Sechste Szene


[520] Thomas; Voriger.


THOMAS. Halt! Packt, indem er hinter dem Gebüsch am Ufer, wo er gelegen, sich erhebt, Puffmann am Rockschoß.

PUFFMANN erschrocken. Ha – wer da –!? Sich schnell sammelnd. Wer untersteht sich, da zu sein?

THOMAS freundlich, submiß und mit dummpfiffigem Lächeln. Ein Zimmermann, ein ordinärer Zimmermann is da im Gebüsch g'legen.

PUFFMANN. Geh' Er Seiner Weg'!

THOMAS. Wo geht denn da der Weg in die Stadt?

PUFFMANN nach links Hintergrund zeigend. Dort steht die Wegsäul'n an der Straßen.

THOMAS. Was nutzt mich so a steinerner Wegweiser, der da steht als wie ein Maulaff'; ich hätt' gern ein', der mit mir ging' – kommen S', bester Herr!

PUFFMANN. Kann Er nicht allein gehn, alberner Mensch?

THOMAS. Es ist immer besser, wenn zwei miteinander gehn.

PUFFMANN der Thomas jetzt erst mehr ins Auge faßt. Und was is denn das? Er kommt ja von der Arbeit? Indem er auf Thomas' Schurzfell und Axt deutet.

THOMAS. Freilich – hab'n S' mich etwa für ein' Kapitalisten ang'schaut?

PUFFMANN entrüstet. Er is also kein reisender Handwerksbursch?

THOMAS. Zu was reisen? Überall gut, zu Haus am besten!

PUFFMANN wie oben. Wie kann denn Er hernach um den Weg fragen?[521]

THOMAS. Lassen wir das! Puffmann freundlich, aber zudringlich am Arm nehmend. Sie gehn halt mit mir!

PUFFMANN erschrocken, für sich. Teufel! Der hat am End' gehört –! Zu Thomas. Liegt Er schon lang da?

THOMAS wichtig und mit Beziehung. Auf jeden Fall lang genug, um Abbrechend. – na, jetzt kommen S' nur mit, ich lass' Ihnen nit aus.

PUFFMANN mit steigendem Befremden, für sich. Er fangt mich solo!– Laut zu Thomas mit innerer Angst. Hat Er gehört, was dahier –

THOMAS. Ich bin grad zurecht aufg'wacht.

PUFFMANN für sich. Himmel, er weiß die Geburtsscheinverfälschung, er weiß alles!

THOMAS mit gutmütigem Ernst. Schaun S', bester Herr, so eine Tat, wie Sie –

PUFFMANN ihm mit ängstlicher Hast ins Wort fallend. Still, Freund, still! Da hat Er zehn Gulden Gibt ihm aus einer Brieftasche eine Banknote. und geh' Er!

THOMAS das Geld nehmend. Dank' vielmals, 's Geld nehm' ich, aber auslassen tu' ich Ihnen nicht.

PUFFMANN. Was wär' das?! Er Buschklepper, Räuber –

THOMAS immer freundlich und gelassen. Wenn S' glauben, so geben S' mich halt an bei der Torwacht, da werd' ich dann sagen –

PUFFMANN gute Saiten aufziehend. Herzensfreund, Zimmermann meiner Seele – bis in die Stadt gehn wir miteinander – aber dann –

THOMAS. Geht einer rechts, der andere links, denn ich hoff', bis dahin –

PUFFMANN. Aufrichtig, Freund, – kennt Er mich?

THOMAS. Nein.

PUFFMANN aufatmend. Na, da nehm' Er diese Erkenntlichkeit, Gibt ihm eine Banknote. und wenn wir auseinandergehn, kriegt Er nochmals zehn Gulden.[522]

THOMAS. Ah! – Herzlich. Jetzt g'freut's mich erst recht, daß ich so ein' guten Herrn –

PUFFMANN. Aber halt' Er Sein Mundwerk im Zaum, braver Handwerker!

THOMAS treuherzig. Na, das versteht sich – denn es machet Ihnen auf kein' Fall a Ehr' –

PUFFMANN. Gewiß nicht.

THOMAS. Also kommen S', Sie werden mir's noch danken.

PUFFMANN. Wenn Er gehn wird, aufs herzlichste.

THOMAS. Sie werden noch oft denken an mich!

PUFFMANN. Wird mir stets eine wertvolle Erinnerung bleiben. Indem er Arm in Arm mit Thomas sich zum Abgehen wendet. Deutschland, du hast durchaus nichts voraus vor Ägypten, auch hier lauern Krokodile am Uferstrand.

THOMAS. Von Ägypten woll'n S' reden? Das is das Land, welches nix als Nilpferde, Pyramiden und Traumbücheln erzeugt; gut, wir werden uns schön unterhalten unterwegs. Beide Seite links ab.

Verwandlung


Zimmer im Schlosse mit angezündetem Lüster, rückwärts führt ein Bogen rechts nach dem Speisesaal, rechts eine Seitentüre nach dem Appartement des Barons, links eine Seitentüre nach Puffmanns Zimmer.


Quelle:
Johann Nestroy: Gesammelte Werke. Ausgabe in sechs Bänden, Band 4, Wien 1962, S. 520-523.
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