Die vierdte Abhandlung.

[105] Der Schauplatz verändert sich in des Augustus Gezelt.

Augustus. Dercetæus. Der Trabanten Hauptmann.


AUGUSTUS.

Was ist die Heimligkeit / die du uns wilst entdecken?

DERCETÆUS.

Herr / diesen scharffen Dolch und seine Purper-Flecken.

AUGUSTUS.

Durch weßen Hand und Blutt ist dieser Stahl benätzt?

DERCETÆUS.

Herr / Fürst Anton hat ihn ihm selbst ans Hertz gesetzt.

AUGUSTUS.

Was hätt ihn noch zur Zeit zu solcher That bewogen?

DERCETÆUS.

Ich habe selbst den Dolch ihm aus der Brust gezogen.178

AUGUSTUS.

Den du gewiß zuvor ihm hast hinein gesteckt.

DERCETÆUS.

Der Himmel wolle nicht: daß mich solch Mord befleckt!

AUGUSTUS.

Man weiß / was Sklaven sich oft mördrisch unterwunden.

DERCETÆUS.

Ich weiß / wie hoch ein Knecht dem Herren sei verbunden;

Wie weit ein böser Mensch durch Laster kommen kan.

Nein! Dercetæen klebt kein solches Brandmal an.

Der Schatten folgt dem Licht / und Pein dem Ubelthäter.

Man libt Verrätherei; doch haßt man den Verräther.

Es sucht die Rache zwar oft ihres Feindes Blutt;

Doch ist sie dem / der es ihr liefert / nicht stets gutt.

Anton hat selbst den Stahl ihm durch das Hertz getriben /

Dem ich biß in den Todt aufrichtig treu verbliben:[105]

Auch wolt ich noch nicht itzt des Keysers Treuer sein /

Vergrübe Nacht und Todt nicht meinen Herren ein.

Nun aber Fürst Anton nicht mehr mein Herr ist blieben /

Trag ich den Mohren auch zu dienen kein Belieben:

Der ich in Rom erzeugt / noch so viel Römisch kan:

Es stehe mir kein Herr / als nur ein Römer / an.

Und weil man sich doch auch verliebt ins Feindes Tugend /

So wil ich keinem sonst aufopfern Geist und Jugend /

Als dem an Rath und That unsterblichen Augustus.

Schwebt nun ein Tropffen Blutt / ein Athem in der Brust /

Der falsch und untreu ist / so mag das Schwefel-Blitzen

Den kohl-pech-schwartzen Brunn der Adern mir zerritzen.

Wo aber mich August zum Sklaven würdig schätzt /

Hat mein verwegen Fuß hier glücklich angesätzt.

AUGUSTUS.

Darf sich der Keyser wol auf deine Worte gründen?

DERCETÆUS.

Man wird die Glutt eh kalt / als mich betrüglich finden.

AUGUSTUS.

Wenn hat Anton an sich so grimme That vollbracht?

DERCETÆUS.

Vor keiner Stunde nicht / es war schon Mitternacht.

AUGUSTUS.

Wie bistu so gar bald durch Wach und Pforten kommen?

DERCETÆUS.

Wol! denn ich hatte vor das Losungs-Wort vernommen.

AUGUSTUS.

Was meinstu? welch ein Sturm hab ihn in Grund gejagt?

DERCETÆUS.

Weil man Cleopatren ihm fälschlich todt gesagt.

AUGUSTUS.

Uns tauret / daß der Mann durch ein solch Weib sol fallen!

Der Liebe Gifft ist doch das giftigst unter allen;

Wie manchen hohen Sinn hat doch die Pest verzehrt /

Wie manche Länder hat die Glutt in Rauch verkehrt!

Vermaledeites Weib / sei tausend mal verfluchet!

Wir wolln entschuldigt sein. Augustus hat versuchet /

Was zu versuchen war! Doch er schlug alles aus.

Wer sich nicht leschen läßt / der siht sein brennend Haus

Gar billich in der Asch. Jedoch / der Unfall zwinget

Uns bittre Thränen ab.179 Anton / dein Kleinmuth bringet

Dich selbst umb Geist und Reich / und dein verzweifelnd Stich

Beraubt des Wolthuns uns / des Lebens aber dich.

Hat das Verhängnüs denn uns nicht den Ruhm wolln gönnen;

Daß wir zwar sighaft sein / doch auch vergeben können?

Jedoch der Schmertz muß nicht verspilen Glück und Zeit /[106]

Ein Augenblick versäumt Sieg und Gelegenheit.

Stracks / Hauptmann! lasset sich die Läger fertig machen.

Den aber / laßt indes aufs fleissigste bewachen.


Augustus. Agrippa. Mecænas. Cornel. Gallus.


GALLUS.

Hochmächtig-grosser Fürst / ein Hauptmann des Anton

Sucht ängstiglich Verhör.

AUGUSTUS.

Sehr wol! wir willen schon

Den Vorschmack seiner Angst. Er wird zum Kreutze krichen.

Beruft die Räthe bald. Wieviel ist Nacht verstrichen?

GALLUS.

Es sind noch ungefehr zwei Stunden bis an Tag.

AUGUSTUS.

Sags dem Gesandten an: daß er uns sehen mag.

GALLUS.

Gewafnet?

AUGUSTUS.

Nimm ihn an / wie andere Gesandten /

Durch der Trompeten Schall / begleitet von Trabanten.

Gleich recht! ihr stellt euch ein zu rechtgewünschter Zeit.

AGRIPPA.

Wir sind zu's Keysers Dienst bei Tag und Nacht bereit.

AUGUSTUS.

Des Feindes Hochmuth fällt. Wir solln Gehöre geben.

MECÆNAS.

Der Keyser wolle stets glückhaft und Siegreich leben!

AUGUSTUS.

Was meint ihr? was für Blutt hat diesen Dolch befleckt?

AGRIPPA.

Was gilts; er hat dem Feind in seiner Brust gefleckt.

AUGUSTUS.

Du trifsts / Anton hat ihm hierdurch den Geist benommen.

MECÆNAS.

Hilf Himmel! wie ist der ins Keysers Hände kommen?

AUGUSTUS.

Durch den / der ihn ihm selbst gerückt aus seiner Brust.

AGRIPPA.

Glück zu! solch Fall erhöht / und solch Verlust gibt Lust.

MECÆNAS.

Man sol ob's Feindes Fall sich spigeln / nicht erfreuen.

AGRIPPA.

Es würd Anton wol nicht des Keysers Todt bereuen.

MECÆNAS.

Der irrt / der dem Anton den Keyser gleichen wil.

AGRIPPA.

Des Feindes Knochen sind der Siger Kurtzweil-Spiel.

MECÆNAS.

Doch Cæsars Thrän ist auf Pompejens Kopff geronnen.

AGRIPPA.

Das Auge wölckt sich oft; im Hertzen scheinen Sonnen.

MECÆNAS.

Die Rache leschet aus mit unsers Feindes Licht.

AGRIPPA.

Wer sich nicht anstelln kan / der taug zum Herrschen nicht.[107]

AUGUSTUS.

Wie wird die Bothschafft sein des Feindes zu empfangen?

AGRIPPA.

Es werde nur mit ihm verächtlich umbgegangen.

MECÆNAS.

Dis wehrt der Völcker Recht.

AGRIPPA.

Anton that es vor an.

MECÆNAS.

Es ist nie nachzuthun / was man nicht loben kan.

AGRIPPA.

Besiegten fehlt das Recht / Gesandten abzusenden.

MECÆNAS.

Ist denn Cleopatra schon in des Keysers Händen?

AGRIPPA.

Weil sie durchs Hauptes Fall und uns schon kraftloos ligt.

MECÆNAS.

Der Leib wird nur durchs Schwerdt / der Geist durch Gunst besigt.

Gesätzt: daß diese Nacht den vollen Sieg uns gönte /

Da doch die Stadt noch wol viel Bürger fressen könte /

Da Cæsar einen mehr als tausend Mohren schätzt:

Glaubstu / man hett alsdenn hier festen Fuß gesetzt?

Nein! Rom wird nimmermehr den grossen Nil recht zwingen /

Wirds die Gemütter nicht auf seine Seite bringen.

Dis ist der Sanftmuth Werck / die Tiranney thuts nicht.

AGRIPPA.

Du weist: daß Afrika stets Treu und Glauben bricht.

An Völckern / die ans Joch zu Sklaven sind gebohren /

Ist ein gelinder Zaum des Regiments verlohren.

Der Kapzaum bändigt nur ein wild und kollernd Pferd;

Der Ernst dis Volck / wenn man recht durch den Sinn ihm fährt.

MECÆNAS.

Ernst / Furcht und Nothzwang wird kein taurend Bündnüs schlüssen.

AGRIPPA.

Sie hassen; wenn sie nur den Herrscher fürchten müssen.

MECÆNAS.

Man kirrt die Natter ja durch linder Wortte Kunst.

AGRIPPA.

Sie beißt dem Buhlen ab den Kopff in süßter Brunst.180

AUGUSTUS.

Last anfangs uns den Feind mit linden Fingern streichen.

Hülfts nicht / so ist es Zeit zu häuffen Brand und Leichen.


[108] Archibius. Augustus. Agrippa. Mecænas. Cornelius Gallus. Proculejus. Ptolomæus. Alexander. Die Trabanten.


ARCHIBIUS.

Der Himmel / grosser Fürst / kämpft nunmehr selbst für dich;

Der nie gebeugte Nil bückt für der Tiber sich /

Egypten weichet Rom / Cleopatra dem Keyser.

Der Götter Rath verkehrt dir die Zipressen-Reiser

Des sterbenden Anton in einen Lorber-Krantz.

Der Mohren Capitol legt nunmehr Kron und Glantz

Dir / ander Jupiter / freiwillig zu den Füssen:

Nun dieses Reiches Sonn / Antonius / hat müssen

So bluttig untergehn. Doch wie die Abend-Röth /

Indem sie in das Meer bepurpert untergeht /

Ein helles Morgen-Licht der Sonnen uns bedeutet:

So: da Anton so roth sein Grabmal zubereitet /

Hofft nach so trüben Sturm Egypten Sonnen-schein /

Und wünscht: es mög August itzt seine Sonne sein.

Sie selbst Cleopatra die Königin der Mohren

Hat bei so hartem Fall nicht allen Rath verlohren;

Sie / andre Zinthie / geht weit dem Monden für /

Nun sie / O Sonne / borgt ihr fruchtbar Licht von dir.

Wie / wenn ein Palinur in stürmer Flutt vertirbet:

Das Schiffs-Volck alsobald um neue sich bewirbet:

So machts Cleopatra; vergeht ihr Steuer-Mann /

So trägt sie dem August das Steuer-Ruder an.

Des Alexanders Stadt steht itzt dem Keyser offen:

Und ob zwar kein Vertrag ist zwischen uns getroffen /

So traut die Fürstin doch dem Keyser so viel zu:

Er suche sonsten nichts als die gemeine Ruh /

Als seiner Tugend Ruhm / Cleopatrens Vergnügen.

Wird Cæsar nebst dem Feind auch so sich selbst besigen /

Die Rechte dieses Reichs / den Purper nicht versehrn /

So wird er lebend schon die Zahl der Götter mehrn.

Gantz Africa wird ihn ohn allen Zwang anbethen /

Das rothe Meer / das nie kein Römisch Fuß betreten /

Wird dem Octavian freiwillig dinstbar sein /

Und Madagascar wird das Elephanten Bein /[109]

Die Mohnden-Berge Gold / der Tiger edle Steine

Den Juliern verehrn. Augustus wird alleine

Sich für den Herrn der Welt181 durchaus verehret schaun /

Wird er des Reiches Grund auf Gunst und Sanftmuth baun.

Dis hofft Cleopatra / sie öfnet Port und Pforte;

Auch / daß der Keyser nicht nur auf so blosse Worte

Der Stadt sich dörffe traun / so schwur sie beim Altar

Der Isis ihm die Treu / und schickt dis libste Paar /

An statt der Geissel ihm. Dis sind die libsten Kinder

Des mächtigen Anton / die für dem Uberwinder

Den Fußfall willig thun. Augustus wird dis Pfand

Nicht hoffentlich verschmähn. Geht küst des Keysers Hand;

Versöhnt des Siegers Schwerdt durch euer kindlich Bitten.

Schaut / um was Rom zeither halb fruchtloß hat gestritten /

Dis krigt Augustus itzt vollkommen ohne Schwerd.

Doch ist der Keyser auch nur solcher Sklaven werth.

Es ist Besiegter Ruhm / durch tapffre Faust erligen /

Es stirbt der Hector nicht durch des Achilles Sigen;

Der Scipio nimmt nicht den Ruhm dem Hannibal:

Sein Stehn und Fallen bleibt Carthagens Stand und Fall.182

Dis ist auch unser Trost. Wil nun des Keysers Gütte

Besigen dieses Reichs treuhertziges Gemütte /

Und unsre Königin als Sieger nicht verschmähn /

So wünscht sie den August in ihrer Burg zu sehn;

Zu küssen seine Hand / für ihm ihr Knie zu beugen.

AUGUSTUS.

