Dritter Auftritt.

[55] Sprecher und der andere Priester mit Fackeln. Vorige.


SPRECHER. Ihr Fremdlinge, was sucht oder fordert ihr von uns? Was treibt euch an, in unsre Mauern zu dringen?

TAMINO. Freundschaft und Liebe.

SPRECHER. Bist du bereit, es mit deinem Leben zu erkämpfen?

TAMINO. Ja!

SPRECHER. Auch wenn Tod dein Loos wäre?

TAMINO. Ja![55]

SPRECHER. Prinz, noch ists Zeit zu weichen – einen Schritt weiter, und es ist zu spät. –

TAMINO. Weisheitslehre sey mein Sieg; Pamina, das holde Mädchen mein Lohn.

SPRECHER. Du unterziehst jeder Prüfung dich?

TAMINO. Jeder!

SPRECHER. Reiche deine Hand mir! – Sie reichen sich die Hände. So!

ZWEYTER PRIESTER. Ehe du weiter sprichst, erlaube mir ein Paar Worte mit diesem Fremdlinge zu sprechen. – – Willst auch du dir Weisheitsliebe erkämpfen?

PAPAGENO. Kämpfen ist meine Sache nicht. – Ich verlang' auch im Grunde gar keine Weisheit. Ich bin so ein Natursmensch, der sich mit Schlaf, Speise und Trank begnügt; – und wenn es ja seyn könnte, daß ich mir einmahl ein schönes Weibchen fange.

ZWEYTER PRIESTER. Die wirst du nie erhalten, wenn du dich nicht unsern Prüfungen unterziehst.

PAPAGENO. Worinn besteht diese Prüfung? –

ZWEYTER PRIESTER. Dich allen unsern Gesetzen unterwerfen, selbst den Tod nicht scheuen.[56]

PAPAGENO. Ich bleibe ledig!

SPRECHER. Aber wenn du dir ein tugendhaftes, schönes Mädchen erwerben könntest?

PAPAGENO. Ich bleibe ledig!

ZWEYTER PRIESTER. Wenn nun aber Sarastro dir ein Mädchen aufbewahrt hätte, das an Farbe und Kleidung dir ganz gleich wäre? –

PAPAGENO. Mir gleich! Ist sie jung?

ZWEYTER PRIESTER. Jung und schön!

PAPAGENO. Und heißt?

ZWEYTER PRIESTER. Papagena.

PAPAGENO. Wie? – Pa?

ZWEYTER PRIESTER. Papagena!

PAPAGENO. Papagena? – Die möcht' ich aus bloßer Neugierde sehen.

ZWEYTER PRIESTER. Sehen kannst du sie! – –

PAPAGENO. Aber wenn ich sie gesehen habe, hernach muß ich sterben?


Zweyter Priester macht eine zweydeutige Pantomime.


PAPAGENO. Ja? – Ich bleibe ledig!

ZWEYTER PRIESTER. Sehen kannst du sie, aber bis zur verlaufenen Zeit kein Wort mit ihr sprechen; wird dein Geist so viel Standhaftigkeit besitzen, deine Zunge in Schranken zu halten?

PAPAGENO. O ja![57]

ZWEYTER PRIESTER. Deine Hand! du sollst sie sehen.

SPRECHER. Auch dir, Prinz, legen die Götter ein heilsames Stillschweigen auf; ohne diesem seyd ihr beyde verlohren. – Du wirst Pamina sehen – aber nie sie sprechen dürfen; dieß ist der Anfang eurer Prüfungszeit. –


Duetto.


Bewahret euch vor Weibertücken:

Dies ist des Bundes erste Pflicht!

Manch weiser Mann ließ sich berücken,

Er fehlte, und versah sichs nicht.

Verlassen sah er sich am Ende,

Vergolten seine Treu mit Hohn!

Vergebens rang er seine Hände,

Tod und Verzweiflung war sein Lohn.


Beyde Priester ab.


Quelle:
Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte, von Emanuel Schikaneder, Wien 1791, S. 55-58.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Jean Paul

Selberlebensbeschreibung

Selberlebensbeschreibung

Schon der Titel, der auch damals kein geläufiges Synonym für »Autobiografie« war, zeigt den skurril humorvollen Stil des Autors Jean Paul, der in den letzten Jahren vor seiner Erblindung seine Jugenderinnerungen aufgeschrieben und in drei »Vorlesungen« angeordnet hat. »Ich bin ein Ich« stellt er dabei selbstbewußt fest.

56 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon