[404] Dem Achtparn und wirdigen herren, Er Nicolao von Amszdorff, der heyligen schrifft Licentiat und Tumhern zu Wittenberg, meynem besundern gunstigen freundt.
D. Martinus Luther.
Gnad und frid gottis zuvor, Achtpar, wirdiger lieber herr und freunt.
Die zeit des schweygens ist vorgangen, und die zeit zureden [Rand: Pred. 3, 7.] ist kommen, als Ecclesiastes sagt. Ich hab unserm furnehmen nach zusammen tragenn etlich stuck Christlichs stands besserung belangend, dem Christlichenn Adel deutscher Nation furtzulegen, ob got wolt doch durch den leyen standt seiner kirchen helffen, seintemal der geistlich stand, dem es billicher geburt, ist gantz unachtsam worden. Sende das alles ewr wirde, dasselb zurichten unnd wo es not ist zubessern. Ich bedenck wol, das myrsz nit wirt unvorweyst bleybenn, als vormesz ich mich zuhoch, das ich vorachter, begebner mensch solche hohe unnd grosse stende thar anreden in szo trefflichen grossen sachen, als were sonst niemant in der welt, dan Doctor Luther, der sich des Christenlichen stands an nehme, unnd szo hochvorstendigen leutten radt gebe. Ich lasz mein entschuldigung anstehen, vorweysz mirs wer do wil. Ich bin villeicht meinem got und der welt noch eine torheit schuldig, die hab ich mir itzt furgenommen, szo myrs gelingenn mag, redlich tzalen, unnd auch ein mal hoffnar werden, gelyngt mir nit, szo hab ich doch ein vorteil, darff mir niemant eine kappenn kauffenn, noch den kamp bescheren. Es gilt aber, wer dem andern die schellen anknupfft. Ich musz das sprichwort erfullenn ›Was die Welt zuschaffenn hat, da musz ein munch bey sein, und solt man yhn datzu malen‹. Es hat wol mehr mal ein nar weyszlich geredt, [Rand: 1. Cor. 3, 18.] unnd viel mal weysze leut groblich genarret, wie Paulus sagt ›wer do wil weysz sein, der musz ein nar werden.‹ Auch, dieweyl ich nit allein ein narr, [405] sondern auch ein geschworner Doctor der heyligenn schrifft, byn ich fro, das sich mir die gelegenheyt gibt, meynem eyd, eben in der selben narn weysze, gnug zuthunn. Ich bit, wollet mich entschuldigen bey den messig vorstendigen, den der ubirhochvorstendigen gunst und gnad weysz ich nit zuvordienen, wilch ich szo offt mit grosser muhe ersucht, nw fort auch nit mehr haben noch achtenn wil. Got helff uns, das wir nit unszer, sondern allein seine ehre suchen. Amen.
Zu Wittenberg, ym Augustiner Closter, am abent S. Johannis baptistae. Im Tausent funffhundert und zwentzigsten Jar.
Der allerdurchleuchtigisten, Groszmechtigisten Keyserlichen Majestet und Christlichem Adel deutscher Nation.
D. Martinus Luther.
Gnad und sterck von Got zuvor, Allerdurchleuchtigister, gnedigste, liebenn hernn. Es ist nit ausz lautter furwitz noch frevel geschehenn, das ich eyniger armer mensch mich unterstanden, fur ewrn hohen wirden zu redenn: die not und beschwerung, die alle stend der Christenheit, zuvor deutsche landt, druckt, allein mich, szondern yderman bewegt hat, viel mal zuschreyen und hulff begeren, hat mich auch itzt zwungen zuschreyen unnd ruffen, ob got yemand den geyst geben wolt, seine hand zureychen der elenden Nation. Es ist offt durch Concilia etwas furgewant, aber durch etlicher menschen list behendiglich vorhyndert und ymmer erger worden, wilcher tuck und boszheit ich itzt, got helff mir, durchleuchten gedenck, auff das sie erkant hynfurt nit mehr so hynderlich und schedlich sein mochten. Got hat uns ein jungs edlisz blut zum heubt geben, damit viel hertzen zu groser guter hoffnung erweckt, daneben wil sichs zymen, das unser datzu thun, und der zeit und gnade nutzlich brauchen.
Das erst, das in disser sachen furnehmlich zuthun, ist, das wir uns yhe fursehen mit grossem ernst, und nit etwas anheben mit vortrawen grosser macht odder vornunfft, ob gleich aller welt gewalt unser were, dan got mag und wils nit leyden, das ein gut werck werde angefangen in vortrawen eygener macht und vornunfft. Er stosset es zu poden, da hilfft nichts fur, wie ym xxxiij. psalm stet: Es wirt kein kunig bestehen durch seine grosse macht, und [Rand: Ps. 33, 16.] kein her durch die grosze seiner sterck. Und aufz dem grund sorg ich sey es vortzeyten kummen, das die theuren fursten keyszer Fridrich der erst und der ander und vil mehr deutscher keyszer szo jemerlich sein von den Bepsten mit fussen tretten und vordruckt, fur wilchen sich doch die welt furchtet, Sie haben [406] sich villeicht vorlassen auff yhre macht mehr dan auff got, drumb haben sie mussen fallen. Und was hat zu unsern zeiten den blutseuffer Julium secundum szo hoch erhaben, dan das ich besorg, Franckreich, Deutschen und Venedige haben auff sich selb bawet? Es schlugen die kinder Benjamin zwei und viertzig [Rand: Richt. 20, 21.] tausend Israeliten, dar umb das sie sich auff yhre sterck vorliessenn Judic. xix.
Das uns auch nit szo gelinge mit dissem edlen blut Carolo, mussen wir gewisz sein, das wir in disser sach nit mit menschen, szondern mit den fursten der hellenn handelen, die wol mugen mit krieg und blut vorgissen die welt erfullenn, aber sie lassen sich damit nicht uberwinden. Man musz hie mit einem vortzag leyplicher gewalt, in demutigem vortrawen gottis, die sach angreyffen, und mit ernstlichem gebet hulff bey got suchenn, und nichts anders in die augen bilden, dan der elenden Christenheit jamer und not, unangesehen was bosz leut vordienet haben. wo das nit, szo sol sichs spiel wol lassen anfahenn mit grossem schein, aber wen mann hynein kumpt, sollen die boszen geist ein solch yrrung zurichten, das die gantz welt must ym blut schweben, unnd dennocht damit nichts auszgericht: drumb last uns hie mit furcht gottis und weyszlich handelen. Yhe grosser die gewalt, yhe grosser ungluck, wo nit in gottis furcht unnd demut gehandelt wirt. Haben die Bepste und Romer biszher mugen durch teuffels hulff die kunig in einander werren, sie mugens auch noch wol thun, szo wir on gottis hulff, mit unser macht und kunst faren.
Die Romanisten haben drey mauren, mit grosser behendickeit, umb sich zogen, damit sie sich biszher beschutzt, das sie niemant hat mugenn reformierenn, dadurch die gantz Christenheit grewlich gefallen ist. Zum ersten, wen man hat auff sie drungen mit weltlicher gewalt, haben sie gesetzt und gesagt, weltlich gewalt habe nit recht ubir sie, sondern widderumb, geystlich sey ubir die weltliche. Zum andern, hat man sie mit der heyligen schrifft wolt straffen, setzen sie da kegen, Es gepur die schrifft niemant ausztzulegenn, den dem Bapst. Zum dritten, drewet man yhn mit einem Concilio, szo ertichten sie, es muge niemant ein Concilium beruffen, den der Bapst. Alszo haben sie die drey rutten uns heymlich gestolen, das sie mugen ungestrafft sein, und sich in sicher befestung diszer dreyer maur gesetzt, alle buberey und boszheit zutreyben, die wir dan itzt sehen, und ob sie schon ein Concilium musten machen, haben sie doch dasselb zuvor mat gemacht, damit, das sie die fursten zuvor mit eyden vorpflichten, sie bleyben zulassen, wie sie sein, dartzu dem Bapst vollen gewalt geben ubir alle ordnung des Concilii, alszo das gleich gilt, es sein vil Concilia odder kein Concilia, on das sie uns nur mit larven und spiegelfechten betriegen, szo gar greulich furchten sie der haut [407] fur einem rechten freyen Concilio, und haben damit kunig und fursten schochter gemacht, das sie glewben, es were widder got, szo man yhn nit gehorchte in allen solchen schalckhafftigen, listigen spugnissen.
Nu helff uns got und geb uns der Basaunen eine, do mit die mauren Hiericho wurden umbworffenn, das wir disze stroeren und papyren mauren auch [Rand: Jos. 6, 20.] umbblassen, und die Christlichen rutten, sund zustraffenn, losz machen, des teuffels list und trug an tag zubringen, auff das wir durch straff uns bessern, unnd seine huld widder erlangen.
Wollen die erste maur am ersten angreyffenn.
Man hats erfunden, das Bapst, Bischoff, Priester, Kloster volck wirt der geystlich stand genent, Fursten, Hern, handtwercks und ackerleut der weltlich stand, wilchs gar ein feyn Comment und gleyssen ist, doch sol niemant darub schuchter werden, unnd das ausz dem grund: Dan alle Christen sein warhafftig geystlichs stands, unnd ist unter yhn kein unterscheyd, denn des ampts halben allein, wie Paulus i. Corint. xij. sagt, das wir alle sampt eyn Corper [Rand: 1. Cor. 12, 12 ff.] seinn, doch ein yglich glid sein eygen werck hat, damit es den andern dienet, das macht allis, das wir eine tauff, ein Evangelium, eynen glauben haben, unnd sein gleyche Christen, den die tauff, Evangelium und glauben, die machen allein geistlich und Christen volck. Das aber der Bapst odder Bischoff salbet, blatten macht, ordiniert, weyhet, anders dan leyen kleydet, mag einen gleysner und olgotzen machen, macht aber nymmer mehr ein Christen odder geystlichen menschen. Dem nach szo werden wir allesampt durch die tauff zu priestern geweyhet, wie sanct Peter i. Pet. ij. sagt ›yhr seit ein kuniglich priesterthum, [Rand: 1. Petr. 2, 9.] und ein priesterlich kunigreych‹, und Apoc. ›Du hast uns gemacht durch dein [Rand: Offb. 5, 10.] blut zu priestern und kunigen‹. dan wo nit ein hoher weyen in uns were, den der Bapst odder Bischoff gibt, szo wurd nymmer mehr durch Bapsts unnd Bischoff weyhen ein priester gemacht, mocht auch noch mesz halten, noch predigenn, noch absolvieren.
Drumb ist des Bischoffs weyhen nit anders, den als wen er an stat und person der gantzen samlung eynen ausz dem hauffen nehme, die alle gleiche gewalt haben, und yhm befilh, die selben gewalt fur die andern ausztzurichten, gleich als wen tzehen bruder, kuniges kinder, gleich erben, einen erweleten, das erb fur sie zuregieren, sie weren yhe alle kunige und gleicher gewalt, und doch einem zuregieren befolen wirt. Und das ichs noch klerer sag, Wen ein heufflin fromer Christen leyen wurden gefangen unnd in ein wusteney gesetzt, die nit bey sich hetten einen geweyheten priester von einem Bischoff, unnd wurden alda der sachen eynisz, erweleten eynen unter yhn, er were ehlich odder nit, und befilhen ym das ampt zu teuffen, mesz halten, absolvieren und predigenn, der wer warhafftig ein priester, als ob yhn alle Bischoffe unnd Bepste[408] hetten geweyhet. Daher kumpts, das in der not ein yglicher teuffen und absolvieren kan, das nit muglich were, wen wir nit alle priester weren. Solche grosz gnad und gewalt der tauff und des Christlichen stands haben sie uns durchs geystlich recht fast nidergelegt und unbekant gemacht. Auff disse weysze erweleten vortzeyten die Christen ausz dem hauffen yhre Bischoff und priester, die darnach von andern Bischoffen wurden bestetiget on alles prangen, das itzt regirt, Szo wart sanct Augustin, Ambrosius, Cyprianus Bischoff.
Die weyl dan nu die weltlich gewalt ist gleych mit uns getaufft, hat den selben glauben unnd Evangely, mussen wir sie lassen priester und Bischoff sein, und yr ampt zelen als ein ampt, das da gehore und nutzlich sey der Christenlichen gemeyne. Dan was ausz der tauff krochen ist, das mag sich rumen, das es schon priester, Bischoff und Bapst geweyhet sey, ob wol nit einem yglichen zympt, solch ampt zu uben. Dan weyl wir alle gleich priester sein, musz sich niemant selb erfur thun und sich unterwinden, an unszer bewilligen und erwelen das zuthun, des wir alle gleychen gewalt haben, Den was gemeyne ist, mag niemandt on der gemeyne willen und befehle an sich nehmen. Und wo es geschehe, das yemandt erwelet zu solchem ampt und durch seinen miszprauch wurd abgesetzt, szo were ehr gleich wie vorhyn. Drumb solt ein priester stand nit anders sein in der Christenheit, dan als ein amptman: weil er am ampt ist, geht er vohr, wo ehr abgesetzt, ist ehr ein bawr odder burger wie die andern. Alszo warhafftig ist ein priester nymmer priester, wo er abgesetzt wirt. Aber nu haben sie ertichtet Caracteres, indelebiles, und schwetzen, das ein abgesetzter priester dennocht etwas anders sey, dan ein schlechter leye, Ja sie trewmet, Es mug ein priester nymmer mehr anders den priester odder ein ley werden: das sein alles menschen ertichte rede und gesetz.
Szo folget ausz dissem, das leye, priester, fursten, bischoff, und wie sie sagen, geistlich und weltlich, keynen andern unterscheyd ym grund warlich haben, den des ampts odder wercks halben, unnd nit des stands halbenn, dan sie sein alle geystlichs stands, warhafftig priester, bischoff und bepste, aber nit gleichs eynerley wercks, gleich wie auch unter den priestern und munchen nit [Rand: Röm. 12, 4 ff.] eynerley werck ein yglicher hat. Unnd das ist sanct Paul Ro. xij. und [Rand: 1. Cor. 12, 12 ff. / 1. Petr. 2, 9.] i. Corint. xij. unnd Petrus i. Pet. ij. wie ich droben gesagt, das wir alle ein corper sein des heubts Jesu Christi, ein yglicher des andern glidmasz. Christus hat nit zwey noch zweyerley art corper, einen weltlich, den andern geistlich. Ein heubt ist und einen corper hat er.
[409] Gleych wie nw die, szo mann itzt geystlich heyst, odder priester, bischoff odder bepst, sein von den andern Christen nit weytter noch wirdiger gescheyden, dan das sie das wort gottis unnd die sacrament sollen handeln, das ist yhr werck unnd ampt. Alszo hat die weltlich ubirkeit das schwert unnd die ruttenn in der hand, die boszen damit zustraffenn, die frummen zuschutzen. Ein schuster, ein schmid, ein bawr, ein yglicher seyns handtwercks ampt unnd werck hat, unnd doch alle gleich geweyhet priester und bischoffe, unnd ein yglich sol mit seinem ampt odder werck denn andern nutzlich unnd dienstlich sein, das alszo viellerley werck alle in eine gemeyn gerichtet sein, leyp und sellen zufoddern, gleich wie die glidmasz des corpers alle eyns dem andern dienet.
