Sechster Auftritt

[602] Mortimer allein.


Geh, falsche, gleisnerische Königin!

Wie du die Welt, so täusch ich dich. Recht ists,

Dich zu verraten, eine gute Tat!

Seh ich aus wie ein Mörder? Lasest du

Ruchlose Fertigkeit auf meiner Stirn?

Trau nur auf meinen Arm und halte deinen

Zurück, gib dir den frommen Heuchelschein

Der Gnade vor der Welt, indessen du

Geheim auf meine Mörderhilfe hoffst,

So werden wir zur Rettung Frist gewinnen!

Erhöhen willst du mich – zeigst mir von ferne

Bedeutend einen kostbarn Preis – Und wärst

Du selbst der Preis und deine Frauengunst!

Wer bist du Ärmste, und was kannst du geben?

Mich locket nicht des eiteln Ruhmes Geiz!

Bei ihr nur ist des Lebens Reiz –

Um sie, in ewgem Freudenchore, schweben

Der Anmut Götter und der Jugendlust,

Das Glück der Himmel ist an ihrer Brust,

Du hast nur tote Güter zu vergeben!

Das eine Höchste, was das Leben schmückt,

Wenn sich ein Herz, entzückend und entzückt,

Dem Herzen schenkt in süßem Selbstvergessen,

Die Frauenkrone hast du nie besessen,

Nie hast du liebend einen Mann beglückt!

– Ich muß den Lord erwarten, ihren Brief

Ihm übergeben. Ein verhaßter Auftrag!

Ich habe zu dem Höflinge kein Herz,

Ich selber kann sie retten, ich allein,

Gefahr und Ruhm und auch der Preis sei mein!


Indem er gehen will, begegnet ihm Paulet.



Quelle:
Friedrich Schiller: Sämtliche Werke, Band 2, München 31962, S. 602-603.
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