Siebzehnter Auftritt


[362] Rappelkopf allein.

Lied mit Chor.


RAPPELKOPF springt vom Stuhle auf.

Jetzt bin ich allein, und ich will es auch bleiben,

Will mich mit der Einsamkeit zärtlichst beweiben,

Will gar keine Freunde als Berge und Felsen,

Verjag das Schmarotzergesindel wie Gelsen,

Will nie dem Geschwätze der Weiber mehr lauschen,

Da hör ich viel lieber des Wasserfalls Rauschen.

Zu Pagen erwähl ich die vier Elemente,

Die regen geschäftig die riesigen Hände.

Den Westwind ernenn ich zu meinem Friseur,

Der kräuselt die Locken und weht um mich her,

Und wenn ich ein hohes Toupet vielleicht schaff,

Frisiert mich der Sturmwind gleich à la Giraff.

So leb ich zufrieden im finsteren Haus –

Und lache die Torheit der Menschen hier aus.


Tritt in die Mitte des Theaters zurück und starrt vor sich hin.

Nah an der Hütte ertönt sanft der Chor nach der vorigen Melodie.

Chor.


So leb denn wohl, du stilles Haus,

Wir ziehn betrübt aus dir hinaus.

DER HUND. Hau hau![362]

RAPPELKOPF tritt vor.

Ich will nichts mehr hörn von den boshaften Leuten,

Verachte die Dummen und fliehe die Gscheidten.

Und ob sie sich raufen, und ob sie sich schlagen,

Und ob sie Prozesse führn und sich verklagen,

Und ob sie sich schmeicheln, und ob sie sich küssen,

Und ob sie der Schnupfen plagt, wie oft sie niesen,

Und ob sie gut schlafen, und was sie gegessen,

Und ob sie vernünftig sind oder besessen,

Und ob wohl in Indien der Hafer ist teuer,

Und obs in Pest regnt und in Ofen ist Feuer,

Und ob eine Hochzeit wird oder ein Leich:

Ha! das ist mir einerlei, das gilt mir gleich.

Ich lebe zufrieden im finsteren Haus

Und lache die Torheit der Menschen hier aus.


Wirft sich in den Stuhl.

Weiter entfernt von der Hütte.

Chor.


So leb denn wohl, du stilles Haus,

Wir ziehn betrübt aus dir hinaus.

DER HUND. Hau hau!


Es wird finster.


RAPPELKOPF springt auf und schleudert den Stuhl zurück, auf dem er saß.

Und wollte die Welt sich auch gänzlich verkehren,

Und brächte der Galgen die Leute zu Ehren,

Und läge die Tugend verpestet am Boden,

Und tanzten nur Langaus die Kranken und Toten,

Und brauchten die uralten Weiber noch Ammen,

Und stünde der Nordpol in glühenden Flammen,

Und schenkte der Wucher der Welt Millionen,

Und würden so wohlfeil wie Erbsen die Kronen,

Und föcht man mit Degen, die ganz ohne Klingen,

Und flögen die Adler und fehlten die Schwingen,

Und gäbs eine Liebe, gereinigt von Qualen,

Und schien' eine Sonne, beraubt ihrer Strahlen:

Ich bliebe doch lieber im finsteren Haus

Und lachte die Torheit der Menschen hier aus.


[363] Er eilt zurück und öffnet die Fensterbalken. Der Wald erglüht im Abendrot, welches auch Rappelkopf bestrahlt. Er blickt düster hinaus und von ferne erschallt der Chor.


So leb denn wohl, du stilles Haus,

Wir ziehn betrübt aus dir hinaus.

DER HUND. Hau hau!


Langsam verwandelt sich die Bühne in ein kurzes Zimmer in Rappelkopfs Hause. In der Mitte ein großer Spiegel. Tag.


Quelle:
Ferdinand Raimund: Sämtliche Werke. München 1960, S. 362-364.
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