Nu sich, wie Christlich das gesetzt und gesagt sey, weltlich ubirkeit sey nit uber die geystlickeit, sol sie auch nit straffenn. Das ist eben szovil gesagt, die handt sol nichts datzu thun, ob das aug grosz nodt leydet. Ists nit unnaturlich, schweyg unchristlich, das ein glid dem andern nit helffen, seinem vorterben nit weren sol? Ja yhe edler das glidmasz ist, yhe mehr die andern yhm helffen sollen. Drumb sag ich, die weil weltlich gewalt von got geordnet ist, die boszen zustraffen und die frumen zuschutzen, szo sol man yhr ampt lassen frey gehn unvorhyndert durch den gantzen corper der Christenheit, niemants angesehen, sie treff Bapst, Bischoff, pfaffen, munch, Nonnen, odder was es ist. Wen so das gnug were, die weltlich gewalt zuhyndern, das sie geringer ist unter den Christlichen empten, den der prediger und beichtiger ampt odder geystliche stand, szo solt mann auch vorhyndern den schneydern, schustern, steynmetzenn, tzymmerleutenn, koch, kelnern, bawrn und alle zeitlichen handtwercken, das sie dem Bapst, Bischoffen, Priestern, Munchen kein schu, kleider, hausz, essen, trincken machten, noch tzynsz geben. Lessit man aber diesen leyen yhre werck unvorhindert, was machen den die Romischen schreyber mit yhren gesetzen, das sie sich ausztzihen ausz dem werck weltlicher Christlicher gewalt, das sie nur frey mugen bosz sein, und erfullen was sanct Peter gesagt hat: [Rand: 2. Petr. 2, 1.3.] Es werden falsch meyster unter euch erstehen, und mit falschen, ertichten wortten mit euch umbgehen, euch ym sack zu vorkeuffen.
Drumb sol weltlich Christlich gewalt yhr ampt uben frey unvorhyndert, unangesehen obs Bapst, bischoff, priester sey den sie trifft, wer schuldig ist der leyde: was geistlich recht da widder gesagt hat, ist lauter ertichtet Romisch vormessenheit. den also sagt sanct Pauel allen Christen ›Ein ygliche seele (ich [Rand: Röm. 13, 1 ff.] halt des Bapsts auch) sol unterthan sein der ubirkeit, den sie tregt nit umbsonst das schwert, sie dienet got damit, zur straff der bosen, und zu lob den frumen‹, auch sanct Petrus ›Seyt unterthan allen menschlichen ordnungen [Rand: 1. Petr. 2, 13.] umb gottis willen, der es szo haben wil‹. Er hats auch vorkundet, das [410] kummen wurden solch menschen, die die weltlich ubirkeit wurden furachtenn [Rand: 2. Petr. 2, 10.] ij. Pet. ij. wie dan geschehenn ist durch geystlich recht.
Also meyn ich, disse erste papyr maur lig darnyder, seyntemal weltlich hirschafft ist ein mitglid worden des Christlichen Corpers, unnd wie wol sie ein leyplich werck hat, doch geystlichs stands ist, darumb yhr werck sol frey unvorhindert gehen in alle glidmasz des gantzen corpers, straffen und treyben, wo es die schuld vordienet odder not foddert, unangesehen Bapst, Bischoff, priester, sie drewen odder bannen, wie sie wollen. Da her kompts, das die schuldigenn priester, szo man sie in das weltlich recht uberantwortet, zuvor entsetzt werden priesterlicher wirden, das doch nit recht were, wo nit zuvor ausz gotlicher ordnung das weltlich schwert ubir die selben gewalt hette. Es ist auch zuviel, das man szo hoch ym geystlichen recht hebt der geistlichen freyheit, leyp unnd gutter, gerad als weren die leyen nit auch szo geistlich gute Christen als sie, odder als gehorten sie nichts zur kirchen. Warumb ist dein leyp, leben, gut und ehr szo frey, und nit das meyne, szo wir doch gleich Christen sein, gleich tauff, glaubenn, gehst und alle ding haben? Wirt ein priester erschlagen, szo ligt ein land ym Interdict, warumb auch nit, wen ein bawr erschlagen wirt? wo kumpt her solchs grosz unterscheyd unter den gleychen Christenn? allein ausz menschen gesetzen und tichten.
Es musz auch kein gutter geyst sein, der solch ausztzug erfunden und die sund frey unstrefflich gemacht hat: dan szo wir schuldig sein, widder den boszen geist, seine werck und wort zu streytten und yhn vortreyben, wie wir mugen, als uns Christus gepeut und seine Apostel, wie kemen wir dan datzu, das wir solten stil halten und schweygen, wo der Bapst odder die seynenn teufelisch wort odder werck furnehmen? Solten wir umbs menschen willenn gotlich gepot unnd warheit lassen nyderlegen, der wir in der tauff geschworn haben bey zustehen mit leyp und leben, furwar wir weren schuldig aller selen, die dadurch vorlassen und vorfuret wurden. Drumb musz das der heubt teuffel selb gesagt haben, das ym geistlichenn recht stet, Wen der Bapst szo schedlich bosz were, das er gleich die selenn mit grossen hauffen zum teuffel furet, kund man yhn dennocht nit absetzen. Auff diessen vorfluchten teuffelischen grund bawen sie zu Rom, unnd meynen, man sol ehe alle welt zum teuffel lassen faren, den yhrer buberey widderstrebenn. wen es gnug were doran, das einer uber den andern ist, darumb er nit zustraffen sey, must kein Christen den andern [Rand: Matth. 18, 4. / Luc. 9, 48.] straffenn, seintemal Christus gepeut, ein yglicher sol sich den untirsten und geringsten halten.
[411] Wo sund ist, da ist schon kein behelff mehr widder die straff, als auch sanct Gregorius schreybt, das wir wol alle gleich sein, aber die schuldt mach einen unterthan dem andern. Nu sehen wir, wie sie mit der Christenheit umbgahn, nemen yhn die freiheit, on alle beweysung ausz der schrifft, mit eygenem frevel, die got und die Apostel haben unterworffen dem weltlichen schwert, das zubesorgen ist, es sey des Endtchrists spiel odder sein nehster vorlaufft.
Die ander maur ist noch loszer und untuchtiger, das sie allein wollen meister der schrifft sein, ob sie schon yhr leblang nichts drynnen lernenn, vormessen sich allein der ubirkeit, kauckeln fur uns mit unvorschampten wortten, der Bapst mug nit yrren ym glaubenn, er sey bosz odder frum, mugen desselben nit ein buchstaben antzeygen. Da her kompt es, das szovil ketzerisch und unchristlich, ja unnaturliche gesetz stehen ym geistlichen recht, davon itzt nit not zuredenn, Dan die weil sie es achten, der heylig geist lasz sie nit, sie sein szo ungeleret und bosze wie sie kunden, werden sie kune, zusetzen was sie nur wollen. Und wo das were, watzu were die heylige schrifft not odder nutze? lasset sie uns vorprennenn, unnd benugen an denn ungelereten hern zu Rom, die der heylig geyst ynnenhat, der doch nit dan frume hertzen mag ynnen habenn. Wen ichs nit gelesen het, were myrs ungleublich geweszenn, das der teuffel solt zu Rom solch ungeschickt ding furwendenn und anhang gewinnen.
Doch das wir nit mit wortten widder sie fechten, wollen wir die schrifft her bringen. Sanct Paul spricht i. Corint. xiiij. ›szo yemant etwas bessers [Rand: 1. Cor. 14, 30.] offenbar wirt, ob ehr schon sitzt und dem andern zuhoret ym gottis wort, so sol der erst, der do redt, stilschweygen und weychen‹. Was were disz gebot nutz, szo allein dem zuglewben were, der do redt odder oben ansitzt? Auch Christus sagt Johan. vi. das alle Christen sollen geleret werden von got, szo [Rand: Joh. 6, 45.] mag es yhe geschehen, das der Bapst und die seinen bosz sein, unnd nit rechte Christen sein, noch von got geleret rechten vorstand haben, widderumb ein geringer mensch den rechten vorstand haben, warumb solt man yhm den nicht folgenn? hot nit der Bapst viel mal geyrret? wer wolt der Christenheit helffenn, szo der Bapst yrret, wo nit einem andern mehr dan yhm glaubt wurdt, der die schrifft fur sich hette?
Drumb ists ein frevel ertichte fabel, unnd mugen auch keinen buchstaben auff bringen, damit sie bewerenn, das des Bapsts allein sey, die schrifft ausztzulegen, odder yhr auszlegung zubestetigenn, Sie haben yhn die gewalt selbs genommen. Und ob sie furgeben, es were sanct Peter die gewalt gebenn, da [Rand: Matth. 16, 19.] yhm die schlussel seint geben, ists offenbar gnug, das die schlussel nit allein [412] [Rand: Matth. 18, 18.] sanct Petro, sondern der gantzen gemein geben seint. Dartzu die schlussel nit [Rand: Joh. 20, 23.] auff die lare odder regiment, szondern allein auff die sunde zupinden odder losen geordnet sein, und ist eytel ertichtet ding, was sie anders und weytter [Rand: Luc. 22, 32.] ausz den schlussel yhn zuschreybenn. Das aber Christus sagt zu Petro ›Ich hab fur dich gebeten, das dein glaub nit zurgehe‹, mag sich nit streckenn auff denn Bapst, seintemal das mehrer teyl der Bepst on glauben gewesen sein, wie sie selb bekennen mussen: so hat Christus auch nit allein fur Petro gebetten, [Rand: Joh. 17, 9.20.] sondern auch fur alle Apostel und Christen, wie er sagt Johan. xvij. ›Vatter, ich bitte fur sie, die dw mir geben hast, unnd nit allein fur sie, sondern fur alle, die durch yhr wort glewben in mich‹, Ist das nit klar gnug geredt?
Denck dach bey dir selb, Sie mussen bekennen, das frume Christen unter uns sein, die den rechten glauben, geyst, vorstand, wort und meynung Christi haben, yhe warumb solt man den der selben wort unnd vorstand vorwerffen, unnd dem Bapst folgen, der nit glaubenn noch geyst hat? were doch das den gantzen glauben und die Christenlichen kirche vorleugnet. Item, Es musz yhe nit allein der Bapst recht haben, szo der artickel recht ist ›Ich gleub ein heylige Christliche kirche‹, odder mussen alszo beten ›Ich gleub in den bapst zu Rom‹, und alszo die Christliche kirch gantz in einen menschen zihen, wilchs nit anders dan teuffelisch und hellisch yrtumb were.
Ubir das, szo sein wir yhe alle priester, wie droben gesagt ist, alle einen glauben, ein Evangely, einerley sacrament haben, wie solten wir den nit auch haben macht, zuschmecken und urteylen, was do recht odder unrecht [Rand: 1. Cor. 2, 15.] ym glaubenn were? wo bleybt das wort Pauli i. Corint. ij. ›Ein geistlicher [Rand: Cor. 4, 13.] mensch richtet alle ding, unnd wirt von niemants gerichtet‹, und ij. Corint. iiij. ›wir haben alle eynen geyst des glaubens‹? wie solten wir denn nit fulen szo wol als ein ungleubiger bapst, was dem glauben eben odder uneben ist? Ausz dieszem allenn und vielen andern spruchen sollen wir mutig und frey werden, [Rand: 2. Cor. 3, 17.] unnd den geyst der freyheit (wie yhn Paulus nennet) nit lassen mit ertichten wortten der Bepst abschrecken, sondern frisch hyndurch allis, was sie thun odder lassen, nach unserm gleubigen vorstand der schrift richten, und sie zwingen zufolgen dem bessern unnd nit yhrem eygen vorstand. Muste doch vortzeytenn [Rand: 1. Mos. 21, 12.] Abraham seine Sara horen, die doch yhm hertter unterworffen war, den wir yemant auff erden: szo war die eselynne Balaam auch kluger denn der Propheta selbs. Hat got da durch ein eselinne redet gegen einem Propheten, warumb solt er nit noch reden kunnen durch ein frum mensch gegen dem [Rand: 4. Mos. 22, 28. / Gal. 2, 11 ff.] Bapst? Item sanct Paul strafft sanct Peter als einen yrrigen, Gal. ij. Drumb geburt einem yglichen Christen, das er sich des glaubens annehm, zuvorstehen und vorfechten, und alle yrtumb zuvordammen.
[413] Die dritte maur fellet von yhr selbs, wo disse erste zwo fallenn, dan wo der bapst widder die schrifft handelt, sein wir schuldig, der schrifft bey zustehen, yhn straffen und zwingen, nach dem wort Christi Math, xviij. ›Sundiget [Rand: Matth. 18, 15.] dein bruder widder dich, szo gang hyn und sags yhm zwischen dyr unnd yhm allein, horet ehr dich nit, szo nym noch einen odder zween zu dir, horet er die nit, szo sag es der gemeyne, horet er die gemeyne nit, szo halt yhn als einen heyden‹. Hie wirt befohlenn einem yglichenn glid, fur das ander zusorgenn, wievil mehr sollen wir dartzu thun, wo ein gemeyn regierend gelid ubel handelt, wilchs durch seinen handel viel schaden und ergernisz gibt den andern: sol ich yhn den vorklagen fur der gemeyne, szo musz ich sie ja zusammenn bringen.
Sie haben auch keinen grund der schrifft, das allein dem Bapst gepur ein Concilium zuberuffen odder bestetigenn, dan allein yhre eygene gesetz, die nit weytter gelten, dan szo ferne sie nit schedlich sein der Christenheit und gottis gesetzenn. wo nw der Bapst strefflich ist, horen solch gesetz schon auff, die weyl es schedlich ist der Christenheit, yhn nit straffen durch ein Concilium.
Szo leszen wir Act. xv. das der Apostel Concilium nit sanct Peter hat [Rand: Apgsch. 15, 6.] beruffen, sondern alle apostel und die eltisten. wo nw sanct Peter das allein het gepurt, were das nit ein Christlich Concilium, sondern ein ketzrisch Conciliabulum geweszen. Auch das berumptiste Concilium Nicenum hat der Bischoff zu Rom noch beruffen noch bestetiget, sondern der keyszer Constantinus, unnd nach yhm viel ander keyszer desselben gleichen than, das doch die allerchristlichsten Concilia geweszen sein. Aber solt der bapst allein die gewalt haben, szo musten sie alle ketzrisch gewesen sein. Auch wen ich ansehe die Concilia, die der bapst gemacht hat, sind ich nit besonders, das drynnen ist auszgericht.
Darumb, wa es die not foddert und der bapst ergerlich der Christenheit ist, sol dartzu thun wer am ersten kan, als ein trew glid des gantzen corpers, das ein recht frey Concilium werde, wilch niemandt so wol vormag als das weltlich schwert, sonderlich die weyl sie nu auch mitchristen sein, mitpriester, mitgeystlich, mitmechtig in allen dingen, und sol yhre ampt und werck, das sie von got haben ubir yderman, lassen frey gehen, wo es not und nutz ist zugehen. Were das nit ein unnaturlich furnehmen, szo ein fewr in einer stadt auffgienge, und yderman solt stille stehenn, lassen fur unnd fur brennen was do brennen mag, allein darumb, das sie nit die macht des Burgemeysters hettenn odder das fewr villeicht ann des Burgemeysters hausz anhube? Ist nit hie einn yglicher burger schuldig, die andern zubewegen unnd beruffenn? wie viel mehr sol das in der geystlichen stad Christi geschehen, szo ein fewr des ergernisz sich erhebt, es sey an des Bapsts regiment odder wo es wolle. Desselben gleichen geschicht auch, szo die seynd eine stadt uberfielen, da vordienet [414] der ehr und danck, der die andern am ersten auff bringt. warumb solt den der nit ehre vordienen, der die hellischen seynd vorkundet, und die christen erweckt und berufft?
