Zehnter Auftritt.

[50] Vorige. Heinrich.


HEINRICH auf Agnes zueilend.

Noch einmal seh' ich Dich!

IRMENGARD UND AGNES.

O Himmel Du bist / Heinrich frei!

AGNES. IRMENGARD. HEINRICH. ERZBISCHOF.

Gepriesen sei des Allbarmherz'gen Gnade.

[50] Terzett.


HEINRICH zu Agnes.

Ja, statt des Kerkers Grauen

Dein Himmelsauge lacht,

Ich kann Dich wieder schauen,

Denn treue Freundschaft wacht.

AGNES.

O flieh! die Schergen nahen;

Sie neiden Dir das Licht.

Entflieh! sie wollen Dich fahen, – –

Nein, – weile, – ich lasse Dich nicht,

IRMENGARD.

O himmlische Macht der Stunden!

Jetzt lächelt, was jüngst uns gedroht;

Was wir im Glück nicht gefunden,

Das bietet uns plötzlich die Noth!

HEINRICH.

Vergessen ist und verschwunden,

Was finster uns bedroht;

Dich hab' ich liebend gefunden,

Was acht' ich Schergen und Tod!

AGNES.

Flieh', wenn Gefahren dir drohen,

So bricht in Angst mein Herz;

Ich sterb' auch, bist du entflohen,

Doch dann in milderem Schmerz!

AGNES UND HEINRICH.

Lass' uns vereinigt sterben,

Still ist des Grabes Port;[51]

Und schön're Blüth' erwerben

Wird uns're Liebe dort.

IRMENGARD für sich.

O Gott, nicht lass' sie sterben!

Sprich aus das Lebenswort;

Mag ich im Sturm verderben,

Sei du ihr Schutz und Hort!


Heinrich, auf das Heftigste bewegt, will abeilen.


IRMENGARD plötzlich wie inspirirt, hält ihn zurück.

Halt!


Für sich.


Ein Gedanke, den der Himmel sendet! –


Zu Heinrich.


Ihr bleibt!


Zu Agnes.


Kein Schmerzensopfer sollst du bringen!


Sie geht zu dem Erzbischof und spricht leise mit ihm.


AGNES UND HEINRICH

Was sagte sie? – Was wird sie unternehmen?

IRMENGARD

Es sei gewagt, ich will es üben

Das heil'ge Recht, das mir der Schöpfer gab!

Die Klugheit muß der Mutterliebe weichen.

Ihr sollt im Sakrament die Hand Euch reichen;

Doch müßt Ihr dann der Trennung Loos ertragen,

Bis sich der Himmel aufgeklärt.

AGNES UND HEINRICH.

O, Seligkeit des Himmels sinkt herab!

Der Erzbischof führt Agnes und Heinrich in die Seitenkapelle, wo er während des folgenden Gebets Irmengards sie am Altare vereinigt.
[52]

Quartett.


IRMENGARD betet während der Trauung.

Lass' deine Gnadenquelle fließen,

Allmächtiger, auf der Lieben Haupt,

Die jetzt den Bund der Treue schließen,

Erfülle, was ich fromm geglaubt!

AGNES UND HEINRICH welche von dem Erzbischof zurück in der Mutter Arme geführt werden.

Des Himmels Segen sinkt auf uns herab!

ERZBISCHOF.

Des Himmels Segen sinkt auf Euch herab!

AGNES UND HEINRICH.

Dank, Mutter, Dank!

Die Seligkeit des Himmels füllt mein Herz!

IRMENGARD.

Gott sei mit Euch! beruhigt ist mein Herz!

ERZBISCHOF.

Gott sei mit Euch! Er flöß Euch Muth in's Herz!

AGNES UND HEINRICH.

Lebe wohl! und Deines Schwurs gedenke!

Ewig, ewig bist Du mein!

Wie der Herr auch unser Schicksal lenke.

Ewig, ewig bleib ich dein!

IRMENGARD UND ERZBISCHOF.

Wie der Herr auch Euer Schicksal lenke,

Mög er Frieden Euch verleih'n![53]


Quelle:
Gaspare Spontini: Agnes von Hohenstaufen. Berlin 1837, S. 50-54.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Hoffmann, E. T. A.

Seltsame Leiden eines Theaterdirektors

Seltsame Leiden eines Theaterdirektors

»Ein ganz vergebliches Mühen würd' es sein, wenn du, o lieber Leser, es unternehmen solltest, zu den Bildern, die einer längst vergangenen Zeit entnommen, die Originale in der neuesten nächsten Umgebung ausspähen zu wollen. Alle Harmlosigkeit, auf die vorzüglich gerechnet, würde über diesem Mühen zugrunde gehen müssen.« E. T. A. Hoffmann im Oktober 1818

88 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten II. Zehn Erzählungen

Romantische Geschichten II. Zehn Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für den zweiten Band eine weitere Sammlung von zehn romantischen Meistererzählungen zusammengestellt.

428 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon