Intermezzo III.

[12] VESPETTA.

Ich will dahin, wohin es mir beliebet gehn,

O das ist unvergleichlich schön.

PIMPINONE.

O das ist unvergleichlich arg.

Ich muß zum wenigsten den Ort wohin du gehest wissen;

VESPETTA.

So werd ich dir von jedem Quarck

Wohl Red und Antwort geben müssen?

PIMPINONE.

Ich bin dein Mann.

VESPETTA.

Gar recht! ich gehe nur Spatzieren.

PIMPINONE.

Spatzieren? will dir dieses auch gebühren?

VESPETTA.

Die Leute sehn dich längst für einen Gecken an;

Ein kluger Mann muß seiner Frauen,

Mit Stilleschweigen trauen.

PIMPINONE.

Ich will es wissen

VESPETTA.

Nein,

Sonst können wir nicht Freunde seyn.

PIMPINONE.

Vespette,

VESPETTA.

Pimpinon.

PIMPINONE.

Ist dieses meiner Gutheit Lohn?

Welch eine schimpfliche Gedult,

Begehrt man von mir, und was hab ich verschuldt?

VESPETTA.

Um grössre Freyheit zu erlangen

Erwehlt ich dein verhaßtes Ehe-Bette;

Ich will dich als Gefehrten zwar umfangen,

Doch trag ich keine Sclaven – Kette.

PIMPINONE.

Recht, recht! geliebteste Vespette.

VESPETTA.

So geht es wenn man sich nicht höflich aufgeführet.

Ich fordre den Respect, der einer Frau gebühret.[12]

PIMPINONE.

Ach ja, genäd'ge Frau (wie übel bin ich dran

Ich wohl geplagter Mann)

VESPETTA.

Adieu!

PIMPINONE.

Wo geht sie hin?

VESPETTA.

Zu meiner Frau Gevatterin.

PIMPINONE.

So wird sie sich entbrechen,

Von ihrem Manne was Verfängliches zu sprechen.

Aria.


PIMPINONE.

So quel, che si dice,

So quel, che si fa?

Sustissima, come si sta?

Bene, bene.

Epoi subito

Quel mio marito

E pur stravagante

E pur indiscreto pretende

Che in casa jo stia tutto il di.

E l'altra risponde:

Gran bestia ch'egl'e.

Pretende comore l'essempio da me.

Voleva anch'il mio – – –

Mà l'hò ben chiarito.

Di far à mio modo,

Trovato hò il segreto,

Sei dice di non, jo dico, di si.

Da Capo.


PIMPINONE.

Für dieses mahl sey ihr der Ausgang unbenommen,

Nur daß sie bald zurücke kommt.

VESPETTA.

Ums bald zurücke kommen

Sorg ich nicht viel;

Die spate Nacht ist meiner Freude Ziel.

PIMPINONE.

Will sie sich auf der Gassen,

Bey dunckler Nacht betretten lassen?[13]

VESPETTA.

Was schadet es? kein Dieb wird mich zu stehlen suchen.

PIMPINONE.

Verflucht sey doch

VESPETTA.

Wie darffst du mir noch fluchen?

PIMPINONE.

Ich fluche meinem Zahn, daß er mir Schmertzen macht.

Sie geh nur. Allein sie höre;

Ich wolte gern forthin mehr Ehre

Und wen'ger Widerstreben,

Mehr Freundlichkeit, und wen'ger Schelten.

VESPETTA.

Mein Will muß ja so viel, als deiner wolte gelten,

Drum werd ich stets nach meinem Kopffe leben,

In Assemblee und Opera zugehn,

Visiten, Tantzen, Spiel, am Fenster stehn,

Sind mir stets unverwehrt, diß mercke du.

PIMPINONE.

Sie sagte mir doch erst ein anders Leben zu.

VESPETTA.

Halb weiß ich es, halb ist es mir entfallen.

PIMPINONE.

Sie wolte mir in allen,

Zu Willen und gehorsam seyn.

VESPETTA.

Als ich dir dieses zugesagt,

War ich noch deine Magd,

Itz bin ich deine Frau, drum zieh die Pfeife ein.