Das sie aber yhre gewalt rumen, der sichs nit zyme widdertzufechtenn, ist gar nichts geredt. Es hat niemant in der Christenheit gewalt, schaden zuthun, odder schaden zuweren vorpietenn. Es ist kein gewalt in der kirchen, den nur zur besserung. Drumb wo sich der Bapst wolt der gewalt brauchenn, zuwerenn ein frey Concilium zumachen, damit vorhyndert wurd die besserung der kirchen, szo sollen wir yhn unnd seine gewalt nit ansehen, und wo er bannen und donnern wurd, solt man das furachten als eins tollen menschen furnehmen, und yhn, in gottis zuvorsicht, widderumb bannen und treyben, wie man mag: dan solch seine vormessene gewalt ist nichts, er hat sie auch nit, und wirt bald mit einem spruch der schrifft nydergelegt, denn Paulus zu [Rand: 2. Cor. 10, 8.] den Corinthern sagt ›Got hat uns gewalt geben, nit zuvorterben, sondern zubessern die christenheit‹. Wer wil uber dissen spruch hupffen? des teuffels und Endchristes gewalt ists, die do weret was zur besserung dienet der christenheit, darumb yhr gar nit zufolgen, sondern widdertzustehen ist mit leyp, gut und allem was wir vormugenn.
Und wo gleich ein wundertzeichen fur den Bapst widder die weltlich gewalt geschehe, odder yemandt ein plag widderfure, wie etlich mal sie rumen geschehen sey, sol man dasselb nit anders achten, dan als durch den teuffel geschehen, umb unsers glaubens zu got gebrechen, wie dasselb Christus vorkundigt [Rand: Matth. 24, 24.] hat Matt. xxiiij. ›Es werden kummen in meynem namen falsche Christenn und falsche propheten, zeychen und wunder thun, das sie auch die [Rand: 2. Thess. 2, 9 f.] auszerweleten mochten vorfuren, und sanct Paul sagt den Thessalonicens. das der Endchrist werde durch Satanam mechtig sein in falschen wundertzeychen.‹
Drumb lasset uns das fest haltenn, Christliche gewalt mag nichts widder [Rand: 2. Cor. 13, 8.] Christum, wie sanct Paul sagt ›wir vormugen nichts widder Christum, sondern fur Christo zuthun‹. Thut sie aber etwas wider Christum, so ist sie des Endchrists unnd teuffels gewalt, und solt sie wunder und plagen regnen unnd schlossen. Wunder und plagen beweren nichts, sonderlich in dieszer letzten [Rand: 2. Thess. 2, 9.] ergisten zeit, von wilcher falsche wunder vorkundet sein in aller schrifft: drumb mussen wir uns an die wort gottis halten mit festem glauben, szo wirt der teuffel seine wunder wol lassen.
Hie mit, hoff ich, sol das falsche, lugenhafftige schrecken, damit uns nu lange zeit die Romer habenn schuchter und blod gewissen gemacht, ernyder [415] liegen, unnd das sie mit uns allen gleich dem schwert unterworffen sein, die schrifft nit macht haben ausztzulegen durch lautter gewalt on kunst, und keinen gewalt haben, ein Concilium zuweren odder noch yhrem mutwillen pfenden, vorpflichten unnd seine freyheit nehmen, unnd wo sie das thun, das sie warhafftig des Endtchrists und teuffels gemeinschafft sein, nichts von Christo, denn den namen haben.
Nu wollen wir sehenn die stuck, die man billich in den Concilien solt handeln, und damit Bepst, Cardinel, Bischoff und alle gelereten solten billich tag und nacht umbgahn, szo sie Christum unnd seine kirch lieb hetten, wo sie aber das nit thun, das der hauff und das weltlich schwert dartzu thue, unangesehen yhr bannen odder donnern, den ein unrechter ban ist besser, dann zehen rechte absolution, und ein unrechte absolution erger, dan zehen rechte ban. Darumb lassit uns auff wachen, lieben Deutschen, und got mehr den die menschen furchten, das wir nit teylhafftig werdenn aller armen [Rand: Apgsch. 5, 29.] seelen, die szo kleglich durch das schendlich, teuffelisch regiment der Romer vorloren werden, unnd teglich mehr und mehr der teuffel zunympt, so es anders muglich were, das solch hellisch regiment mocht erger werden, das ich doch nit begreiffen noch gleuben kan.
Zum ersten ists grewlich und erschrecklich antzusehen, das der ubirst in der Christenheit, der sich Christi Vicarium und sanct Peters nachfolger rumet, szo weltlich und prechtlich feret, das yhn darinnen kein kunig, kein keyszer mag erlangen und gleich werden, und in dem ›der allerheyligist und geystlichst‹ sich lesset nennen, weltlicher weszen ist, dan die welt selber ist. Er tregt ein dreyfeltig kron, wo die hochsten kunig nur ein kron tragenn: gleicht sich das mit dem armen Christo und sanct Peter, so ists ein new gleichen. Man plerret, es sey ketzrisch, wo man dawidder redt, man wil aber auch nit horen, wie unchristlich und ungotlich solch weszen sey, Ich halt aber, wen er betten mit threnen solt fur got, er must yhe solch kronen ablegen, die weil unszer got keinen hoffart mag leyden. Nu solt sein ampt nichts anders sein, dan teglich weynen unnd beten fur die Christenheit, und ein exempel aller demut furtragen.
Es sey wie yhm wolle, szo ist ein solcher pracht ergerlich, und der bapst bey seiner seel selickeit schuldig, yhn abtzulegen, darumb das sanct Paul sagt ›Enthaltet [Rand: Thess. 5, 22.] euch fur allen geperden, die do ergerlich sein‹, und Roma. xij. wir sollen [Rand: Röm. 12, 17.] [416] guttis furwenden, nit allein fur gottis augen, sondern auch fur allen menschen. Es were dem Bapst gnug ein gemeyne bischoffkron, mit kunst und heylickeit solt er grosser sein fur andern, umd die kron der hoffart dem Endtchrist lassenn, wie da than haben seine vorfaren fur etlich hundert jaren. Sie sprechen, er sey ein herr der welt, das ist erlogenn, den Christus, des stathalter und amptman [Rand: Joh. 18, 36.] er sich rumet, sprach fur Pilato ›Mein reich ist nit von disser welt‹. Es kan yhe kein stathalter weytter regieren den sein her. Er ist auch nit ein [Rand: 1. Cor. 2, 2.] stathalter des erhebtenn, sondern des gekreutzigten Christi, wie Paulus sagt ›Ich hab nichts bey euch wolt wissen den Christum, und den selben nur als [Rand: Phil. 2, 5 ff.] gecreutzigten‹, und Phil. ij. ›Alszo solt yhr euch achten, wie yhr seht in Christo, der sich hat entledigt, und ein knechtisch geperde an sich genommen‹, item [Rand: 1. Cor. 1, 23.] i. Corint. i. ›wir predigen Christum den gecreutzigtenn‹. Nw machen sie den Bapst ein stathelter des erhebten Christi ym hymel, und haben etlich den teuffel szo starck lassen in yhn regieren, das sie gehalten, der Bapst sey ubir die Engel ym hymel, und yhn zugepieten habe, wilchs sein eygentlich die rechten werck des rechten Endtchrists.
Zum andern, wotzu ist das volg nutz in der christenheit, das do heysset die Cardinel? das wil ich dyr sagenn. Welsch unnd deutsch landt haben viel reycher kloster, stifft, lehen und pfarr, die hat man nit wist basz gen Rom zubringen, dan das man Cardinal macht, unnd den selben die Bistumb, kloster, prelaturn zueygen gebe, und gotis dienst also zu poden stiesse. drumb siht man itzt, das Welschlandt fast wust ist, kloster vorstoret, bistumb vortzeret, prelaturn unnd aller kirchen tzinsze gen Rom tzogen, Stet vorfallen, land und leut vortorben, da kein gottis dienst nach predig mehr gaht. warumb? die Cardinal mussen die gutter haben. Kein Turck het Welschlandt szo mugen vorterben und gottis dienst nyderlegenn.
Nu welsch landt auszgesogen ist, kommen sie ynsz deutsch landt, heben feyn seuberlich an, aber sehen wir zu, deutsch landt sol bald dem welschen gleich werden. wir habenn schon etlich Cardinel: was darynnen die Romer suchen, sollen die truncken Deutschen nit vorstehen, bisz sie kein bistum, klosterr, [Rand: Dan. 11, 39.43.] pfarr, lehen, heller odder pfennig mehr habenn. Der Endtchrist musz die schetz der erden heben, wie es vorkundet ist. Es geht daher: man scheumet oben ab von den bistumen, klostern und lehnen, und weil sie noch nit alles thuren gar vorscheinden, wie sie den Welschen than haben, brauchen sie die weil solch heylige behendickeit, das sie zehen oder zwentzig prelaturen zusammen koppeln, und von einer iglichen ein jerlich stuck reyssenn, das doch ein summa [417] drausz werde. Proebstey zu Wirtzpurg gibt tausent gulden, die zu Babenburg auch etwas, Mentz, Trier und der mehr: so mocht man ein tausent gulden odder zehen zusammen bringen, damit ein Cardinal sich einem reychen kunige gleich halte zu Rom.
Wen wir nu des gewonen, so wollen wir dreyssig odder viertzig Cardinel auff einen tag machen, und einem geben den Munchenberg zu Babenberg und das bistum zu Wurtzburg dartzu, dran gehengt etlich reyche pfarn, bisz das kirchen und stet wust sein, und darnach sagen, wir sein Christi Vicarii und hirten der schaff Christi, die tollen, vollen Deutschen mussens wol leyden.
Ich rad aber, das man der Cardinal weniger mache, oder lasz sie den bapst von seinem gutte neren. Er were ubrig gnug an xij, und ein yglicher het des jars tausent gulden eintzukommen. Wie kommen wir Deutschen dartzu, das wir solch reuberey, schinderey unserer guter von dem bapst leyden mussen? hat das kunigreich zu Franckreich sichs erweret, warumb lassenn wir Deutschen uns alszo narren unnd effenn? Es were allis treglicher, wen sie das gut allein uns alszo abstolen: die kirchen vorwusten sie damit, und berauben die schaff Christi yhrer frumen hyrtten, und legen den dienst unnd wort gottis nyder, unnd wen schon kein Cardinal were, die kirch wurd dennoch nit vorsincken, szo thun sie nichts das zur christenheit dienet, nur gelt unnd hadder sachen umb die Bistum unnd prelaturen treyben sie, das auch wol ein itzlicher reuber thun kundt.
Zum dritten, wen man des bapsts hoff liesz das hunderte teyl bleyben, und thet ab newn und newntzig teil, er were dennoch grosz gnug, antwort zugeben in des glaubens sachen. Nu aber ist ein solch gewurm und geschwurm in dem Rom, unnd alles sich bepstisch rumet, das zu Babylonien nit ein solch weszen gewesen ist. Es sein mehr dan drey tausent Bapst schreyber allein, wer wil die andern ampt leut zelenn, szo der ampt szoviel sein, das man sie kaumet zelen kann? wilche alle auff die stifft und lehen deutschs landts wartten, wie wolff auff die schaff. Ich acht, das deutsch landt itzt weit mehr gen Rom gibt dem Bapst, dan vor zeytenn den keysern. Ja es meynen etlich, das jerlich mehr dan dreymal hundert tausent gulden ausz deutsch land gen Rom kommen, lauterlich vorgebens und umb sonst, dafur wir nicht dan spot [418] und schmach erlangen, unnd wir vorwundern uns noch, das furstenn, adel, stedt, stifft, land unnd leut arm werden, wir solten uns vorwundern, das wir noch zuessen haben.
Die weyl wir dan hie in das rechte spiel kummen, wollen wir ein wenig stil halten, und uns sehen lassen, wie die Deutschen nit szo gantz grobe narn sein, das sie Romische pracktick gar nichts wissen odder vorstehen. Ich klag hie nit, das zu Rom gottis gepot und christlich recht vorachtet ist, dan szo wol stet es itzt nit in der Christenheit, sonderlich zu Rom, das wir von solchen hohen dingen klagen mochten. Ich klag auch nit, das das naturlich odder weltlich recht und vornunfft nichts gilt. Es ligt noch alles tieffer ym grund. Ich klag, das sie yhr eygenn ertichtet geystlich recht nit haltenn, das doch on yhm selb ein lautter tyranney, geytzerey und zeytlicher pracht ist, mehr dann ein recht. Das wollenn wir sehen.
Es haben vortzeyten deutsche keyszer unnd furstenn vorwilligt, dem Bapst die Annaten auff allen lehenn deutscher Nation eintzunehmenn, das ist die helffte der tzinsz des ersten Jares auff einem yglichen lehen: die vorwilligung aber ist alszo geschehen, das der bapst durch solch grosz gelt solt samlen einen schatz, zustreytten widder die Turcken und ungleubigen, die Christenheit zuschutzen, auff das dem adel nit zuschwer wurd allein zustreittenn, sondern die priesterschafft auch etwas dartzu thet. Solcher gutter, einfeltiger andacht der deutschen Nation haben die Bepste datzu braucht, daß sie bisz her mehr dan hundert Jar solch gelt eingenommen und nu einen schuldigen, vorpflichten zinsz und auffsatz drausz gemacht, unnd nit allein nichts gesamlet, sondern darauff gestifftet viel stend unnd empter tzu Rom, die damit jerlich als ausz einem erbtzinsz zubesolden. Wen man nw widder die Turcken streyttenn vorgibt, szo senden sie erausz botschafft, gelt zusamlen, viel mal auch ablas herausz [419] geschickt, eben mit der selben farb, widder den Turcken zustreytten, meynend, die tollen Deutschen sollen unendlich todstocknarn bleyben, nur ymer gelt geben, yrem unauszsprechlichem geytz gnug thun, ob wir gleich offentlich sehen, das widder Annaten, noch ablas gelt, noch allis ander einn heller widder den Turcken, sondern altzumal in den sack, dem der poden ausz ist, kumpt, liegen unnd triegen, setzen und machen mit uns bund, der sie nit ein harbreit zuhalten gedenckenn: das musz darnach der heylig nam Christi und sanct Petri allis than haben.
Hie solte nw deutsche Nation, Bischoff und Fursten, sich auch fur Christen leut halten, und das volck, das yhn befolen ist, in leyplichen unnd geistlichen guttern zuregiren unnd schutzenn, fur solchen reyssendenn wolffen beschirmen, die sich unter den schaffs kleydern dar geben als hyrtten und regierer. Und die weil die Annaten szo schimpflich miszprauchet werdenn, auch nit gehalten was vorpunden ist, yhr landt und leut szo jemerlich, on allis recht, schinden und vorterben nit zu lassenn, sondern durch ein keyszerlich odder gemeyner Nation gesetz die Annaten heraussen behalten odder widderumb abethun. Dan die weil sie nit halten, was vorpunden ist, haben sie auch kein recht zu den Annaten, szo sein die Bischoff unnd Fursten schuldig, solch dieberey und reuberey zustraffen, odder yhe zuweren, wie das recht foddert, darynnen dem Bapst beystehen und stercken, der villeicht solchem unfug allein zuschwach ist, odder, wo er das wolt schutzen und handhaben, als einem wolff und tyrannen weren und widderstehen, den er kein gewalt hat, boszes zuthun odder zuvorfechten. Auch szo man yhe widder die Turcken wolt ein solchenn schatz samlen, solten wir billich der mal eynsz witzig werden, und mercken, das deutsche Nation den selben basz bewaren kunde den der Bapst, seyntemal deutsche Nation selb volck gnug hat zum streyt, szo gelt furhanden ist. Es ist mit den Annaten, wie mit anderm manchen Romischen furgeben gewest ist.
