V.

Schluß

[599] Der brave Franzisko Saldano war in ganz Vera Cruz als ein höchst frommer Mann bekannt, besuchte täglich zweimal die Messe und wußte so gottesfürchtig zu reden, als habe er die Studien seiner Muttersprache im Monasterio San Joseppo zu Quadalajara gemacht. Aber ebensogut wußte man, daß er nebst dem Himmel einen vollen Säckel liebte und nicht gern eine Gelegenheit vorübergehen ließ, diese Fülle zu vergrößern. Wenn er hinter dem Buffet thronte und die Bedienung seiner Gäste leitete, sah er sehr darauf, daß Alles fein hübsch still und säuberlich zuging und ja kein allzu kräftiges Wort sich hörbar machte. Zwar genirte dies so manchen Besucher seines Lokals gewaltig, aber man kam dennoch gern, denn man konnte sich auf seine Frömmigkeit und Menschenliebe in jeder Noth verlassen, wenn man nur nicht vergaß, daß eine Hand die andere zu waschen hat. In rechter Würdigung des Bibelwortes: »Laß Deine Linke nicht wissen, was die Rechte thut!« frug er nie, wem er eigentlich seine Hülfe gewährte. Jeder Mensch, der sie begehrte, war sein Nächster, und die Religion gebot ihm ja, sie Niemandem zu versagen, natürlich unter der Voraussetzung, daß er sich selbst der Allernächste sei.

Es war gegen Abend. Er stand in höchst mürrischer Laune am Fenster und blickte hinaus auf den Hafenplatz. Kein einziger Gast saß in dem Zimmer, und kein Mensch ließ sich sehen, der die Ausfüllung dieser Leere beginnen wollte.

»Ein flauer Tag, ein außerordentlich flauer Tag, nämlich für mich, obgleich er für die Seeleute gerade das Gegentheil ist,« brummte er. »Die Ebbe ist da, der Wind bläst aus Südwest, und Alles, was Segel hat, benutzt diese Gelegenheit, den Hafen zu verlassen. Wer hat da Zeit, zu Franzesko Saldano zu gehen, der auf Gäste lauert, wie eine hungrige Spinne auf Fliegen. Sogar die ›Union,‹ die erst kürzlich hier die Anker warf, scheint in See stechen zu wollen, obgleich ich ihr für den fortgelaufenen Matrosen noch keinen Ersatzmann schaffen konnte. Sie hat schneller geladen, als der Kapitän dachte.«

Da vernahm er Pferdegetrappel, welches vor der Thür erklang und gleich darauf trat ein Fremder in das Zimmer.

»Kommt man hier recht zu Franzesko Saldano?« frug er.

»Der bin ich, Sennor. Aber sagt, ist Euch die fromme Sitte des Grüßens vielleicht unbekannt?«

»Der Teufel hole Eure Sitte! Ich grüße, wenn ich Zeit und Lust habe, und gerade jetzt fehlt mir Beides dazu.«

»Ich muß Euch sehr mahnen, mich kein solches gotteslästerliches Wort vernehmen zu lassen. Mein Haus ist ein Bethaus; es soll nicht zu einer Lästergrube werden!«

»Betet, so viel Euch beliebt; mich aber laßt damit in Ruhe. Uebrigens, wenn Ihr gern gegrüßt sein wollt, so will ich es thun, und zwar von Eurem Bruder, der mich zu Euch sendet.«

»Von Miguel?« frug der Wirth, jetzt mit halblauter Stimme. »Habt Ihr Geschäfte mit ihm?«

»Ja. Jetzt suche ich eine Gelegenheit, so schnell wie möglich von hier wegzukommen.«

»Ah – hm! Brennt es Euch auf den Nägeln? Ich glaube, Ihr seid da an den rechten Mann gekommen. Was trinkt Ihr, Sennor?«

»Mir ist Alles recht. Bringt nur irgend einen Tropfen, und ein Glas auch für Euch!«

Saldano eilte nach dem Buffet, brachte eine volle Flasche mit zwei Gläsern und nahm damit seinem Gaste gegenüber Platz.

»Es scheint mir gut, daß ich gerade jetzt keine Gäste habe,« begann er, einschenkend. »Was für ein Geschäft hattet Ihr mit Miguel?«

»Das lassen wir unerörtert, mein Lieber. Kennt Ihr den Alkalden von Morelia?«

Saldano machte große Augen.

»Ah – ist's so? Hm, dann könnt Ihr auf mich rechnen! Also Ihr wollt so schnell wie möglich fort. Nach welcher Richtung, Sennor?«

»Nach New-Orleans.«

»Giebts heut und morgen nicht. Eine prächtige Gelegenheit nach Galveston wüßte ich. Von da aus ist's nicht schwer, ein Schiff zu bekommen.«

»Angenommen! Aber mir liegt daran, schleunigst und – versteht mich wohl, Saldano – ohne die gewöhnlichen Chikanen fortzukommen!«

»Das, Sennor, das ist schwierig, und ohne Einiges von dieser Sorte« – er machte die Pantomime des Geldzählens – »wohl ganz und gar unmöglich.«

»Natürlich! Aber ich habe zufällig da in der Tasche drei außerordentlich hübsche Nuggets, die ich der Seltenheit wegen immer bei mir führte. Da, seht sie Euch an! Genügen sie?«

Der Wirth nahm die drei ungewöhnlich großen Goldbrocken in die Hand und wog sie bedächtig.

»Es genügt.«

»Nun, also – –?«

»Wollt Ihr ohne Chikanen fort, so dürft Ihr natürlich nicht Passage nehmen, sondern – – hm, kennt Ihr vielleicht Etwas vom Seedienste?«

»Ich bin früher viel zur See gewesen.«

»Getraut Ihr Euch auf ein paar Tage den Matrosen zu spielen?«

»Wenn's nur das ist, sehr gut!«

»So ist Euch geholfen, Sennor! Seht, da draußen liegt die ›Union,‹ Vereinigte-Staaten-Brigg, Kapitän Williams, ein sehr braver Mann, dem einer seiner Leute davongegangen ist. Er sticht in einer Stunde in See. Wollt Ihr mit ihm?«

»Natürlich. Wohin geht er?«

»Nach Galveston; ich sagte das wohl schon!«

»Gut! aber diese Kleidung – und die Papiere.«

»Hm, ja; das hält schwer. Ich habe allerdings einen alten Matrosenanzug daliegen, den ich Euch aus christlicher Barmherzigkeit anbieten muß, wenn Ihr ihn gegen Eure Kleider umtauscht und eine Wenigkeit zulegt, Sennor.«

»Hier habt Ihr!«

Er schob ein Geldstück hin. Saldano steckte es ein und meinte:

»Es ist sehr wenig, Sennor; aber der Himmel wird mir vergelten, was ich an Euch thue. Kommt heraus!«

Er führte ihn in einen Verschlag, an dessen Wänden verschiedene Kleider und andere bei dem Geschäfte Saldano's nothwendige Requisiten hingen.

»Hier ist Hemd, Hose, Jacke, Strümpfe, Stiefel und Südwester. Zieht Euch um und kommt dann wieder in die Stube!«

Er selbst kehrte dahin zurück und setzte sich mit zufriedenem Lächeln vor die Flasche, welche er in wenigen Augenblicken leerte. Dann kam Wilson herein. Der Anzug war nicht für seine Gestalt gefertigt; Gesicht und Haltung paßten wenig zu demselben.

»Herrlich, trefflich, wunderschön paßt er Euch, Sennor,« schmunzelte Saldano. »Der befahrenste Seemann wird meinen, daß Ihr seit Eurer Jugend nicht vom Wasser weggekommen seid!«

»Und die Papiere?«

»Hm, das ist nun allerdings eine schlimme Sache! Ich habe keine, denn ich würde sie Euch herzlich gern aus altgewohnter Mildthätigkeit schenken; ich bin einmal eine Samariterseele, die gar nicht leben kann, ohne Wohlzuthun und Mitzutheilen. Aber da hat kürzlich ein Maate seine Zettel hier gelassen, und ich getraute es mir am Ende, sie Euch zu leihen, wenn Ihr mir versprechen könnt, sie wiederzubringen.«

»Wann sollen sie wieder hier sein?«

»In vierzehn Tagen – vielleicht auch in so vielen Jahren, wenn es Euch nicht anders möglich ist. Allerdings wird der Mann ein Leihgeld verlangen.«

»Wie viel ungefähr?«

»Ihr wollt nach dem Norden und müßt Euch also nach dem dortigen Kurse richten. Drei Pfund ist billig; das müßt Ihr selber sagen!«

»Saldano, Ihr seid ein Schuft trotz Eurer Frömmigkeit!«

»Gut, so werde ich als ein solcher handeln und sie nur für fünf Pfund hergeben. Greift zu, Sennor, sonst steigt der Preis noch höher!«

»Ich gebe Dir drei!«

»Fünf und keinen Pfennig weniger!«

»Hol' Euch der Henker. Hier ist das Geld!«

»Danke, Sennor! Aber Ihr seht, die Flasche ist leer. Ich muß noch eine holen, um mit Euch auf glückliche Fahrt anstoßen zu können. Zwei Flaschen machen gerade drei Dollars!«

»Hier sind auch diese. Aber trinkt mit wem Ihr wollt, nur nicht mit mir!«

»Ist mir auch recht. Undank ist der Welt Lohn, und der Gläubige muß sich in christlicher Nachsicht üben!«

Er brachte die Papiere. Wilson sah sie durch.

