Zweite Szene

[185] Ein öffentlicher Platz.

In einem feierlichen Aufzuge mit Musik kommen Cäsar; Antonius, zum Wettlauf gerüstet; Calpurnia, Portia, Decius, Cicero, Brutus, Cassius und Casca; hinter ihnen ein großes Gedränge, darunter ein Wahrsager.


CÄSAR.

Calpurnia!

CASCA.

Still da! Cäsar spricht.


Die Musik hält inne.


CÄSAR.

Calpurnia!

CALPURNIA.

Hier, mein Gemahl!

CÄSAR.

Stellt dem Antonius grad' Euch in den Weg,

Wenn er zur Wette läuft! – Antonius!

ANTONIUS.

Erlauchter Cäsar?

CÄSAR.

Vergeßt, Antonius, nicht in Eurer Eil',

Calpurnia zu berühren; denn es ist

Ein alter Glaube, unfruchtbare Weiber,

Berührt bei diesem heil'gen Wettlauf,

Entladen sich des Fluchs.[185]

ANTONIUS.

Ich werd' es merken.

Wenn Cäsar sagt: »Tu' das«, so ist's vollbracht.

CÄSAR.

Beginnt; laßt nichts von den Gebräuchen aus!


Musik.


WAHRSAGER.

Cäsar!

CÄSAR.

He, wer ruft?

CASCA.

Es schweige jeder Lärm: noch einmal still!


Die Musik hält inne.


CÄSAR.

Wer ist es im Gedräng', der mich begehrt?

Durch die Musik dringt gellend eine Stimme,

Die: »Cäsar!« ruft. Sprich! Cäsar neigt sein Ohr.

WAHRSAGER.

Nimm vor des Märzen Idus dich in acht!

CÄSAR.

Wer ist der Mann?

BRUTUS.

Ein Wahrsager; er warnt Euch vor des Märzen Idus.

CÄSAR.

Führt ihn mir vor, laßt sein Gesicht mich sehn!

CASCA.

Komm aus dem Haufen, Mensch: tritt vor den Cäsar!

CÄSAR.

Was sagst du nun zu mir? Sprich noch einmal!

WAHRSAGER.

Nimm vor des Märzen Idus dich in acht!

CÄSAR.

Er ist ein Träumer: laßt ihn gehn, und kommt!


Ein Marsch. Alle bis auf Brutus und Cassius gehn ab.


CASSIUS.

Wollt Ihr den Hergang bei dem Wettlauf sehn?

BRUTUS.

Ich nicht.

CASSIUS.

Ich bitt' Euch, tut's!

BRUTUS.

Ich hab' am Spiel nicht Lust, mir fehlt ein Teil

Vom muntern Geiste des Antonius:

Doch muß ich Euch in Eurem Wunsch nicht hindern.

Ich lass' Euch, Cassius.

CASSIUS.

Brutus, seit kurzem geb' ich acht auf Euch:

Ich find' in Eurem Blick die Freundlichkeit,

Die Liebe nicht, an die Ihr mich gewöhnt.

Zu störrisch und zu fremd begegnet Ihr

Dem Freunde, der Euch liebt.

BRUTUS.

Mein Cassius,

Betrügt Euch nicht: Hab' ich den Blick verschleiert,

So kehrt die Unruh' meiner Mienen sich[186]

Nur gegen mich allein. Seit kurzem quälen

Mich Regungen von streitender Natur,

Gedanken, einzig für mich selbst geschickt,

Die Schatten wohl auf mein Betragen werfen.

Doch laßt dies meine Freunde nicht betrüben

(Wovon Ihr einer sein müßt, Cassius),

Noch mein achtloses Wesen anders deuten,

Als daß, mit sich im Krieg, der arme Brutus

Den andern Liebe kund zu tun vergißt.

CASSIUS.

Dann, Brutus, mißverstand ich Euren Unmut.

Deshalb begrub hier diese Brust Entwürfe

Von großem Werte, würdige Gedanken.

Sagt, Brutus, könnt Ihr Euer Antlitz sehn?

BRUTUS.

Nein, Cassius, denn das Auge sieht sich nicht,

Als nur im Widerschein, durch andre Dinge.

CASSIUS.