Item darnach ist geteylet worden das Jar zwischen dem Bapst und regierenden bischoffen und stifften, das der bapst sechs Monat hat ym jar, einen umb den andern, zuvorleyhen die lehen die in seinem Monatt vorfallen, damit fast alle lehen hynein gen Rom werden getzogen, szonderlich die allerbesten pfrund unnd digniteten. Und wilche ein mal szo gen Rom fallenn, die kummen darnach nymmer widder erausz, ob sie hynfurt nymmer in des Bapsts Monat vorfallen, damit den stifften viel zukurtz geschicht, und ist ein rechte reuberey, die yhr furgenommen hat nichts heraussenn zulassen. Darumb [420] ist sie fast reyff, und hoch zeit, das man die Bapst Monat gar abethue, unnd allis, was dadurch genn Rom kummenn ist, widder erausz reysse. Den Fursten unnd Adel sollen drob sein, das das gestolen gut werd widder geben, die diebe gestrafft, und die yhrs urlaubs miszprauchen, urlaubs beraubt werden. Helt unnd gilt es, szo der Bapst des andern tags seiner erwelung regel und gesetz macht in seiner Cancelley, dadurch unszer stifft und pfrundt geraubt werden, da her kein recht zu hat, so sol es viel mehr gelten, szo der keyszer Carolus des andern tags seiner kronung regel und gesetz gebe, durch gantz deutsche landt keyn lehen unnd pfrund mehr gen Rom lassenn kummenn durch das Bapsts Monat, und was hynein kummen ist, widder frey werde, unnd von den Romischen reuber erloszet, da zu er recht hat von ampt wegenn seynis schwerdts.
Nu hat der Romisch geytz und raubstul nit mocht der zeit erwartten, das durch bapst Monat alle lehen hynein kemenn, eynis nach dem andern, sondern eylet nach seinem unsettigen wanst, das er sie alle auffs kurtzst hynein reysse, und hat ubir die Annaten und Monat ein solch fund erdacht, das die lehen und pfrund noch dreyerley weysze zu Rom behafft werden.
Zum ersten, szo, der ein frey pfrund hat, zu Rom odder auff dem wege stirbt, die selb musz ewig eygen bleyben des Romischen ›reubischen‹ stuls solt ich sagen, und wollenn den nach nit reuber heyssen, szo solche reuberey niemant yhe gehoret noch geleszen hat.
Zum andern, szo der ein lehen hat odder ubirkumpt, der des Bapst odder Cardinel gesindt ist, odder so er zuvor ein lehen hat, und darnach bapsts odder Cardinals gesindt wirt. Nu wer mag des bapsts unnd der Cardinel gesind zelen, szo der Bapst, wen er nur spatzieren reyt, bey drey oder vier tausent maul reytter umb sich hat, trotz allen keyszern und kunigen? Den Christus und sanct Peter giengen zufussen, auff das yhre stathalter deste mehr zuprachten und prangen hetten. Nw hat der geytz weytter sich erkluget, unnd schafft, das auch heraussen viel den namen haben bepstlich gesinds, wie zu Rom, das nur in allen ortten das blosz schalckhafftig wortlin ›Bapsts ge sind‹ alle lehen an den Romischen stul bringen und ewiglich hefften. Seynd das [421] nit vordrieszliche teuffelische fundle? Sehen wir zu, szo sol Mentz, Magdeburg, Halberstad gar feynn gen Rom kummen, unnd das Cardinalat theur gnug betzalet werdenn. Darnach wollen wir all deutsche Bischoff Cardinel machenn, das nichts eraussen bleybe.
Zum drittenn, wo umb ein lehen ein hadder sich zu Rom angefangen, wilchs, ich acht, fast die gemeynist unnd grossist strasz ist, die pfrunden gen Rom zubringen. Dan wo hie kein hadder ist, sind man untzehlich buffen zu Rom, die hadder ausz der erden graben, und pfrunden angreyffenn, wo sie nur wollenn, da manch frum priester seinn pfrund musz vorlierenn, odder mit einer summa gelts denn hadder abekauffenn, ein zeyt lang. Solch lehen, mit hadder recht odder unrecht vorhafft, musz auch des Romischen stuls ewig eygen sein. Es were nit wunder, das got vom hymel schwebel und hellisch fewr regnet, und Rom in abgrundt vorsenckt, wie er vortzeytten Zodoma und Gomorren [Rand: 1. Mos. 19, 24 f.] thet: was sol ein Bapst in der Christenheit, wen man seiner gewalt nit anders braucht, dann zu solcher heubt boszheit, und er die selben schutzt und handthabt? O edeln fursten und hern, wie lang wolt yhr ewr land und leut solchen reyssenden wolffen offen und frey lassen?
Da nw solch pracktick nit gnug war, und dem geytz die zeit zulange wart, alle bistum hynein zureyssen, hot mein lieber geytz doch so viel erfunden, das die bistumb mit namen eraussen, und mit dem grund und bodenn zu Rom sein, und das alszo kein Bischoff mag bestetiget werden, er kauff dan mit grosser summa gelts das pallium, und vorpflichte sich mit grewlichen eyden zu einem eygenen knecht dem Bapst. Da her kumpts, das kein Bischoff widder denn Bapst thar handeln: das haben die Romer auch gesucht mit dem eyde, und sein also die aller reychsten bistumb in schuld und vorterben kummen. Mentz, hor ich, gibt xx tausent gulden. Das sein mir yhe Romer, als mich[422] dunckt. Sie habens wol vortzeitten setzt ym geystlichen recht, das pallium umbsonst zugebenn, des Bapsts gesind wenigern, hadder mindern, den stifften und bischoffen yhre freyheit lassen: aber das wolt nit gelt tragen, drumb ist das blat umkeret und ist den bischoffen unnd stifften aller gewalt genommen, sitzen wie die Cifren, haben widder ampt, macht, noch werck, szondern regiernn alle ding die heubt buben zu Rom, auch schier des Custers unnd Glockners ampt in allen kirchen, alle hadder werden gen Rom getzogenn, thut yderman durchs bapsts gewalt, was er wil.
Was ist geschehenn in diessem Jare? der Bischoff zu Straszburg wolt sein stifft ordenlich regieren und reformieren in gottis dienst, und stellet etlich gotlich und Christlich artickel dartzu dienlich, Aber meinn lieber bapst und der heylige Romische stul stost zu podenn unnd vordampt solch heylige, geistlich ordnung gantz mit einander durch anlangen der priesterschafft: das heyst die schaff Christi geweydet, szo sol man priester widder yhren eygen bischoff stercken und yhren ungehorsam in gotlichen gesetzen schutzen. Solch offentlich gottis schmach wirt der Endtchrist, hoff ich, nit vornehmen. Da habt yhr den bapst, wie yhr habt gewollet. Warumb das? Ey wo einn kirch wurd reformiert, [423] were das einreyssenn ferlich, das Rom must villeicht auch dran: daruber solt man ehe kein priester mit dem andern eynis bleyben lassen, und wie sie biszher gewonet, fursten unnd kunig uneinsz machenn, die welt mit Christen blut erfullenn, das yhe nit der Christen eynickeit dem heyligen Romischen stuel durch reformiern zuschaffen gebe.
Biszher haben wir vorstanden, wie sie mit den pfreunden handeln, die vorfallen und losz werden. Nu erfellet dem zartten geytz zu wenig losz, darumb hat er sein fursichtickeit ertzeygt auch in die lehen, die noch bessessen sein durch yhre furweszer, das die selben auch losz sein mussen, ob sie schon nit losz sein, und das mancherley weysze.
Zum ersten lauret er, wo fette prebendenn sein odder Bistumb, durch einen alten odder krancken odder auch mit einer ertichten untuchtickeit besessenn, dem selben gibt der heylige stuel einen Coadjutor, das ist ein mithelffer, on seinenn willen unnd danck zu gut dem Coadjutor, darumb das ehr des Bapsts gesind ist, odder gelt drumb gibt, odder sonst mit einem Romischenn frondienst vordienet hat. Da musz den abgehn frey erwelung des Capittels, odder recht des, der die pfrunden hat zuvorleyhen, und allis nur gen Rom.
Zum andern heysset ein wortlin ›Commenden‹, das ist, wen der Bapst einem Cardinal odder sonst seiner einen ein reich, fet Closter odder kirchen befilhet zubehalten, gleich als wen ich dir hundert gulden zubehalten thet. Disz heyst das Closter nit geben noch vorleyhen, auch nit vorstoren, nach gotis dienst abethun, sondern allein zubehalten thun, nit das ersz bewaren odder bawen sol, szondern die person ausztreyben, die gutter und zinsz einnehmen, unnd yrgent einen apostaten, vorlauffen munch hynein setzen, der funff odder sechs gulden des Jares nympt, und sitzt des tages in der kirchen, vorkaufft den pilgern zeychen und bildlin, das widder singen noch leszen daselb mehr geschicht. den, wo das hiesz Closter vorstoren unnd gottis dienst abthun, szo must man denn Bapst nennen ein vorstorer der Christenheit und abetheter gottis dienst, den er treybet es furwar mechtig: das were ein hartte sprach zu Rom, drumb musz man es nennen ein Commenden odder befehlung das Closter zubehalten. Diszer kloster kan der Bapst vier odder mehr in einem Jar zu Commenden machen, da eines mehr den sechs tausent guldenn hat einkummen. Also mehren sie zu Rom gottis dienst und erhalten die Closter, Das lernet sich in deutschen landen auch.
Zum drittenn sein etlich lehenn, die sie heyssenn incompatibilia, die noch ordnung geystlichs rechts nit mugen mit einander behalten werden, als do sein zwo pfarren, zwey bistumb, und der gleichen. Hie drehet sich der heylige [424] Romische stuel und geytz alszo ausz dem geistlichen recht, das er yhm gloszen machet, die heyssen ›unio‹ und ›incorporatio‹, das ist, das er viel incompatibilia in eynander leybet, das eins des andern glid sey, und also gleich als ein pfreund geacht werden, szo sein sie nymmer incompatibilia, und ist dem heyligenn geystlichen recht geholffen, das es nit mehr bindet, den alleinn bey denenn, die solch gloszen dem bapst unnd seinem Datario nit abekauffenn. Der art ist auch die unio, das ist voreynigung, das er solcher lehen viel zusammen koppelt als ein bund holtz, umb wilchs koppels willen sie all fur ein lehen gehalten werden. Alszo findt man wol einen Cortisanen zu Rom, der fur sich allein xxij pfarren, vij Prebsteyen unnd xliiij pfreunden dartzu hat, wilchs alles hilfft solch meysterlich glosz unnd helt, das nit widder recht sey. Was nw Cardinel unnd ander prelaten habenn, bedenck ein yglicher selbs. Szo sol man den Deutschen den beuttel reumen und den kutzel vortreyben.
Der gloszen eine ist auch ›Administratio‹, das ist, das einer neben seinem bistumb, Abtey odder dignitet habe unnd allis gut besitze, on das er denn namen nit habe, den allein administrator. Den es ist zu Rom gnug, das die wortlin sich wandeln, unnd nit die that, gleich als wen ich leret, die hurwirttyn solt burgemeysterin heyssen, unnd doch bleybenn szo frum als sie ist. [Rand: 2. Petr. 2, 3.] Solch Romisch regiment hat sanct Peter vorkundet, da er sagt ij. Pet. ij. ›Es werden falsche meystere kummen, die in geytzerey mit ertichten wortten ubir euch handelen werden, yhren gewinst zutreyben‹.
Es hat auch der liebe Romische geytz denn prauch erdacht, das man die pfreund und lehen vorkeufft und leyhet auff solchenn vorteil, das der vorkeuffer odder handthierer drauff behelt denn anfal unnd zuspruch, das, szo der besitzer stirbt, das lehen frey widder heym sterbe dem, der es vorhyn vorkaufft, vorlihen odder vorlassenn hat, damit sie ausz den pfreunden erb gutter gemacht haben, das niemant mehr dartzu kummen kan, den welchen der vorkauffer dasselb vorkauffen wil, odder sein recht daran bescheydet an seinem todt. Daneben seynd yhr viel, die ein lehen dem andern auffgeben nur mit dem titel, daran er kein heller empfehet. Es ist auch nw alt worden, das einer dem andern ein lebhenn auffgibt mit vorbehalt etlicher summen Jerlichs zynses, wilchs vortzeitten Simoney war, und der stucklin viel mehr, die nit zurtzelen [Rand: Matth. 27, 35.] sein, und gehn also viel schendlicher mit den pfreunden umb, denn die heyden unter dem Creutz mit Christus kleydern.
[425] Aber allis was biszher gesagt, ist fast alt und gewonlich wurden zu Rom. Noch einis hat der geitz erdacht, das ich hoff sol das letzt seinn, daran ehr erwurg. Der Bapst hat ein edlis fundlin, das heysset Pectoralis reservatio, das ist seines gemuts furbehalt, et proprius motus, unnd eygener mutwil der gewalt. Das gehet alszo zu: Wenn einer zu Rom ein lehenn erlanget, das yhm wirt signirt unnd redlicher weysze zugeschrieben, wie da der brauch ist, szo kumpt den einer, der gelt bringet odder sonst vordienet hat, da nit von zusagenn ist, und begert dasselbig lehen von dem bapst, Szo gibt er es yhm, und nympts dem andern. Spricht man den, er szey unrecht, szo musz der allirheyligiste vatter sich entschuldigen, das er nit szo offentlich mit gewalt widder recht handellen gestrafft werde, unnd spricht, Er hab in seinem hertzen unnd gemut dasselb lehen yhm selbs und seiner vollen gewalt furbehaltenn, szo er doch sein lebtag zuvor nie davon gedacht noch gehoret hat, und hat nu alszo ein gloszlin funden, das er in eygener person liegen, triegen, und yderman effen und narren mag, und das allis unvorschampt und offentlich, und wil den noch das heubt der Christennheit seinn, lessit sich mit offentlichen lugen den boszen geyst regieren.
Diszer mutwille unnd lugenhafftige furbehalt des Bapsts macht nu zu Rom ein solch weszen, das niemant davon reden kan. Da ist ein kauffen, zu vorkeuffen, wechszelin, tauschen, rauschen, liegen, triegen, rauben, stelenn, prachten, hurerey, buberey, auff allerley weysz gottis vorachtung, das nit muglich ist dem Endchrist, lesterlicher zuregieren. Es ist nichts mit Venedig, Antdorff, Alkayr gegen dieszem Jarmarckt und kauffs handel zu Rom, on das dort doch vornunfft und recht gehalten wirt, hie geht es wie der teuffel selbs wil. Und ausz dem meer fleussit nw in alle welt gleiche tugent: solten sich solch leut nit billich furchten fur der reformation und einem freyen Concilio, und ehe alle kunig und fursten in eynander hencken, das yhe nit durch yhr eynickeit ein Concilium werde? Wer mag leyden, das solch sein buberey an tag komme?
Zu letzt hat der Bapst zu dissen allen edlen hendeln ein eygen kauffhausz auffgericht, das ist des Datarii hausz zu Rom. Dahyn mussen alle die kummenn, die diesser weysz nach umb lehen und pfrund handeln, dem selben musz man solch gloszen unnd handthierung abkauffen, und macht erlangenn, solch heubtbuberey zutreyben. Es war vortzeytten noch gnedig zu Rom, da man das recht must kauffenn odder mit gelt nydder drucken. Aber itzt ist sie szo kostlich worden, das sie niemant lessit buberey treybenn, es musz mit[426] summen vor erkaufft werden. Ist das nit ein hurhausz ubir alle hurhewszer, die yemant erdencken mocht, szo weysz ich nit, was hurhewszer heyssen.
