Dat drüdde Kapittel

[53] Worüm Fritz Sahlmann 'ne Mulschell kriggt un de Uhrkenmaker de ganze Nacht mit Mamsell Westphalen ehr Gardinenbeddstell in de Stuw' herümmerführt, un worüm de französche Oberst in 'ne rode Beddeck bi den Uhrkenmaker taum Besäuk kümmt.


As de Möller den Sloßweg dalführt was, gung de Herr Amtshauptmann nah sin Stuw' tau, kihrt äwer wedder üm, gung up Herr Droin los un frog: »Wat bün ick Sei schüllig, min leiw' Droz?« – Na, de säd nu so gaud as hei kunn: hei hadd dat girn dahn, denn die Allemange sei nun seine Patrie un hei wir tuh för de Patrie. – »Dat mein ick nich«, säd de oll Herr, »ick mein för min Taschenuhr, de Sei mi t'recht makt hewwen.« – Dat wir allens betahlt, säd Herr Droz, die kleine Garßong, die Fritz Sahlmann, hadd allens richtig makt. – »Dat weit ick woll«, säd de oll Herr, »äwer min leiw' Droz, einen Uhrkenmaker möt einer nich blot dorför betahlen, dat hei an de Uhr wat makt hett, ne, ok dorför, dat hei dor nicks an makt hett, un wil Sei dit nich dahn hewwen, dorüm hir, min leiw' Droz«, un drückt ein twei Daler in de Hand un gung in't Hus. »Na«, säd Mamsell Westphalen, »lat em gahn! Hei is en ollen wunderlichen Heiligen; äwer hei meint dat gaud. Äwer Herr Droi, nu kamen S' mit rin un däuen S' sick en beten up in min Stuw', denn bi dit oll grusig Weder kann einen de Seel in'n Liw friren warden.« Herr Droi gung ok mit, un as sei sick knapp dal set't hadden, kamm Fritz Sahlmann herin mit den Franzosen sinen Pirdswanz up den Kopp un den blanken Säbel in de Hand un hadd sick in alle Geswindigkeit en[53] Snurrbort mit en Lichtäsel makt. Swabb! hadd hei einen von Mamsell Westphalen ehr Ort an de Uhren: »Uhlenspeigel!«, un sei ret em den Blackpott von den Kopp un den Säbel ut de Hand un stellt sei achter ehr Bedd: »Uhlenspeigel! An so'n Abend, wo wi all in Nöten sitten, willst du din Hanswurstenstreich maken? – Gah leiwerst runne nah Herr Droin sine leiwe Fru, un en Kumpelment von mi, sei süll sick nich ängsten, Herr Droi wir bi mi in min Stuw' un Gefohr hadd dat hir gor nich.«

