Zweites Sonett

Du meine Hand bist mehr als alle Weiber,

Du bist stets da, wie keine Frau erprobt,

Du hast noch nie in Eifersucht getobt,

Und bist auch nie zu weit, du enger Reiber.


Ovid, mein Lehrer weiland, hat dich recht gelobt,

Denn du verbirgst in dir ja alle Leiber,

Die ich mir wünsche. Kühler Glutvertreiber,

Dir hab ich mich für immer anverlobt.


Ich stehe stolz allein mir dir im Raume

Und streichle meine bläulichrote Glans.

Schon quirlt sich weiß der Saft zum Schaume,


So zieh ich aus Erfahrung die Bilanz:

Die Zweiheit paart sich nur im Wollusttraume,

Sonst paart sich meine Faust mit meinem Schwanz.

Quelle:
Friedrich Schlegel: Erotische Sonette. Hanau/Main 1969.
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