEBASTIAN stellt sich plötzlich vor Wellenschlag. Die will ich Ihnen geben.

ROBERT. Mein Gott!

WELLENSCHLAG. Schon wieder der Mensch, Für sich. wenn er mich erkannt hätte. Er dreht den Kopf weg, um von Sebastian nicht gesehen zu werden.

SEBASTIAN stellt sich ihm auf der andern Seite vors Gesicht. Ja, ja, ich will für alle reden –

WELLENSCHLAG wendet sich wieder ab. Wir können uns nicht verständigen.

SEBASTIAN wie früher. Warum denn nicht – ich red' ja ganz deutlich. Er betrachtet ihn scharf. Aber das ist doch sonderbar.

WELLENSCHLAG. Was?

SEBASTIAN für sich. Die Sardelln hab' ich schon wo g'sehn –

HOCHFELD. Was hast du?

SEBASTIAN immer Wellenschlag betrachtend. Nichts – ja, ja, wie g'sagt, Für sich. die Augen – Laut. wenn man a guts Herz, Für sich. die Nasen – Laut. man muß nit grausam gegen die Lieb' junger Leut' sein – Für sich. und das nämliche Kinn –

WELLENSCHLAG. Was für ein Kinn?

SEBASTIAN. Da triff' ich ja eine alte Bekanntschaft noch aus'n Kriegszeiten.[68]

WELLENSCHLAG. Sie irren sich in der Person –

SEBASTIAN. Gar ka Ned' – Waren wir nicht einmal Proviantmeister bei ein ausländischen Korps, was mit unserer Armee verbündt war –

WELLENSCHLAG für sich. Ich bin entdeckt –

ROBERT. Ja, mein Vater bekleidete vor dreißig Jahren diese Stelle bei der rheinischen Armee –

SEBASTIAN. Na, da werden Sie sich doch auf den letzten Feldzug noch z' erinnern wissen, wo Sie sich so rühmlich ausgezeichnet hab'n –

WELLENSCHLAG für sich. Verfluchter Kerl!

SEBASTIAN leise zu ihm. Ich war dazumal Ortsrichter und Sie bei mir einquartiert, Sie hätten nach Ihrem Kontrakte so viel tausend Metzen Haber für die Kavallerie liefern sollen, und auf einmal war'ns verschwunden, ich hab' noch die schriftliche Order z' Haus, ein Steckbrief, vermög' den man Ihnen, sobald man Ihnen derwischt, als ein Verräter niederbrennen kann.

WELLENSCHLAG leise. Still!

SEBASTIAN behaglich. Na, wie geht's Ihnen denn alleweil?

WELLENSCHLAG in Verlegenheit. Ich danke, recht wohl, mein wackerer Herr Richter!

SEBASTIAN. Sehn Sie, jetzt kennt er mi a wieder.

WELLENSCHLAG leise. Unter welcher Bedingung versprecht Ihr mir ewiges Stillschweigen, und liefert mir die Order aus –

SEBASTIAN. Die, Ihnen niederz'brennen?

WELLENSCHLAG. Schweigt, um Gottes willen – was begehrt Ihr –

SEBASTIAN. Gar nichts für mich, sobald Ihr Herr Sohn mei Jungfer Mahm heirat, wird die Order als a Familienstuck in Ihre Hände g'liefert!

WELLENSCHLAG. Ich willige ein.

SEBASTIAN. Seins so gut, sagens das laut!

WELLENSCHLAG. Lieber Robert, und Sie, liebe Kleine! – Ich erinnere mich noch sehr lebhaft, welch ausgezeichnete Dienste dieser wackere Landsmann geleistet, und unsere Vaterlandsliebe und die von uns dem wahren Verdienste nie versagte[69] Anerkennung bestimmen uns, nur aus Rücksicht für diesen Patrioten –

SEBASTIAN. Gehorsamster Diener!

WELLENSCHLAG. Unsere Einwilligung zu eurer Vermählung zu geben! – Aber jetzt – wir fühlen uns nicht gar wohl – Sie entschuldigen – wir müssen nach Hause! Er geht ab.

SEBASTIAN. Juhe! Kommts her! Er legt die Hände der Liebenden ineinander und segnet sie. Jetzt ist der Sieg vollständig! Jetzt rufts 's ganze Haus z'samm, und die heutige Tafel soll z'gleich Verlobung und Freudenfest sein, das heißt – Zu Hochfeld mit einem leisen Vorwurf. wanns mich an euern Tisch sitzen laßt's –

REGINE, APOLLONIA, GLATT, HALLER UND EULALIA kommen von verschiedenen Seiten herbei.


Quelle:
Friedrich Kaiser: Stadt und Land oder Der Viehhändler aus Oberösterreich. Leipzig [1905], S. 67-70.
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