Fritz Sahlmann geiht, un nu sitten sei dor un vertellen sick von ollen un nigen Tiden; dat heit, wat Herr Droi vertellt, dat versteiht Mamsell Westphalen man sihr slicht, un wat Mamsell Westphalen vertellt, dat versteiht Herr Droi nich recht. »Er sein bong!« seggt Droi un klimpert mit de beiden Dalers in de Hand herüm. – »Ja woll«, seggt Mamsell Westphalen, »sünd sei gaud. – Meinen Sei, dat de Herr Amtshauptmann Sei falsch Geld gewen ward?« – »Ah, nicks falsch Geld! Ick meinen ihn lüi mehm«, seggt Herr Droi un wis't mit den Finger nah baben. – »Ach so, Sei meinen den Herrn Amtshauptmann! Ja woll is hei bong, äwer je öller hei ward, je wunderlicher ward hei, denn hei makt de Nacht taum Dag, Herr Droi. Seihn S', dor möt ick nu sitten un möt braden un rösten in de Nacht herin, denn hei ett sin Abendbrod irst nachts Klock elwen, un't ward ok woll twölw; un wenn dat leiw' Eten verdrögt un verbradt is, denn schellt hei, un de Fru Amtshauptmannen is man sihr weikmäudig un kriggt denn dat Rohren. Denn segg ick: ›Fru Amtshauptmannen, wat hulen S'? Känen wi dörför, dat hei lewt as en Unchrist? – Laten S' dat Hulen, wi hewwen en gaud Gewissen!‹ Äwer, Herr Droi, dat is en swor Stück för mi, hir tau sitten as 'ne einsame Person un tautauhüren, wo de Stormwind üm dat Sloß rümme brus't, de Regen ankloppt an de Finstern, de Ulen schri'n un de Togwind dörch de Gäng' hult, as wiren de bösen Geister los. – Nu hüren S' blot, wat is dat wedder för en Weder! – Herr Droi, Sei grugen sick woll gor nich?« – »Ah, nong«, seggt Herr Droi, sitt äwer still un horkt nah dat Weder rut[54] un seggt endlich: »Attangdeh, dü Tonnähr!« – »Wat Pommdetähr?« fröggt Mamsell Westphalen, »wat hett dat Weder in dese Johrstid mit de Tüften tau dauhn?« – »Ick meinen nich die kleine Garßong mit die graue Jack, ick meinen« – un hei rückt mit den Finger krüz un quer in de Luft – »ick meinen der helle Szik-Szak mit Rumpel, Pumpel, Rattetetah.« – »Denn hewwen Sei recht, Herr Droi«, seggt Mamsell Westphalen, »denn bute geiht dat würklich: Rumpel, Pumpel, Rattetetah.« – »Ah«, seggt Herr Droi, »das sein deh Tambur, das sein meine Kamerad, die Grenadier«, un sprung up un marschiert up un dal mit de Borenmütz up den Kopp, denn hir was't hoch naug dortau, un stunn denn wedder still: »Hork! Sie marschier auf die Marsché, auf die Markt!« un »Hork! Das sein die grang Kanong, die swere Geßütz!« Un Mamsell Westphalen sitt dor un hett de Hän'n in den Schot un kickt em an un schüddelt den Kopp un seggt: »Wo dat doch einmal insitt! Hei 's süs en orndlich Minsch, üm wat stellt hei sick denn nu so wütig an? 't is as mit de ollen Fuhrlüd', wenn sei nich mihr führen känen, mägen sei noch ümmer klappen.«

Un't wohrt nich lang', dunn kümmt Wewer Stahlsch in de Dör rin – dat was Mamsell Westphalen ehr dägliche Aportendräger un Apostel, de drog ehr dat Nige ut de Stadt tau, un för jeden Mund vull Niglichkeiten, den sei rup drog up't Sloß, drog sei ein Henkelpott vull Eten wedder raf –, hadd den Rock äwer'n Kopp namen un leckt as 'ne Dackrönn, schüddelt sick irst en pormal un säd dunn: »Brr, wat is't för'n Weder!« – »Dat ist dat, Fru Meistern«, säd de Mamsell – sei nennt sei ümmer »Fru Meistern«; »nich üm Stahlsch ehrentwillen«, säd sei, »ne, üm minentwillen, denn wat würden de Lüd' dortau seggen, wenn ick mi mit en gewöhnlich Frugensminsch afgew – ne! ick heww ok minen Stolz!« – »Mamselling«, säd de Fru Meistern, »ick kam ruppe: up de Mark grimmelt un wimmelt dat vull Franzosen, un hewwen en groten Hümpel Kanonen mitbröcht, un de Burmeister hett nah minen Mann schickt, de sall in dit Weder un in de düster[55] Nacht up de Dörpe rümlopen un sall de Buren un de Häw tau Fuhrwark bestellen up morgen middag, un passen S' up, Sei krigen ok Inquartierung.« – »Dat weit de leiw' Gott!« seggt Mamsell Westphalen un geiht an de Dör un röppt Korlin un Fik, sei sälen Füer in de blag' Stuw' maken neben ehr an un sälen twei Bedden uprichten, denn de Düwel würd bald so'n grotmüligen französchen Obersten un so'n ßawwerig Krät von Adjudanten den Sloßbarg rup karen, un dreiht sick üm tau ehr Gesellschaft un seggt: »Dor känen sei liggen; un wenn dat Späuk in de blag' Stuw' en christlich Späuk is, denn warden sei just nich vel Rauh finnen in de Nacht, un dat günn ick ehr. Denn, Herr Droi«, seggt sei, »hir neben an späukt dat, glöwen Sei ok an Späuk?« – Herr Droi seggt: »Ne«, un't ward mitdewil buten en Upstand, un as Mamsell Westphalen rute kickt, kümmt richtig en französchen Oberst mit sinen Adjudanten rinne in de Husdör, un en por Ordonnanzen folgen achter drin. Sei warden in de blag' Stuw' bröcht, wo sei sick drög antrecken, un gahn dunn rup nah'n Herrn Amtshauptmann un eten dor Abendbrod.