»Sie werden ihren Zweck erfüllen. Aber der Kapitän?«

»Wird Euch nur dann miethen, wenn Ihr einige Zeilen von mir bringt.«

»Schreibt sie!«

»Das ist nicht so leicht, Sennor! Es hat mich Zeit, Mühe[599] und Geld gekostet, diese Kunst zu erlernen. Wollt Ihr noch einen Dollar daran wenden?«

»Auch das noch! Hier habt Ihr ihn; aber verlangt ja nicht noch einmal Bezahlung, sonst zeige ich Euch, daß meine Faust härter ist als Euer barmherziger Schädel!«

»›So Dir Jemand einen rechten Backenstreich giebt, von dem laß Dir auch gleich einen linken geben,‹ sagt die Bibel. Mein Gewissen gebietet mir, Euch die Schmähung zu verzeihen. Ich werde Euch die Zeilen sofort schreiben!«

Es dauerte ziemlich lang, ehe er die wenigen Buchstaben zu Papiere brachte.

»So, da habt Ihr den Zettel, Sennor. Und nun macht daß Ihr fortkommt, sonst nimmt die ›Union‹ die Segel auf und geht Euch davon, ehe Ihr zum Wasser kommt!«

Wilson ging. Er ließ das Pferd vor der Thür halten, da er die kostbare Zeit nicht mit einem Handel verschwenden wollte, der ihm von dem Wirthe doch nur eine Wenigkeit eingebracht hätte. In einen Kahn springend, gebot er dem Führer desselben, hinaus nach der Brigg zu rudern. Bei derselben angekommen, schwang er sich wie ein geschulter Seemann mittelst eines herabhängenden Taues an Bord und schritt in ehrerbietiger Haltung auf Williams, der ihm als Kapitän bezeichnet wurde, zu.

»Verzeiht, Kapt'n; ich habe dieses Papier an Euch abzugeben!«

Der Angeredete las die Zeilen und warf dann einen prüfenden Blick auf den Mann. Sein Auge traf die Narbe an der Stirn desselben, und sofort stieg eine naheliegende Vermuthung in ihm auf.

»Eure Papiere!«

Er erhielt dieselben und sah sie durch.

»Frank Holborn aus Wilmington! Die Papiere sind gut, stimmen aber nicht so recht auf die Person. Doch das geht mich nichts an, wenn Ihr nur Eure Arbeit versteht. Sagen muß ich Euch freilich, daß ich streng auf Subordination und Verträglichkeit an Bord halte. Ihr seid wohl kein großer Freund der letzteren?«

»Warum nicht, Kapt'n?«

»Die Narbe hier ist jedenfalls die Folge irgend einer Schlägerei!«

»Erlaubt, Sir! Ich erhielt sie von einem Indianer, als es mir einmal in den Sinn kam, die See auf einige Zeit mit der Prairie zu vertauschen.«

»So, so; das ist etwas anderes. Ich werde Dich an Bord behalten. Geh, sag das dem Maate und mach mit ihm die Heuer richtig. Ich gehe noch auf eine Viertelstunde an das Land; dann nehmen wir die Anker auf.«

Er wandte sich ab und begab sich in die Kajüte.

»Das ist Wilson! Die Person, die Narbe, der Indianer, der ihn verwundet haben soll, Alles stimmt. Er hat die Flucht ergreifen müssen, will sich unter der jetzigen Maske in Sicherheit bringen und ist bei Saldano gewesen, der ihm mit den Papieren ausgeholfen hat. Was thue ich? Ihn der hiesigen Behörde übergeben? Nein. Es wäre doch ein ganz famoser Streich, wenn er nach Stenton gebracht werden könnte! Warten kann ich allerdings nicht, bis Forster kommt; die Ladung ist gestaut und ich muß fort. Nach Galveston darf ich den Menschen auch nicht mitnehmen, da er nur der Justiz der Vereinigten Staaten ausgeliefert werden soll. Ja, so geht es, ich setze ihn an einer der öden Mississippiinseln ab, und gebe Forster Nachricht, ihn dort wegzunehmen. Ich muß zwar einen Umweg machen; aber wenn ich die westlichste wähle, so ist er nicht bedeutend. Auch liegt diese so außer Kurs, daß er sicher von keinem Schiffe aufgenommen wird und von Forster leicht zu finden ist.«[600]

Er setzte sich an den Tisch, brachte sein Vorhaben zu Papiere und begab sich dann an das Land, um den Brief eigenhändig im Zollhause zu übergeben. Dies war der einzige Ort, wo er sicher an den Adressaten gelangte.

Sofort nach seiner Rückkehr an Bord ließ er die Anker lichten und das Tuch aufziehen. Die »Union« stach in See.

Das Wetter hielt sich ausgezeichnet; der Wind blieb günstig, und die Fahrt war eine so schnelle, daß man bald die Höhe von Galveston erreichte. Da trat Williams zum Maate.

»Wie gefällt Euch Helborn, der neue Mann?«

Der Gefragte warf, ehe er Antwort gab, seinen Kautabak erst einige Male im Munde hin und her.