Aria.


VESPETTA.

Voglio far, come fan l'altre

Ben danzar, parlar francese,

Star in Galla, esser Cortese,

Ma pero con l'onesta.

Voglio anch'io saper, cos' è

La Spadiglia

Ela Maniglia

Echiamar, o l'Asso, il Re,

Quando il Punto mi dira.

Da Capo.


PIMPINONE.

Wie aber, wann ichs auch so machen wolte?

VESPETTA.

Das thätest du aus Lasterhaftigkeit,

Ich thu es nur aus Lust.[14]

PIMPINONE.

Wann ich auf Tändeleyen

So vieles Geld verwenden solte?

VESPETTA.

Ein Mann muß sich vor solchen Wesen scheuen;

Mod und Galanterie gehören nimmer,

Für andere, als für das Frauenzimmer.

PIMPINONE.

Doch könnt ich dir den Stock auch nach der Mode reichen.

VESPETTA.

Den Stock für meines gleichen?

Den Augeblick sag ich dir allen Kauff,

Du unverschämter Tölpel auff.

PIMPINONE.

Dein Drohen kan mich wenig schrecken;

VESPETTA.

So sollst du meine Nägel schmecken.

Duetto.

Pimpinone und Vespetta.


PIMPINONE.

Wilde Hummel, böser Engel,

VESPETTA.

Alter Hudler, Galgen-Schwengel

PIMPINONE.

Zänckische Metze, andere Xantipe,

VESPETTA.

Murrischer Trotz-Kopff, Todten-Gerippe,

PIMPINONE UND VESPETTA.

Ich lache deiner Raserey.

VESPETTA.

Ich lache deiner Raserey.

PIMPINONE.

Wirst du deinen Sinn nicht brechen,

VESPETTA.

Wirst du immer Widersprechen?

Beede. So schlag ich dir den Kopff entzwey.

Da Capo.


VESPETTA.

Du eigensinn'ger Esel schau,

PIMPINONE.

Perdon, gnäd'ge Frau!

VESPETTA.

Zehn tausend Thaler stehn auf den Papier,

Dieselben zahle mir,

Und soll ich nicht nach deinem Willen leben,

So must du mir den Braut-Schatz wieder geben.

PIMPINONE.

Ich bin in Sie verliebt, was will ich machen?)

Sie thu was ihr gefällt in allen Sachen.[15]

VESPETTA.

Wo du nicht stets so sprichst, du ungeschliff'ner Bengel,

So reiß

PIMPINONE.

Thu was du wilst mein Engel,

VESPETTA.

Ich dir das Hertz aus deinem Leibe,

PIMPINONE.

(Ihr Männer hütet euch vor einem bösen Weibe)

VESPETTA.

Und machst du mir

PIMPINONE.

(Verflucht sey doch die Zeit)

VESPETTA.

Was murmelst du?

PIMPINONE.

Nichts nichts.

VESPETTA.

Noch einmahl Streit ...

PIMPINONE.

Verflucht sey doch die Zeit,

Da ich dis böse Thier gefreyt.

VESPETTA.

Sprich laut, damit ich dich versteh,

PIMPINONE.

Mir thun die Zähne weh.

Duetto.


VESPETTA.

Schweig hinkünfftig albrer Tröpff,

Sonst erwarte nur den Stecken;

PIMPINONE.

O! wie schmertzet mir der Kopff!

Ich vergehe fast vor Schrecken!

VESPETTA.

Dieses ist der Grobheit Lohn

PIMPINONE.

Dieses ist der Einfalt Lohn

VESPETTA.

Ungeschliffner Pimpinon.

PIMPINONE.

Unglückseelger Pimpinon.

VESPETTA.

Mit verliebten Gecken

Gehn wir Weiber also um,

PIMPINONE.

Will ich nicht den Prügel schmecken,

Schweig ich gern, und bleibe stumm.

Da Capo


Quelle:
Georg Philipp Telemann: Die ungleiche Heirat zwischen Vespetta und Pimpinone, [Hamburg] 1725, S. 12-16.
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