Wildeß sitt Herr Droi deip in Gedanken, un hei seggt einmal äwer't anner: »Diabel!« un »Diangter!«, un as sei em fragen, kümmt hei endlich dormit rut: hei wir in grote Swulitäten un't künn sin Unglück sin, denn wenn hei mit sin Mondierung un de Borenmütz un Obergewehr un Unnergewehr ut de Stuw' güng un dörch de Straten, künn em de Ordonnanz seihn oder ein von de französchen Wachtposten oder so'n Ströper von Franzos', un sei kün'n em fragen: wo so? un woans?, un wenn hei denn nich Hals gewen künn, künn de Düwel sin Spill heww'n un de Geschicht von hüt nahmiddag künn rute kamen, un wat denn? – »Herr Droi«, seggt Mamsell Westphalen, »dat is en slimm Stück! Den Slüngel, den Fritz Sahlmann sin Tüg känen Sei nich antrecken, denn wenn Sei ok Ehr leiw' Middelstück dorinne premsen wullen, wo bliwen de En'n? – Un von den Herrn Amtshauptmann sin Tüg? Ne, Herr Droi, verlangen S' nich von mi so 'ne Undaht, denn dat wir jo, as süll ick mit eigne Hand dat Sloß ansticken.[56] Un anner Mannslüd' hewwen wi, Gott sei Dank, nich hir. – Äwer Herr Droi, Sei hewwen uns hüt nahmiddag ut grote Not reddt, un dorüm redd ick Sei wedder. Ehr Fru weit, dat Sei hir baben unner Christenminschen sünd; Sei sälen des' Nacht in min Gardinenbeddstäd slapen, ick legg Sei frisch Laken up, un ick slap bi dat Stubenmäten. Fru Meistern, kamen S'!« Dormit geiht sei ut de Dör, un't wohrt nich lang', dunn kümmt sei wedder rin un deckt frisch Laken äwer dat Bedd un fröggt wedder: »Herr Droi, grugen Sei sick ok?« – Herr Droi seggt wedder: »Ne«, un sei seggt: »Dat is schön! Denn männigmal geiht dat hir nebenan up 'ne sonderbare Ort üm, ›tap! tap! tap!‹, äwer hir kümmt dat nich rinne, ick heww en Haufisen up min Dör nageln laten. – Nu hür mal einer! Nu hür mal einer! Nu gahn de Franzosen hir bian ok tau Bedd. Nu hür mal einer dat Gesnater! – Herr Droi«, fröggt sei lis', »känen Sei dat all verstahn?« – »Wui«, seggt Herr Droi. – »Ick glöw't«, seggt sei, »denn de Wand is sihr dünn. Dit was irst 'ne grote Stuw', nu sünd dor äwer twei ut makt worden. – Na, gun Nacht ok, Herr Droi! Fru Meistern, kamen S'!« – Herr Droi seggt ok sin gun Nacht up Französch, süht äwer ut, as hadd hei noch wat up den Harten, wat hei nich seggen künn oder nich seggen müggt, un Mamsell Westphalen seggt sachten tau de Fru Meistern: »Fru Meistern, Sei sünd 'ne verfrigte Fru, för mi paßt sick dat nich, seggen S' den Mann Bescheid«, un geiht. As sei furt is, geiht de Uhrkenmaker mit de Fru Meistern ok rut.