Uns jammert des Anton! die Götter mögens zeugen /

Es ist uns hertzlich leid; daß der so tapffre Held /

Der bessern Glückes werth / so unglückseelig fällt.

Glaubt: daß wir selbst die Thrän in dis sein Blutt vermischet /

Als der verfluchte Dolch uns hat dis Leid erfrischet.

ARCHIBIUS.

Hilf Gott! wo kömbt der Dolch hier schon zum Keyser her!

MECÆNAS.

Welch Fürstliches Gemach ist von Verräthern leer?

AGRIPPA.

Dis lehrt euch / daß August all euer Ohnmacht wisse;

Daß sich die Königin aus Noth ergeben müsse.

ARCHIBIUS.

Nein. Sie ergibt sich mehr aus Neigung / als aus Noth.[110]

AGRIPPA.

So bald das Haupt abfällt / sind alle Glider todt.

AUGUSTUS.

Es sei dem / wie ihm sei / die Gunst / ihr selbst müßts sagen /

Die wir oft dem Anton vergebens angetragen /

Der mehr durch eigne Schuld als unsre Waffen ligt /

Die werde nun vollauf den Erben zugefügt.

Laßt die Cleopatra bald unsre Gnade wissen /

Und daß der Keyser selbst ihr wünscht die Hand zu küssen:

Ja / weil wir auf ihr Wort zu trauen schlüßig sein /

So liefert ihr nur auch die Geissel wieder ein.

Doch / weil man nicht allzeit dem Pöfel sicher trauet /

Wie sie und Julius schon einmal hat geschauet /183

Als das ergrimmte Volck durch kläglich-teuren Brand /

Und wütend-tollen Grimm nach beider Leben stand:

Wird es die Königin für keinen Argwohn schätzen /

Dafern man Burg und Thor mit Volcke wird besetzen.

ARCHIBIUS.

Uns ist des Pöfels Trieb / des Fürsten Gunst bekant /

Der Keyser hat in dem und allem freye Hand.

AUGUSTUS.

Stadt / Tempel und Altar solln ihr alt Recht behalten;

Die Hohen ihr alt Ampt so wie bißher verwalten;

Und ihre Königin als eine Göttin ehrn.

Die Römer solln kein Haar den Bürgern nicht versehrn.

Wir wolln für aller Heil mehr als für unsers wachen /

Den grossen Rath der Stadt zu Römschen Bürgern machen /184

Den Armen Vorschub thun / der Unschuld pflichten bei.

Und die gefangen sind / umsonste lassen frei.

Den Römern / die gleich noch für euch im Harnisch schweben /

Ihr' eingezogne Würd' und Gütter wiedergeben /

Kein Auge sol nicht naß / ja keine Hand nicht leer

Vom Fürsten gehen weg; Archibius / auch er

Sol seinen Ehrenstand noch in Egypten finden.

ARCHIBIUS.

Dis wird den Fürsten uns / der Fürst uns ihm verbinden.


Augustus. Agrippa. Mecænas. Proculejus. Cornel. Gallus. Epaphroditus.


AGRIPPA.

Der Keyser hat so viel versprochen / als ihm nicht

Zu halten möglich ist.

AUGUSTUS.

Was für ein Arm zerbricht /[111]

Was mit Cleopatren wir eingehn oder schlüssen?

AGRIPPA.

Egypten sol als Magd knien für der Römer Füssen;

August Cleopatren siegsprangend führen ein.

AUGUSTUS.

Dis läst mein Wort nicht zu / das unverrückt muß seyn.

AGRIPPA.

Kan ohne Rath und Volck August so viel verschencken?

AUGUSTUS.

Ich zwang den Nil und Sie. Wer wil mein Siegs-Recht kräncken?

AGRIPPA.

Der Sieger kriegt den Krantz / den Nutz das Vaterland.

AUGUSTUS.

Rom ließ im letzten auch den Siegern freye Hand.

AGRIPPA.

Wil Mumius kein Bild doch von Corinth behalten.

AUGUSTUS.

Dis war ein Aberglaub und Unverstand der Alten;

Pompej und Scipio gab Königreiche weg.

AGRIPPA.

Wer zahlt denn Rom sein Blutt? was war sein Krieges-Zweck?

AUGUSTUS.

Mein Recht zu führen aus / Rach am Anton zu üben.

AGRIPPA.

So muß Cleopatra / wie er / sein aufgerieben.

AUGUSTUS.

Warumb?

AGRIPPA.

Hat sie nicht Rom beleidigt mehr / als er?

AUGUSTUS.

Ein Weib?

AGRIPPA.

Von Weibern rührt meist alles Unglück her.

AUGUSTUS.

Sie war nicht wie Anton dem grossen Rom verbunden.

AGRIPPA.

Sie hat durch Cæsars Gunst Egyptens Zepter funden.

AUGUSTUS.

Der vor ihr Erbtheil war. Zu dem hat sie gemacht

Mir zu gefalln: daß sich Anton hat umgebracht.

AGRIPPA.

Soll denn ihr Meuchelmord ihr noch zum Vortheil dienen?

AUGUSTUS.

Kan ich / was ich befohln / zu straffen mich erkühnen?

AGRIPPA.

Was er mit Rechte heischt / übt sie mit Laster aus.

AUGUSTUS.

Wer sein Versprechen bricht / wird selbst mit Rechte Grauß.

AGRIPPA.

Das allgemeine Heil zernichtet solch Versprechen.

AUGUSTUS.

Verdammte Staats-Klugheit / die Treu und Bund heist brechen!

AGRIPPA.

Was Rom war einverleibt / läßt sich verschencken nicht.

AUGUSTUS.

Cleopatra wird schwern den Römern Treu und Pflicht.

AGRIPPA.

Und eh man sichs versieht / uns Zahn und Klauen weisen.

AUGUSTUS.

Was meint Mecenas denn? kan er den Rathschlag preisen?

MECÆNAS.

Rom kan die Frau der Welt nicht ohn Egypten sein.

Für dieses räume man Cyrenens Reich ihr ein;

So kan Cleopatra sich und auch Rom vergnügen.

AUGUSTUS.

So bald Cleopatra nur Wind hiervon wird kriegen /

Wird ein unleschbar Brand in Alexanders Stadt

Egyptens Schatz / den sie aus allen Tempeln hat[112]

Versammlet185 auf die Burg / mit ihr zu Asche brennen.

AGRIPPA.

So würd Augustens Sieg sein ein Verlust zu nennen.

Denn wenn die Schätze weg / was kriegt Rom für Gewien?

Und er / wenn sie nicht darf am Sieges-Wagen ziehn?

