1. Auftritt

[30] Schöller. Amalie.


SCHÖLLER. Wo bleiben denn unsere Herrschaften nur wieder so lange?

AMALIE. Die sind noch auf ihren Zimmern. So machen sie es stets.

SCHÖLLER. Schließlich kommen die Herren, die ich eingeladen habe, früher an, und das ist doch unangenehm.

AMALIE. Wen hast du denn zu unserem Gesellschaftsabend geladen?

SCHÖLLER. Diesmal eigentlich nur zwei Herren, die Herren Klapproth und Kißling, der Onkel des jungen Klapproth wird aber auch mitkommen, ein gemütlicher, alter Junggeselle, der, wie ich hörte, hier in der Nähe ein kleines Landgut hat, du siehst also, alles respektable Leute.

AMALIE. Ach, Schöller, wenn doch unter diesen –

SCHÖLLER ärgerlich. Ich weiß schon, was du wie der willst: »Ach, wenn doch unter diesen ein Heiratskandidat für meine Friederike wäre.«[30] – Ist's vielleicht nicht so? Den Teufel auch, Schwägerin! Das bekomme ich nachgerade satt! Das ist ja förmlich zur Manie bei dir geworden, auf einen Gatten für Friederike Jagd zu machen. Wart's doch ab!

AMALIE. Wo so viele Mädchen heutzutage sitzen bleiben, halte ich es als Mutter für meine Pflicht, bei Zeit schon darauf bedacht zu sein, daß sie anständig versorgt sei.

SCHÖLLER. Das ist eine übertriebene Aengstlichkeit, Schwägerin. Ein so hübsches, braves und liebes Mädchen, wie deine Friederike, bekommt ganz ohne Einmischung einen Mann, während du sie durch dein lächerliches Feilbieten und Anpreisen geradezu kompromittierst.

AMALIE. Schwager, das verstehst du nicht! Aber bitte, entschuldige mich, ich will im Musikzimmer die Lichter anzünden lassen. Will Mitte ab.

SCHÖLLER. Apropos, ist Eugen schon da?

AMALIE. Schon lange. Er sitzt in einem Winkel und scheint eine neue Rolle zu studieren. Ab Mitte.

SCHÖLLER. Dem werde ich auch wieder einmal gründlich den Kopf waschen müssen, der vernachlässigt sonst über seinem dummen Schnickschnack noch ganz seinen Beruf. Folgt Amalie, ab Mitte.


Quelle:
Carl Laufs: Pension Schöller. Berlin 11[o.J.], S. 30-31.
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