As sei all rut sünd, dunn wutscht wat äwer den Gang, wo de Nachtlamp brennt, in Mamsell Westphalen ehr Stuw' herin, dat is de Spitzbauben-Jung', de Fritz Sahlmann, un hett unner'n Arm en groten Klupen Is as en Hauttöppel grot, un as 'ne Katt springt hei up de Beddlad von Mamsell Westphalen ehr grot Gardinenkutsch in de Höcht un leggt den Isklumpen baben up den Himmel von dat Beddgestell un seggt tau sick: »Täuw, du olle Racker! Dit is för de Mulschellen, de ik kregen heww; dit sall di de upstigende Hitz woll käuhlen«, un dormit wutscht hei wedder rut ut de Dör.[57]

Herr Droi kümmt nu ok wedder rin, treckt sick ut, leggt »la grang Nationg« vör't Bedd up den Staul, pust dat Licht ut un leggt sick dal, reckt sick in dat schöne, weike Bedd lang ut un seggt: »Ah! Szeh bong!«, horkt nu up den Storm buten un up den Regen, wo de dal gütt, un up dat Resonnieren von de beiden Franzosen nebenan, doch endlich hürt dat Szackerieren up, un Herr Droi is grad so twischen Slapen un Waken, dunn geiht dat: tap – tap – tap. »Haha«, denkt Herr Droi up Französch, »dat is dat Späuk hir nebenan!« un horkt nu, wat sin Landslüd' woll dortau seggen warden. De liggen ganz still; äwer tap – tap – tap, geiht dat ruhig wider, un nu is det Herr Droin, as wenn't in sin Stuw' is. Ja, in sin Stuw' is't, un wenn't in sin Stuw' is, denn is't in de Dör rinne kamen, wo süll't süs rin kamen sin? Hei grippt also nah einen von sin Schauh un smitt nah de Dör hen, bautz! fohrt de Schauh gegen de Dör, un up den Gang bullert dat, as wenn't Gewitter inslagen hadd. De Franzosen nebenan fangen an sick tau rögen un reden mit enanner. Bald is dat indes wedder still; äwer tap – tap – tap, geiht dat wedder dicht bi Herr Droin sin Bedd. Herr Droi richt sick in En'n un bögt sick vöräwer, üm beter hüren tau känen – klatsch! – föllt em en Druppen up den kahlen Kopp – un klatsch! – noch ein up de krumme Näs', un as hei vör sick hengrippt, dunn fäuhlt hei, dat sin Äwerbedd so bi Lütten anfangt dörchtauweiken. »Diangter!« seggt hei, »dat Dack is nich dicht, un dat leckt dörch den Bähn. Wat nu?« Hei verföllt natürlich glik up dat vernünftigste Mittel, up wat en Minsch in so'n Ümstän'n verfallen kann, hei will mit sin Bedd ümtrecken; hei steiht also up un fangt mit de olle swere Beddlad t'Ens den Kopp an tau schurren, denkt äwer nich an den Franzosen sin Kaskett un Säbel, de in de Eck stahn, un – hest nich geseihn – schurrt dat an de Wand entlang un klappert un rummelt up den Fautbodden dal. Herr Droi verfirt sick nich slicht un steiht un horkt, un – richtig! – de beiden Franzosen sünd upwakt von den Spektakel un schellen un futern. Hei denkt äwer, dat mag jo woll hulpen hewwn, un krüppt in't Bedd. Nu was de oll Isklumpen äwer all[58] schön dörchdäu't, un dat pirrt natürlich in dat Bedd herin; hei liggt 'ne Wil, äwer dat löppt ümmer düller, dat ward em all so käuhlhaftig, dat Water sleiht all dörch, un hei denkt – natürlich up Französch –: »Nu slapen s' woll. Wenn du dat Fauten'n nu so nahbringen künnst, denn müggst du jo woll von de Leck loskamen«; steiht up un rückt dat Fauten'n los, – bautz! – föllt sin Obergewehr de Wand entlang up den Fautbodden, un hett dat irst nicht knallt, denn knallt dat nu.

Dor stunn nu de arm Uhrkenmaker un bet sick up de Lipp un kau't sick up de Nägel un höll de Luft an, as wenn sin Atenhalen de Franzosen upwecken künn, de nebenan all ludhals' schimpfen un schandierten un »Szilangz« repen un an de Wand kloppten. »Kö fähr?« säd hei up Französch vör sick hen. »De irste Not möt kihrt warden, as dat oll Wiw säd, dunn slog s' den Backeltrog intwei un makt dat Sürwater dormit heit«, krop in dat Bedd un säd: »Gott sei Dank! Nu bün ick ut de Leck.« Hei was äwer ut den Regen in de Drupp kamen, denn – strull! – göt dat runner von den Bähn – strull! – göt dat in dat Bedd herin. Em würd ganz kolt un waterig tau Maud', as wir hei 'ne Pogg in Frühjohrstid. – Dat hülp em allens nich, hei müßt wedder rut un müßt wedder ümtrecken; äwer lising, dat hei nicks ümstöten ded. Hei treckt in de ein Eck, dor was't doch vörher drög west, hei treckt in de anner Eck, dor was't doch ok drög west, un so führt hei de schöne lange Nacht mit de Gardinenkutsch in de Stuw' ümmer rund herüm, lising, ganz lising, äwer wo hei henkamm, was ok de Leck.

So stunn hei denn nu in'n blanken Hemd midden in de Stuw' un sünn un sünn, wo dit woll wir un wo dat woll wir, un slog sick endlich up Französch mit de Hand vör'n Kopp un säd: »Ick Schapskopp!«, denn em was en Licht upgahn. Dat heit in'n Kopp, denn in de Stuw' was't düster, un Licht müßt hei doch hewwen. Hei slek sick also lising rut up den Gang, un – richtig! – dor brennt ok de Lamp noch; hei stek sin Licht an, gung t'rügg, lücht nah den Beddhimmel rup, sach dor wat baben liggen, säd: »Ah, Cannalje!«, steg up de Beddlad,[59] kunn't äwer nich langen. Hei reckt sick nah Mäglichkeit un grawwelt up den Isklumpen rüm, de was äwer tau gliwwerig, hei let sick nich faten. Parblöh! Einen halwen Toll länger! Hei leggt sick mit aller Gewalt in't Geschirr – knack! seggt de Himmel, un Himmel un Isklumpen un Droi, allens föllt gegen de Franzosen ehr Wand, un dor liggt Herr Droi unner de unschülligen witten Gardinen un ampelt mit de nakten Beinen in de Luft herüm, as künnen de vertellen, wo ehren Herrn tau Maud' was.

