Zweiter Auftritt

[10] Vorige. Lumpazivagabundus.


LUMPAZI nach der Musik. Da bin ich! Was steht zu Befehl?

STELLARIS. Du bist Lumpazivagabundus?

LUMPAZI. Der bin ich, und zugleich Beherrscher des lustigen Elends, Beschützer der Spieler, Protektor der Trinker etc. etc.; kurzum, ich bin ein Geist aus'n F.

STELLARIS. Verwegener! der du's wagtest, in das Feenreich zu dringen, ich verbanne dich von diesem Augenblick auf ewige Zeit.

LUMPAZI. Ha, ha, ha, ha, ha!


Versinkt lachend.


STELLARIS ehe er noch ganz versunken ist. Halt!

LUMPAZI kommt wieder in die Höhe. Haben mir Eu'r Herrlichkeit noch was zu sagen?

STELLARIS. Du hast meinen Urteilsspruch mit Hohngelächter erwidert?

LUMPAZI. Natürlich, weil er nichts nutzt. Ob ich da bin oder nicht, diese jungen Herren bleiben auf alle Fäll' meine getreuen Anhänger; denn meine Grundsätze leben in ihnen fort.

STELLARIS zu den Söhnen. Wie? Ihr seid nicht ernstlich entschlossen, zur Ordnung zurückzukehren?

FLUDRIBUS vortretend. Ich nehme im Namen meiner Kameraden das Wort. Wir haben den größten Teil unsers Vermögens durchgebracht, ob wir das Restel haben oder nicht, das ist uns gleichviel; darum wollen wir das auch noch verjuxen.

ALLE SÖHNE. Ja, wir wollen es verjuxen.

DIE VÄTER. Entsetzlich!

STELLARIS. Und wenn ihr nichts mehr habt, was dann?

FLUDRIBUS. Dann machen wir Schulden.

DIE SÖHNE. Wir machen Schulden!

STELLARIS. Und wenn ihr nicht bezahlen könnt, was dann?

FLUDRIBUS. Dann lassen wir uns einsperren.

DIE SÖHNE. Ja, ja, wir lassen uns einsperren.

FLUDRIBUS. Da gibt sich hernach die Ordnung von selbst.[10]

LUMPAZI sich triumphierend die Hände reibend. Das sind meine Grundsätze.

MYSTIFAX zu Stellaris. Was sagen Euer Herrlichkeit nun dazu?

STELLARIS zu den Söhnen. Wenn ihr aber wiederbekämet, was ihr liederlicherweise verpraßt habt, würdet ihr dann ordentlich mit dem Eurigen haushalten?

HILARIS. Der macht uns wieder reich.

FLUDRIBUS zu Stellaris. Ja, wenn wir wieder reich würden, würden wir auch wieder brav.

DIE SÖHNE. Ja, dann würden wir brav.

STELLARIS. Nun denn, Fortuna, nahe dich!


Musik. Mehrere Nymphen mit Füllhörnern treten auf, zuletzt Fortuna, ihr folgt ihre Tochter Brillantine.


STELLARIS nach der Musik. Fortuna, diese jungen Männer haben ihr Vermögen vergeudet; gib ihnen den verlornen Reichtum wieder.

FORTUNA. Beherrscher des Feenreichs! befehlen lasse ich mir nichts, auch nicht von dir: doch weil ich gerade guter Laune bin Zu Lumpazivagabundus. und dir, Elender, zum Trotze, mag es sein. Zu den Söhnen. Ich schütte mein Füllhorn über euch.

DIE SÖHNE. Tausend Dank!

LUMPAZI. Ha, ha, ha! das ist zum Totlachen! Durch die Fortuna will der mir meine Anhänger entreißen! Da werden grad noch ärgere Lumpen draus.

HILARIS. Ich will aufrichtig sein; Reichtum wird mich nie bessern.

MYSTIFAX. Wie? Was? Mein Sohn, du wärst der Inkurabelste von allen?

HILARIS. Nur ein Mittel gibt's, das mich festhalten wird auf dem Pfad der Tugend: es ist Brillantinens Hand.

ALLE. Was?

HILARIS. Wir lieben uns.

FORTUNA entrüstet. Tochter!

BRILLANTINE. Verzeihung, Mutter![11]

LUMPAZI auf Hilaris zeigend. Den geb' ich auf; die andern alle aber sind und bleiben in meiner Macht.

STELLARIS. Warum, Unhold?

LUMPAZI. Weil die Fee Fortuna nicht imstand ist, mir einen Anhänger abwendig zu machen; aber der, Auf Hilaris zeigend. der steht unter dem Schutz meiner größten Feindin, die mich einzig und allein überall vertreibt.

FORTUNA stolz. Wer ist die Fee, die mächtiger ist als ich?

LUMPAZI. Amorosa ist's, die Beschützerin der wahren Liebe.

STELLARIS. Amorosa!


Musik fällt ein. Amorosa schwebt in einer lichten Wolke, mit zwei Genien hernieder.


LUMPAZI. Sie naht schon, die Mächtige, die mir oft meine fidelsten Brüderln entreißt. – Jetzt empfehl' ich mich! Aber noch einmal, Madam Fortuna, Sie fürcht' ich nicht; denn was meine wahren Anhänger sind, die machen sich nicht so viel aus Ihnen. Kommt's Glück einmal, so werfen sie's beim Fenster hinaus, und kommt's zum zweitenmal, und will sich ihnen aufdringen auf eine dauerhafte Art, so treten sie's mit Füßen. – So behandeln meine echten Brüderln das Glück. – Gehorsamer Diener allerseits. Tritt auf die Versenkung, und versinkt unter Musik.


Quelle:
Johann Nestroy: Werke. München 1962, S. 10-12.
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