Dreizehnter Auftritt

[143] Vorige, Genien, deren mehrere Schals, mehrere Federn und zwei Florentinerhüte tragen, kommen tanzend und formieren Gruppen.


LOTTCHEN. Jetzt kannst gleich dein Wort halten.

FRITZ. Wenn so ein Weibsbild einen kapriziösen Wunsch hat, so führt sie ihn aus, und wenn die Erfüllung aus der Luft kommen soll! Das sind die Spinneweben, für die manches Familienglück bezahlt worden ist.

LOTTCHEN. Du bezahlst also?

FRITZ. Nu ja, sag ich: so werden wir desto eher fertig.

LOTTCHEN. Jetzt werd ich mir diese schönen Sachen auf mein Zimmer tragen lassen. Bald siehst du mich wie eine Königin geputzt bei dem Feste erscheinen! Adieu! Fripon! Geht ab, begleitet von den Genien.

FRITZ. Was hat s' gesagt? Fripon? Sie wird mich doch nicht für den Haushund ang'sehn haben. Da bin ich jetzt auf einmal in eine neue Welt versetzt – reicher, als ich jemals; war; ich fühle mich jetzt entsetzlich hoch, meine vorigen Bekannten kommen mir alle so klein wie die Marionetten vor: wann mir einer unterkommt, so heißt's: ich kenn dich nit. Ich habe mir manchmal g'wisse Verwandlungen der Menschen nit erklären können. Da haben wir einmal eine Köchin ins Haus bekommen, einen rechten Trampel an Leib und Seel; auf einmal steht s' aus, und acht Tage drauf begegne ich s' im seidenen Mantel, mit Federn auf'm Hut in der Hauptallee, wos' gnädig durch die Lorgnette mich anschaut! Ich hab nit begreifen können, wie sie sich so g'schwind dreing'funden hat. Jetzt merk ich's aber, so etwas mit den Kleidern kommt.


Quelle:
Das Wiener Volkstheater in seinen schönsten Stücken. Leipzig 1960, S. 143-144.
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