Mit einmal geiht de Dör up, un herinne kümmt de französche Oberst un hett sick gegen de Verküllung 'ne rode wullin'tlinnen Beddeck ümnamen un höllt 'ne duwweltlöpig Pistol vör sick hen, un achter em steiht mit en blanken Degen un süs noch mit allerlei Blanks sin Adjudant. – Herr Droi rappelt sick ut den Himmel rut, stülpt sick de Borenmütz up den Kopp, richt sick steidel in En'n, leggt de Hand an de Mütz un seggt: »Bong Swar, mong Colonnel!« – De Oberst, de kickt em an, de Adjudant kickt den Obersten an, sei hüren, dat sei mit en Franzosen tau dauhn hewwen, sei seihn de swarten Stifeletten un de ganze »grang Nationg« vör dat Bedd liggen, sei seihn Obergewehr un Unnergewehr, un – wat düller is as dull – sei seihn den Säbel un den Pirdswanz von den Schassür. Wat heit dit? un wat sall dit? – Herr Droi stamert up sine Ort wat taurecht, Herr Droi fangt an, von Marengo un Jena tau vertellen, Herr Droi fangt an tau leigen, Herr Droi lüggt wunderschön, man schad, sei glöwen em nich. In de Stuw' un up den Gang ward dat en Höllenlarm, de Oberst schellt Herrn Droin für en Dissentür un en Marodür, de Adjudant röppt äwer de Ordonnanzen; de Ordonnanzen störten von de ein Sid von den Gang in Hast un korten Tüg' vör, as wir wer in't Water follen un sei wullen em nahspringen, ahn sick de Hosen natt tau maken; von de anner Sid rückt Mamsell Westphalen mit dat Stubenmäten un de Käksch vör un hett 'ne grote Stallücht in de Hand, süs äwer man in sihr bedrängten Kledungsümstän'n. Sei höllt sick de Hand vör de Ogen, as wir sei ganz blen'nt von de Stallücht,[60] un äwer ehr Schuller kickt de Stubendirn un seggt tau de Käksch: »Herre je, doch! kik, Korlin ...!« – »Schäm di wat«, seggt Mamsell Westphalen, »wat sall sei kiken? Wat hest du tau kiken? Un wat is hir tau kiken? – Wi sünd hir wegen dat unchristlich Wesen bi Nachtslapentid, un wil dat Herr Droin sin Stimm ut Ängsten un Nöten tau uns raupen hett. Un nu dreiht jug üm!« – De beiden Dirns un Mamsell Westphalen dreihn sick nu üm un wisen de Franzosen ehr Rüggsid, un de Mamsell seggt: »Herr französche Oberst, wat sall dit? wat is dit? un wat bedüd't dit? Wat laten Sei Herr Droin nich in min Stuw' ruhig slapen? Dit is en christlich Hus un en ruhig Hus, un so'n Upstand sünd wi hir nich gewennt.« Un set't halwlud för sick hentau: »Ein von't oll Takeltüg ward mi jo woll verstahn.« – De französche Oberst kickt sick an, wo hei dor steiht in sin rod Deck, un denn Herr Droin mit de Borenmütz up den Kopp un sinen spirrbeinigen Adjudanten, wo dei herümmer hüppen deiht in sinen Iwer, un Mamsell Westphalen ehr breide Achtersid, un dat Ganze kümmt em so nahrsch vör, dat hei lud anfangt tau lachen, un hei seggt up gaud Dütsch: sei süll man wider reden, hei künn ehr gaud naug verstahn, denn hei wir en Dütscher, hei wir en Westfal. – »So schriw ick mi ok!« seggt Mamsell Westphalen. – De Oberst lacht un seggt: hei wir blot en Westfal, heiten ded hei von Toll. – Mamsell Westphalen makt en deipen Knix von achter: »Um Vergebung tau fragen: sünd Sei villicht 'ne Fründschaft von den Herrn Postmeister un Gastwirt Tollen hir unnen in de Stadt?« – Dat nich! säd de Oberst; äwer em würd nahgrad friren; de Ordonnanzen süllen bi Herr Droin bliben, denn hei würd woll'n französchen Dissentür sin, un sei süllen ok nahforschen, wo de französche Schassür blewen wir, den Säbel un Kaskett hüren ded. – Herr Droi fung nu wedder an tau leigen, un Mamsell Westphalen schämt sick in sine Seel un dreiht sich in'n Arger rüm un seggt: »Schämen S' sick, Herr Droi, den Lehnstaul för't Öller mit Slichtigkeiten tau pulstern, dat giwwt en hart Küssen för't Gewissen. Un schämen S' sick, Herr Droi, wecke anstännig Mannsminsch[61] set't sick irst de Mütz up un treckt sick nahst irst de Hosen an!« Dreiht sick üm, un as sei gewohr ward, dat dat Stubenmäten sick ok ümdreiht hett, giwwt sei ehr en lütten Fuck in de horten Ribben un seggt: »Dumme Dirn!« un makt wedder en deipen Knix von achter un seggt: »Mine Empfehlung, Herr Oberst von Toll!« un marschiert mit de beiden Dirns af. De annern gungen ok, un bald würd denn allens still, un de Herr Amtshauptmann hadd kein Ahnung dorvon, wat in sinen Hus' passieren ded, denn hei slep den Slap der Gerechten.

Quelle:
Fritz Reuter: Gesammelte Werke und Briefe, Band 4, Rostock 1967, S. 53-62.
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