So ist's:

Und man beklagt sich sehr darüber, Brutus,

Daß Ihr nicht solche Spiegel habt, die Euren

Verborgnen Wert Euch in die Augen rückten,

Auf daß Ihr Euren Schatten säht. Ich hörte,

Wie viele von den ersten Männern Roms

(Nur Cäsarn nehm' ich aus), vom Brutus redend,

Und seufzend unter dieser Zeiten Joch,

Dem edlen Brutus ihre Augen wünschten.

BRUTUS.

Auf welche Wege, Cassius, lockt Ihr mich,

Daß Ihr mich heißt in meinem Innern suchen,

Was doch nicht in mir ist?

CASSIUS.

Drum, lieber Brutus, schickt Euch an zu hören.

Und weil Ihr wißt, Ihr könnt Euch selbst so gut

Nicht sehn als durch den Widerschein, so will

Ich, Euer Spiegel, Euch bescheidentlich

Von Euch entdecken, was Ihr noch nicht wißt.

Und denkt von mir kein Arges, werter Brutus:

Wär' ich ein Lacher aus der Menge; pflegt' ich

Mein Herz durch Alltagsschwüre jedem neuen

Beteurer auszubieten; wenn Ihr wißt,

Daß ich die Menschen streichle, fest sie herze,

Und dann sie lästre; oder wenn Ihr wißt,[187]

Daß ich beim Schmaus mich mit der ganzen Schar

Verbrüdern mag, – dann hütet Euch vor mir!


Trompeten und Freudengeschrei.


BRUTUS.

Was heißt dies Jauchzen? Wie ich fürchte, wählt

Das Volk zum König Cäsarn.

CASSIUS.

Fürchtet Ihr's?

Das hieße ja, Ihr möchtet es nicht gern.

BRUTUS.

Nein, Cassius, nicht gern; doch lieb' ich ihn.

Doch warum haltet Ihr mich hier so lange?

Was ist es, das Ihr mir vertrauen möchtet?

Ist's etwas, dienlich zum gemeinen Wohl,

Stellt Ehre vor ein Auge, Tod vor's andre,

Und beide seh' ich gleiches Mutes an.

Die Götter sei'n mir günstig, wie ich mehr

Die Ehre lieb', als vor dem Tod mich scheue!

CASSIUS.

Ich weiß, daß diese Tugend in Euch wohnt,

So gut ich Euer äußres Ansehn kenne.

Wohl! Ehre ist der Inhalt meiner Rede.

Ich weiß es nicht, wie Ihr und andre Menschen

Von diesem Leben denkt; mir, für mich selbst,

Wär' es so lieb, nicht da sein, als zu leben

In Furcht vor einem Wesen wie ich selbst.

Ich kam wie Cäsar frei zur Welt, so Ihr;

Wir nährten uns so gut, wir können beide

So gut wie er des Winters Frost ertragen.

Denn einst, an einem rauhen stürm'schen Tage,

Als wild die Tiber an ihr Ufer tobte,

Sprach Cäsar zu mir: »Wagst du, Cassius, nun,

Mit mir zu springen in die zorn'ge Flut

Und bis dorthin zu schwimmen?« – Auf dies Wort,

Bekleidet, wie ich war, stürzt' ich hinein,

Und hieß ihn folgen; wirklich tat er's auch.

Der Strom brüllt' auf uns ein; wir schlugen ihn

Mit wackern Sehnen, warfen ihn beiseit',

Und hemmten ihn mit einer Brust des Trotzes.

Doch eh' wir das gewählte Ziel erreicht,

Rief Cäsar: »Hilf mir, Cassius! Ich sinke!«[188]

Ich, wie Äneas, unser großer Ahn,

Aus Trojas Flammen einst auf seinen Schultern

Den alten Vater trug, so aus den Wellen

Zog ich den müden Cäsar. – Und der Mann

Ist nun zum Gott erhöht, und Cassius ist

Ein arm Geschöpf, und muß den Rücken beugen,

Nickt Cäsar nur nachlässig gegen ihn.

Als er in Spanien war, hatt' er ein Fieber,

Und wenn der Schau'r ihn ankam, merkt' ich wohl

Sein Beben: ja, er bebte, dieser Gott!

Das feige Blut der Lippen nahm die Flucht,

Sein Auge, dessen Blick die Welt bedräut,

Verlor den Glanz, und ächzen hört' ich ihn.