Was aber würd August in Rom für Lust bereiten /

Wenn er dis geile Weib / die Seuche dieser Zeiten /

Die Schlang in Africa / die Rom auf Rom verhetzt /

Und unsrer Freiheit hat den Stahl an Hals gesetzt /

Ins Keysers Sigs-Gepräng als Sklavin könte schauen?

Rom würde dir Altar und hundert Tempel bauen /

Dich in Corintisch Ertzt / in Gold und Marmel haun /

Könt es mit ihr gesperrt des Janus Tempel schaun.

Wird demnach ihr August sehr süsse müssen singen /

Im Fall er dieses Weib vermeint nach Rom zu bringen.

GALLUS.

Die reiffe Beere lockt den Vogel / Gold den Geitz /

Ein stummes Ehren-Bild den giftgen Hochmuths-reitz:

Man muß der stoltzen Frau des Keysers Libes-Strahlen /

Die Wunder der Stadt Rom / des Haupts der Welt / fürmahlen.

August gelob in Rom der Isis ein Altar /

Laßt uns Cleopatren auch Weyrauch reichen dar /

Man schick ihr Bild nach Rom / man laß ihr Ampeln brennen

Und sie / so wie sie schwermt / sich eine Göttin nennen /

Ja / weil sie täglich trägt der Isis himmlisch Kleid /

So werd ihr gar Altar und Pristerschafft geweiht;

Wird sie ja / wie ich fast muthmasse / sich bemühen

Durch ihren Gunst-Magnet des Keysers Hertz zu zihen;

So fange man den Wurm durch eigne Zauberei /

Und tichte: daß August verliebt / gefangen sei.

Man mahl ihr süsse für: daß sie den Widerwillen /

Der Römer tieffen Haß nicht besser könne stillen /

Bei welchem beider Gunst nicht glücklich könte blühn:

Als da sie würde selbst nach Rom persönlich ziehn /[113]

Und durch ihr Tugend-Licht / durch ihrer Anmuth Sternen

Die Wolcken des Verdachts aus Rom und Welt entfernen:

Denn könte sie und er mit mehr gewünschter Frucht

Im heilgen Capitol / was Julius gesucht /

Anton umbsonst verlangt / den süssen Zweck erreichen /

Für ihren Füssen schaun das Meer die Segel streichen /

Den Weltkreis kniende ihr dienst- und zinßbar sehn /

Wie weit sich umb den Beer die andern Sternen drehn.

AUGUSTUS.

Ists nicht genung / daß wir ihr unser Wort zernichten?

Solln wir noch falsche Lieb und Schein der Andacht richten?

Durch Arglist und Betrug sie führn zu Hohn und Schmach?

Dis steht nicht Keysern an.

PROCULEJUS.

Der Keyser gebe nach:

Daß andre dieses Wild durch süsse Worte kirren;

Die schlaue Schlange wird sich in sich selbst verwirren;

Vergehn sich Männer doch / die Brunst und Ehrgeitz sticht.

AUGUSTUS.

Mäßt nach gemeiner Schnur Cleopatren doch nicht.

Ihr werdet sie so taub befinden / als viel Schlangen /

Die kein Beschwerer zwingt;186 Sie wird euch selber fangen

Durch ihren Wiederschall und ihr bezaubernd Lied.

EPAPHRODITUS.

Sie gab für längst sich bloß / wie sehr ihr Hertze glüht

Und nach Augusten lächst.

AUGUSTUS.

Weil ihr euch ja last träumen

Was Fruchtbars zu vollziehn / so wil ich euch enträumen:

Daß ihr / jedoch mit Glimpf und Vorsicht an sie setzt;

Doch / daß ihr meinen Ruhm im minsten nicht verletzt.

EPAPHRODITUS.

Wir wolln / wie es August befihlt / mit ihr verfahren,

AUGUSTUS.

Agrippa mag die Stadt / Cornel die Burg verwahren.

Ihr aber bringet mehr Cleopatren nicht bey /

Denn / daß August ihr hold / ihr Freund / ihr Schutz-Herr sey.


Der Schau-Platz verändert sich in Cleopatrens Zimmer.

Cæsarion. Cleopatra.


CÆSARION.

Frau Mutter / wir sind hin! Wir sind verkauft / verrathen /

Gefangen / und schon tod. Die Römer üben Thaten /[114]

Daß kein ergrimmter Feind es ärger machen kan.

Man plündert Stadt und Marckt / man fällt das Kriegs-Volck an /

Bricht ihre Schild' entzwey / auf die Anton ließ etzen

Das Bild Cleopatrens.187 Man forschet nach den Schätzen /

Man reißt die Marmol-Seuln der Ptolomeer ein;

Man fragt: wo Cæsars Sohn zu finden möge seyn?

Und dem Antyllus wird höchsteifrig nachgetrachtet.

Ja man sagt keck heraus; wir müßten seyn geschlachtet.

Man rüstet Schiffe zu / darauf die Königin

Sol nach Cajeta fahrn.

CLEOPATRA.

Ja / leider! wir sind hin!

Ich bin Erbarmens werth / doch werther zu verlachen;

Daß ich den blauen Dunst mir ließ fürs Auge machen;

Es könne Bien und Feind des Stachels muffig gehn /

Ein heilsames Gewächs' auf giftgen Stengeln stehn.

Doch wünscht ich diese Schuld durch meinen Fall zu büssen /

Könt ich dir / liebster Sohn / nur durch den Tod aufschlüssen

Zur Freyheit einen Weg!

CÆSARION.

Die Burg ist rings umbsetzt;

Die Ausflucht ist umbsonst! der Stahl muß seyn gewetzt

Auf meinen eignen Hals / wo sich der Feind nicht kühlen

An meinem Blutte sol.

CLEOPATRA.

Kan dis August anzielen

Aufs Blutt des Julius? doch Rache / Raserey /

Und Herrschsucht kennt kein Blutt. Mir aber fallt gleich bey

Ein Mittel / aus der Hand der Römer dich zu retten.

CÆSARION.

Vermuthlich ists der Tod. Den furcht ich nicht / nur Ketten.

CLEOPATRA.

Nein / nein! Cæsarion. Du solst mein Rächer seyn /

Der edlen Mohren Schirm / Egypten nehmen ein /

Die Römer aus Cyren / und Grichenlande schlagen;

Ja den August in Rom noch in ein Bocks-Horn jagen.

CÆSARION.

Ihr Götter! gönnt hierzu mir Glücke / Muth und Zeit.

CLEOPATRA.

Setz auf dis falsche Haar / zeuch an dis Mohren-Kleid;

Und diese Salbe muß dir Händ und Antlitz färben.

CÆSARION.

Dis ist ein Werck der Furcht. Ich wil als edel sterben /

Kein knechtisch Mohr nicht sein.

