Siebenter Auftritt.

[498] Damöt, Sylvia.


SYLVIA.

Was willst du denn?

DAMÖT.

Ach! nichts!

SYLVIA.

Je nun, so laß mich gehn!

Ich kann vor dir allein auch nirgends gehn und stehn;

Ich mag beschäftigt seyn, mag wachen oder schlafen,

So suchst du mich doch auf, und läufst von deinen Schaafen,

Wer weis, wie viel dir schon der Wolf gefressen hat,

Ich wollte klüger seyn, wär ich an deiner Statt.

DAMÖT.

Ach nein! mein Hund wacht gut.

SYLVIA.

Wenn er nicht schläft.

DAMÖT.

Erlaube![498]

SYLVIA.

Was denn?

DAMÖT.

Daß ich – – Ich bin – – Ich bin dir gut.

SYLVIA.

Ich glaube,

Ich bin dir gleichfalls gut; doch lauf ich dir nicht nach.

Sey mir nur immer gut; doch hindre mich nicht.

DAMÖT.

Ach!

SYLVIA.

Was fehlt dir denn, Damöt?

DAMÖT.

Ich weis nicht. Nichts.

SYLVIA.

Du lügest.

DAMÖT.

Ach, du gefällst mir so.

SYLVIA.

Wenn du dich nicht betrügest.

DAMÖT.

O nein! nein, Sylvia! Ich weis wohl, was mir fehlt,

Und was für Kummer mich um deinetwillen quält.

SYLVIA.

Um meinetwillen? Wie?

DAMÖT.

Ja, ja, um deinetwillen,

Und du, und du allein kannst meine Schmerzen stillen.[499]

SYLVIA.

Ach! zeige mir nicht stets ein trauriges Gesicht,

Hab ich dir was gethan, Damöt?

DAMÖT.

Ich weis es nicht.

SYLVIA.

Du weißt es nicht?

DAMÖT.

Nein.

SYLVIA weinend.

Ach! sollt ich dich können kränken?

Du solltest nicht einmal an so was böses denken,

Ich denke stets, wie ich dich nie erzürnen will.

DAMÖT.

Ach! du erzürnst mich nicht.

SYLVIA.

Ja nun, so sey auch still!

Und mache mir nicht Angst, du willst mich nur betrüben.

DAMÖT.

Ach! was empfind ich jetzt in nie empfundnen Trieben!

Ich seh, du bist mir gram, ich muß nur gehn.


Betrübt.


SYLVIA.

Damöt!

DAMÖT.

Ach Sylvia!

SYLVIA.

Wohin?

DAMÖT.

So weit ich kann.

SYLVIA.

Er geht?[500]

Ach bleib doch immer da!

DAMÖT.

Was muß ich wieder fühlen?

O Lust! O Schmerz?

SYLVIA.

Wie schön ist es nicht hier im Kühlen.

Bleib da!

DAMÖT.

Ach Sylvia! Ich bin bestürzt, entzückt,

Bekümmert, freudenvoll, unglücklich und beglückt,

Mein Geist ist ganz betäubt, ich sinke kraftlos nieder,

Und die Verwirrung dringt durch alle meine Glieder.


Setzt sich nieder.


SYLVIA.

Damöt! ach, mein Damöt!

DAMÖT.

Ich kann nicht

SYLVIA.

Du schläfst ein?

Schlaf wohl, dein Schlaf soll nicht von mir gestöret seyn.


Sylvia ab.


Quelle:
Christlob Mylius: Vermischte Schriften. Berlin 1754, S. 498-501.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Anonym

Historia von D. Johann Fausten

Historia von D. Johann Fausten

1587 erscheint anonym im Verlag des Frankfurter Druckers Johann Spies die Geschichte von Johann Georg Faust, die die Hauptquelle der späteren Faustdichtung werden wird.

94 Seiten, 6.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Frühromantik

Große Erzählungen der Frühromantik

1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.

396 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon