II.

Gerettet

Dieser Versuch wurde zwar gemacht, aber er gelang nicht; wir konnten nicht einschlafen und machten uns um Mitternacht auf den Weg, nachdem wir die Pferde festgebunden hatten. Wir schlichen uns natürlich mit der größten Vorsicht an, mußten aber zu unserer Ueberraschung finden, daß diese Mühe vergeblich gewesen war – – – die Sioux waren nicht mehr da.

Wo waren sie hin? Auf den verlassenen Feuerstätten lagen noch einige zwar ausgegangene aber nur halb verbrannte dürre Aeste; wir zündeten sie wieder an, um sie als Fackeln zu benutzen und mit ihrer Hülfe nach Spuren zu suchen. Da fanden wir, daß die Roten über die Prairie hinüber waren, ihren Kriegszug also fortgesetzt hatten.

»Uff!« sagte Winnetou. »Die Squaw hat in ihrer Angst verraten, daß wir hier sind; sie hat den Sioux mit uns gedroht und ihnen gesagt, daß wir sie und ihre Kinder retten werden. Darum sind die roten Krieger schnell fort, damit wir ihnen den Ueberfall der Upsaroka's nicht vereiteln können. Wir reiten ihnen rasch nach. Wenn wir ihre Fährte während der Nacht auch nicht sehen können, wenn es Tag geworden ist, werden wir sie schon finden.«

Ich war vollständig mit ihm einverstanden. Wir eilten zu unseren Pferden und stiegen auf, um auf demselben Wege zurückzureiten, den wir seit unserm Zusammentreffen mit der Squaw gekommen waren. Da wir die Gegend also kannten, machte es uns trotz der Dunkelheit keine Schwierigkeit.


Die eine Hand fest um ihre Kehle, mit der andern einige Hiebe an die Schläfe, ...
Die eine Hand fest um ihre Kehle, mit der andern einige Hiebe an die Schläfe, ...

Wir ritten sehr schnell, schneller, als die Sioux reiten konnten, weil sie keine Kenntnis von dem Terrain besaßen. Sie waren höchst wahrscheinlich nicht lange vor uns aufgebrochen, und so durften wir hoffen, sie in nicht zu langer Zeit einzuholen. Wir waren für diesen Fall entschlossen, alles, aber auch das Gefährlichste zu wagen.

Es dauerte leider nicht lange, so kamen wir an den Punkt des Zusammentreffens mit der Squaw, und von da an war die Gegend auch uns nicht mehr bekannt; aber schon nach zwei Uhr lichtete sich der Himmel; es war nicht mehr so dunkel wie vorher, und wir konnten die Pferde ausgreifen lassen. Kurze Zeit später war der Erdboden zu erkennen; das gab uns die Möglichkeit, nach der Fährte zu suchen. Hammerdull und Holbers ritten geradeaus: ich wendete mich nach rechts, Winnetou sich nach links; in zehn Minuten wollten wir wieder zusammentreffen. Ich fand nichts; aber als ich wieder zu den drei andern stieß, hatte der Apatsche die Spuren entdeckt; wir folgten ihnen, und zwar sehr vorsichtig, denn sie waren noch keine Viertelstunde alt.

Die Gegend war sehr bergig geworden. Wir kamen durch einen Wald. Als wir das Ende desselben erreichten, gab es einen ebenen Streifen, vor uns offen, rechts mit Büschen besetzt. Die Sioux befanden sich eben jetzt auf diesem Streifen, und da er eine ansteigende Lehne bildete, konnten wir jeden einzelnen Reiter unterscheiden. Sie ritten auf eine steile Höhe zu, welche von zwar lichten aber sehr breitgipfeligen Bäumen bestanden war. Ueber diese Höhe führte eine Art natürlicher Schneuße, ein baumarmer, schmaler Streifen, auf welchen die Roten zu lenkten. Indem wir sie abzählten, bemerkten wir Zweierlei, etwas uns Willkommenes und etwas uns Ueberraschendes. Das Willkommene war, daß die beiden Anführer allein ritten, und zwar eine ziemliche Strecke hinter den andern her. Das Ueberraschende bestand darin, daß die Squaw und ihre Söhne nicht bei ihnen waren.

»Die Sioux haben sie gar nicht mitgenommen, sondern mit den Schlangen in die Cache geworfen,« sagte ich. »Wir müssen schnell wieder zurück; aber da wir nicht wissen, wo die Cache liegt, muß Folder es uns sagen. Wir nehmen ihn und ›Langen Leib‹ gefangen. Wir müssen ihnen dort auf der Höhe zuvorkommen; also Galopp da nach den Büschen rechts, daß sie uns nicht sehen!«

Winnetou hatte, wie gewöhnlich, ganz dieselben Gedanken wie ich gehabt; er flog, ohne meine Worte ganz anzuhören, uns schon voran, und wir folgten ihm so schnell, wie unsere Pferde laufen konnten; die Sträucher verschwanden nur so hinter uns.

Als wir den Fuß der Höhe erreichten, waren wir überzeugt, daß die Sioux auf ihrem offenen Terrain auch noch nicht weiter waren. Wir sprangen von den Pferden. Hamerdull und Holbers sollten sie und unsere Gewehre halten, also hierbleiben, während Winnetou und ich unter den Bäumen, also von den Roten ungesehen, die Höhe zu Fuße zu ersteigen hatten. Das ging mit langen Schritten und Sprüngen die Höhe schnell bergan, wobei wir, um ruhiges Blut zu behalten, den Atem sorgfältig einteilten. Auf halber Steilung angekommen, wendeten wir uns mehr nach links, in schief emporstrebender Richtung der Schneuße zu. Als wir den Rand derselben erreichten, ritten die Sioux eben vorüber. Wir standen hinter einem über mannshohen, breiten Felsenstück. Jetzt trat eine Pause ein, nach welcher wir die beiden zurückgebliebenen Anführer kommen hörten. Als sie den Felsen passiert hatten, flüsterte Winnetou mir zu:

»Du den Weißen, ich den Roten!«

Wir schnellten unhörbar hinter ihnen her; ein kräftiges Ausholen, ein gelungener Sprung, und wir befanden uns hinter ihnen auf den Pferden. Die eine Hand fest um ihre Kehle, mit der andern einige Hiebe an die Schläfe, und sie glitten, indem wir nachhalfen, in bewußtlosem Zustande von ihren Pferden herab, die allerdings nicht stillstehen sondern davonrennen wollten. Ein solcher Ueberfall von hinten auf das Pferd ist gar nicht leicht; man bringt es nur nach langer Uebung fertig. Nun wandten wir unsere Lassos auf, banden damit die Gefangenen wie Säcke quer über ihre Pferde fest, nahmen diese bei den Zügeln und führten sie den Berg wieder hinab. Das war alles so schnell und vorsichtig gegangen, daß, als wir bei unsern Gefährten ankamen, wohl kaum eine ganze Viertelstunde vergangen war.


Unten lag die Squaw, jetzt wieder in Krämpfen und schwer mit dem Atem ringend.
Unten lag die Squaw, jetzt wieder in Krämpfen und schwer mit dem Atem ringend.

Nun ging es wieder durch die Büsche zurück, nach dem Walde und dann immer weiter, bis wir sahen, daß die Entführten wieder zu sich kamen; da hielten wir an. Sie erschracken nicht wenig, als sie bemerkten, daß sie nicht mehr bei ihren Sioux sondern gefangen waren. »Langer Leib« erkannte uns sofort. Folder wollte mit Grobheiten um sich werfen; da hielt ich ihm den Revolver vor und sagte:

»Still, Hallunke, sonst schieße ich Dich augenblicklich nieder! Wir wollen die Upsaroka-Squaw und ihre Kinder haben, und Du wirst uns die alte Cache zeigen, in welcher sie stecken. Wenn ihnen die Schlangen nur den geringsten Schaden zugefügt haben, so ist der heutige Tag der letzte Euers Lebens; das schwöre ich, Old Shatterhand, Dir zu!«

»Cache – – – –? Schlangen – – –?« fragte er, nach einer Ausrede suchend.

»Schweig, sonst bekommst Du die Kugel! Ihr setzt Euch jetzt richtig auf die Pferde und werdet da fest angebunden. Dann reiten wir weiter. Wer nur einen Versuch des Widerstrebens macht, ist einen Augenblick später ein toter Mann!«

Auch wenn sie diese Drohungen nicht hätten beachten wollen, wären sie durch den unerbittlichen Blick, mit dem das Auge des Apatschen an ihnen haftete, zum widerstandslosen Gehorsam veranlaßt worden. Wir fesselten sie auf ihre Pferde und ritten dann mit ihnen weiter, vermieden aber den bisherigen Weg, um den Sioux die Verfolgung möglichst schwer zu machen; denn daß diese ihre Führer vermissen, sie suchen und uns dann nachreiten würden, das verstand sich ganz von selbst. Ihr Ritt nach dem Jagdgebiete der Upsaroka's wurde dadurch nicht nur eine Weile aufgeschoben, sondern wahrscheinlich auch ganz un möglich gemacht.

Ueber den jetzigen Rückweg ist weiter nichts zu erwähnen, als daß wir uns auf demselben selbstverständlich möglichst beeilten. Es mochte gegen acht Uhr Morgens sein, als wir auf dem gestrigen Lagerplatze der Ogallalah wieder ankamen. Als ich Folder nun aufforderte, uns nun zu zeigen, wo die Mutter mit ihren Kindern zu finden sei, sagte er mit einem brutal höhnischen Lachen:

»Ich habe Euch noch nie gesehen, aber genug von Old Shatterhand und Winnetou gehört, um zu wissen, daß Ihr nie richtet, ohne vollgültige Beweise zu haben. Ich habe von Euch nichts zu fürchten, denn ich bin unschuldig. Ich weiß von keiner Squaw etwas und von ihren Kindern noch viel weniger.«

»Well! Ein offenes Geständnis hätte Euch genützt; da Ihr leugnet, habt Ihr keine Gnade zu erwarten. Wir haben gestern da im Gesträuch gesteckt und alles gesehen und gehört; wir werden die Gesuchten sicher finden. Will nicht wenigstens Tanschan Honska aufrichtig sein?«

Der Sioux, an den ich diese Frage gerichtet hatte, schüttelte den Kopf und antwortete stolz:

»Tantschan Honska führt nicht mit Weibern und mit Kindern Krieg; er wird kein Wort darüber sprechen.«

»Well, so werden wir suchen!«

Es verstand sich ganz von selbst, daß von hier aus nach der Cache Spuren führten; wir hatten sie heut Nacht nicht sehen können, sonst wären wir den Sioux nicht nachgeritten, ohne vorher die Grube zu suchen. Wir brauchten jetzt nur die Augen aufzuthun, um eine Fährte zu entdecken welche erst am Rande des Waldes hin und dann in diesen hinein führte. Es waren die Spuren menschlicher Füße und zweier Pferde. Die Sioux hatten zwei Krieger mit ihren Pferden hier gelassen, um die Cache bis zur Rückkehr der Schar zu bewachen. Schon wollte ich, während wir den Stapfen folgten, wegen diesen zwei Wachen zur Vorsicht mahnen, als ich die Spitze eines Moccassin hinter einem Baum hervorragen sah. Ich ging hin. Da stand der ältere der beiden Knaben, mit einem Messer in der Hand. Er hielt uns für Feinde, weil er uns nicht kannte.

»Du bist der Sohn des Häuptlings der Upsaroka«, sagte ich. »Ich bin Old Shatterhand, und da ist Winnetou, der Häuptling der Apatschen. Wo ist Deine Mutter und wo Dein Bruder.«

»Uff!« rief er erleichtert aus. »Old Shatterhand und Winnetou! Mutter hat uns gesagt, daß Ihr uns retten wollt. Sie wird sterben, denn die Schlangen haben sie gebissen. Wir suchen nach Giftkraut, können aber hier keins finden.«

Die Thränen traten dem wackeren Sohne in die Augen.

»Führe uns!« forderte ich ihn auf. »Vielleicht ist noch Hülfe möglich.«

»Nein; Mutter stirbt,« sagte er weinend. »Sie zittert am ganzen Leib und schlägt um sich; oft liegt sie schon wie tot; dann erwacht sie wieder, um zu beten. Wo sie gebissen wurde, ist alles geschwollen und dunkel gefärbt. Sie wird sterben, aber ich, ich werde sie rächen! Kommt!«

Er führte uns vielleicht zweihundert Schritte weiter; da blieb er stehen und sagte:

»Horcht! Sie spricht.«

Wir lauschten und hörten die Stimme der Frau wie aus einer Höhle heraus:

»Machpiya ekta token nitawatschin etschongpi king maka akan hetschen etschongpi nongue – – wie dein Wille im Himmel geschieht, so geschehe er auch auf Erden!«

Sie betete das Vater unser. Wir gingen noch einige Schritte, bogen um eine dichte Baumgruppe und standen dann vor der Cache. Sie war vielleicht acht Fuß tief, sechs Fuß lang und breit und mit Rundhölzern ausgekleidet, um sie vor der Feuchtigkeit und dem Einsturz zu bewahren. Der aus ebensolchen Hölzern bestehende und mit Moos bekleidete Deckel war jetzt abgenommen und lag auf der Seite. Solche Gruben wurden von den Jägern und Fallenstellern angelegt, um die erbeuteten Felle bis zur Zeit ihres Abholens zu verstecken.

In der Nähe sahen wir zwei Pferde angebunden; zwei Gewehre lehnten dabei, und an zwei Aststumpfen sahen wir – – – zwei frische, blutige Kopfhäute hängen.

»Von wem sind diese Skalpe?« fragte ich schnell und verwundert.

»Von den beiden Sioux, welche uns bewachten. Ich werde Old Shatterhand und Winnetou alles erzählen,« antwortete der Knabe, indem seine Augen stolz aufleuchteten. »Jetzt bitte ich die berühmten, großen Krieger, zuerst nach der Mutter zu sehen!«

Indem wir in die Grube schauten, bemerkten wir zunächst eine abgebrochene, junge Fichte, welche den Knaben als Leiter diente. Unten lag die Squaw, jetzt wieder in Krämpfen und schwer mit dem Atem ringend. Bei ihr saß ihr jüngerer Sohn; er hatte ihren Kopf in seinem Schoße und weinte. Im entgegengesetzten Winkel lagen mehrere Riemen und drei große, vollständig ausgewachsene Klapperschlangen, welche nun tot waren. Ich sprang mit Winnetou hinab. Wie wir bei gleichen Veranlassungen fast stets auch die gleichen Gedanken mit einander hatten, ebenso jetzt: wir sahen zunächst nicht nach der Frau sondern nach den Schlangen. Sie waren durch Erwürgung getötet worden. Ihre fast zwei Meter langen Körper zeigten, mehr in der Nähe des Kopfes als hinten, zahlreiche kleine, wie von einer Stopfnadel herrührende Löcher in der Haut, doch mußte man sehr scharf hinsehen, um sie zu bemerken. Ich nickte dem Apatschen befriedigt zu, und er antwortete mit einem frohen Lächeln; Worte brauchten wir nicht.

Nun wendeten wir uns zu der Frau. Die Krämpfe hatten plötzlich nachgelassen; sie lag nun bewußtlos. Wir fanden an ihren Beinen bis zum Knie herauf, an ihren Armen und besonders an den Händen die Spuren von Bissen, deren Umgebung zwar, aber nicht stark, angeschwollen und blau gefärbt war, also nicht so dunkel, wie ihr Sohn gesagt hatte. Sie durfte nicht länger in der Grube liegen. Wir hoben sie so hoch empor, daß Hammerdull und Holbers sie vollends hinausnehmen konnten; dann stiegen wir mit dem jüngeren Knaben nach. Ich wendete mich zu Folder, welcher mit »Langer Leib« gefesselt neben der Cache lag:

»Siehst Du, Schurke, daß wir Dein Geständnis nicht gebraucht haben! Wo sind die andern drei Schlangen?«

»Ein Sioux hat den Ledersack, in welchem sie stecken, auf dem Pferde,« antwortete er.

»So hast Du sie also für den Häuptling der Upsaroka mitgenommen. Aber Deine Berechnung war eine falsche. Die Squaw hat wohl zwanzig Bisse erhalten, wird aber doch nicht sterben, weil die Giftdrüsen leer gewesen sind. Die in dem Ledersack eng zusammengedrückten und darüber zornigen Schlangen haben sich unter einander selbst gebissen, wie wir jetzt an ihren Häuten gesehen haben und dadurch wurde der Giftvorrat erschöpft. Deine Lage wird dadurch freilich nicht verbessert, denn Du wirst trotzdem als Mörder behandelt werden.«

»Was geht denn Euch das an, was ich mit den Roten vorhabe? Ihr wollt Euch doch nicht etwa als Richter über mich aufspielen? Das müßte ich mir verbitten! Ich verlange, von Euch freigelassen zu werden!«

»Warte das ab, Bursche! Du wirst noch froh sein, wenn wir uns als Richter Deiner erbarmen.«

»Das bildet Euch nicht ein! Ich würde lieber sterben, als mich unter Euer Urteil stellen.«

»Gut, merke Dir das! Wir sind mit einander fertig.«

Da ihre Mutter noch bewußtlos war, mußten die Knaben uns nun erzählen, was sich nach unserer Entfernung vom gestrigen Lauscherposten ereignet hatte. Das war folgendes:

Man hatte nach etwaigen Begleitern der Squaw gesucht, aber niemand gefunden. Sie hatte dann mit heißer Angst und unablässig um das Leben ihrer Kinder gefleht, doch vergeblich. Sie hatte mit der Rache ihres Mannes gedroht, und als dies nur ein Gelächter Folders zur Folge gehabt hatte, war sie in ihrer Verzweiflung so unvorsichtig gewesen, zu sagen, daß wir hier in der Nähe seien. Die Wirkung war freilich sofort eingetreten, aber leider eine entgegengesetzte: anstatt einer Aenderung ihres Schicksals war eine Beschleunigung desselben eingetreten. Man hatte sie mit ihren Kindern unter dem Scheine von Feuerbränden nach der Cache gebracht, diese geöffnet und von den Klapperschlangen drei hinabgeworfen; dann waren die drei Unglücklichen, an Händen und Füßen gefesselt, hinabgelassen worden. Hierauf war Folder aus Besorgnis vor uns mit den Sioux aufgebrochen. Er wollte die Upsaroka's ausrauben, so viele wie möglich von ihnen töten und ihren Häuptling lebendig hierherbringen, um ihn dem Schicksale seines Weibes und seiner Kinder zu weihen. Aus diesem Grunde hatte er zwei Krieger zur Bewachung der Grube zurückgelassen. Diese hatten Angst gehabt, von uns entdeckt zu werden, und sich, sobald es Tag geworden war, von hier entfernt, um nach uns zu forschen. Inzwischen hatte sich hier in der Grube ein Beispiel selbstlosester, aufopfernster Mutterliebe ereignet, wie es bewundernswerter gar keines geben kann. Die Knaben hatten sich in einer Ecke eng zusammengedrückt und sich aus Furcht vor den Schlangen vollständig bewegungslos verhalten. Die Mutter aber hatte, um ihre Kinder von dem schrecklichen Tode zu erretten, den ihre Hände zusammenhaltenden Riemen mit den Zähnen zernagt und, als sie dadurch die Arme frei bekam, im Finstern nach den Schlagen gesucht, um sie unschädlich zu machen, was nur dadurch geschehen konnte, daß sie eine nach der andern erwürgte. Daß sie dabei selbst und zwar viele Male gebissen wurde, kam bei ihr nicht in Betracht.

Als die dritte Schlange tot war, knotete die Squaw ihren Söhnen mit größter Mühe die Fesseln los, dann brach sie zitternd, fröstelnd, schwindelnd und fiebernd zusammen. Kurze Zeit später graute der Tag. Da sich kein Wächter sehen ließ, stieg der eine rote Boy auf die Schultern des andern, schwang sich hinaus und brach die schon erwähnte junge Fichte ab, mit deren Hülfe der Bruder nachfolgte.

Kaum war das geschehen, so kam der eine Posten zurück; sie hörten ihn und versteckten sich. Er hatte unsere Spuren entdeckt und an ihnen ersehen, daß wir fort waren; nun fühlte er sich sicher. Er band sein Pferd an, lehnte sein Gewehr an einen Baum und ging zur Grube, um hinabzusehen; als er nur die Squaw bemerkte, fuhr er erschrocken zurück. Mittlerweile war der ältere Bruder zu dem Baum gehuscht, hatte das Gewehr ergriffen, spannte den Hahn, zielte auf den Sioux und schoß ihn nieder. Hierauf zog er ihm das Messer aus dem Gürtel und schnitt ihm, wenn auch nicht so leicht und regelrecht wie ein erwachsener Krieger, den Skalp herunter. Dann wurde der Tote fortgeschafft und versteckt.


»Hier sitzt Winnetou der Häuptling der Apatschen, es ist Friede!«
»Hier sitzt Winnetou der Häuptling der Apatschen, es ist Friede!«

Nun luden die Brüder das Gewehr wieder, um auch den zweiten zu erschießen. Das sollte der jüngere thun, der auch einen Skalp haben wollte. Der Sioux kam nach einiger Zeit und wurde in den Kopf geschossen, skalpiert und zu dem andern Toten geschleift. Jetzt waren die jungen Indsmen Herren des Platzes und konnten sich um ihre Mutter bekümmern. Der eine stieg hinab zu ihr, damit sie nicht allein sei; der andere ging um das giftverzehrende Schlangenkraut zu suchen. Dabei fanden wir ihn. Daß jeder der Knaben einen Skalp erbeutet hatte, das sicherte ihnen nicht nur volle Straflosigkeit von seiten ihres Vaters zu, sondern machte sie auch zum Eintritt in die Reihen der jungen Krieger würdig. Sie waren außerordentlich stolz darauf; man sah es ihnen an, wie sie vor Freude und Mut strahlten.

Nun wir die Hauptsache erfahren hatten, galt es vor allen Dingen, zunächst für die Squaw zu sorgen und uns dann auf die Rückkehr der Sioux vorzubereiten. Mir war es, als ob ich Schlangenkraut vorhin draußen am Lagerplatze hätte stehen sehen. Ich sagte dies Winnetou, und er forderte mich auf, es ihm zu zeigen. Wir gingen hinaus. Indem wir darnach suchten, stieß der Apatsche ein lautes »Uff!« aus und sprang unter die Bäume; ich folgte ihm schnell. Wir sahen eine sehr beträchtliche Reiterschar auf uns zukommen. Als sie sich uns so weit genähert hatte, daß wir die Kriegsfarben erkennen konnten, rief Winnetou:

»Das ist Uandutschka sapa mit seinen Upsaroka's. Sie halten sich für unsere Feinde; wir aber wollen uns den Scherz machen, uns von ihnen umzingeln zu lassen.«

Wir traten also wieder hinaus ins Freie. Kaum sahen sie uns, so ließen sie ihr Kriegsgeschrei hören, kamen herangejagt und schlossen uns ein.

»Uff, uff!« rief die »Schwarze Schlange«. »Old Shatterhand und Winnetou! Nehmt diese Hunde fest damit wir den Marterpfahl mit ihnen zieren!«

Winnetou setzte sich nieder, stieß die Klinge seines Messers in den Rasen und sagte:

»Hier sitzt Winnetou, der Häuptling der Apatschen; er gräbt das Messer des Krieges in die Erde, es ist Friede!«

Ich setzte mich neben ihn, deutete mit der Hand nach der betreffenden Richtung und forderte die »Schwarze Schlange« auf:

»Der Häuptling der Upsaroka's will die Sioux Ogallalah fangen. Er ist auf einem falschen Wege nach den Rattlesnake-Bergen geritten und wieder umgekehrt, weil er die Spuren der Sioux gefunden hat, welche nach seinen Jagdgründen wollen. Er ist diesen Spuren bis hierher gefolgt. Wir wollen ihm die Anführer der Sioux als seine Gefangenen schenken. Wenn er sie haben will, mag er der Spur folgen, welche dort links in den Wald hineinführt!«

»Uff!« rief er aus. »Das kann nichts anderes sein als ein Verrat!«

»Sind Winnetou und Old Shatterhand Verräter? Kann man uns eine einzige Lüge nachweisen? Hier sitzen wir, und 200 Upsaroka's haben uns umringt. Sie mögen uns töten, wenn es sich herausstellt, daß wir Dich betrügen wollen! Du wirst nicht nur finden, was ich sagte, sondern noch viel, viel mehr.«

»Uff! Ich thue das, was Du gesagt hast, aber wehe Euch, wenn Deine Worte trügerisch sind! Es werden, bis ich wiederkehre, zweimal hundert Gewehre auf Euch gerichtet sein.«

