Zwölfter Auftritt


[76] Zephises. Voriger.


ZEPHISES als Geist im weißen Zaubertalar, mit schwarzen Charakteren. Fürst der Lüfte! Wo soll ich Worte des Dankes finden?

LONGIMANUS. Ist schon so gut! Nur keine Komplimenten unter guten Freunden. Mich freuts von Herzen, alter Schwed! Hat er dich einmal erwischt, der Tod, beim Zwiefachel? Richtig, da auf der Seiten hat er ihn gstreift, der Blitz, da schwefelt er ein bissel. Wie gfallts dir denn bei mir heroben? Haben wir nicht eine frische Luft?

ZEPHISES. Herr, darf ich es dir gestehen, daß selbst in dem Wonnemeer von Herrlichkeiten, das mich in deinem Zauberreiche umfließet, mein Vaterherz doch einen tiefen Schmerz empfindet, den es dir nicht verhehlen kann?

LONGIMANUS. Aha! Fährt mit der Hand an Zephisens Stirn vorbei. Hat ihn schon erwischt! Zuckt schon!

ZEPHISES. Als du uns armen Sterblichen die Gnade deines Besuches gewährtest, hat deine Milde mich mit großen Schätzen beschenkt.

LONGIMANUS. Ja richtig! Hast die alle angebracht?

ZEPHISES. Nein, Herr! Ich habe sie in meinem geheimen Kabinett verborgen und dieses mit einem Zauber belegt, daß kein Sterblicher es öffnen kann, wenn ich ihm nicht die Mittel dazu anzeige.

LONGIMANUS. Nun, in mein Reich brauchst keine Schätze, da lebt man von der Luft, daß nur eine Freude ist.

ZEPHISES. Hab ich denn nicht einen Sohn, den ich hilflos zurückgelassen habe?

LONGIMANUS. Du hast einen Sohn?

ZEPHISES. Erinnerst du dich nicht mehr des kleinen Eduards?

LONGIMANUS. Richtig! Er hat ja zu meinen Füßen gespielt und hat mich immer in die Waden gezwickt, wie ich damals noch welche ghabt hab.

ZEPHISES. Ein schneller Tod hat mich der Erde entrissen, ich konnte meinem Sohne kein Zeichen meines letzten[77] Willens hinterlassen, darum erhöre mein Flehen, sende ihm einen deiner Geister, lasse ihm die Geheimnisse jenes Kabinettes enthüllen und erlaube dann, daß er sich selbst vor deinen Thron werfen und die Gewährung einer Bitte erflehen darf, die seinem Vater nicht mehr vergönnt war, an dich zu wagen.

LONGIMANUS. Das kann nicht sein, zu mir darf er nicht herauf, wenn er nicht einen Zweig mitbringt von meinem musikalischen Baum, ich möcht ihn recht gern einmal sehen, den klein Eduardel, aber ich kann mein Wort nicht umstoßen.

ZEPHISES. Mein Sohn wird keine Gefahr scheuen, sich dir zu nähern.

LONGIMANUS. Das geht mich nichts an.

ZEPHISES. Rette ihn nur vor Mangel und Verzweiflung.

LONGIMANUS. Siehst dus, jetzt wird dir bang, aber so gehts, manche Eltern, die Geld haben, lassen den Kindern nichts lernen. Gschicht nachher ein bissel ein Unfall, und ein solcher Mensch soll sich selbst etwas verdienen, steht der Talk da. Da werden wir gleich helfen. Pamphilius!


Quelle:
Ferdinand Raimund: Sämtliche Werke. München 1960, S. 76-78.
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