Erster Auftritt

[35] Graf als Schmiedegeselle. Dann Marie.


GRAF. Ich weiß in der Tat nicht, wie ich mich bis zur Zeit der Entdeckung gegen Marie benehmen soll. Am besten ist's, ich plage sie mit Eifersucht, vielleicht gesteht sie mir bei der Gelegenheit, was sie gestern abend mit dem Ritter – mit mir nämlich – gesprochen hat. Da ist sie! – Frisch, Konrad, sei eifersüchtig.[35]

MARIE von der Seite auftretend und ängstlich auf Konrads Anrede wartend. Guten Morgen, Konrad.

GRAF sich verdrießlich stellend. Morgen!

MARIE. Bist du schon auf, Konrad?

GRAF. Schon lange!

MARIE. Bist du heute schon ausgewesen?

GRAF. Nein!

MARIE. Du kommst doch heute hinaus auf den Weinberg?

GRAF. Möglich.

MARIE. Du Brummbär, du! Sie wendet sich schnell zum Abgehen.

GRAF. Treibt Euch das böse Gewissen oder habt Ihr dem Ritter eine andere Liebesstunde gegeben?

MARIE. Konrad, mach mich nicht böse!

GRAF. Ich bin unwürdig Eures Zorns, gestrenge Rittersfrau.

MARIE. Meinen Zorn verdienst du, aber meine Liebe nicht.

GRAF. Könnt Ihr's leugnen, daß Ihr mit dem Ritter gestern eine Unterredung hattet?

MARIE. Nein, und ich werde noch recht oft mit ihm reden!

GRAF. Wie?

Nr. 5. Duett


GRAF.

Ihr wißt, daß er Euch liebt?

MARIE.

Ja!

GRAF.

Daß er verwegen ist –

MARIE.

Ja!

GRAF.

Daß er Euch auch entführen kann

gewaltsam wie durch List?

MARIE.

Ja, ja, ja, ja!

GRAF.

Darf ich den Ohren trauen?

MARIE

Der Ritter ist ein schöner Mann,

der Ritter ist ein reicher Mann,

der Ritter ist ein art'ger Mann,

den ich vor allen leiden kann –

denn, wenn ich mit ihm reden tu,

so hört er aufmerksam mir zu

und liegt nicht da und schläft![36]

Verstanden? Verstanden?

Nun geh, laß mich in Ruh'.

GRAF.

Doch warum die Ärmste quälen,

ihr bereiten diese Pein?

Sie wird mich wahrlich schmälen,

mir im Ernste böse sein!

MARIE.

So mit Eifersucht sich quälen,

wär ein Leben voller Pein.

Lieber niemals sich vermählen,

lieber alte Jungfer sein!


Sie setzt sich weinend an den Tisch.


So bitter die zu kränken,

die ihm ihr Herz geweiht.

GRAF für sich.

Allmählich einzulenken,

ist nun bald an der Zeit.

MARIE.

Wie gern vergäb ich ihm,

bereut' er sein Vergehn.

GRAF für sich.

Ja bald, bald sollst du mich

zu deinen Füßen sehn.

MARIE aufstehend.

Ich glaub, er kommt,

das dacht ich mir.

GRAF sich nähernd.

Es tut mir leid,

ich ging zu weit:

Doch Eifersucht

kennt keine Schranken.

MARIE beiseite.

Ich glaub, er kommt [Er gibt klein bei]

und muß zuletzt

für gnäd'ge Strafe

sich bedanken.

GRAF.

Doch warum die Ärmste quälen,

ihr bereiten diese Pein?

Sie wird mich wahrlich schmälen,

mir im Ernste böse sein!

MARIE.

So mit Eifersucht sich quälen,

wär ein Leben voller Pein.

Lieber niemals sich vermählen,

lieber alte Jungfer sein![37]

GRAF.

Was sprachst du mit dem Ritter?

Dies eine sage mir.

MARIE.

Je nun, wir sprachen – vom Wetter,

von diesem und von jenem,

von ganz gleichgült'gen Dingen,

wir sprachen auch von dir.

GRAF für sich.

Die Hexe, wie sie lügt.

MARIE für sich.

Den Stich hat er verstanden.

Er schweigt, drum hoffe ich,

ist Besserung vorhanden.

GRAF.

Du sagtest ihm – du sagtest ihm –

MARIE.

Daß ich mein Herz bereits verschenkt

an einen Undankbaren,

der mich nur quält und kränkt

und den ich dennoch liebe,

und wenn er mich auch quält –

das hab ich ihm erzählt.

GRAF sich vor ihr niederwerfend.

Marie, süßes Leben,

o kannst du mir vergeben

das unbedachte Wort?

MARIE.

Da liegt er ja, das wußte ich,

das mußte auch so kommen.


Mit Pathos.


Seid wiederum, Herr Waffenschmied,

in Gnaden angenommen.

GRAF.

Du zürnst nicht mehr?

MARIE.

Ich denk nicht dran!

GRAF.

Du wirst mein Weib?

MARIE.

Und du mein Mann!

GRAF.

Ich bin so arm –

MARIE.

Bin ich denn reich?

GRAF.

Dein Vater doch –

MARIE.

Das bleibt sich gleich.

Und wär ich noch so hochgestellt,

[Besäß ich alles Gut der Welt –]

Gern gäb ich Glanz und Reichtum hin

für dich und deine Liebe!

GRAF für sich.

Aha, das ist von mir!

MARIE.

Für dich und deine Liebe![38]

BEIDE sich umarmend.

Wo der Liebe Flammen brennen,

stellt auch Eifersucht sich ein;

doch soll keine Macht uns trennen,

keine Zwietracht uns entzwein.


Quelle:
Albert Lortzing: Der Waffenschmied. Stuttgart 1963, S. 35-39.
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