»Der, Sir? Er wird früher vielleicht einmal zur See gewesen sein, ist aber aus der Uebung gekommen.«

»Das sieht man. Und sonst?«

»Und sonst? Geht mich eigentlich nichts an; aber verlieben könnte ich mich in den Kerl nicht. Er hat kein gutes Auge.«

»So haltet ein wenig mehr nach Lee. Ich werde ihn absetzen.«

»Absetzen, Sir? Wo?«

»An der westlichsten Mississippibank.«

»Hm, Sir; ich darf Euch nicht fragen, warum Ihr so Etwas thut, aber es scheint mir, daß es nur nach Empörungen an Bord geschehen darf.«

»Richtig. Dennoch aber habe ich einen Grund, der mich vollständig rechtfertigt. Ihr kennt Mr. Forster und Mr. Summerland, die mit uns fuhren, um einen Raubmörder zu verfolgen?«

»Ayo, ayo, Sir! Warum sollte ich nicht?«

»Nun, dieser Mann ist ihnen entkommen und nennt sich hier an Bord Frank Holborn aus Wilmington.«

»Alle Wetter, Sir, ists wahr?«

»Ich bin meiner Sache vollständig sicher und habe Mr. Forster aufgefordert, ihn an der Bank aufzunehmen.«

»Das ist allerdings etwas anderes. Der Mensch erhält sein Recht, und ich werde einige Linien vom Winde abfallen.«

Die »Union« warf den Bug nach Ost hinüber. Die Mannen wunderten sich zwar über diese unerwartete Veränderung des Kurses, frugen aber nicht. Gegen Abend wurde ein langer, niedriger Streifen Landes sichtbar. Es war die Bank, welche Williams gewählt hatte. Er ließ Wilson vor sich treten.

»Frank Holborn, mache Dich fertig, von Bord zu gehen!«

»Was soll ich am Lande, Kapt'n?«

»Mich begleiten.«

Der Kapitän wollte die Angelegenheit ohne Aufregung zu Stande bringen und befahl, ein Fäßchen Wasser und einige Lebensmittel in das Boot zu nehmen, welches er mit Holborn ganz allein bestieg. Die »Union« hatte beigedreht; das Boot stieß ab und hielt auf die Bank zu.

»Es ist nothwendig,« meinte Williams während des Ruderns, »ein kleines Proviantdepot hier anzulegen. Ich halte das Boot, und Du bringst die Sachen an das Land!«

Sobald man landete, trug Holborn das Fäßchen auf das Trockene und holte dann auch das Säckchen Schiffszwieback. Er hatte keine Ahnung von der Absicht des Kapitäns und wunderte sich, nun zurückkehrend, sehr, daß dieser das Ruder einstemmte und das Boot vom Lande stieß.

»Müssen wir die Sachen nicht besser bergen, Kapt'n?«

»Nein, denn das Depot ist nur für Euch, Master Wilson. Ich brauche keinen Räuber und Mörder an Bord; darum bleibt Ihr hier zurück. God bye!«

Wilson taumelte bei diesen Worten zurück; er war unfähig, einen Laut hervorzubringen, und als sich der erste Hülferuf von seinen erbleichten, zitternden Lippen rang, befand sich das Boot bereits außer Hörweite. Jetzt ballte er die Fäuste und erhob sie gegen das die Segel wieder blähende Schiff. Seine Flüche und Verwünschungen verhallten in der weiten Oede, in welcher er als das einzige menschliche Wesen zurückbleiben mußte. – –

Die Post war von Mexiko in Vera Cruz angekommen; ihr entstiegen außer einigen Eingeborenen Forster, Summerland und Sarah.

»Gott sei Dank,« meinte der Zweite, »daß wir diesen elenden Kasten endlich überwunden haben. Mich bringt kein Mensch wieder[612] in eine solche Jammerarche; das ist so sicher wie meine Mütze! Aber was nun, Sir?«

»In den Gasthof zunächst. Dann aber müssen wir uns sofort nach Wilson umsehen. Er ist auf jeden Fall hierher gegangen, um zu Schiffe das Land zu verlassen. Wir müssen also jedes Fahrzeug besuchen, welches sich segelfertig macht.«

»Warum soll ich da erst in den Gasthof? Ich werde die Nachforschung sofort beginnen, Sir. Sagt mir nur, wo ich Euch finde!«

»Gleich hier in diesem Hause. Es scheint allerdings ein sehr gewöhnliches zu sein, aber das ist gleichgültig. Ich führe Sarah auf ihr Zimmer und gehe dann auf das Zollamt, damit uns nichts im Wege steht, wenn wir etwa schnell abreisen müßten.«

Summerland wandte sich dem Hafen zu. Forster sorgte zunächst für die Terzerone und begab sich dann nach dem Zollhause. Kaum hatte er seinen Namen genannt, so frug der Beamte:

»Ist Euch vielleicht ein Kapitano Williams bekannt, Sennor!«[613]

»Ja. Ich bin auf seinem Schiffe hier angekommen.«

»So gehört Euch dieser Brief, den er vor der Abfahrt hier zurückgelassen hat.«

Forster öffnete und las ihn. Ein Blitz der Freude zuckte über sein Gesicht.

»Giebt es vielleicht ein Fahrzeug im Hafen, welches bald nach New-Orleans geht?« frug er.

»Der Dampfer ›Manhattan,‹ Sennor, geht noch heute ab. Ein gutes Schiff, fast neu, und ein vortrefflicher Kapitano! Er geht hinauf bis Memphis und Kairo, hält aber natürlich auch in New-Orleans.«

»Nichts konnte besser passen als diese prächtige Gelegenheit, und Forster eilte sofort auf das Quai, um sich zu dem Dampfer rudern zu lassen. Der Kapitän desselben war natürlich zur Aufnahme der drei Passagiere bereit und willigte auch, nachdem er nur das Nöthige gehört und in die polizeilichen Empfehlungen Forsters Einsicht genommen hatte, in den kleinen Umweg nach der Mississippibank.«

»Dieser Mensch ist ja ein wahres Ungeheuer,« meinte er. »Solches Ungeziefer muß man unschädlich machen, Sir, und obgleich ich zu einem Abstecher eigentlich nicht berechtigt bin, werde ich Euch doch zu Diensten stehen. Ich habe unten im Kielraume eine allerliebste kleine Kabine, die so fest ist, daß selbst das beste Widderschiff mir kein Loch in die Wände stoßen würde. Da hinein stecken wir ihn, und bis Ihr meinen ›Manhattan‹ mit einem Arkansassteamer vertauscht, verbürge ich mich dafür, daß er Euch sicher bleibt.«

Es verursachte einige Schwierigkeiten, Summerland zu finden. Als dies geschehen war, holten die beiden Männer die Terzerone, und bald verschwanden die Häuser von Vera Cruz und die Mauern von San Juan de Ulloa hinter dem über die Fluthen dahinbrausenden Dampfer.

Da trat Summerland mit geheimnißvoller Miene zu Forster.

»Sagt einmal, Sir, ob wir jetzt auf hoher See sind!«

»Natürlich!« lächelte Forster über die eigenthümliche Einleitung.

»Well! So habe ich Euch dieses Ding da zu übergeben.«

»Von wem?«

»Von der Gräfin Hernano. Als wir Abschied von ihr nahmen, zog sie mich bei Seite und meinte, es sei für Eure mächtige Zauberin; ich sollte es Euch aber erst übergeben, wenn wir uns auf hoher See befinden.«

Forster öffnete das kleine, zierliche Paketchen. Es enthielt ein Etui, aus dessen Innern ihm ein schmaler, feiner Goldreif entgegenblitzte, der in seiner Rosette einen großen, höchst werthvollen Diamanten umfaßte. Er hatte den Ring an der Hand der Gräfin bemerkt und das Feuer des Steines oft bewundert. Es war ein kostbares Geschenk der Gräfin für Diejenige, welche das Herz des Geliebten gegen allen Zauber gefeit hatte.

»Und dann steckte mir auch der Graf Etwas zu. Wollt Ihr es haben?«

»Was ist es?«

»Hier dieser große Brief.«

Er gab ihm ein Couvert, welches Forster öffnete. Er betrachtete die inneliegenden Papiere.

»Ist's möglich!«

»Was denn, Sir?«

»Diese Papiere, wenn ich sie annehme, machen mich zum Millionär!«

»Bounce! Dann sage ich weiter nichts als: Nehmt sie an! Was steht denn drin?«

»Es sind die vollständigen rechtsgültigen Besitztitel über zehn Legua's des besten Landes in Texas. Tim, ich bin ganz starr vor Erstaunen!«

»So nehmt Euch in Acht, daß Ihr nicht gar zur Salzsäule werdet wie die Hexe von Endor, damals als Sodom und Gilead unterging! Der Graf ist ein tüchtiger Kerl, Sir; das ist so gewiß wie meine Mütze!«

»Wenn ich dieses mehr als reiche Geschenk annehme, so mußt Du Dein Theil auch haben; das versteht sich ganz von selbst.«

»Ich? Nein, das versteht sich eben nicht ganz von selbst. Wo denkt Ihr denn hin! Tim Summerland, der alte Trapper, ein Farmer und Plantagenbesitzer! Ich säße auf meiner Legua wie der Fisch auf dem Eise und ginge schon in den ersten zwei Wochen vor Langeweile zu Grunde. Die ganze Prairie ist mein, Sir! ich brauche Euer Empressario nicht!«

Es dauerte einige Tage, bis Forster sich an den Gedanken, Besitzer einer solchen Länderstrecke zu sein, gewöhnen konnte. Von einer Zurückweisung des Geschenkes, an die er im ersten Augenblicke gedacht hatte, war natürlich keine Rede; er durfte es ruhig annehmen, da es dem Grafen gewiß nicht das Mindeste gekostet hatte.