CLEOPATRA.

Was ficht / mein Sohn / dich an?

Die gantze Welt geht itzt vermummt; und Tugend kan

Nicht ohne Larve gehn / sol sie nicht Schifbruch leiden.

Muß sich nicht Hannibal wol tausendmal verkleiden?188[115]

Dein Vater Julius / wil Syllen er entfliehn /

Muß eines Sklaven Rock / und Schuh von Holtz anziehn.

CÆSARION.

Ich folge. Denn wer wil der Mutter Rath verwerffen?

CLEOPATRA.

Fehlt ihm gleich Witz / so pflegt ihn Treue doch zu schärffen.

Ach Juno! die du dich verstellt in eine Kuh /189

In Fisch verkehrter Mars / und auch Dione du /

Du Stier Diespiter / Diana / die / das Morden

Des Typhon zu entfliehn / zu einer Katze worden /

Lyæus Ziegen-Bock; du fedrichter Mercur /

Du Rabe Delhis / laßt Schlang und Wind die Spur

Cæsarions für den Verfolgenden verstreichen!

Gewiß / mein Sohn / du wirst recht einem Mohren gleichen.

Ich kennte selbst dich nicht. Nimm hin die Edelstein' /

Und Perlen / nehe sie dir in die Kleider ein;

Fleuch in Thebais hin. Die hundert Wunder-Hölen /190

Die so viel Geister stets beschienen und beseelen /

Der Pharaonen Werck / sind auf viel Zeit geschickt

Dein Auffenthalt zu sein. Wenns Unglück auch verrückt

Dis Absehn / und der Nil versehn ist: daß er Raben

Und falsche Strausse sol zu Unglücks-Vögeln haben /191

Wenn Memphis / das zum Ziel den Krocodiln nimmt an /192

Der grimmen Römer Sieg und Lauf nicht hemmen kan /

So hastu Raum und Zeit nach Meroe zu fliehen193 /

Und wo vom ersten Kwell des Nilus Augen ziehen

Die Zucker-süsse Flutt.194

CÆSARION.

Ihr Götter! ach! verwehrt:

Daß die sich nicht in Saltz / mein Fliehn in Strick verkehrt!

CLEOPATRA.

Die Fürstin Candace wird unser sich erbarmen /195

Mitleidend mich sehn an / dich als ihr Kind umbarmen;

Die / wenn dis gantze Reich der Römer ihr Geboth

Gleich hört / doch mächtig ist / durch Dürft und Hungers-Noth

Den Feinden über Meer und Sand den Weg zu weisen /

Wenn sie den Nil schleußt zu / der Mohren Wasser-Schleusen /196

Und ihn in Sänden theils der Wüsteney ersäufft /

Theils zwinget: daß sein Strom in fremden Botten läufft.

CÆSARION.

Ich bin / was sie befiehlt / begierig zu vollziehen.

CLEOPATRA.

Du wirst / wo wir ja falln / umb Rache dich bemühen.[116]

Nim diesen Kuß noch hin; sey auf dein Heil bedacht;

Sorg' umb dein Vaterland.

CÆSARION.

Frau Mutter / gutte Nacht!

Die Götter halten sie in stetem Schutz und Schirme /

Sie bau aufs Keysers Wort ja keine festen Thürme.

Die Skorpionen sind der Krocodile Brutt;197

Die Römer hecken Mord / vergifften Ehr und Blutt.

Doch ihre Klugheit wird sich sie nicht lassen fangen;

Der Papegoy hengts Nest198 für den arglistgen Schlangen

An allerschwächsten Zweig.

CLEOPATRA.

Sey sicher / liebes Kind /

Daß wir des Todes / nicht der Knechtschafft fähig sind!


Proculejus. Cleopatra. Corn. Gallus. Charmium. Epaphroditus.


PROCULEJUS.

Die Götter geben ihr / Durchlauchste / Fried und Leben.

CLEOPATRA.

Der Himmel euch viel Sieg / uns last den Dolch hergeben!

EPAPHRODITUS.

Verwirft Cleopatra des milden Himmels Gunst?

CLEOPATRA.

Der leichten Götter Grimm und ihrer Gaben Dunst.

PROCULEJUS.

Man muß durch Flüche nicht die Götter mehr erherben.

CLEOPATRA.

Was fürchtet die / die nichts mehr wünschet / als zu sterben.

EPAPHRODITUS.

Wer so kleinmüthig stirbt / ist keines Ruhmes werth.

CLEOPATRA.

Kein Ruhm der trüben Noth / die unser Hertz verzehrt.

PROCULEJUS.

August schickt uns mit Trost und Hülf ihr zuzueilen.

CLEOPATRA.

Ach! unsre Wunden kan August und ihr nicht heilen.

EPAPHRODITUS.

Was / grosse Königin / verwundet sie so scharf?

CLEOPATRA.

Nennt iemand / den das Glück in solchen Abgrund warf.

PROCULEJUS.

Sie stand / und steht noch itzt / und kan noch ferner stehen.

CLEOPATRA.

Nun Ehe / Thron und Reich zu Grund und Drümmern gehen?

EPAPHRODITUS.

Der Keyser wird noch dis / noch jenes ihr entzihn.

CLEOPATRA.

Die Eh ist im Anton / das Reich durchs Kriegs-Recht hin.

PROCULEJUS.

Dort machts ein Wechsel gutt und hier des Sigers Gütte.

CLEOPATRA.

Ja! da die Herschsucht nicht uns beiden Trost verschnitte.

EPAPHRODITUS.

August setzt ihre Hold sonst allen Vortheiln für.

CLEOPATRA.

Nein! denn's Verhängnüs gönnt kein solch Gelücke mir.

PROCULEJUS.

Wenns Meer hat ausgetobt / muß man gutt Wetter hoffen.[117]

CLEOPATRA.

Es hat nach falscher Still uns stets mehr Sturmwind troffen.

PROCULEJUS.

Ein Schiff besteht / wenn es den zehnden Schlag steht aus.

CLEOPATRA.

Der zehnmal-zehnde stürmt auf unser Haupt und Haus.

CHARMIUM.

Ach Fürstin / man bemüht sich in die Grufft zu brechen.

EPAPHRODITUS.

Erschreckt nicht. Gallus wil nur Proculejen sprechen.

CHARMIUM.

Besorglich uns das Joch der Knechtschafft halsen an.

PROCULEJUS.

Daß Furcht und Argwohn euch so sehr verführen kan!

CLEOPATRA.

Mein Geist zwickt mich ins Ohr / es saget mirs mein Hertze:

Die Freyheit sey verspielt. Hilf ab so herben Schmertze /

Cleopatra / stirb / stirb! als Fürstin / nicht als Magd.