Hastu nu gelt in dissem hausz, szo kanstu zu allenn den gesagten stucken kummen, und nit allein zu den selben, szondern allerley wucher wirt hie umb gelt redlich, als gestolen, geraubt gut gerechtfertiget. Hie werden die gelubt auffgehebet, hie denn munchen freyheit geben ausz den orden zugehenn, hie ist feylle der ehelich stand den geystlichen, hie mugenn hurn kinder ehlich werden, alle unehre und schand hie zu wirden kommen, aller boszer tadel und mal hie zuritter geschlagen unnd edel wirt. Hie musz sich der ehelich stand leydenn, der in vorpotten grad odder sonst ein mangel hat. O wilch ein schetzerey unnd schinderey regirt da, das ein scheyn hat, das alle geystlich gesetz allein darumb gesetzt sein, das nur viel geltstrick wurdenn, darausz man sich musz loszen, wer ein Christen sein sal! Ja hie wirt der teuffel ein heylig und ein got datzu: was hymel und erden nit vormag, das vormag disz hausz. Es heyssen Compositiones, freylich compositiones, ja confusiones. O wie ein schlechter schatz ist der zol am Reyn gegen dieszem heyligen hausze!
Niemant sol achten, das ich zuvil sage. Es ist allis offentlich, das sie selb zu Rom mussen bekennen, es sey greulicher und mehr, den yemant sagen kunde. Ich hab noch nit, wil auch noch nit ruren die rechte helgrundsuppen von den personlichen lastern. Ich rede nur von gemeynen, leufftigen sachen, und kan sie dennoch mit wortten nit erlangen. Es solten bischoff, priesterschafft und zuvor die Doctores der Universiteten, die darumb besoldet sein, yhrer pflicht nach hiewidder eintrechtlich geschrieben und geschrien haben. Ja wend das blat umb, szo findistu es.
Es ist noch das Valete dahyndenn, das musz ich auch geben. Da nu der unauszmeszliche geytz noch nit gnug het an allen diszen schetzenn, da billich sich drey mechtige kunige liessen an benugen, hebt er nw an solche seine hendeln zuvorsetzenn unnd vorkauffenn dem Focker zu Augspurg, das nu bistumb und lehen zuvorleyhen, tauschen, kauffen und die lieben handthierung geystlicher gutter treyben eben auff den rechten ort ist kummen, und nu ausz geystlichen unnd weltlichen gutter eine handthierung worden. Nu mocht ich gerne ein szo [427] hoch vornunfft horen, die erdenckenn mocht, was nw hynfurt kunde geschehn durch denn Romischenn geytz, das nit geschehen sey, es were dan, das der Focker seine beyde unnd nw eynigen handel auch yemant vorsetzt oder vorkaufft. Ich meyn, es sey ansz ende kummen.
Dan was sie mit ablas, bullen, beichtbrieffen, butterbrieffen und ander Confessionalibus haben in allen landen gestolen, noch stelen unnd erschinden, acht ich als flickwerck, unnd gleich als wen man mit einem teuffel in die helle wurff, Nit das sie wenig tragen, den sich wol davon erhalten kund ein mechtiger kunig, sondern das er gegen die obgesagten schetzflusse kein gleychenn hat. Ich schweyg auch noch zur zeit, wo solchs ablas gelt hyn kummen ist: ein ander mal wil ich darnach fragen, den Campoflore und Bel videre und etlich mehr ortte wissen wol etwas drumb.
Die weil den solchs teuffelisch regiment nit allein ein offentlich rauberey, triegerey und tyranney der hellischen pfortten ist, szondern auch die Christenheit on leyp und seel vorterbet, sein wir hie schuldig allen vleisz furtzuwenden, solch jamer und zurstorung der Christenheit zuweren. Wollen wir widder die Turcken streytten, szo lasset uns hie anheben, da sie am allerergistenn sein: hencken wir mit rechte die diebe unnd kopffen die reuber, warumb solten wir frey lassen den Romischen geytz, der der grossist dieb und reuber ist, der auff erden kummen ist odder kummen mag, und das allis in Christus und sanct Peters heyligem namen? wer kansz doch zuletzt leyden odder schweygen? Es ist yhe gestolen und geraubt fast allis was ehr hat: das ist yhe nit anders, wilchs ausz allen historienn beweret wirt. Es hat yhe der Bapst solch grosz gutter nit kaufft, das er von seinen officiis mag auff heben bey zehen hundert tausent Ducaten, on die obgenanten schetzgruben und sein land. Szo hats yhm Christus und sanct Peter auch nit auffgeerbet, szo hats yhm auch niemant geben noch gelihenn, szo ists auch nit ersessenn noch erjeret. Sag du mir, wo her mag ersz haben? darausz merck, was sie suchen und meynen, wen sie legaten erausz sendenn, gelt zusamlen widder den Turcken.
Wie wol nu ich zugering byn, stuck furtzulegenn, zu solches grewlichs weszens besserung dienlich, wil ich doch das narn spiel hynausz singen unnd sagen, szovil mein vorstand vormag, was wol geschehen mocht und solt von weltlicher gewalt odder gemeinen Concilio.
Zum ersten, das ein yglich Furst, Adel, Stat, in yhren unterthanen frisch an vorpiet, die Annaten genn Rom zugeben, und sie gar abethue: dan [428] der bapst hat den pact brochen unnd ein reuberey gemacht ausz den Annaten, zu schaden und schanden gemeyn deutscher Nation, gibt sie seinen freunden, vorkeufft sie fur grosz gelt, und stifft officia drauff, drumb hat er das recht datzu vorloren unnd straff vordienet. Szo ist die weltlich gewalt schuldig, [Rand: Röm. 13, 4.] zuschutzen die unschuldigen und weren das unrecht, wie sanct Paulus Ro. xiij. [Rand: 1. Petr. 2, 14] leret, und sanct Peter i. Pet. ij. ja auch das geystlich recht xvi. q. vij. de filiis. Da her es kummen ist, das man sagt zum Bapst und den seinen ›Tu ora, Du solt betten‹, zum keyszer und den seinen ›Tu Protege, Du solt schutzen‹, zu dem gemeynen man ›Tu labora, Du solt erbeytten‹. Nit also, das nit ein yglicher betten, schutzen, erbeytten solt, den es ist allis gepet, geschutzt, geerbeyttet, wer in seynem werck sich ubet, szondern das einem yglichen sein werck zugeeygent werde.
Zum andern, die weil der Bapst, mit seinen Romischen prackticken commenden, adjutoryen, reservation, gratiis expectativis, Bapsts Monat, incorporation, union, pension, palliis, Cancelley regelen und der gleychen buberey, all deutsche stifft on gewalt und recht zu sich reysset, und die selben zu Rom frembden, die nichts in deutschen landen dafur thun, gibt unnd vorkeufft, damit er die ordinarien beraupt yhres rechten, macht ausz den bischoffen nur Cifferen und olgotzen, und alszo widder sein eygen geystlich recht, natur und vornunfft handelt, das zu letzt dahyn kummenn, das die pfreund unnd lehen nur groben, ungelereten Eseln und buben zu Rom durch lautter geytz vorkaufft werden, frum geleret leut yhrer vordienst und kunst nichts geniessenn, dadurch das arm volck deutscher Nation gutter, gelereter prelaten musz mangeln und vorterben, szo sol hie der Christlich adel sich gegen yhm setzen als widder einen gemeynen feynd und zustorer der Christenheit umb der armen seelen heyl willen, die durch solch tyranney vorterben mussen, setzen, gepieten und vorordenen, das hynfurt kein lehen mehr gen Rom getzogen, keinsz mehr drynnen erlangt werde auff keinerley weysze, szondern widder von der tyrannischen gewalt erausz ruckt, heraussen behalten, und den Ordinarien yhr recht und ampt widderstatten, solch lehen zuvorordenen, auffs best sie mugen, in deutscher Nation. Und wo ein Curtisan erausz keme, das dem selben ein[429] ernst befel geschehe, abtzustehen, odder in den Reyn unnd das nehste wasser zuspringen, und den Romischen ban mit siegel und brieffen zum kalten bade furen, szo wurdenn sie zu Rom mercken, das die Deutschen nit alletzeit tol und vol sein, sondern auch ein mal Christen worden weren, als die den spot und schmah des heyligen namens Christi, unter wilchem solch buberey und seel vorterben geschicht, nit mehr zuleyden gedencken, got und gotis ehre mehr achten, den der menschen gewalt.
Zum dritten, das ein keyszerlich gesetz auszgahe, keinen Bischoff mantel, auch keine bestetigung yrgent einer digniteten, furt an ausz Rom zuholen, szondern das man die ordnung des allerheyligisten und berumptisten Concilii Niceni widder auffricht, darynnen gesetzt ist, das ein Bischoff sol bestetiget werden von den andern zween nehsten odder vonn dem Ertzbischoff. wen der Bapst solch und aller Concilia statut wil zureyssen, was ists nutz, das man Concilia habe? odder wer hat yhm die gewalt geben, Concilia so zuvorachten und zureyssen? Szo mehr thun wir abe alle Bischoff, Ertzbischoff, Primaten, machen eytel pfarrer drausz, das der Bapst allein sey ubir sie, wie er doch itzt ist, und den bischoffen, ertzbischoffen, primaten kein ordenliche gewalt noch ampt lessit, allis zu sich reyssit, und yhn nur den namen und ledigen titel bleyben lessit, szo weit auch, das durch sein exemption auch die kloster Abbt und prelaten der ordenlichen gewalt der Bischoff entzogen, und damit kein ordnung in der christenheit bleybt, darausz dan folgen musz, wie erfolget ist, nachlasz der straff und freyheit, ubel zuthun in aller welt, das ich furwar besorg, man mug den bapst nennen hominem peccati. Wem kan man schult [Rand: 2. Thess. 2, 3.] geben, das kein zucht, kein straff, kein regiment, kein ordnung in der Christenheit ist, den dem Bapst, der durch solch sein eygen vormessene gewalt allenn prelatenn die handt zuschleust, die ruttenn nympt, und allen unterthanen die handt auff thut, und freyheit gibt odder vorkeufft?
Doch das ehr nit klag, er werde seiner ubirkeit beraubt, solt vorordnet werden, das wo die primaten odder Ertzbischoff nit muchten ein sach auszrichten, odder unter yhnen sich ein hadder erhub, das als dan die selb dem Bapst wurd furtragenn, unnd nit ein ygliche kleyne sach, wie vortzeytten geschach und das hochberumpt Concily Nicenum gesetzt hat, was aber on denn Bapst kan auszgericht werden, das seine heilickeit nit mit solchen geringen sachenn beschweerd werde, szondern yhres gepets und studirn, und sorgen fur die gantz Christenheit, wie er sich rumet, wartten muge, wie die Aposteln theten Act. vi. unnd sagten: Es ist nit recht, das wir das wort gottis lassen [Rand: Apgsch. 6, 2.4.] und dem tisch dienen, wir wollen an dem predigen unnd gepet hangen, unnd ubir das werck andere vorordnenn. Aber nw ist Rom nit anders, den des [430] Evangelii und gepets vorachtung, unnd tiesch dienst, das ist zeytlich guts, unnd reymet sich der Apostel und Bapst regiment zusammen, wie Christus und Lucifer, hymel unnd helle, nacht unnd tag, und heyst doch Christi vicarius und der Aposteln nachfolger.
Zum vierdenn, das vorordnet werd, das keinn weltlich sach gen Rom tzogen werd, sondern die selben alle der weltlichen gewalt lassenn, wie sie selbs setzen in yhren geystlichen rechten, und doch nit halten. Denn des Bapst ampt sol sein, das er der allergelertist in der schrifft unnd warhafftig, nit mit namen, der allerheyligist regiere die sachen, die den glauben und heyliges leben der Christen betreffen, die Primaten und Ertzbischoff datzu halten, und [Rand: 1. Cor. 6, 7.] mit yhn drynnen handeln und sorg tragen, wie sanct Paul i. Corint. vi. leret, und hertiglich strafft, das sie mit weltlichen sachen umbgiengen. Dan es bringt untreglichen schaden allen landen, das zu Rom solch sachen werden gehandelt, da grosze kost auff gaht, datzu die selben richter nit wissen die sytten, recht und gewonheit der lande, das mehr mal die sachen zwingen und zihen noch yhren rechten und opinionen, damit den parteyen musz unrecht geschehen.
Dabey must man auch vorpieten in allen stifftenn die grewlich schinderey der Officiel, das sie nit mehr, dan des glaubens sach und gutter sitten sich annemen, was gelt, gut und leyp odder ehre antrifft, den weltlichen richtern lassen. Darumb sol die weltliche gewalt des bannen und treyben nit gestatten, wo es nit glawben odder guttis lebenn antrifft. Geystlich gewalt sol [431] geystlich gut regieren, wie das die vornunfft leret, geystlich gut aber ist nit gelt noch leyplich ding, szondern glaub und gutte werck.
Doch mocht man gonnen, das sach, die do lehen oder pfreund betreffen, fur bischoffen, ertzbischoffen, Primaten gehandelt wurden. Drumb wo es sein mocht, zuscheyden die hedder und krieg, das der Primat in Germanien ein gemeyn Consistorium hielte mit auditoribus, Cantzelern, der, wie zu Rom, signaturas gratiae unnd iustitiae regiret, zu wilchem durch Appellation die sachen in deutschen landen wurden ordenlich bracht und trieben. wilch man nit, wie zu Rom, mit zufelligen geschencken unnd gaben besolten must, dadurch sie gewonten recht unnd unrecht vorkeuffenn, wie sie itzt zu Rom mussen thun, darumb das yhn der Bapst kein solt gibt, lessit sie sich mit geschencken selbs mesten, den es ligt yhe zu Rom niemandt etwas dran, was recht odder unrecht, sondern was gelt odder nit gelt ist, sondern mocht das thun von denn Annaten, odder sonst ein weg erdencken, wie dan wol mugen die hochvorstendiger unnd in den sachen basz erfaren, den ich bin. Ich wil nur angeregt und ursach zugedencken geben haben denen, die do mugen und geneygt sein, deutscher Nation zuhelffen, widderumb Christen und frey werden noch dem elenden, heydnischen und unchristlichem regiment des Bapsts.
Zum funfften, das keine reservation mehr gelte, und kein lehen mehr behafftet werde zu Rom, es sterbe der besitzer, es sey hadder drob, odder sey eynsz Cardinals oder Bapsts gesind, und das man strenglich vorpiete und were, das kein Curtisan auff yrgent ein lehen hadder anfahe, die frummen priester zu Citirn, tribulyrn und auffs contentirn treyben, und wo dar umb ausz Rom ein ban oder geistlicher zwanck keme, das man den vorachte, als wenn ein dieb yemandt in ban thet, drumb das man yhn nit wolt stelen lassen: ja man solt sie hart straffen, das sie des bans und gotlichs namens szo lesterlich miszprauchen, yhre reuberey zustercken, und mit falschem ertichten drewen unsz treyben wollen dahyn, das wir solch lesterung gotlichs namen und miszprauch Christlicher gewalt follen leyden und loben, und yhrer schalckheit fur got teilhafftig werden, so wir yhr zuweren fur got schuldig sein, wie sanct Paul Ro. i. die selben strafft, sie sein des tods wirdig, das sie nit allein [Rand: Röm. 1, 32.] solchs thun, szondern auch das sie vorwilligen und gestatten solchs zuthun. Zuvor aber die lugenhafftige Reservatio pectoralis ist unleydlich, da durch die Christenheit szo lesterlich unnd offentlich wirt zur schmach und spot gesetzt, das yhr ubirster mit offentlichen lugen handelt, und umb das vorflucht gut yderman unvorschampt betreugt und narret.
