Scena XIII

[47] Fidele, Edward.


CHARLOTTE. Was soll denn das Lachen bedeuten?


Fidele, Edward lachen noch mehr.


CHARLOTTE. Herr Baron, er weise doch solchen geringen Kerlen nur die Wege.

CLARILLE. Was soll aber das Auslachen heißen?

SCHLAMPAMPE. Wer weiß, was die Vögel einmal wieder haben angestiftet.

FIDELE. Sollen wir auch mit tanzen?

CHARLOTTE. Man nehm sich die Müh und machte sich mit solchen Kerln so gemeine.

EDWARD. Ich höre wohl, so sind die Hüpeljungen bei Sie noch vornehmer als wir.

CLARILLE. Ich dachte Hüpelnarren.

CHARLOTTE. Ihr Herren, gehet Ihr nur zu Euresgleichen und lasset uns unsere Lust hier ungestöret.

FIDELE. Wenn ich aber nun wollte vornehme Frauenzimmer sein, wofür Ihr Euch ausgebet, so hielte ich mich auch zu was Rechts.

CHARLOTTE. Ist denn der Herr Baron hier nichts Rechts?

CLARILLE. Ist dann ein Edelmann was Gemeines?

FIDELE. Es hat sich was zu Baronen und zu Edelmannen da. Runter mit den Kleidern, ihr Jungen, und lachet sie wacker aus.[47]

LEPSCH. Lasset sie uns immer noch ein bißchen an, ich will erstlich noch einmal tanzen.

EDWARD. Fort, ausgezogen, damit sie sehen, daß ihr Hüpeljungen seid. Fleck und Lepsch ziehn sich aus.

SCHLAMPAMPE. Könnte man's doch törichter und närrischer ersinnen? Man denke doch nur, Hüpeljungen vor was Rechts auszukleiden und ehrlicher Leute Kinder damit zu beschimpfen. Die Hüpeljungen lachen sie aus.

SCHELMUFFSKY. Der Tebel hol mer, ihr Bärenhäuter, lasset das Lachen bleiben, oder ich werde euch was anders weisen.

LEPSCH. Je, nicht doch, seid Ihr auch acht Tage in Engelland gewesen und könnt die Muttersprache nicht recht mehr fluchen?

SCHELMUFFSKY. Halt's Maul, Junge.

LEPSCH. Vor Euch irgend, Ihr seid der Kerl nicht darnach.

SCHLAMPAMPE. Damit Ihr's wißt, Ihr Herrn, räumt mir mein Haus und bezahlt mich, denn ich mag Euch gar nicht länger drinne leiden.

FIDELE. Wenn die Zeit um ist, kann dazu Rat werden.

CHARLOTTE. Was haben Sie aber nun davon, daß Sie uns diesen Possen bewiesen?

FIDELE. Hört, Frauenzimmer, hieltet Ihr Euch Euren Stande gemäß, wäret von keiner Einbildung und ließet ehrliche Bursche ungetadelt, jedermann würde Euch aufs höflichste begegnen.

EDWARD. Der verfluchte Hochmut wird Euch noch in das äußerste Verderben stürzen.

SCHLAMPAMPE. Wem tun sie aber was? Sind sie denn nicht ehrlicher Leute Kinder und haben ihr gut Auskommen?

EDWARD. Das tut alles nichts zur Sache.

SCHLAMPAMPE. Wie sollen sie sich aber anders aufführen?

EDWARD. Sie können nur Ihre eigene Freunde fragen, dieselben werden's mir recht geben.[48]

SCHLAMPAMPE. So wahr ich eine ehrliche Frau bin, ich wüßte auch nicht, wie sie sich besser in Kleidung halten sollten.

FIDELE. Da sitzt eben der größte Knoten. Darum hält's ihnen auch jedermann vor Übel, daß sie sich über ihren Stand halten und große Narrenhauben auf den Köpfen tragen; es kommt ihnen doch nicht zu.

SCHLAMPAMPE. Es gibt ihnen niemand nichts darzu, drüm könnt Ihr sie nur ein andermal zufrieden lassen und nicht so beschimpfen, wie Ihr itzt getan habt.

MUSANDER. Wir werden doch hier nichts mehr nütze sein, können wir nicht unsere Abfertigung bekommen?

SCHLAMPAMPE. Ihr möget sehen, wo Ihr bezahlet werdet, ich gebe Euch nichts.

FIDELE zu Musandern. Der Herr muß sich an den Herrn Baron halten.

LEPSCH. Ei, da würde er feine Pfennige bekommen.

MUSANDER. Ei, man muß ehrliche Leute nicht vexieren.

FIDELE. Da hat der Herr einen Dukaten, und wann ich Ihn mit Seinen Leuten werde wieder vonnöten haben, wird Er mir schon wieder aufwarten.

MUSANDER. Sie schicken zu mir, wenn Sie wollen, so bin ich parat. Unterdessen leben Sie wohl. Gehet mit seinen Leuten ab.

FIDELE. Großen Dank.

SCHLAMPAMPE. Ich sage es den Herrn hiermit noch einmal, Sie bezahlen mich und räumen mein Haus, denn ich mag gar keine Studenten mehr bei mir leiden.

EDWARD. Es soll ehster Tage geschehen.


Beschluß


SCHLAMPAMPE.

Hat mich das Unglück denn behänget mit Studenten,

daß ich nichts als Verdruß von ihnen muß ausstehn?

EDWARD.

Sie weiß, Studenten sind bisweilen lose Enten,

wenn's ihnen nicht will recht nach ihren Köpfen gehn.

Quelle:
Christian Reuter: Werke in einem Band. Weimar 1962, S. 47-49.
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