Er stieg vom Pferde und ging; er war zu stolz und zu mutig, Begleitung mitzunehmen; aber seine Leute hielten alle ihre Gewehre so, daß wir in die Läufe sehen konnten. Wir waren ohne Sorgen, denn wir kannten den Erfolg. Es vergingen zehn Minuten und nochmals zehn; da kehrte er zurück. Ein Wink von ihm, und die Gewehre wurden von uns abgewendet. Er trat zu uns und sagte:

»Meine Brüder haben Recht gehabt: es ist Friede. Wir hielten Old Shatterhand und Winnetou für unsere Feinde, sie aber haben uns bewiesen, daß sie unsere Brüder sind. Sie haben ihr Leben für meine Squaw und meine Söhne gewagt, und meine Söhne sind durch sie zu Kriegern geworden; wir werden das Kalummet des Friedens mit ihnen rauchen.«

»Aber jetzt nicht sondern später,« fiel ich ein. »Die Sioux Ogallalah können jeden Augenblick da drüben jenseits der Prairie erscheinen; sie dürfen Euch nicht sehen. Deine Krieger mögen sich im Walde verstecken; dann wird Euer Sieg ein leichter sein.«

»Uff! Du meinst, daß sie zurückkommen?«

»Ja. Ich sage es, und so wird es auch geschehen. Sei klug, und folge meinem Rate!«

Er war freilich so gescheidt, ihn zu befolgen. Seine Krieger zogen sich mit ihren Pferden in den Wald zurück, so daß niemand mehr zu sehen war; wir aber gingen mit ihm zu seinem Weibe, welches er, wie wir bald bemerkten, so liebte, wie ich es von ihm, dem Indianer, gar nicht für möglich gehalten hätte.

Die Freude, ihn zu sehen und keine Vorwürfe von ihm zu bekommen, wirkte so günstig auf die Frau, daß sie jetzt keine Schmerzen fühlte. Als sie hörte, daß ein blutiger Kampf bevorstehe, bat sie ihn, es nicht so weit kommen zu lassen: er möge es für genug halten, daß der Ueberfall auf sein Lager abgewendet sei. Es ist selbstverständlich, daß Winnetou und ich sie dabei kräftig unterstützten. Wir legten ihm alle Gründe vor, welche für unsere friedliche Ansicht sprachen, und es gelang uns schließlich, ihn zu bewegen. Er wollte sich mit Folder, der allerdings dem Tode verfallen war, begnügen und mit dem für ihn sehr wichtigen Umstande, daß seine Söhne Skalpe erbeutet hatten und dadurch trotz ihrer großen Jugend Krieger geworden waren. Wenn man den sogenannten Wilden nimmt, wie man ihn nehmen soll, ist er ein ganz vortrefflicher Mensch.

Als infolgedessen der »Lange Leib« erfuhr, daß er nicht gefangen bleiben und am Marterpfahle sterben, sondern frei sein solle, wollte er es erst gar nicht glauben. Er wußte, wieviel Upsaroka's hinter den Bäumen steckten; er kannte die Gefährlichkeit meines fünfundzwanzigschüssigen Henrystutzens und die Gefährlichkeit von Winnetous Silberbüchse; er konnte sich also sagen, was eine einzige unerwartete Salve von uns für eine furchtbare Verheerung unter den Sioux anrichten müsse. Und doch wollten wir auf alles, selbst auf die uns sichere Beute verzichten! Das war ihm unbegreiflich. Aber mit um so größerer Bereitwilligkeit ging er darauf ein, seine Sioux zum vollständigen und augenblicklichen Verlassen der hiesigen Gegend zu bewegen.

Wir waren grad mit ihm einig geworden, als sie am jenseitigen Rande der Prairie erschienen. Wir ließen sie ziemlich nahe kommen, und dann ging er ihnen entgegen. Sie stutzten und hielten an. Als er sie erreicht hatte, schlossen sie einen Kreis um ihn. Sie hatten wohl nicht erwartet, das zu hören, was er ihnen zu hören gab, denn wir sahen, daß sie in große Aufregung kamen.

»Sie können sich nicht in die neue politische Lage finden,« lachte Dick Hammerdull. »Dieser ›Lange Leib‹ scheint kein guter Redner zu sein. Wir hätten eigentlich Dich hinüberschicken sollen, Pitt Holbers. Meinst Du nicht auch, altes Coon?«

»Mach keine dummen Witze, lieber Dick!« antwortet der Lange. »Du weißt ja, daß ich kein Redner bin.«

»Ob Du einer bist oder nicht, das ist ganz und gar egal, denn bekanntlich sind stets diejenigen die besten Redner, welche gar nichts sagen. Doch schau, jetzt sind sie endlich fertig; der ›Lange Leib‹ kommt wieder her.«

Die Aufregung schien vorüber zu sein, denn die Sioux Ogallalah nahmen eine ruhige Haltung an. Ihr Anführer meldete uns:

»Meine Krieger würden den Beschluß nicht angenommen haben, wenn die Upsaroka's allein hier wären; aber da sie das Zaubergewehr Old Shatterhands kennen, haben sie sich entschlossen, sogleich fortzureiten und nicht wiederzukommen. Darf ich mir mein Pferd nehmen?«