Ja, dieser Mund, der horchen hieß die Römer

Und in ihr Buch einzeichnen seine Reden,

Ach, rief: »Titinius! Gib mir zu trinken!«,

Wie 'n krankes Mädchen. Götter! ich erstaune,

Wie nur ein Mann so schwächlicher Natur

Der stolzen Welt den Vorsprung abgewann

Und nahm die Palm' allein.


Jubelgeschrei. Trompeten.


BRUTUS.

Ein neues Jauchzen!

Ich glaube, dieser Beifall gilt die Ehren,

Die man auf Cäsars Haupt von neuem häuft.

CASSIUS.

Ja, er beschreitet, Freund, die enge Welt

Wie ein Colossus, und wir kleinen Leute,

Wir wandeln unter seinen Riesenbeinen

Und schaun umher nach einem schnöden Grab.

Der Mensch ist manchmal seines Schicksals Meister:

Nicht durch die Schuld der Sterne, lieber Brutus,

Durch eigne Schuld nur sind wir Schwächlinge.

Brutus und Cäsar – was steckt doch in dem Cäsar,

Daß man den Namen mehr als Euren spräche?

Schreibt sie zusammen: ganz so schön ist Eurer;

Sprecht sie: er steht den Lippen ganz so wohl;

Wägt sie: er ist so schwer; beschwört mit ihnen:

Brutus ruft Geister auf so schnell wie Cäsar.


Jubelgeschrei.[189]


(Nun denn, im Namen der gesamten Götter,

Mit was für Speise nährt der Cäsar sich,

Daß er so groß ward? Zeit, du bist entehrt!

Rom, du verlorst die Kraft des Heldenstamms!

Welch Alter schwand wohl seit der großen Flut,

Das nicht geglänzt durch mehr als einen Mann?

Wer sagte jemals wenn er sprach von Rom

Es fass' ihr weiter Kreis nur einen Mann?)

Nun ist in Rom fürwahr des Raums genug:

Find't man darin nur einen einz'gen Mann.

Oh, beide hörten wir von unsern Vätern,

Einst gab es einen Brutus, der so gern

Des alten Teufels Hof als einen König

Geduldet hätt' in Rom.

BRUTUS.

Daß Ihr mich liebt, bezweifl' ich keineswegs;

Worauf Ihr bei mir dringt, das ahnd' ich wohl;

Was ich davon gedacht und von den Zeiten,

Erklär' ich Euch in Zukunft. Doch für jetzt

Möcht' ich, wenn ich Euch freundlich bitten darf,

Nicht mehr getrieben sein. Was Ihr gesagt,

Will ich erwägen; was Ihr habt zu sagen,

Mit Ruhe hören, und gelegne Zeit,

So hohe Dinge zu besprechen, finden.

Bis dahin, edler Freund, beherzigt dies:

Brutus wär' lieber eines Dorfs Bewohner,

Als sich zu zählen zu den Söhnen Roms

In solchem harten Stand, wie diese Zeit

Uns aufzulegen droht.

CASSIUS.

Ich bin erfreut, daß meine schwachen Worte

Dem Brutus so viel Funken nur entlockt.


Cäsar und sein Zug kommen zurück.


BRUTUS.

Das Spiel ist aus, und Cäsar kehrt zurück.

CASSIUS.

Wenn sie uns nahn, zupft Casca nur am Ärmel:

Er wird nach seiner mürr'schen Art Euch sagen,

Was von Belang sich heut ereignet hat.

BRUTUS.

Ich will es tun. Doch seht nur, Cassius,

Auf Cäsars Stirne glüht der zorn'ge Fleck,[190]

Die andern sehn gescholtnen Dienern gleich.

Calpurnias Wang' ist blaß, und Cicero

Blickt mit so feurigen und roten Augen,

Wie wir ihn wohl im Kapitol gesehn,

Wenn Senatoren ihn im Rat bestritten.

CASSIUS.

Casca wird uns berichten, was es gibt.

CÄSAR.

Antonius!

ANTONIUS.

Cäsar?

CÄSAR.

Laßt wohlbeleibte Männer um mich sein,

Mit glatten Köpfen, und die nachts gut schlafen:

Der Cassius dort hat einen hohlen Blick;

Er denkt zu viel: die Leute sind gefährlich.

