Zu den Brockensagen.

(S. 117-136).

[228] Die Mainacht. Nr. 310-314. Der Hexenaltar. Nr. 315. Ueber die Sagen von der Walpurgisnacht[228] muß auf die mehr erwähnte Abhandlung de nominibus montis Bructeri verwiesen werden. Vergl auch über Hexenglauben und Hexenfahrten Simrock S. 494-497. Müller und Schambach S. 177-179: »Die Walpurgisnacht.« Myth. S. 552. Dr. A. Fries, Sagen aus Unterfranken, in Wolfs Zeitschrift I, S. 299. W. Crecelius, Auszug aus hessischen Hexenprocessen in Wolfs Zeitschrift II, S. 72. F. Wöste ebenda S. 84. Das in der Abhandl. de nominibus montis Bructeri erörterte ergänzen wir hier vorläufig nur durch einige abgerissene Notizen. Der 1 Mai war dem Philippus, Jacobus und der Walpurgis heilig. Die Nächte vom Montag zum Dienstag und vom Freitag zum Samstag sind besonders Hexennächte. (Prätorius Blocksberg S. 499. Die »Kräuterfrauen« (Kräutersammlerinnen?) in der Gegend des Brockens scheinen bis Sondershausen hin als Zauberinnen und Hexen gegolten zu haben nach dem 1. Bande des Theatrum poenarum von 1693, S. 400. – Es wird erzählt und steht auch gedruckt, daß am Brocken am 1. Mai von den mit Gewalt zum Christenthum bekehrten Sachsen noch lange Abgötterei getrieben sei; als man diesen aufgelauert habe, hätten sie sich in Teufelsmasken verkleidet, um die Wächter zu schrecken und ungestört zu opfern. So sei der Glaube an die Hexenfahrt nach dem Brocken entstanden. (Vergl. auch Myth. 1007 und 1008). Diese Erklärung von dem Entstehen des Hexenglaubens erschien Göthe so anziehend, daß er ihr in »die erste Walpurgisnacht« sogar eine dichterische Behandlung zu Theil werden ließ. – Kuhn, Märk. S. Nr. 234, handelt von dem Teufelssteine von Mohrin, auf dem der Teufel jedesmal in der Walpurgisnacht zum Blocksberge geritten ist. Vergl. ebenda S. 375. Eine versunkene Kirche tönt in der Nacht auf den 1. Mai aus der Tiefe herauf; Müller und Schambach S. 16. – Von der Reußenstube zu Netzschkau aus schrieb Karl Müller dessen Leben und kleine. Schriften, von C.A. Varnhagen von Ense, 1847, S. 114 und 115, am 1. Mai 1803: »Gestern Abend sitze ich also hier ganz allein bei meinen Büchern und einer Tasse leidigen Thees, als auf einmal der Kammerdiener hereintritt und mir sagt, ich möchte eilen, menn ich die Hexen von dem andern Flügel des Schlosses auf allen Anhöhen wolle tanzen sehen. – – – Ich[229] ziehe also mit in die östlichen Zimmer, und – wirklich ein überraschender Anblick! – die ganze Kette der Berge war, so weit das Auge trug, mit schwebenden Reihen von tanzenden Fackelträgern besetzt. Hoch sprüheten die Funken in die Luft empor; laut tönte ein schallendes Halloh! in die Thäler herab. Immer ausgedehnter wurde der Feuerkreis, von dem wir das Centrum zu sein schienen; immer eine Ortschaft nach der andern deployirte und schloß sich an, bis endlich der Horizont von allen Seiten nichts als Feuerwogen zeigte. – – – Iphofen machte sich trotz der Finsterniß auf den Weg und, nachdem er mehrere Feldgraben übel und böse ergründet hatte, was fand er? eine unzählige Menge von Kindern, Knaben und Mädchen komisch vermummt, mit brennenden Besen, die sie jubelnd schwenkten. Das ganze Jahr lang sammeln sie die Besen dazu in abgelegenen Winkeln zu mehrern Dutzenden« u.s.w. Die Besen (vergl. über den Besenritt auch Myth. 1037 und 1038) werden im Allgemeinen eigentlich vielleicht knospende Reiser gewesen sein, sie sind Maien (Birken). – Der Hexenbesen kommt auch in Schweden vor (s. Horst, Dämonomagie II, S. 207. – Ein Mann band neuerdings ein Hirschgeweih auf und stellte so in der Mainacht den Teufel dar. – Walter Scott verlegt im Alterthümler die Geschichte von Martin Waldeck nach der Umgegend des Brockens.

Nr. 311. Dieselben Dienste wie hier das Drachenschwanz u.s.w. genannte Kraut leistet bei Sommer S. 58 der Gundermannskranz.

Köhler und Venediger. Nr. 323. 324. Johannisblume. Nr. 327. Vergl. »Die Springwurzel,« Harzsagen S. 99 und 100. – »Nur in der einzigen Johannisnacht, in der Stunde zwischen elf und zwölf Uhr, blüht das Kraut Renefarre – Rainfarren – und wer diese Blüthe bei sich trägt, der wird dadurch den übrigen Menschen unsichtbar.« Kuhn, märk. S. Nr. 191. Vergl. ebenda S. 330. Vergl. auch über Farn Myth. S. 1161. J.W. Zingerle in Wolfs Zeitschrift I, S. 330.

Der Wehrwolf am Brocken. Nr. 326. Vergl. Harzsagen S. 146 und 147. Kuhn, Märkische Sagen S. 375.

Wölfe am Brocken. Nr. 332. Vergl. die Sage[230] von der Wolfswarte auf dem Bruchberge (Harzsagen S. 127 und S. 268).

Vom Andreasberge unter der Waldschmiede. Nr. 333. Ueber Andreas in Ortsnamen s. Harzsagen S. 270 bei Gelegenheit der oberharzischen Bergstadt St. Andreasberg.

Katzensagen. Nr. 335-339. (Zum Theil in Wernigeröder Mundart). Vergl. Harzsagen S. 101 u. 102. Zu 338 vergl. Harzsagen S. 306, wo jedoch in die Anführung eines bekannten Büchertitels ein lächerlicher Druckfehler steht: der Roman von Brentano handelt nicht von Wehmüttern, sondern heißt: »Die mehreren Wehmüller.« Ferner vergl. Sommer a.a.O. S. 57 und 58. Kuhn und Schwarz S. 202. Schambach und Müller S. 180. Zu Nr. 338 sei folgendes angemerkt.

Prätorius' Blocksberg, S. 330, berichtet nach Hildebrands Theurgie: »Da einsmals ein Knecht, Johann von Bremen, am Gemörde der Pferde gewartet und in einer Hütten ein wenig Feuers gehabt, kam eine Katze zu ihm, zu der sprach er: ›Kätzlein komme her zu mir und wärme Dich.‹ Da kamen eilends ein Haufen Katzen zusammen, und die erste that den Vortanz und die andern folgten und sangen unter dem Tanzen:


›Katzenthier,

Komm her zu mir,

Sprach der gute Johann von Bremen zu mir

Und wärme Dich.‹


Er war erstlich erschrocken, da er aus einer Katzengestalt Menschenstimmen hörte; als er aber einen Muth gefasset, hat er mit seiner Geisel umb sich gehauen und sie zerstöret.«

Wunschsumpf. Nr. 345. 346. Ueber wunsch. s. Myth. 126-132, 390 und 391, und Harzsagen S. 260. Simrock S. 209.

Die Brautklippe. Nr. 347. Eine ähnliche Bewandtniß hat es vielleicht mit dem Brautstein auf der Kolborner Haide, unfern dem Städtchen Lüchow. Von ihm wird bei Harrys, Volkssagen Niedersachsens, I, S. 60 und 61 eine Sage erzählt, wonach die ihn umgebende rothe Haide Brauttreue heißt, was aber mit dem Inhalte der Sage nicht recht stimmt. Wie in unserer vorliegenden Sage der[231] Fuß einer Jungfrau in die Brautklippe, drückte sich in die Jungfernklippe bei E. Sommer, Sagen aus Sachsen und Thüringen S. 18 der Fuß eines Burgfräuleins.

Das Brockengespenst. Nr. 348. Brockengespenst nennt man jetzt gewöhnlich eine berühmte Luftspiegelung am Brocken, von der man glauben mochte, daß sie die im Texte gegebene Sage veranlaßt haben möchte.

Quelle:
Heinrich Pröhle: Unterharzische Sagen. Aschersleben 1856, S. 228-232.
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