PROCULEJUS.

Halt dich! was hastu für?199 welch tummer Wahnwitz sagt

Dir solche Träume? gib den Dolch her. Du verletzest

Den Keyser und dich selbst.200

CLEOPATRA.

Ach / leider! du versätzest

Mich in die Dienstbarkeit / die keinen Sklaven drückt /

Daß ich nicht sterben darf.

GALLUS.

Der grolle Keyser schickt

Mich her / Cleopatren in allem beyzuspringen.

CLEOPATRA.

Mit solchem Zucker pflegt man Gift uns beyzubringen.

GALLUS.

Mißt Cæsarn sie Betrug / mir keinen Glauben bey?

CLEOPATRA.

Ach! daß Augustus mir ein ander Cæsar sey!

GALLUS.

Sie mag so viel auf den als jenen Cæsar trauen.

CLEOPATRA.

Wie? daß August uns denn nicht würdigt selbst zu schauen?

PROCULEJUS.

Der Keyser ist nicht fern / er wachet für ihr Heil.

CLEOPATRA.

O war uns seine Gunst umb unsre Seele feil!

GALLUS.

Sie hat durch ihren Ruhm schon Cæsars Gunst erworben,

CLEOPATRA.

Die Schönheit ist bey mir / die Hold bey ihm gestorben.

GALLUS.

Ein anders weißt ihr Glantz / ein bessers Cæsars That.

CLEOPATRA.

Erzählt / was er für Gunst für uns im Vorschlag hat.

GALLUS.

Er baut ihr ein Altar / und läßt ihr Bilder gissen.

CLEOPATRA.

Kan er als Göttin ehrn die / die ihm ligt zun Füssen?

PROCULEJUS.

Der grosse Keyser schätzt sich selbst von ihr beilegt.

CLEOPATRA.

Dis träumt mir nicht einmal / man tritt auf den / der ligt.

EPAPHRODITUS.

Rom sol ihr Himmlisch Bild in Venus Tempel ehren.

CLEOPATRA.

Rom? das Cleopatren nicht hat wolln nennen hören?

PROCULEJUS.

Was Rom abwesend haßt / hälts oft anwesend werth.[118]

CLEOPATRA.

Durch Gegenwarth wird Haß vergrössert / nicht verzehrt.

EPAPHRODITUS.

Bey ihren Tugenden geht Haß und Neid verlohren.

CLEOPATRA.

Mit Sonn und Tugend wird Neid / Schatten ja gebohren.

PROCULEJUS.

Der Erde Schatten schwärtzt den tieffen Mohnd allein.

CLEOPATRA.

Solln unsre Gaben denn was höhre Sternen sein?

EPAPHRODITUS.

Die Augen werden Rom ob ihrem Glantz entgehen.

CLEOPATRA.

Wie / daß sich Cæsar nichts für uns wolt unterstehen?

PROCULEJUS.

Der Stand des neuen Reichs ließ es so bald nicht zu.

CLEOPATRA.

Der Keyser gönn uns nur Egyptens sichre Ruh.

EPAPHRODITUS.

Wil sie dem grossen Rom denn nicht ihr Antlitz gönnen?

CLEOPATRA.

Die Sonnen-volle Stadt wird uns wol missen können.

PROCULEJUS.

Wie? wenn Augustus denn ihr Licht nicht missen kan?

CLEOPATRA.

Knipft ihr ins Capitol das Haupt der Erden an?

PROCULEJUS.

Weil Rom nicht läßt von sich den Sitz der Keyser trennen.

CLEOPATRA.

Laßt Alexandrien das neue Rom denn nennen.

EPAPHRODITUS.

Verschmäht sie / daß sie Rom anbethe / denn so gar?

CLEOPATRA.

Schützt Römsche Götter doch nicht Rathhaus / nicht Altar.

PROCULEJUS.

August / der Rom beschirmt / wird Sie nicht Schutzlooß lassen.

CLEOPATRA.

Sein Schutz-Herr Julius hat müssen selbst erblassen.

EPAPHRODITUS.

Sie steht des Keysers Wunsch und ihrem Glück im Licht.

CLEOPATRA.

Ich weiß / August begehrt selbst unsern Weg-Zug nicht.

PROCULEJUS.

August kommt / dieser wird mehr als wir Rathes wissen.

CLEOPATRA.

Wir werffen weg die Schuh / baarfüssig Ihn zu grüssen.201


Augustus. Cleopatra.


AUGUSTUS.

Strahlt hier der Welt ihr Aug / Egyptens Sonn Uns an?

CLEOPATRA.

Die Gott August wol gar zur Göttin machen kan.

AUGUSTUS.

Auf! schönste Königin / sie sol so tief nicht knien.

CLEOPATRA.

Ja! die Besigte xmuß des Sigers Grimm so flihen.

AUGUSTUS.

Cleopatra besigt uns und die gantze Welt.

CLEOPATRA.

Cleopatra / die itzt vom Thron in Abgrund fällt?

AUGUSTUS.

Die als ein glücklich Stern aus Nacht und Trübsaal steiget.

CLEOPATRA.

Die / da der Keyser wil / sich auf die Baare neiget.

AUGUSTUS.

Der Keyser wünscht vielmehr am Gipffel sie zu schaun.[119]

CLEOPATRA.

Ach! dörft ein scheuternd Schiff auf diesen Ancker baun!

AUGUSTUS.

Augustus wird ihr stets für Port und Ancker stehen.

CLEOPATRA.

Kan bey kohlschwartzer Nacht uns ein solch Licht aufgehen?

AUGUSTUS.

Auf Schnee folgt Lilg und Klee / auf Sturm-Wind stille Ruh.

CLEOPATRA.

Ach! schlüß August einmal das Thränen-Kwäll uns zu!

Gott / Keyser / Herr der Welt /202 denn dieses sind die Namen /

Die nach dem Julius alleine dir zukamen /

Da / wie kein Zweiffel ist / des grollen Cæsars Geist /

Der aus der Sterbligkeit dich zu den Göttern reißt /

In deiner Seele steckt / da heiligs Angedencken

Den heiß-ergrimmten Feind kan auf Erbarmnüs lencken;

Da sein geküßtes Bild hier ihm sein Hertze bricht /

Ach! so beschimpff August uns wider Würde nicht.

Zwar Cæsars Sige sind den Sternen eingeschrieben:

Daß aber er die / die vom Reiche war vertrieben /

Mit eigenem Verlust hat auf den Thron gesetzt /

Durch unser Feinde Blutt Land / Nil und Meer genätzt /

Dis hat ihn in die Zahl der Götter einverleibet.