»Ja,« nickte Uamduschka sapa. »Aber wisse, daß ich Euch Kundschafter nachsenden werde, welche Euch beobachten werden. Erfahre ich von ihnen, daß Ihr Euer Wort nicht haltet, so rufe ich über fünfmal hundert Krieger zusammen und vernichte Euch!«

Der Ogallalah machte eine Bewegung, welche sowohl Zustimmung wie auch Ironie bedeuten konnte, und holte sich sein Pferd. Bald darauf verschwand er mit seiner schweigend sich entfernenden Schar hinter dem Walde. Einige Upsaroka's bekamen den Befehl, ihnen nachzureiten, um sie zu beobachten.

Niemand war über diesen Ausgang der Sache so betroffen wie Folder. Er hatte die Ueberzeugung gehegt, daß es zum Kampfe kommen und dieser ihm die Freiheit wiederbringen werde. Als er erfuhr, daß es für ihn keine Hoffnung gebe und er für den Tod am Marterpfahle bestimmt sei, ließ er mich zu sich kommen und bat mich, ihn zu retten. Ich antwortete:


Die nun folgende Ceremonie der Friedenspfeife wurde mit größter Feierlichkeit vorgenommen.
Die nun folgende Ceremonie der Friedenspfeife wurde mit größter Feierlichkeit vorgenommen.

»Ihr habt gesagt, das was Ihr mit den Roten vorhabt, gehe mich nichts an; ebenso habt Ihr versichert, das Ihr lieber sterben als Euch unter mein Urteil stellen würdet. Die Folgen, welche ich voraussah, sind eingetroffen und mögen ihren Lauf nehmen.«

»Aber, Sir, Ihr könnt doch unmöglich zusehen, daß ein Weißer, ein Christ, von diesen Roten gegen alles und jedes gesetzliche Recht hingemordet wird!«

»Christ? Nehmt dieses Wort nicht in den Mund! Habt Ihr etwa an Euer Christentum gedacht, als ihr Tausenden von hungernden und frierenden Indsmen die Nahrung und Kleidung unterschlugt? Als sie sich über diesen haarsträubenden Betrug auflehnten, habt Ihr sie einfach niederschießen lassen. Was war die kurze Gefängnisstrafe für solche Missethaten? Nichts! Und was Ihr dann getrieben habt, geht mich nichts an; es handelt sich nur um Euer jetziges Verbrechen. Uamduschka sapa hatte Euch, dem Pferdediebe, das Leben geschenkt; die Hiebe waren die reine Gnade für Euch. Anstatt ihm dankbar zu sein, wolltet Ihr den vielfachen Tod in seinen Stamm tragen und – – doch genug! Es ist schade um jedes Wort. Denkt an die Cache und die Klapperschlangen! Einen so raffinierten Hallunken, wie Ihr seid, von der mehr als verdienten Strafe zu erretten, würde ein Verbrechen sein. Ihr seid kein Christ, sondern ein blutgieriger, gefühl- und gewissenloser Schurke, der unbedingt unschädlich gemacht werden muß!«

Da donnerte er derart mit Flüchen und Verwünschungen gegen mich los, daß sich mir die Haare hätten sträuben mögen. Ich entfernte mich, ohne noch ein Wort zu sagen. Dieser Mensch war keine Spur von Gnade wert.

Hatte ich mich vorher, als wir allein waren, um die Squaw sorgen dürfen, ohne dadurch meiner Kriegerehre Schaden zu thun, so stand es jetzt damit anders. Sie stand jetzt nicht mehr unter unserm Schutze, und ich konnte meine Teilnahme für sie nur dadurch beweisen, daß ich mich nach ihrem Befinden erkundigte. Der Häuptling antwortete:

»Sie liegt jetzt ruhig und schläft; ich weiß, daß sie bald wieder vollständig gesund sein wird, denn wir kennen Pflanzensäfte, welche das Schlangengift mit allen seinen Folgen aus dem Körper treiben. Mein weißer Bruder wird sie, sobald wir unsern Wigwams erreicht haben, so munter wie eine Antilope sehen.«

»Meinst Du, daß wir Euch dorthin begleiten werden?«

»Uff! Wolltet Ihr das etwa nicht thun? Das würde den berühmten Namen der Upsaroka's schänden. Sollen wir von uns sagen lassen, daß Old Shatterhand und Winnetou unsere Gastfreundschaft verachtet haben? Dann wäre es besser gewesen, Ihr hättet meine Squaw und meine Söhne sterben lassen!«

Er hatte Recht, und als ich den Apatschen darüber befragte, willigte er sofort ein, den Wunsch des Häuptlings zu erfüllen.

Die nun folgende Ceremonie der Friedenspfeife wurde mit größter Feierlichkeit vorgenommen; dann folgte die weniger feierliche Beerdigung der beiden Siouxleichen. Als Grab diente die Cache, in welcher ihre Opfer hatten sterben und verwesen sollen. Dieses Schicksal war nun ihren Wächtern geworden; es gibt keine größere Consequenz als diejenige der ewigen Gerechtigkeit.