ANTONIUS.

Oh, fürchtet den nicht: er ist nicht gefährlich.

Er ist ein edler Mann und wohl gesinnt.

CÄSAR.

Wär' er nur fetter! – Zwar ich fürcht' ihn nicht;

Doch wäre Furcht nicht meinem Namen fremd,

Ich kenne niemand, den ich eher miede

Als diesen hagern Cassius. Er liest viel;

Er ist ein großer Prüfer und durchschaut

Das Tun der Menschen ganz; er liebt kein Spiel,

Wie du, Antonius; hört nicht Musik;

Er lächelt selten, und auf solche Weise,

Als spott' er sein, verachte seinen Geist,

Den irgend was zum Lächeln bringen konnte.

Und solche Männer haben nimmer Ruh',

Solang' sie jemand größer sehn als sich.

Das ist es, was sie so gefährlich macht.

Ich sag' dir eher, was zu fürchten stände,

Als was ich fürchte: ich bin stets doch Cäsar.

Komm mir zur Rechten, denn dies Ohr ist taub,

Und sag mir wahrhaft, was du von ihm denkst!


Cäsar und sein Gefolge ab. Casca bleibt zurück.


CASCA.

Ihr zogt am Mantel mich: wollt Ihr mich sprechen?

BRUTUS.

Ja, Casca; sag uns, was sich heut begeben,

Daß Cäsar finster sieht.

CASCA.

Ihr wart ja bei ihm: wart Ihr nicht?

BRUTUS.

Dann fragt' ich Casca nicht, was sich begeben.[191]

CASCA. Nun, man bot ihm eine Krone an, und als man sie ihm anbot, schob er sie mit dem Rücken der Hand zurück: so –; und da erhob das Volk ein Jauchzen.

BRUTUS. Worüber jauchzten sie zum andern Mal?

CASCA. Nun, auch darüber.

CASSIUS. Sie jauchzten dreimal ja: warum zuletzt?

CASCA. Nun, auch darüber.

BRUTUS. Wurd' ihm die Krone dreimal angeboten?

CASCA. Ei, meiner Treu, wurde sie's, und er schob sie dreimal zurück, jedesmal sachter als das vorige Mal; und bei jedem Zurückschieben jauchzten meine ehrlichen alten Freunde.

CASSIUS. Wer bot ihm die Krone an?

CASCA. Je nun, Antonius.

BRUTUS. Sagt uns die Art und Weise, lieber Casca!

CASCA. Ich kann mich ebenso gut hangen lassen, als euch die Art und Weise erzählen: es waren nichts als Possen, ich gab nicht acht darauf. Ich sah den Mark Anton ihm eine Krone anbieten – doch eigentlich war's keine rechte Krone, es war so 'ne Art von Stirnband –, und wie ich euch sagte, er schob sie einmal beiseite; aber bei allem dem hätte er sie nach meinem Bedünken gern gehabt. Dann bot er sie ihm nochmals an, und dann schob er sie nochmals zurück; aber nach meinem Bedünken kam es ihm hart an, die Finger wieder davon zu tun. Und dann bot er sie ihm zum dritten Male an; er schob sie zum dritten Male zurück: und jedesmal, daß er sie ausschlug, kreischte das Gesindel und klatschte in die rauhen Fäuste, und warfen die schweißigen Nachtmützen in die Höhe, und gaben eine solche Last stinkenden Atems von sich, weil Cäsar die Krone ausschlug, daß Cäsar fast daran erstickt wäre; denn er ward ohnmächtig und fiel nieder, und ich für mein Teil wagte nicht zu lachen, aus Furcht, ich möchte den Mund auftun und die böse Luft einatmen.

CASSIUS. Still doch! ich bitt' Euch: Wie? er fiel in Ohnmacht?

CASCA. Er fiel auf dem Marktplatze nieder, hatte Schaum vor dem Munde und war sprachlos.

BRUTUS. Das mag wohl sein: er hat die fallende Sucht.

CASSIUS.

Nein, Cäsar hat sie nicht. Doch Ihr und ich

Und unsrer wackrer Casca: wir haben sie.[192]

CASCA. Ich weiß nicht, was Ihr damit meint; aber ich bin gewiß, Cäsar fiel nieder. Wenn das Lumpenvolk ihn nicht beklatschte und auszischte, je nachdem er ihnen gefiel oder mißfiel, wie sie es mit den Komödianten auf dem Theater machen, so bin ich kein ehrlicher Kerl.