Da nun Cleopatren auch Thron und Freiheit bleibet /

Die zwar der Keyser itzt in seinen Händen hat /

So mehrt im Leben schon August der Götter Rath.

Großmächtger Julius! kan ich mit Thrän- und küssen /

Die ich auf dis dein Bild andächtig lasse flüssen /

Entsteinern Hertz und Geist des mächtigsten August /

So schafft auch nach der Gruft uns dein Gedächtnüs Lust /

So sol / so lange man Cleopatren wird nennen /

In tausend Tempeln dir Oel / Weyrauch / Ambra brennen.

AUGUSTUS.

Bestürtzte Königin / sie minder' ihren Schmertz.

Es hat kein Julier kein solch erbittert Hertz:

Daß er auf Fürstlich Blutt was Mördrisches verübe.

Ihr sol kein Leid geschehn. Das Merckmal unser Liebe

Hat mein Thyræus ihr203 vorlängst schon zugebracht;

Und Proculej entdeckt / wie wir so hoch bedacht

Auf ihre Wolfahrt sein. Reich / Zepter / Freiheit / Leben

Sind gar ein weniges. Wir wolln was mehres geben.[120]

CLEOPATRA.

So opffer ich mein Hertz dem grossen Keyser dar.

Ich schwere Treu und Pflicht auf Isis Bund-Altar /

Man gibt die Schlüssel hin zu Ptolomæus Schätzen:204

Ja! was Cleopatra sich nicht wagt beyzusetzen.

AUGUSTUS.

Was für ein Mißtraun hegt sie selber gegen sich?

CLEOPATRA.

Du stummer Julius / ach! rede doch für mich.

AUGUSTUS.

Sol stummer Marmel mehr als ihre Zunge sprechen?

CLEOPATRA.

Weil grossen Kummern meist die Worte wolln gebrechen.

AUGUSTUS.

Das Weh muß uns / wenn wir solln rathen / sein bekand.

CLEOPATRA.

Wer furchtsam bittet / gibt Verweigern an die Hand!

Schweig / schweig Cleopatra! Jedoch Aug / Antlitz gibet

Den heissen Seelen-Brand / die diesen Cæsar libet

Wie jenen / an den Tag. Mein Herr / mein Haupt / mein Licht /

Verwirf mein brennend Hertz; mein thränend Auge nicht!

Ich brenn! ich brenn! August! denn durch des Keysers Glider

Zeigt sich mein Julius / mein Julius sich wieder.

Die Flamme / die mit ihm schon in der Asche lag /

Bekommet frisches Oel. Dreimal-beglückter Tag!

Als ich das Haupt der Welt umbschloß mit diesen Händen!

Ihr letzten Zeugen ihr / von seinen Liebes-Bränden /

Ihr Zeichen fester Treu und Bothen heisser Brunst /

Ihr Brieffe / geht entdeckt die unverfälschte Gunst /

Geht mahlt dem Keyser vor das Muster unser Flammen;

Geht knipfft mit dem August Cleopatren zusammen:

Wie ihr den Cæsar uns verknipfftet bis ins Grab.

Mein Licht! er werffe nicht die Blicke von uns ab!

Weil so viel Thränen-Saltz ist durch dis Kwell geronnen;

Sehn itzt was wäßricht aus der Augen schwartze Sonnen;

Doch sind noch unversehrt die Brunnen ihres Lichts;

Die Angst hat uns verfängt die Rosen des Gesichts /

Der Säufzer dürrer Wind hat unsre Mund-Corallen

Entfärbt und blaß gemacht. Die Brüste sind verfallen /

Nun das ohnmächtge Hertz die Bälge nicht bewegt /

Nicht ihre Milch beseelt / nicht ihre Rosen regt.[121]

Doch / laß uns nur August ein Anmuths-Zeichen fühlen.

Schau / mit was Blitzen nicht der Augen Nacht wird spielen /

Schau / wie die Lippen sich bepurpern mit Rubin /

Schau / wie das Schnecken-Blutt die Wangen an sich zihn /

Wie alle Glider sich in Perlen-Schnee verstellen.

Schau / wie die Brüste sich vom schnellen Athem schwellen;

Die Liebe schärfft hier selbst die Waffen süsser Pein;

Libt uns der Keyser nicht / so muß er Kisel sein.

Er säufzet / er erblast! was gilts? ich werd es inne:

Es lieget Livie dem Keyser in dem Sinne;

Mein Licht / er gläube fest: daß Liben Anmuth gibt /

Doch schmeckt ihr Zucker nur der / der den Wechsel libt.

Der Rose Gold beschämt die Tulpen und Narcissen;

Selbst Titan pflegt bald den / bald jenen Stern zu küssen /

Und Phœbe gläntzt bald rund / bald legts' ihr Hörner bei /

Daß nicht ihr einfach Licht des Himmels Eckel sei.

Siht er an Livien die Muschel-Töchter prangen:

Uns ist die Morgen-röth im Antlitz aufgegangen.

Die Bräune des Rubins sticht blasse Perlen weg.

Mein Hertz ist ohne Falsch / mein Leib hat keinen Fleck.

AUGUSTUS.

Welch Stein sol hier nicht Wachs / welch Eiß nicht Schwefel werden?

Der Schönheit starck Magnet; der Lib-reitz der Gebehrden

Zeucht zu Cleopatren den folgenden August.

CLEOPATRA.

Gebrauche dich / mein Fürst / der kräftgen Jahre Lust /

Die Zeit fleucht als ein Pfeil; die Wollust als ein Schatten.

Ein Hertze / das nicht wil der Liebe Platz gestatten /

Ist ein umwölckter Stern / ein Kleinod in der Flutt /

Ein Purpern Rosen-Haupt / das zwar die Knosp aufthut /

Doch ungenützt in Staub der Blätter Schatz läßt fallen.

Was nützen ungepflückt dem Meere die Corallen?

Hingegen wie vergnügt muß ein Groß-Herrscher sein /

Der Sieg- und Liebes-Frucht zusammen erndtet ein /

Auf einer zarten Schooß die halb-entseelten Glider[122]

Erkwickt durch süssen Thau beliebter Küsse wieder.

AUGUSTUS.

Du Venus unser Zeit /205 du Sonne dieser Welt /

Die mein verliebter Geist für seinen Abgott hält /

August ergibt sich dir / er lägt die Lorber-Kräntze

Für deinen Myrten ab. Wie weit der Erden Gräntze

Des Mohnden Schatten mißt / solstu vergöttert stehn.

Doch andrer Irrthum lehrt uns hier behuttsam gehn.