Das blaue, durchsichtige Wasser wurde gelber und trüber, ein Zeichen, daß man sich der Mississippimündung nähere. Jetzt hielt der Kapitän nach Nordwest und schickte einen Mann zum Ausguck auf den Masthead. Nach und nach bildete sich vor dem Fernrohre ein dunkler Streifen, der von Minute zu Minute näher trat.

»Das ist die westlichste Insel, Sir!« meinte der Kapitän zu Forster. »Befindet sich der Mensch wirklich dort, so werden wir ihn bald sehen.«

»Ein Mann vor dem Glase!« meldete der Matrose. »Schwenkt die Jacke!«

»Fallt ab nach West, Maate!« kommandirte der Kapitän. »Stopp, Maschinist! Dreht bei das Schiff!«

Ein Boot wurde ausgesetzt, und der zweite Deckoffizier sprang mit vier Ruderern hinein, um den Winkenden zu holen.

»Jetzt macht Euch ein wenig unsichtbar, Sir. Ich will doch einmal sehen, was der Kerl für eine Geschichte erzählen wird, um seine Lage zu erklären! Er wird sich natürlich hüten, von der ›Union‹ zu sprechen, da er dann die Frage erwarten muß, warum diese ihn im Stiche gelassen habe.«

Forster und Summerland zogen sich in die Kajüte zurück. Sobald Wilson an Deck erschien, nahm das Schiff seinen vorigen Kurs wieder auf. Er wurde vor den Kapitän geführt, der ihn mit scharfem Blicke musterte.

»Wer bist Du?«

»Ich heiße Tom Hellword; meine Heimath ist Savannah in Georgia, Sir.«

»Deine Kleidung sagt, daß Du Seemann bist. Wie kommst Du auf diese Bank?«

»Ich fuhr mit dem Klipper ›Jowa‹, bestimmt von Havanna nach Galveston. Der letzte Sturm stieß ihn auf den Grund, und ich ganz allein rettete mich auf die Insel.«

»Und wer rettete das Wasserfaß und den Proviant, den man bei Dir fand?«

»Wilson konnte eine Verlegenheit nicht ganz verbergen.«

»Beides wurde vom Wasser angespült.«

»Sehr gut, mein Lieber! Du bist zu bedauern, daß Du so lang aushalten mußtest. Der letzte Sturm war vor bereits vierzehn Tagen. Wie heißt der Kapitän der ›Jowa‹?«

»Smith.«

»Irrst Du Dich nicht vielleicht in dem Namen? Ich meine, daß Dein Fahrzeug ›Union‹ und der Kapitän Williams geheißen hat. Nicht?«

Der Gefragte schwieg vor Schreck.

»Die ›Union‹ mochte von einem gewissen Frank Holborn aus Wilmington nichts wissen. Kennst Du ihn vielleicht?«

»Nein, Sir. Ich sagte Euch die Wahrheit. Laßt mir einen Platz bei Euch bis New-Orleans; ich werde dafür nach Kräften arbeiten!«

»Den Platz sollst Du haben, doch welchen, das wird sich finden. Geh!«

Wilson begab sich auf das Vorderdeck. War er wirklich gerettet, oder drohte ihm auf dem »Manhattan« vielleicht noch mehr Gefahr als auf der einsamen Mississippibank? Eben wollte er zum Bootsmann treten, um Arbeit zu begehren, da legte sich eine Hand auf seine Schulter. Er wandte sich um und fuhr mit einem Schreckensrufe zurück.

»Summerland!«

»Ja, Tim Summerland ist es, mein sehr ehrenwerther Master Wilson, Molez, Holborn, Hellword, oder wie Ihr sonst heißen mögt! Warum gingt Ihr nur so rasch aus Mexiko weg? Nun haben wir an Eurer Stelle die Grants, zehn ganze Legua's, aus Dankbarkeit dafür, daß wir den Grafen retteten.«

»Zehn – – –«

Das Wort blieb ihm im Munde stecken, denn sein Auge fiel auf Forster, welcher mit dem Kapitän näher kam. Einige handfeste Matrosen folgten ihnen.

»Master Forster, ist das Euer Mann?« frug der Kapitän.

»Ja.«

»So nehmet ihn, Jungens!«

Die Matrosen traten zu ihm. Er sah, daß Alles verloren sei; seine Erstarrung wich. Eine am Boden liegende Handspeiche ergreifend, sprang er auf Forster zu und holte zum Schlage aus.

»Fahre hin, Schurke! O – – –!«

Die Handspeiche entsank seiner Faust; er fuhr mit der Hand nach der Brust, drehte sich mit hintenüberstrebendem Kopfe einmal um seine eigene Axe und brach dann zusammen. Tim Summerland hatte das Messer gezogen und es ihm in die Seite gestoßen.

»Der hat genug, Sir! Ich werde ihn lehren, mit dem Holze hier auf Euch loszugehen!«

Forster neigte sich über den Gestürzten.[614]

»Du hast gut getroffen, Tim, gerade ins Herz und keine Linie zu weit nach rechts oder links! Er ist todt. Wollt Ihr Euch überzeugen, Sir?«

Auch der Kapitän untersuchte die Wunde.

