Vierzehnte Szene


[382] Graf steht verlegen und guckt in den Mond – Gräfin sieht ihn lächelnd an.


GRÄFIN. So sieh mich doch an, Bruder!

GRAF. Ich weiß recht gut, wie du aussiehst.

GRÄFIN. Dasmal habe ich deine Ehre gerettet.

GRAF. Danke!

GRÄFIN. Madame Friedberg hat mir aufgetragen –

GRAF. Verdammtes Weibervolk![382]

GRÄFIN. Dir diese Ohrgehänge wieder zuzustellen.

GRAF. Das hängt zusammen, wie Kletten.

GRÄFIN. Die vermutlich durch ein Mißverständnis –

GRAF. Schon gut. Gib nur her!

GRÄFIN. Sind wir nun fertig?

GRAF. Ja!

GRÄFIN. Wollen wir einen Mietwagen nehmen?

GRAF. Nein!

GRÄFIN. Also zu Fuße?

GRAF. Nein!

GRÄFIN. Ich habe aber nicht Lust, hier länger Abenteuer zu suchen.

GRAF. So geh!

GRÄFIN. Ganz allein?

GRAF. Du bist ja allein gekommen.

GRÄFIN. Willst du noch einen Spaziergang machen?

GRAF. Ja!

GRÄFIN. Über die Sache nachdenken?

GRAF. Ja!

GRÄFIN. Du willst dich noch ein wenig abkühlen?

GRAF. Nein!

GRÄFIN. So empfehle ich mich dir.

GRAF. Adieu!

GRÄFIN klopft ihm schalkhaft auf die Schulter.

Mit der schlauen Liebe kosen

Darf man nicht am Krückenstab;

Nur der Jugend blühen Rosen,

Nur die Jugend pflückt sie ab.


Geht.


Quelle:
August von Kotzebue: Schauspiele. Frankfurt a.M. 1972, S. 382-383.
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