[25] Irmentraut allein.
IRMENTRAUT. Das ist ein recht ungehobelter Klotz, dieser Herr Euer Gnaden; hat er nur ein einziges freundliches Wörtchen mit mir gesprochen? Was haben die Männer jetzt für Sitten, wenn sie einer zarten Jungfrau gegenüberstehen! Wie anders waren sie zu meiner Zeit – vor einigen Jahren noch, will ich sagen – aber es ist, als ob sich die Welt rein umgedreht hätte.
Nr. 3. Ariette
Welt, du kannst mir nicht gefallen,
hast dich förmlich umgekehrt,
von den heut'gen Männern allen
ist auch keiner etwas wert.
Ich trete ein
mit Schüchternheit,
doch sie verliert sich mehr und mehr;
der grobe Mann
sieht mich nicht an,
als ob ich alt und häßlich wär.
Ich sag ihm
und sehr gemessen,
was man hier Sehenswertes nennt;
er dankt mir nicht,[25]
läuft wie besessen
zur Tür, als ob der Kopf ihm brennt.
O holde Schwestern ihr,
die ihr Gefühl gleich mir,
heißt das nun Achtung, sprecht,
vorm zarteren Geschlecht?
O Welt, o Welt!
Welt, du kannst mir nicht gefallen,
hast dich förmlich umgekehrt,
von den heut'gen Männern allen
ist auch keiner etwas wert. –
In früheren Zeiten
naht man bescheiden
stets einer zarten Jungfrau sich,
und man war selig,
entspann allmählich
sich ein Gespräch fein sittiglich.
Man sprach vom Wetter,
von teuren Zeiten,
und nach und nach, jedoch ganz fein,
wußt man gar zart
vorzubereiten
von Lieb' ein einzig [winzig] Wörtelein.
Man reichte abgewandt
dem Flehenden die Hand;
er drückte, küßte sie,
sank vor uns auf die Knie,
und dann – und dann –
Verschämt ihre Schürze vor die Augen haltend.
Welt, du kannst mir nicht gefallen,
hast dich förmlich umgekehrt,
von den heut'gen Männern allen
ist auch keiner etwas wert.[26]
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Der Waffenschmied
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Als Hoffmanns Verleger Reimer ihn 1818 zu einem dritten Erzählzyklus - nach den Fantasie- und den Nachtstücken - animiert, entscheidet sich der Autor, die Sammlung in eine Rahmenhandlung zu kleiden, die seiner Lebenswelt entlehnt ist. In den Jahren von 1814 bis 1818 traf sich E.T.A. Hoffmann regelmäßig mit literarischen Freunden, zu denen u.a. Fouqué und Chamisso gehörten, zu sogenannten Seraphinen-Abenden. Daraus entwickelt er die Serapionsbrüder, die sich gegenseitig als vermeintliche Autoren ihre Erzählungen vortragen und dabei dem serapiontischen Prinzip folgen, jede Form von Nachahmungspoetik und jeden sogenannten Realismus zu unterlassen, sondern allein das im Inneren des Künstlers geschaute Bild durch die Kunst der Poesie der Außenwelt zu zeigen. Der Zyklus enthält unter anderen diese Erzählungen: Rat Krespel, Die Fermate, Der Dichter und der Komponist, Ein Fragment aus dem Leben dreier Freunde, Der Artushof, Die Bergwerke zu Falun, Nußknacker und Mausekönig, Der Kampf der Sänger, Die Automate, Doge und Dogaresse, Meister Martin der Küfner und seine Gesellen, Das fremde Kind, Der unheimliche Gast, Das Fräulein von Scuderi, Spieler-Glück, Der Baron von B., Signor Formica
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