[278] Vorige. Wachtmeister. Trompeter. Ulan.
TROMPETER.
Was will der Bauer da? Fort, Halunk!
BAUER.
Gnädige Herren, einen Bissen und Trunk,
Haben heut noch nichts Warmes gegessen.
TROMPETER.
Ei, das muß immer saufen und fressen.
ULAN mit einem Glase.
Nichts gefrühstückt? Da trink, du Hund!
Führt den Bauer nach dem Zelte; jene kommen vorwärts.
WACHTMEISTER zum Trompeter.
Meinst du, man hab uns ohne Grund
Heute die doppelte Löhnung gegeben,
Nur daß wir flott und lustig leben?[278]
TROMPETER.
Die Herzogin kommt ja heute herein
Mit dem fürstlichen Fräulein –
WACHTMEISTER.
Das ist nur der Schein.
Die Truppen, die aus fremden Landen
Sich hier vor Pilsen zusammenfanden,
Die sollen wir gleich an uns locken
Mit gutem Schluck und guten Brocken,
Damit sie sich gleich zufrieden finden,
Und fester sich mit uns verbinden.
TROMPETER.
Ja, es ist wieder was im Werke!
WACHTMEISTER.
Die Herrn Generäle und Kommendanten –
TROMPETER.
Es ist gar nicht geheuer, wie ich merke.
WACHTMEISTER.
Die sich so dick hier zusammenfanden –
TROMPETER.
Sind nicht für die Langweil herbemüht.
WACHTMEISTER.
Und das Gemunkel, und das Geschicke –
TROMPETER.
Ja! Ja!
WACHTMEISTER.
Und von Wien die alte Perücke,
Die man seit gestern herumgehn sieht,
Mit der guldenen Gnadenkette,
Das hat was zu bedeuten, ich wette.
TROMPETER.
Wieder so ein Spürhund, gebt nur acht,
Der die Jagd auf den Herzog macht.
WACHTMEISTER.
Merkst du wohl? sie trauen uns nicht,
Fürchten des Friedländers heimlich Gesicht.
Er ist ihnen zu hoch gestiegen,
Möchten ihn gern herunterkriegen.
TROMPETER.
Aber wir halten ihn aufrecht, wir.
Dächten doch alle wie ich und Ihr!
WACHTMEISTER.
Unser Regiment und die andern vier,
Die da Terschka anführt, des Herzogs Schwager,
Das resoluteste Korps im Lager,
Sind ihm ergeben und gewogen,
Hat er uns selbst doch herangezogen.
Alle Hauptleute setzt er ein,
Sind alle mit Leib und Leben sein.[279]
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