Nun war unsers Bleibens nicht länger mehr hier am Platze; die Rückkehr mußte der Kranken wegen beschleunigt werden, für welche eine Tragbahre hergestellt und zwischen zwei Pferden befestigt wurde. Als wir fortritten, sagte der stets muntere Hammerdull zu seinem langen Freunde:

»Noch gestern Mittag gaben wir uns alle Mühe, uns weder von den Upsaroka's noch von den Siourx Ogallalah sehen zu lassen, und nun heut – – – –? Die Einen haben wir ohne Pension emeritiert, und mit den andern sind wir gar in so dicke Brüderschaft geraten, daß wir mit ihnen ziehen, um alle ihre Küchenzettel zu studieren. So ändern sich die Zeiten oft in ganz kurzer Zeit. Was sagst Du dazu, Pitt Holbers, altes Coon?«

»Ich werde gar nichts sagen sondern nur studieren,« antwortete der Gefragte in seiner trockenen Weise. »Reden ist Silber, Essen ist Gold!«

»Ob Silber oder Gold, das bleibt sich nicht nur gleich, sondern das ist sogar ganz und gar egal; ich halte es mit beiden und freue mich nebenbei und außerdem auch auf die Theater, Bälle, Conzerts, Hochzeiten, Kindtaufen, Kirchweihen und was es sonst noch alles geben wird.«

Wenn es auch nicht die Vergnügungen gab welche der Dicke hier scherzweise aufgezählt hatte, so kann ich doch sagen, daß die Gastfreundschaft der Upsaroka's als wir deren Wigwams erreicht hatten, alles Mögliche aufbot, um zu beweisen, daß sie es mit der Pfeife des Friedens ernst und aufrichtig gemeint hatten. Das einzige Ereignis, an welchem wir uns nicht beteiligten, war der »Tod am Marterpfahle«, durch welchen einer der größten Indianerquäler, Folder, seine Schandthaten zu büßen hatte. Ich bin im Leben nie mitleidslos gewesen, aber wenn ich diesem Menschen das Leben durch ein einziges Wort oder eine Handlung in die Rechte des Squaw hätte erhalten können, ich hätte es doch nicht ausgesprochen.

Was die Squaw betrifft, so traf ein, was der Häuptling von ihrer schnellen Genesung gesagt hatte; sie konnte schon nach einigen Tagen das Zelt verlassen und war nach einer Woche so gesund wie vor den Schlangenbissen. Den drei von ihnen erwürgten Rattlesnakes waren die Häute abgezogen worden, welche die Frau als Andenken an jene schreckliche Nacht behalten wollte. Während eines spätern Besuches bei den Upsaroka's sah ich, daß sie diese Häute als Schmuck in ihre lang herabfallenden Zöpfe eingeflochten hatte. Noch heute, nach so langer Zeit, denke ich, wenn von Mutterliebe gesprochen wird, an diese Indianerin und möchte ihr Beispiel jedem Menschen vorhalten, welcher das Vorurteil hegt, daß nur die weiße Rasse tieferen Gefühlen zugänglich sei. – – –

Quelle:
Mutterliebe. Reiseerinnerung von Dr. Karl May. II. Gerettet. In: Einsiedler Marien-Kalender 1899. Einsiedeln, St. Ludwig (1898) (Ohne Paginierung).
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Die Serapionsbrüder

Als Hoffmanns Verleger Reimer ihn 1818 zu einem dritten Erzählzyklus - nach den Fantasie- und den Nachtstücken - animiert, entscheidet sich der Autor, die Sammlung in eine Rahmenhandlung zu kleiden, die seiner Lebenswelt entlehnt ist. In den Jahren von 1814 bis 1818 traf sich E.T.A. Hoffmann regelmäßig mit literarischen Freunden, zu denen u.a. Fouqué und Chamisso gehörten, zu sogenannten Seraphinen-Abenden. Daraus entwickelt er die Serapionsbrüder, die sich gegenseitig als vermeintliche Autoren ihre Erzählungen vortragen und dabei dem serapiontischen Prinzip folgen, jede Form von Nachahmungspoetik und jeden sogenannten Realismus zu unterlassen, sondern allein das im Inneren des Künstlers geschaute Bild durch die Kunst der Poesie der Außenwelt zu zeigen. Der Zyklus enthält unter anderen diese Erzählungen: Rat Krespel, Die Fermate, Der Dichter und der Komponist, Ein Fragment aus dem Leben dreier Freunde, Der Artushof, Die Bergwerke zu Falun, Nußknacker und Mausekönig, Der Kampf der Sänger, Die Automate, Doge und Dogaresse, Meister Martin der Küfner und seine Gesellen, Das fremde Kind, Der unheimliche Gast, Das Fräulein von Scuderi, Spieler-Glück, Der Baron von B., Signor Formica

746 Seiten, 24.80 Euro

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Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

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Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Für den dritten Band hat Michael Holzinger neun weitere Meistererzählungen aus dem Biedermeier zusammengefasst.

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