IV.
Wo Rübezahl sich eigentlich auffhalte / und seine residentz habe.

[169] Es ist nicht unbekant daß ingemein alle böse Geister sich theils auf Kirchhöffen / Wäldern / Gebirgen / wüste Häusser Esa, 34. v. 13. Matth. 4. v. 1. in sümpffigten Oertern Luc. 11. v. 24. in unter irdischen Hölen / und Berg-Gängen / item an solche Gegend / wo vor diesen grosse Schlachten geschehen seyn / etc. sonderlich auffhalten sollen / wie da von weitleufftigere Zeugnüß giebet / aus unterschiedlichen Autoribus, Jodocus Hockerius im Teuffel selbsten c. 21. pag. m. 58. theatri Diabol. confer Hildebrandum in theurgiâ p.m. 309. Fridlibium in medullâ Theologicâ p.m. 512. 513. vor allen Oertern aber ist zu mercken / daß sich das Teuffelische[170] Geschmeusse / insonderheit vermercken lasse auff Bergen; wie hie von mit mehrer Meldung geschiehet / und etliche Exempel davon allegiret werden / in meinem Tractatu von Blocks-Berge. Hier ist nunmehr zugedencken daß auch Rübezahl unter der Zahl begriffen sey / nemlich der jenigen schwartzen Geister / die ihren Auffenthalt und Losirung auff den Gebirgen zuhaben pflege. Doch wem würde es unbekant seyn / was den Schlesischen Satyrum, oder Böhmischen Faunum anlanget / daß er sich fast immer auff den Riesen-Gebirge præsentire, und allda sein stetiges Spücken verrichte? zum Uberflusse kan dennoch hievon an gehöret werden erstlich der Henelius in Silesiographia p.m. 6. Gigantæus mons, propriè der Riesenberg / auro, argento, ære, gemmis gravidus; sed in quem avaritia, quæ mortales etiam[171] ad inferos agit, nescio an difficiliori evectione, analiis causis deterrita, minus penetravit: Ob versantis præterea montani Dæmonis terrore, & mirandis visi decantatus. Nostratibus der Riebenzahl vulgò dicitur. Zum andern der Schwenckfeld d.l. Riesenzahl / qui frequenter ad Gigantæum montem aberrare solet. Zum dritten der Ælurius d.l.p. 129. ein Gespenst auffm Riesengebirge / bey Hirschberg in Schlesien / von welchen D. Casparus Schwenckfeld in 4. Theil seiner Beschreibung des Hirschbergischen warmen Bades in Schlesien / also schreibet: der Riesenberg ist weit und ferne beschrien / auch von den Italis gerühmet / etc. unter andern Ursachen auch wegen des Riebenzahls / der da selbsten / wie etliche vorgeben / seine Wohnung haben soll / etc. Zum 4. Schickfusius l. 4. der Schlesischen[172] Cronicke c. 3. p.m. 11. 12. der ander tract der Sidoden / oder Mittägischen Wildnüß und Gebirge / hebet sich an / am Ende des Glotzischen Gebirges / und endet sich in Zeschnischen Fürstenthumb / bey der Spitzen und Anfang des Carpatischen Gebirges / und scheidet Mähren und Schlesien. Wie nun dieser Strich das Mährische / Neisische Gebirge / auch das Gesäncke genennet wird; also wird jenes das Böhmische Gebirge intituliret; weil es nach Böhmen gehet; oder das Schnegebirge; weil es mehren Theils mit Schnee auch in den heissesten Hundestagen bedecket ist / oder auch das Riesengebirge; entweder von den Riphæis populis so dem Zecho in Böhmen nach gefolget / oder von dem Riesenberge; so lauff diesen tractu der höheste ist. Es wird aber der Riesenberg nicht darumb also genennet; daß etwan Riesen daselbsten[173] gewohnet; sondern weil er wie ein hoher Riese / für den andern allen mit seiner Spitzen (oder Köppe herfür scheinet / und sich sehen lesset. Derowegen er auch der Schlesier compas, oder Wetterzeiger / genennet wird; nach welchem das gemeine Volck sich / des Wetters halben / zurichten pfleget. Denn / ist es auff der Höhe (oder umb die Köppe) hell und klar; so hoffet man herliches und beständiges Wetter: Wo es aber umb dieselbe trübe und neblicht ist und die Spitze (Köppe) sich gar ein haubet / daß man sie nicht sehen kan; so ist gemeinlich ein Regen nicht weit; und progonosticiret mann darauff unbeständiges Wetter. Bißher gedachter Autor: welches auch fast von Wort zu Worte hat Schwenckfeld in Hirschbergischen warmen Bade p.m. 156. dieser Berg ist weit und breit beruffen / umb zweyer Ursachen willen:[174] Einmal darümb; daß er am Golde / Silber / Ertz und Edelgesteinen sehr reich; wie solches die gewisse Erfahrung richtig gegeben. Im Riesengrunde / Teuffelsgrunde und Goldgrunde wird gediegen Gold gefunden; wie hernach weiter soll angezeiget werden. Die ander Ursach beruhet auf dem sonderlichen Geheimnüß mit dem Geiste und Gespenste / so sich auff diesen Berge und umb den selben sehen und hören lest. Georgius Agricola (Chemnicensis) ein statlicher und fleissiger Medicus, (ein vortrefflicher unn gelehrter Bergman. Schvvenckfeld d.l.) setzet zweyerley Gespenste welche sich in den Bergwercken zu zeigen pflegen. Etliche sind hefftig und heßlich; welche den Bergleutē trefflich auffsetzig und sehr schädlich seyn: Als eines zu Anneberg gewesen / welches in der Rosenen Crone über 12. Menschen mit dem anhauchen[175] nieder geleget und getödtet. Andere aber sind linde und mühsam / und erzeigen sich gleichsam / als wenn sie mit arbeiten / lachen / und gehen hin und wieder; und diese nennet mā Bergmänlein: welche niemand beschädigen; wenn man sie nur nicht necket / aus lachet / oder aus zuschelten pfleget. Unter diese letzteren kan das Gespenste auff den Riesenberg auch gezehlet werden / etc. Hæc ferè etiam habet latinè Schvvenckfeldius in Geog. Sil. antestirpes: ex quô fortè mutuatus est Schickfusiu: vixit & scripsit hic enim Anno 1625. Schvvenckfeld vero 160. item pag. 12. Für Jahren sind etliche Abergläubische Bergleute auff der Ober Abendburg am Flintzberge im Riesengrunde auff gezogen / gewisser Hoffnung und Vertröstung / daselbsten grosse Schätze zu erheben: Als sie an den Ort kommen / ihre Circkel machē /[176] und gleich am Wercke sind; erzeuget sich vorgedachter Hüter des Schatzes (der Riebenzahl /) aber mit einen so schrecklichen Ungewitter / welches etliche Tage gewehret / und ein grosser Schne / und erschreckliche Kälte erfolget; daß sie dardurch zerstreuet und schwerlich mit den Leben heraus (herab) kommen: Unter welchen auch etliche die Füsse übel erfröret; welches ihre Ausbeute gewesen. Caspar Schwenckfeld im Hirschbergischen warmen Bade im 4. Theil p. 160/161. Da gegen ist es einem Italiener von Venedig wohl gerathen; welcher Anno 1456. sich / selb dritte gewaget / und durch besondere Schliche und Gänge / auff dem Boheimischen Gebirge bey seinen zwey spitzigen Stein / da er eine / gegen Mitternacht / Höle / auff einer Wiesen ein geschlagen / und daselbsten in einem revirlein Gold / als Erbes / und welsche Nüsse[177] groß gelesen; und damit er desto besser auff diesem gebirge austauren können / hat er sich auch acht Tage mit proviant wohl versehen / bey klaren hellen und warmen Wetter auff dem Riesenberg sich gemacht / und ist in den Aupen-Grund kommen / da er viel Gerippe von todten Menschen die sich verirret / und nicht gnugsam proviantiret, in hungers Noth auff dem Irrwege umb kommen waren / angetroffen; bey denen er kostbahre und herrliche Edelgesteine gefunden. Er hat auch bey einem Steine nicht weit vom Zackenfluß auff einer grünen Auen eingegraben / und unter dem Maaß schön gediegen Gold gesamlet / auch nicht / fern von einem Stein / so am Zacken lieget / amethysten, topazier, Schmaragden, chalcedonier, und andere Edelgesteine mehr gefunden: und hat sich die Gespenster an selbigen Orte nichts irren lassen. Neben dem[178] Riesengrunde / und Aupengrunde / sind auch noch andere tieffe Gründe; als der Teuffelsgrund / die Mittags Grube / und der Mummel- (oder Mumel-) Grund: darinnen mancherley Bergarten gefunden / Gold geseuffet / und allerley Edelgesteine gewaschen werden. Die Schnegruben sind auch überaus tieffe Thal / allenthalben mit hohen Bergen umbgeben: derer drey seyn / in denen der Schnee nimmer / oder gar selten / schmeltzet und zergehet: ja in den heissen Hundestagen liegen bleibet / und von ferne zusehen ist. Confer Schvvenckfelden im Hirschbergischen warmen Bade pag. 161. 162.

Ferner zeuget hie von auch Herr Zeiler in Germania part. 1. l. 4. p. 115. welche Gebirge andere riphæos, Gigantaros, oder niviferos montes, das Böhmische Riesen oder Schnegebirge nennen / etc. So sehr Ungeheuer /[179] und voller Teufflischer Gespenst / so die Innwohner den Ribenzahl nenne / davon Henelius in Silesiographia c. 1. unn Caspar Schwēckfeld im 4. Theile seiner Beschreibung des Hirschbergischen warmen Bades in Schlesien / können gelesen werden. Mercke / daß allhier Vechnerus in breviario Germ. p. 158. irret / wenn er den Riesenberg scheinet Riebenzal zu nennen: Wenn er also redet: Ducatum Silesiæ separat à Bohemiâ, vulgò das Böhmische / Risen- oder Schnee Gebirge dicutur: inter qvos eminet der Riesenberg / Silesiaca dialecto der Riebenzal; à Dæmone montano ibi obversari solitô propemodum famosus.

Weiter mercke / daß solche montes Riphæi von den Riphæis populis genennet worden: davon Zeugnüß giebet D. Lyserus im Noago ad. c. 10. Gen. pag. 392. §. 2. Riphath, id est[180] Gigantes. Hic ultra Magogum versus septentrionem progressus, ad extremam usq; regionem aquilonaribus frigoribus ob noxiam penetravit; Riphæamque genetem de suô nomine fundavit: unde etiam Riphæi montes apud Scriptores sunt celebratissimi & appellatio locorum commonstrat, denotari hâc gente Sarmatas & inter Sarmatas gentem Henetam, sicut & Ptolomæus, Sarmatarum gentem maximam facit Henetos. Vide eadem apud Schickfusium in der Schlesischen Cronicke l. 1. p. 12. Confer Becmannum in originibus lat. ling. pag. m. 204. 205. item Carolum Stephanum in dictionario Geograph. pag. m. 996. Qui putat Απὸ τῆς ῥιπάδης hoc est, à flatuum vi deduci: quod ibi (in montibus septentrionalibus Scythiæ,) vehementissimi esse dicantur Boreæ flatus. Equidem (si[181] meam interponere licet opinionē,) credo Riphæos dictos esse à Riep / das ist Reiff. l. pruina. Sonsten daß solche Gebirge dennoch von den Riphæis populis benahmet seyn zeiget ferner Cutæus in der Schlesischen Cronicke part. 1. pag. 10. 11. von des Gomers Söhnen / heisset auch einer Riphat von den kommen (wie man schreibet /) die Mitternächtische Völcker / die an den Riphæischen Bergen wohnen; und werden sonst Sarmatæ genant. Es ist aber wohl zumercken / daß Josephus schreibet; daß die Riphæi seyn Paphlagones und Heneti: denn hierinnen stimmet er mit den Ptolomæo, der da sagt; daß der grösser Theil der Sarmaten Heneti seyn: der halben seyn sie aus Asia in die Mitternächtische Länder / Reussen und Moscha gerückt. Idem Curæus part. 1. p. 23. Ich halt daß man sie Polonos (daß ist / die in der Ebene[182] wohnen /) gegen jenen; die man Riphæos nennet / (das ist / die am Gebirge wohnen) also geheissen hat. Denn die Riphæi wohneten nach der Höhe hienauff / und auff Gebirgen. Die Pohlen aber wohneten baß herüber / nach dem Euxinischen Meere / gegen Mittag. Viel der alten Riphæorum seyn mit dem Zecho in Böhmen gezogen: davon (wie vermuthlich / das Böhmische Gebirge den Nahmen / montes riphæi, oder Riesen Berge; wie ietzt dasselbe Gebirge nach Schlesien zu genennet wird; bekommen.

Quelle:
Praetorius, Johannes: DaeMonoLogia RVbInzaLII sILesII. Leipzig, Arnstadt 1662, S. 169-183.
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