1.

[50] Unser Herr Christus und der heilige Petrus übernachteten einmal bei einem groben Bauer in Schwaben. Wie nun der Tag eben graute, war der Bauer schon auf den Beinen, denn er wollte gerade sein Korn dreschen. Da weckte er seine Leute und gieng auch zu den Fremdlingen, die er beherbergte, und schrie: »Uff, zur Arbet! mer wöllet drescha!« Aber die regten sich nicht und blieben ruhig in ihrem Bett liegen. Deshalb schrie der Bauer nach einer Weile zum zweiten Male: »Kotz Blitz Element! sind iahr no nit ussam Bett, ihr Drümmler iahr! haun i deretweagan ui b'halta, daß iahr faullenza söllet! I muoß jo huit, bim Blitz! meih schreia, as Gotts Willa is.« – Als sie aber immer noch nicht aufstanden, nahm der Bauer seine Peitsche und haute den ersten, der vorn im Bett lag, – und das war der Petrus, – recht tüchtig durch. Allein weil der Meister nicht aufstand, so blieb auch Petrus liegen und verließ ihn nicht. – Da hörte Petrus auf's Neue den Bauer kommen und sagte: »ach lieber Meister, leg Du Dich vornhin, sonst krieg ich noch einmal Schläge!« – »Wie Du willst,« sprach Christus, und ließ den Petrus hinten liegen.

Als der Bauer nun mit der Peitsche hereintrat, sprach er: »Hätt' i nu dia Schloafmützan it b'halta! Wött iahr bei-nem Baura schloafa, so deand au schaffa, sust geit's Stroafa! Vorig haun i's dem vordera gean, dees moal g'hairts dem hintera!« Und dabei schlug er auf den armen[50] Petrus los, der hinten lag, also, daß der beide Mal die Prügel bekam. – Als der Bauer fort war, sprach Christus zu Petrus: »an diesen Schlägen bist Du selber Schuld; Du willst ja klüger sein als ich.«

Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksmärchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, S. 50-51.
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