Zum sechsten, das auch abthan werden die casus reservati, die behalten fell, damit nit allein viel gelt von denn leutten geschunden wirt, szondern [432] viel armer gewissen von den wuttrichten tyrannen vorstrickt und vorwirret, zu untreglichem schaden yhres glaubens zu got, szonderlich die lecherlichen kindischenn fel, die sie auff blaszenn mit der bulla Cenae domini, die nit wirdig seinn, das mann es teglich sund nennenn solt, schweyg dan szo grosse fel, die der Bapst mit keynem ablas nachlessit, als do seinn, szo yemand vorhyndert ein pilgeryn gen Rom oder brecht den Turcken weere odder felscht des Bapsts brieffe. Sie narrenn uns mit szo groben, tollen, unbehenden stucken. Zodoma und Gomorra unnd alle sund, die widder gottis gebot geschehen und geschehen mugen, sein nit casus reservati, aber was got nie gepotten hat und sie selb erdacht haben, das mussen casus reservati sein, nur das man niemant hyndere gelt gen Rom zubringen, das sie fur dem Turcken sicher in wollust leben, und mit yhren loszen, unnutzen bullen und brieffe die welt in yhrer tyranney behalten.
Solt nu billich ein solch wissen bey allen priestern odder ein offentlich ordenunge sein, das kein heymliche, unvorklagte sund ein furbehalter fal ist, und ein yglicher priester gewalt hat, allerley sund zuempienden, wie sie ymer genennet werden, wo sie heymlich sein, auch wider Abt, Bischoff noch Bapst gewalt hat, der eine yhm furtzubehalten. und wo sie das theten, szo helt und gilt es nichts, weren auch drumb zustraffen, als die on befelh in gottis gericht fallen, unnd on ursach die armen, unvorstendigen gewissen vorstricken unnd beschweren. Wo es aber offentlich grosse sund sein, beszonder widder gottis gebot, da hats wol ein grund, casus reservatos zuhabenn, doch auch nit zuviel, auch nit ausz eygener gewalt on ursach, Dan Christus hat nit tyrannen, sondern [Rand: 1. Petr. 5, 3.] hyrten in seine kirche gesetzt, wie sanct Petrus sagt i. Pet. ult.
Zum siebenden, das der Romische stuel die officia abthue, das gewurm und schwurm zu Rom wenigere, auff das des Bapsts gesind muge von des bapst eygen gut erneret werden, und lasz seinen hoff nit aller kunigen hoff mit prangen und kosten ubirtreten, angesehen, das solch weszen nit allein nie gedienet hat zur sachen des Christlichen glaubens, szondern sie auch dadurch vorhyndert am studirn und gepet, das sie selbs fast nichts mehr wissen vom glauben zusagen, wilchs sie gar groblich beweysset haben in dissem letzten Romischenn Concilio, darinnen unter vielen kindischenn, leychtfertigen artickel auch das gesetzt haben, das des menschen seel sey unsterblich, unnd ein priester [433] yhe ein mal ym Monat sein gepet zusprechen schuldig ist, wil er sein lehen nit vorlierenn. Was solten die leut ubir der Christenheit und glaubens sachen richten, die, vor grossem geytz, gut und weltlicher pracht erstockt und vorblend, nw allererst setzen, die seel sey unsterblich, wilch nit ein geringe schmach ist aller Christenheit, so schimpflich zu Rom mit dem glauben umbgahn. Hetten sie nu weniger gut und prangen, so mochten sie pasz studieren und beetten, das sie wirdig und tuchtig wurdenn, des glauben sachen zuhandeln, wie sie vortzeytten waren, da sie Bischoffe unnd nit kunige aller kunige zusein sich vormassen.
Zum achten, das die schweren, grewlichen eyde auffgehaben wurden, szo die Bischoff dem Bapst zu thun gezwungen, on allis recht, damit sie gleich wie die knecht gefangen werden, wie das untuchtige, ungelarte capittel ›Significasti‹ von eygener gewalt und grosz unvorstand setzit. Ists nit gnug, das sie unns gut, leyp unnd seel beschweren mit vielen yhren tollen gesetzen, dadurch den glauben geschwecht, die Christenheit vorterbet, sie nemen den auch gefangenn die person, yhre ampt unnd werck, dartzu auch die Investitur, die vortzeitten der deutschen keyszer geweszen, und in Franckreich und etlichen kunigreich noch der kunige sein? Dar uber sie mit den keysern grosz krieg und hadder gehabt szo lang, bisz das sie sie mit frecher gewalt genummen und behalten haben biszher, gerad als musten die Deutschen fur allen Christen auff erden des Bapsts unnd Romischen stules gockel narn sein, thun unnd leyden, was sonst niemant leyden noch thun wil. Dieweil den disz stuck eytel gewalt und reuberey ist zu hyndernisse bischofflicher ordenlicher gewalt unnd zuschaden der armen seelen, ist der keyszer mit seinem adel schuldig, solch tyranney zuweeren und straffen.
Zum newnden, das der Bapst ubir den Keyszer kein gewalt habe, on das er yhn auff dem altar salbe unnd krone, wie ein Bischoff einen Kunig kronet, und yhe nit der teuffelischen hoffart hynfurt zugelassen werde, das der keyszer des bapsts fuesse kusz, odder zu seinen fussen sitze, odder, wie man sagt, yhm denn stegreyff halte und den zaum seines maulpferds, wen ehr auffsitzt, zureytten, noch viel weniger dem Bapst hulde und trewe untertenickeit schwere, wie die bepste unvorschampt furnehmen zufoddern, als hetten sie recht dartzu. Es ist das capitel ›Solite‹, darynnen bepstlich gewalt ubir keyszerlich gewalt erhebt wirt, nit einis hellers wert, und alle die sich drauff grunden odder dafur furchten, die weyl es nit anders thut, den die heyligen gottis wort [434] zwingt und dringt von yhrem rechten vorstand auff yhr eygene trewm, wie ich das antzeigt hab ym latein.
Solch ubirschwencklichs, ubirhochmutigs, ubirfrevelichs furnehmen des Bapsts hat der teuffel erdacht, darunder mit der zeyt den Endchrist eintzufuren, und den Bapst ubir got zurheben, wie dan schon viel thun und than haben. Es gepurt nit dem Bapst, sich zurheben ubir weltliche gewalt, den allein in geistlichen ampten, als do sein predigen unnd absolvieren: in andern stucken [Rand: Röm. 13, 1. / 1. Petr. 2, 13 f.] sol er drunder sein, wie Paulus Roma. xiij. und i. Petrus ij. leren, als ich droben gesagt habe. Er ist nit ein stathalter Christi ym hymel, szondern allein Christi auff erden wandellend, dan Christus ym hymel, in der regierenden form, darff keynis stathalters, szondern sitzt, sihet, thut, weysz unnd vormag alle ding. Aber ehr darff seyn in der dienendenn form, als er auff erden gieng, mit erbeyttenn, predigen, leyden und sterben: szo keren sie es umb, nehmen Christo die hymelisch regierende form unnd geben sie dem Bapst, lassen die dienende form gantz untergehen. Er solt schier der widderchrist sein, den die schrifft heyssit Antichrist, geht doch alle sein weszen, werck unnd furnehmen widder Christum, nur Christus weszen unnd werck zuvortilgen und vorstoren.
Es ist auch lecherlich und kindisch, das der Bapst ausz solchem vorblendten, vorkereten grund sich rumet in seinem Decretal ›Pastoralis‹, er sey des keyszertumbs ein ordenlicher erbe, so es ledig stunde. Wer hat es yhm [Rand: Luc. 22, 25 f.] geben? hats Christus than, da er sagt ›die furstenn der heydenn sein hern, yhr aber solt nit szo sein‹? Hats yhm sanct Peter auffgeerbet? Mich vordreusset, das wir solch unvorschampt, grobe, tolle lugen mussen ym geystlichen recht leszen und leren, datzu fur Christlich lere haltenn, szo es doch teuffelisch lugen sein. Wilcher art auch ist die ungehorete lugen De donatione Constantini. Es musz ein besundere plage von got gewesen sein, das szoviel vorstendige leut sich haben lassen bereden, solch lugen aufftzunehmen, so sie doch szo gar grob und unbehend sein, das mich dunckt, es solt ein trunckenn bawr behender und geschickter liegen kunden. Wie solt bestan bey einem keyszerthum zuregieren, predigen, beten, studiern unnd der armen warttenn, wilch ampt auffs aller eygentlichst dem Bapst zustehen, unnd von Christo mit szo [Rand: Matth. 10, 10.] grossem ernst auffgelegt, das ehr auch vorpot, sie solten nit rock, nit gelt mit sich tragen? Seintemal der kaumend solcher ampt wartten kan, der eyn eynigs hausz regieren musz, unnd der bapst wil keyszertumb regieren, dartzu bapst bleyben. Es haben die buben erdacht, die unter des Bapsts namenn gerne [435] hern weren ubir die welt, und das vorstoret Romisch reich durch den Bapst unnd namen Christi widder auffrichten, wie es vor geweszen ist.
Zum zehendenn, das sich der Bapst enthalt, die handt ausz der suppen zihe, sich keynis titels unterwinde des kunigreichs zu Neapel unnd Sicilien. Er hat eben szo viel recht drann als ich, wil dennocht Lehenherr drober sein. Es ist ein raub und gewalt, wie fast alle ander seine gutter sein, drumb solt yhm der keyszer solchs lehens nit gestatten, und wo es geschehn were, nit mehr vorwilligen, szondern yhm die Biblien und betbuch dafur antzeygenn, das ehr weltlich hern lasse land und leut regieren, sonderlich die yhm niemant geben hat, und er predige und bette.
Solch meynung solt auch gehalten werden uber Bononien, Imola, Vincentz, Raven, und allis was der Bapst in der Anconitaner Marck, Romandiol und mehr lender welschis lands mit gewalt eingenommen, unnd mit unrecht besitzt, datzu widder alle gebot Christi und sanct Pauels sich dreyn menget. den alszo sagt sanct Paul ›Niemant wickelt sich in die weltlichen geschefft, der [Rand: 2. Tim. 2, 4.] gotlicher ritterschafft wartten sol‹. Nu sol der Bapst das heubt und der erste sein in disser ritterschafft, und menget sich mehr in weltlich geschefft, den kein keyszer noch kunige, yhe szo must man yhm erausz helffen, und seiner ritterschafft warten lassen. Christus auch, des stathalter ehr sich rumet, wolt noch nie mit weltlichem regiment zuschaffen haben, szo gar, das er zu einem, der ein urteil von yhm ubir seinen bruder begeret, sprach ›wer hat mich dir zu [Rand: Luc. 12, 14.] einem richter gemacht?‹ Aber der bapst feret einhin unberuffen, unterwindet sich aller dinge, wie ein got, bisz das er selb nit mehr weysz, was Christus sey, des stathalter er sich auffwirfft.
Zum eylfften, das das fuszkussen des Bapsts auch nit mehr geschehe. Es ist ein unchristlich, ja Endchristlich exempel, das ein armer, sundiger mensch yhm lessit seine fusz kussen von dem, der hundertmal besser ist den er: geschicht es der gewalt zueren, warumb thut es der Bapst auch nit den andern der heylichen zueren? Halt sie gegen ander, Christum und den Bapst: Christus [Rand: Joh. 13, 1 ff.] wusch seinen jungern die fusz und trocknet sie, und die jungern wuschen sie yhm noch nie. Der Bapst als hoher den Christus keret das umb, unnd lesset es ein grosz gnade seinn, yhm seine fusse zukussenn, der doch das billich, szo es yemand von yhm begeret, mit allem vormugen weeren solt, wie sanct Paul und Barnabas, die sich nit wolten lassen ehren als got von den zu Lystris, [436] [Rand: Apgsch: 14, 14 f.]sondern sprochen ›wir sein gleich menschen als yhr‹. Aber unszer schmeychler habens szo hoch bracht, und uns einen abtgot gemacht, das niemant sich szo furcht fur got, niemant yhn mit solchem geperdenn ehret, als den Bapst. Das kunnen sie wol leyden, aber gar nicht, szo des Bapsts prachten ein harbreit wurd abbrochen. wen sie nu Christen weeren und gottis ehre lieber hetten den yhr eygenn, wurd der Bapst nhmmer frolich werden, wo er gwar wurd, das gottis ehre vorachtet und seine eygene erhabenn were, wurd auch niemant lassen yhn ehren, bisz her vormerckt, das gotis ehre widder erhaben und grosser den sein ehre were.
Der selben grosz ergerlichen hoffart ist auch das ein heszlich stuck, das der Bapst yhm nit lessit benugenn, das er reytten odder farenn muge, szondern, ob er wol starck und gesund ist, sich von menschen als ein abtgot mit unerhorter pracht tragen lessit. Lieber wie reymet sich doch solch Lucifersche hoffart mit Christo, der zufussen gangen ist, und alle seine Aposteln? Wo ist ein weltlicher kunig geweszen, der szo weltlich und prechtig yhe gefaren hat, als der feret, der ein heubt sein wil aller der, die weltlich pracht vorschmahen und fliehen sollen, das ist, der Christen? Nit, das uns das fast sol bewegen an yhm selbs, szondern das wir billich gottis zorn furchten sollen, szo wir solcher hoffart schmeychlen und unsern vordriesz nit mercken lassen. Es ist gnug, das der bapst alszo tobet und narret. Es ist aber zuviel, szo wir das billichen und vorgunnen.
Dan wilch Christen hertz mag odder sol das mit lust sehen, das der Bapst, wen er sich wil lassen communiciern, stille sitzt als ein gnad Jungher, und lessit yhm das sacrament von einem knienden gebeugten Cardinal mit einem gulden rohr reychen gerad als were das heylig sacrament nit wirdig, das ein bapst, ein armer, stinckender sunder, auffstund, seinem Got ein ehr thet, szo doch alle andere Christenn, die viel heyliger seinn den der allerheyligiste vatter der bapst, mit aller ehrbietung dasselb empfahenn? was were es wunder, das uns got allesampt plagt, das wir solche unehre gottis leydenn und loben in unsern prelaten, und solcher seiner vordampten hoffart uns teylhafftig machen durch unszer schweygen odder schmeychlen?
Alszo geht es auch, wen er das sacrament in der procession umbtregt, yhn musz man tragen, aber das sacrament stet fur yhm wie ein kandel weynsz auff dem tisch: kurtzlich, Christus gilt nichts zu Rom, der bapst gilts allessampt, und wollen uns dennoch dringen unnd bedrewenn, wir sollen solch Endchristliche taddel billichen, preyssen und ehren, widder got und alle Christliche lere. Helff nu got einem freyen Concilio, das es den Bapst lere, wie er auch ein mensch sey, unnd nit mehr dan got, wie er sich unterstehet zu sein.