Der grosse Cæsar hat der Römer Haß empfunden /

Anton Feind / Krieg und Tod; weil sie die Libes-Wunden

Eh / als Cleopatren und ihrer Tugend Licht /

Zu Rom an Tag gebracht. Das stoltze Rom glaubt nicht:

Daß dieses braune Land so weisse Mohren hege;

Noch: daß ein edler Geist hier eine Seele rege.

Haßt also / was es doch hernachmals bethet an.

Da nun nichts anders ihm den Argwohn nehmen kan /

Noch unsern Untergang nebst ihrem Grimm verhütten;

Als / da der Keyser wird Cleopatren erbitten:

Daß sie / O Sonne / gönnt Rom ihren Augen-schein /

Hofft man: Es werd August durch sie so seelig sein:

Daß sie für ihren Nil die Tiber wird erwehlen /

Umb dar ihr Rom / die Welt dem Keyser zu vermählen.

CLEOPATRA.

Mein Haupt / mein Fürst / mein Herr / wir solln nach Rom hinzihn

Wo tausend Drachen Gift und Feuer auf uns sprühn?

Verhaßter Gegenwart vermehrt des Hasses Kwällen:

Ja unsre Tugend wird ihr Hertze nur vergällen /

Das durch ihr Schlangen-Maul saugt Gift aus Lilg und Blum /

Und nur zu Lastern macht der Tugend edlen Ruhm /

Sich für selbst-eigner Schmach und frembder Ehr erröthend.

AUGUSTUS.

Des Basilißken Aug ist in die Ferne tödtend;206

Von nahen Spigeln prellt des Gift-Wurms feurig Blick /

Des Neiders schneidend Strahl ihm selbst zur Schmach zurück.

Wie / wenn die güldne Sonn aus Thetis Schooß aufstehet /

In der durchklärten Luft des Nebels Dampf vergehet;

So wird Haß / Feindschafft / Neid in Liebe sein verklärt /

Dafern Egyptens Sonn uns unsern Wunsch gewährt /[123]

Und Welschlands Himmel auch mit ihrer Hold bestrahlet.

CLEOPATRA.

Nein / nein! der Hochmuth wird mit Schimpff und Todt bezahlet;

Herr / da Cleopatra beim Keyser etwas gilt;

Da einger Funcken Gunst in seinen Adern kwillt /

Da unsre Thräne kan des Keysers Hertz erweichen /

Da unsre Seele nicht sol bald bestürtzt erbleichen /

Mein Fürst / so nöthig' er nicht aus Egypten mich.

AUGUSTUS.

Sie stöst des Keysers Gunst / ihr eigen Glück von sich.

CLEOPATRA.

Wir wünschen eh den Geist / als seine Gunst zu missen /

Doch laß uns nur August noch dieser Hold geniessen;

Daß: da der Wegzug nicht kan hintertriben sein /

Uns / die wir allen Heisch des Keysers gehen ein /

Vor frey-steh den Anton Egyptisch zu begraben.

AUGUSTUS.

Cleopatra wird hier stets freye Hände haben.


Der Schauplatz verändert sich in eine lustige Gegend am Flusse Nilus.


Reyen Egyptischer Gärtner und Gärtnerinnen.


1. Satz der Gärtner.


Wie selig sind / die den Schmaragd der Auen

Für der Paläste Gold erwehln!

Die nicht aufs Eiß der glatten Ehrsucht bauen /

Und sich mit eignen Lastern kwäln!

Die in den Kummer-freien Wiesen /

Umb einen Kristallinen Fluß /

Die Gärte für den Thron erkiesen /

Ein frey Gemütte für Verdruß;

Die ausser schönen Gärtnerinnen

Sonst keinen Abgott lieb gewinnen.


1. Gegen-Satz der Gärtnerinnen.


Ja! seelig sind / die reine Tugend lieben!

Die aller Heucheley sind feind /

Wo reiner Schertz ohn Argwohn wird getrieben /[124]

Wo man den schimpft / ders übel meint.207

Auch übt der nicht / der todte Steine liebet /

Der sich nur zu erhöhn begehrt

Durch falsche Gunst / die nicht Vergnügung giebet.

Die Seelen sind nur Liebens-werth:

Nicht aber die geschmünckten Gaben /

Die keine Gegen-Liebe haben.


2. Satz der Gärtner.


Was ist das Blutt der Schnecke? Mörder-Farbe.

Der Thron? ein würmicht Seelen-Grab.

Des Zepters Glas krigt mehrmals Bruch und Narbe /

Denn ein verschmehter Hirten-Stab.208

Wir dürffen Kelch und Ruhstatt nicht verstecken /209

Wie / die auf Sammet furchtsam ruhn.

Ihr Nectar kan wie Milch und Obst nicht schmecken.

Man pflegt oft Gift dort nein zu thun.

Und wenn die Sonn uns gönnt den Morgen /

So fühln wir Wollust / jene Sorgen.


2. Gegen-Satz der Gärtnerinnen.


Laßt Meer-Schilf und Zinober andre schmincken /210

Wir sind auch ungesalbet schön.

Bey Blumen muß Zibeth und Bisam stincken.

Laßt sie für stählern Spigeln stehn /

Das Haar mit Staub / die Haut mit Balsam färben.211

Ein Brunn dihnt uns zu allem dem.

Dort muß ihr Schmuck durch Milb' und Gift verterben;

Hier bleibt der Glantz stets angenehm.

Dort höret man mehr Schlangen zischen

In Zimmern / als hier in Gepüschen.


Zu-Satz der Gärtner.


Die Liebe wird in Geilheit dort verkehret.

Dort solln die Wespen Binen sein /[125]

Von denen nur das Honig wird verzehret /

Das die Natur uns pflantzet ein.

Ja man flößt Gifft durch diese Zucker-Röhren /

Hängt Fall-Beil' in das Schlafgemach.

Dem / den kein Dolch kan öffentlich versehren /

Stellt man durch Gunst und Freundschaft nach.

Aus Gold-gestickten Purper-Betten

Macht man Mord-Gruben / knechtsche Ketten.


Zu-Satz der Gärtnerinnen.


Der Nilus mahlt das Schau-Spiel schnöder Sachen

Recht an Cleopatren uns ab.

Man räuchert ihr / und wil sie knechtisch machen

Man raubt ihr Freiheit / Tod und Grab.

Verfluchte Gunst! da nur auf seichter Lippen

Die Mißgeburth der Liebe schwimmt!

Fliht / Gärtner / fliht Siren' und Schifbruchs-Klippen.

Wo wahre Treu im Hertzen glimmt /

Verbrennt auch nicht in Sarch und Hölen

Das Liebes-Oel verknipffter Seelen.

Quelle:
Daniel Casper von Lohenstein: Afrikanische Trauerspiele. Stuttgart 1957, S. 105-126.
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