Dreizehnter Auftritt

[55] Die Vorigen. Georg, von mehreren Gesellen gehalten.


EIN GESELLE. Hier, Meister, bringen wir einen Widerspenstigen, er wollte durchaus nicht mit.

GEORG. Nehmt's nicht übel, Meister, aber es war mir so übel zumute.

STADINGER. Deine Krankheit kenne ich, soll ich dir etwa ein Rezept verschreiben? – Frisch, sing uns ein Lied, da wird dir besser werden.

GEORG. Mir wär's ums Singen.

STADINGER. Georg, mach mich nicht bös. Ja so. Hast du meine Tochter mit der Alten nicht gesehen?

GEORG. Mit keinem Auge.

STADINGER. Sie müßten doch zum Kuckuck längst hier sein! – Na, werden wieder viel anzuputzen haben. Jetzt, Georg, mach keine Umstände, sing uns was, es muß dir aber nicht unange –

GEORG. Meister![55]

STADINGER ärgerlich. Daß dich – Er geht nach dem Hintergrunde.

GEORG für sich. Ich will singen, damit niemand den Berg verläßt, denn jetzt wird der Spaß unten losgehen.

Nr. 9. Lied mit Chor


GEORG.

War einst ein junger Springinsfeld,

der wollt auf Reisen gehn,

erwerben Ehre, Gut und Geld

und sich die Welt besehn.

»Leb wohl, fein Liebchen, weine nicht.

Bald kehr ich heim.« Sie aber spricht:

»O geh nicht in die Welt hinaus,

bleib lieber doch bei mir zu Haus,

es schadet oft, wenn man auf Reisen geht!«

CHOR.

»O geh nicht in die Welt hinaus,

bleib lieber doch bei mir zu Haus,

es schadet oft, wenn man auf Reisen geht!«

GEORG.

Er ging zur See. Nach Mexiko

wollt er fürs erste hin,

denn dorten gibt es Gold wie Stroh,

dacht er in seinem Sinn.

Doch ein Korsarenschiff erscheint,

das es mit ihm gar übel meint;

da ruft er in Verzweiflung aus:

»Ach, warum blieb ich nicht zu Haus?

Das kommt davon, wenn man auf Reisen geht!«

CHOR.

Da ruft er in Verzweiflung aus:

»Ach, warum blieb ich nicht zu Haus?

Das kommt davon, wenn man auf Reisen geht!«

GEORG.

Zuletzt befreit ein Zufall ihn

von seinem Mißgeschick;

er kehrt mit bittersüßer Mien'

ins Vaterland zurück.

Er eilt zum Liebchen froh und keck,

doch trifft ihn bald der Schlag vor Schreck.

Sie stellt ihm ihren Bräut'gam vor

und flüstert ihm dabei ins Ohr:

»Das kommt davon, wenn man auf Reisen geht!''[56]

CHOR.

Sie stellt ihm ihren Bräut'gam vor

und flüstert ihm dabei ins Ohr:

»Das kommt davon, wenn man auf Reisen geht!«

STADINGER. Nun möcht ich aber doch ernstlich wissen, wo mein Mädel bleibt. Ja – weil ich gerade von ihr rede, ihr Freunde, da muß ich euch einen Spaß erzählen. Heut kommt ein närrischer Kauz, ein schwäbischer Ritter in mein Haus und will mit Gewalt meine Tochter verheiraten. Erst wollte er ihr den Konrad geben, dann sollte Georg sie haben, und ich stehe doch nicht dafür, daß, ehe es Abend wird –


Quelle:
Albert Lortzing: Der Waffenschmied. Stuttgart 1963, S. 55-57.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Der Waffenschmied
Der Waffenschmied: Wir armen, armen Mädchen. Sopran und Klavier. (Edition Schott Einzelausgabe)
Der Waffenschmied: Auch ich war ein Jüngling. Bass und Klavier. (Edition Schott Einzelausgabe)
Der Waffenschmied: Original
Der Waffenschmied: Ouvertüre. Klavier. (Edition Schott Einzelausgabe)

Buchempfehlung

Aristophanes

Die Vögel. (Orinthes)

Die Vögel. (Orinthes)

Zwei weise Athener sind die Streitsucht in ihrer Stadt leid und wollen sich von einem Wiedehopf den Weg in die Emigration zu einem friedlichen Ort weisen lassen, doch keiner der Vorschläge findet ihr Gefallen. So entsteht die Idee eines Vogelstaates zwischen der Menschenwelt und dem Reich der Götter. Uraufgeführt während der Dionysien des Jahres 414 v. Chr. gelten »Die Vögel« aufgrund ihrer Geschlossenheit und der konsequenten Konzentration auf das Motiv der Suche nach einer besseren als dieser Welt als das kompositorisch herausragende Werk des attischen Komikers. »Eulen nach Athen tragen« und »Wolkenkuckucksheim« sind heute noch geläufige Redewendungen aus Aristophanes' Vögeln.

78 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Hochromantik

Große Erzählungen der Hochromantik

Zwischen 1804 und 1815 ist Heidelberg das intellektuelle Zentrum einer Bewegung, die sich von dort aus in der Welt verbreitet. Individuelles Erleben von Idylle und Harmonie, die Innerlichkeit der Seele sind die zentralen Themen der Hochromantik als Gegenbewegung zur von der Antike inspirierten Klassik und der vernunftgetriebenen Aufklärung. Acht der ganz großen Erzählungen der Hochromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe zusammengestellt.

390 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon