Siebenter Auftritt

[548] Vorige. Flottwell und Wolf aus dem Garten.


FLOTTWELL. He, he, Herr Chevalier! Was machen Sie denn da?

DUMONT. Ich bewundre der Natur!

FLOTTWELL. Bravo! Sie dehnen Ihre Liebe zur Natur auf die höchsten und auf die gemeinsten Gegenstände aus.

WOLF. Schön oder häßlich, das gilt dem Herrn Chevalier ganz gleich.

DUMONT. Was sagen Sie da von Häßlichkeit! Der Natur sein der höchster Poesie, und wahre Poesie kann nie gemein noch häßlich sein. Ich wollen mich für ihrer Schönheit schlagen, und schlagen lassen; und fallen ick, so schreib der Welt mir auf mein Grab:


Es schlafen unter diesem Stein

Chevalier Dumont hier ganz allein,

Er haben nur gemacht der Cour

Auf Erd der himmlischen Natur.

Nun seien tot. Welch glücklick Los!

Er ruhn in der Geliebten Schoß

Und wird, kehrt er im Himmel ein,

Naturellement willkommen sein.


Geht stolz ab ins Schloß.


ROSA lest das Geschirr zusammen. Abscheulich. Allen Zudringlichkeiten ist man ausgesetzt in diesem Haus.

FLOTTWELL. Weich Sie den Gästen aus, wenn sie Champagner[548] getrunken haben. Ich bin sehr unzufrieden mit Ihr, Herr Wolf hat sich auch beklagt, daß Sie sehr unartig mit ihm ist und ohne Achtung von mir spricht.

ROSA. Der gnädige Herr Kammerdiener? Ah, jetzt muß ich reden –

WOLF fein. Das soll Sie nicht, mein Kind, Sie soll nur Ihren Dienst versehen.

ROSA. Ich stehe bei dem gnädgen Herrn in Diensten und nicht bei gewissen Leuten.

WOLF. Schweig Sie nur –

ROSA. Nein, nichts will ich verschweigen. Alles muß heraus.

WOLF. Welche Bosheit!

FLOTTWELL. Still! die Sache wird zu ernsthaft.

ROSA. Wissen Euer Gnaden, was der Kammerdiener gesagt hat?

FLOTTWELL. Was hat er gesagt?

ROSA. Er hat gesagt –


Valentin schnell.


VALENTIN. Der Juwelier ist da.

FLOTTWELL. Ah bravo! Nur geschwinde auf mein Zimmer.


Geht schnell ab.

Der Juwelier tritt von der Seite ein.


WOLF führt ihn ins Schloß, vorher sagt er zu Rosa. Wir sprechen uns, Mamsell.


Ab.


ROSA steht wie versteinert. Da steh ich jetzt!

VALENTIN. Da steht sie jetzt.

ROSA. An wem soll ich jetzt meinen Zorn auslassen?

VALENTIN. Wart, ich besorg dir wem.


Will fort.


ROSA. Du bleibst! An dir will ich mich rächen, du verhängnisvoller Mensch.


Geht auf ihn los.


VALENTIN. An mir? Das ging' mir ab. Ich hab ja gar nichts gesagt als: Der Juwelier ist da.

ROSA. Still sei! oder – Reibt auf und will ihm eine Ohrfeige geben, wird aber plötzlich schwach. Weh mir! mich trifft der Schlag.

VALENTIN. Das ist ein Glück, sonst hätt er mich getroffen.

ROSA springt. Der Juwelier soll hingehn, wo der Pfeffer wächst.[549]

VALENTIN. Das kannst ihm selber sagen. Ich weiß nicht, wo er wächst.

ROSA. Schweig! ich weiß mich nicht zu fassen.

VALENTIN. Nu schimpf nur zu, der Juwelier wird dich schon fassen.

ROSA. Gleich geh mir aus den Augen Tut, als wollt sie ihm die Augen auskratzen. du bist an allem schuld!

VALENTIN. Ich hab ja gar nichts gsagt als: Der Juwelier ist da.

ROSA. Das ist ja dein Verbrechen eben. Du hättest gar nichts sagen sollen, wenn du siehst, daß meine Tugend auf dem Punkt steht, ihre Rechte zu verteidigen.


Ab.


VALENTIN. Das ist schrecklich. Da darf ja eine noch so viele Untugenden haben, so kann man nicht soviel Verdruß haben als wegen derer ihrer unglückseligen Tugend. Und ich weiß mich gar nichts schuldig. Ich muß nur grad das Gesetzbuch aufschlagen lassen, um zu erfahren, was denn das für ein Verbrechen ist: Wenn einer sagt, der Juwelier ist da! Ab.


Quelle:
Ferdinand Raimund: Sämtliche Werke. München 1960, S. 548-550.
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