[437] Zum zwelfften, das man die walfarten gen Rom abethet, odder niemant von eygener furwitz odder andacht wallen liesse, er wurd dan zuvor von seinem pfarrer, stad odder ubirhern erkant gnugsam und redlich ursach haben. Das sag ich nit darumb, das walfarten bosze seyn, szondern das sie zu disser zeit ubel geratten, dan sie zu Rom kein gut exempel, szondern eytel ergernisz sehen, unnd wie sie selb ein sprichwort gemacht haben ›Yhe nehr Rom, yhe erger Christen‹, bringen sie mit sich vorachtung gottis und gottis geboten. Man sagt: wer das erste mal gen Rom gaht, der sucht einen schalck, zum andern mal fynd er yhn, zum dritten bringt er yhn mit erausz. Aber sie sein nw szo geschickt wordenn, das sie die drey reysz auff ein mal auszrichten, unnd haben furwar uns solch stucklin ausz Rom bracht, es were besser, Rom nie gesehen noch erkandt.
Und ob schon diesse sach nit were, szo ist doch noch da ein furtrefflicher, nemlich die, das die einfeltigen menschen dadurch vorfuret werden in einem falschen wahn und unvorstand gotlicher gebot. Dan sie meynen, das solch wallenn sey ein kostlich gut werck, das doch nit war ist. Es ist ein gering gut werck, zu mehr mallen ein bosz, vorfurisch werck, den got hat es nit gepotten. Er hat aber gepotten, das ein man seynis weybes und kinder wartte, und was dem ehlichen standt zugepurt, dabey seinem nehsten dienen unnd helffenn. Nu geschicht es, das einer gen Rom wallet, vortzeret funfftzig, hundert, mehr odder weniger, guldenn, das yhm niemant befolhen hat, unnd lessit sein weyb unnd kind odder yhe seinen nehsten daheymen nodt leyden, und meynet doch der toricht mensch, er wol solche ungehorsam und vorachtung gotlicher gebot mit seinem eygenwilligen wallen schmucken, szo es doch ein lautter furwitz odder teuffels vorfurung ist. Da haben nu zugeholffen die Bepste mit yhren falschen, ertichten, nerrischen gulden jaren, damit das volck erregt, von gotis gebotten gerissen und zu yhren eygen vorfurischenn furnehmen getzogen, und eben dasselb angericht, das sie solten vorpotten haben. Aber es hat gelt tragen und falschen gewalt gesterckt, drumb hats must fortgahen, es sey widder got odder der seelen heyl.
Solch falsch, vorfurischen glauben der einfeltigen Christen ausztzurotten, und widderumb einen rechtenn vorstand gutter werck aufftzurichtenn, solten alle wallefart nydergelegt werden, den es ist kein guttis nit drynnenn, kein gepot, kein gehorsam, szondern untzehlich ursach der sunden unnd gottis gebot zuvorachtung. Daher kummen szo viel betler, die durch solch wallen untzehlich buberey treyben, die betteln on not leren und gewonenn.
Da kumpt her frey leben unnd mehr jamer, die ich itzt nit zelenn wil. Wer nu wolt wallen odder wallen geloben, solt vorhyn seinem Pfarrer odder [438] ubirhern die ursach antzeygen. Fund sichs, das ersz thet umb guttis werckis willenn, das das selb gelubt unnd werck durch den pfarrer odder ubirhern nur frisch mit fussen tretten wurd als ein teuffelisch gespenst, und yhm antzeygt, das gelt unnd die erbeyt, szo tzur walffart gehoret, an gottis gebot unnd tausentmal besser werck antzulegenn, das ist an die seinen odder seine nehste armenn. Wo ersz aber ausz furwitz thet, land unnd stedt zubesehenn, mag man yhm seynen willen lassenn. Hat ersz aber in der kranckheit gelobet, das man die selben gelubd vorpiette, vorspreche unnd die gottis gebot dagegen empor hebe, das er hynfurt yhm benugenn lasse an dem gelubd in der tauffe geschehen, gottis gebot zu halten. Doch mag man yhm auff das mal, sein gewissen zustillenn, sein nerrisch gelubd lassen auszrichtenn. Niemandt wil die richtige gemeyne strasz gotlicher gebot wandeln, yderman macht yhm selb new weg und gelubd, als het er gottis gebot alle volnpracht.
Darnach kummen wir auff den grossenn hauffen, die das viel geloben und das wenig halten. Zurnet nit, liebenn hern, ich meyn es warlich gut, es ist die bittere unnd sussze warheit, unnd ist, das man yhe nit mehr bettel Closter bawenn lasse, hilff got, er ist schon viel zuviel. Ja wolt got, sie werenn alle abe, odder yhe auff zween odder drey ordenn hauffet! Es hat nichts guts thann, es thut auch nymmer mehr gut, yrrhe lauffenn auff dem landt. Drumb ist meinn Radt, Man schlag zehen, odder wieviel yhr not ist, auff einen hauffen, und mach eynis drausz, das, gnugsam vorsorgt, nit betteln durffe. O es ist hie viel mehr antzusehen, was gemeynem hauffenn zur selickeit not ist, den was sanct Franciscus, Dominicus, Augustinus odder yhe ein mensch gesetzt hat, besondern weyl es nit geratten ist yhrer meynung nach. Und das man sie uberhebe predigens unnd beychtens, Es were dan das sie von Bischoffen, pfarrenn, gemeyne odder ubirkeit datzu beruffenn unnd begeret wurden. Ist doch ausz solchem predigen und beychten nit mehr dan eytel hasz und neydt zwischen pfaffen und munchen, grosz ergernisz und hyndernisz des gemeynen volcks erwachszen, damit es wirdig wurden, und wol vordienet aufftzuhoren, die weyl sein mag wol geratten werden. Es hat nit ein ungleich ansehen, das der heylige Romische stuel solch her nit umb sonst gemehret hat, auff das nit die priesterschafft und bistum, seiner tyranney unleydig, einmal yhm zustarck wurden, und ein reformation anfiengen, die nit treglich seiner heylickeit were.
Dabey solten auch auffgehaben werdenn szo mancherley secten und unterscheyd eynerley ordens, wilche zuweylenn umb gar geringe ursach sich erhaben,[439] unnd noch viel geringer sich erhalten, mit unsaglichem hasz und neyd gegenander streyttend, szo doch nichts beste weniger der Christliche glaub, der on alle solch unterscheyd wol bestat, auff beyder seytten untergaht, unnd ein gut Christlich leben nur nach den euszerlichen gesetzen, wercken und weyszen geschetzt und gesucht wirt, davon nit mehr dan gleysznerey und seelen vorterben folgen und erfunden werden, wie das fur augen yderman sicht.
Es must auch dem Bapst vorpotten werden, mehr solcher orden aufftzusetzen odder bestetigen, ja befolen werden, etlich abetzuthun und in wenigere zal zuzwingen, seintemal der glaub Christi, wilcher allein das heubtgut ist und on eynigerley orden bestet, nit wenig fahre leydet, das die menschen durch szoviel und mancherley werck und weyszen leichtlich vorfuret werden, mehr auff solch werck und weysze zuleben, den auff den glauben zuachten, und wo nit weysze prelaten in klostern sein, die do mehr den glaubenn, den des ordens gesetz predigen unnd treyben, da ists nit muglich, das der orden solt nit schedlich unnd vorfurisch sein einfeltigenn seelen, die auff die werck allein achten haben.
Nu aber zu unsern zeitten gefallen sein fast an allen ortern die prelaten, die den glauben gehabt und die orden eingesetzt haben, gleich wie vortzeiten bey den kindern von Israel, da die Vetter abgangen waren, die do gottis werck und wunder erkennet hatten, szo bald anfiengenn yhre kinder ausz unvorstand gotlicher werck und glaubens abtgotterey unnd eygene menschliche werck aufftzurichten, alszo auch itzt leyder solch orden unvorstendig worden gotlicher werck und glaubens, nur in yhren eygen regelen, gesetzen unnd weyfzen sich jemerlich marteren, muhen und erbeytten, unnd doch nymmer zu rechtem vorstand eynis geistlichen guttis lebens kummen, wie der Apostel ij. Timot. iij. vorkundigt [Rand: 2. Tim. 3, 5.7.] hat und gesagt ›Sie haben einen schein einis geistlichen lebens, unnd ist doch nichts dahyndenn, lernen ymmer und ymmer, und kummen doch nit dahyn, das sie wissen, was warhafftig geistlich leben sey‹, szo were es besser, das kein kloster da were, wo kein geystlicher vorftendiger ym Christlichen glauben Prelat regieret, den der selb mag nit on schaden und vorterben regieren, und szoviel mehr, szoviel er heyliger und eynis guttenn lebens scheynet in seinen euszerlichen wercken.
Es were meynis bedenckens ein nottige ordnung, beszondern zu unsern ferlichen zeytten, das stifft unnd kloster widderumb wurden auff die weysze verordenet, wie sie waren ym anfang bey denn Aposteln unnd ein lang zeit hernach, da sie alle frey waren einem yderman, drynnen zubleyben, szo lang es yhm gelustet. Dan was sein stifft und kloster anders geweszen, den Christliche schulenn, darynnen man leret schrifft unnd zucht nach Christlicher weysze, unnd leut auff ertzog, zu regieren unnd predigen? wie wir leszen, das sanct [440] Agnes in die schule gieng, und noch sehen in etlichenn frawen klostern, als zu Quedlingborg unnd der gleychen. Furwar es solten alle stifft und kloster auch szo frey sein, das sie got mit freyem willen und nit getzwungen dienstenn dientenn. Aber darnach hat man es gefasset mit gelubdenn und ein ewig gefencknisz drausz gemacht, das auch die selbenn mehr dann die tauff gelubd wirt angesehenn: was aber fur frucht drausz ist kummen, sehen, horen, leszen und erfaren wir teglich mehr und mehr.
Ich acht wol, solcher mein radschlag seh auffs allertorlichst angesehen: da frag ich itzt nit nach. Ich radt was mich gut dunckt, vorwerff wer es wil, ich sieh wol, wie die gelubd werden gehaltenn, szonderlich der keuscheit, die szo gemeyn durch solch kloster wirt, und doch von Christo nit gepoten, [Rand: Matth. 19, 11 f. / 1. Cor. 7, 7.] szondern fast wenigen geben wirt, wie er selb unnd sanct Paul sagt. Ich wolt gerne yderman geholffen sein, und nit fangen lassen Christliche seelen durch menschliche eygene erfunden weysze und gesetz.
Zum viertzehenden, wir sehen auch, wie die priesterschafft gefallen, und mancher armer pfaff, mit weib unnd kind ubirladenn, sein gewissenn beschweret, da doch niemannt zu thut, yhnen zuhelffenn, ob yhn fast wol zuhelffen were: lest Bapst unnd Bischoff hie gehen was do geht, vorterben was do vortirbt, Szo wil ich erredten mein gewissenn, und das maul frey auffthun, esz vordriesz Bapst, Bischoff odder wen es wil, und sag alszo:
Das noch Christus und der Apostel einsetzenn ein ygliche stadt einen [Rand: Tit. 1, 5.] pfarrer odder Bischoff sol haben, wie klerlich Paulus schreybt Tit. i. unnd der selb pfarrer nit gedrungen, on ein ehlich weyb zuleben, szonder muge [Rand: 1. Tim. 3, 2. / Tit. 1, 6 f.] eynis habenn, wie sanct Paul schreybt i. Timot. iij. unnd Tit. i. unnd spricht: Es sol ein Bischoff sein ein man der unstrefflich sey, unnd nur eynis ehlichen weybs gemalh, wilchs kindere gehorsam unnd zuchtig sein etc. Den ein Bischoff und pfar ist ein ding bey sanct Paul, wie das auch sanct Hieronymus beweret. Aber die Bischoff die itzt sein, weysz die schrifft nichts vonn, szondern sein vonn Christlicher gemeyn ordnung gesetzt, das einer ubir viel pfarr regiere.
Alszo lerenn wir ausz dem Apostel klerlich, das in der Christenheit solt alszo zugahenn, das einn ygliche stat ausz der gemeynn eynen gelereten frumenn burger erwellet, dem selbenn das pfar ampt befilhe, und yhn vonn der gemeyn erneret, yhm frey wilkoer liesz, ehelich zu werdenn odder nit, der nebenn yhm mehr priester odder Dyaconn hette, auch ehlich odder wie sie wolten, die den hauffen und gemeyn hulffen regieren mit predigen und sacramenten, wie es den noch blieben ist in der kriechschen kirchen. Da sein nu hernach mals, da szo viel vorfolgung und streyttes war widder die ketzer, viel heyliger vetter [441] gewesen, die sich frey willig des ehlichenn stands vortzeyhet habenn, auff das sie deste basz studiereten und bereyt weren auff alle stund zum tod und zum streyt.
Da ist nw der Romisch stuel ausz eygenem frevel dreyn gefallen und ein gemein gebot drausz gemacht, vorpotten dem priester stand ehlich zusein: das hat yhn der teuffel geheyssenn, wie sanct Paulus i. Timot. iiij. vorkundigt [Rand: 1. Tim. 4, 1.3.] ›Es werden kummen lerer, die teuffels lere bringen und vorpieten ehlich zuwerden etc.‹ dadurch leyder szoviel jamers erstanden, das nit zurtzelen ist, unnd hat dadurch ursach geben der kriechschen kirchen sich abtzusondern, und unendlich zwitracht, sund, schand und ergernisz gemehret, wie dan thut allis, was der teuffel anfahet und treybet. Was woln wir nw hie thun?
Ich rad, man machs widder frey und lasz einem yeglichen sein frey wilkore, ehlich odder nit ehlich zuwerden. Aber da must gar viel ein ander regiment und ordnung der gutter geschehen, unnd das gantz geystlich recht zu poden gehen, und nit viel lehen gen Rom kummen. Ich besorg, der geytz sey ein ursach geweszen der elenden, unkeuschen keuscheit, darausz dan gefolget, das yderman hat wollen pfaff werden, und yderman sein kind drauff studieren lassen, nit der meynung, keusch zuleben, das wol on pfaffen stand geschehen kund, sondern sich mit zeytlicher narung on erbeyt und muhe zurneren widder das gebot gottis Gen. iij. ›Du solt dein brot essenn ym schweysz deynis [Rand: 1. Mos. 3, 19.] angesichts‹, habenn yhm eine farb angestrichen, als solt yhr erbeit sein betten unnd mesz halten.
Ich lasz hie anstehen Bapst, Bischoff, stifft pfaffen unnd munch, die got nit eingesetzt hat: habenn sie yhn selbs burden auffgelegt, szo tragen sie sie auch. Ich wil reden von dem pfarr stand, den got eingesetzt hat, der ein gemeyn mit predigen unnd sacramenten regierenn musz, bey yhnen wonen und zeytlich hausz halten: den selben solt durch ein Christlich Concilium nachgelassen werden freyheit, ehlich zuwerden, zuvormeydenn ferlickeit und sund. den die weil sie got selb nit vorpunden hat, szo sol und mag sie niemant vorpindenn, ob er gleich ein engel vom hymel were, schweyg dan bapst, und was da gegen ym geistlichen recht gesetzt, sein lautter fabeln und geschwetz.
Weytter rad ich, wer sich hynfurt weyhen lessit zur pfarr odder auch sonst, das er dem Bischoff in keinen weg gerede, keuscheit zuhalten, und halt yhm entgegen, das er solch gelubd zufodern gar kein gewalt hat, und ist ein teuffelisch tyranney, solchs zufoddern. Musz man aber odder wil sagen, wie etlich thun ›Quantum fragilitas humana permittit‹, szo deutte ein yeglicher die selben wort frey negative, id est, ›non promitto castitatem‹, den fragilitas [442] humana non permittit caste vivere, sondern allein angelica fortitudo et celestis virtus, auff das er ein frey gewissen on alle gelubd behalte.
Ich wil nit radten, auch nit weeren, das, szo noch nit weyber haben, ehlich werden odder on weyb bleyben, stel das auff ein gemein Christlich ordnung und eynis yglichen bessern vorstand. Aber dem elenden hauffen wil ich meynen trewen radt nit bergen und yhren trost nit vorhaltenn, die do itzt, mit weyb und kind ubirfallen, in schanden unnd schweeren gewissen sitzenn, das man sie ein pfaffenn hure, die kind pfaffenn kind schilt, und sag das fur mein hoffrecht frey.
Man findt manchen frummen pfarrer, dem sonst niemand kein tadel geben mag, den das er gebrechlich ist unnd mit einem weyb zuschanden wordenn, wilch doch beyde alszo gesynnet sein in yhres hertzen grund, das sie gerne wolten ymer bey eynander bleyben in rechter ehlicher trew, wen sie nur das mochten mit gutten gewissen thunn, ob sie auch gleich die schand mussenn offentlich tragen, die zwey sein gewiszlich fur got ehlich. Und hie sag ich, das wo sie szo gesynnet sein und also in ein leben kommen, das sie nur yhr gewissen frisch erredten, er nehm sie zum ehlichen weyb, behalt sie, und leb sonst redlich mit yhr, wie ein ehlich mann, unangesehen, ob das der Bapst wil odder nit wil, es sey widder geystlich odder fleischlich gesetz. Es ligt mehr ann deyner seelen selickeit, den an den tyrannischen, eygengeweltigen, frevelichen gesetzen, die zur selickeit nit not sein, noch von got gepotten, und solt eben [Rand: 2. Mos. 12, 35 f.] thun als die kinder von Israel, die den Aegiptern stolen yhren vordienten lohn, odder wie ein knecht seinem boszwilligen hern seinen vordienten lohn stule, alszo stiel auch dem Bapst dein ehlich weyb und kindt.
Wer den glauben hat solchs zuwagenn, der folge mir nur frisch, ich wil yhn nit vorfuren: hab ich nit gewalt als einn Bapst, szo hab ich doch gewalt als einn Christen, meynem nehsten zuhelffen und radten von seinen sunden und ferlickeiten. Unnd das nit on grund unnd ursach. Zum erstenn, Es kan yhe nit ein yglicher pfar eynis weybes mangeln, nit alleinn der gebrechlickeit, szondern viel mehr des hauszhalten halben. Sol er den ein weyb halten, und yhm der Bapst das zulessit, doch nit zur ehe haben, was ist das anders gethan, dan ein man und weyb bey einander allein lassen, unnd doch vorpieten, sie solten nit fallen, Eben als stro und fewr zusammen legen, und vorpieten, es sol widder rauchenn noch brennenn? Zum andern, das der Bapst solchs nit macht hat zupietten, als wenig als er macht hat zuvorpieten essen, trincken und den naturlichenn auszgang odder feyst werdenn, drumb ists niemandt schuldig zuhaltenn, unnd der Bapst schuldig ist aller sund, die dawider geschehen, aller seelen, die dadurch vorloren sein, aller gewissen, die dadurch vorwerret und gemartert seinn, das er wol lengist wirdig weere, wer yhn ausz [443] der welt vortrieben hette, so viel elender seelen er mit dem teuffelischen strick erwurgt hat, wie wol ich hoff, das vielen got an yhrem end gnediger sey geweszen, denn der Bapst an yhrem lebenn. Es ist noch nie guttis unnd wirt nymmer mehr ausz dem Bapstum und seinen gesetzen kummenn. Zum dritten, ob schon des Bapsts gesetz dawidder ist, szo doch einn ehlich stand wirt angefangenn widder des Bapsts gesetz, ist schon sein gesetz ausz, unnd gilt nit mehr, dan gottis gebot, der do gebeut, das man und weyb niemant scheyden sol, geht weyt ubir des Bapsts gesetz, unnd musz nit gottis gebot umb des [Rand: Matth. 19, 6.] bepstlichen gebottis willen zurissen werden unnd nachbleyben, wie wol vil toller Juristen mit dem Bapst haben Impedimenta erfunden, und dadurch vorhyndert, zurteylet, vorwerret den ehlichenn standt, das gottis gebot ist drob gantz untergangenn. Was sol ich viel sagenn? sein doch in dem gantzen geystlichen Bapsts gesetz nit zwo zeyllen, die einen frummen Christen mochten unterweyszen, und leyder szoviel yrriger und ferlicher gesetz, das nit besser weere, man mecht ein Rotten hauffen drausz.
Sprichstu aber, Es sey ergerlich, und musz zuvor der Bapst drynnen dispensieren, Sag ich, was ergernisz drynnen ist, das sey des Romischen stuels schuld, der solch gesetz on recht unnd widder got gesetzt hat, fur got unnd der heyligenn schrifft ist es kein ergernisz. Auch wo der Bapst kan dispensieren umbs gelt in seinen geltsuchtigen, tyrannischen gesetzenn, szo kan auch ein yeglicher Christen umb gottis unnd der seelen selickeit willenn eben in dem selben dispensierenn. Dan Christus hat uns frey gemacht von allen menschen gesetzen, zuvor wo sie widder got unnd der seelen selickeit sein, wie Gal. v. [Rand: Gal. 5, 1.] und i. Corint. x. sanct Paulus leret. [Rand: 1. Cor. 9, 4 ff. 10, 23]
Zum funfftzehenden, Das ich auch der armen kloster nit vorgesz. Es hat der bosz geyst, der nw alle stend durch menschen gesetz vorwerret und untreglich gemacht hat, auch etliche Ebte, Ebtissen und prelaten besessen, das sie yhrn brudern und schwestern also vorstehen, das sie nur bald zur helle faren, unnd ein elend weszen auch hie furen, wie dan thun alle teuffels merterer. Nemlich haben sie yhn furbehaltenn in der beicht alle odder yhe etliche todsund, die do heymlich seinn, das die kein bruder dem andern sol auffloszen bey ban unnd gehorsam. Nu findet man an allen ortten nit alle zeit Engel, szondern auch fleysch und blut, die ehe alle ban und drewen leyden, ehe sie den prelaten und bestimpten beychtigern yhr heymlich sund wolten beychtenn, gehn drauff zum sacrament mit solchen gewissenn, dadurch den sie irregulares [444] werden, und des jamers viel mehr. O blinde hyrttenn, o tolle prelatenn, o reyssend wolffe!
Hie sag ich: wenn die sund offentlich ist odder bekant, szo ists billich, das der prelat allein sie straffe, und die selben allein und kein andere mag er yhm furbehalten und ausztzihen, der heymlichen hat er keine gewalt, wensz gleich die ergisten sund weeren, die man findet odder finden kan, unnd wo der prelat die selben ausztzeugt, szo ist er ein Tyran, hat sein nit recht, greyfft in gottis gericht. Szo radt ich den selbenn kindeln, brudern unnd schwestern, wollen die ubirsten nit laub geben zubeichten die heymlichen sund, wilchem dw wilt, szo nym sie selber, unnd klage sie deinem bruder odder schwester, dem odder do du wilt, lasz dich absolvirnn und trosten, ganck unnd thu drauff was du wilt unnd solt, gleub nur fest, das du seyst absolvirt, szo hat es nit nodt. Und den ban, irregularitet odder was sie mehr drewen, lasz dich nit betruben noch yrre machen, sie gelten nit weytter, den auff die offentlichen odder bekanten sunden, szo die ymant nit wolt bekennenn, es trifft dich nichts. Was nympstu dir fur, du blinder prelat, durch dein drewen heymlich sund zuweren? lasz farenn was du nit offentlich erhalten kanst, das gottis gericht unnd gnade auch zuschaffen habe mit den deynen. Er hat dir sie nit szo gar in deine hand befolhen, das er sie gantz ausz seiner gelassen habe. Ja du hast das weniger teyl unter dyr, lasz dein statut statut sein, und heb sie nit in den hymel, in gottis gericht.
Zum sechtzehendenn, Es weere auch not, das die Jartag, begencknisz, seelmessen gar abethann odder yhe geringert wurdenn, darumb, das wir offentlich sehen fur augen, das nit mehr, den ein spot drausz worden ist, damit got hochlich ertzurnet wirt, und nur auff gelt, fressen und sauffen gericht sein. Was solt got fur ein gefallen drynnen haben, wen die elenden Vigilien und Messen szo jemerlich geschlappert werdenn, noch geleszen noch gebettet, unnd ob sie schon gepettet wurden, doch nit umb gottis willen ausz freyer liebe, szondern umb gelts willenn unnd vorpflichter schuld volnbracht werden. Nu ists doch nit muglich, das got einn werck gefalle odder etwas bey yhm erlange, das nit in freyer liebe geschicht. Szo ists yhe christlich, das wir allis abthun odder yhe weniger machen, was wir sehen in einen miszprauch kummen, unnd got mehr ertzurnet den vorsunet. Es were mir lieber, ja got angenehmer und viel besser, das ein stifft, kirche odder kloster alle yhre jerliche mesz und vigilien auff einen hauffen nehmen, und hielten einen tag ein rechte Vigilien und Messe mit hertzlichem ernst, andacht unnd [445] glauben fur alle yhre wolthater, dan das sie yhr tausent und tausent alle Jar einem yglichenn eine beszondere hielten on solch andacht und glauben. O lieben Christen, es ligt got nicht an viel, szondern an wol betten, Ja er vordampt die langen unnd viel gepeeten Matt. vi. unnd sagt ›sie werden nur [Rand: Matth. 6.7, 23, 14.] mehr peyn damit vordienen‹. Aber der geytz, der got nit kann trawenn, richtet solch wesen an, hat sorge, er muste hungers sterben.
Zum sibentzehenden, Man must auch abethun etlich pene odder straff des geistlichen recht, szonderlich das Interdict, wilch on allenn zweyffel der bosz geyst erdacht hat. Ist das nit ein teuffelisch werck, das man eine sund bessern wil mit vielen und grossern sunden? Es ist yhe grosser sund, das man gottis wort und dienst schweygt odder niderlegt, den ob einer zwentzig Bepste het erwurgt auff ein mal, schweyg den einenn priester, odder geystlich gut behaltenn. Es ist auch der tzarten tugent eine, die yhm geyftlichenn recht gelernet werden, den das geystlich recht heysset auch darumb geystlich, das es kompt von dem geyst, nit vonn dem heyligen geyst, szondern von dem boszen geyst.
Den Ban must man nit ehr geprauchen, den wo die schrifft weyszet zuprauchen, das ist widder die do nit recht glewben odder in offentlichen sunden leben, nit umbs zeytlich gut. Aber nw ists umbkeret, gleubt, lebt yderman wie er wil, eben die am meystenn, die ander leut schinden unnd schenden mit bannen, und alle ban itzt nur umbs zeytlich gut ganghafftig sein, wilchs wir auch niemant, den dem heyligen geystlichen unrecht zu dancken habenn, davon ich vorhyn ym sermon weytter gesagt habe.
Die andern straffen und penen, suspension, irregularitet, aggravation, reaggravation, deposition, blixen, donner, vormaledeyenn, vordampnen, unnd was der fundle mehr sein, solt man tzehenn ell tieff begraben in die erden, das auch yhr nam und gedechtnis nit mehr auff erden were. Der bosz geyst, der durchs geystlich recht ist losz worden, hat solch grewlich plage unnd jamer in das hymelisch reich der heyligen Christenheit bracht, unnd nit mehr dan seelen vorterben unnd hyndern dadurch zugericht, das wol mag von yhn vorstanden werden das wort Christi Matthei xxiij. ›weh euch schrifftgelereten, yhr [Rand: Matth. 23, 13.] habt euch genommen die gewalt zuleren, und schlisset zu das hymelreich fur den menschen, yhr geht nit hynein, und weret den, die hynein gehen‹.
Zum achtzehendenn, das man alle fest abethet und allein den Sontag behielt: wolt man aber yhe unszer frawen und der grossen heyligen fest haltenn, das sie all auff den Sontag wurden vorlegt, odder nur des morgens zur Mesz gehalten, darnach liesz den gantzen tag werckel tag sein. Ursach: den als nu der miszprauch mit sauffenn, spielenn, mussig gang unnd allerley [446] sund gaht, szo ertzurnenn wir mehr Got auff die heyligenn tag, den auff die andernn, unnd sein gantz umbkeret, das heylig tag nit heylig, werckel tag heylig seynn, und got noch seinen heyligen nit allein kein dienst, sondern grosz unehre geschicht mit den vielen heyligen tagen, wie wol etlich tolle prelaten meynen, wen sie sanct Otilien, sanct Barbaren, und ein yeglicher nach seiner blinden andacht ein fest macht, hab gar ein gut werck than, szo er viel ein bessers thet, wo ehr zu erenn einem heyligen ausz einem heyligen tag ein werckel tag macht.
Datzu nympt der gemeyn mann zween leyplichenn schaden ubir dissen geystlichen schaden, Das er an seyner erbeyt vorseumpt wirt, datzu mehr vortzeret dann sonst, ja auch seinenn leyp schwecht unnd ungeschickt macht, wie wir das teglich sehen, unnd doch niemant zubessern gedenckt. Und hie solt man nit achten, ob der Bapst die fest eingesetzt hat, odder eine dispensationn und urlaub haben must. Was widder got ist und den menschen schedlich an leyp und seel, hat nit allein ein yglich gemeyn, radt odder ubirkeit gewalt abtzuthun und weeren on wissen und willen des Bapsts odder Bischoffs, ja ist auch schuldig bey seiner seelen selickeit, dasselb zuweeren, ob es gleich Bapst und bischoff nit wolten, die doch die ersten solten sein, solchs zuweren.
Und zuvor solte man die kirchweye gantz ausztilgen, seyntemal sie nit anders sein dan rechte tabernn, Jarmarckt und spiel hoffe worden, nur zur mehrung gotis unehre und der seelen unselickeit. Es hilfft nit, das man wil auffblaszen, es hab ein gutten anfang, unnd sey ein gut werck. Hub doch got sein eygen gesetz auff, das er vom hymel herab geben het, da es in einn miszprauch vorkeret wart, unnd keret noch teglich umb, was er gesetzt, zupricht was er ge macht hat, umb desselben vorkereten miszprauchs willenn, wie ym [Rand: Ps. 18, 27.] xvij. psalm stet vonn yhm geschrieben ›du vorkerest dich mit den vorkereten‹.
Zum neuntzehenden, Das die grab odder gelid wurden geendert, in wilchen der ehlich stand wirt vorpotten als da sein gefatterschafften, der vierd und dritte grad, das wo der Bapst zu Rom drynnen mag dispensieren umbs gelt unnd schendlichen vorkeufft, das auch daselbs mug ein yglicher pfarrer dispensierenn umb sonst unnd der seelen selickeit. Ja wolt got, das allis, was man zu Rom musz kauffen und den gelt strick, das geystlich gesetz, loszen, das ein yglicher pfarrer das selb on gelt mocht thun unnd lassen, als da sein ablas, ablaszbrieff, butter brieff, meszbrieff, und was der Confessionalia odder buberey mehr seinn zu Rom, da das arm volck mit wirt betrogenn unnd umbs gelt bracht! Dan szo der Bapst macht hat, sein geltstrick und geistliche netz [447] (›gesetz‹ solt ich sagen) zuvorkauffen umbs gelt, hat gewiszlich ein pfarrer viel mehr gewalt, die selbenn zureyssen und umb gottis willen mit fussen zutretenn, hat er aber das nit gewalt, szo hat auch der bapst kein gewalt, die selben durch seinen schendlichen Jarmarckt zuvorkeuffenn.
Dahyn gehoret auch, das die fasten wurdenn frey gelassen einem yderman [Rand: Matth. 15, 11.]<