»Todt. Laßt ihn liegen, bis er kalt ist; dann sollen ihn die Fische haben. Ich werde Euch den Todtenschein ausstellen, Sir, damit Ihr in Stenton beweisen könnt, daß der Kerl aufgehört hat, ehrlichen Leuten gefährlich zu sein!«

Eine Stunde später wurde die Leiche ohne die sonst üblichen Formalitäten über Bord geworfen. Man befand sich bereits im gelben Flußwasser, und die hier häufigen Krokodile schossen bei dem Geräusche des Falles herbei, um ihr Todtengräberamt zu verrichten.

Die Stromfahrt ging glücklich von Statten. An der Mündung des Arkansas verließen die drei Passagiere den »Manhattan« und legten den Rest ihrer Reise auf einem kleineren Steamer zurück. Es war bereits am späten Abende, als sie in Stenton anlangten.

Sarah hatte während der ganzen Zeit eine tiefe Reue gezeigt, so daß Forster beschloß, ihren Fürsprecher bei Mutter Smolly zu machen. Jetzt lehnte sie an der Deckeinfassung; die Thränen der Angst standen ihr im Auge.

»Wo soll ich nun hin, Mylord Forster?« schluchzte sie. »Mistreß Smolly wird nichts mehr von mir wissen wollen.«

»Sie wird Dir verzeihen, Sarah, so wie ich Dir ja längst auch vergeben habe. Du gehst mit zu ihr.«

»Ich habe große Furcht vor ihr, Sir, denn ich bin zu undankbar gegen sie gewesen. Sie war so gut und ich so schlimm!«

»Sie ist auch jetzt noch gut, und Du sollst nicht eher zu ihr, als bis ich mit ihr gesprochen habe.«

Jetzt kam Tim Summerland herbei; er brachte die sämmtlichen Effekten der Drei geschleppt und keuchte unter ihrer Last.

»Macht schnell, Sir, daß wir nun endlich einmal an das Land kommen! Es ist schon Alles hinüber und wir thun gerade so, als ob wir noch dreimal um die ganze Erde herumdampfen wollten. Einmal zur See und nicht wieder; das ist so sicher wie meine Mütze. Ich bin halb todt von dem vielen Wasser!«

Das Haus des Advokaten befand sich in der Nähe des Flusses. Dort angekommen, blieb Summerland halten.

»Wie nun, Sir? Ihr tretet doch mit herein?«

»Heut nicht, Tim. Morgen komme ich, Dich zu besuchen. Behalte meine Sachen jetzt bei Dir; ich werde sie abholen lassen!«

Er ging mit Sarah weiter. Die Druckerei, an welcher der Weg vorüberführte, war erleuchtet. Er hatte sich auf eine Ueberraschung Marga's vorbereitet und trat ein, um ein Gedicht für das Morgenblatt zu übergeben. Es wurde sofort acceptirt.

Im Hause des Bankiers war man zur Ruhe gegangen, wie die dunklen Fenster zeigten, aber bei Mutter Smolly war noch Licht.

»Ich gehe nicht hinein, Sir; ich fürchte mich!« meinte Sarah.

»So warte im Flur bis Du gerufen wirst.«

Er klingelte. Die Wirthin selbst erschien unter der sich öffnenden Thür.

»Wer – – Himmel, Sir, ists möglich!«

Fast wäre ihr vor freudiger Ueberraschung das Licht aus der Hand gefallen.

»Es ist wirklich und also auch möglich, meine beste Mutter Smolly. Habt Ihr meine Zimmer vielleicht anderweit vermiethet?«

»Vermiethet? Wo denkt Ihr hin! Ich hätte sie zehn Jahre lang für Euch reservirt. Aber tretet ein, schnell; Ihr müßt von der weiten Reise ja ganz entsetzlich ermüdet sein!«

Sie führte ihn in den Salon, wo sie erwartungsvoll ihm gegenüber Platz nahm.

»Wie ist es denn gegangen, Sir? Habt Ihr ihn gefunden? Habt Ihr Sarah gesehen? Ich habe in dieser Zeit mehrere Mädchen gehabt, aber alle wieder entlassen müssen.«

»Ich habe ihn gefunden.«

»Wirklich? und Euer Geld?«

»Habe ich wieder, auch die fünfzigtausend Dollars von Master Olbers.«

Sie schlug verwundert die Hände zusammen.

»Das ist ja ganz außerordentlich; das muß ich hören; bitte, erzählt, Sir!«

Er erfüllte ihre Bitte in möglichster Kürze. Als er am Schlusse bemerkte, daß die Terzerone draußen stehe, sprang sie auf und eilte hinaus.

»Sarah!«

»Ma'am!«

»Wirst Du mir wieder fortgehen?«

»Nie!« weinte das Mädchen.