BRUTUS. Was sagt' er, als er zu sich selber kam?

CASCA. Ei nun, eh' er hinfiel, als er merkte, daß der gemeine Haufe sich freute, daß er die Krone ausschlug, so riß er euch sein Wams auf und bot ihnen seinen Hals zum Abschneiden – triebe ich irgend' ne Hantierung, so will ich mit den Schuften zur Hölle fahren, wo ich ihn nicht beim Wort genommen hätte-, und damit fiel er hin. Als erwieder zu sich selbst kam, sagte er, wenn er irgend was Unrechtes getan oder gesagt hätte, so bäte er Ihre Edeln, es seinem Übel beizumessen. Drei oder vier Weibsbilder, die bei mir standen, riefen: »Ach, die gute Seele!« und vergaben ihm von ganzem Herzen. Doch das gilt freilich nicht viel; wenn er ihre Mütter tot geschlagen hätte, sie hätten's ebenso gut getan.

BRUTUS. Und darauf ging er so verdrießlich weg?

CASCA. Ja.

CASSIUS. Hat Cicero etwas gesagt?

CASCA. Ja, er sprach Griechisch.

CASSIUS. Was wollt' er denn?

CASCA. Ja, wenn ich euch das sage, so will ich euch niemals wieder vor die Augen kommen. Aber die ihn verstanden, lächelten einander zu und schüttelten die Köpfe. Doch was mich anlangt, mir war es Griechisch. Ich kann euch noch mehr Neues erzählen: dem Marullus und Flavius ist das Maul gestopft, weil sie Binden von Cäsars Bildsäulen gerissen haben. Lebt wohl! Es gab noch mehr Possen, wenn ich mich nur darauf besinnen könnte.

CASSIUS. Wollt Ihr heute abend bei mir speisen, Casca?

CASCA. Nein, ich bin schon versagt.

CASSIUS. Wollt Ihr morgen bei mir zu Mittag speisen?

CASCA. Ja, wenn ich lebe, und Ihr bei Eurem Sinne bleibt, und Eure Mahlzeit das Essen verlohnt.

CASSIUS. Gut, ich erwart' Euch.

CASCA. Tut das: lebt beide wohl! Ab.[193]

BRUTUS.

Was für ein plumper Bursch ist dies geworden?

Er war voll Feuer als mein Schulgenoß.

CASSIUS.

Das ist er jetzt noch bei der Ausführung

Von jedem kühnen, edlen Unternehmen,

Stellt er sich schon so unbeholfen an.

Dies rauhe Wesen dient gesundem Witz

Bei ihm zur Brüh': es stärkt der Leute Magen,

Eßlustig seine Reden zu verdaun.

BRUTUS.

So ist es auch. Für jetzt verlass' ich Euch,

Und morgen, wenn Ihr wünscht mit mir zu sprechen,

Komm' ich zu Euch ins Haus; doch wenn Ihr wollt,

So kommt zu mir, und ich will Euch erwarten.

CASSIUS.

Das will ich: bis dahin gedenkt der Welt!


Brutus ab.


Gut, Brutus, du bist edel; doch ich sehe,

Dein löbliches Gemüt kann seiner Art

Entwendet werden. Darum ziemt es sich,

Daß Edle sich zu Edlen immer halten.

Wer ist so fest, den nichts verführen kann?

Cäsar ist feind mir, und er liebt den Brutus.

Doch wär' ich Brutus nun, er Cassius,

Er sollte mich nicht lenken. Diese Nacht

Werf' ich ihm Zettel von verschiednen Händen,

Als ob sie von verschiednen Bürgern kämen,

Durchs Fenster, alle voll der großen Meinung,

Die Rom von seinem Namen hegt, wo dunkel

Auf Cäsars Ehrsucht soll gedeutet sein.

Dann denke Cäsar seines nahen Falles;

Wir stürzen bald ihn, oder dulden alles.


Ab.


Quelle:
William Shakespeare: Sämtliche Werke in vier Bänden. Band 4, Berlin: Aufbau, 1975, S. 185-194.
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