»So bleib und denke daran, daß es nirgends so gut ist wie bei Mutter Smolly!«

Zu Forster zurückgekehrt, berichtete sie ihm von Marga, die täglich herübergekommen sei und nur von ihm gesprochen habe.

Er hörte ihr mit glücklichem Lächeln zu, bat sie, seine Ankunft morgen früh noch zu verschweigen und begab sich dann hinauf in seine Wohnung, wo er bald dem wohlverdienten Schlafe in die Arme sank.

Als er erwachte, stand die Sonne bereits hoch am Himmel. Drüben waren die Fenster und die Balkonthür geöffnet. Marga saß, mit einer Arbeit beschäftigt, auf dem letzteren, und er bemerkte, wie fleißig ihre Augen zu seinen Fenstern herüberschweiften.

Da kam auch der Bankier und brachte die Zeitungen. Sie theilten sich in die Blätter und lasen.

»Wie schön sie ist, wie schön, rein und gut! Sie könnte nie eine Gräfin Hernano sein!«

Er machte so schnell wie möglich Toilette, nahm dann das Opernglas und stellte sich beobachtend hinter die Gardinen. Da zuckte sie zusammen; eine tiefe Röthe glitt über ihr schönes Angesicht, die Hand fuhr nach dem Herzen und ihre Augen flogen herüber zu ihm. Im Nu stand er auf dem Balkon und grüßte.

»Papa!« rief sie so laut, daß er es hörte, und erhob zeigend den Arm.

Olbers blickte herüber und sprang überrascht vom Stuhle empor.

»Sir – ah, herüber, herüber, schnell, schnell!«

Forster nickte zustimmend und verließ den Balkon. Drüben kamen ihm Vater und Tochter bereits auf dem Korridor entgegen.

»Willkommen, Master Forster! Kommt nur rasch herein! Wie ists gegangen?«

Er trat ein, zog die Brieftasche hervor und öffnete sie.

»Wollt Ihr einmal diese Papiere betrachten, Master Olbers?«

»Ja. Ah – meine Wechsel und Anweisungen! Ists möglich? Marga, es ist nichts verloren, kein Penny, kein einziger!«

»Auch ich habe mein Geld wieder. Und hier, bitte, lest einmal dies!«

Der Bankier warf einen Blick auf die Bogen, riß sie ihm dann aus der Hand und trat damit zum Fenster.

»Grants, Empressario's, – zehn Legua's! Master Forster, das ist unglaublich, das ist ja ein ganzer Staat, ein ganzes Territorium!«

»Und doch ists wahr! Das Land kostet mich keinen Dollar; ich habe es geschenkt erhalten.«

»Geschenkt? Einen Werth von Millionen? Erzählt, wenn ich es glauben soll!«

Er mußte berichten und that es hier mit der größten Ausführlichkeit. Mit athemloser Spannung hörte man ihm zu. Als er geendet hatte, erhob sich Olbers und faßte seine Hand.

»Master Forster, Ihr seid nicht nur ein Dichter, sondern auch ein ganzer Mann! Marga, wer hätte das gedacht, als wir ihn zum ersten Male trafen! Ihr seid reich, zehnmal reicher als ich, Sir. Wie soll ich Euch danken? Mit Geld kann ich es nicht!«

Da erhob sie sich. Im Vollgefühle des Glückes, welches seine Rückkehr ihr bereitete, überwand sie die weibliche Scheu und trat zu Forster.

»Papa, ich weiß, wie wir ihm danken können. Darf ich Dir es zeigen?«

»Thue es, mein Kind!«

Da legte sie die Arme um den Geliebten und bot ihm die schönen Lippen zum Kusse dar.

»So, Papa! Darf es so sein und so bleiben?«

Der Bankier war so vollständig überrascht, daß er die Antwort vergaß. In diesem Augenblicke öffnete sich die Thür und Tim Summerland trat ein.

»Wer wollte mich besuchen und ist nicht gekommen? Daheim ist er auch nicht, und da – – by god, die haben sich beim Kopfe, da ist der alte Trapper überflüssig!«

Er wollte sich schleunigst zurückziehen, wurde aber von Olbers, der mittlerweile sich in die Gegenwart gefunden hatte, noch rechtzeitig beim Arme ergriffen.

»Bleibt, Master Summerland, denn wir haben Verlobung, jetzt zwar nur unter uns, aber die Sache wird wohl auch noch festlicher arrangirt werden!«

»Verlobung? Na, ich gebe meinen Segen auf der Stelle dazu, denn, Master Olbers, die Zwei da passen zu einander so gut und vielleicht gar noch ein weniges besser wie Jakob und Judith, um die er volle vierzehn Jahre gefreit hat, die Monate und Tage gar nicht mitgerechnet; das ist so sicher wie meine Mütze!« – – –[615]

Quelle:
Ein Dichter. Eine Erzählung aus den Vereinigten Staaten von Karl Hohenthal. In: All-Deutschland! 3. Jg. 1879. Heft 16–20. Stuttgart (1879). Nr. 39, S. 612-616.
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